Kategorie: Zeitschriftenarchiv

Geld-Revolution im Hinterland – Markus Gärtner 0

Geld-Revolution im Hinterland – Markus Gärtner

Alter­na­ti­ve Währun­gen auf dem Vormarsch

ie Berks­ha­res sehen aus wie normale
Bank­no­ten. Und sie tragen die
Portraits von berühm­ten Bürgern
aus dem Bezirk Berkshire im Westen
von Massa­chu­setts: W.E.B. Du Bois,
der Begrün­der der Bürgerrechts-Bewegung
und erster Empfän­ger eines
Doktor­ti­tels an der Harvard-Universität;
Herman Melvil­le, der Autor von
Moby Dick; oder Norman Rock­well, einer
der belieb­tes­ten amerikanischen
Maler des 20. Jahr­hun­derts. Sie alle
zieren die Bank­no­ten von Amerikas
erfolg­reichs­ter Alternativ-Währung,
dem Berks­ha­re. Das Geld wurde
2006 erst­mals ausge­ge­ben, im westlichsten
Bezirk des Bundesstaates
Massa­chu­setts. Inzwi­schen kursieren
drei Millio­nen Berks­ha­res. Hunderte
von Geschäf­ten nehmen sie an.
Die alter­na­ti­ven Geld­schei­ne werden
sogar benutzt, um Löhne zu zahlen,
oder Steu­er­schul­den zu begleichen.
Mehr als 400 Geschäf­te akzeptieren
sie als gülti­ges Zahlungs­mit­tel. Sie
sollen die regio­na­le Wirt­schaft weniger
abhän­gig von der vola­ti­len Weltwirtschaft
und von den großen Banken
machen. In den teilnehmenden
Geschäf­ten am Ort weisen Schil­der in
den Schau­fens­tern darauf hin, dass
Berks­ha­res ange­nom­men werden.
Ein eigens gedruck­tes Buch weist,
wie ein Tele­fon­buch, die Geschäfte
aus, die Berks­ha­res akzeptieren.

Weder Armut noch Überfluss – Pat Christ 0

Weder Armut noch Überfluss – Pat Christ

Hans Diefen­ba­cher über die neue (Arbeits)Freiheit in der Postwachstumsgesellschaft

Unter dem Komman­do der Wachts­ums­ideo­lo­gen wird geschuf­tet auf Teufel komm raus. Arbeit ist in unse­rer Gesell­schaft von höchs­tem Wert. Aller­dings nur die Erwerbs­ar­beit. Andere Arbeit findet zwar zuhauf statt. Doch wird sie nicht entlohnt. Und schon gar nicht wert­ge­schätzt. „Hier bedarf es einer Verän­de­rung des gesell­schaft­li­chen Moni­to­rings“, fordert der Umwelt­öko­nom Profes­sor Hans Diefen­ba­cher von der Forschungs­stät­te der Evangelischen
Studi­en­ge­mein­schaft (FEST).

Die Plau­si­bi­li­tät von Wachs­tum als höchs­tes wirt­schafts­po­li­ti­sches Ziel steht zuneh­mend in Frage. Zwar wird es durch Wachs­tum – rein theo­re­tisch – möglich, immer mehr zu konsu­mie­ren. Doch laut Diefen­ba­chers Analy­sen steigt die Lebens­zu­frie­den­heit dadurch nicht an. Oft ist sogar das Gegen­teil der Fall. Denn zu viel bleibt auf der Stre­cke. In einer rein auf das Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) ausge­rich­te­ten Gesell­schaft haben etwa Haus­ar­beit oder Ehren­amt kaum einen Wert. Dennoch zielen die Appel­le der Poli­ti­ker und Poli­ti­ke­rin­nen einzig auf ein Hinauf­trei­ben des BIP als unan­ge­foch­te­nes Ziel ab.

Nicht nur Poli­ti­kern diesen Star zu stechen, darum bemü­hen sich Aufklä­rer wie Hans Diefen­ba­cher immer inten­si­ver. So zeigt der Heidel­ber­ger Forscher auf, dass ab einem bestimm­ten Einkom­men eine klare Entkopp­lung der Verbin­dung zwischen Wirt­schafts­wachs­tum und der empfun­de­nen Lebens­qua­li­tät stattfindet.

Schweizer Bodenstiftungen arbeiten zusammen – Heinz Girschweiler 0

Schweizer Bodenstiftungen arbeiten zusammen – Heinz Girschweiler

Sechs Schwei­zer Boden­stif­tun­gen haben beschlos­sen, sich zu vernet­zen. Darin waren sie sich bei ihrem ersten Tref­fen Ende März in Basel einig. Erste
Vorha­ben sind eine gemein­sa­me Inter­net­platt­form und eine öffent­li­che Tagung mit poli­ti­scher Stoßrichtung.

Am 26. März trafen sich Vertre­te­rin­nen und Vertre­ter von sechs Schwei­zer Stif­tun­gen, die sich für Boden als Gemein­gut statt als Speku­la­ti­ons­ob­jekt einset­zen. Die Initia­ti­ve zum Tref­fen ging von der NWO-Stif­tung Belcam­po aus. Sie hatte das Vorha­ben an ihrer öffent­li­chen Tagung in Bern vom Januar
2012 ange­kün­digt. Alle sechs einge­la­de­nen Stif­tun­gen folg­ten ihrem Ruf. Beim Tref­fen im Basler „Unter­neh­men Mitte“ ging es zunächst einmal darum, einan­der kennen zu lernen. Aus den Kurz­re­fe­ra­ten ergab sich eine große grund­sätz­li­che Über­ein­stim­mung bezüg­lich des Reform­be­darfs im Schwei­zer Boden­recht. Zwar setzen die Stif­tun­gen die Schwer­punk­te in ihrer konkre­ten Tätig­keit unter­schied­lich, doch äußer­ten alle Anwe­sen­den das Bedürf­nis, künf­tig mit Schwei­zer Part­nern zusam­men­zu­ar­bei­ten. Ziel dieser Zusam­men­ar­beit soll es sein, die Basis der boden­re­for­me­ri­schen Kräfte zu verbreitern.

10 Jahre Regiogeld in der Praxis … und es geht doch! – Interview mit Sterntaler-Gründer Franz Galler 0

10 Jahre Regiogeld in der Praxis … und es geht doch! – Interview mit Sterntaler-Gründer Franz Galler

Andre­as Bange­mann führte das Inter­view mit Franz Galler.

AB: „Franz – du hast dich die letz­ten 10 Jahre neben Privat- und Berufs­le­ben für ein neues Mitein­an­der einge­setzt. Seit 2002 bist du Vorstand des als Nach­bar­schafts­hil­fe-Verein gestar­te­ten STAR e.V. 2007 hast du die Sozi­al­ge­nos­sen­schaft Regio­STAR eG gegrün­det und dort verschie­de­ne Hand­lungs­be­rei­che wie einen Dorf­la­den, Garten­pro­jek­te und Foto­vol­ta­ik-Anla­gen inte­griert. Das Beson­de­re dabei – der Austausch und die zins­freie Verrech­nung von Leis­tun­gen zwischen Privat­per­so­nen und den Unter­neh­men mittels zweier komple­men­tä­rer Regio­nal­wäh­run­gen: dem Euro gedeck­ten ‚Stern­ta­ler‘ und der mit Dienst­leis­tun­gen und Waren gedeck­ten Buch­geld-Währung ‚Talen­te‘. Sind dir als frühe­rer Banker die Regio­geld-Ideen einfach
so vom Himmel gefal­len oder gibt es ein konkre­tes Schlüs­sel­er­leb­nis dafür, dass du das ‚Denk­ge­fäng­nis‘ Geld verlas­sen hast?“

FG: „Ich bin nach wie vor Banker – aller­dings nicht mehr der in ‚Nieten und Nadel­strei­fen‘. Ich betreue zusam­men mit zwei Kolle­gen auf selb­stän­di­ger Basis wenige vermö­gen­de Kunden. Dies ist mein ‚Brot­be­ruf‘, der mir über 10 Jahre lang mein Enga­ge­ment als Regio­nal­ent­wick­ler möglich machte. Grund meines Enga­ge­ments war ein Schock: ich wurde im Jahr 2002 als ange­stell­ter Vermö­gens­be­ra­ter mit 1200 Leuten von einer der großen deut­schen Banken ohne Vorwar­nung von einem Tag auf den ande­ren gekün­digt. Für mich unvorstellbar.
Wie kann man jemand, der sehr erfolg­reich arbei­tet, einfach auf die Straße werfen? Wie kann man ein gesun­des Unter­neh­men mit über 300.000 Kunden einfach schlie­ßen, nur weil es angeb­lich zu wenig Rendi­te erwirt­schaf­tet? Da habe ich beschlos­sen, nicht immer noch mehr, sondern weni­ger arbei­ten zu wollen und dafür ein sozia­les Projekt zu star­ten. Daraus sind in den letz­ten 10 Jahren ca. 30 Stun­den je Woche gewor­den – bis vor 2 Jahren ausschließ­lich ehren­amt­lich. Seit gut zwei Jahren gebe ich mein prak­ti­sches Wissen als Hoch­schul-Dozent oder als Spezia­list für Regio­geld-Themen in ande­ren Regio­nen weiter. Die Betreu­ung von Stern­ta­ler und Talen­ten habe ich zum Ende 2012 einge­stellt. Zusam­men mit meiner Frau führe ich im Berch­tes­ga­de­ner Land seit Anfang letz­ten Jahres das Zallis Natur­kost Café mit baye­ri­schem Bier­gar­ten, wo wir nicht nur vege­ta­ri­sche, gesun­de und voll­wer­ti­ge Produk­te anbie­ten, sondern dabei die Regio­geld-Idee so weit wie nur möglich leben. Und es geht!“

Der Rubel muss rollen, aber nicht in die Steueroasen! – Kommentar von Wilhelm Schmülling 0

Der Rubel muss rollen, aber nicht in die Steueroasen! – Kommentar von Wilhelm Schmülling

Es ist schon erstaun­lich: Aus dem armen Russ­land flos­sen seit Jahren Milli­ar­den­be­trä­ge zur sonni­gen Mittel­meer­in­sel Zypern. Zuvor war die Sowjet­uni­on trotz und wegen der bis ins Kleins­te geplan­ten Wirt­schaft zusam­men­ge­bro­chen und hatte nur arme Menschen hinter­las­sen, bis auf dieje­ni­gen Funk­tio­nä­re, die das Volks­ei­gen­tum priva­ti­sier­ten und sich kapi­ta­lis­tisch zu berei­chern verstan­den. Sie waren es, die den Rubel rollen ließen, zunächst in heimatliche
Gefil­de, dann durch Schlupf­lö­cher in Steu­er­oa­sen. Zypern geriet in den Fokus der Neurei­chen. Das Klima dort lockte eben­falls und der Rubel rollte dort hin.

Für sie nur bedau­er­lich, dass die Banken in Zypern die verspro­che­nen hohen Zinsen nach eini­ger Zeit nicht mehr zahlen und die Regie­rung die Banken nicht mehr stüt­zen konn­ten. Das Ziel der russi­schen (und ande­rer Anle­ger), die Vermeh­rung ihres Kapi­tals ohne eigene Arbeit zu errei­chen, geriet in Gefahr. Dieses Geschäfts­mo­dell, mit dem gerings­ten Aufwand den höchs­ten Gewinn zu erzie­len, begann zu erodie­ren, erst recht, als die Regie­rung in Niko­sia Hilfe
von der EU erwar­te­te und zunächst nicht bekam. Nun schwan­te den Anle­gern neben der Zins­min­de­rung noch Schreck­li­che­res: der teil­wei­se Verlust ihres Einsatzes.

Die Grenzen der Postwachstumsforschung – Pat Christ 0

Die Grenzen der Postwachstumsforschung – Pat Christ

HUMANE WIRTSCHAFT sprach mit Mitglie­dern der Bundes­tags-Enquete­kom­mis­si­on „Wachs­tum – Wohl­stand – Lebensqualität“

Die Ener­gie­wen­de sei gera­de­zu eine Probe aufs Exem­pel, inwie­weit sich „green growth“ erfolg­reich umset­zen lässt – dies verkün­de­te Franz Fehrenbach
von der Robert Bosch GmbH im Febru­ar bei einer Green­tech-Konfe­renz in Frank­furt. Bosch sieht in der Ener­gie­wen­de vor allem eines: Wachstumschancen.
Und genau darum scheint es in Deutsch­land nach wie vor zu gehen. Trotz zuneh­men­der Wachs­tums­kri­tik. Und einer Enquete­kom­mis­si­on, die den Stel­len­wert von Wachs­tum eben­falls kritisch hinterfragt.

Vor rund drei Jahren ließ Angela Merkel verlau­ten: „Wir müssen lernen, den Wachs­tums­be­griff neu zu defi­nie­ren.“ Anfang 2011 äußer­te sie in einer Grund­satz­re­de gar, es sei einer der „der fatals­ten Irrtü­mer“ auf den Finanz­märk­ten, „dass man das Wachs­tum über alles gesetzt hat“. Viel­leicht klang das seiner­zeit gut. Zwischen­zeit­lich scheint Merkel jeden­falls verges­sen zu haben, was sie damals gesagt hat.

Gegen den Strom – Interview mit Christine Allais und Christian Gomez 0

Gegen den Strom – Interview mit Christine Allais und Christian Gomez

Maurice Allais – über Leben und Lehren eines libe­ra­len Sozialisten

Der fran­zö­si­sche Wirt­schafts­no­bel­preis­trä­ger Maurice Allais (1911–2010) schlug in seinem nobel­preis­ge­krön­ten Werk „Écono­mie et Inté­rêt“ von 1947 die Verstaat­li­chung des Bodens und die „konti­nu­ier­li­che Entwer­tung des umlau­fen­den Geldes“ vor[1] – Maßnah­men, die auch den Kern der „Natür­li­chen
Wirt­schafts­ord­nung“ Silvio Gesells darstel­len. In St. Cloud bei Paris im ehema­li­gen Büro von Maurice Allais trafen Prof. Dr. Dirk Löhr und Jean-Pierre Colas dessen Toch­ter Chris­ti­ne Allais und seinen Schü­ler Chris­ti­an Gomez. Diese stel­len im Inter­view den Menschen Maurice Allais, seine Ideen und Anschau­un­gen vor.

Bayerische Blütenpracht – Ute Scheub 0

Bayerische Blütenpracht – Ute Scheub

Der baye­ri­sche Chiem­gau­er ist Deutsch­lands erfolg­reichs­tes Regio­geld. Vom Trach­ten­ver­ein über den Frau­en­not­ruf bis zu Geschäfts­leu­ten und Mikro­kre­dit­neh­mern – alle profi­tie­ren von ihm.
„Gestat­ten, mein Name ist Chiem­gau­er. Ich bin mehr Schein als Sein, was im Übri­gen nicht nur für mich, sondern für alle Geld­schei­ne der Welt gilt. Sie wundern sich viel­leicht, was für ein schi­ckes, grünes Kleid ich trage. Das tue ich aber nur, wenn ich ein Ein-Chiem­gau­er- Schein bin. Als Zwei-Chiemgauer-
Schein bevor­zu­ge ich ein oran­ge­far­be­nes Outfit, als Fünfer ein gelbes, als Zehner bin ich rot, als Zwan­zi­ger blau und als Fünf­zi­ger lila. Eine einzi­ge Blüten­pracht, nicht wahr? …“

Euro und CHIEMGAUER – Margrit Kennedy 0

Euro und CHIEMGAUER – Margrit Kennedy

Seit 2002 gibt es den Euro – heute also seit elf Jahren. Wohl kaum ein Mensch hat sich bei der Einfüh­rung dieser ersten euro­päi­schen Gemein­schafts­wäh­rung vorstel­len können welche Proble­me damit auf die Menschen in Europa und auf uns in Deutsch­land zukom­men würden. Doch liest man das neue Buch „Tatort Euro“ von Joachim Starbat­ty, so wird klar, dass eine ganze Reihe von Fach­leu­ten die tiefe Krise, in der wir jetzt stecken, deut­lich voraus­ge­se­hen haben.

Seit 2003 – heute also seit zehn Jahren – gibt es den CHIEMGAUER. Wohl kaum jemand hat sich bei seiner Einfüh­rung vorstel­len können, dass dieses Schü­ler­pro­jekt im Laufe der Jahre nicht nur eines der ersten Projek­te seiner Art sondern auch eine der erfolg­reichs­ten Regio­nal­wäh­run­gen in Deutsch­land – ja in Europa – werden würde. Es hat als Vorbild für zahl­rei­che Regio­nal­wäh­run­gen im Inland und auch einige im euro­päi­schen Ausland gedient, und ist zum Hoff­nungs­pro­jekt für viele gewor­den, die in der Umset­zung von regio­na­len und ande­ren komple­men­tä­ren Währun­gen einen Weg zur Befrei­ung aus der Vorherr­schaft eines immer zerstö­re­ri­schen Geld­mo­no­pols sehen.

Der CHIEMGAUER in der Praxis – Christian Gelleri 0

Der CHIEMGAUER in der Praxis – Christian Gelleri

Mit CHIEMGAUER Regio­geld ist es wie mit dem Fahr­rad­fah­ren. Es hört sich erst mal kompli­ziert an und lässt sich am besten prak­tisch erfah­ren. Hätten Sie das Fahr­rad­fah­ren erlernt, wenn Sie die folgen­de Anlei­tung gele­sen hätten?
• Man braucht beim Fahr­rad­fah­ren das Gleich­ge­wicht während der Fahrt.
• Dabei kompen­siert man beim Gera­de­aus­fah­ren auftre­ten­de Seiten­nei­gun­gen durch Lenker­ein­schlag in die Fallrichtung.
• Um eine Kurve zu fahren, provo­ziert man durch Gewichts­ver­la­ge­rung in Kurven­rich­tung oder durch kurzen Lenker­ein­schlag in die entge­gen­ge­setz­te Rich­tung eine leich­te Seiten­nei­gung in Kurven­rich­tung und kompen­siert nun diese Neigung durch Lenker­ein­schlag in die Kurvenrichtung.
• Das erzeugt wieder ein Gleich­ge­wicht und der Roller oder das Fahr­rad fährt nun in eine neue Richtung.
(Theo­rie des Fahr­rad­fah­rens aus Wikibooks.org)

Mit dieser Lern­me­tho­de wären die Fahr­rä­der wohl längst verschwun­den. Auch beim CHIEMGAUER ist es leich­ter, einfach mal einen Schein in die Hand zu nehmen und auszu­ge­ben. Wie das aus Sicht der verschie­de­nen Teil­neh­mer funk­tio­niert, wird anhand der Perspek­ti­ven der Verbrau­cher, der Unter­neh­mer, der Verei­ne und der Gemein­den darge­stellt. Diese Grup­pen reprä­sen­tie­ren das Wirt­schafts­le­ben, die Kultur und das Rechts­le­ben und die vielen Indi­vi­du­en, die ihre Bedürf­nis­se zur Gelt(!)ung bringen.

Schnelles Geld machen – Andreas Bangemann 1

Schnelles Geld machen – Andreas Bangemann

Schnel­les Geld machen
Keine Sorge, Tipps mit Hinwei­sen für Geld­an­la­gen, mit denen man den „schnel­len Euro“ machen kann, gibt es bei uns nicht. Das „schnell“ bezieht sich auf die Umlauf­ge­schwin­dig­keit. Und die hat etwas mit der „Konsis­tenz“ des Geldes zu tun. Die Beschaf­fen­heit von Geld hat nämlich maßgeb­li­chen Einfluss
auf die Geschwin­dig­keit und Kontrol­lier­bar­keit seines Flus­ses durch die Wirt­schaft. Was hat es für Folgen, wenn Geld sich in den Wirt­schafts­bah­nen verfes­tigt und unbe­weg­li­cher wird, wenn es verharzt und verklumpt? Was bedeu­tet es, wenn es „flüs­si­ger“ ist? Maurice Allais, dessen Werk im Rahmen eines
Inter­views in dieser Ausga­be vorge­stellt wird, sprach sich für „schmel­zen­des Geld“ („monnaie fondan­te“) aus. Der Gedan­ke des „Flie­ßen­den Geldes“ gewinnt zuneh­mend an Bedeutung.

Immer mehr Menschen welt­weit erken­nen, dass die Eigen­schaf­ten des Geldes inner­halb der Wirt­schaft mit Regeln beein­flusst werden können. Mehr noch: Sie erken­nen die Gestalt­bar­keit des Geld­sys­tems als Ganzes durch gemein­sa­men Willen, denn Geld ist bloß ein mäch­ti­ges Werk­zeug. Ein Medium und
Tauschvermittler.

Veronika Spielbichler – Foto: © Manuel Bangemann 1

Eine Reise nach Wörgl – Reisebericht von Manuel Bangemann

Während meines Urlaubs in Tirol habe
ich das schöne Städt­chen Wörgl besucht,
von dem ich schon so viel Interessantes
gehört hatte. Am meisten
haben es mir dabei die „sagen­um­wo­be­nen“
Ereig­nis­se rund um das weltberühmte
Wörg­ler Freigeldexperiment
angetan.
So lande­te ich bei Vero­ni­ka Spielbichler,
der Leite­rin des Unterguggenberger-
Insti­tuts in Wörgl.
Sie ist eine ausge­spo­che­ne Fachfrau
auf dem Gebiet und eine begeisterte
Anhän­ge­rin des geschichtsträchtigen
Regio­nal­geld-Expe­ri­ments. Sie setzt
sich mit verschie­de­nen Akti­vi­tä­ten für
die Verbrei­tung dieses Wissens ein.

Roman Huber 0

Wenn wir Bürger nicht gestalten, tun es andere. – Roman Huber

2013 ist ein Wahl­jahr. Im September
sollen wir Bürger und Bürge­rin­nen unser
demo­kra­ti­sches Recht nutzen und
unsere Stimme im Wahl­lo­kal abgeben.
Danach sehen wir sie nie wieder. Verständlicherweise
sehen Viele dieser
Über­ga­be des Volks­wil­lens an unsere
Volks­ver­tre­ter mit Resi­gna­ti­on entgegen.
Wir leben in einem hochkomplexen,
globa­li­sier­ten System, das die
Poli­tik kaum mehr steu­er­bar macht.
Sach­zwän­ge machen schein­bar bestimmte
Entschei­dun­gen alternativlos,
warum sollen wir dann über­haupt noch
wählen?

Ratschläge eines Gärtners – Stefan Nold 0

Ratschläge eines Gärtners – Stefan Nold

In dem Film von Hal Ashby „Welco­me
Mr. Chance“ spielt Peter Sellers einen
Gärt­ner, der weder lesen noch schreiben
kann. Durch Zufall wird er für den
ameri­ka­ni­schen Präsi­den­ten zum wichtigsten
Bera­ter. Seine mit tiefem Ernst
vorge­tra­ge­nen Sprü­che wie „Auf den
Früh­ling folgt der Sommer, dann der
Herbst und der Winter“ werden allseits
als Quelle tiefer Weis­heit bewundert.
Einige von solchen Sprü­chen habe ich
auch auf Lager:
Kluge Köpfe sind Kapital
Unser wirt­schaft­li­ches Denken klebt
an mate­ri­el­len Dingen. Was in den Köpfen
steckt, taucht in keiner Bilanz auf.
Nach dem Krieg hat das in den Köpfen
vorhan­de­ne Know-How den deutschen
Wirt­schafts­wun­der-Motor angetrieben.
Damals hatte Portu­gal Gold, Deutschland
ein kaput­tes Land. Nach unserer
Bilan­zie­rungs­me­tho­de hätte Portugal
erfolg­rei­cher sein müssen, denn wir
bilan­zie­ren nur Gold, Immo­bi­li­en, Kapital.
Dabei ist es das Know-How, das
auf lange Sicht den Unter­schied macht.
Wenn ein Lehrer für tausend Euro Unterrichtsmaterial
kauft, damit seine Schüler
den Stoff durch eigene Anschauung
verste­hen, dann ist das Verbrauch und
damit pfui. Er hätte auch Süßigkeiten
kaufen können. Wenn man für hundert
Millio­nen eine Straße baut, erscheint
sie für exakt diesen Betrag als Aktivposten
in der Bilanz.

Die „Lösung“ der europäischen Krise – Frank Augustin 0

Die „Lösung“ der europäischen Krise – Frank Augustin

Die soge­nann­te Krise ist längst zu
Euro­pas Normal­zu­stand geworden.
Umso erstaun­li­cher ist es, wie hartnäckig
sich die Vorstel­lung von einer
„Lösung“ der Krise hält. Von einer
„Lösung“ wird heute, so scheint es,
immer dann gespro­chen, wenn eine
Bewäl­ti­gung der Proble­me so wahrscheinlich
ist, wie vom Blitz getroffen
zu werden. Dass man Umweltprobleme
„lösen“ will, ist ja noch irgendwie
nach­voll­zieh­bar – auch wenn man sich
kaum vorstel­len kann, wie es gelingen
soll, beispiels­wei­se den CO2-Ausstoß
in kurzer Zeit massiv zu reduzieren
oder mal eben die 126.000 Atommüll-
Behäl­ter aus dem einsturzgefährdeten
Salz­berg­werk Asse zu bergen. Aber
gut, rein theo­re­tisch ist das vielleicht
noch möglich.

Selbsterhaltungstrieb des Geldes  mit vernichtenden Folgen – Milorad Krstić 0

Selbsterhaltungstrieb des Geldes mit vernichtenden Folgen – Milorad Krstić

Werden heute ganze poli­ti­sche Systeme
vom Geld­sys­tem vor sich hergetrieben?
Schafft es eine verhältnismäßig
kleine Élite, die privi­le­giert ist, Geldsysteme
zu steu­ern, über Hypotheken
und siche­rungs­über­eig­ne­te Güter den
Rest der Welt­be­völ­ke­rung zu unterjochen?
Leben wir in einer Illu­si­on, die
sich „demo­kra­ti­sche Frei­heit“ nennt?
Oder befin­den wir uns in Wahr­heit in
Gefan­gen­schaft der Geld­sys­te­me und
können, je nach Leistungsfähigkeit,
nur über die Größe unse­rer Gefängniszelle
mitbestimmen?
Im Volks­mund heisst es häufig „Das
würde ich für kein Geld der Welt tun“
oder „Käuf­lich ist jeder, es ist nur
eine Frage des Prei­ses.“ Sätze wie diese
sind beein­dru­cken­de Belege wie
weit unser Leben vom Geld bestimmt
wird und dass damit (wie selbstverständlich)
auch unsere Charaktereigenschaften
beein­flusst werden.

Negativ- bzw. Minuszins – oder  Zinssenkung durch Umlaufsicherung? – Helmut Creutz 0

Negativ- bzw. Minuszins – oder Zinssenkung durch Umlaufsicherung? – Helmut Creutz

Zinsen im Minus­be­reich, bisher eher
als ein Unwort gemie­den, hatte die FAZ
bereits am 18. Dezem­ber 2012 unter
der Über­schrift „Das Gespenst der negativen
Leitzinsen“[1] behan­delt. Inzwischen
wurde das Thema im in weiteren
Zeitun­gen aufge­grif­fen, bis hin zur
„Neuen Zürcher Zeitung“[2], in der man
sich auch an die Ideen Gesells und dessen
Vorschlä­ge zu einer Belas­tung der
Bargeld­hal­tung erinnerte.
Wie kam es
zu diesen Diskussionen?
Auslö­ser waren die Über­an­stie­ge der
von der EZB den Banken eingeräumten
Geld­mit­tel, die eigent­lich als Sicherheiten
deren Kredit­ge­schäf­te beleben
soll­ten. Statt­des­sen aber wurden diese
von den Banken bei der Zentral­bank in
jenen Bestän­den geparkt, die man unter
dem Begriff „Basis­geld“ zusammenfasst.
– Dieses Basis­geld addiert sich
wieder­um aus dem Banknotenumlauf,
den Mindest­re­ser­ven und jenen so genannten
Einla­ge­fa­zi­li­tä­ten, auf denen
die Banken – wenn über­haupt – normalerweise
nur ganz gerin­ge Überschüsse
zwischen­par­ken und das meist nur
über Nacht. Die Mindest­re­ser­ven dage-
1 siehe: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/
anlei­hen-zinsen/­geld­po­li­tik-das-gespenst-der-nega­ti­ven­leit­zin­sen-
11996945.html
2 Vgl.: http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/
wirt­schafts­nach­rich­ten/ist-der-mone­ta­ris­mus­wi­der­legt-
1.17937413
gen entspre­chen den Zwangseinlagen,
die von allen Banken bei der Zentralbank
gehal­ten werden müssen.

Risikotauschhandel (SWAP im engeren Sinn) – Erhard Glötzl 0

Risikotauschhandel (SWAP im engeren Sinn) – Erhard Glötzl

Mit Risi­ko­han­del kann niemals Wohl­stand geschaf­fen werden. Wenn man das Wesen der SWAP-Geschäf­te offen­legt, indem man den Schlei­er der Komple­xi­tät wegzieht, wird klar: Die Einzi­gen, die letzt­lich dabei dauer­haft gewin­nen, sind die Banken. Warum? – Darum:
SWAPS werden von Banken zur Absi­che­rung von Risi­ken ange­prie­sen. Tatsäch­lich geht es dabei in
den meis­ten Fällen um nichts ande­res als um den Tausch von einem Risiko gegen ein ande­res. Weil man das Wesen dieser Risi­ko­tausch­ge­schäf­te in Form von SWAPS mit Banken viel­fach noch immer nicht versteht, glaubt man in Salz­burg so wie in vielen ande­ren öffent­li­chen Berei­chen, zukünf­ti­ge Finanz­markt­de­sas­ter vermei­den zu können, indem man auf den Finanz­märk­ten nur mehr solche Risi­ko­tausch­ge­schäf­te zur Absi­che­rung von bestehen­den Risi­ken abschließt, die mit dem „Grund­ge­schäft“ zu tun haben. Mit dieser seriös klin­gen­den Formu­lie­rung fällt man aber
nur auf eine Stra­te­gie der Banken hinein, die sich durch diese Formu­lie­rung wenigs­tens einen Teil ihres einträg­li­chen Geschäf­tes mit dem Handel von Risi­ken erhal­ten wollen.

Unter Feuer:  Argentinien kämpft  mit den Geiern – Alicia Rivero 0

Unter Feuer: Argentinien kämpft mit den Geiern – Alicia Rivero

Der Kapi­tän des argen­ti­ni­schen Segel­schul­schif­fes „Libertad“ (Frei­heit) muss sehr über­rascht gewe­sen sein als am 2. Okto­ber 2012 ein ghanai­scher Justiz­be­am­ter mit einem Beschlagnahmebefehl
an Bord erschien. Am Vortag waren sie ja offi­zi­ell von einhei­mi­schen Behör­den empfan­gen worden.
Die Beschlag­nah­me geschah auf Antrag des Geierfonds[1] NML Capi­tal, der zum Konzern des USame­ri­ka­ni­schen Speku­lan­ten Paul Singer gehört. NML Capi­tal hatte auf dem Sekun­där­markt argen­ti­ni­sche Staats­an­lei­hen aufge­kauft und dann an keiner der beiden Schul­den­um­struk­tu­rie­run­gen teil­ge­nom­men, die das Land nach der Staats­plei­te von 2001 durch­führ­te. An der ersten Umschul­dung (2005), die einen beträcht­li­chen Kapi­tal­schnitt bis zu 70 % vorsah, betei­lig­ten sich 76 % der Gläubiger.

([1] Geier­fonds: hoch­spe­ku­la­ti­ve Invest­ment­fonds (Hedge­fonds), die Wert­pa­pie­re von Unter­neh­men bzw. Staa­ten, meist auf dem Sekun­där­markt weit unter dem ursprüng­li­chen Wert kaufen, um später bei einer Restruk­tu­rie­rung den vollen Wert plus Zins­sät­ze zu erstreiten.)

Nehmt uns nicht  die Luft zum  Atmen! – Wilhelm Schmülling 0

Nehmt uns nicht die Luft zum Atmen! – Wilhelm Schmülling

Wer kennt nicht das beglü­cken­de Gefühl des Tief-Einat­mens von taufri­scher Morgen­luft? Man genießt, wie die kühle Luft die Lungen­bläs­chen erreicht, das Blut mit Sauer­stoff aufge­la­den und der Stick­stoff ausge­at­met wird. Unter den vielen Kreis­läu­fen, die den Körper durch­pul­sen, spürt man den lebens­lan­gen Kreis­lauf des Blutes am deut­lichs­ten, ange­sto­ßen vom Einat­men der Luft, der Grund­la­ge allen orga­ni­schen Lebens. Ein Wunder der Natur. Ange­so­gen von Auffrischungssucht,
drängt das Blut in die feins­ten Veräs­te­lun­gen der Adern, während das Herz den Druck und die Steue­rung über­nimmt. Das alles geschieht unbe­wusst; ein noch größe­res Wunder.

Überflusswirtschaft – warum wird sie nicht gebändigt? – Siegfried Wendt 0

Überflusswirtschaft – warum wird sie nicht gebändigt? – Siegfried Wendt

1. Folgen­lo­se Einsichten
Schon im Jahre 1958 schrieb der ameri­ka­ni­sche Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler John Kenneth Galbraith über die Über­fluss­ge­sell­schaft, und im Jahre 2004, als er schon 96 Jahre alt war, erschien sein provo­zie­ren­der Text „The Econo­mics of Inno­cent Fraud“. Die deut­sche Über­set­zung erschien schon ein Jahr später unter dem Titel „Die Ökono­mie des unschul­di­gen Betrugs – vom Realitätsverlust
der heuti­gen Wirt­schaft“. Victor Hugo hat einmal gesagt: „Es gibt nichts Mäch­ti­ge­res auf der Welt als eine Idee, deren Zeit gekom­men ist.“ Falls Galbraith diesen Satz kannte, hätte er ihn vermut­lich durch die folgen­de Fest­stel­lung ergänzt: Wer jedoch die Idee schon hat, wenn ihre Zeit noch nicht gekom­men ist, braucht viel Trost, um nicht an seiner Ohnmacht zu verzwei­feln. Denn seine Kern­the­se, dass eine Mangel­wirt­schaft mit der Zeit zwangs­läu­fig zu einer Über­fluss­wirt­schaft wird, die zu schlim­men Zustän­den führt, wenn sie nicht recht­zei­tig gebän­digt wird, hat bis heute keine prak­ti­schen Folgen gehabt und wird von der Mehr­heit der Volks­wirt­schaft­ler totge­schwie­gen. Mit dem vorlie­gen­den Aufsatz soll dieses Totschwei­gen erschwert werden – gemäß dem Satz: „Alles ist schon einmal gesagt worden, aber da niemand zuhört, muß man es immer von neuem sagen.“[1]
([1] André Gide, franz. Schrift­stel­ler , (* 1869, † 1951))

Vor dem dritten Staatsbankrott? – Marc Hansmann 0

Vor dem dritten Staatsbankrott? – Marc Hansmann

Eine Privat­per­son, ein Unter­neh­men oder eine Gebiets­kör­per­schaft nimmt Kredi­te mit dem Ziel auf, zusätz­li­che Hand­lungs­spiel­räu­me zu gewin­nen. Konsum- und Inves­ti­ti­ons­aus­ga­ben können durch Schul­den­auf­nah­me früher getä­tigt und müssen nicht erst ange­spart werden. Dafür ist ein Preis in Form von Zinsen an die Bank zu zahlen. Selbst­ver­ständ­lich muss der Kredit auch getilgt werden. Doch Staat und Kommu­nen zahlen faktisch ihre Schul­den nicht zurück. Nicht zufäl­lig wird immer nur von der Entwick­lung der (Netto-) Neuver­schul­dung gespro­chen, die sich aus der Brut­to­kre­dit­auf­nah­me abzüg­lich der Tilgung errech­net. Der Einzel­kre­dit muss natür­lich auch von der öffent­li­chen Hand zurück­ge­zahlt werden, aber im Ergeb­nis wird nur umge­schul­det. Die Kredit­auf­nah­me in Höhe der Tilgung gilt als gesetzt.

Vom Geld und anderen Gemeingütern – Pat Christ 0

Vom Geld und anderen Gemeingütern – Pat Christ

„Gemein­gut in Bürge­rIn­nen­hand“ nennt sich ein Verein, der für die Bewah­rung und Demo­kra­ti­sie­rung aller öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen und für die gesell­schaft­li­che Verfü­gung über die natur­ge­ge­be­nen Gemein­gü­ter eintritt. Wasser, Bildung, Mobi­li­tät, Ener­gie und vieles andere sollen wieder demo­kra­tisch kontrol­liert werden. Das erste Projekt 2011 war die Kampa­gne „Wollt-ihrwis­sen“ zum Wasser-Volks­ent­scheid in Berlin. Dabei ging es um die Offen­le­gung von PPP-Geheim­ver­trä­gen. Zahl­rei­che GiB-Akti­vis­tIn­nen bekämp­fen vor Ort in ihren Städ­ten und Gemein­den Priva­ti­sie­rungs­be­stre­bun­gen. Hierzu gehö­ren attac-Grup­pen, lokale Zusam­men­schlüs­se gegen Public Priva­te Part­ners­hip (PPP) und gegen die Bahn­pri­va­ti­sie­rung, sowie lokale Anti­pri­va­ti­sie­rungs­bünd­nis­se. Der Verein selbst ist orga­ni­sa­to­risch und poli­tisch unabhängig.

Die Kraft im Verborgenen – Andreas Bangemann 0

Die Kraft im Verborgenen – Andreas Bangemann

Wupper­tal im Januar 2012. Ein Künst­ler trat auf die Bühne und sagte: „Ich weiß, dass Sie die Dinge mögen, die Sie bereits kennen – aus diesem Grund behal­ten wir ja auch die Poli­ti­ker, die da sind und schau­en die Fern­seh­sen­der, die wir haben und wir sagen: ‚Hallo, immer das Glei­che, wie gut!‘ … und hier ist noch etwas, was Sie kennen: …“ Die Band begann zu spie­len und Arthur Brown, „The God of Hell­fire“, wie er seit den 70er Jahren von seinen Fans genannt wird, sang das Lied „Don’t let me be misun­ders­tood“. Das geschah in einem Musik-Club in Wupper­tal. Da war Arthur Brown bereits in seinem 70. Lebens­jahr. Es schien para­dox. Einer­seits waren seine Sätze eine indi­rek­te Verhöh­nung seines Publi­kums, denen er damit ja zu verste­hen gab, sie seien, wie alle ande­ren Leute auf seinen nicht enden wollen­den Touren durch die Clubs dieser Welt. Offen­bar erleb­te er, dass die Leute immer die glei­chen Lieder von ihm hören wollen. Ande­rer­seits zele­brier­te er selbst die glei­che Exzen­trik, die er schon über 40 Jahre zuvor und bis heute auf die Bühne brach­te, in dem er sich voll­kom­men maskiert und mit seiner einma­li­gen Stimme, so viele Okta­ven singt, wie es wohl kaum ein ande­rer außer ihm schafft.
„Ich bin nur eine arme Seele mit guten Absichten,
Oh Gott, mach, dass man mich nicht missversteht!“
(Über­set­zung des Refrains von „Don’t let me be misunderstood“)

Reich & Arm © Pat Christ
Foto: © Pat Christ
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Warum die Politik Armut will – Pat Christ

„Logik der Ökono­mie – Krise der Arbeit“ heißt ein Taschen­buch aus dem Jahr 2001, das Franz Segbers zusam­men mit Uwe Becker und Micha­el Wiede­mey­er veröf­fent­licht hatte. Fünf Jahre später erschien gemein­sam mit Jürgen Klute „Gute Arbeit verlangt ihren gerech­ten Lohn.“ Aktu­ell lässt der Theo­lo­ge wieder mit einem brisan­ten Thema aufhor­chen: „Reich­tum ist gewollt – Armut auch!“ Vor allem mit Studie­ren­den disku­tiert Segbers darüber, welche Ursa­chen die neue Armut im reichen Land Deutsch­land hat. Wachs­tums­ideo­lo­gie und unge­zü­gel­ter Fort­schritts­glau­be haben offen­sicht­lich nicht erfüllt, was sie seit jeher verspre­chen: Dass es allen Menschen besser gehen wird, wenn wir nur mehr und immer mehr produ­zie­ren. Im Gegen­teil, so Segbers: „In Deutsch­land war die Armut prak­tisch bekämpft. Sie war ledig­lich ein Phäno­men von Rand­grup­pen.“ Vor allem Alters­ar­mut war lange Zeit kein brisan­tes Problem. Jetzt ist diese Proble­ma­tik zurückgekehrt.
Was kein Zufall ist. Deutsch­lands Poli­ti­ker verzö­ger­ten und verlang­sam­ten den sozi­al­po­li­ti­schen Fort­schritt, der sich seit dem 2. Welt­krieg entwi­ckelt hatte, nicht nur, sondern dräng­ten ihn gera­de­zu zurück. Obwohl die Wirt­schaft in den vergan­ge­nen Jahren stetig wuchs, kam es plötz­lich wieder dazu, dass heute viele Menschen nach dem Renten­ein­tritt nicht mehr genug Geld zur Verfü­gung haben, um ihren Lebens­stan­dard zu halten. Sie müssen in schlech­te Wohnun­gen ziehen und sich von dem ernäh­ren, was die Tafel­lä­den bieten.

Schulden machen, um Zinsen bezahlen zu können – Helmut Creutz 0

Schulden machen, um Zinsen bezahlen zu können – Helmut Creutz

Wie der Staat durch Schul­den­auf­nah­me die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet.

In der Darstell­lung sind sowohl die jähr­li­chen Neukre­dit­auf­nah­men der Öffent­li­chen Haus­hal­te in Deutsch­land (gelbe Säulen) als auch die jähr­li­chen Zins­zah­lun­gen in Mrd. Euro (dunkle Kurve) wieder­ge­ge­ben, zusätz­lich im unte­ren sepa­ra­ten Teil außer­dem die durch­schnitt­li­chen Ertrags-Zins­sät­ze der Banken (= Zins­er­trä­ge in Prozent der durch­schnitt­li­chen Bilanz­sum­me). Wie aus dem Vergleich mit diesen Zins­kur­ven deut­lich wird, stie­gen in Folge der Hoch­zins­pha­sen 1974, ‑82
und ‑93 jeweils sowohl die Zins­zah­lun­gen als auch die Neukre­dit­auf­nah­men des Staa­tes deut­lich an.

Was wäre wenn…? – Anselm Stieber 0

Was wäre wenn…? – Anselm Stieber

Der moder­ne Mensch glaubt an Zahlen, an Statis­ti­ken, an Trends, auch wenn sie falsch sind. Zahlen sugge­rie­ren ihm Exakt­heit und damit Sicher­heit. Eine Bindung an Zahlen, die andere Werte­de­fi­ni­tio­nen ausschließt, ist nicht nur eine
menta­le Krank­heit, die sich zur globa­len Seuche entwi­ckelt hat. Die extre­me Fokus­sie­rung unse­res Denkens auf Zahlen hat eine fatale Wirkung: Sie zerstört unsere Kultur, auch die poli­ti­sche und die wirt­schaft­li­che Kultur. Keine Entschei­dung, sei sie poli­ti­scher oder wirt­schaft­li­cher, kultu­rel­ler oder sozia­ler Natur, wird ohne eine zahlen­mä­ßi­ge Begrün­dung getrof­fen. In der Regel sind es Zahlen zu Kosten, also Geld­be­trä­ge. Geld ist aber ein Mittel, kein Zweck.

Darstellung Nr. 034/043 © Helmut Creutz 1

Erläuterungen von Helmut Creutz zur seiner Darstellung Nr. 034043

In der Darstel­lung werden, bezo­gen auf den Zeit­raum 1950 bis 2010 und den deut­schen Wirt­schafts­raum, den Entwick­lun­gen der Geld­ver­mö­gen im oberen Teil der Grafik die der Verschul­dun­gen im unte­ren Teil gegen­über gestellt.
Wie aus den einge­tra­ge­nen nomi­nel­len Milli­ar­den­be­trä­gen hervor­geht, nahmen beide Größen in den 60 Jahren auf etwa das 220- bzw. 260-fache zu. Umge­rech­net in Prozen­ten des BIP, also gemes­sen an der Wirt­schafts­leis­tung stie­gen sie auf gut
das Fünf­fa­che und erreich­ten 2010, mit Größen von 320% bzw. 305% des BIP, mehr als das Drei­fa­che der Wirt­schafts­leis­tung! – Die zusätz­lich einge­tra­ge­nen lang­fris­ti­gen Trend­li­ni­en lassen die Über­ent­wick­lun­gen der Größen durch den Börsen­boom um 2000 ebenso erken­nen wie den nach­fol­gen­den Einbruch durch die Finanzmarkt-Krisen.

Anschnitt (Komp. Martin Bangemann) Original © BirgitH / pixelio 1

Darf’s etwas mehr oder weniger Europa sein? – Johannes Heinrichs

Die aktu­el­le Frage­stel­lung Gleich, ob man die gängi­gen Zeitun­gen liest oder zusam­men­fas­send deren „Pres­se­stim­men“ hört, ob man sich auf Bücher wie das jüngst erschie­ne­ne „Für Europa“ von Daniel Cohn-Bendit und Guy Verhof­stadt einlässt, ob man poli­ti­sche Bildungs­häu­ser, und nicht allein die der Grünen besucht, stets schallt einem der Refrain entge­gen: Wir brau­chen mehr Europa. Die Zeit der Natio­nal­staa­ten ist vorbei. Finanz­mi­nis­ter Schäub­le will eben­falls „mehr Europa“ in Gestalt eines euro­päi­schen Kommis­sars, der künf­tig die Haus­hal­te der Mitglieds­län­der auf ihre Verein­bar­keit mit dem Lissa­bon-Vertrag und den letz­ten Reso­lu­tio­nen mit den rätsel­haf­ten, nicht gerade allge­mein verständ­li­chen Namen ESF (Euro­päi­scher Sozi­al­fonds) und ESMF (Gesetz zur finan­zi­el­len Betei­li­gung am Euro­päi­schen Stabilitätsmechanismus)
über­wacht. Stimmt die Rich­tung? Ist sie gar alter­na­tiv­los? Oder haben die Euro-Skep­ti­ker Recht, die in Europa einen bevöl­ke­rungs- und demo­kra­tiefrem­den Moloch, unter der Fuch­tel der inter­na­tio­na­len Hoch­fi­nanz heran­wach­sen sehen? Haben
ferner die Recht, die ein „Europa der Regio­nen“ fordern, seien es die sepa­ra­tis­ti­schen Bestre­bun­gen der Schot­ten, der Kata­la­nen, der Basken, der Flamen, gar der Bayern, seien es dieje­ni­gen, die darüber­hin­aus eine rigo­ro­se Regionalisierung
der Natio­nal­staa­ten anstre­ben – im Sinne einer neuen Klein­staa­te­rei, die in Mittel­eu­ro­pa noch gar nicht so lange über­wun­den ist?