Kategorie: Wolfgang Berger

Berlemont Brüssel 0

Kon­zerne an die Macht – CETA, TTIP und TiSA – Wolf­gang Ber­ger

CETA, TTIP und TiSA – Rolle rück­wärts von der Demo­kra­tie zum Feuda­lis­mus? – – – Frei­han­del und offene Gren­zen für den Waren­aus­tausch sind segens­rei­che Einrich­tun­gen. Der Klas­si­ker der Natio­nal­öko­no­mie David Ricar­do (1771–1823) hat die Vortei­le an einem einfa­chen Beispiel aufge­zeigt: Die Portu­gie­sen produ­zie­ren guten Wein und die Englän­der gute Wolle.…

business reframing 0

Virtuos oder dressiert – Wolfgang Berger

Virtu­os oder dres­siert Weder Menschen noch Unter­neh­men können gegen die Biolo­gie Erfolg haben Wissen­schaft­li­che Erkennt­nis­se darüber, wie Menschen funk­tio­nie­ren sind schon immer in der Führungs­leh­re berück­sich­tigt worden. Aktu­el­le Forschungs­er­geb­nis­se bieten uns aber Über­ra­schun­gen, die eini­ges über den Haufen werfen. Moti­va­ti­on von außen funk­tio­niert nicht. Anwei­sun­gen laden krea­ti­ve Menschen dazu ein,…

0

Der kältere Krieg hat begonnen – Wolfgang Berger

Geopo­li­tik für die Finanz­in­dus­trie, gegen den Frie­den – Michail Serge­je­witsch Gorbat­schow war von 1985 bis 1991 Gene­ral­se­kre­tär des Zentral­ko­mi­tees der Kommu­nis­ti­schen Partei der Sowjet­uni­on. 1990 und 1991 war er zwei Jahre lang Staats­prä­si­dent der Sowjet­uni­on. Er hat den Eiser­nen Vorhang besei­tigt und die Verei­ni­gung Deutsch­lands ermög­licht. „Die USA benö­ti­gen eine…

(c) Martin Bangemann 0

Inclusive Capitalism – Wie sich der Finanzsektor die Welt unterwirft – Wolfgang Berger

1914 am Vorabend des 1. Welt­kriegs entsprach die Vertei­lung der Geld­ver­mö­gen unge­fähr der von 2014: 10 % der Bevöl­ke­rung war im Besitz von 90 % der Geld­ver­mö­gen. Insge­samt waren sie sieben mal so hoch, wie die Wirt­schafts­leis­tung eines Jahres. 2010 lag dieser Faktor bei 5,5 %, Tendenz weiter anstei­gend. [ermit­tel­te Thomas Piket­ty…

Das transatlantische Freihandelsabkommen – Wolfgang Berger 0

Das transatlantische Freihandelsabkommen – Wolfgang Berger

Finan­zi­el­le Massen­ver­nich­tungs­waf­fen fahren die Ernte ein -
»Le Monde diplo­ma­tique – die fran­zö­si­sche Zeitung für auswär­ti­ge Bezie­hun­gen – bezeich­net das trans­at­lan­ti­sche Feihan­dels­ab­kom­men TAFTA (Trans­at­lan­tic Free Trade and Invest­ment Agree­ment) als „Staats­streich in Zeit­lu­pe“. In gehei­men Verhand­lun­gen wird es von den mäch­tigs­ten Konzer­nen der Welt, die von 600 Indus­trie­ver­bän­den vertre­ten werden, vorbe­rei­tet. Geset­ze benach­tei­li­gen immer dieje­ni­gen, die bei ihrer Verfas­sung nicht dabei sind. Dabei wird der Mensch „wie ein Konsum­gut betrach­tet, das man gebrau­chen und dann wegwer­fen kann“, schreibt Papst Fran­zis­kus im Evan­ge­lii Gaudi­um und fügt hinzu: „Diese Wirt­schaft tötet“. Sie tötet die Würde, die Frei­heit und den Sinn des Lebens der meis­ten Menschen. Viel­leicht hat Benito Musso­li­ni den Begriff Faschis­mus passend defi­niert: „Die Fusion zwischen Groß­kon­zer­nen und Staa­ten“. Wie ist dieser Vernich­tungs­feld­zug geplant worden? Wie wird er durch­ge­führt? Das Killer-Spiel „Live and let die“ (Lebe und lass andere ster­ben) Banken verge­ben Kredi­te gegen Sicher­hei­ten. Jeder Firmen­chef und jeder Haus­ei­gen­tü­mer weiß das. Bei der Kredit­prü­fung wird meist ein Fünf­tel Eigen­ka­pi­tal verlangt. Für die Banken selbst gilt diese Regel nicht. Große Banken arbei­ten mit 95 Prozent Fremd­ka­pi­tal und hebeln so den Ertrag auf ihr eige­nes Kapi­tal. Eine Milli­on Gewinn blei­ben eine Milli­on, wenn das Geschäft mit Eigen­ka­pi­tal finan­ziert wird. Bei fünf Prozent Eigen­ka­pi­tal erhöht sich der auf das Eigen­ka­pi­tal bezo­ge­ne Gewinn dann fast um das zwan­zig­fa­che. Damit recht­fer­ti­gen die Banken die Millio­nen­ga­gen Ihrer Topma­na­ger, die diese Gewin­ne „erwirt­schaf­ten“ – oder sollen wir besser „ergau­nern“ sagen? Die Versu­chung ist groß, dabei Risi­ken einzu­ge­hen, die die Bank selbst nicht auffan­gen kann. Gilt die Bank als system­re­le­vant weil sie „too big to fail“ (zu groß zum Schei­tern) ist, werden ihre Verlus­te auf die Steu­er­zah­ler abge­wälzt. So sind die Staats­schul­den explo­diert und ganze Länder in den Bank­rott getrie­ben worden. In der Krise waren die Staa­ten dann „too week to act“ (zu schwach zum Handeln). Der ersten Test­läu­fe für dieses Spiel sind vor zehn Jahren vorbe­rei­tet worden: Nied­ri­ge Hypo­the­ken­zin­sen und die Erwar­tung stei­gen­der Immo­bi­li­en­prei­se haben auch Subprime-Kredit­neh­mer (das sind solche mit schlech­ter Boni­tät) in den USA zu Haus­ei­gen­tü­mern gemacht. Diese Kredi­te wurden zu „Deri­va­ten“ (abge­lei­te­ten Wert­pa­pie­ren) gebün­delt und mit kurz­fris­ti­gen Rück­kauf­ver­ein­ba­run­gen („Repos“: Sale and Repurcha­se Agree­ments) weiter­ver­kauft. Hank Paul­son – von 1999 bis 2006 CEO (Vorstands­vor­sit­zen­der) der Invest­ment­bank Gold­man Sachs – hat die US-Banken Bear Sterns und Lehman Brothers in Deri­vat­ge­schäf­te in Milli­ar­den­hö­he einge­bun­den. 2006 ist Paul­son US-Finanz­mi­nis­ter gewor­den. Danach haben neue Geset­ze „Deri­va­te“ in „safe havens“ (siche­re Häfen) verwan­delt. Das bedeu­tet: Eine Bank, die Wert­pa­pie­re über Deri­va­te besitzt, kann sie beim Konkurs der Schuld­ner­bank behal­ten. 2008 konn­ten Bear Sterns und Lehman Brothers ihre Verpflich­tun­gen zum Rück­kauf der „Deri­va­te“ gegen­über Gold­man Sachs und dem briti­schen Finanz­un­ter­neh­men Barclays nicht erfül­len; sie brachen zusam­men. Die beiden sieg­rei­chen Banken hatten zwei Konkur­ren­tin­nen „gefres­sen“. Durch EU-Direk­ti­ven haben die Besit­zer von Deri­va­ten auch in Europa bevor­zug­ten Gläu­bi­ger­sta­tus. Während es im regu­lä­ren Insol­venz­recht eine Bevor­zu­gung von Gläu­bi­gern nicht gibt, ist sie bei Deri­va­ten jetzt die Norm. Deri­va­te in Verbin­dung mit Repo- Geschäf­ten schöp­fen Geld ohne Sicher­hei­ten. Die eine Bank nimmt, die andere gibt – und das im Kreis­lauf ad infi­ni­tum. Dieses Killer-Spiel wird in den USA „Live and let die“ (Lebe und lass andere ster­ben) genannt.

Ist die deutsche Energiewende rentabel? – Wolfgang Berger 0

Ist die deutsche Energiewende rentabel? – Wolfgang Berger

Emnid hat ermit­telt, dass 84 Prozent der Deut­schen eine rasche und voll­stän­di­ge Ener­gie­ver­sor­gung mit erneu­er­ba­ren Ener­gi­en wünschen. Jeder Dritte würde sich an Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Anla­gen in seiner Nähe finan­zi­ell betei­li­gen. Das sind über 20 Millio­nen poten­zi­el­le Inves­to­ren. Ist diese Präfe­renz ratio­nal oder ist es eine emotio­na­le Präfe­renz jenseits unter­neh­me­ri­schen Kalküls?

Die meis­ten Unter­neh­men berech­nen die Renta­bi­li­tät ihrer mögli­chen oder geplan­ten Inves­ti­tio­nen mit einer einfa­chen Rech­nung: Sie ermit­teln die zusätz­li­chen Ausga­ben, die bei einer Inves­ti­ti­on Jahr für Jahr notwen­dig werden und die zusätz­li­chen Einnah­men, die diese Inves­ti­ti­on Jahr für Jahr bringt. Die jähr­li­chen Salden dieser Zahlen­rei­he stehen für die Ertrags­kraft der Inves­ti­ti­on.

Nun können wir diese Salden aber nicht einfach addie­ren – wir müssen sie mit der Zeit gewich­ten. Eine Milli­on in diesem Jahr ist mehr als eine Milli­on im nächs­ten Jahr, denn wenn wir es gut anfan­gen, hat sich die eine Milli­on in diesem Jahr bis zum nächs­ten Jahr vermehrt. Wollen wir die Zahlen addie­ren, müssen sie zuvor vergleich­bar gemacht und auf den heuti­gen Tag abzinst werden. Diese „Kapi­tal­wert­me­tho­de“ ist der umge­kehr­te Rechen­vor­gang wie die Zins­be­rech­nung für die Zukunft, nur dass hier die Zahlen nicht größer, sondern klei­ner werden, je weiter das Jahr in der Zukunft liegt, auf das sie sich bezie­hen.

Wenn wir beim Abzin­sen mit zehn Prozent rech­nen, sind eine Milli­on Euro in einem Jahr heute 910.000 Euro wert, denn wenn ich heute 910.000 Euro mit zehn Prozent anlege, habe ich in einem Jahr eine Milli­on. Nicht weil die Zinsen heute zehn Prozent sind; sie sind nied­ri­ger. Aber Inves­ti­ti­ons­kre­di­te sind trotz­dem teuer und Über­zie­hungs­zin­sen sind auch bei einem Leit­zins­satz der Zentral­bank nahe Null weit über zehn Prozent.

Wenn wir mit zehn Prozent rech­nen, sind eine Milli­on Euro in zwei Jahren dann heute noch einmal zehn Prozent weni­ger wert, also 830.000 Euro. Und so können wir weiter rech­nen: Eine Milli­on Euro in zehn Jahren sind heute 390.000 Euro wert. Eine Milli­on Euro in 100 Jahren sind heute 700 Euro wert. Eine Milli­on Euro in 200 Jahren sind heute drei Euro wert und eine Milli­on Euro in 250 Jahren sind abge­zinst heute nur ganze vier Cent wert.

Weil die lang­fris­ti­gen Auswir­kun­gen so lächer­lich gering sind, brau­chen wir die Rech­nung nur für gut zehn
Jahre durch­zu­füh­ren. Was danach geschieht, wirkt sich auf das Ergeb­nis kaum noch aus. Was danach geschieht, beein­flusst die Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen also nicht mehr. In unse­rem gegen­wär­ti­gen destruk­ti­ven Geld­sys­tem erzwingt der Rendi­te­zwang deshalb die Zerstö­rung der Umwelt. Der Erhalt der Umwelt wirkt sich erst lang­fris­tig aus und ist deshalb nicht renta­bel. Eine Nach-uns-die-Sint­flut-Menta­li­tät erhöht den Börsen­wert des Unter­neh­mens (Share­hol­der Value) und ist deshalb die logi­sche Konse­quenz.
In Zeiten nied­ri­ger Zinsen wach­sen die großen Vermö­gen über Aktien und die Speku­la­ti­on mit Deri­va­ten.
Nied­ri­ge Zinsen verlei­hen Deri­va­ten eine Hebel­wir­kung, mit der sie fast die ganze Welt aufkau­fen können.

Bei flie­ßen­dem Geld pendelt der effek­tiv gezahl­te Markt­zins um Null; zusätz­li­che Einnah­men und Ausga­ben von Inves­ti­tio­nen werden deshalb nicht mehr abge­zinst. Damit wird es renta­bel, die Umwelt zu erhal­ten. In einem solchen Geld­sys­tem werden die Märkte deshalb Nach­hal­tig­keit und dauer­haft halt­ba­re Güter erzwin­gen.

Finanzzirkus 0

Der Krieg gegen die arbeitende Bevölkerung – Wolfgang Berger

Im Jahre 1870 bildet die Londo­ner Manège-Schule erst­mals Zirkus­di­rek­to­ren aus. Die Abschluss­qua­li­fi­ka­ti­on für die erfolg­rei­chen Absol­ven­ten ist eine Berufs­be­zeich­nung, die hundert Jahre später auch woan­ders in Mode kommt: Mana­ger. Der Begriff leitet sich vom latei­ni­schen „manum agere“ ab: jemand an der Hand führen.

Im Zirkus hat es ange­fan­gen. Kennen Sie das? Zirkus­tie­re werden an der Leine geführt, mit Tricks und Gewalt dres­siert und zu Kunst­stü­cken gezwun­gen, die sie von sich aus nie tun würden. So wie Zirkus­tie­re gegen ihre Natur auf ein nicht artge­rech­tes Verhal­ten gedrillt werden, dril­len Unter­neh­men viele Menschen gegen ihre Natur auf ein nicht artge­rech­tes Verhal­ten.

„Angst und Geld sind das einzi­ge, was Mitar­bei­ter moti­viert“, meinte Jeffrey Skil­ling, Chef der Enron Corpo­ra­ti­on – einem Ener­gie­kon­zern aus Texas – bis zur spek­ta­ku­lä­ren Pleite in 2001. Der Harvard Absol­vent hatte seine Karrie­re bei der Unter­neh­mens­be­ra­tung McKin­sey begon­nen und dann den größ­ten Wirt­schafts­kri­mi des 20. Jahr­hun­derts insze­niert. Nach jahre­lan­gen Anfech­tungs­kla­gen hat im Sommer 2013 ein Bezirks­rich­ter in Hous­ton, Texas, seine Gefäng­nis­stra­fe von 24 auf 14 Jahre redu­ziert – gegen Zahlung von 40 Millio­nen Dollar.
Die Share­hol­der-Value-Doktrin zerbricht die Menschen

Die Enron-Pleite hat 22.000 Menschen arbeits­los gemacht und zugleich ihre Alters­ver­sor­gun­gen vernich­tet. In den letz­ten fünf Jahren vor dem Zusam­men­bruch hat Enron seinen Gewinn jähr­lich um 65 Prozent stei­gern können. Der nach der Börsen­ka­pi­ta­li­sie­rung gemes­se­ne Wert des Unter­neh­mens war welt­weit an sechs­ter Stelle. Namhaf­te Exper­ten haben im Jahre 2000 den Enron-Verwal­tungs­rat (Board) als einen der fünf besten der USA bewer­tet.

In weni­gen Tagen ist dann das Karten­haus aus Gier, Skru­pel­lo­sig­keit und Größen­wahn zusam­men­ge­fal­len. Auslö­ser für eine Unter­neh­mens­stra­te­gie, die zunächst von der Fach­welt bewun­dert und anschlie­ßend von einem Tsuna­mi regel­recht über­rollt wird, ist ein US-ameri­ka­ni­sches Gerichts­ur­teil. Weil alle großen Firmen eine Nieder­las­sung in den USA haben und dort mit astro­no­mi­schen Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen verklagt werden können, hinter­lässt es eine Spur auf der ganzen Welt:

1932 grün­den Joseph und Charles Revson die Kosme­tik­fir­ma Revlon. Zu Beginn der 1980er Jahre inter­es­siert sich die Leitung der Firma für die Gewin­ne der Eigen­tü­mer, aber außer­dem auch noch für Belan­ge von Beleg­schaft, Kunden und Liefe­ran­ten. Da wird sie verklagt. 1985 verur­teilt der Dela­ware Supre­me Court (das höchs­te Gericht des Bundes­staa­tes) die Führung des Unter­neh­mens. Nach dem Urteil des Gerichts muss die Leitung eines Unter­neh­mens der Eigen­tums­meh­rung der Aktio­nä­re alles – wirk­lich alles andere unter­ord­nen. Mit diesem Urteil gelingt es Ronald Pere­man, die Akti­en­ge­sell­schaft „feind­lich“ zu über­neh­men. Und das heißt: Gegen den erbit­ter­ten Wider­stand der Beleg­schaft und der Unter­neh­mens­lei­tung.

Das Urteil zwingt die Unter­neh­men der Welt zu einer Stra­te­gie, die „Share­hol­der-Value-Doktrin“ genannt wird. „Share­hol­der Value“ ist der Betrag, den das gesam­te Unter­neh­men zum gegen­wär­ti­gen Börsen­kurs wert ist. Das Manage­ment muss mit allen lega­len Mitteln den Unter­neh­mens­wert stei­gern und dadurch den Reich­tum der Aktio­nä­re mehren. Andere Ziele dürfen nur verfolgt werden, wenn es nicht zu Lasten dieses höchs­ten Gebots geht.

Wo die Doktrin nicht befolgt wird, sinkt der Akti­en­kurs – und damit droht eine feind­li­che Über­nah­me des Unter­neh­mens. Fonds, die solche Spiele radi­kal betrei­ben, finan­zie­ren Über­nah­men mit Kredi­ten großer Finanz­in­sti­tu­te, vornehm­lich in der „City of London.“ Die Rück­zah­lung der Kredi­te wird dem erober­ten Unter­neh­men aufge­bür­det. Wenn es den Wert des Unter­neh­mens erhöht, muss die Unter­neh­mens­lei­tung Perso­nal entlas­sen. Naomi Klein beschreibt diese Machen­schaf­ten und ihre Hinter­grün­de auf 763 Seiten detail­liert und fakten­reich: »Die Schock-Stra­te­gie – Der Aufstieg des Kata­stro­phen-Kapi­ta­lis­mus«.

Die Vorstän­de müssen mitspie­len und ihre Verant­wor­tung für das Ganze zurück­stel­len. Die Voraus­set­zun­gen dafür schuf Mitte der 1970er Jahre die Unter­neh­mens­be­ra­tung »McKin­sey & Compa­ny Inc.« Bis dahin waren Mana­ger Arbeit­neh­mer, ebenso wie die ihnen unter­stell­ten Mitar­bei­ter – und stan­den damit in natür­li­chem Inter­es­sen­ge­gen­satz zu den Kapi­tal­eig­nern. Mit „Stock Opti­ons“ (Akti­en­op­tio­nen) wurden die ange­stell­ten Unter­neh­mens­füh­rer von der Seite der Beleg­schaft auf die Seite des Kapi­tals gezo­gen.

Akti­en­op­tio­nen werden als Erfolgs­bo­nus – als Beloh­nung – zusätz­lich zum Gehalt ausge­ge­ben, wenn der Akti­en­kurs eine bestimm­te Höhe erklimmt. Wer solche Optio­nen besitzt, kann sie gegen Aktien des von ihm gelei­te­ten Unter­neh­mens eintau­schen und diese Aktien später auch verkau­fen.

Unab­hän­gig von den Zwän­gen der Recht­spre­chung hat der Inha­ber von Optio­nen ein persön­li­ches Inter­es­se an einem hohen Akti­en­kurs. Die Versu­chung ist groß, diesem Inter­es­se andere Themen unter­zu­ord­nen: die Belan­ge der Beleg­schaft und die lang­fris­ti­ge Zukunft des Unter­neh­mens; gewach­se­ne Kunden- und Liefe­ran­ten­be­zie­hun­gen; Fair­ness gegen­über Wett­be­wer­bern; Loya­li­tät gegen­über Produk­ti­ons­stand­or­ten, die die Infra­struk­tur bereit­stel­len und deren Bevöl­ke­rung von Entlas­sungs­wel­len betrof­fen ist; sowie Rück­sicht auf den Staat, auf dessen Infra­struk­tur alle Unter­neh­men ange­wie­sen sind.

Akti­en­op­tio­nen haben den Kapi­ta­lis­mus von Grund auf verän­dert. Die Führung von börsen­ge­han­del­ten Akti­en­ge­sell­schaf­ten ist seit­dem weni­ger bestrebt, Produk­te oder Dienst­leis­tun­gen anzu­bie­ten, Stand­or­te und Arbeits­plät­ze zu erhal­ten. Sie bemüht sich vor allem darum, den Akti­en­kurs nach oben zu trei­ben. Die übri­gen Arbeit­neh­mer – bis dahin in einer Inter­es­sen­ge­mein­schaft mit der Unter­neh­mens­spit­ze – blei­ben zurück und profi­tie­ren nicht mehr von dem Produk­ti­vi­täts­zu­wachs, den sie erar­bei­ten.
Auch das Land, in dem die Akti­en­ge­sell­schaft ihren Sitz hat, bleibt zurück. Die Mehr­heit der Aktien der 30 größ­ten und umsatz­stärks­ten deut­schen Unter­neh­men, die an der Frank­fur­ter Börse gehan­delt werden – die deut­schen „DAX-Konzer­ne“ – gehört nach Auskunft der Wirt­schafts­prü­fer Ernst & Young auslän­di­schen Inves­to­ren. In ande­ren Ländern ist es kaum anders. Viele dieser Konzer­ne weisen Bilanz­sum­men aus, die das Brut­to­in­lands­pro­dukt der meis­ten Staa­ten dieser Welt über­stei­gen.

Die Fonds haben ihren Sitz über­wie­gend auf exoti­schen Inseln, die ihnen als „tax haven“ (Steu­er­flucht­stät­te) dienen. Diese „Offshore“-Finanzplätze“ liegen jenseits der eige­nen Küste (off shore). Aber die Fonds werden in der „City of London“ verwal­tet. Ähnlich wie der Vati­kan kein Teil Itali­ens ist, gehört der Finanz­di­strikt „City of London“ nicht zu Groß­bri­tan­ni­en. Er ist eine eigen­stän­di­ge poli­ti­sche Einheit. Die dort gülti­gen Geset­ze werden von den ca. 250 global täti­gen Finanz­in­sti­tu­ten gestal­tet, die dort nieder­ge­las­sen sind und keine natio­na­le Iden­ti­tät haben.

Samuel J. Palmisa­no, Aufsichts­rats­vor­sit­zen­der der Compu­ter­fir­ma IBM, drückt die Aufla­gen des Finanz­sek­tors in seiner „Road­map to 2015“ (Ziel­pla­nung für 2015) knackig aus: „Earnings to double“ (Den Gewinn verdop­peln). Unter der Leitung der CEO (Präsi­den­tin) Virgi­nia M. „Ginni“ Romet­ty sollen die welt­weit über 430.000 Mitar­bei­ter die Rendi­ten der Aktien in weni­gen Jahren um 100 Prozent erhö­hen. Dieser Druck wird an die gesam­te Beleg­schaft weiter­ge­ge­ben.

Die Konse­quen­zen zeigen sich in den Verei­nig­ten Staa­ten – dem Ausgangs­punkt der verän­der­ten Recht­spre­chung – am drama­tischs­ten: 1970 verdien­te ein Unter­neh­mens­chef in den USA das 25fache des Durch­schnitts­ein­kom­mens seiner Mitar­bei­ter, heute ist es das 500fache. Im Rest der Welt drif­ten die Einkom­men zwischen der Unter­neh­mens­spit­ze und der Beleg­schaft ähnlich stark ausein­an­der.

Wer stirbt? Wer bleibt übrig? – Wolfgang Berger 0

Wer stirbt? Wer bleibt übrig? – Wolfgang Berger

Finan­zi­el­le Massen­ver­nich­tungs­waf­fen fahren die Ernte ein.

Nied­ri­ge Hypo­the­ken­zin­sen und die Erwar­tung stei­gen­der Immo­bi­li­en­prei­se haben auch „Subprime“-Kreditnehmer (mit schlech­ter Boni­tät) zu Haus­ei­gen­tü­mern gemacht. Diese Kredi­te wurden zu „Deri­va­ten“ gebün­delt und mit kurz­fris­ti­gen Rück­kauf­ver­ein­ba­run­gen („Repos“ = Sale and Repurcha­se Agree­ment) weiter­ver­kauft. So kam erst einmal Geld in die Kasse. Bear Sterns und Lehman Brother (USA) brachen 2008 zusam­men, als sie Rück­kauf­ver­pflich­tun­gen nicht erfül­len konn­ten. Das aber waren nur Test­läu­fe.

Früher wurden Kredi­te gegen Sicher­hei­ten verge­ben. Jeder Haus­ei­gen­tü­mer weiß das. Deri­va­te in Verbin­dung mit Repo-Geschäf­ten schöp­fen Geld ohne Sicher­hei­ten. Die eine Bank nimmt, die andere gibt – und das im Kreis­lauf ad infi­ni­tum. Das Geld kommt nicht in die Real­wirt­schaft, die dem Finanz­sek­tor gleich­gül­tig ist. Deshalb löst es keine Infla­ti­on aus. Der Kreis­lauf hat sich zum Killer-Spiel entwi­ckelt: Live and let die (Lebe und lasse ster­ben). Als Bear Sterns zusam­men­brach war JP Morgan Chase der Sieger. Von Lehman Brothers Unter­gang haben die briti­sche Barclays und Gold­man Sachs profi­tiert.

Der Test hat funk­tio­niert. Gold­man Sachs hat mit Hank Paul­son als USFi­nanz­mi­nis­ter mehre­re Geset­ze durch­brin­gen lassen, die Deri­va­te in safe havens (siche­ren Häfen) verwan­delt haben. Das bedeu­tet: Eine Bank, die Wert­pa­pie­re über Deri­va­te besitzt, kann diese beim Konkurs der Schuld­ner­bank behal­ten. Durch zwei EU-Direk­ti­ven haben Deri­va­te-Besit­zer auch in Europa bevor­zug­ten Gläu­bi­ger­sta­tus. Während es im regu­lä­ren Insol­venz­recht eine Bevor­zu­gung von Gläu­bi­gern nicht gibt, ist sie bei Deri­va­ten jetzt die Norm.

Nun konnte der nächs­te Test­bal­lon stei­gen: Mit MF Global war in 2010 eine US-Bank das Opfer, die Einla­gen von 38.000 Kunden verwal­te­te und Farmern mit Waren­ter­min­ge­schäf­ten die Einnah­men nach der Ernte absi­cher­te. Insge­samt 1,2 Milli­ar­den Dollar sind verschwun­den; tausen­de Farmer haben ihr gesam­tes Vermö­gen verlo­ren. Bran­chen­ken­ner vermu­ten, dass die 1,2 Milli­ar­den über Deri­va­te bei JP Morgan gelan­det sind. Niemand ist verhaf­tet worden; es ist alles nach Recht und Gesetz abge­wi­ckelt worden.

Die EU-Banken-Regu­lie­rung soll uns beru­hi­gen. Die belgisch-fran­zö­si­sche Dexia, die Darle­hen an Kommu­nen verge­ben hat, ist im „Stress-Test“ der Euro­päi­schen Banken­auf­sicht mit der Best­no­te bewer­tet worden und kurz darauf in Schwie­rig­kei­ten gera­ten. Belgi­en, Frank­reich und Luxem­burg muss­ten in 2011 Staats­ga­ran­ti­en in Höhe von 90 Milli­ar­den Euro geben. Gewin­ner waren dies­mal Banken in Canada, Hong­kong und das Emirat Katar. Ihnen allen geht es darum, system­re­le­vant zu werden: so groß, dass sie bei einem Schei­tern geret­tet werden müssen („too big to fail“) – Voll­kas­ko für Raub­über­fäl­le auf Kosten der Steu­er­zah­ler.

Hedge-Fonds betrei­ben das Deri­va­te­ge­schäft unter der Tisch­kan­te der regu­lier­ten Banken in einer atem­be­rau­ben­den Größen­ord­nung weiter. Die offi­zi­el­len Bank­bi­lan­zen sehen sauber aus; die Risi­ken werden verschlei­ert. Die mäch­tigs­te Bank der Welt, die Base­ler Bank für Inter­na­tio­na­len Zahlungs­aus­gleich (BIZ) hat dem ihren Segen erteilt. Ist es ein Plan, verwund­ba­re Banken oder schwa­che Natio­nen auszu­rau­ben? Was jetzt noch fehlt ist ein Crash-Ereig­nis, das die großen Spie­ler brau­chen, um Wett­be­wer­ber abzu­schie­ßen. Niemand wird bei der Enteig­nung ein Gesetz verlet­zen oder bestraft werden. Es ist alles gut vorbe­rei­tet. Es wird viele Verlie­rer geben und wenige strah­len­de Sieger. Dann ist „too big to fail“ passé; für Regie­run­gen gilt dann „too week to act“ (zu schwach zum Handeln): sie sind den großen Spie­lern unter­tan.

Prof. Dr. Dr. Wolfgng Berger 0

Die globale Finanz- und Schuldenkrise – Wolfgang Berger

Richard Portes, Profes­sor an der „London School of Econo­mics“ gilt als bedeu­tends­ter Ökonom Groß­bri­tan­ni­ens. In 2007 schreibt er: „…
the inter­na­tio­na­li­sa­ti­on of the Icelan­dic finan­ci­al sector is a remar­kab­le success story that the markets should better acknow­ledge“ (die erfolg­rei­che globa­le Ausrich­tung des islän­di­schen Finanz­sek­tors sollte die Märkte mehr beein­dru­cken). Frede­ric S. Mish­kin – Ökono­mie­pro­fes­sor
an der „Colum­bia Univer­si­tät New York“ und ehema­li­ger Präsi­dent der US-Zentral­bank – veröf­fent­licht in 2007 einen Aufsatz „Finan­ci­al Stabi­li­ty in Iceland“ (Die finan­zi­el­le Stabi­li­tät Islands). Die islän­di­sche Zentral­bank zahlt ihm dafür 124.000 Dollar [http://de.wikipedia.org/wiki/Frederic_Mishkin].

Geld muss fließen, wie dieser Bach 0

Die Welt braucht fließendes Geld – Wolfgang Berger

Die Leser dieser Zeit­schrift wissen es: Geld muss flie­ßen, wenn es seine wohl­tu­en­den Wirkun­gen entfal­ten soll – flie­ßen wie Blut in unse­rem Körper oder wie Wasser in der Natur. Der kleine Trick mit großer Wirkung beim flie­ßen­den Geld ist, dass das Ausge­ben belohnt wird, nicht das Fest­hal­ten. Wer Geld zurück­hält, zahlt eine kleine Steuer. Dieser „Umlauf­im­puls“ entfällt für den, der Geld ausgibt, inves­tiert, lang­fris­tig anlegt oder verschenkt. Dadurch verste­tigt sich der Geld­um­lauf.

www.georg-schramm.de 0

Georg Schramm occupies Deutsche Bank – Wolfgang Berger

Der däni­sche Schrift­stel­ler Søren Kier­ke­gaard (1813 – 1855) berich­tet, wie hinter den Kulis­sen des Thea­ters ein Feuer ausbricht. Der Clown tritt
scho­ckiert auf die Bühne und fordert alle auf, den Saal rasch zu verlas­sen. Das Publi­kum genießt die origi­nel­le Einla­ge und klatscht lauten Beifall.
Der Clown wird bleich vor Schreck, gesti­ku­liert heftig und warnt vor der drohen­den Gefahr. Alle sind begeis­tert und johlen vor Freude – bis das
Feuer auf den Zuschau­er­raum über­springt. Da ist es zu spät.

Wer die Menschen hasst, wird das Geld lieben – Wolfgang Berger 0

Wer die Menschen hasst, wird das Geld lieben – Wolfgang Berger

Ein Nach­wort auf: „Die Finanz­welt auf der Tita­nic: Tanzen solan­ge die Musik spielt“
Die Reso­nanz auf seinen Tita­nic-Arti­kel in Heft 05/2011 der HUMANEN WIRTSCHAFT (Tanzen solan­ge die Musik spielt) war so gewal­tig, dass Prof. Dr. Wolf­gang Berger erschro­cken ist. Warum sagt er hier.

Tanzen solange die Musik spielt © Martin Bangemann, Kontakt: bestmoose.de 1

Tanzen solange die Musik spielt – Wolfgang Berger

Mr. Sam Zherka betreibt den Herren-Club „Flash Dancers – A Gentlemen’s Club“ in Chel­sea, Manhat­tan, nicht weit von der Wall Street. Sein neues „Premi­um­pro­dukt“, ein „lap dance packa­ge“ (ein Tanz auf dem Schoß) kostet $ 1.000 und wird über­wie­gend von Wall Street Brokern nach­ge­fragt.

Von Pandora bis Ali Baba – Wolfgang Berger 0

Von Pandora bis Ali Baba – Wolfgang Berger

In den Anfangs­zei­ten ist die Erde ein Para­dies, es gibt weder Mühsal noch Krank­heit und die Menschen sind – wie die Götter – unsterb­lich. In der grie­chi­schen Mytho­lo­gie ist die erste Frau nicht Eva, sondern Pando­ra – die „Allbe­schenk­te“. Sie ist von berau­schen­der Schön­heit und hold­se­li­gem Lieb­reiz.