Kategorie: Zeitschriftenarchiv

Vielfalt © joakant / pixelio.de 0

Die Macht der Vielfalt – Roland Spinola

9. Juli 2008: 250 Menschen kommen mit dem Schre­cken davon, als der ICE 518 bei der Ausfahrt aus dem Kölner Haupt­bahn­hof entgleist: Der Zug vom Typ ICE‑3 fuhr mit Schritt­ge­schwin­dig­keit, als eine Achse brach. Seit­dem hat die Bahn alle Achsen
des Typs ICE‑3 zehn­mal häufi­ger unter­sucht als vorher. Anstatt alle drei Monate wurden die Prüfun­gen alle drei Wochen durch­ge­führt. Elf neue Ultra­schall­an­la­gen wurden gekauft und über hundert zusätz­li­che Mitar­bei­ter geschult. Dieser erheb­li­che Mehr­auf­wand hat den Bahn­ver­kehr auf den Schnell­stre­cken behin­dert. Stel­len Sie sich für einen Augenblick
vor, die Bahn hätte nur einen einzi­gen ICE Typ, dessen hunder­te Exem­pla­re den gesam­ten ICE-Verkehr abwi­ckeln. Zwei­fel­los auf den ersten Blick sehr effi­zi­ent: Einheit­li­che Ersatz- und Zube­hör­tei­le, verein­fach­te Schu­lung, effi­zi­en­te Wartung. Es sind eine Reihe von Vortei­len denk­bar, die zu erheb­li­chen Kosten­ein­spa­run­gen führen können.

„Lasst uns nicht ohne Alternativen sein… – Wilhelm Schmülling 0

„Lasst uns nicht ohne Alternativen sein… – Wilhelm Schmülling

Nichts kann besser die Aufga­be der Zeit­schrift HUMANE WIRTSCHAFT beschrei­ben, als dieses Zitat von Henry Kissin­ger, das wir in einer Werbung für Gertrud Höhlers Buch „Die Patin“ finden. Ange­sichts der tägli­chen Meldun­gen – nicht nur über die Finanz­kri­se – auch über mili­tä­ri­sche Konflik­te, insbe­son­de­re im Nahen Osten, zwei­felt kaum noch jemand, dass wir uns wirk­lich in einer sehr schwe­ren Krise befin­den. Offen­sicht­lich trauen viele Bürger nicht mehr dem einzi­gen Krisen-Ausweg „Wachs­tum“, der von Poli­ti­kern – nicht nur aus dem Regie­rungs­la­ger – gebets­müh­len­ar­tig wieder­holt wird.

Sparkuh © Uschi Dreiucker / pixelio.de 0

Ketzerische Gedanken zum Thema Zins und Tilgung – Siegfried Wendt

1. Hinter­grund der Überlegungen:
In meiner Kind­heit war es für mich selbst­ver­ständ­lich, am Welt­spar­tag meine Spar­büch­se zusam­men mit meinem Spar­buch zur Spar­kas­se zu tragen, wo der Mann hinterm Schal­ter den Inhalt der Büchse zählte und den Betrag im Spar­buch eintrug. Sehr gestaunt habe ich, als mir meine Eltern sagten, dass das Geld auf dem Spar­buch auto­ma­tisch mehr wird, weil die Sparkasse
mir den sog. Zins gutschreibt. Über den Zinses­zins habe ich mich dann jedoch nicht mehr gewun­dert, denn dass der Zins­be­trag, über den ich gestaunt hatte, zu dem zu verzin­sen­den Spar­gut­ha­ben hinzu­ad­diert wird und im nächs­ten Jahr mitver­zinst wird, erschien mir selbst­ver­ständ­lich. Im Mathe­ma­tik­un­ter­richt des Gymna­si­ums rech­ne­ten wir dann aus, welches Gutha­ben aus einem Cent entstün­de, wenn dieser im Jahre Null, also vor unge­fähr 2000 Jahren, zu 4% mit Zinses­zins ange­legt worden wäre. Man erhält das Ergeb­nis nach der Formel 0,01*(1+0,04)^2000 €.
Dies ist ein Vermö­gen, das dem Wert mehre­rer Erdku­geln aus purem Gold entspricht. Obwohl die Absur­di­tät dieses
rech­ne­risch korrek­ten Ergeb­nis­ses offen­sicht­lich ist, sah unser Lehrer keinen Anlass, auf die gesellschaftlichen
Proble­me, die mit dem Zinses­zins verbun­den sind, einzu­ge­hen. Seit dem dama­li­gen Mathe­ma­tik­un­ter­richt sind inzwi­schen einige Jahr­zehn­te vergan­gen, in denen ich weder auf Schrif­ten noch auf Perso­nen gesto­ßen bin, die mich veran­lasst hätten, über die Proble­ma­tik des Zins­we­sens nach­zu­den­ken. Dies hat sich erst in letz­ter Zeit geändert.

Dominoeffekt © Martin Bangemann 0

Das EURO-Desaster – Matthias Elbers

Die Euro­kri­se ist mehr als eine bloße Staats­schul­den­kri­se. Es handelt sich um eine umfas­sen­de Struk­tur­kri­se der Gemeinschaftswährung. Die Poli­ti­ker blen­den diese Tatsa­che beharr­lich aus. An der Währungs­uni­on soll unver­än­dert fest­ge­hal­ten werden – koste es, was es wolle. Dieser Aufsatz zeigt eine von mehre­ren Ursa­chen der Euro­kri­se auf.[1] Sollte die Poli­tik mit ihren verfehl­ten Rettungs­ma­nö­vern fort­fah­ren, drohen nicht nur finan­zi­el­le, sondern auch massi­ve poli­ti­sche Verwer­fun­gen. Die Euro­kri­se hat das Zeug, die Funda­men­te, auf denen unser Gemein­we­sen ruht, zu zerstö­ren. Die Lage ist ernst: Demo­kra­tie, Recht­staat, Frie­den und wirt­schaft­li­ches Wohl­erge­hen sind in Gefahr.

[1] Es handelt sich um einen Auszug des Aufsat­zes „Das Euro-Desas­ter – Wie verblen­de­te Poli­ti­ker Europa ruinie­ren und unsere Demo­kra­tie zerstö­ren“, welchen der Autor auf seiner Websei­te: www.matthiaselbers.de in voller Länge bereit gestellt hat.

Systemfehler © Gerd Altmann / pixelio
© Gerd Altmann / pixelio
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Geld gerechter einrichten – Peter Knauer

Geld ist eine genia­le Erfin­dung. Es ersetzt einen schwie­ri­gen Tausch zwischen Ware und Ware durch zwei einfa­che Tausche: Ware oder Dienst­leis­tung gegen Geld und dann Geld gegen Ware oder Dienst­leis­tung. Zum Beispiel ist es schwie­rig für einen Rosen­züch­ter, seine Rosen gegen ein neues Auto einzu­tau­schen. Die Auto­fa­brik braucht keine Rosen. Oder jemand hat eine Kuh anzu­bie­ten und braucht ein Messer. Wie soll ein solcher Tausch zustan­de kommen? Der Unter­schied zwischen dem Wert des Ange­bots und dem Wert der nach­ge­frag­ten Ware ist zu groß. Und selbst wenn die zu tauschen­den Waren einander
im Wert entspre­chen, ist es noch immer schwie­rig, den Tausch­part­ner auch tatsäch­lich zu finden: Hung­ri­ger Schnei­der sucht frie­ren­den Bäcker. Wann friert ein Bäcker?

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Einfach komplex – Andreas Bangemann

Neulich habe ich mir über­legt, was wohl wäre, wenn ich mir vornäh­me, eine Pampel­mu­se von einer Anhöhe nahe unse­rem Haus zu werfen. Mir war schnell klar, dass alles, was ich planen könnte, der Ort meines Abwur­fes, der unge­fäh­re Zeit­punkt und viel­leicht noch die Rich­tung wäre, in die ich werfen würde. Wie genau die Bahn meiner Südfrucht verlau­fen würde, wüsste ich so wenig, wie den genau­en Ort, wo sie auf den Boden aufschlü­ge. Selbst beste mathe­ma­ti­sche und physi­ka­li­sche Kennt­nis­se würden mir nichts helfen, denn noch unzäh­li­ge Fakto­ren, die alle zu berück­sich­ti­gen für einen Menschen unmög­lich erschei­nen, spie­len während und nach meinem Abwurf eine Rolle. Meine Verfas­sung am Abwurf­tag, die Stärke und Präzi­si­on meines Wurfes, die Wind­ver­hält­nis­se oder mögli­che uner­war­te­te Vorkomm­nis­se. Ich könnte einen zufäl­lig vorbei­flie­gen­den Vogel tref­fen. Oder ein selte­nes Insekt, das in der Luft oder am Boden dem nach­gin­ge, wozu die Natur es antrie­be. Ich könnte auch den zarten Wuchs eines jungen Bäum­chens tref­fen. Eines, welches womög­lich das Erste eines Waldes sein könnte, der an genau dieser Stelle 50 Jahre später für eine Viel­zahl von Pflan­zen und Tiere die Heimat bilden würde.

Leserbriefe 01/2013 0

Leserbriefe 01/2013

Ihre Meinung ist uns wich­tig! Senden Sie uns Ihre Fragen, Anre­gun­gen oder persön­li­chen Meinun­gen. Wir bemü­hen uns, so viele Leser­brie­fe unter­zu­brin­gen, wie möglich. Wenn wir Leser­brie­fe kürzen, dann so, dass das Anlie­gen der Schrei­ben­den gewahrt bleibt. Leser­brie­fe geben nicht die Meinung der Redak­ti­on wieder.

Im Bannkreis des Geldes – Markus Pühringer 0

Im Bannkreis des Geldes – Markus Pühringer

Wir verbrin­gen einen großen Teil unse­rer Zeit mit Dingen, die uns nicht wirk­lich glück­lich macht: Arbei­ten, Kaufen, Konsu­mie­ren. Die wahren Quel­len des Glücks liegen aber im „inne­ren Selbst“. Warum wir dennoch das Glück im Außen suchen, hängt mit unse­rem moder­nen Geld zusammen.

Vermut­lich kennen Sie die Anek­do­te zur Senkung der Arbeits­mo­ral von Hein­rich Böll (1963). Darin beschreibt er einen ärmlich geklei­de­ten Fischer, der in einem Hafen an der West­küs­te Euro­pas schläft. Er
wird durch das Klicken des Foto­ap­pa­ra­tes eines Touris­ten geweckt. Der Tourist fragt den Fischer, warum er denn nicht fische, wo doch so idea­les Wetter dafür sei. Nach eini­gem Zögern antwor­tet der Fischer, dass er heute schon drau­ßen gewe­sen sei und einen so guten Fang gehabt hätte, dass es für die nächs­ten Tage noch reiche. Nach eini­gem Zögern geht mit dem Touris­ten die Phan­ta­sie durch: Wenn der Fischer heute doch noch drei- oder vier­mal hinaus­fah­ren würde, dann würde er viel verdie­nen. Damit könnte er mittel­fris­tig ein klei­nes Unter­neh­men grün­den und immer weiter wach­sen. Das Unter­neh­men könnte so groß werden, dass er sogar ins Ausland Fische liefern könne. Und, dann – der Tourist kommt zum Ende seiner Phan­ta­sier­ei­se – dann hätte der Fischer genug verdient, um einfach am Hafen sitzen und sich ruhig entspan­nen zu können. Darauf entgeg­net der Fischer gelas­sen, am Hafen sitzen und sich entspan­nen könne er doch jetzt schon. Das mache er ja gerade. Darauf­hin verschlägt es dem Touris­ten die Spra­che, nach­denk­lich und ein wenig neidisch geht er fort.

Ich denke, an dieser klei­nen Geschich­te werden zwei konträ­re Welt­an­schau­un­gen deut­lich. Der Fischer lebt im „Hier und Jetzt“. Er hat heute genug für seinen Lebens­un­ter­halt getan, ja er hat sogar so viel gefan­gen, dass er an den nächs­ten Tagen nichts tun muss. Frei­lich: Er ist ärmlich geklei­det, er besitzt vermut­lich selbst keinen Foto­ap­pa­rat und er kann sich vermut­lich auch keine teuren Touris­ten­aus­flü­ge leis­ten. Aber ich stelle mir ihn als einen glück­li­chen und zufrie­de­nen Menschen vor: Er verfügt über wenig mate­ri­el­len Reich­tum, aber er hat einen großen Luxus an frei verfügbarer
Zeit: Er hat so Zeit für ein Schläf­chen am hell­lich­ten Tag. Er hat vermut­lich auch Zeit für seine Freun­dIn­nen, seine Kinder, seine Leiden­schaf­ten; ja Zeit, um mit sich (seinem „inne­ren Selbst“) in gutem Kontakt zu stehen. Der Fischer steht für die Über­zeu­gung, dass sich das „gute Leben“ einstel­len wird, wenn wir unsere Lebens­zeit für eine gute Bezie­hung zu unse­rem Selbst und zu unse­ren Mitmen­schen aufbau­en; oder in ande­ren Worten.

Die gegen­tei­li­ge Welt­an­schau­ung verkör­pert der Tourist: Das gute Leben ist demnach nicht im Inne­ren, sondern ausschließ­lich im Außen zu finden. In der Phan­ta­sie des Touris­ten wird sich das gute Leben für den Fischer dann einstel­len, wenn er viel arbei­tet, die Gewin­ne gut anlegt und ein immer größe­res Unter­neh­men aufbaut. Anders ausge­drückt: Er würde seine Lebens­zeit für die Produk­ti­on von immer mehr Tausch­wer­ten verwen­den und – weil er das Erar­bei­te­te nicht ausgibt – von der Funk­ti­ons­lo­gik des Kapi­ta­lis­mus profi­tie­ren: Wenn der Fischer Geld sparen kann und dieses im eige­nen Unter­neh­men inves­tiert, so muss das inves­tier­te Kapi­tal jeden­falls eine Rendi­te abwer­fen, die so hoch ist wie eine alter­na­ti­ve Veran­la­gungs­mög­lich­keit. Aus dem Fischer-Unter­neh­mer ist längst da schon ein Kapi­ta­list gewor­den. Mit stei­gen­dem Reich­tum erhält er immer höhere Reich­tums­prä­mi­en. Und dann – irgend­wann einmal – könnte es den Punkt geben, wo der Fischer so reich gewor­den ist, dass sein Geld so sehr für ihn arbei­tet, dass er selbst nicht mehr arbei­ten müsse und zufrie­den in der Sonne liegen könne. Frei­lich hat diese Vorstel­lung einen Pfer­de­fuß: Denn wenn der reiche Fischer – selbst bei großem Reich­tum – auf Müßig­gang verzich­tet und mehr arbei­tet, kann er seinen mate­ri­el­len Luxus weiter stei­gern. Das heißt: Es wird den Punkt, wo er sich wirk­lich ausruht, kaum einmal geben. Denn er steht bestän­dig unter der Anrei­zwir­kung des moder­nen Geldes. Diese besagt: Wer im „Hier und Jetzt“ Tausch­wer­te produ­ziert und spart, wird in der Zukunft eine Prämie erhal­ten. Was wir bei der Betrach­tung dieser Lebens­wei­se meist verges­sen: Trotz Reich­tums verzich­tet unser Unter­neh­mer-Fischer auf sehr viel: auf Zeit für sich, für seine Freun­dIn­nen, für seine Selbst­ent­fal­tung, für seine
Kinder. Er mag mate­ri­ell reich sein, aber arm an Bezie­hun­gen, Leiden­schaf­ten und schö­nen Augenblicken.

Die Logik des moder­nen Geldes schafft einen perma­nen­ten mate­ri­el­len Anreiz das Glück im Außen zu suchen: Reich­tum, Leis­tung und Arbeit wurden im Kapi­ta­lis­mus zur vermeint­li­chen Quelle des Glücks. Oder mit den Worten des engli­schen Philo­so­phen Thomas Hobbes (1588–1679): Das Glück des Erden­le­bens bestehe nun nicht mehr in der „unge­stör­ten Seelen­ru­he“, wie es unser Fischer verkör­pert, sondern „im Fort­gang von einem Wunsch zum ande­ren, wobei die Errei­chung des erste­ren immer dem folgen­den den Weg bahnen muss.“

TAFTA – die große Unterwerfung – Lori Wallach 0

TAFTA – die große Unterwerfung – Lori Wallach

Aufge­reg­te Poli­ti­ker von Berlin bis Brüs­sel sehen durch den NSA-Skan­dal das Trans­at­lan­ti­sche Frei­han­dels­ab­kom­men in Gefahr. Über das, was in dem ange­streb­ten Vertrag stehen soll, reden sie nicht so gern. Ein Blick auf die ersten Blau­pau­sen lässt ahnen, was Euro­pas Bürger nicht zu früh erfah­ren sollen.

Bereits vor fünf­zehn Jahren versuch­ten Groß­un­ter­neh­men bei den Verhand­lun­gen über das Multi­la­te­ra­le Abkom­men über Inves­ti­tio­nen (MAI) ihre Macht heim­lich still und leise in unvor­stell­ba­rem Maße auszu­wei­ten. Damals schei­ter­te das Projekt am hart­nä­cki­gen Wider­stand der Öffent­lich­keit und der Parla­men­te. Damit wurde unter ande­rem verhin­dert, dass sich einzel­ne Konzer­ne densel­ben Rechts­sta­tus wie Natio­nal­staa­ten verschaf­fen konn­ten. Das hätte etwa bedeu­tet, dass Unter­neh­men eine Regie­rung verkla­gen können, „entgan­ge­ne Gewin­ne“ aus Steu­er­gel­dern auszugleichen.

Jetzt aber kommen diese Pläne erneut auf den Tisch, und zwar in deut­lich verschärf­ter Fassung. Der offi­zi­el­le Name des neuen Projekts lautet „Trans-Atlan­tic Trade and Invest­ment Part­ners­hip“, abge­kürzt TTIP. Dieses trans­at­lan­ti­sche Handels- und Inves­ti­ti­ons­ab­kom­men soll, ähnlich wie früher das MAI, die Privi­le­gi­en von Konzer­nen und Inves­to­ren absi­chern und sogar noch auswei­ten. So wollen die EU und die USA ihre jewei­li­gen Stan­dards in „nicht handels­po­li­ti­schen“ Berei­chen verein­heit­li­chen. Diese ange­streb­te „Harmo­ni­sie­rung“ orien­tiert sich erwar­tungs­ge­mäß an den Inter­es­sen der Konzer­ne und Investoren.
Werden deren Stan­dards nicht erfüllt, können zeit­lich unbe­grenz­te Handels­sank­tio­nen verhängt werden. Oder es werden gigan­ti­sche Entschä­di­gun­gen für die Unter­neh­men fällig.

Die Verhand­lun­gen über diese Art Staats­streich in Zeit­lu­pe haben im Juli dieses Jahres in Washing­ton begon­nen – mit der erklär­ten Absicht, in zwei Jahren ein Abkom­men zu unter­zeich­nen, das eine trans­at­lan­ti­sche Frei­han­dels­zo­ne „Trans-Atlan­tic Free Trade Area“ (TAFTA) begrün­den wird. Das gesam­te TTIP-TAFTA-Projekt gleicht dem Mons­ter aus einem Horror­film, das durch nichts totzu­krie­gen ist. Denn die Vortei­le, die eine solche „Wirt­schafts-NATO“ den Unter­neh­men bieten würde, wären bindend, dauer­haft und prak­tisch irrever­si­bel, weil jede einzel­ne Bestim­mung nur mit Zustim­mung sämt­li­cher Unter­zeich­ner­staa­ten geän­dert werden kann.

Wer stirbt? Wer bleibt übrig? – Wolfgang Berger 0

Wer stirbt? Wer bleibt übrig? – Wolfgang Berger

Finan­zi­el­le Massen­ver­nich­tungs­waf­fen fahren die Ernte ein. 

Nied­ri­ge Hypo­the­ken­zin­sen und die Erwar­tung stei­gen­der Immo­bi­li­en­prei­se haben auch „Subprime“-Kreditnehmer (mit schlech­ter Boni­tät) zu Haus­ei­gen­tü­mern gemacht. Diese Kredi­te wurden zu „Deri­va­ten“ gebün­delt und mit kurz­fris­ti­gen Rück­kauf­ver­ein­ba­run­gen („Repos“ = Sale and Repurcha­se Agree­ment) weiter­ver­kauft. So kam erst einmal Geld in die Kasse. Bear Sterns und Lehman Brother (USA) brachen 2008 zusam­men, als sie Rück­kauf­ver­pflich­tun­gen nicht erfül­len konn­ten. Das aber waren nur Testläufe.

Früher wurden Kredi­te gegen Sicher­hei­ten verge­ben. Jeder Haus­ei­gen­tü­mer weiß das. Deri­va­te in Verbin­dung mit Repo-Geschäf­ten schöp­fen Geld ohne Sicher­hei­ten. Die eine Bank nimmt, die andere gibt – und das im Kreis­lauf ad infi­ni­tum. Das Geld kommt nicht in die Real­wirt­schaft, die dem Finanz­sek­tor gleich­gül­tig ist. Deshalb löst es keine Infla­ti­on aus. Der Kreis­lauf hat sich zum Killer-Spiel entwi­ckelt: Live and let die (Lebe und lasse ster­ben). Als Bear Sterns zusam­men­brach war JP Morgan Chase der Sieger. Von Lehman Brothers Unter­gang haben die briti­sche Barclays und Gold­man Sachs profitiert.

Der Test hat funk­tio­niert. Gold­man Sachs hat mit Hank Paul­son als USFi­nanz­mi­nis­ter mehre­re Geset­ze durch­brin­gen lassen, die Deri­va­te in safe havens (siche­ren Häfen) verwan­delt haben. Das bedeu­tet: Eine Bank, die Wert­pa­pie­re über Deri­va­te besitzt, kann diese beim Konkurs der Schuld­ner­bank behal­ten. Durch zwei EU-Direk­ti­ven haben Deri­va­te-Besit­zer auch in Europa bevor­zug­ten Gläu­bi­ger­sta­tus. Während es im regu­lä­ren Insol­venz­recht eine Bevor­zu­gung von Gläu­bi­gern nicht gibt, ist sie bei Deri­va­ten jetzt die Norm.

Nun konnte der nächs­te Test­bal­lon stei­gen: Mit MF Global war in 2010 eine US-Bank das Opfer, die Einla­gen von 38.000 Kunden verwal­te­te und Farmern mit Waren­ter­min­ge­schäf­ten die Einnah­men nach der Ernte absi­cher­te. Insge­samt 1,2 Milli­ar­den Dollar sind verschwun­den; tausen­de Farmer haben ihr gesam­tes Vermö­gen verlo­ren. Bran­chen­ken­ner vermu­ten, dass die 1,2 Milli­ar­den über Deri­va­te bei JP Morgan gelan­det sind. Niemand ist verhaf­tet worden; es ist alles nach Recht und Gesetz abge­wi­ckelt worden.

Die EU-Banken-Regu­lie­rung soll uns beru­hi­gen. Die belgisch-fran­zö­si­sche Dexia, die Darle­hen an Kommu­nen verge­ben hat, ist im „Stress-Test“ der Euro­päi­schen Banken­auf­sicht mit der Best­no­te bewer­tet worden und kurz darauf in Schwie­rig­kei­ten gera­ten. Belgi­en, Frank­reich und Luxem­burg muss­ten in 2011 Staats­ga­ran­tien in Höhe von 90 Milli­ar­den Euro geben. Gewin­ner waren dies­mal Banken in Canada, Hong­kong und das Emirat Katar. Ihnen allen geht es darum, system­re­le­vant zu werden: so groß, dass sie bei einem Schei­tern geret­tet werden müssen („too big to fail“) – Voll­kas­ko für Raub­über­fäl­le auf Kosten der Steuerzahler.

Hedge-Fonds betrei­ben das Deri­va­te­ge­schäft unter der Tisch­kan­te der regu­lier­ten Banken in einer atem­be­rau­ben­den Größen­ord­nung weiter. Die offi­zi­el­len Bank­bi­lan­zen sehen sauber aus; die Risi­ken werden verschlei­ert. Die mäch­tigs­te Bank der Welt, die Base­ler Bank für Inter­na­tio­na­len Zahlungs­aus­gleich (BIZ) hat dem ihren Segen erteilt. Ist es ein Plan, verwund­ba­re Banken oder schwa­che Natio­nen auszu­rau­ben? Was jetzt noch fehlt ist ein Crash-Ereig­nis, das die großen Spie­ler brau­chen, um Wett­be­wer­ber abzu­schie­ßen. Niemand wird bei der Enteig­nung ein Gesetz verlet­zen oder bestraft werden. Es ist alles gut vorbe­rei­tet. Es wird viele Verlie­rer geben und wenige strah­len­de Sieger. Dann ist „too big to fail“ passé; für Regie­run­gen gilt dann „too week to act“ (zu schwach zum Handeln): sie sind den großen Spie­lern untertan.

Badewanne - Illustration im Original von André Fritz 0

Wandel aus der Badewanne – Andreas Bangemann

Von einem, der sich auszog und die Unter­neh­mens­welt veränderte.
Uwe Lübber­mann trägt keinen Bart. Er „führt Kote­let­ten unter dem Kinn zusam­men“. Mit spür­ba­rer Lebens­freu­de bringt er Zuhörer
und Mitmen­schen dazu, gewohn­te Denk­mus­ter zu verlas­sen. Zwischen dem Bad, das sein Leben verän­der­te im Jahre 1999 und dem Führen eines immer erfolg­rei­che­ren „Kollek­tivs“ sind 13 Jahre vergan­gen. Die Worte, die dem Grün­der einfal­len, um zu beschrei­ben, wie sich das Erreich­te anfühlt, sind: „Einfach nur geil“. Uwe Lübber­mann hatte sich beim Baden über die Geschmacks­ver­än­de­rung seiner Lieb­lings-Cola („Afri-Cola“) gewun­dert. Nach eini­gen Recher­chen fand er heraus, dass die Grün­der­fa­mi­lie Karl Flach aus Köln 1998 die Marken­rech­te von Afri-Cola an einen Konzern (Mine­ral­brun­nen Über­kin­gen-Tein­ach AG) abge­ge­ben und dieser „nach Guts­her­ren- Art“ die Rezep­tur verän­dert hat. Das wollte der einge­fleisch­te Afri- Cola-Trin­ker Uwe Lübber­mann nicht auf sich sitzen lassen und melde­te sich bei den Herstel­lern mit seinen Beschwer­den. Um ihn herum bilde­te sich – noch lange bevor es so etwas wie „Face­book“ gab – eine Commu­ni­ty, welche sein Anlie­gen teilte und gemein­sam wurde alles daran gesetzt, das Unter­neh­men zurück zu den geschmack­li­chen Wurzeln des Produkts zu führen.

Macht-Geld-Sinn-Energie 2013 1

Der Wirtschafts- und Energiekongress 2013 – Manuel Schürmann

„Geld regiert die Welt.“ Selten war dieser Spruch so plau­si­bel wie heute. Schon immer ließen Könige und Kaiser ihr Bild­nis auf Münzen prägen und bekräf­tig­ten damit ihren Herr­schafts­an­spruch. Geld und Macht schei­nen unlös­lich mitein­an­der verknüpft, aber kann Geld auch Sinn machen oder, was schier undenk­bar erscheint, kann Sinn ein Geld machen, das ganz anders ist als das, was wir heute kennen und das seinen Inha­bern zwar weni­ger Macht verleiht, dafür aber ein sinn­haf­tes Leben eröff­net? Ein Geld, dessen Wert vor allem darin liegt, dass es umläuft,
von einer Hand zur ande­ren gereicht wird, anstatt dass es sich in den Händen weni­ger bestän­dig vermehrt?

Prof. Frithjof Bergmann – Foto: Pat Christ
Foto: © Pat Christ
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Mit Freu(n)den den Wandel gestalten – Ein Bericht von Pat Christ

Der Bauer auf seiner Schol­le kannte noch keine Stech­uhr. Seine Arbeit war zwei­fel­los hart. Sicher oft sehr hart. Doch hätte man früher je von einem Land­wirt mit Burn-out gehört? Lange stand die Art und Weise, wie der Bauer seinen Lebens­un­ter­halt verdien­te, für den größ­ten Teil der Bevöl­ke­rung als Synonym für „Arbeit“. Vor 200 Jahren, so Frith­jof Berg­mann, änder­te sich das. Es begann ein Arbei­ten, das die Menschen erschöpf­te. Und sie, bedingt durch das neue Arbeits­sys­tem, in „Reiche“ und „Arme“ spal­te­te. So zumin­dest der allgemeine
Sprach­ge­brauch. Frith­jof Berg­mann, Philo­so­phie­pro­fes­sor und Erfin­der des Konzepts der „Neuen Arbeit“, spricht lieber von „Oasen­men­schen“
als von „Reichen“ und von „Wüsten­men­schen“ als von „Armen“. Etwa 80 Prozent der Mensch­heit gehö­ren letz­te­rer Gruppe an, so der Forscher
bei seinem unge­wöhn­li­chen Auftakt zur Jahres­fei­er 2012 der HUMANEN WIRTSCHAFT in der Silvio-Gesell-Tagungs­stät­te. Und es werden unwei­ger­lich immer mehr. Denn in der tech­no­lo­gi­sier­ten und globa­li­sier­ten Welt gibt es nicht mehr genug bezahl­te Arbeit für alle. Weshalb Berg­mann in Detroit seit langem ein neues Arbeits­sys­tem entwickelt.

© Martin Bangemann, bestmoose.biz 0

Teufelskreise der Reichtumskonzentration – Friedrich Müller-Reißmann

Ange­sichts von Finanz­kri­se, Staats­ver­schul­dung, Sozi­al­ab­bau usw. werden alle mögli­chen Vari­an­ten von „Reichen­steu­ern“ gefor­dert: Erhö­hung der Spit­zen­steu­er­sät­ze, Wieder­ein­füh­rung der Vermö­gens­steu­er, einma­li­ge Sonder­ab­ga­ben auf beson­ders große Vermögen,
Zwangs­an­lei­hen usw. Diese Vorstö­ße setzen stra­te­gisch an der falschen Stelle an und blen­den eigent­lich kriti­schen Punkt aus: die Herkunft des Reichtums.
Anstatt darüber nach­zu­den­ken, wie man den Reichen etwas von ihrem Reich­tum zuguns­ten der Allge­mein­heit nehmen kann, sollte man erst einmal die Mecha­nis­men ausschal­ten, die auto­ma­tisch den Reich­tum der Reichen zulas­ten der Allge­mein­heit ohne (eigene) Leis­tung endlos vermeh­ren. Es bringt wenig, den Bestand des Reich­tums zu atta­ckie­ren, wenn man seinen Zufluss unan­ge­tas­tet lässt. Nicht „Reichen­steu­ern“ sind notwen­dig, sondern eine Reform des Geld- und Finanzsystems.

Leserbriefe 06/2012 0

Leserbriefe 06/2012

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Karsten Behr, © Manuel Bangemann 0

Essen: Lesertreffen der HUMANEN WIRTSCHAFT in „neuem“ Raum – Redaktion

In der Katha­ri­nen­stra­ße 14 in Essen-Rütten­scheid findet seit vielen Jahren an jedem 2. Diens­tag des Monats um 17 Uhr ein Tref­fen für Leser, Inter­es­sier­te und Freun­de der HUMANEN WIRTSCHAFT statt. Tradi­tio­nell eröff­net Wilhelm Schmül­ling den Termin mit einem Impuls­re­fe­rat und mode­riert im Anschluss die lebhaf­ten Diskus­sio­nen zum aktu­el­len Gesche­hen in Wirt­schaft und Poli­tik der stets zahl­rei­chen Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer. Anläss­lich der Veran­stal­tung am 9. 10. 2012 präsen­tier­te sich der Tagungs­raum in atem­be­rau­ben­der Erscheinung.

Rudolf Steiner um 1891, gemeinfrei, Quelle: Wikipedia. 0

„Dreigliederung des sozialen Organismus“ – Gerhardus Lang

Silvio Gesell nennt sein erst­mals 1916 heraus­ge­ge­be­nes Grund­la­gen­werk „Die natür­li­che Wirt­schafts­ord­nung“. Dazu sagt er selbst: „Die Wirt­schafts­ord­nung, .….…., kann nur inso­fern eine natür­li­che genannt werden, als sie der Natur des Menschen ange­passt ist. Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, die sich etwa von selbst, als Natur­pro­dukt, einstellt. Eine solche Ordnung gibt es über­haupt nicht, denn immer ist die Ordnung, die wir uns geben, eine Tat, und zwar eine bewuss­te und gewoll­te Tat.“ Er stellt dann noch fest, dass , und darum auch „das Maß seiner Wirtschaft.“

Pik Bube, origina by uschi dreiucker / pixelio.de 0

Das Ende einer Skatrunde – Andreas Bangemann

Seit Jahren traf sich Klaus mit seinen Freun­den, Armin und Vlado zum wöchent­li­chen Skat­spiel. Im Wech­sel spiel­ten sie jeweils bei einem der drei zu Hause am Küchen­tisch. Sie lieb­ten den Skat und sie lieb­ten ihn mit all den in Skat­tur­nie­ren unter­sag­ten Vari­an­ten, wie Bock- oder Ramschrun­den. Die Span­nung erhiel­ten sich die Freun­de, indem sie einen „harten“ Pfen­nig-Skat spiel­ten – sie blie­ben bei dem tradi­tio­nel­len Ausdruck, auch wenn es natür­lich längst um Euro­cent ging –, bei dem am glei­chen Abend bar ausge­zahlt wird. Da können im Höchst­fall schon mal 50,- € und mehr den Besit­zer wech­seln. Skat war für die drei Freun­de nicht einfach nur Zeit­ver­treib. Ohne Skat wäre ihr Leben ärmer gewe­sen. Deshalb war es ihnen auch wich­tig, dass Skat bei allem Spie­le­ri­schen doch mit der nöti­gen Ernst­haf­tig­keit gespielt wurde. Ein
Pfen­nig-Skat bestraft leicht­fer­ti­ge und riskan­te Spiel­wei­se mit hohen Verlus­ten. Aus diesem Grund war der rela­tiv hohe Einsatz einfach nur
Garant für Ernst­haf­tig­keit und – wie im Falle der drei Freun­de – für Spiele auf einem hohen Niveau. Einzig darauf kam es ihnen immer an.

Ohne Zentralbankgeld geht nichts – Axel Thorndorff und Tobias Schütze 2

Ohne Zentralbankgeld geht nichts – Axel Thorndorff und Tobias Schütze

Geschäfts­ban­ken wickeln den unba­ren Zahlungs­ver­kehr ihrer Kunden ab. Dazu benö­ti­gen sie Zentral­bank­geld. Bei einer Überweisung
zahlt eine Kundin aus ihrer Sicht schein­bar mit Geld von ihrem Giro­kon­to. Für die Geschäfts­bank ist das Giral­geld jedoch eine Verbindlichkeit,
die sie nicht einfach so an eine andere Bank ohne Gegen­leis­tung loswer­den kann. Daher müssen die Geschäfts­ban­ken unter­ein­an­der die unbare Kunden­zah­lung mit einem Zahlungs­mit­tel beglei­chen, das von den betei­lig­ten Banken akzep­tiert wird. Die Zahlung muss also auch zwischen den Banken erfol­gen, denn ein Über­trag von Giral­geld stellt zunächst eine Kredit­ge­wäh­rung der Empfän­ger­bank an die Geberbank
dar. Die gegen­sei­ti­gen Kredit­li­mits der Banken sind jedoch aufgrund des jewei­li­gen Risi­ko­ma­nage­ments begrenzt.

Hot Euro, © Martin Bangemann, bestmoose.de 2

Vollgeld… – Helmut Creutz

Ein Beitrag zur Lösung unse­rer Geld­pro­ble­me oder zur weite­ren Verwir­rung? – Versuch einer Klärung
„Mit der Einfüh­rung des Voll­gel­des wäre … mit einem Schlag die Euro­kri­se been­det. Die bestehen­den Staats­schul­den aller Euro­län­der wären kein Problem mehr und die Finanz­märk­te wären froh, wenn sie über­haupt noch Staats­an­lei­hen zum Kauf finden. Die Euro­staa­ten könn­ten sich entspannt auf die Einhal­tung des Fiskal­pak­tes und der Schul­den­brem­se und den Ausgleich der Handels­de­fi­zi­te konzen­trie­ren, so dass keine neuen lang­fris­ti­gen Staats­schul­den mehr entste­hen.“ [Aus einem Papier des Vereins „ Initia­ti­ve Moneta­ti­ve“ von Thomas Mayer]

Stephan Geue 0

Der blinde Fleck von Greenpeace- Stephan Geue

Ende August fand ich in den Green­peace-Nach­rich­ten, den quar­tals­wei­se erschei­nen­den Infor­ma­tio­nen für Förde­rer der Umwelt­or­ga­ni­sa­ti­on, wieder einmal einen Arti­kel über deren Umwelt­stif­tung. Da als gemein­nüt­zig aner­kann­te Verei­ne selbst keine nennens­wer­ten Rück­la­gen bilden dürfen, hat Green­peace diese Stif­tung gegrün­det. Stif­tun­gen dürfen Rück­la­gen bilden, ja, sie müssen es sogar; Rück­la­gen sind, so wie Stif­tun­gen heut­zu­ta­ge „konstru­iert“ sind, sozu­sa­gen deren Exis­tenz­grund­la­ge. Und den Zweck der Stif­tung legt derje­ni­ge fest, der sie grün­det und das Grün­dungs­ka­pi­tal einbringt. Eigent­lich könnte das Finanz­amt also auch gleich den Verei­nen die Bildung von Rück­la­gen erlauben.

© Pat Christ
Foto: © Pat Christ
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Nicht mehr länger nur Mainstream – Pat Christ

Dass ein ange­hen­der Maschi­nen­bau­er ein recht strik­tes Studi­um durch­lau­fen muss, mit viel Mathe­ma­tik, Tech­ni­scher Mecha­nik, Elektrotechnik
und Inge­nieur­geo­me­trie, das leuch­tet noch ein. Doch eine Volks­wir­tin? Die sollte, wie jede andere Sozi­al­wis­sen­schaft­le­rin, ein wesent­lich freie­res Curri­cu­lum haben. Hat sie de facto aber nicht. Woge­gen das deutsch­land­wei­te „Netz­werk Plura­le Ökono­mik“ Sturm läuft. In einem Offe­nen Brief fordern die Akteu­re eine Neuge­stal­tung der Volks­wirt­schafts­leh­re. Jeden Montag gibt es an der Univer­si­tät Bayreuth nach­mit­tags Übun­gen zur Vorle­sung „Mathe­ma­ti­sche Grund­la­gen für Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler“. Am Donners­tag wird bereits um 8 Uhr am Morgen eine (zwei­stün­di­ge) Frage­stun­de ange­bo­ten. Auch da geht es um mathe­ma­ti­sche Grund­la­gen. Am Montag­vor­mit­tag versam­meln sich die Studen­tin­nen und Studen­ten mit der Matri­kel-Endzif­fer 0 bis 5 im Audi­max, um sich Kennt­nis­se über statis­ti­sche Metho­den anzu­eig­nen. Übun­gen zu jenen Metho­den stehen in Bayreuth am Diens­tag­nach­mit­tag auf dem Programm. Am Vormit­tag dieses Tages geht es in einem Inten­siv­kurs um das indus­trie­öko­no­mi­sche Thema „Markt und Wettbewerb“.

Dipl.-Psych. Peter Berner 0

Kapitalismuskritik – einmal anders. – Peter Berner

Auch in der gegen­wär­tig wach­sen­den Geld­sys­tem-kriti­schen Protest­be­we­gung haben es die Einsich­ten der Frei­wirt­schafts­leh­re anscheinend
oft rela­tiv schwer, die ihnen gebüh­ren­de Beach­tung zu finden. Liegt dies viel­leicht an dem weit reichen­den Perspek­ti­ven­wech­sel, den diese Einsich­ten erfor­dern? Immer­hin schreibt selbst Helmut Creutz, einer der gegen­wär­tig wich­tigs­ten Vertre­ter der Frei­wirt­schaft, einlei­tend in seinem Buch ‚Das Geld-Syndrom‘: „Das Thema (Geld) inter­es­sier­te mich (ursprüng­lich) eigent­lich wenig, denn ich konnte mir nicht vorstel­len, dass im Geld ein Problem­feld steckt. Schließ­lich hatte ich mehr als 30 Jahre lang in der Wirt­schafts­pra­xis damit zu tun, bei Objekt­fi­nan­zie­run­gen, Kalku­la­tio­nen und Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nun­gen.“ Heute ist die Arbeit von Creutz eine wert­vol­le Quelle von Zahlen und Fakten zur Unter­maue­rung der frei­wirt­schaft­li­chen Argu­men­ta­ti­on. Der folgen­de Text möchte inter­es­sier­ten Einstei­gern die Grund­ge­dan­ken dieser Argu­men­ta­ti­on nahebringen.

Prof. Dr. Dr. Wolfgng Berger 0

Die globale Finanz- und Schuldenkrise – Wolfgang Berger

Richard Portes, Profes­sor an der „London School of Econo­mics“ gilt als bedeu­tends­ter Ökonom Groß­bri­tan­ni­ens. In 2007 schreibt er: „…
the inter­na­tio­na­li­sa­ti­on of the Icelan­dic finan­cial sector is a remar­kab­le success story that the markets should better acknow­ledge“ (die erfolg­rei­che globa­le Ausrich­tung des islän­di­schen Finanz­sek­tors sollte die Märkte mehr beein­dru­cken). Frede­ric S. Mish­kin – Ökonomieprofessor
an der „Colum­bia Univer­si­tät New York“ und ehema­li­ger Präsi­dent der US-Zentral­bank – veröf­fent­licht in 2007 einen Aufsatz „Finan­cial Stabi­li­ty in Iceland“ (Die finan­zi­el­le Stabi­li­tät Islands). Die islän­di­sche Zentral­bank zahlt ihm dafür 124.000 Dollar [http://de.wikipedia.org/wiki/Frederic_Mishkin].

Waage des Vertrauens, © Martin Bangemann, bestmoose.de 0

Die einzige Deckung des Geldes ist Vertrauen. – Andreas Bangemann

Ein kommen­tie­ren­der Bericht vom ersten „Bargeld­sym­po­si­um“ der Deut­schen Bundes­bank am 10.10.2012 in Frank­furt am Main.
In seiner Eröff­nungs­re­de machte Jens Weid­mann, der Präsi­dent der Deut­schen Bundes­bank mit einem kurzen Blick auf die Geschich­te des Bargel­des deut­lich, wie wich­tig das einzi­ge gesetz­li­che Zahlungs­mit­tel bis heute ist. Auch wenn in entle­ge­nen Winkel der Erde noch Urein­woh­ner zur Bezah­lung große Steine zur Beglei­chung einer Schuld nutz­ten, was eine beson­de­re Form des Bargelds darstel­le, so habe das „moder­ne“ Bargeld im Rest der Welt und insbe­son­de­re in Europa eine unge­bro­che­ne Erfolgs­ge­schich­te aufzu­wei­sen und das trotz Entwick­lung moderns­ter Möglich­kei­ten im Bereich elek­tro­ni­scher Zahlungssysteme.

„Leider fehlt es noch an Kraft und Mut“ – Pat Christ 0

„Leider fehlt es noch an Kraft und Mut“ – Pat Christ

Nur eine splee­ni­ge Spie­le­rei? Vor allem für ältere, einst in öffent­li­chen Ämtern aktive Menschen ist es schwer, sich auf das Thema
„Regio­geld“ einzu­las­sen, sagt Petra Berger­mann vom Schwa­ba­cher Verein Regio-Mark: „Sie haben nun einmal im gege­be­nen System als Funk­tio­när funk­tio­niert.“ Die mitt­le­re Genera­ti­on nehme das, was sie über die Bedeu­tung von regio­na­lem Geld erzäh­le, immer­hin zur Kennt­nis. Doch leider fehle es hier an Zeit, Kraft und Mut, sich für eine Geld­re­form einzusetzen.

Eine unmögliche Kombination: Kapitalismus und Marktwirtschaft – Wilhelm Schmülling 0

Eine unmögliche Kombination: Kapitalismus und Marktwirtschaft – Wilhelm Schmülling

In jeder Diskus­si­on über Armut und Reich­tum wird schnell Einig­keit über die Notwen­dig­keit zur „Bekämp­fung der Armut“ erzielt, nicht aber über die Bekämp­fung des Reich­tums. Armut ist nun mal Reali­tät, die es zu bekämp­fen gilt. Während zur „Armuts­be­kämp­fung“ viele Vorschlä­ge präsen­tiert werden, deren Wirk­sam­kei­ten umstrit­ten sind, stößt bei einer Reich­tums­be­kämp­fung“ (ein kaum gehör­tes Wort!) jeder Vorschlag auf massi­ven Wider­stand derer, die den Reich­tum als
Voraus­set­zung zur Minde­rung der Armut anse­hen. Reich­tum sei nun mal in unse­rer markt­wirt­schaft­li­chen Ordnung von jeder­mann erreich­bar, wenn er nur intel­li­gent und flei­ßig genug sei.

Ohne Vertrauen funktioniert Geld nicht – Andreas Bangemann 0

Ohne Vertrauen funktioniert Geld nicht – Andreas Bangemann

Ohne die Schwin­gun­gen der Luft, könn­ten wir keine Stimme wahr­neh­men. Wir hören unsere Mitmen­schen spre­chen und brau­chen dabei nicht zu wissen, warum Luft schwingt und welche Beson­der­hei­ten dabei eine Rolle spie­len. Es dürfte eine große Mehr­heit sein, die nicht allzu viel Wissen über die Schwin­gun­gen von Luft hat. Ich gehöre auch dazu.