Kategorie: Autoren

Helmut Creutz 2013
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Warum die Preise nicht mit den Zinsen sinken – Helmut Creutz

„Wenn im Durch­schnitt aller Preise ein Drit­tel Zinsen stecken, warum sinken diese denn jetzt nicht?“ – Helmut Creutz – Ange­sichts der deut­lich abge­senk­ten und – in Sonder­fäl­len – sogar ins Minus gehen­den Leit­zin­sen der Zentral­ban­ken, ist diese Frage durch­aus nahe liegend! – Doch während es sich bei diesen Leit­zin­sen nur…

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Die neue Superklasse (Teil 2 von 2) – Günther Moewes

Über Ziele, Märchen, Koor­di­na­ten­ver­schie­bun­gen der neuen Super­klas­se und mögli­che Gegen­stra­te­gi­en Ist es nicht Legen­den­bil­dung oder gar Verschwö­rungs­theo­rie, die Verant­wor­tung für alle Bösar­tig­kei­ten dieser Welt der neuen Super­klas­se anzu­las­ten? Nein. Denn das, was diese Super­klas­se defi­niert, eint und ausmacht, ist es, grund­sätz­lich Kapi­tal­in­ter­es­sen über Bevöl­ke­rungs­in­ter­es­sen zu stel­len. Und das dann durch…

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Der kältere Krieg hat begonnen – Wolfgang Berger

Geopo­li­tik für die Finanz­in­dus­trie, gegen den Frie­den – Michail Serge­je­witsch Gorbat­schow war von 1985 bis 1991 Gene­ral­se­kre­tär des Zentral­ko­mi­tees der Kommu­nis­ti­schen Partei der Sowjet­uni­on. 1990 und 1991 war er zwei Jahre lang Staats­prä­si­dent der Sowjet­uni­on. Er hat den Eiser­nen Vorhang besei­tigt und die Verei­ni­gung Deutsch­lands ermög­licht. „Die USA benö­ti­gen eine…

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„In mir schrie ‘s: ‚Ich will hier raus!’“ – Pat Christ

„In mir schrie ’s: ‚Ich will hier raus!’“ Warum Arbeits­sucht mehr ist als nur ein indi­vi­du­el­les Problem einer Rand­grup­pe Pat Christ Zu arbei­ten, das war Marcels Leben. Er arbei­te­te bis spät in die Nacht. Er nahm Arbeit mit in den Urlaub. „Priva­te Einla­dun­gen schlug ich immer häufi­ger aus“, sagt der 57-Jähri­ge,…

Helmut Creutz 2013
Foto: Privat
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Vom Hochzins bis zum Null- und Negativzins – Helmut Creutz

Vom Hoch­zins bis zum Null- und Nega­tiv­zins Ursa­chen und Folgen der Zins­­satz-Verän­­de­­run­­gen sowie deren Auswir­kun­gen in der Wirt­schaft Helmut Creutz Das Thema Zinsen und dessen Verän­de­run­gen hat in den letz­ten Mona­ten die Gemü­ter mehr beschäf­tigt, als in den ganzen voraus­ge­hen­den Jahr­zehn­ten. Das vor allem bedingt durch die unge­wohn­te Vorstel­lung eines…

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Die neue Superklasse (Teil 1 von 2) – Günther Moewes

Die neue Super­klas­se Teil 1: Eine streng wissen­schaft­li­che Pole­mik Günther Moewes Geschicht­li­che Groß­epo­chen werden gemein­hin nach ihren sozia­len Verhält­nis­sen benannt: Es gab die Skla­ven­ge­sell­schaf­ten und die Feudal­ge­sell­schaf­ten. Unsere heuti­ge Epoche versuch­te sich um eine sozia­le Klas­si­fi­zie­rung herum­zu­drü­cken und nannte sich gern „Indus­trie­ge­sell­schaft“. Der Ausdruck „Klas­sen­ge­sell­schaft“ war verpönt. Tatsäch­lich gab es…

Michael Beleites
Foto: © Pat Christ
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Die Sache mit der Elsterfeder – Pat Christ

Hatten Sie schon einmal eine Elster­fe­der in der Hand? Und genau betrach­tet? Das Weiß ist vom Schwarz scharf abge­grenzt. Welche Präzi­si­ons­ar­beit! Aller­dings arbei­tet die Natur nur dort so präzi­se, wo es sich um wilde Tiere handelt. Um Tiere, die unge­stör­ten Zugang zu allen Infor­ma­tio­nen aus ihrer Umwelt haben. Sie sind…

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Negative Zinsen – Angriff auf das Sparen? – Eckhard Behrens

Die Euro­päi­sche Zentral­bank (EZB) arbei­tet mit drei Zins­sät­zen, die zuein­an­der im Zeit­ver­lauf wech­seln­de Abstän­de haben. Der mitt­le­re ist als der Leit­zins bekannt und neuer­dings nomi­nal kaum noch über null Prozent, nämlich seit Septem­ber 2014 genau 0,05 %. Er wurde von der EZB schritt­wei­se gesenkt, um die Konjunk­tur zu fördern. Weil jedoch…

(c) Martin Bangemann 0

Inclusive Capitalism – Wie sich der Finanzsektor die Welt unterwirft – Wolfgang Berger

1914 am Vorabend des 1. Welt­kriegs entsprach die Vertei­lung der Geld­ver­mö­gen unge­fähr der von 2014: 10 % der Bevöl­ke­rung war im Besitz von 90 % der Geld­ver­mö­gen. Insge­samt waren sie sieben mal so hoch, wie die Wirt­schafts­leis­tung eines Jahres. 2010 lag dieser Faktor bei 5,5 %, Tendenz weiter anstei­gend. [ermit­tel­te Thomas Piket­ty…

Das internationale Bündnis „Stop TTIP“ will vor dem vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die EU-Kommission vorgehen. Die hatte eine Registrierung der EBI im September aus formalen Gründen abgelehnt. Foto: Pat Christ
Foto: © Pat Christ
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Trojanisches Pferd TTIP – Pat Christ

Künf­tig soll er supra­na­tio­nal orga­ni­siert werden, der Handel von Waren und Dienst­leis­tun­gen. TTIP heißt das Stich­wort, das seit Mona­ten durch die Medien geis­tert. Die Ängste sind groß. TTIP, wird vermu­tet, treibt einen auf Ausbeu­tung und absur­des Wachs­tum gerich­te­ten Wirt­schafts­pro­zess weiter voran. Bemer­kens­wert: Der Wider­stand hier­ge­gen führt eine Viel­zahl von Akteu­ren…

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Vor­be­rei­tung auf die „Stunde null“ – Sieg­fried Wendt

1. Die aktu­el­le Situa­ti­on Die meis­ten Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler plädie­ren zurzeit noch für das Beibe­hal­ten der aktu­el­len Wirt­schafts­ord­nung, wobei zwei unter­schied­li­che Begrün­dun­gen vorge­bracht werden. Entwe­der wird behaup­tet, die jetzt noch vorhan­de­nen Übel würden im Laufe der Weiter­ent­wick­lung dieser Wirt­schafts­ord­nung verschwin­den, oder aber es wird die Meinung vertre­ten, man müsse die Übel hinneh­men,…

Klimaschutz
Foto: © Pat Christ
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Wo nicht nur die Ren­dite zählt – Pat Christ

Bei imug gibt es Nach­hal­tig­keits­ra­tings zu über 3.200 inter­na­tio­na­len Konzer­nen — Hier gibt es mit Tommy Piemon­te einen Volks­wirt, der Bank­an­lei­hen hinsicht­lich ihrer Nach­hal­tig­keit bewer­tet. Umwelt­öko­no­min Imke Mahl­mann beschäf­tigt sich mit der sozial-ökolo­gi­­schen Einschät­zung von Akti­en­ge­sell­schaf­ten der Automobil‑, Chemie- sowie Gesund­heits­bran­che. Spezi­al­ge­biet von Silke Strem­lau, Gesell­schaf­te­rin bei der imug Bera­tungs­ge­sell­schaft…

„Das Geld für die Zinsen fehlt in der Wirtschaft!“ – Helmut Creutz 0

„Das Geld für die Zinsen fehlt in der Wirtschaft!“ – Helmut Creutz

Ähnlich wie das Unge­heu­er von Loch Ness, taucht auch diese Vermu­tung in den Diskus­sio­nen übers Geld immer wieder einmal auf. Begrün­det wird sie meist damit, dass ja die Schuld­ner nur die Kredit­sum­me gelie­hen und damit kein Geld zur Verfü­gung haben, um darüber hinaus auch noch Zinsen zu zahlen. Selbst von…

Neue Schriftenreihe zu Alternativer Ökonomie – Rezension von Günther Moewes 0

Neue Schriftenreihe zu Alternativer Ökonomie – Rezension von Günther Moewes

Schrift über „Piket­tys Krisen­ka­pi­ta­lis­mus“ Unter der Über­schrift „Ökono­mi­sches Alpha­be­ti­sie­rungs­pro­gramm“ hat der rühri­ge kleine pad-Verlag aus Berg­ka­men eine Reihe von bisher 15 Titeln heraus­ge­bracht, in der u. a. auch zwei frühe­re Aufsät­ze aus der „Huma­nen Wirt­schaft“ und ein (stark erwei­ter­ter) aus der „Zeit­schrift für Sozi­al­öko­no­mie“ erschie­nen sind. Ziel der Anfang 2012…

Wertvoller Lebensraum © 2014, Pat Christ
Foto: © Pat Christ
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Die Wachstumszwangsverbrämer – Pat Christ

Ob „wert­ori­en­tiert“, „nach­hal­tig“, „ethisch“ oder „anders“: Wachs­tum bleibt weiter Gebot Volle Konzen­tra­ti­on auf „wert­ori­en­tier­tes Wachs­tum“, das versprach die CeWe Color Holding AG bei der Haupt­ver­samm­lung vor weni­gen Jahren den Aktio­nä­ren. Euro­pas größ­tes Foto­ent­wick­lungs­un­ter­neh­men steht mit diesem Verspre­chen nicht allei­ne. Seit gerau­mer Zeit häufen sich Aussa­gen von Firmen­chefs, man wolle nicht…

Karen Wendt 0

Auf anständige Weise investieren – Pat Christ

Karen Wendt entwi­ckel­te die frei­wil­li­gen Banken­ge­set­ze „Äqua­­tor-Prin­zi­pi­en“ mit. Mitte des 19. Jahr­hun­derts stieg der Finan­zie­rungs­be­darf in den USA rasant an. Gleich­zei­tig wuchs das Risiko für Inves­to­ren. Wie konnte man wissen, in welches Projekt man inves­tie­ren sollte? Dies war die Geburts­stun­de der Finanz­agen­tu­ren. Das ältes­te heute noch exis­tie­ren­de Rating­un­ter­neh­men ist Moody’s,…

Freiberuflichen Hebammen droht das Berufsverbot – Pat Christ 0

Freiberuflichen Hebammen droht das Berufsverbot – Pat Christ

Es geht um mehr als die Haft­pflicht Dilem­ma der Hebam­men verweist auf die Tragik des ökono­mi­sier­ten Medi­zin­sys­tem. Wie fatal es sein kann, wenn es keiner­lei Wett­be­werb gibt, zeigt sich dieser Tage am Beispiel der Hebam­men. Mitglie­der des Bundes frei­be­ruf­li­cher Hebam­men Deutsch­land (BfHD) können nur bei der Nürn­ber­ger Versi­che­rung eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung…

Helmut Creutz 2013
Foto: Privat
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Was ist los mit unserem Geld – Helmut Creutz

Was ist los mit unse­rem Geld, dem neutra­len Vermitt­ler, Zahlungs- und Schmier­mit­tel in der Wirt­schaft? Auch wenn es inzwi­schen verschie­de­ne Theo­ri­en gibt, dürfte Geld aus dem Bedürf­nis entstan­den sein, Leis­tun­gen gegen­ein­an­der zu tauschen. Während die anfangs dazu benutz­ten Zwischen­tausch­mit­tel – ob Teezie­gel, Salz­bar­ren, Getrei­de oder Kakao­boh­nen – selbst noch nutz­ba­re…

Piketty – Alter Wein in neuen Schläuchen? – Zitate aus Beiträgen von Günther Moewes 0

Piketty – Alter Wein in neuen Schläuchen? – Zitate aus Beiträgen von Günther Moewes

Die kapi­ta­lis­ti­sche Welt ist tatsäch­lich so unge­recht, wie viele immer vermu­tet haben. Das ist die Erkennt­nis aus dem „Kapi­tal im 21. Jahr­hun­dert“ von Thomas Piket­ty – 1. Privat­ver­mö­gen über­ho­len das Sozi­al­pro­dukt – „Das viel beschwo­re­ne ‚expo­nen­ti­el­le Wirt­schafts­wachs­tum‘ gibt es über­haupt nicht, …zumin­dest nicht in Deutsch­land und den Indus­trie­län­dern. Das reale,…

EZB senkt Leitzinsen und führt erstmals „Strafzinsen“ ein 0

EZB senkt Leitzinsen und führt erstmals „Strafzinsen“ ein

Gerade wird gemel­det, dass die EZB es getan hat. Der Leit­zins wurde auf 0,15% gesenkt. Und für über Nacht gepark­te Gelder von Geschäfts­ban­ken bei der Zentral­bank wird ein Minus­zins von 0,1 % fällig. Das Ganze hat nichts mit grund­sätz­li­chen Einsich­ten zu tun, sondern ist eine Verzweif­lungs­tat. Mit ihr erhofft man…

Der mühsame Weg… – Pat Christ 0

Der mühsame Weg… – Pat Christ

Noch gibt es keinen „Mittel­Fran­ken“. Über Umwege wirbt der Verein Regio-Mark für eine Komple­men­tär­wäh­rung. er nicht mit einem golde­nen Löffel im Mund gebo­ren wurde, wird es kaum schaf­fen, zeit­le­bens einen solchen zu bekom­men. Denn Geld fließt gewöhn­lich zu denen, die Geld haben. Es sei denn, es handelt sich tatsäch­lich um…

Die „Schöne aus Marienhöhe“ darf nicht sterben – Pat Christ 0

Die „Schöne aus Marienhöhe“ darf nicht sterben – Pat Christ

Saat­gut­ak­ti­vis­ten kämp­fen gegen die geplan­te Novel­lie­rung einer EU-Veror­d­­nung – Radies­chen, Mohn und Zitro­nen­ba­si­li­kum, Obsi­di­an, Slim Jim und Wilde Rauke: Dutzen­de Rari­tä­ten und bewähr­te Haus­gar­ten­sor­ten gab es im Febru­ar beim Saat­gut-Festi­val im unter­frän­ki­schen Ipho­fen zu bestau­nen und zu erwer­ben. Star­gast der Veran­stal­tung, die mehre­re hundert Besu­cher von teil­wei­se weit­her anzog, war…

Das transatlantische Freihandelsabkommen – Wolfgang Berger 0

Das transatlantische Freihandelsabkommen – Wolfgang Berger

Finan­zi­el­le Massen­ver­nich­tungs­waf­fen fahren die Ernte ein -
»Le Monde diplo­ma­tique – die fran­zö­si­sche Zeitung für auswär­ti­ge Bezie­hun­gen – bezeich­net das trans­at­lan­ti­sche Feihan­dels­ab­kom­men TAFTA (Trans­at­lan­tic Free Trade and Invest­ment Agree­ment) als „Staats­streich in Zeit­lu­pe“. In gehei­men Verhand­lun­gen wird es von den mäch­tigs­ten Konzer­nen der Welt, die von 600 Indus­trie­ver­bän­den vertre­ten werden, vorbe­rei­tet. Geset­ze benach­tei­li­gen immer dieje­ni­gen, die bei ihrer Verfas­sung nicht dabei sind. Dabei wird der Mensch „wie ein Konsum­gut betrach­tet, das man gebrau­chen und dann wegwer­fen kann“, schreibt Papst Fran­zis­kus im Evan­ge­lii Gaudi­um und fügt hinzu: „Diese Wirt­schaft tötet“. Sie tötet die Würde, die Frei­heit und den Sinn des Lebens der meis­ten Menschen. Viel­leicht hat Benito Musso­li­ni den Begriff Faschis­mus passend defi­niert: „Die Fusion zwischen Groß­kon­zer­nen und Staa­ten“. Wie ist dieser Vernich­tungs­feld­zug geplant worden? Wie wird er durch­ge­führt? Das Killer-Spiel „Live and let die“ (Lebe und lass andere ster­ben) Banken verge­ben Kredi­te gegen Sicher­hei­ten. Jeder Firmen­chef und jeder Haus­ei­gen­tü­mer weiß das. Bei der Kredit­prü­fung wird meist ein Fünf­tel Eigen­ka­pi­tal verlangt. Für die Banken selbst gilt diese Regel nicht. Große Banken arbei­ten mit 95 Prozent Fremd­ka­pi­tal und hebeln so den Ertrag auf ihr eige­nes Kapi­tal. Eine Milli­on Gewinn blei­ben eine Milli­on, wenn das Geschäft mit Eigen­ka­pi­tal finan­ziert wird. Bei fünf Prozent Eigen­ka­pi­tal erhöht sich der auf das Eigen­ka­pi­tal bezo­ge­ne Gewinn dann fast um das zwan­zig­fa­che. Damit recht­fer­ti­gen die Banken die Millio­nen­ga­gen Ihrer Topma­na­ger, die diese Gewin­ne „erwirt­schaf­ten“ – oder sollen wir besser „ergau­nern“ sagen? Die Versu­chung ist groß, dabei Risi­ken einzu­ge­hen, die die Bank selbst nicht auffan­gen kann. Gilt die Bank als system­re­le­vant weil sie „too big to fail“ (zu groß zum Schei­tern) ist, werden ihre Verlus­te auf die Steu­er­zah­ler abge­wälzt. So sind die Staats­schul­den explo­diert und ganze Länder in den Bank­rott getrie­ben worden. In der Krise waren die Staa­ten dann „too week to act“ (zu schwach zum Handeln). Der ersten Test­läu­fe für dieses Spiel sind vor zehn Jahren vorbe­rei­tet worden: Nied­ri­ge Hypo­the­ken­zin­sen und die Erwar­tung stei­gen­der Immo­bi­li­en­prei­se haben auch Subprime-Kredit­neh­mer (das sind solche mit schlech­ter Boni­tät) in den USA zu Haus­ei­gen­tü­mern gemacht. Diese Kredi­te wurden zu „Deri­va­ten“ (abge­lei­te­ten Wert­pa­pie­ren) gebün­delt und mit kurz­fris­ti­gen Rück­kauf­ver­ein­ba­run­gen („Repos“: Sale and Repurcha­se Agree­ments) weiter­ver­kauft. Hank Paul­son – von 1999 bis 2006 CEO (Vorstands­vor­sit­zen­der) der Invest­ment­bank Gold­man Sachs – hat die US-Banken Bear Sterns und Lehman Brothers in Deri­vat­ge­schäf­te in Milli­ar­den­hö­he einge­bun­den. 2006 ist Paul­son US-Finanz­mi­nis­ter gewor­den. Danach haben neue Geset­ze „Deri­va­te“ in „safe havens“ (siche­re Häfen) verwan­delt. Das bedeu­tet: Eine Bank, die Wert­pa­pie­re über Deri­va­te besitzt, kann sie beim Konkurs der Schuld­ner­bank behal­ten. 2008 konn­ten Bear Sterns und Lehman Brothers ihre Verpflich­tun­gen zum Rück­kauf der „Deri­va­te“ gegen­über Gold­man Sachs und dem briti­schen Finanz­un­ter­neh­men Barclays nicht erfül­len; sie brachen zusam­men. Die beiden sieg­rei­chen Banken hatten zwei Konkur­ren­tin­nen „gefres­sen“. Durch EU-Direk­ti­ven haben die Besit­zer von Deri­va­ten auch in Europa bevor­zug­ten Gläu­bi­ger­sta­tus. Während es im regu­lä­ren Insol­venz­recht eine Bevor­zu­gung von Gläu­bi­gern nicht gibt, ist sie bei Deri­va­ten jetzt die Norm. Deri­va­te in Verbin­dung mit Repo- Geschäf­ten schöp­fen Geld ohne Sicher­hei­ten. Die eine Bank nimmt, die andere gibt – und das im Kreis­lauf ad infi­ni­tum. Dieses Killer-Spiel wird in den USA „Live and let die“ (Lebe und lass andere ster­ben) genannt.

Zeit für etwas Neues – Pat Christ 0

Zeit für etwas Neues – Pat Christ

Zum Jahres­en­de verlässt Vorstands­frau Sylke Schrö­der die Ethik­Bank -
Vergli­chen mit der Deut­schen Bank,
die eine Bilanz­sum­me von 2,2 Billio­nen
Euro auswei­sen kann, ist die
Ethik­Bank klein: Hier liegt die Bilanz­sum­me
bei unter 300 Millio­nen Euro.
Doch inner­halb des alter­na­ti­ven Banken­sek­tors
hat sich die Ethik­Bank einen
Namen gemacht. „Wir kommen in
der Wahr­neh­mung der Menschen heute
direkt hinter der GLS-Bank“, sagt
Sylke Schrö­der. Die Mitbe­grün­de­rin
der Ethik­Bank gehör­te bisher dem
Vorstand an. Zum Jahres­en­de will sie
die Bank verlas­sen.
Was nicht an einer sich womög­lich
geän­der­ten Unter­neh­mens­phi­lo­so­phie
und auch
nicht an Clinch mit Kolle­gen liegt. Sylke
Schrö­der steht heute noch genau­so
wie bei der Grün­dung vor zwölf Jahren
zu „ihrer“ Bank. 2002 wurde sie von
ihr und Klaus Euler als Zweig­nie­der­las­sung
der Volks­bank Eisen­berg eG
gegrün­det.
Die Konstruk­ti­on bietet bis heute eine
beson­de­re Siche­rung der Kunden­gel­der:
Zum gesetz­li­chen Einla­gen­schutz
kommt der Schutz durch die Siche­rungs­ein­rich­tung
des Bundes­ver­ban­des
der Volks­ban­ken und Raiff­ei­sen­ban­ken.
Beson­ders bei der Ethik­Bank
ist aber auch, dass es seit 2005 eigene
Mikro­Kon­ten für Insol­venz­schuld­ner
gibt. Seit 2009 vergibt die Ethik­Bank
eigene ÖkoBau­kre­di­te.
Banken haben einen schlech­ten Ruf,
weil immer wieder aufkommt, wie sie
trick­sen. Sie nutzen jedes Schlupf­loch
im Steu­er­sys­tem aus, locken Anle­ger
in hoch­ris­kan­te Unter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen
und verschwei­gen versteck­te
Kosten. Sich in diesem Haifisch­be­cken
zu behaup­ten, ist eine gewal­ti­ge Heraus­for­de­rung.
Sylke Schrö­der hat diese
Heraus­for­de­rung mit ihren Kolle­gen
gemeis­tert. Darum hängt sie an „ihrer“
Bank. „Doch ich bin auch noch jung
genug, um etwas Neues anzu­fan­gen“,
meint die 48-Jähri­ge. Erleich­tert wurde
ihre Entschei­dung, zu gehen, dadurch,
dass sie die Bank bei Klaus Euler und
Thomas Zahn in guten Händen weiß.
Auszeit auf dem Jakobs­weg
Außer­dem verlässt sie die Ethik­Bank
in einer prospe­rie­ren­den Phase. Auch
das macht den Ausstieg einfa­cher. Wie
es nach ihrem Abschied weiter­ge­hen
wird, steht noch nicht fest: „Ich werde
mir erst einmal für drei Monate eine Auszeit
nehmen.“ In dieser Zeit möchte Sylke
Schrö­der den Jakobs­weg entlang von
Frank­reich bis Santia­go de Compos­te­la
wandern. Und sich dabei über­le­gen,
was sie in Zukunft tun möchte. „Es gibt
unter­schied­li­che Optio­nen, die ich derzeit
sondie­re“, sagt sie. Gern würde sie
etwas Krea­ti­ves machen: „Ich habe da
schon lange eine Geschäfts­idee, die es
so noch nicht gibt. Die würde ich gerne
auspro­bie­ren.“

Vision oder Privatvergnügen? – Pat Christ 0

Vision oder Privatvergnügen? – Pat Christ

Leben ohne Geld und möglichst ohne Bedürf­nis­se wird zum neuen Nischen­li­fe­style.

Er wollte nicht länger um das Golde­ne
Kalb tanzen. Darum entschied sich
Rapha­el Fell­mer vor drei Jahren, in
„Geld­streik“ zu treten. Seit­her macht
er damit Furore. Wobei er keines­wegs
der einzi­ge ist, der sich (vorüber­ge­hen­de?)
„Geld­lo­sig­keit“ zum Ideal
erko­ren hat. Heide­ma­rie Schwer­mer
entschied sich bereits 1996, ohne
Geld zu leben. Mark Boyle gab immer­hin
ein Jahr lang den Konsum­ver­wei­ge­rer.
Auch die Vaga­bun­den­blog­ge­rin
Michel­le stieg für ein Jahr aus und lebte
ohne Heller und Pfen­nig.
Einmal aussche­ren – wer wünsch­te
sich das nicht. Dazu hat auch
jeder das Recht. Inter­es­sant sind
die Missio­nen, die hinter dem jewei­li­gen
Ausstieg stecken. So hat Rapha­el
Fell­mer mit seiner Aktion die „Lage
der Welt“ und die ganze Mensch­heit im
Blick. Darun­ter macht er es nicht. „Mein
Geld­streik ist sehr breit ange­legt“,
meint er im Gespräch mit der HUMANEN
WIRTSCHAFT. Er ist gegen den Kapi­ta­lis­mus.
Gegen die Verschwen­dung.
Gegen die Ausbeu­tung von Tieren. Gegen
die Umwelt­ver­schmut­zung. Als ein
„Ausru­fe- und ein Frage­zei­chen“, sagt
er uns, sehe er seinen Streik.
Fell­mer tramp­te länge­re Zeit und kam
dadurch auf den Geschmack der Frei­heit
und zu seiner Lebens­phi­lo­so­phie.
Man lerne die Dinge mehr zu schät­zen,
wenn man sie nicht einfach kaufen kann,
meint er. „Wenn zum Beispiel beim Tram­pen
endlich ein Auto hält, freut man sich
viel mehr, als wenn man einfach in den
nächs­ten Bus steigt und 2,50 Euro zahlt“,
so der 30-Jähri­ge. Das leuch­tet ein.
Und es erin­nert an „On The Road“, die
Bibel der Beat-Genera­ti­on. Auch hier
nehmen sich junge Menschen eine
Frei­heit, die ihnen die Gesell­schaft
frei­wil­lig nicht gibt. Aber dieses Buch
kennt Fell­mer nicht. „Ich bin nicht sehr
bele­sen“, gibt er zu. Und das ist spür­bar.
Über­haupt hat es Fell­mer nicht mit
Theo­ri­en und Philo­so­phi­en.
Einfach gestrick­tes Welt­bild
Sein einfach gestrick­tes Welt­bild weist
ihn denn auch nicht gerade als Fein­geist
aus. Da gibt es die wenig anspruchs­vol­len
Kate­go­ri­en „Ja“ bezie­hungs­wei­se
„gut“ und „Nein“ bezie­hungs­wei­se
„schlecht“. Rapha­el Fell­mer ist gegen
alles, was nicht gut ist: Den millio­nen­fa­chen
Hunger in der Welt, das „Killen“
von Tieren, die Zerstö­rung der Natur.
Und er ist für alles, was gut ist. Die Liebe.
Die Mensch­heit. Und derglei­chen.
Dass er auf alles eine Antwort parat hat,
wirkt ein wenig ober­schlau. Ober­fried­lich
und ober­öko­lo­gisch ist er sowie­so.
Nur mit Details, stets die Krux an jeder
Proble­ma­tik, hält er sich nicht lange
auf. Irgend­wie scheint es für ihn nichts
tiefer zu verste­hen zu geben… Das ist
entwaff­nend. Dafür mögen ihn viele. Ist
doch die Sehn­sucht nach einfa­chen Erklä­run­gen
und einfa­chen Lösun­gen in
unse­rer hoch­kom­ple­xen Welt groß. Und
wer möchte Kämp­fer für das Gute nicht
gern unter­stüt­zen?
Seine Habe musste er vor seinem Frei­heits­sprung
übri­gens nicht in einem Depot
unter­brin­gen. Fell­mer hat ein Dach
überm Kopf. Bis Ende vergan­ge­nen
Jahres lebte er mit seiner Frau und der
zwei­jäh­ri­gen Toch­ter Alma umsonst im
Frie­dens­haus von Berlin. Zu Jahres­be­ginn
zog er um. Eine Fami­lie nahm die
drei auf: „Wir haben dort ein Zimmer in
einer Fünf-Zimmer-Wohnung.“ Zu eng?
Aber Fell­mer ist ja ohne­hin dauernd
unter­wegs. Vor allem seit sein Buch erschie­nen
ist. Daran verdient er im Übri­gen
nicht, betont er uns gegen­über. Als E‑Book sind die Seiten kosten­los herun­ter­zu­la­den.
Von der Aufla­ge wird ein
Drit­tel verschenkt. Der Rest fließt zur
Kosten­de­ckung an den Verlag.
Den Ausschlag für die Entschei­dung,
geld­los zu leben, gab eine Tramp­tour
mit Freun­den nach Mexiko. „Er hatte
kein Geld, kam aber trotz­dem immer
weiter“, schreibt Birgit Baumann über
ihn im „Stan­dard“. „Über den Atlan­tik
nahmen ihn Italie­ner mit dem Segel­boot
mit, in Brasi­li­en saß er hinten auf alten
Last­wa­gen. Er schlief bei der Feuer­wehr
und in Schu­len, von Restau­rants nahm
er sich, was ohne­hin übrig war. Im Gegen­zug
bot er seine Arbeits­kraft an.“
Wer hätte auf solche Sensa­tio­nen in der
großen weiten Welt in jungen Jahren
keine Lust? Die meis­ten jungen Aben­teu­rer
aller­dings lassen es bei einem
einma­li­gen Erleb­nis bewen­den. Nicht
so Rapha­el Fell­mer. Er beschloss nach
seiner Rück­kehr, fortan auch in Berlin
geld­los zu leben.

Erinnerungen an Margrit Kennedy – Helmut Creutz 0

Erinnerungen an Margrit Kennedy – Helmut Creutz

Erin­ne­run­gen
an meine ersten
Kontak­te mit
den mone­tä­ren
Reali­tä­ten –
und der Rolle
Margrit Kenne­dys
in diesem
Lebens­ab­schnitt.
Der viel zu frühe Tod von Margrit Kenne­dy
hat bei mir viele Erin­ne­run­gen
wach­ge­ru­fen. Vor allem bezo­gen auf
meine ersten Schrit­te in Sachen Zins
und Frei­wirt­schaft und damit jenem
völlig unge­plan­ten Lebens­ab­schnitt,
der für mich, Ende der 1970er Jahre,
durch einen Zufall begann und wenige
Jahre später, durch die Begeg­nung
mit Margrit, äußerst wich­ti­ge Mut machen­de
Impul­se erhal­ten hat.
Wie schon häufi­ger berich­tet,
wurde ich Ende 1977, durch
die Zuschrift eines Lesers meines
Schul­ta­ge­buchs „Haken krümmt
man beizei­ten“, mit diesen geld­be­zo­ge­nen
Begrif­fen und Themen bekannt.
Jenes Buches, das vor allem durch die
Fern­seh-Vorstel­lung in „Titel, Thesen,
Tempe­ra­men­te“ als Buch des Monats
viele Reak­tio­nen in der Öffent­lich­keit
auslös­te, darun­ter auch diese Zuschrift
von Walter Michel aus Berlin, die mein
Leben verän­dern sollte.
Wie sich später heraus­stell­te, handel­te
es sich um einen selbst­stän­di­gen Hand­werks­meis­ter,
der nach dem Krieg in der
DDR annahm, für das Thema Frei­wirt­schaft
und Gesell wieder öffent­lich eintre­ten
zu können. Er hatte sich jedoch
geirrt und wurde wegen seiner Veröf­fent­li­chun­gen
von der damals noch vorherr­schen­den
sowje­ti­schen Besat­zungs­macht
verhaf­tet, erst zum Tode verur­teilt
und dann zu lebens­läng­li­cher Haft in der
berüch­tig­ten Festung Baut­zen „begna­digt“,
einer Strafe, von der er mehr als
zehn Jahre absit­zen musste.
Was Walter Michel mir schrieb, war für
mich anfangs völlig unver­ständ­lich. Weder
den Namen Silvio Gesell noch den
Begriff „Frei­wirt­schaft“ (der mich immer
an eine sommer­li­che Garten­wirt­schaft
erin­ner­te!) hatte ich je gehört. Und das
Glei­che galt auch für das beigeleg­te
kleine Buch eines Hans Kühn, „5000
Jahre Kapi­ta­lis­mus“, dem dann jedoch –
wenn auch stilis­tisch etwas aufge­motzt
– einige konkre­te­re Anga­ben und Zahlen
zu entneh­men waren die mich neugie­rig
mach­ten. Das beson­ders im Hinblick
auf die Auswir­kun­gen expo­nen­ti­ell
wirken­der Abläu­fe, mit denen er den
Zinses­zins-Effekt beschrieb – einer Proble­ma­tik,
die mir dadurch zum ersten
Mal deut­lich wurde und für die ich viel­leicht
auch nur deshalb offen war, weil
sich mir damals, Ende der 1970er Jahre
und ange­sichts der allge­mei­nen Wachs­tums­eu­pho­rie,
schon die Frage aufge­drängt
hatte, wie lange das eigent­lich
noch weiter gehen sollte. Doch diese
von Hans Kühn gemach­ten Ausfüh­run­gen
musste ich jedoch vor einer Antwort
an Walter Michel unbe­dingt über­prü­fen.
Das betraf vor allem die Gegen­sätz­lich­kei­ten
von linea­rem und expo­nen­ti­el­lem
Wachs­tum und deren Verglei­che
mit den natür­li­chen Wachs­tums­ab­läu­fen.
Bei denen die zeit­li­chen Abstän­de
zwischen den Verdopp­lun­gen bekannt­lich
immer größer und schließ­lich „unend­lich“
werden, wie wir aus unse­rer
eige­nen Entwick­lung ab 18-
20 Jahren
wissen. Im Gegen­satz dazu, nahm ein
expo­nen­ti­el­les Wachs­tum, mit gleich
blei­bend langen Verdopp­lungs-Schrit­ten,
stän­dig schnel­ler zu – wie bei den
Geld­an­la­gen durch Zins und Zinses­zins
der Fall. Eine Entwick­lung, die –
das hatte ich nach der Schrift von Hans
Kühn verin­ner­licht – förm­lich zu Explo­sio­nen
führen musste!
Erfah­run­gen zu den Zins­aus­wir­kun­gen
in der Praxis
Zinsen waren mir – damals bereits 55
Jahre alt – bis dahin immer nur als eine
schöne Ange­le­gen­heit bekannt, über
deren Gutschrift auf dem Spar­buch
man sich am Jahres­an­fang immer freute.
Und bezo­gen auf die Hypo­the­ken,
die ich für Bauwer­ke laufend aufneh­men
musste, blieb der Mix von Zinsen
und Tilgung in der Miete als Summe
häufig gleich. „Bewei­se“ für die zins­be­ding­ten
Wachs­tums-Wirkun­gen in unse­rem
norma­len Leben und vor allem
deren Brisanz, entdeck­te ich dann erst
im Zusam­men­hang mit grafi­schen Aufzeich­nun­gen
von Miet­be­rech­nun­gen
und deren Bestand­teil-Verschie­bun­gen
im Laufe der Jahre und Jahr­zehn­te.
Obwohl diese Berech­nun­gen bei den
Wohnungs­bau­fi­nan­zie­run­gen eine
der Voraus­set­zun­gen für die staat­li­chen
zins­güns­ti­gen Zuschüs­se waren
und man sie im Vorhin­ein nach­wei­sen
musste, waren mir diese Wech­sel­wir­kun­gen
nie aufge­fal­len. Und wirk­lich
über­zeu­gend wurden sie für mich erst
dann, als ich sie beispiel­haft neben­ein­an­der
in Grafi­ken umsetz­te. Das
vor allem bezo­gen auf jene Vorgän­ge
im Geld- und Kredit­be­reich, die mir
bislang als problem­los erschie­nen waren:
Wenn man zu viel Geld in der Tasche
hatte und vorerst nicht brauch­te,
zahlte man es eben bei den Banken
ein, die es dann zwischen­zeit­lich weiter
verlie­hen. Und dass man dafür einen
– meist nur rela­tiv gerin­gen – Zins
erhielt, war eine kleine Beloh­nung für
diese Erspar­nis­bil­dung, die dann der
Kredit­neh­mer seiner­seits jeweils an
die Bank zu zahlen hatte.

Auf Raiffeisens Spuren – Bericht von Pat Christ 0

Auf Raiffeisens Spuren – Bericht von Pat Christ

Im deutsch­spra­chi­gen Raum grün­den sich immer mehr Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten

Ob Post­dienst, Dorf­la­den, Arzt­pra­xen,
Kinder­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen oder
Busver­bin­dun­gen – in länd­li­chen Räumen
dünnt die Infra­struk­tur zum Teil
drama­tisch aus. Hier­auf reagie­ren Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten.
Sie setzen sich
für demenz­kran­ke Menschen ein oder
zielen, in Form von Senio­ren­ge­nos­sen­schaf­ten,
auf ein koope­ra­ti­ves Altern
ab. Der Genos­sen­schafts­ge­dan­ke
wächst stetig. So wurden in den vergan­ge­nen
acht Jahren in Deutsch­land rund
1.300 Genos­sen­schaf­ten gegrün­det.
Eine Sozi­al­ge­nos­sen­schaft ist eine
Versi­che­rung auf Gegen­sei­tig­keit:
Man gibt und hilft sich soli­da­risch.
Dahin­ter steckt die bereits
von Fried­rich Wilhelm Raiff­ei­sen forcier­te
Idee, dass alle gemein­sam viel
mehr auf die Beine zu stel­len vermö­gen
als ein Mensch allei­ne. Das gilt laut
Heike Walk vom Zentrum Tech­nik und
Gesell­schaft (ZTG) der TU Berlin auch
für ein so aktu­el­les Thema wie „Klima­wan­del“.
Als kollek­ti­ve Zusam­men­schlüs­se
haben Genos­sen­schaf­ten
den Analy­sen der Geschäfts­füh­re­rin
des ZTG-Insti­tuts für Protest- und Bewe­gungs­for­schung
zufol­ge viel­fäl­ti­ge
Hand­lungs­mög­lich­kei­ten, um den Klima­schutz
in Städ­ten voran­zu­trei­ben.
Viele Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten treten
als klas­si­sche Non-Profit-Orga­ni­sa­tio­nen
auf. Hier schlie­ßen sich Menschen
auf der Basis von Selbst­hil­fe oder ehren­amt­li­chen
Enga­ge­ment koope­ra­tiv
zu zusam­men. Dane­ben exis­tie­ren aber
auch Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten, die zu
bezah­len­de Leis­tun­gen erbrin­gen, die
zwar gesell­schaft­lich notwen­dig und
zentral für eine nach­hal­ti­ge Entwick­lung
sind, vom Markt aber nicht mehr
zur Verfü­gung gestellt werden.
Von pallia­ti­ver Hilfe
bis zur Nahraum­ver­sor­gung
Die Hand­lungs­fel­der von Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten
fächern sich demnach
stark auf. Allein im Gesund­heits- und
Pfle­ge­sek­tor exis­tiert heute eine breite
Ange­bots­pa­let­te, die vom Pallia­tiv­be­reich
über das Senio­ren­woh­nen bis
hin zu Kran­ken­haus­netz­wer­ken reicht.
Selbst der Bereit­schafts­dienst von
Ärzten kann sozi­al­ge­nos­sen­schaft­lich
orga­ni­siert werden. Viele Genos­sen­schaf­ten
enga­gie­ren sich vor dem
Hinter­grund des demo­gra­phi­schen
Wandels auch dafür, die sozia­le Infra­struk­tur
vor Ort zu erhal­ten oder sie neu
zu schaf­fen. Dies betrifft die Kinder­be­treu­ung
und die Jugend­hil­fe ebenso wie
die Themen „Alters­ge­rech­tes Wohnen“
und „Nahraum­ver­sor­gung“.
Um die psycho­so­zia­le Gesund­heit von
Kindern und Jugend­li­chen kümmert
sich im italie­ni­schen Bruneck seit vielen
Jahren die Sozi­al­ge­nos­sen­schaft
EOS. Bereits 1995 eröff­ne­te die Orga­ni­sa­ti­on
eine sozi­al­päd­ago­gi­sche WG
für psych­ia­trisch auffäl­li­ge Jugend­li­che.
Vier Jahre später star­te­te sie in Bruneck
ein Projekt für ein Beglei­te­tes Wohnen
von Heran­wach­sen­den mit seeli­schen
Proble­men. Ein zwei­tes Projekt dieser
Art wurde 2001 in Bozen eröff­net. 2005
star­te­te die von der Genos­sen­schaft orga­ni­sier­te
Ambu­lan­te sozi­al­päd­ago­gi­sche
Fami­li­en­ar­beit im Puster­tal. Von
Jahr zu Jahr wuchs die Mitar­bei­ter­zahl.
Heute liegt sie bei um die 80.

Arbeit zwischen Verherrlichung und Entwertung – Günther Moewes 0

Arbeit zwischen Verherrlichung und Entwertung – Günther Moewes

„In Deutsch­land waren noch nie so viele Menschen in Arbeit wie 2013“ tönt es aus den Medien. Und seit 1960 regel­mä­ßig von allen Kanz­lern: „Die Wende auf dem Arbeits­markt steht unmit­tel­bar bevor.“ Es wird der Eindruck erweckt, die Arbeit nähme wieder zu. Die Reali­tät sieht anders aus. Tatsäch­lich hat die Zahl der durch­schnitt­lich geleis­te­ten Jahres­ar­beits­stun­den in Deutsch­land von 1960 bis 2012 um 35,4 auf 64,6 % abge­nom­men, d.h. um mehr als ein Drit­tel. Wenn sich die Zahl der Beschäf­tig­ten trotz­dem erhöht hat, dann nur, weil diese Verrin­ge­rung des tatsäch­lich erbrach­ten Arbeits­vo­lu­mens in Form von unbe­zahl­ter Arbeits­zeit­ver­kür­zung auf drei Millio­nen Teil­zeit­be­schäf­tig­te abge­la­den wurde. Deren Zahl ist inzwi­schen höher als die der 2,95 Mio. Arbeits­lo­sen. Diese 64,6 % der 1960 erbrach­ten Arbeits­stun­den geben jedoch noch nicht den tatsäch­li­chen Rück­gang des Arbeits­vo­lu­mens wieder. Denn in ihr ist ja noch nicht die enorm gestie­ge­ne Arbeits­lo­sig­keit enthal­ten. 2012 betrug die Arbeits­lo­sig­keit in Deutsch­land 6,8 % (= 2,95 Mio.), 1960 ganze 1,3 % (0,27 Mio.). Würde man die 2012 insge­samt tatsäch­lich geleis­te­ten Jahres­ar­beits­stun­den mit auf die Arbeits­lo­sen vertei­len,
hätte jeder Erwerbs­fä­hi­ge pro Jahr 142 Std. weni­ger arbei­ten müssen. Das so ermit­tel­te heute erbrach­te Arbeits­vo­lu­men pro Erwerbs­fä­hi­gen beträgt dann nur noch 59 % dessen von 1960, also über 40% weni­ger.

Entscheidend ist die Tat – Pat Christ 0

Entscheidend ist die Tat – Pat Christ

Zahl­rei­che Freun­de, Wegge­fähr­ten, Neugie­ri­ge und Inter­es­sier­te kamen vom 31. Okto­ber bis 3. Novem­ber
zur „Jahres­fei­er Humane Wirt­schaft 2013“ des Förder­ver­eins Natür­li­che Wirt­schafts­ord­nung e. V. in die Wupper­ta­ler Silvio-Gesell-Tagungs­stät­te. „Entschei­dend ist die Tat“ laute­te das dies­jäh­ri­ge Motto.

„Theo­ri­en und Philo­so­phi­en sind sicher wich­tig,“ so Chef­re­dak­teur Andre­as Bange­mann zum Auftakt. „Doch von ebenso großer Bedeu­tung ist es, etwas real umzu­set­zen und etwas zu bewe­gen.“ Ein großes Ziel ist allen Human­wirt­schaft­le­rin­nen und Human­wirt­schaft­lern klar. Es heißt: Eine Geld­ord­nung schaf­fen, in der sich das
Geld nicht mehr, wie den derzeit herr­schen­den Spiel­re­geln zufol­ge, selbst vermeh­ren und dadurch die Gesell­schaft immer weiter aufspal­ten kann. Doch der Weg dahin ist noch ziem­lich weit.

Sehr ferne Ziele können demo­ti­vie­ren. Vor allem, wenn es nicht gewiss erscheint, dass sie auch erreicht werden können. Damit die Einsatz­freu­de nicht nach­lässt, sind sinn­vol­le Zwischen­etap­pen und eine Menge
klei­ner, krea­ti­ver Ideen nötig. „Was wir anstre­ben, kann nur dann rich­tig Wirkung entfal­ten, wenn es in sehr vielen Köpfen ist und wenn sich sehr viele Menschen daran betei­li­gen“, beton­te Bange­mann.

Dafür müssen die Menschen begeis­tert werden. Und zwar durch etwas, was konkret und „anfass­bar“ ist. Was akti­viert. Statt ledig­lich Diskus­sio­nen auszu­lö­sen. Ist es doch auf Dauer äußerst unbe­frie­di­gend, nur immer über die Gier der Reichen und die Blind­heit der Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker zu schimp­fen. Solche
Debat­ten erschöp­fen sich irgend­wann. Besser versu­chen, von unten etwas zu verän­dern. Dass die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer der Jahres­fei­er tatsäch­lich den großen Wunsch haben, etwas zu bewe­gen, machte die „Murmel­run­de“ am Eröff­nungs­abend deut­lich. Span­nen­der Tagungs­ein­stieg Was immer einem selbst gerade keine Ruhe lässt, womit man sich gerade beschäf­tigt und wie man über­haupt auf das Thema „Humane Wirt­schaft“ kam, das erzähl­ten sich je zwei Teil­neh­me­rIn­nen bei diesem unge­wöhn­li­chen Einstieg in die Tagung. In sechs Minu­ten mach­ten sich zwei Menschen, die sich bis dato noch nie gese­hen hatten, auf diese inten­si­ve Weise mitein­an­der bekannt. Wech­sel­sei­tig stell­ten sie sich später im Plenum vor. Heraus kamen facet­ten­rei­che Persön­lich­keits­be­schrei­bun­gen, Infor­ma­tio­nen über inter­es­san­te biogra­phi­sche Wege, unge­wöhn­li­che Pläne und erste konkre­te Projek­te.

Am zwei­ten Abend kam bei Andre­as Bange­mann Gold­grä­ber­stim­mung auf: In der Rolle des Fürch­te­gott Zwei­fel­mann brach­te er gegen­über Stef­fen Unver­zagt alias Stef­fen Henke erfreut zum Ausdruck, wie
gran­di­os sich sein Geld vermehrt. In den 80er Jahre habe er eine kleine Erbschaft von seinem Groß­va­ter bekom­men, erzähl­te er. Immer­hin 10.000 Mark. Die hat er als flei­ßi­ger schwä­bi­scher Sparer gleich ange­legt – und nun verdop­pelt sich dieses Vermö­gen alle zwölf Jahre.

Ist die deutsche Energiewende rentabel? – Wolfgang Berger 0

Ist die deutsche Energiewende rentabel? – Wolfgang Berger

Emnid hat ermit­telt, dass 84 Prozent der Deut­schen eine rasche und voll­stän­di­ge Ener­gie­ver­sor­gung mit erneu­er­ba­ren Ener­gi­en wünschen. Jeder Dritte würde sich an Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Anla­gen in seiner Nähe finan­zi­ell betei­li­gen. Das sind über 20 Millio­nen poten­zi­el­le Inves­to­ren. Ist diese Präfe­renz ratio­nal oder ist es eine emotio­na­le Präfe­renz jenseits unter­neh­me­ri­schen Kalküls?

Die meis­ten Unter­neh­men berech­nen die Renta­bi­li­tät ihrer mögli­chen oder geplan­ten Inves­ti­tio­nen mit einer einfa­chen Rech­nung: Sie ermit­teln die zusätz­li­chen Ausga­ben, die bei einer Inves­ti­ti­on Jahr für Jahr notwen­dig werden und die zusätz­li­chen Einnah­men, die diese Inves­ti­ti­on Jahr für Jahr bringt. Die jähr­li­chen Salden dieser Zahlen­rei­he stehen für die Ertrags­kraft der Inves­ti­ti­on.

Nun können wir diese Salden aber nicht einfach addie­ren – wir müssen sie mit der Zeit gewich­ten. Eine Milli­on in diesem Jahr ist mehr als eine Milli­on im nächs­ten Jahr, denn wenn wir es gut anfan­gen, hat sich die eine Milli­on in diesem Jahr bis zum nächs­ten Jahr vermehrt. Wollen wir die Zahlen addie­ren, müssen sie zuvor vergleich­bar gemacht und auf den heuti­gen Tag abzinst werden. Diese „Kapi­tal­wert­me­tho­de“ ist der umge­kehr­te Rechen­vor­gang wie die Zins­be­rech­nung für die Zukunft, nur dass hier die Zahlen nicht größer, sondern klei­ner werden, je weiter das Jahr in der Zukunft liegt, auf das sie sich bezie­hen.

Wenn wir beim Abzin­sen mit zehn Prozent rech­nen, sind eine Milli­on Euro in einem Jahr heute 910.000 Euro wert, denn wenn ich heute 910.000 Euro mit zehn Prozent anlege, habe ich in einem Jahr eine Milli­on. Nicht weil die Zinsen heute zehn Prozent sind; sie sind nied­ri­ger. Aber Inves­ti­ti­ons­kre­di­te sind trotz­dem teuer und Über­zie­hungs­zin­sen sind auch bei einem Leit­zins­satz der Zentral­bank nahe Null weit über zehn Prozent.

Wenn wir mit zehn Prozent rech­nen, sind eine Milli­on Euro in zwei Jahren dann heute noch einmal zehn Prozent weni­ger wert, also 830.000 Euro. Und so können wir weiter rech­nen: Eine Milli­on Euro in zehn Jahren sind heute 390.000 Euro wert. Eine Milli­on Euro in 100 Jahren sind heute 700 Euro wert. Eine Milli­on Euro in 200 Jahren sind heute drei Euro wert und eine Milli­on Euro in 250 Jahren sind abge­zinst heute nur ganze vier Cent wert.

Weil die lang­fris­ti­gen Auswir­kun­gen so lächer­lich gering sind, brau­chen wir die Rech­nung nur für gut zehn
Jahre durch­zu­füh­ren. Was danach geschieht, wirkt sich auf das Ergeb­nis kaum noch aus. Was danach geschieht, beein­flusst die Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen also nicht mehr. In unse­rem gegen­wär­ti­gen destruk­ti­ven Geld­sys­tem erzwingt der Rendi­te­zwang deshalb die Zerstö­rung der Umwelt. Der Erhalt der Umwelt wirkt sich erst lang­fris­tig aus und ist deshalb nicht renta­bel. Eine Nach-uns-die-Sint­flut-Menta­li­tät erhöht den Börsen­wert des Unter­neh­mens (Share­hol­der Value) und ist deshalb die logi­sche Konse­quenz.
In Zeiten nied­ri­ger Zinsen wach­sen die großen Vermö­gen über Aktien und die Speku­la­ti­on mit Deri­va­ten.
Nied­ri­ge Zinsen verlei­hen Deri­va­ten eine Hebel­wir­kung, mit der sie fast die ganze Welt aufkau­fen können.

Bei flie­ßen­dem Geld pendelt der effek­tiv gezahl­te Markt­zins um Null; zusätz­li­che Einnah­men und Ausga­ben von Inves­ti­tio­nen werden deshalb nicht mehr abge­zinst. Damit wird es renta­bel, die Umwelt zu erhal­ten. In einem solchen Geld­sys­tem werden die Märkte deshalb Nach­hal­tig­keit und dauer­haft halt­ba­re Güter erzwin­gen.