Kategorie: Pat Christ

Kapitalismus
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Bil­dungs­ar­beit und Rote Beete – Pat Christ

– – –  Seit fünf Jahren gibt es in Leip­zig das Konzept­werk Neue Ökono­mie – – –  Wirt­schaf­ten wir nur oder vor allem, um im inter­na­tio­na­len Wett­kampf bestehen zu können? Kann das sinn­voll sein? Oder bedeu­tet dies nicht eine gigan­ti­sche Verschwen­dung von Ressour­cen, Ener­gie und Lebens­zeit? Aus diesen Fragen heraus grün­de­te sich vor fünf…

Stethoskop
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Fixiert auf Vor­ga­ben – Pat Christ

In welcher Weise Ziel­ver­ein­ba­run­gen zur Enthu­ma­ni­sie­rung der Wirt­schaft beitra­gen – – –  Wann ist eine medi­zi­ni­sche Behand­lung sinn­voll? Wann nicht? Das, sollte man meinen, hängt davon ab, in welchem Maße ein Pati­ent nach Einschät­zung einer Ärztin davon profi­tiert. Doch das ist zu kurz gedacht. Boni und Ziel­ver­ein­ba­run­gen verlei­ten entge­gen dem ärzt­li­chen Berufsethos…

Die Welt verstehen
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Frag­wür­dig, falsch, mani­pu­liert – Pat Christ

Kapi­ta­lis­ti­sche Prin­zi­pi­en unter­gra­ben das Vertrau­en in wissen­schaft­li­che Studi­en — Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker sind nicht gerade zu benei­den. Haben sie doch dauernd über Proble­me zu entschei­den, die meist so komplex sind, dass ein Laie schwer durch­bli­cken kann, wo denn nun die „Wahr­heit“ liegt. In Podi­ums­dis­kus­sio­nen haben sie eine Meinung zu eben…

Foto pc: Kinder dieser Erde
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Igno­rierte Weis­heits­schätze – Pat Christ

Dieter Fauth verlegt Aufsät­ze, Berich­te und Vorträ­ge von Roland Geit­mann —  Im 2. Buch Mose findet sich nicht nur das Verbot, Witwen und Waisen zu bedrü­cken. Als einzi­ger anti­ker Gesetz­ge­ber unter­sagt Mose auch ausdrück­lich, Darle­hens­zin­sen zu nehmen. Wört­lich heißt es: „Wenn du Silber leihst einem aus meinem Volke, dem Armen neben…

Post © Pat Christ
Foto: Post © Pat Christ
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Allzu bequeme Ausflucht – Pat Christ

Allzu beque­me Ausflucht Immer weni­ger Unter­neh­men rich­ten sich in Deutsch­land nach einem Tarif­ver­trag Ein Sommer­tag im Juli 2005 in Würz­burg. Der Landes­ver­band Baye­ri­scher Spedi­teu­re trifft sich zur Mitglie­der­ver­samm­lung. Ein Haupt­punkt der Tages­ord­nung betrifft das Thema Tarif­bin­dung: Der Verband beschloss, ab sofort auch Unter­neh­men ohne Tarif­bin­dung (OT) aufzu­neh­men. Die Verbands­mit­glie­der sollen…

Innovation © Pat Christ
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Die Hetzjagd nach Neuem – Pat Christ

Durch Inno­va­tio­nen und Ästhe­ti­sie­rung wird die Wirt­schaft weiter ange­trie­ben Autos fahren heute nicht mehr nur mit Benzin, sie tanken Sonnen­strom oder Wasser­stoff. Verbrauch und Emis­si­ons­aus­stoß sanken rapide. Senso­ren und Steue­rungs­tech­nik befä­hi­gen Autos, ganz allei­ne einzu­par­ken. Nothalt-Syste­­me erken­nen, wenn der Fahrer einen Herz­in­farkt erlei­det. Mal abge­se­hen von der Frage, ob das…

Feigenblatt: jon / pixelio.de Kraftwerk: Gabi Schoenemann / pixelio.de 0

Doch wieder nur ein Feigenblatt? – Pat Christ

Die bisher frei­wil­li­ge Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung wird 2017 EU-weit zur Pflicht – Markt­an­rei­ze für Nach­hal­tig­keit zu schaf­fen, darauf zielt der Deut­sche Nach­hal­tig­keits­ko­dex des Nach­hal­tig­keits­rats ab. In 20 Krite­ri­en beschreibt er Nach­hal­tig­keits­leis­tun­gen von Unter­neh­men. Noch ist dies frei­wil­lig. Doch ab 2017 sind größe­re Unter­neh­men in der EU verpflich­tet, Daten zu Umwelt‑, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen,…

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Fatale Bildungsferne – Pat Christ

Warum es Initia­ti­ven wie den Wupper­ta­ler „Lern­ort“ drin­gend braucht – Stifte oder Compu­ter? Tafel oder White­board? Lese­buch oder Laptop? Solche derzeit lebhaft disku­tier­ten Fragen sind im Kern für das Thema „Bildung“ nicht rele­vant. Viel wich­ti­ger ist es, die Frage zu stel­len, was unter dem Stich­wort „Bildung“ in Schu­len, Hoch­schu­len und…

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Macht Macht blind? – Pat Christ

Main­zer Publi­zist Chris­ti­an Nürn­ber­ger analy­siert den „Verkauf“ der Demo­kra­tie — Gewalt­frei, krea­tiv, künst­le­risch – so stell­te sich Chris­ti­an Nürn­ber­ger vor zehn Jahren die „Revo­lu­ti­on“ vor, die er für das Jahr 2008 kommen sah. Doch der Aufstand für eine humane Wirt­schaft und Gesell­schaft blieb bekannt­lich aus. „Er fiel ins Wasser, weil wir…

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Wachstum ohne Wenn und Aber – Pat Christ

Der Leis­tungs­wahn macht vor dem Milch­kuh­stall noch lange nicht Halt – Knapp 4.860 Kilo­gramm Rohmilch produ­zier­te eine deut­sche Kuh vor 20 Jahren jähr­lich. Vor 15 Jahren waren es schon über 6.120 Kilo. Heute liegt der Ertrag bei rund 7.350 Kilo­gramm. Damit stei­ger­te sich die Produk­ti­on um fast 70 Prozent. Auch Kühe unterliegen…

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Aussichtslos im Keller – Pat Christ

Nur eine Boden­re­form kann die wach­sen­de Wohnungs­not in den Städ­ten eindäm­men— Erwin Diet­rich (Name geän­dert) kann heute Abend endlich wieder in einem Bett schla­fen. In einem rich­ti­gen Bett. Mit Matrat­ze. Bett­de­cke. Kopf­kis­sen. In den vergan­ge­nen Näch­ten hatte er mit zwei Woll­de­cken vorlieb nehmen müssen. „Ich schlief in einem Keller“, erzählt…

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Warum sie fliehen müssen – Pat Christ

Es ist nicht mehr ganz so viel wie in den Vorjah­ren, doch noch immer üppig genug: Über 259 Milli­ar­den US-Dollar erhiel­ten die Land­wir­te in den 34 OECD-Staa­­ten 2013 als „finan­zi­el­le Förde­rung“. Allein der EU-Agrar­haus­halt macht aktu­ell beina­he 60 Milli­ar­den Euro pro Jahr aus. Die Agrar­sub­ven­tio­nen entspre­chen damit rund 40 Prozent…

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Völlig aus dem Takt geraten – Pat Christ

Wir sind fort­wäh­rend in Bewe­gung. Bemü­hen uns, unter den engen Zeit­hut zu quet­schen, was einfach nicht darun­ter­pas­sen will. War je eine Genera­ti­on derma­ßen hektisch? Wohl kaum. Doch wie bei allen zeit­geis­ti­gen Phäno­me­nen lässt auch hier die Gegen­be­we­gung nicht lange auf sich warten. „Zeit­acht­sam­keit“ lautet das neue Stich­wort. Zahl­rei­che Initia­ti­ven fordern…

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„In mir schrie ‘s: ‚Ich will hier raus!’“ – Pat Christ

„In mir schrie ’s: ‚Ich will hier raus!’“ Warum Arbeits­sucht mehr ist als nur ein indi­vi­du­el­les Problem einer Rand­grup­pe Pat Christ Zu arbei­ten, das war Marcels Leben. Er arbei­te­te bis spät in die Nacht. Er nahm Arbeit mit in den Urlaub. „Priva­te Einla­dun­gen schlug ich immer häufi­ger aus“, sagt der 57-Jähri­­ge, der…

Michael Beleites
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Die Sache mit der Elsterfeder – Pat Christ

Hatten Sie schon einmal eine Elster­fe­der in der Hand? Und genau betrach­tet? Das Weiß ist vom Schwarz scharf abge­grenzt. Welche Präzi­si­ons­ar­beit! Aller­dings arbei­tet die Natur nur dort so präzi­se, wo es sich um wilde Tiere handelt. Um Tiere, die unge­stör­ten Zugang zu allen Infor­ma­tio­nen aus ihrer Umwelt haben. Sie sind…

Das internationale Bündnis „Stop TTIP“ will vor dem vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die EU-Kommission vorgehen. Die hatte eine Registrierung der EBI im September aus formalen Gründen abgelehnt. Foto: Pat Christ
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Trojanisches Pferd TTIP – Pat Christ

Künf­tig soll er supra­na­tio­nal orga­ni­siert werden, der Handel von Waren und Dienst­leis­tun­gen. TTIP heißt das Stich­wort, das seit Mona­ten durch die Medien geis­tert. Die Ängste sind groß. TTIP, wird vermu­tet, treibt einen auf Ausbeu­tung und absur­des Wachs­tum gerich­te­ten Wirt­schafts­pro­zess weiter voran. Bemer­kens­wert: Der Wider­stand hier­ge­gen führt eine Viel­zahl von Akteuren…

Klimaschutz
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Wo nicht nur die Ren­dite zählt – Pat Christ

Bei imug gibt es Nach­hal­tig­keits­ra­tings zu über 3.200 inter­na­tio­na­len Konzer­nen — Hier gibt es mit Tommy Piemon­te einen Volks­wirt, der Bank­an­lei­hen hinsicht­lich ihrer Nach­hal­tig­keit bewer­tet. Umwelt­öko­no­min Imke Mahl­mann beschäf­tigt sich mit der sozial-ökolo­­gi­­schen Einschät­zung von Akti­en­ge­sell­schaf­ten der Automobil‑, Chemie- sowie Gesund­heits­bran­che. Spezi­al­ge­biet von Silke Strem­lau, Gesell­schaf­te­rin bei der imug Bera­tungs­ge­sell­schaft mit…

Wertvoller Lebensraum © 2014, Pat Christ
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Die Wachstumszwangsverbrämer – Pat Christ

Ob „wert­ori­en­tiert“, „nach­hal­tig“, „ethisch“ oder „anders“: Wachs­tum bleibt weiter Gebot Volle Konzen­tra­ti­on auf „wert­ori­en­tier­tes Wachs­tum“, das versprach die CeWe Color Holding AG bei der Haupt­ver­samm­lung vor weni­gen Jahren den Aktio­nä­ren. Euro­pas größ­tes Foto­ent­wick­lungs­un­ter­neh­men steht mit diesem Verspre­chen nicht allei­ne. Seit gerau­mer Zeit häufen sich Aussa­gen von Firmen­chefs, man wolle nicht…

Karen Wendt 0

Auf anständige Weise investieren – Pat Christ

Karen Wendt entwi­ckel­te die frei­wil­li­gen Banken­ge­set­ze „Äqua­­tor-Prin­­zi­­pi­en“ mit. Mitte des 19. Jahr­hun­derts stieg der Finan­zie­rungs­be­darf in den USA rasant an. Gleich­zei­tig wuchs das Risiko für Inves­to­ren. Wie konnte man wissen, in welches Projekt man inves­tie­ren sollte? Dies war die Geburts­stun­de der Finanz­agen­tu­ren. Das ältes­te heute noch exis­tie­ren­de Rating­un­ter­neh­men ist Moody’s, gegründet…

Freiberuflichen Hebammen droht das Berufsverbot – Pat Christ 0

Freiberuflichen Hebammen droht das Berufsverbot – Pat Christ

Es geht um mehr als die Haft­pflicht Dilem­ma der Hebam­men verweist auf die Tragik des ökono­mi­sier­ten Medi­zin­sys­tem. Wie fatal es sein kann, wenn es keiner­lei Wett­be­werb gibt, zeigt sich dieser Tage am Beispiel der Hebam­men. Mitglie­der des Bundes frei­be­ruf­li­cher Hebam­men Deutsch­land (BfHD) können nur bei der Nürn­ber­ger Versi­che­rung eine Haftpflichtversicherung…

Der mühsame Weg… – Pat Christ 0

Der mühsame Weg… – Pat Christ

Noch gibt es keinen „Mittel­Fran­ken“. Über Umwege wirbt der Verein Regio-Mark für eine Komple­men­tär­wäh­rung. er nicht mit einem golde­nen Löffel im Mund gebo­ren wurde, wird es kaum schaf­fen, zeit­le­bens einen solchen zu bekom­men. Denn Geld fließt gewöhn­lich zu denen, die Geld haben. Es sei denn, es handelt sich tatsäch­lich um…

Die „Schöne aus Marienhöhe“ darf nicht sterben – Pat Christ 0

Die „Schöne aus Marienhöhe“ darf nicht sterben – Pat Christ

Saat­gut­ak­ti­vis­ten kämp­fen gegen die geplan­te Novel­lie­rung einer EU-Veror­d­­nung – Radies­chen, Mohn und Zitro­nen­ba­si­li­kum, Obsi­di­an, Slim Jim und Wilde Rauke: Dutzen­de Rari­tä­ten und bewähr­te Haus­gar­ten­sor­ten gab es im Febru­ar beim Saat­­gut-Festi­­val im unter­frän­ki­schen Ipho­fen zu bestau­nen und zu erwer­ben. Star­gast der Veran­stal­tung, die mehre­re hundert Besu­cher von teil­wei­se weit­her anzog, war…

Zeit für etwas Neues – Pat Christ 0

Zeit für etwas Neues – Pat Christ

Zum Jahres­en­de verlässt Vorstands­frau Sylke Schrö­der die EthikBank -
Vergli­chen mit der Deut­schen Bank,
die eine Bilanz­sum­me von 2,2 Billionen
Euro auswei­sen kann, ist die
Ethik­Bank klein: Hier liegt die Bilanzsumme
bei unter 300 Millio­nen Euro.
Doch inner­halb des alter­na­ti­ven Bankensektors
hat sich die Ethik­Bank einen
Namen gemacht. „Wir kommen in
der Wahr­neh­mung der Menschen heute
direkt hinter der GLS-Bank“, sagt
Sylke Schrö­der. Die Mitbegründerin
der Ethik­Bank gehör­te bisher dem
Vorstand an. Zum Jahres­en­de will sie
die Bank verlassen.
Was nicht an einer sich womöglich
geän­der­ten Unternehmensphilosophie
und auch
nicht an Clinch mit Kolle­gen liegt. Sylke
Schrö­der steht heute noch genauso
wie bei der Grün­dung vor zwölf Jahren
zu „ihrer“ Bank. 2002 wurde sie von
ihr und Klaus Euler als Zweigniederlassung
der Volks­bank Eisen­berg eG
gegründet.
Die Konstruk­ti­on bietet bis heute eine
beson­de­re Siche­rung der Kundengelder:
Zum gesetz­li­chen Einlagenschutz
kommt der Schutz durch die Sicherungseinrichtung
des Bundesverbandes
der Volks­ban­ken und Raiffeisenbanken.
Beson­ders bei der EthikBank
ist aber auch, dass es seit 2005 eigene
Mikro­Kon­ten für Insolvenzschuldner
gibt. Seit 2009 vergibt die EthikBank
eigene ÖkoBaukredite.
Banken haben einen schlech­ten Ruf,
weil immer wieder aufkommt, wie sie
trick­sen. Sie nutzen jedes Schlupfloch
im Steu­er­sys­tem aus, locken Anleger
in hoch­ris­kan­te Unternehmensbeteiligungen
und verschwei­gen versteckte
Kosten. Sich in diesem Haifischbecken
zu behaup­ten, ist eine gewal­ti­ge Herausforderung.
Sylke Schrö­der hat diese
Heraus­for­de­rung mit ihren Kollegen
gemeis­tert. Darum hängt sie an „ihrer“
Bank. „Doch ich bin auch noch jung
genug, um etwas Neues anzufangen“,
meint die 48-Jähri­ge. Erleich­tert wurde
ihre Entschei­dung, zu gehen, dadurch,
dass sie die Bank bei Klaus Euler und
Thomas Zahn in guten Händen weiß.
Auszeit auf dem Jakobsweg
Außer­dem verlässt sie die EthikBank
in einer prospe­rie­ren­den Phase. Auch
das macht den Ausstieg einfa­cher. Wie
es nach ihrem Abschied weitergehen
wird, steht noch nicht fest: „Ich werde
mir erst einmal für drei Monate eine Auszeit
nehmen.“ In dieser Zeit möchte Sylke
Schrö­der den Jakobs­weg entlang von
Frank­reich bis Sant­ia­go de Compostela
wandern. Und sich dabei überlegen,
was sie in Zukunft tun möchte. „Es gibt
unter­schied­li­che Optio­nen, die ich derzeit
sondie­re“, sagt sie. Gern würde sie
etwas Krea­ti­ves machen: „Ich habe da
schon lange eine Geschäfts­idee, die es
so noch nicht gibt. Die würde ich gerne
ausprobieren.“

Vision oder Privatvergnügen? – Pat Christ 0

Vision oder Privatvergnügen? – Pat Christ

Leben ohne Geld und möglichst ohne Bedürf­nis­se wird zum neuen Nischenlifestyle.

Er wollte nicht länger um das Goldene
Kalb tanzen. Darum entschied sich
Rapha­el Fell­mer vor drei Jahren, in
„Geld­streik“ zu treten. Seit­her macht
er damit Furore. Wobei er keineswegs
der einzi­ge ist, der sich (vorüber­ge­hen­de?)
„Geld­lo­sig­keit“ zum Ideal
erko­ren hat. Heide­ma­rie Schwermer
entschied sich bereits 1996, ohne
Geld zu leben. Mark Boyle gab immerhin
ein Jahr lang den Konsumverweigerer.
Auch die Vagabundenbloggerin
Michel­le stieg für ein Jahr aus und lebte
ohne Heller und Pfennig.
Einmal aussche­ren – wer wünschte
sich das nicht. Dazu hat auch
jeder das Recht. Inter­es­sant sind
die Missio­nen, die hinter dem jeweiligen
Ausstieg stecken. So hat Raphael
Fell­mer mit seiner Aktion die „Lage
der Welt“ und die ganze Mensch­heit im
Blick. Darun­ter macht er es nicht. „Mein
Geld­streik ist sehr breit angelegt“,
meint er im Gespräch mit der HUMANEN
WIRTSCHAFT. Er ist gegen den Kapitalismus.
Gegen die Verschwendung.
Gegen die Ausbeu­tung von Tieren. Gegen
die Umwelt­ver­schmut­zung. Als ein
„Ausru­fe- und ein Frage­zei­chen“, sagt
er uns, sehe er seinen Streik.
Fell­mer tramp­te länge­re Zeit und kam
dadurch auf den Geschmack der Freiheit
und zu seiner Lebensphilosophie.
Man lerne die Dinge mehr zu schätzen,
wenn man sie nicht einfach kaufen kann,
meint er. „Wenn zum Beispiel beim Trampen
endlich ein Auto hält, freut man sich
viel mehr, als wenn man einfach in den
nächs­ten Bus steigt und 2,50 Euro zahlt“,
so der 30-Jähri­ge. Das leuch­tet ein.
Und es erin­nert an „On The Road“, die
Bibel der Beat-Genera­ti­on. Auch hier
nehmen sich junge Menschen eine
Frei­heit, die ihnen die Gesellschaft
frei­wil­lig nicht gibt. Aber dieses Buch
kennt Fell­mer nicht. „Ich bin nicht sehr
bele­sen“, gibt er zu. Und das ist spürbar.
Über­haupt hat es Fell­mer nicht mit
Theo­rien und Philosophien.
Einfach gestrick­tes Weltbild
Sein einfach gestrick­tes Welt­bild weist
ihn denn auch nicht gerade als Feingeist
aus. Da gibt es die wenig anspruchsvollen
Kate­go­rien „Ja“ beziehungsweise
„gut“ und „Nein“ beziehungsweise
„schlecht“. Rapha­el Fell­mer ist gegen
alles, was nicht gut ist: Den millionenfachen
Hunger in der Welt, das „Killen“
von Tieren, die Zerstö­rung der Natur.
Und er ist für alles, was gut ist. Die Liebe.
Die Mensch­heit. Und dergleichen.
Dass er auf alles eine Antwort parat hat,
wirkt ein wenig ober­schlau. Oberfriedlich
und ober­öko­lo­gisch ist er sowieso.
Nur mit Details, stets die Krux an jeder
Proble­ma­tik, hält er sich nicht lange
auf. Irgend­wie scheint es für ihn nichts
tiefer zu verste­hen zu geben… Das ist
entwaff­nend. Dafür mögen ihn viele. Ist
doch die Sehn­sucht nach einfa­chen Erklärungen
und einfa­chen Lösun­gen in
unse­rer hoch­kom­ple­xen Welt groß. Und
wer möchte Kämp­fer für das Gute nicht
gern unterstützen?
Seine Habe musste er vor seinem Freiheitssprung
übri­gens nicht in einem Depot
unter­brin­gen. Fell­mer hat ein Dach
überm Kopf. Bis Ende vergangenen
Jahres lebte er mit seiner Frau und der
zwei­jäh­ri­gen Toch­ter Alma umsonst im
Frie­dens­haus von Berlin. Zu Jahresbeginn
zog er um. Eine Fami­lie nahm die
drei auf: „Wir haben dort ein Zimmer in
einer Fünf-Zimmer-Wohnung.“ Zu eng?
Aber Fell­mer ist ja ohne­hin dauernd
unter­wegs. Vor allem seit sein Buch erschienen
ist. Daran verdient er im Übrigen
nicht, betont er uns gegen­über. Als E‑Book sind die Seiten kosten­los herunterzuladen.
Von der Aufla­ge wird ein
Drit­tel verschenkt. Der Rest fließt zur
Kosten­de­ckung an den Verlag.
Den Ausschlag für die Entscheidung,
geld­los zu leben, gab eine Tramptour
mit Freun­den nach Mexiko. „Er hatte
kein Geld, kam aber trotz­dem immer
weiter“, schreibt Birgit Baumann über
ihn im „Stan­dard“. „Über den Atlantik
nahmen ihn Italie­ner mit dem Segelboot
mit, in Brasi­li­en saß er hinten auf alten
Last­wa­gen. Er schlief bei der Feuerwehr
und in Schu­len, von Restau­rants nahm
er sich, was ohne­hin übrig war. Im Gegenzug
bot er seine Arbeits­kraft an.“
Wer hätte auf solche Sensa­tio­nen in der
großen weiten Welt in jungen Jahren
keine Lust? Die meis­ten jungen Abenteurer
aller­dings lassen es bei einem
einma­li­gen Erleb­nis bewen­den. Nicht
so Rapha­el Fell­mer. Er beschloss nach
seiner Rück­kehr, fortan auch in Berlin
geld­los zu leben.

Auf Raiffeisens Spuren – Bericht von Pat Christ 0

Auf Raiffeisens Spuren – Bericht von Pat Christ

Im deutsch­spra­chi­gen Raum grün­den sich immer mehr Sozialgenossenschaften

Ob Post­dienst, Dorf­la­den, Arztpraxen,
Kinder­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen oder
Busver­bin­dun­gen – in länd­li­chen Räumen
dünnt die Infra­struk­tur zum Teil
drama­tisch aus. Hier­auf reagie­ren Sozialgenossenschaften.
Sie setzen sich
für demenz­kran­ke Menschen ein oder
zielen, in Form von Seniorengenossenschaften,
auf ein koope­ra­ti­ves Altern
ab. Der Genossenschaftsgedanke
wächst stetig. So wurden in den vergangenen
acht Jahren in Deutsch­land rund
1.300 Genos­sen­schaf­ten gegründet.
Eine Sozi­al­ge­nos­sen­schaft ist eine
Versi­che­rung auf Gegenseitigkeit:
Man gibt und hilft sich solidarisch.
Dahin­ter steckt die bereits
von Fried­rich Wilhelm Raiff­ei­sen forcierte
Idee, dass alle gemein­sam viel
mehr auf die Beine zu stel­len vermögen
als ein Mensch allei­ne. Das gilt laut
Heike Walk vom Zentrum Tech­nik und
Gesell­schaft (ZTG) der TU Berlin auch
für ein so aktu­el­les Thema wie „Klima­wan­del“.
Als kollek­ti­ve Zusammenschlüsse
haben Genossenschaften
den Analy­sen der Geschäftsführerin
des ZTG-Insti­tuts für Protest- und Bewegungsforschung
zufol­ge vielfältige
Hand­lungs­mög­lich­kei­ten, um den Klimaschutz
in Städ­ten voranzutreiben.
Viele Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten treten
als klas­si­sche Non-Profit-Organisationen
auf. Hier schlie­ßen sich Menschen
auf der Basis von Selbst­hil­fe oder ehrenamtlichen
Enga­ge­ment kooperativ
zu zusam­men. Dane­ben exis­tie­ren aber
auch Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten, die zu
bezah­len­de Leis­tun­gen erbrin­gen, die
zwar gesell­schaft­lich notwen­dig und
zentral für eine nach­hal­ti­ge Entwicklung
sind, vom Markt aber nicht mehr
zur Verfü­gung gestellt werden.
Von pallia­ti­ver Hilfe
bis zur Nahraumversorgung
Die Hand­lungs­fel­der von Sozialgenossenschaften
fächern sich demnach
stark auf. Allein im Gesund­heits- und
Pfle­ge­sek­tor exis­tiert heute eine breite
Ange­bots­pa­let­te, die vom Palliativbereich
über das Senio­ren­woh­nen bis
hin zu Kran­ken­haus­netz­wer­ken reicht.
Selbst der Bereit­schafts­dienst von
Ärzten kann sozialgenossenschaftlich
orga­ni­siert werden. Viele Genossenschaften
enga­gie­ren sich vor dem
Hinter­grund des demographischen
Wandels auch dafür, die sozia­le Infrastruktur
vor Ort zu erhal­ten oder sie neu
zu schaf­fen. Dies betrifft die Kinderbetreuung
und die Jugend­hil­fe ebenso wie
die Themen „Alters­ge­rech­tes Wohnen“
und „Nahraum­ver­sor­gung“.
Um die psycho­so­zia­le Gesund­heit von
Kindern und Jugend­li­chen kümmert
sich im italie­ni­schen Bruneck seit vielen
Jahren die Sozialgenossenschaft
EOS. Bereits 1995 eröff­ne­te die Organisation
eine sozi­al­päd­ago­gi­sche WG
für psych­ia­trisch auffäl­li­ge Jugendliche.
Vier Jahre später star­te­te sie in Bruneck
ein Projekt für ein Beglei­te­tes Wohnen
von Heran­wach­sen­den mit seelischen
Proble­men. Ein zwei­tes Projekt dieser
Art wurde 2001 in Bozen eröff­net. 2005
star­te­te die von der Genos­sen­schaft organisierte
Ambu­lan­te sozialpädagogische
Fami­li­en­ar­beit im Puster­tal. Von
Jahr zu Jahr wuchs die Mitarbeiterzahl.
Heute liegt sie bei um die 80.

Entscheidend ist die Tat – Pat Christ 0

Entscheidend ist die Tat – Pat Christ

Zahl­rei­che Freun­de, Wegge­fähr­ten, Neugie­ri­ge und Inter­es­sier­te kamen vom 31. Okto­ber bis 3. November
zur „Jahres­fei­er Humane Wirt­schaft 2013“ des Förder­ver­eins Natür­li­che Wirt­schafts­ord­nung e. V. in die Wupper­ta­ler Silvio-Gesell-Tagungs­stät­te. „Entschei­dend ist die Tat“ laute­te das dies­jäh­ri­ge Motto. 

„Theo­rien und Philo­so­phien sind sicher wich­tig,“ so Chef­re­dak­teur Andre­as Bange­mann zum Auftakt. „Doch von ebenso großer Bedeu­tung ist es, etwas real umzu­set­zen und etwas zu bewe­gen.“ Ein großes Ziel ist allen Human­wirt­schaft­le­rin­nen und Human­wirt­schaft­lern klar. Es heißt: Eine Geld­ord­nung schaf­fen, in der sich das
Geld nicht mehr, wie den derzeit herr­schen­den Spiel­re­geln zufol­ge, selbst vermeh­ren und dadurch die Gesell­schaft immer weiter aufspal­ten kann. Doch der Weg dahin ist noch ziem­lich weit.

Sehr ferne Ziele können demo­ti­vie­ren. Vor allem, wenn es nicht gewiss erscheint, dass sie auch erreicht werden können. Damit die Einsatz­freu­de nicht nach­lässt, sind sinn­vol­le Zwischen­etap­pen und eine Menge
klei­ner, krea­ti­ver Ideen nötig. „Was wir anstre­ben, kann nur dann rich­tig Wirkung entfal­ten, wenn es in sehr vielen Köpfen ist und wenn sich sehr viele Menschen daran betei­li­gen“, beton­te Bangemann.

Dafür müssen die Menschen begeis­tert werden. Und zwar durch etwas, was konkret und „anfass­bar“ ist. Was akti­viert. Statt ledig­lich Diskus­sio­nen auszu­lö­sen. Ist es doch auf Dauer äußerst unbe­frie­di­gend, nur immer über die Gier der Reichen und die Blind­heit der Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker zu schimp­fen. Solche
Debat­ten erschöp­fen sich irgend­wann. Besser versu­chen, von unten etwas zu verän­dern. Dass die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer der Jahres­fei­er tatsäch­lich den großen Wunsch haben, etwas zu bewe­gen, machte die „Murmel­run­de“ am Eröff­nungs­abend deut­lich. Span­nen­der Tagungs­ein­stieg Was immer einem selbst gerade keine Ruhe lässt, womit man sich gerade beschäf­tigt und wie man über­haupt auf das Thema „Humane Wirt­schaft“ kam, das erzähl­ten sich je zwei Teil­neh­me­rIn­nen bei diesem unge­wöhn­li­chen Einstieg in die Tagung. In sechs Minu­ten mach­ten sich zwei Menschen, die sich bis dato noch nie gese­hen hatten, auf diese inten­si­ve Weise mitein­an­der bekannt. Wech­sel­sei­tig stell­ten sie sich später im Plenum vor. Heraus kamen facet­ten­rei­che Persön­lich­keits­be­schrei­bun­gen, Infor­ma­tio­nen über inter­es­san­te biogra­phi­sche Wege, unge­wöhn­li­che Pläne und erste konkre­te Projekte.

Am zwei­ten Abend kam bei Andre­as Bange­mann Gold­grä­ber­stim­mung auf: In der Rolle des Fürch­te­gott Zwei­fel­mann brach­te er gegen­über Stef­fen Unver­zagt alias Stef­fen Henke erfreut zum Ausdruck, wie
gran­di­os sich sein Geld vermehrt. In den 80er Jahre habe er eine kleine Erbschaft von seinem Groß­va­ter bekom­men, erzähl­te er. Immer­hin 10.000 Mark. Die hat er als flei­ßi­ger schwä­bi­scher Sparer gleich ange­legt – und nun verdop­pelt sich dieses Vermö­gen alle zwölf Jahre.

Finanzwelt auf der Bühne – Eine schwierige Annäherung – Pat Christ 0

Finanzwelt auf der Bühne – Eine schwierige Annäherung – Pat Christ

Das Thea­ter kann das Thema „Geld“ (noch) nicht so rich­tig packen

Sie joggen zwei­mal in der Woche, ernäh­ren sich gesund – und haben ansons­ten nur eines im Sinn: Umsatz zu machen. Dafür nehmen die drei Finanz­be­ra­ter in Robert Woel­fls Stück „Wir verkau­fen immer“ alle nur denk­ba­ren Konse­quen­zen in Kauf: Bruch mit der eige­nen Fami­lie, Bezie­hungs­ab­sti­nenz, Einsam­keit. Beacht­lich, dass es ein Stück über die Finanz­welt auf die Thea­ter­büh­ne geschafft hat. Nur leider bleibt es – und nicht nur dieses Stück – inhalt­lich weit hinter den Erwar­tun­gen an ein solches Thema zurück.

Sie sind weder noncha­lant noch fies oder ausge­bufft, die beiden Finanz­be­ra­ter und die Finanz­be­ra­te­rin, die Regis­seur Stephan Susch­ke bei der Urauf­füh­rung des Stücks im Septem­ber im Würz­bur­ger Stadt­thea­ter zum Tria­log antre­ten lässt. Unsi­cher sind sie. Und geknickt. Vor allem Martin, in Würz­burg von Robin Bohn darge­stellt, ist ganz betrübt darüber, dass seine Eltern ihn der Falsch­be­ra­tung bezich­ti­gen – haben sie doch dank seiner Einflüs­te­run­gen all ihr Geld in Aktien inves­tiert, deren Kurs dann massiv gefal­len ist. Seit­dem reden sie nicht mehr mit ihrem Sohn. Zu groß ist (noch) der Schock darüber, dass all ihr Vermö­gen vernich­tet ist.

Die drei von Woelfl kreierten Finanz­be­ra­ter müssen sich unge­mein abschuf­ten. Tja. Hätten Sie bloß was Vernünf­ti­ges gelernt… Das Leben genie­ßen, nein, das können Julia, Martin und Ricar­do nicht. Denn da ist ja die perma­nen­te Hatz nach dem Geld. Immer hinken sie hinter ihren eige­nen Erwar­tun­gen her. Immer ist da die Angst vor dem Absturz. Und immer stehen sie mit dem Rücken an der Wand. Gefun­den haben sie sich für den Moment des Tria­logs auch nicht aus alter Freund­schaft. Eher zum Schlag­ab­tausch. Ähnlich Mitglie­dern einer Sekte feuern sie sich gegen­sei­tig an, das zu glau­ben, was als Glaube in ihnen längst am Bröckeln ist. Woelfl präsen­tiert seine Figu­ren verhed­dert in einem Job, der abso­lut nicht zum Glück­lich­ma­chen taugt.

Zu bloßen „Kunden“ degra­diert Wie sie mit ande­ren umge­hen, treibt ihnen beim Erzäh­len keines­wegs die Röte ins Gesicht. Sie schei­nen nicht zu checken, in welchem unmensch­li­chen Maß sie ihre Mitmen­schen zu bloßen „Kunden“ degra­die­ren. Was frei­lich schon etwas mit der Reali­tät zu tun hat. Unbe­strit­ten gehört die Angst davor, zu wenige Kunden zu haben oder bereits gewon­ne­ne Kunden zu verlie­ren, zur Reali­tät von Finanz­be­ra­tern. Realen Schil­de­run­gen zufol­ge gera­ten nicht wenige Finanz­be­ra­ter gar so stark ins Trudeln, dass sie in die Privatinsolvenz
hinein­schlid­dern. Denn neue Kunden zu finden, ist schwer. Auch für Woel­fls farb­lo­se Figu­ren bedeu­tet dies eine chro­nisch stres­sen­de Heraus­for­de­rung. Dabei versu­chen sie auf Teufel komm raus, zu neuen Geschäfts­kon­tak­ten zu kommen. Und weil sie es so sehr versu­chen, passie­ren Pannen. Werden andere geschä­digt. Um exis­ten­zi­ell notwen­di­ges Geld gebracht. Wie Martins Eltern…

ans Ruder © 2013 Pat Christ
Foto: © Pat Christ
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Vorgegaukelte Demokratie – Pat Christ

Hambur­ger Poli­tik­wis­sen­schaft­ler unter­su­chen Entwick­lung hin zur Postdemokratie

Wohin steu­ert unsere Poli­tik? Nach Ansicht vieler Poli­tik­wis­sen­schaft­ler mitten hinein in die Post­de­mo­kra­tie. Erkenn­bar, sagen sie, ist dies vor allem daran, wie Poli­tik heute begrün­det wird. Dem demo­kra­ti­schen Ideal zufol­ge ist Poli­tik prin­zi­pi­ell verhan­del­bar. Doch de facto wird heute immer weni­ger debat­tiert, ver- und ausge­han­delt. Was angeb­lich zwin­gend imple­men­tiert werden muss, steht von vorne­her­ein fest.

Die Globa­li­sie­rung ist nur eine Entwick­lung von vielen, die so, wie sie sich voll­zieht, als schick­sals­haft und alter­na­tiv­los darge­stellt wird. Poli­ti­sche Gegen­ar­gu­men­te sind rar. Aber auch in ande­ren Feldern wird poli­ti­sches Handeln zuneh­mend als „alter­na­tiv­los“ darge­stellt. Wirt­schaft­li­che Sach­zwän­ge und Zwänge des Mark­tes, Effi­zi­enz- und Kosten­ar­gu­men­te dienen immer häufi­ger als Begrün­dung für Entschei­dun­gen. Für den Bürger ist dies nicht unbe­dingt zu verspü­ren – handelt es sich doch um einen schlei­chen­den Prozess. Bürge­rin­nen und Bürger, die sich wünschen, in einer Welt zu leben, die noch halb­wegs in Ordnung ist, behar­ren darauf: Wir haben eine Demo­kra­tie! Inwie­weit wir tatsäch­lich längst im Post­de­mo­kra­ti­schen gelan­det sind, das unter­sucht Matthi­as Lemke an der Helmut-Schmidt-Univer­si­tät in Hamburg. Über 3,5 Millio­nen Zeitungs­ar­ti­kel aus der Frank­fur­ter Allge­mei­nen Zeitung, der ZEIT, der Süddeut­schen Zeitung und der taz, die seit 1949 erschie­nen, werden seit einem Jahr von ihm und seinen Kolle­gen ausge­wer­tet. Das Projekt dauert noch zwei Jahre. Viel häufi­ger „unver­zicht­bar“ Nach wie vor werden Wahlen durch­ge­führt und Regie­run­gen wech­seln. Doch das hat mit Demo­kra­tie immer weni­ger zu tun, erga­ben laut Lemke die bishe­ri­gen Ergeb­nis­se. „Wir unter­su­chen unter ande­rem die Häufig­keit von Wörtern im Zeit­ver­lauf“, erklärt er gegen­über der HUMANEN WIRTSCHAFT: „Dazu etablier­ten wir ein Wörter­buch mit Begrif­fen, die Alter­na­tiv­lo­sig­keit ausdrücken.“

Statt stich­hal­ti­ge Argu­men­te zu liefern, operie­ren Anhän­ger der Alter­na­tiv­lo­sig­keits­rhe­to­rik zum Beispiel gern mit den Worten „unver­zicht­bar“, „unab­ding­bar“ oder „Sach­zwang“. Lemke: „Solche Wörter haben zuge­nom­men.“ Im nächs­ten Schritt werden die Begrif­fe analy­siert, die sich in der Nach­bar­schaft dieser Wörter befin­den. So kann fest­ge­stellt werden, in welchem Kontext etwa in einem Zeitungs­be­richt vom „Sach­zwang“ die Rede ist. Mit diesem Wort könnte ja auch davor gewarnt werden, die Demo­kra­tie auszu­höh­len. Dann wäre das Wort „Sach­zwang“ als nega­ti­ver Begriff in einem Arti­kel aufge­taucht. „Derzeit wissen wir einfach noch nicht, ob die Nach­bar­wör­ter jeweils posi­tiv oder nega­tiv sind“, sagt Lemke. Klar sei auf alle Fälle, dass gerade im Kontext der poli­ti­schen – weni­ger der wirt­schaft­li­chen – Bericht­erstat­tung heute Wörter, die der Alter­na­tiv­lo­sig­keits­rhe­to­rik entstam­men, wesent­lich häufi­ger auftre­ten als früher. Am stärks­ten ist der Zuwachs beim Wort „alter­na­tiv­los“. Aber auch „unver­zicht­bar“ wird von Polit­kern heute häufi­ger verwen­det als in der Nachkriegsära.

Tipps aus dem Reparatur-Café – Pat Christ 0

Tipps aus dem Reparatur-Café – Pat Christ

Drei Fragen an den Olden­bur­ger Post­wachs­tums­öko­no­men Niko Paech

So, wie Menschen heute nach Geld, Konsum und immer mehr Wohl­stand jagen, das kann nicht gut sein und wird nicht gut gehen, warnt Niko Paech seit langem. Der Post­wachs­tums­öko­nom plädiert für ein neues Bewusst­sein von gutem Leben, das einen ande­ren Konsum­stil hervor­bringt. Inak­zep­ta­bel ist für den Wachs­tums­kri­ti­ker, dass Waren auf Verschleiß herge­stellt werden. Gegen­über Pat Christ berich­tet er, was jeder einzel­ne gegen geplan­te Obso­le­s­zenz tun kann.

Herr Paech, in welchem Umfang produ­zie­ren gerade Elek­tro­kon­zer­ne Ihren Erkennt­nis­sen zufol­ge auf vorzei­ti­gen Verschleiß?

Minia­tu­ri­sie­rung, Digi­ta­li­sie­rung und die Halb­lei­ter­tech­no­lo­gie bilden perfek­te Voraus­set­zun­gen für das Design von Objek­ten, die nicht repa­ra­bel sind und deren Verschleiß sich unbe­merkt, zuwei­len auch schwer beweis­bar, regel­recht einpro­gram­mie­ren lässt. Das ist die Schat­ten­sei­te vermeint­li­cher Fort­schrit­te in der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie: Wo sich alles steu­ern und program­mie­ren lässt, kann eben auch die Zerstö­rung auto­ma­ti­siert werden, ohne den Nutzern die Chance zu lassen, selbst­tä­tig für Instand­hal­tung zu sorgen oder Objek­te zu repa­rie­ren. Digi­ta­li­sie­rung als Spät­sta­di­um einer durch und
durch indus­tri­el­len Fremd­ver­sor­gung führt nicht nur zur Verküm­me­rung eige­ner Fähig­kei­ten, sondern auch zur Entmün­di­gung. Einer­seits machen wir uns zuse­hends abhän­gig von den heiß geliebten
Elek­tronik­spiel­zeu­gen, ande­rer­seits können wir deren Hard­ware in keins­ter Weise gestal­ten oder beherr­schen. Hinzu kommt, dass die Komple­xi­tät des Designs der Produk­te dazu führt, dass wir die Quali­tät nicht mehr eigen­hän­dig prüfen können. Ein Fahr­rad, ein Hemd, eine mecha­ni­sche Näh- oder Schreib­ma­schi­ne, eine Rohr­zan­ge, ein Möbel­stück etc. kann ich mir genau anschau­en. Unter
Nutzung meiner Sinnes­or­ga­ne bin ich wenigs­tens teil­wei­se in der Lage, das Mate­ri­al, die Robust­heit, die Verar­bei­tung zu prüfen. Ein Smart­pho­ne ist vergli­chen damit eine Mischung aus Wunder­tü­te und Roulette.