Kategorie: Wolfgang Berger

Berlemont Brüssel 0

Kon­zerne an die Macht – CETA, TTIP und TiSA – Wolf­gang Ber­ger

CETA, TTIP und TiSA – Rol­le rück­wärts von der Demo­kra­tie zum Feu­da­lis­mus? – – – Frei­han­del und offe­ne Gren­zen für den Waren­aus­tausch sind segens­rei­che Ein­rich­tun­gen. Der Klas­si­ker der Natio­nal­öko­no­mie David Ricar­do (1771–1823) hat die Vor­tei­le an einem ein­fa­chen Bei­spiel auf­ge­zeigt: Die Por­tu­gie­sen pro­du­zie­ren guten Wein und die Eng­län­der gute Wol­le.…

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Virtuos oder dressiert – Wolfgang Berger

Vir­tu­os oder dres­siert Weder Men­schen noch Unter­neh­men kön­nen gegen die Bio­lo­gie Erfolg haben Wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se dar­über, wie Men­schen funk­tio­nie­ren sind schon immer in der Füh­rungs­leh­re berück­sich­tigt wor­den. Aktu­el­le For­schungs­er­geb­nis­se bie­ten uns aber Über­ra­schun­gen, die eini­ges über den Hau­fen wer­fen. Moti­va­ti­on von außen funk­tio­niert nicht. Anwei­sun­gen laden krea­ti­ve Men­schen dazu ein,…

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Der kältere Krieg hat begonnen – Wolfgang Berger

Geo­po­li­tik für die Finanz­in­dus­trie, gegen den Frie­den – Michail Ser­ge­je­witsch Gor­bat­schow war von 1985 bis 1991 Gene­ral­se­kre­tär des Zen­tral­ko­mi­tees der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei der Sowjet­uni­on. 1990 und 1991 war er zwei Jah­re lang Staats­prä­si­dent der Sowjet­uni­on. Er hat den Eiser­nen Vor­hang besei­tigt und die Ver­ei­ni­gung Deutsch­lands ermög­licht. „Die USA benö­ti­gen eine…

(c) Martin Bangemann 0

Inclusive Capitalism – Wie sich der Finanzsektor die Welt unterwirft – Wolfgang Berger

1914 am Vor­abend des 1. Welt­kriegs ent­sprach die Ver­tei­lung der Geld­ver­mö­gen unge­fähr der von 2014: 10 % der Bevöl­ke­rung war im Besitz von 90 % der Geld­ver­mö­gen. Ins­ge­samt waren sie sie­ben mal so hoch, wie die Wirt­schafts­leis­tung eines Jah­res. 2010 lag die­ser Fak­tor bei 5,5 %, Ten­denz wei­ter anstei­gend. [ermit­tel­te Tho­mas Piket­ty…

Das transatlantische Freihandelsabkommen – Wolfgang Berger 0

Das transatlantische Freihandelsabkommen – Wolfgang Berger

Finan­zi­el­le Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen fah­ren die Ern­te ein -
»Le Mon­de diplo­ma­tique – die fran­zö­si­sche Zei­tung für aus­wär­ti­ge Bezie­hun­gen – bezeich­net das trans­at­lan­ti­sche Fei­han­dels­ab­kom­men TAFTA (Trans­at­lan­tic Free Tra­de and Invest­ment Agree­ment) als „Staats­streich in Zeit­lu­pe“. In gehei­men Ver­hand­lun­gen wird es von den mäch­tigs­ten Kon­zer­nen der Welt, die von 600 Indus­trie­ver­bän­den ver­tre­ten wer­den, vor­be­rei­tet. Geset­ze benach­tei­li­gen immer die­je­ni­gen, die bei ihrer Ver­fas­sung nicht dabei sind. Dabei wird der Mensch „wie ein Kon­sum­gut betrach­tet, das man gebrau­chen und dann weg­wer­fen kann“, schreibt Papst Fran­zis­kus im Evan­ge­lii Gau­di­um und fügt hin­zu: „Die­se Wirt­schaft tötet“. Sie tötet die Wür­de, die Frei­heit und den Sinn des Lebens der meis­ten Men­schen. Viel­leicht hat Beni­to Mus­so­li­ni den Begriff Faschis­mus pas­send defi­niert: „Die Fusi­on zwi­schen Groß­kon­zer­nen und Staa­ten“. Wie ist die­ser Ver­nich­tungs­feld­zug geplant wor­den? Wie wird er durch­ge­führt? Das Kil­ler-Spiel „Live and let die“ (Lebe und lass ande­re ster­ben) Ban­ken ver­ge­ben Kre­di­te gegen Sicher­hei­ten. Jeder Fir­men­chef und jeder Haus­ei­gen­tü­mer weiß das. Bei der Kre­dit­prü­fung wird meist ein Fünf­tel Eigen­ka­pi­tal ver­langt. Für die Ban­ken selbst gilt die­se Regel nicht. Gro­ße Ban­ken arbei­ten mit 95 Pro­zent Fremd­ka­pi­tal und hebeln so den Ertrag auf ihr eige­nes Kapi­tal. Eine Mil­li­on Gewinn blei­ben eine Mil­li­on, wenn das Geschäft mit Eigen­ka­pi­tal finan­ziert wird. Bei fünf Pro­zent Eigen­ka­pi­tal erhöht sich der auf das Eigen­ka­pi­tal bezo­ge­ne Gewinn dann fast um das zwan­zig­fa­che. Damit recht­fer­ti­gen die Ban­ken die Mil­lio­nen­ga­gen Ihrer Top­ma­na­ger, die die­se Gewin­ne „erwirt­schaf­ten“ – oder sol­len wir bes­ser „ergau­nern“ sagen? Die Ver­su­chung ist groß, dabei Risi­ken ein­zu­ge­hen, die die Bank selbst nicht auf­fan­gen kann. Gilt die Bank als sys­tem­re­le­vant weil sie „too big to fail“ (zu groß zum Schei­tern) ist, wer­den ihre Ver­lus­te auf die Steu­er­zah­ler abge­wälzt. So sind die Staats­schul­den explo­diert und gan­ze Län­der in den Bank­rott getrie­ben wor­den. In der Kri­se waren die Staa­ten dann „too week to act“ (zu schwach zum Han­deln). Der ers­ten Test­läu­fe für die­ses Spiel sind vor zehn Jah­ren vor­be­rei­tet wor­den: Nied­ri­ge Hypo­the­ken­zin­sen und die Erwar­tung stei­gen­der Immo­bi­li­en­prei­se haben auch Sub­prime-Kre­dit­neh­mer (das sind sol­che mit schlech­ter Boni­tät) in den USA zu Haus­ei­gen­tü­mern gemacht. Die­se Kre­di­te wur­den zu „Deri­va­ten“ (abge­lei­te­ten Wert­pa­pie­ren) gebün­delt und mit kurz­fris­ti­gen Rück­kauf­ver­ein­ba­run­gen („Repos“: Sale and Repurcha­se Agree­ments) wei­ter­ver­kauft. Hank Paul­son – von 1999 bis 2006 CEO (Vor­stands­vor­sit­zen­der) der Invest­ment­bank Gold­man Sachs – hat die US-Ban­ken Bear Sterns und Leh­man Bro­thers in Deri­vat­ge­schäf­te in Mil­li­ar­den­hö­he ein­ge­bun­den. 2006 ist Paul­son US-Finanz­mi­nis­ter gewor­den. Danach haben neue Geset­ze „Deri­va­te“ in „safe havens“ (siche­re Häfen) ver­wan­delt. Das bedeu­tet: Eine Bank, die Wert­pa­pie­re über Deri­va­te besitzt, kann sie beim Kon­kurs der Schuld­ner­bank behal­ten. 2008 konn­ten Bear Sterns und Leh­man Bro­thers ihre Ver­pflich­tun­gen zum Rück­kauf der „Deri­va­te“ gegen­über Gold­man Sachs und dem bri­ti­schen Finanz­un­ter­neh­men Bar­clays nicht erfül­len; sie bra­chen zusam­men. Die bei­den sieg­rei­chen Ban­ken hat­ten zwei Kon­kur­ren­tin­nen „gefres­sen“. Durch EU-Direk­ti­ven haben die Besit­zer von Deri­va­ten auch in Euro­pa bevor­zug­ten Gläu­bi­ger­sta­tus. Wäh­rend es im regu­lä­ren Insol­venz­recht eine Bevor­zu­gung von Gläu­bi­gern nicht gibt, ist sie bei Deri­va­ten jetzt die Norm. Deri­va­te in Ver­bin­dung mit Repo- Geschäf­ten schöp­fen Geld ohne Sicher­hei­ten. Die eine Bank nimmt, die ande­re gibt – und das im Kreis­lauf ad infi­ni­tum. Die­ses Kil­ler-Spiel wird in den USA „Live and let die“ (Lebe und lass ande­re ster­ben) genannt.

Ist die deutsche Energiewende rentabel? – Wolfgang Berger 0

Ist die deutsche Energiewende rentabel? – Wolfgang Berger

Emnid hat ermit­telt, dass 84 Pro­zent der Deut­schen eine rasche und voll­stän­di­ge Ener­gie­ver­sor­gung mit erneu­er­ba­ren Ener­gi­en wün­schen. Jeder Drit­te wür­de sich an Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Anla­gen in sei­ner Nähe finan­zi­ell betei­li­gen. Das sind über 20 Mil­lio­nen poten­zi­el­le Inves­to­ren. Ist die­se Prä­fe­renz ratio­nal oder ist es eine emo­tio­na­le Prä­fe­renz jen­seits unter­neh­me­ri­schen Kal­küls?

Die meis­ten Unter­neh­men berech­nen die Ren­ta­bi­li­tät ihrer mög­li­chen oder geplan­ten Inves­ti­tio­nen mit einer ein­fa­chen Rech­nung: Sie ermit­teln die zusätz­li­chen Aus­ga­ben, die bei einer Inves­ti­ti­on Jahr für Jahr not­wen­dig wer­den und die zusätz­li­chen Ein­nah­men, die die­se Inves­ti­ti­on Jahr für Jahr bringt. Die jähr­li­chen Sal­den die­ser Zah­len­rei­he ste­hen für die Ertrags­kraft der Inves­ti­ti­on.

Nun kön­nen wir die­se Sal­den aber nicht ein­fach addie­ren – wir müs­sen sie mit der Zeit gewich­ten. Eine Mil­li­on in die­sem Jahr ist mehr als eine Mil­li­on im nächs­ten Jahr, denn wenn wir es gut anfan­gen, hat sich die eine Mil­li­on in die­sem Jahr bis zum nächs­ten Jahr ver­mehrt. Wol­len wir die Zah­len addie­ren, müs­sen sie zuvor ver­gleich­bar gemacht und auf den heu­ti­gen Tag abzinst wer­den. Die­se „Kapi­tal­wert­me­tho­de“ ist der umge­kehr­te Rechen­vor­gang wie die Zins­be­rech­nung für die Zukunft, nur dass hier die Zah­len nicht grö­ßer, son­dern klei­ner wer­den, je wei­ter das Jahr in der Zukunft liegt, auf das sie sich bezie­hen.

Wenn wir beim Abzin­sen mit zehn Pro­zent rech­nen, sind eine Mil­li­on Euro in einem Jahr heu­te 910.000 Euro wert, denn wenn ich heu­te 910.000 Euro mit zehn Pro­zent anle­ge, habe ich in einem Jahr eine Mil­li­on. Nicht weil die Zin­sen heu­te zehn Pro­zent sind; sie sind nied­ri­ger. Aber Inves­ti­ti­ons­kre­di­te sind trotz­dem teu­er und Über­zie­hungs­zin­sen sind auch bei einem Leit­zins­satz der Zen­tral­bank nahe Null weit über zehn Pro­zent.

Wenn wir mit zehn Pro­zent rech­nen, sind eine Mil­li­on Euro in zwei Jah­ren dann heu­te noch ein­mal zehn Pro­zent weni­ger wert, also 830.000 Euro. Und so kön­nen wir wei­ter rech­nen: Eine Mil­li­on Euro in zehn Jah­ren sind heu­te 390.000 Euro wert. Eine Mil­li­on Euro in 100 Jah­ren sind heu­te 700 Euro wert. Eine Mil­li­on Euro in 200 Jah­ren sind heu­te drei Euro wert und eine Mil­li­on Euro in 250 Jah­ren sind abge­zinst heu­te nur gan­ze vier Cent wert.

Weil die lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen so lächer­lich gering sind, brau­chen wir die Rech­nung nur für gut zehn
Jah­re durch­zu­füh­ren. Was danach geschieht, wirkt sich auf das Ergeb­nis kaum noch aus. Was danach geschieht, beein­flusst die Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen also nicht mehr. In unse­rem gegen­wär­ti­gen destruk­ti­ven Geld­sys­tem erzwingt der Ren­di­te­zwang des­halb die Zer­stö­rung der Umwelt. Der Erhalt der Umwelt wirkt sich erst lang­fris­tig aus und ist des­halb nicht ren­ta­bel. Eine Nach-uns-die-Sint­flut-Men­ta­li­tät erhöht den Bör­sen­wert des Unter­neh­mens (Share­hol­der Value) und ist des­halb die logi­sche Kon­se­quenz.
In Zei­ten nied­ri­ger Zin­sen wach­sen die gro­ßen Ver­mö­gen über Akti­en und die Spe­ku­la­ti­on mit Deri­va­ten.
Nied­ri­ge Zin­sen ver­lei­hen Deri­va­ten eine Hebel­wir­kung, mit der sie fast die gan­ze Welt auf­kau­fen kön­nen.

Bei flie­ßen­dem Geld pen­delt der effek­tiv gezahl­te Markt­zins um Null; zusätz­li­che Ein­nah­men und Aus­ga­ben von Inves­ti­tio­nen wer­den des­halb nicht mehr abge­zinst. Damit wird es ren­ta­bel, die Umwelt zu erhal­ten. In einem sol­chen Geld­sys­tem wer­den die Märk­te des­halb Nach­hal­tig­keit und dau­er­haft halt­ba­re Güter erzwin­gen.

Finanzzirkus 0

Der Krieg gegen die arbeitende Bevölkerung – Wolfgang Berger

Im Jah­re 1870 bil­det die Lon­do­ner Mane­ge-Schu­le erst­mals Zir­kus­di­rek­to­ren aus. Die Abschluss­qua­li­fi­ka­ti­on für die erfolg­rei­chen Absol­ven­ten ist eine Berufs­be­zeich­nung, die hun­dert Jah­re spä­ter auch woan­ders in Mode kommt: Mana­ger. Der Begriff lei­tet sich vom latei­ni­schen „manum age­re“ ab: jemand an der Hand füh­ren.

Im Zir­kus hat es ange­fan­gen. Ken­nen Sie das? Zir­kus­tie­re wer­den an der Lei­ne geführt, mit Tricks und Gewalt dres­siert und zu Kunst­stü­cken gezwun­gen, die sie von sich aus nie tun wür­den. So wie Zir­kus­tie­re gegen ihre Natur auf ein nicht art­ge­rech­tes Ver­hal­ten gedrillt wer­den, dril­len Unter­neh­men vie­le Men­schen gegen ihre Natur auf ein nicht art­ge­rech­tes Ver­hal­ten.

„Angst und Geld sind das ein­zi­ge, was Mit­ar­bei­ter moti­viert“, mein­te Jef­frey Skil­ling, Chef der Enron Cor­po­ra­ti­on – einem Ener­gie­kon­zern aus Texas – bis zur spek­ta­ku­lä­ren Plei­te in 2001. Der Har­vard Absol­vent hat­te sei­ne Kar­rie­re bei der Unter­neh­mens­be­ra­tung McK­in­sey begon­nen und dann den größ­ten Wirt­schafts­kri­mi des 20. Jahr­hun­derts insze­niert. Nach jah­re­lan­gen Anfech­tungs­kla­gen hat im Som­mer 2013 ein Bezirks­rich­ter in Hous­ton, Texas, sei­ne Gefäng­nis­stra­fe von 24 auf 14 Jah­re redu­ziert – gegen Zah­lung von 40 Mil­lio­nen Dol­lar.
Die Share­hol­der-Value-Dok­trin zer­bricht die Men­schen

Die Enron-Plei­te hat 22.000 Men­schen arbeits­los gemacht und zugleich ihre Alters­ver­sor­gun­gen ver­nich­tet. In den letz­ten fünf Jah­ren vor dem Zusam­men­bruch hat Enron sei­nen Gewinn jähr­lich um 65 Pro­zent stei­gern kön­nen. Der nach der Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung gemes­se­ne Wert des Unter­neh­mens war welt­weit an sechs­ter Stel­le. Nam­haf­te Exper­ten haben im Jah­re 2000 den Enron-Ver­wal­tungs­rat (Board) als einen der fünf bes­ten der USA bewer­tet.

In weni­gen Tagen ist dann das Kar­ten­haus aus Gier, Skru­pel­lo­sig­keit und Grö­ßen­wahn zusam­men­ge­fal­len. Aus­lö­ser für eine Unter­neh­mens­stra­te­gie, die zunächst von der Fach­welt bewun­dert und anschlie­ßend von einem Tsu­na­mi regel­recht über­rollt wird, ist ein US-ame­ri­ka­ni­sches Gerichts­ur­teil. Weil alle gro­ßen Fir­men eine Nie­der­las­sung in den USA haben und dort mit astro­no­mi­schen Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen ver­klagt wer­den kön­nen, hin­ter­lässt es eine Spur auf der gan­zen Welt:

1932 grün­den Joseph und Charles Rev­son die Kos­me­tik­fir­ma Rev­lon. Zu Beginn der 1980er Jah­re inter­es­siert sich die Lei­tung der Fir­ma für die Gewin­ne der Eigen­tü­mer, aber außer­dem auch noch für Belan­ge von Beleg­schaft, Kun­den und Lie­fe­ran­ten. Da wird sie ver­klagt. 1985 ver­ur­teilt der Dela­ware Supre­me Court (das höchs­te Gericht des Bun­des­staa­tes) die Füh­rung des Unter­neh­mens. Nach dem Urteil des Gerichts muss die Lei­tung eines Unter­neh­mens der Eigen­tums­meh­rung der Aktio­nä­re alles – wirk­lich alles ande­re unter­ord­nen. Mit die­sem Urteil gelingt es Ronald Per­e­man, die Akti­en­ge­sell­schaft „feind­lich“ zu über­neh­men. Und das heißt: Gegen den erbit­ter­ten Wider­stand der Beleg­schaft und der Unter­neh­mens­lei­tung.

Das Urteil zwingt die Unter­neh­men der Welt zu einer Stra­te­gie, die „Share­hol­der-Value-Dok­trin“ genannt wird. „Share­hol­der Value“ ist der Betrag, den das gesam­te Unter­neh­men zum gegen­wär­ti­gen Bör­sen­kurs wert ist. Das Manage­ment muss mit allen lega­len Mit­teln den Unter­neh­mens­wert stei­gern und dadurch den Reich­tum der Aktio­nä­re meh­ren. Ande­re Zie­le dür­fen nur ver­folgt wer­den, wenn es nicht zu Las­ten die­ses höchs­ten Gebots geht.

Wo die Dok­trin nicht befolgt wird, sinkt der Akti­en­kurs – und damit droht eine feind­li­che Über­nah­me des Unter­neh­mens. Fonds, die sol­che Spie­le radi­kal betrei­ben, finan­zie­ren Über­nah­men mit Kre­di­ten gro­ßer Finanz­in­sti­tu­te, vor­nehm­lich in der „City of Lon­don.“ Die Rück­zah­lung der Kre­di­te wird dem erober­ten Unter­neh­men auf­ge­bür­det. Wenn es den Wert des Unter­neh­mens erhöht, muss die Unter­neh­mens­lei­tung Per­so­nal ent­las­sen. Nao­mi Klein beschreibt die­se Machen­schaf­ten und ihre Hin­ter­grün­de auf 763 Sei­ten detail­liert und fak­ten­reich: »Die Schock-Stra­te­gie – Der Auf­stieg des Kata­stro­phen-Kapi­ta­lis­mus«.

Die Vor­stän­de müs­sen mit­spie­len und ihre Ver­ant­wor­tung für das Gan­ze zurück­stel­len. Die Vor­aus­set­zun­gen dafür schuf Mit­te der 1970er Jah­re die Unter­neh­mens­be­ra­tung »McK­in­sey & Com­pa­ny Inc.« Bis dahin waren Mana­ger Arbeit­neh­mer, eben­so wie die ihnen unter­stell­ten Mit­ar­bei­ter – und stan­den damit in natür­li­chem Inter­es­sen­ge­gen­satz zu den Kapi­tal­eig­nern. Mit „Stock Opti­ons“ (Akti­en­op­tio­nen) wur­den die ange­stell­ten Unter­neh­mens­füh­rer von der Sei­te der Beleg­schaft auf die Sei­te des Kapi­tals gezo­gen.

Akti­en­op­tio­nen wer­den als Erfolgs­bo­nus – als Beloh­nung – zusätz­lich zum Gehalt aus­ge­ge­ben, wenn der Akti­en­kurs eine bestimm­te Höhe erklimmt. Wer sol­che Optio­nen besitzt, kann sie gegen Akti­en des von ihm gelei­te­ten Unter­neh­mens ein­tau­schen und die­se Akti­en spä­ter auch ver­kau­fen.

Unab­hän­gig von den Zwän­gen der Recht­spre­chung hat der Inha­ber von Optio­nen ein per­sön­li­ches Inter­es­se an einem hohen Akti­en­kurs. Die Ver­su­chung ist groß, die­sem Inter­es­se ande­re The­men unter­zu­ord­nen: die Belan­ge der Beleg­schaft und die lang­fris­ti­ge Zukunft des Unter­neh­mens; gewach­se­ne Kun­den- und Lie­fe­ran­ten­be­zie­hun­gen; Fair­ness gegen­über Wett­be­wer­bern; Loya­li­tät gegen­über Pro­duk­ti­ons­stand­or­ten, die die Infra­struk­tur bereit­stel­len und deren Bevöl­ke­rung von Ent­las­sungs­wel­len betrof­fen ist; sowie Rück­sicht auf den Staat, auf des­sen Infra­struk­tur alle Unter­neh­men ange­wie­sen sind.

Akti­en­op­tio­nen haben den Kapi­ta­lis­mus von Grund auf ver­än­dert. Die Füh­rung von bör­sen­ge­han­del­ten Akti­en­ge­sell­schaf­ten ist seit­dem weni­ger bestrebt, Pro­duk­te oder Dienst­leis­tun­gen anzu­bie­ten, Stand­or­te und Arbeits­plät­ze zu erhal­ten. Sie bemüht sich vor allem dar­um, den Akti­en­kurs nach oben zu trei­ben. Die übri­gen Arbeit­neh­mer – bis dahin in einer Inter­es­sen­ge­mein­schaft mit der Unter­neh­mens­spit­ze – blei­ben zurück und pro­fi­tie­ren nicht mehr von dem Pro­duk­ti­vi­täts­zu­wachs, den sie erar­bei­ten.
Auch das Land, in dem die Akti­en­ge­sell­schaft ihren Sitz hat, bleibt zurück. Die Mehr­heit der Akti­en der 30 größ­ten und umsatz­stärks­ten deut­schen Unter­neh­men, die an der Frank­fur­ter Bör­se gehan­delt wer­den – die deut­schen „DAX-Kon­zer­ne“ – gehört nach Aus­kunft der Wirt­schafts­prü­fer Ernst & Young aus­län­di­schen Inves­to­ren. In ande­ren Län­dern ist es kaum anders. Vie­le die­ser Kon­zer­ne wei­sen Bilanz­sum­men aus, die das Brut­to­in­lands­pro­dukt der meis­ten Staa­ten die­ser Welt über­stei­gen.

Die Fonds haben ihren Sitz über­wie­gend auf exo­ti­schen Inseln, die ihnen als „tax haven“ (Steu­er­flucht­stät­te) die­nen. Die­se „Offshore“-Finanzplätze“ lie­gen jen­seits der eige­nen Küs­te (off shore). Aber die Fonds wer­den in der „City of Lon­don“ ver­wal­tet. Ähn­lich wie der Vati­kan kein Teil Ita­li­ens ist, gehört der Finanz­di­strikt „City of Lon­don“ nicht zu Groß­bri­tan­ni­en. Er ist eine eigen­stän­di­ge poli­ti­sche Ein­heit. Die dort gül­ti­gen Geset­ze wer­den von den ca. 250 glo­bal täti­gen Finanz­in­sti­tu­ten gestal­tet, die dort nie­der­ge­las­sen sind und kei­ne natio­na­le Iden­ti­tät haben.

Samu­el J. Pal­misa­no, Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der Com­pu­ter­fir­ma IBM, drückt die Auf­la­gen des Finanz­sek­tors in sei­ner „Road­map to 2015“ (Ziel­pla­nung für 2015) kna­ckig aus: „Earnings to dou­ble“ (Den Gewinn ver­dop­peln). Unter der Lei­tung der CEO (Prä­si­den­tin) Vir­gi­nia M. „Gin­ni“ Romet­ty sol­len die welt­weit über 430.000 Mit­ar­bei­ter die Ren­di­ten der Akti­en in weni­gen Jah­ren um 100 Pro­zent erhö­hen. Die­ser Druck wird an die gesam­te Beleg­schaft wei­ter­ge­ge­ben.

Die Kon­se­quen­zen zei­gen sich in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten – dem Aus­gangs­punkt der ver­än­der­ten Recht­spre­chung – am dra­ma­tischs­ten: 1970 ver­dien­te ein Unter­neh­mens­chef in den USA das 25fache des Durch­schnitts­ein­kom­mens sei­ner Mit­ar­bei­ter, heu­te ist es das 500fache. Im Rest der Welt drif­ten die Ein­kom­men zwi­schen der Unter­neh­mens­spit­ze und der Beleg­schaft ähn­lich stark aus­ein­an­der.

Wer stirbt? Wer bleibt übrig? – Wolfgang Berger 0

Wer stirbt? Wer bleibt übrig? – Wolfgang Berger

Finan­zi­el­le Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen fah­ren die Ern­te ein.

Nied­ri­ge Hypo­the­ken­zin­sen und die Erwar­tung stei­gen­der Immo­bi­li­en­prei­se haben auch „Subprime“-Kreditnehmer (mit schlech­ter Boni­tät) zu Haus­ei­gen­tü­mern gemacht. Die­se Kre­di­te wur­den zu „Deri­va­ten“ gebün­delt und mit kurz­fris­ti­gen Rück­kauf­ver­ein­ba­run­gen („Repos“ = Sale and Repurcha­se Agree­ment) wei­ter­ver­kauft. So kam erst ein­mal Geld in die Kas­se. Bear Sterns und Leh­man Bro­ther (USA) bra­chen 2008 zusam­men, als sie Rück­kauf­ver­pflich­tun­gen nicht erfül­len konn­ten. Das aber waren nur Test­läu­fe.

Frü­her wur­den Kre­di­te gegen Sicher­hei­ten ver­ge­ben. Jeder Haus­ei­gen­tü­mer weiß das. Deri­va­te in Ver­bin­dung mit Repo-Geschäf­ten schöp­fen Geld ohne Sicher­hei­ten. Die eine Bank nimmt, die ande­re gibt – und das im Kreis­lauf ad infi­ni­tum. Das Geld kommt nicht in die Real­wirt­schaft, die dem Finanz­sek­tor gleich­gül­tig ist. Des­halb löst es kei­ne Infla­ti­on aus. Der Kreis­lauf hat sich zum Kil­ler-Spiel ent­wi­ckelt: Live and let die (Lebe und las­se ster­ben). Als Bear Sterns zusam­men­brach war JP Mor­gan Cha­se der Sie­ger. Von Leh­man Bro­thers Unter­gang haben die bri­ti­sche Bar­clays und Gold­man Sachs pro­fi­tiert.

Der Test hat funk­tio­niert. Gold­man Sachs hat mit Hank Paul­son als USFi­nanz­mi­nis­ter meh­re­re Geset­ze durch­brin­gen las­sen, die Deri­va­te in safe havens (siche­ren Häfen) ver­wan­delt haben. Das bedeu­tet: Eine Bank, die Wert­pa­pie­re über Deri­va­te besitzt, kann die­se beim Kon­kurs der Schuld­ner­bank behal­ten. Durch zwei EU-Direk­ti­ven haben Deri­va­te-Besit­zer auch in Euro­pa bevor­zug­ten Gläu­bi­ger­sta­tus. Wäh­rend es im regu­lä­ren Insol­venz­recht eine Bevor­zu­gung von Gläu­bi­gern nicht gibt, ist sie bei Deri­va­ten jetzt die Norm.

Nun konn­te der nächs­te Test­bal­lon stei­gen: Mit MF Glo­bal war in 2010 eine US-Bank das Opfer, die Ein­la­gen von 38.000 Kun­den ver­wal­te­te und Far­mern mit Waren­ter­min­ge­schäf­ten die Ein­nah­men nach der Ern­te absi­cher­te. Ins­ge­samt 1,2 Mil­li­ar­den Dol­lar sind ver­schwun­den; tau­sen­de Far­mer haben ihr gesam­tes Ver­mö­gen ver­lo­ren. Bran­chen­ken­ner ver­mu­ten, dass die 1,2 Mil­li­ar­den über Deri­va­te bei JP Mor­gan gelan­det sind. Nie­mand ist ver­haf­tet wor­den; es ist alles nach Recht und Gesetz abge­wi­ckelt wor­den.

Die EU-Ban­ken-Regu­lie­rung soll uns beru­hi­gen. Die bel­gisch-fran­zö­si­sche Dexia, die Dar­le­hen an Kom­mu­nen ver­ge­ben hat, ist im „Stress-Test“ der Euro­päi­schen Ban­ken­auf­sicht mit der Best­no­te bewer­tet wor­den und kurz dar­auf in Schwie­rig­kei­ten gera­ten. Bel­gi­en, Frank­reich und Luxem­burg muss­ten in 2011 Staats­ga­ran­ti­en in Höhe von 90 Mil­li­ar­den Euro geben. Gewin­ner waren dies­mal Ban­ken in Cana­da, Hong­kong und das Emi­rat Katar. Ihnen allen geht es dar­um, sys­tem­re­le­vant zu wer­den: so groß, dass sie bei einem Schei­tern geret­tet wer­den müs­sen („too big to fail“) – Voll­kas­ko für Raub­über­fäl­le auf Kos­ten der Steu­er­zah­ler.

Hedge-Fonds betrei­ben das Deri­va­te­ge­schäft unter der Tisch­kan­te der regu­lier­ten Ban­ken in einer atem­be­rau­ben­den Grö­ßen­ord­nung wei­ter. Die offi­zi­el­len Bank­bi­lan­zen sehen sau­ber aus; die Risi­ken wer­den ver­schlei­ert. Die mäch­tigs­te Bank der Welt, die Base­ler Bank für Inter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich (BIZ) hat dem ihren Segen erteilt. Ist es ein Plan, ver­wund­ba­re Ban­ken oder schwa­che Natio­nen aus­zu­rau­ben? Was jetzt noch fehlt ist ein Crash-Ereig­nis, das die gro­ßen Spie­ler brau­chen, um Wett­be­wer­ber abzu­schie­ßen. Nie­mand wird bei der Ent­eig­nung ein Gesetz ver­let­zen oder bestraft wer­den. Es ist alles gut vor­be­rei­tet. Es wird vie­le Ver­lie­rer geben und weni­ge strah­len­de Sie­ger. Dann ist „too big to fail“ pas­sé; für Regie­run­gen gilt dann „too week to act“ (zu schwach zum Han­deln): sie sind den gro­ßen Spie­lern unter­tan.

Prof. Dr. Dr. Wolfgng Berger 0

Die globale Finanz- und Schuldenkrise – Wolfgang Berger

Richard Por­tes, Pro­fes­sor an der „Lon­don School of Eco­no­mics“ gilt als bedeu­tends­ter Öko­nom Groß­bri­tan­ni­ens. In 2007 schreibt er: „…
the inter­na­tio­na­li­sa­ti­on of the Ice­lan­dic finan­ci­al sec­tor is a remar­kab­le suc­cess sto­ry that the mar­kets should bet­ter ack­now­ledge“ (die erfolg­rei­che glo­ba­le Aus­rich­tung des islän­di­schen Finanz­sek­tors soll­te die Märk­te mehr beein­dru­cken). Fre­de­ric S. Mish­kin – Öko­no­mie­pro­fes­sor
an der „Colum­bia Uni­ver­si­tät New York“ und ehe­ma­li­ger Prä­si­dent der US-Zen­tral­bank – ver­öf­fent­licht in 2007 einen Auf­satz „Finan­ci­al Sta­bi­li­ty in Ice­land“ (Die finan­zi­el­le Sta­bi­li­tät Islands). Die islän­di­sche Zen­tral­bank zahlt ihm dafür 124.000 Dol­lar [http://de.wikipedia.org/wiki/Frederic_Mishkin].

Geld muss fließen, wie dieser Bach 0

Die Welt braucht fließendes Geld – Wolfgang Berger

Die Leser die­ser Zeit­schrift wis­sen es: Geld muss flie­ßen, wenn es sei­ne wohl­tu­en­den Wir­kun­gen ent­fal­ten soll – flie­ßen wie Blut in unse­rem Kör­per oder wie Was­ser in der Natur. Der klei­ne Trick mit gro­ßer Wir­kung beim flie­ßen­den Geld ist, dass das Aus­ge­ben belohnt wird, nicht das Fest­hal­ten. Wer Geld zurück­hält, zahlt eine klei­ne Steu­er. Die­ser „Umlauf­im­puls“ ent­fällt für den, der Geld aus­gibt, inves­tiert, lang­fris­tig anlegt oder ver­schenkt. Dadurch ver­ste­tigt sich der Geld­um­lauf.

www.georg-schramm.de 0

Georg Schramm occupies Deutsche Bank – Wolfgang Berger

Der däni­sche Schrift­stel­ler Søren Kier­ke­gaard (1813 – 1855) berich­tet, wie hin­ter den Kulis­sen des Thea­ters ein Feu­er aus­bricht. Der Clown tritt
scho­ckiert auf die Büh­ne und for­dert alle auf, den Saal rasch zu ver­las­sen. Das Publi­kum genießt die ori­gi­nel­le Ein­la­ge und klatscht lau­ten Bei­fall.
Der Clown wird bleich vor Schreck, ges­ti­ku­liert hef­tig und warnt vor der dro­hen­den Gefahr. Alle sind begeis­tert und joh­len vor Freu­de – bis das
Feu­er auf den Zuschau­er­raum über­springt. Da ist es zu spät.

Wer die Menschen hasst, wird das Geld lieben – Wolfgang Berger 0

Wer die Menschen hasst, wird das Geld lieben – Wolfgang Berger

Ein Nach­wort auf: „Die Finanz­welt auf der Tita­nic: Tan­zen solan­ge die Musik spielt“
Die Reso­nanz auf sei­nen Tita­nic-Arti­kel in Heft 05/2011 der HUMANEN WIRTSCHAFT (Tan­zen solan­ge die Musik spielt) war so gewal­tig, dass Prof. Dr. Wolf­gang Ber­ger erschro­cken ist. War­um sagt er hier.

Tanzen solange die Musik spielt © Martin Bangemann, Kontakt: bestmoose.de 1

Tanzen solange die Musik spielt – Wolfgang Berger

Mr. Sam Zher­ka betreibt den Her­ren-Club „Flash Dan­cers – A Gentlemen’s Club“ in Chel­sea, Man­hat­tan, nicht weit von der Wall Street. Sein neu­es „Pre­mi­um­pro­dukt“, ein „lap dance packa­ge“ (ein Tanz auf dem Schoß) kos­tet $ 1.000 und wird über­wie­gend von Wall Street Bro­kern nach­ge­fragt.

Von Pandora bis Ali Baba – Wolfgang Berger 0

Von Pandora bis Ali Baba – Wolfgang Berger

In den Anfangs­zei­ten ist die Erde ein Para­dies, es gibt weder Müh­sal noch Krank­heit und die Men­schen sind – wie die Göt­ter – unsterb­lich. In der grie­chi­schen Mytho­lo­gie ist die ers­te Frau nicht Eva, son­dern Pan­do­ra – die „All­be­schenk­te“. Sie ist von berau­schen­der Schön­heit und hold­se­li­gem Lieb­reiz.