Vor dem dritten Staatsbankrott? – Marc Hansmann 0

Vor dem dritten Staatsbankrott? – Marc Hansmann

Eine Privat­per­son, ein Unter­neh­men oder eine Gebiets­kör­per­schaft nimmt Kredi­te mit dem Ziel auf, zusätz­li­che Hand­lungs­spiel­räu­me zu gewin­nen. Konsum- und Inves­ti­ti­ons­aus­ga­ben können durch Schul­den­auf­nah­me früher getä­tigt und müssen nicht erst ange­spart werden. Dafür ist ein Preis in Form von Zinsen an die Bank zu zahlen. Selbst­ver­ständ­lich muss der Kredit auch getilgt werden. Doch Staat und Kommu­nen zahlen faktisch ihre Schul­den nicht zurück. Nicht zufäl­lig wird immer nur von der Entwick­lung der (Netto-) Neuver­schul­dung gespro­chen, die sich aus der Brut­to­kre­dit­auf­nah­me abzüg­lich der Tilgung errech­net. Der Einzel­kre­dit muss natür­lich auch von der öffent­li­chen Hand zurück­ge­zahlt werden, aber im Ergeb­nis wird nur umge­schul­det. Die Kredit­auf­nah­me in Höhe der Tilgung gilt als gesetzt.

Vom Geld und anderen Gemeingütern – Pat Christ 0

Vom Geld und anderen Gemeingütern – Pat Christ

„Gemein­gut in Bürge­rIn­nen­hand“ nennt sich ein Verein, der für die Bewah­rung und Demo­kra­ti­sie­rung aller öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen und für die gesell­schaft­li­che Verfü­gung über die natur­ge­ge­be­nen Gemein­gü­ter eintritt. Wasser, Bildung, Mobi­li­tät, Ener­gie und vieles andere sollen wieder demo­kra­tisch kontrol­liert werden. Das erste Projekt 2011 war die Kampa­gne „Wollt-ihrwis­sen“ zum Wasser-Volks­ent­scheid in Berlin. Dabei ging es um die Offen­le­gung von PPP-Geheim­ver­trä­gen. Zahl­rei­che GiB-Akti­vis­tIn­nen bekämp­fen vor Ort in ihren Städ­ten und Gemein­den Priva­ti­sie­rungs­be­stre­bun­gen. Hierzu gehö­ren attac-Grup­pen, lokale Zusam­men­schlüs­se gegen Public Priva­te Part­ners­hip (PPP) und gegen die Bahn­pri­va­ti­sie­rung, sowie lokale Anti­pri­va­ti­sie­rungs­bünd­nis­se. Der Verein selbst ist orga­ni­sa­to­risch und poli­tisch unabhängig.

Die Kraft im Verborgenen – Andreas Bangemann 0

Die Kraft im Verborgenen – Andreas Bangemann

Wupper­tal im Januar 2012. Ein Künst­ler trat auf die Bühne und sagte: „Ich weiß, dass Sie die Dinge mögen, die Sie bereits kennen – aus diesem Grund behal­ten wir ja auch die Poli­ti­ker, die da sind und schau­en die Fern­seh­sen­der, die wir haben und wir sagen: ‚Hallo, immer das Glei­che, wie gut!‘ … und hier ist noch etwas, was Sie kennen: …“ Die Band begann zu spie­len und Arthur Brown, „The God of Hell­fire“, wie er seit den 70er Jahren von seinen Fans genannt wird, sang das Lied „Don’t let me be misun­ders­tood“. Das geschah in einem Musik-Club in Wupper­tal. Da war Arthur Brown bereits in seinem 70. Lebens­jahr. Es schien para­dox. Einer­seits waren seine Sätze eine indi­rek­te Verhöh­nung seines Publi­kums, denen er damit ja zu verste­hen gab, sie seien, wie alle ande­ren Leute auf seinen nicht enden wollen­den Touren durch die Clubs dieser Welt. Offen­bar erleb­te er, dass die Leute immer die glei­chen Lieder von ihm hören wollen. Ande­rer­seits zele­brier­te er selbst die glei­che Exzen­trik, die er schon über 40 Jahre zuvor und bis heute auf die Bühne brach­te, in dem er sich voll­kom­men maskiert und mit seiner einma­li­gen Stimme, so viele Okta­ven singt, wie es wohl kaum ein ande­rer außer ihm schafft.
„Ich bin nur eine arme Seele mit guten Absichten,
Oh Gott, mach, dass man mich nicht missversteht!“
(Über­set­zung des Refrains von „Don’t let me be misunderstood“)

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Hilflos in Europa

Zuneh­mend werden Vermu­tun­gen geäu­ßert, wonach die großen Geld­ver­mö­gen längst aus Zypern abge­wan­dert sind und sich der Gläu­­bi­­ger-Betei­­li­­gung, die jetzt beschlos­sen wurde, entzo­gen haben. Im Wett­ren­nen zwischen dem „Hasen“ Poli­tik und den schlau­en Igeln der Finanz­wirt­schaft steht der Sieger schon von Beginn an fest. Die alter­na­tiv­lo­se Poli­tik ist chan­cen­los. Glaubt denn ernsthaft…

Kindle-Version der Zeitschrift 0

HUMANE WIRTSCHAFT für den E‑Book-Reader

Die HUMANE WIRTSCHAFT gibt es jetzt auch in einer E‑Book-Reader-Versi­on. Jeder, der noch im März in unse­rem Online-Shop ein Konto anlegt, kann dieses eBook der aktu­el­len Ausga­be mit dem Gutschein­code: free_mobi kosten­los herun­ter­la­den. Den Gutschein­code setzen Sie beim Check-out im Shop ein. Die .mobi-Versi­on, die beispiels­wei­se mit dem Amazon-Kindle-E-Book-Reader gelesen…

Reich & Arm © Pat Christ
Foto: © Pat Christ
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Warum die Politik Armut will – Pat Christ

„Logik der Ökono­mie – Krise der Arbeit“ heißt ein Taschen­buch aus dem Jahr 2001, das Franz Segbers zusam­men mit Uwe Becker und Micha­el Wiede­mey­er veröf­fent­licht hatte. Fünf Jahre später erschien gemein­sam mit Jürgen Klute „Gute Arbeit verlangt ihren gerech­ten Lohn.“ Aktu­ell lässt der Theo­lo­ge wieder mit einem brisan­ten Thema aufhor­chen: „Reich­tum ist gewollt – Armut auch!“ Vor allem mit Studie­ren­den disku­tiert Segbers darüber, welche Ursa­chen die neue Armut im reichen Land Deutsch­land hat. Wachs­tums­ideo­lo­gie und unge­zü­gel­ter Fort­schritts­glau­be haben offen­sicht­lich nicht erfüllt, was sie seit jeher verspre­chen: Dass es allen Menschen besser gehen wird, wenn wir nur mehr und immer mehr produ­zie­ren. Im Gegen­teil, so Segbers: „In Deutsch­land war die Armut prak­tisch bekämpft. Sie war ledig­lich ein Phäno­men von Rand­grup­pen.“ Vor allem Alters­ar­mut war lange Zeit kein brisan­tes Problem. Jetzt ist diese Proble­ma­tik zurückgekehrt.
Was kein Zufall ist. Deutsch­lands Poli­ti­ker verzö­ger­ten und verlang­sam­ten den sozi­al­po­li­ti­schen Fort­schritt, der sich seit dem 2. Welt­krieg entwi­ckelt hatte, nicht nur, sondern dräng­ten ihn gera­de­zu zurück. Obwohl die Wirt­schaft in den vergan­ge­nen Jahren stetig wuchs, kam es plötz­lich wieder dazu, dass heute viele Menschen nach dem Renten­ein­tritt nicht mehr genug Geld zur Verfü­gung haben, um ihren Lebens­stan­dard zu halten. Sie müssen in schlech­te Wohnun­gen ziehen und sich von dem ernäh­ren, was die Tafel­lä­den bieten.

Schulden machen, um Zinsen bezahlen zu können – Helmut Creutz 0

Schulden machen, um Zinsen bezahlen zu können – Helmut Creutz

Wie der Staat durch Schul­den­auf­nah­me die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet.

In der Darstell­lung sind sowohl die jähr­li­chen Neukre­dit­auf­nah­men der Öffent­li­chen Haus­hal­te in Deutsch­land (gelbe Säulen) als auch die jähr­li­chen Zins­zah­lun­gen in Mrd. Euro (dunkle Kurve) wieder­ge­ge­ben, zusätz­lich im unte­ren sepa­ra­ten Teil außer­dem die durch­schnitt­li­chen Ertrags-Zins­sät­ze der Banken (= Zins­er­trä­ge in Prozent der durch­schnitt­li­chen Bilanz­sum­me). Wie aus dem Vergleich mit diesen Zins­kur­ven deut­lich wird, stie­gen in Folge der Hoch­zins­pha­sen 1974, ‑82
und ‑93 jeweils sowohl die Zins­zah­lun­gen als auch die Neukre­dit­auf­nah­men des Staa­tes deut­lich an.

Was wäre wenn…? – Anselm Stieber 0

Was wäre wenn…? – Anselm Stieber

Der moder­ne Mensch glaubt an Zahlen, an Statis­ti­ken, an Trends, auch wenn sie falsch sind. Zahlen sugge­rie­ren ihm Exakt­heit und damit Sicher­heit. Eine Bindung an Zahlen, die andere Werte­de­fi­ni­tio­nen ausschließt, ist nicht nur eine
menta­le Krank­heit, die sich zur globa­len Seuche entwi­ckelt hat. Die extre­me Fokus­sie­rung unse­res Denkens auf Zahlen hat eine fatale Wirkung: Sie zerstört unsere Kultur, auch die poli­ti­sche und die wirt­schaft­li­che Kultur. Keine Entschei­dung, sei sie poli­ti­scher oder wirt­schaft­li­cher, kultu­rel­ler oder sozia­ler Natur, wird ohne eine zahlen­mä­ßi­ge Begrün­dung getrof­fen. In der Regel sind es Zahlen zu Kosten, also Geld­be­trä­ge. Geld ist aber ein Mittel, kein Zweck.

Darstellung Nr. 034/043 © Helmut Creutz 1

Erläuterungen von Helmut Creutz zur seiner Darstellung Nr. 034043

In der Darstel­lung werden, bezo­gen auf den Zeit­raum 1950 bis 2010 und den deut­schen Wirt­schafts­raum, den Entwick­lun­gen der Geld­ver­mö­gen im oberen Teil der Grafik die der Verschul­dun­gen im unte­ren Teil gegen­über gestellt.
Wie aus den einge­tra­ge­nen nomi­nel­len Milli­ar­den­be­trä­gen hervor­geht, nahmen beide Größen in den 60 Jahren auf etwa das 220- bzw. 260-fache zu. Umge­rech­net in Prozen­ten des BIP, also gemes­sen an der Wirt­schafts­leis­tung stie­gen sie auf gut
das Fünf­fa­che und erreich­ten 2010, mit Größen von 320% bzw. 305% des BIP, mehr als das Drei­fa­che der Wirt­schafts­leis­tung! – Die zusätz­lich einge­tra­ge­nen lang­fris­ti­gen Trend­li­ni­en lassen die Über­ent­wick­lun­gen der Größen durch den Börsen­boom um 2000 ebenso erken­nen wie den nach­fol­gen­den Einbruch durch die Finanzmarkt-Krisen.

Anschnitt (Komp. Martin Bangemann) Original © BirgitH / pixelio 1

Darf’s etwas mehr oder weniger Europa sein? – Johannes Heinrichs

Die aktu­el­le Frage­stel­lung Gleich, ob man die gängi­gen Zeitun­gen liest oder zusam­men­fas­send deren „Pres­se­stim­men“ hört, ob man sich auf Bücher wie das jüngst erschie­ne­ne „Für Europa“ von Daniel Cohn-Bendit und Guy Verhof­stadt einlässt, ob man poli­ti­sche Bildungs­häu­ser, und nicht allein die der Grünen besucht, stets schallt einem der Refrain entge­gen: Wir brau­chen mehr Europa. Die Zeit der Natio­nal­staa­ten ist vorbei. Finanz­mi­nis­ter Schäub­le will eben­falls „mehr Europa“ in Gestalt eines euro­päi­schen Kommis­sars, der künf­tig die Haus­hal­te der Mitglieds­län­der auf ihre Verein­bar­keit mit dem Lissa­bon-Vertrag und den letz­ten Reso­lu­tio­nen mit den rätsel­haf­ten, nicht gerade allge­mein verständ­li­chen Namen ESF (Euro­päi­scher Sozi­al­fonds) und ESMF (Gesetz zur finan­zi­el­len Betei­li­gung am Euro­päi­schen Stabilitätsmechanismus)
über­wacht. Stimmt die Rich­tung? Ist sie gar alter­na­tiv­los? Oder haben die Euro-Skep­ti­ker Recht, die in Europa einen bevöl­ke­rungs- und demo­kra­tiefrem­den Moloch, unter der Fuch­tel der inter­na­tio­na­len Hoch­fi­nanz heran­wach­sen sehen? Haben
ferner die Recht, die ein „Europa der Regio­nen“ fordern, seien es die sepa­ra­tis­ti­schen Bestre­bun­gen der Schot­ten, der Kata­la­nen, der Basken, der Flamen, gar der Bayern, seien es dieje­ni­gen, die darüber­hin­aus eine rigo­ro­se Regionalisierung
der Natio­nal­staa­ten anstre­ben – im Sinne einer neuen Klein­staa­te­rei, die in Mittel­eu­ro­pa noch gar nicht so lange über­wun­den ist?

Vielfalt © joakant / pixelio.de 0

Die Macht der Vielfalt – Roland Spinola

9. Juli 2008: 250 Menschen kommen mit dem Schre­cken davon, als der ICE 518 bei der Ausfahrt aus dem Kölner Haupt­bahn­hof entgleist: Der Zug vom Typ ICE‑3 fuhr mit Schritt­ge­schwin­dig­keit, als eine Achse brach. Seit­dem hat die Bahn alle Achsen
des Typs ICE‑3 zehn­mal häufi­ger unter­sucht als vorher. Anstatt alle drei Monate wurden die Prüfun­gen alle drei Wochen durch­ge­führt. Elf neue Ultra­schall­an­la­gen wurden gekauft und über hundert zusätz­li­che Mitar­bei­ter geschult. Dieser erheb­li­che Mehr­auf­wand hat den Bahn­ver­kehr auf den Schnell­stre­cken behin­dert. Stel­len Sie sich für einen Augenblick
vor, die Bahn hätte nur einen einzi­gen ICE Typ, dessen hunder­te Exem­pla­re den gesam­ten ICE-Verkehr abwi­ckeln. Zwei­fel­los auf den ersten Blick sehr effi­zi­ent: Einheit­li­che Ersatz- und Zube­hör­tei­le, verein­fach­te Schu­lung, effi­zi­en­te Wartung. Es sind eine Reihe von Vortei­len denk­bar, die zu erheb­li­chen Kosten­ein­spa­run­gen führen können.

„Lasst uns nicht ohne Alternativen sein… – Wilhelm Schmülling 0

„Lasst uns nicht ohne Alternativen sein… – Wilhelm Schmülling

Nichts kann besser die Aufga­be der Zeit­schrift HUMANE WIRTSCHAFT beschrei­ben, als dieses Zitat von Henry Kissin­ger, das wir in einer Werbung für Gertrud Höhlers Buch „Die Patin“ finden. Ange­sichts der tägli­chen Meldun­gen – nicht nur über die Finanz­kri­se – auch über mili­tä­ri­sche Konflik­te, insbe­son­de­re im Nahen Osten, zwei­felt kaum noch jemand, dass wir uns wirk­lich in einer sehr schwe­ren Krise befin­den. Offen­sicht­lich trauen viele Bürger nicht mehr dem einzi­gen Krisen-Ausweg „Wachs­tum“, der von Poli­ti­kern – nicht nur aus dem Regie­rungs­la­ger – gebets­müh­len­ar­tig wieder­holt wird.

Sparkuh © Uschi Dreiucker / pixelio.de 0

Ketzerische Gedanken zum Thema Zins und Tilgung – Siegfried Wendt

1. Hinter­grund der Überlegungen:
In meiner Kind­heit war es für mich selbst­ver­ständ­lich, am Welt­spar­tag meine Spar­büch­se zusam­men mit meinem Spar­buch zur Spar­kas­se zu tragen, wo der Mann hinterm Schal­ter den Inhalt der Büchse zählte und den Betrag im Spar­buch eintrug. Sehr gestaunt habe ich, als mir meine Eltern sagten, dass das Geld auf dem Spar­buch auto­ma­tisch mehr wird, weil die Sparkasse
mir den sog. Zins gutschreibt. Über den Zinses­zins habe ich mich dann jedoch nicht mehr gewun­dert, denn dass der Zins­be­trag, über den ich gestaunt hatte, zu dem zu verzin­sen­den Spar­gut­ha­ben hinzu­ad­diert wird und im nächs­ten Jahr mitver­zinst wird, erschien mir selbst­ver­ständ­lich. Im Mathe­ma­tik­un­ter­richt des Gymna­si­ums rech­ne­ten wir dann aus, welches Gutha­ben aus einem Cent entstün­de, wenn dieser im Jahre Null, also vor unge­fähr 2000 Jahren, zu 4% mit Zinses­zins ange­legt worden wäre. Man erhält das Ergeb­nis nach der Formel 0,01*(1+0,04)^2000 €.
Dies ist ein Vermö­gen, das dem Wert mehre­rer Erdku­geln aus purem Gold entspricht. Obwohl die Absur­di­tät dieses
rech­ne­risch korrek­ten Ergeb­nis­ses offen­sicht­lich ist, sah unser Lehrer keinen Anlass, auf die gesellschaftlichen
Proble­me, die mit dem Zinses­zins verbun­den sind, einzu­ge­hen. Seit dem dama­li­gen Mathe­ma­tik­un­ter­richt sind inzwi­schen einige Jahr­zehn­te vergan­gen, in denen ich weder auf Schrif­ten noch auf Perso­nen gesto­ßen bin, die mich veran­lasst hätten, über die Proble­ma­tik des Zins­we­sens nach­zu­den­ken. Dies hat sich erst in letz­ter Zeit geändert.

Dominoeffekt © Martin Bangemann 0

Das EURO-Desaster – Matthias Elbers

Die Euro­kri­se ist mehr als eine bloße Staats­schul­den­kri­se. Es handelt sich um eine umfas­sen­de Struk­tur­kri­se der Gemeinschaftswährung. Die Poli­ti­ker blen­den diese Tatsa­che beharr­lich aus. An der Währungs­uni­on soll unver­än­dert fest­ge­hal­ten werden – koste es, was es wolle. Dieser Aufsatz zeigt eine von mehre­ren Ursa­chen der Euro­kri­se auf.[1] Sollte die Poli­tik mit ihren verfehl­ten Rettungs­ma­nö­vern fort­fah­ren, drohen nicht nur finan­zi­el­le, sondern auch massi­ve poli­ti­sche Verwer­fun­gen. Die Euro­kri­se hat das Zeug, die Funda­men­te, auf denen unser Gemein­we­sen ruht, zu zerstö­ren. Die Lage ist ernst: Demo­kra­tie, Recht­staat, Frie­den und wirt­schaft­li­ches Wohl­erge­hen sind in Gefahr.

[1] Es handelt sich um einen Auszug des Aufsat­zes „Das Euro-Desas­ter – Wie verblen­de­te Poli­ti­ker Europa ruinie­ren und unsere Demo­kra­tie zerstö­ren“, welchen der Autor auf seiner Websei­te: www.matthiaselbers.de in voller Länge bereit gestellt hat.

Systemfehler © Gerd Altmann / pixelio
© Gerd Altmann / pixelio
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Geld gerechter einrichten – Peter Knauer

Geld ist eine genia­le Erfin­dung. Es ersetzt einen schwie­ri­gen Tausch zwischen Ware und Ware durch zwei einfa­che Tausche: Ware oder Dienst­leis­tung gegen Geld und dann Geld gegen Ware oder Dienst­leis­tung. Zum Beispiel ist es schwie­rig für einen Rosen­züch­ter, seine Rosen gegen ein neues Auto einzu­tau­schen. Die Auto­fa­brik braucht keine Rosen. Oder jemand hat eine Kuh anzu­bie­ten und braucht ein Messer. Wie soll ein solcher Tausch zustan­de kommen? Der Unter­schied zwischen dem Wert des Ange­bots und dem Wert der nach­ge­frag­ten Ware ist zu groß. Und selbst wenn die zu tauschen­den Waren einander
im Wert entspre­chen, ist es noch immer schwie­rig, den Tausch­part­ner auch tatsäch­lich zu finden: Hung­ri­ger Schnei­der sucht frie­ren­den Bäcker. Wann friert ein Bäcker?

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Einfach komplex – Andreas Bangemann

Neulich habe ich mir über­legt, was wohl wäre, wenn ich mir vornäh­me, eine Pampel­mu­se von einer Anhöhe nahe unse­rem Haus zu werfen. Mir war schnell klar, dass alles, was ich planen könnte, der Ort meines Abwur­fes, der unge­fäh­re Zeit­punkt und viel­leicht noch die Rich­tung wäre, in die ich werfen würde. Wie genau die Bahn meiner Südfrucht verlau­fen würde, wüsste ich so wenig, wie den genau­en Ort, wo sie auf den Boden aufschlü­ge. Selbst beste mathe­ma­ti­sche und physi­ka­li­sche Kennt­nis­se würden mir nichts helfen, denn noch unzäh­li­ge Fakto­ren, die alle zu berück­sich­ti­gen für einen Menschen unmög­lich erschei­nen, spie­len während und nach meinem Abwurf eine Rolle. Meine Verfas­sung am Abwurf­tag, die Stärke und Präzi­si­on meines Wurfes, die Wind­ver­hält­nis­se oder mögli­che uner­war­te­te Vorkomm­nis­se. Ich könnte einen zufäl­lig vorbei­flie­gen­den Vogel tref­fen. Oder ein selte­nes Insekt, das in der Luft oder am Boden dem nach­gin­ge, wozu die Natur es antrie­be. Ich könnte auch den zarten Wuchs eines jungen Bäum­chens tref­fen. Eines, welches womög­lich das Erste eines Waldes sein könnte, der an genau dieser Stelle 50 Jahre später für eine Viel­zahl von Pflan­zen und Tiere die Heimat bilden würde.

Leserbriefe 01/2013 0

Leserbriefe 01/2013

Ihre Meinung ist uns wich­tig! Senden Sie uns Ihre Fragen, Anre­gun­gen oder persön­li­chen Meinun­gen. Wir bemü­hen uns, so viele Leser­brie­fe unter­zu­brin­gen, wie möglich. Wenn wir Leser­brie­fe kürzen, dann so, dass das Anlie­gen der Schrei­ben­den gewahrt bleibt. Leser­brie­fe geben nicht die Meinung der Redak­ti­on wieder.

Im Bannkreis des Geldes – Markus Pühringer 0

Im Bannkreis des Geldes – Markus Pühringer

Wir verbrin­gen einen großen Teil unse­rer Zeit mit Dingen, die uns nicht wirk­lich glück­lich macht: Arbei­ten, Kaufen, Konsu­mie­ren. Die wahren Quel­len des Glücks liegen aber im „inne­ren Selbst“. Warum wir dennoch das Glück im Außen suchen, hängt mit unse­rem moder­nen Geld zusammen.

Vermut­lich kennen Sie die Anek­do­te zur Senkung der Arbeits­mo­ral von Hein­rich Böll (1963). Darin beschreibt er einen ärmlich geklei­de­ten Fischer, der in einem Hafen an der West­küs­te Euro­pas schläft. Er
wird durch das Klicken des Foto­ap­pa­ra­tes eines Touris­ten geweckt. Der Tourist fragt den Fischer, warum er denn nicht fische, wo doch so idea­les Wetter dafür sei. Nach eini­gem Zögern antwor­tet der Fischer, dass er heute schon drau­ßen gewe­sen sei und einen so guten Fang gehabt hätte, dass es für die nächs­ten Tage noch reiche. Nach eini­gem Zögern geht mit dem Touris­ten die Phan­ta­sie durch: Wenn der Fischer heute doch noch drei- oder vier­mal hinaus­fah­ren würde, dann würde er viel verdie­nen. Damit könnte er mittel­fris­tig ein klei­nes Unter­neh­men grün­den und immer weiter wach­sen. Das Unter­neh­men könnte so groß werden, dass er sogar ins Ausland Fische liefern könne. Und, dann – der Tourist kommt zum Ende seiner Phan­ta­sier­ei­se – dann hätte der Fischer genug verdient, um einfach am Hafen sitzen und sich ruhig entspan­nen zu können. Darauf entgeg­net der Fischer gelas­sen, am Hafen sitzen und sich entspan­nen könne er doch jetzt schon. Das mache er ja gerade. Darauf­hin verschlägt es dem Touris­ten die Spra­che, nach­denk­lich und ein wenig neidisch geht er fort.

Ich denke, an dieser klei­nen Geschich­te werden zwei konträ­re Welt­an­schau­un­gen deut­lich. Der Fischer lebt im „Hier und Jetzt“. Er hat heute genug für seinen Lebens­un­ter­halt getan, ja er hat sogar so viel gefan­gen, dass er an den nächs­ten Tagen nichts tun muss. Frei­lich: Er ist ärmlich geklei­det, er besitzt vermut­lich selbst keinen Foto­ap­pa­rat und er kann sich vermut­lich auch keine teuren Touris­ten­aus­flü­ge leis­ten. Aber ich stelle mir ihn als einen glück­li­chen und zufrie­de­nen Menschen vor: Er verfügt über wenig mate­ri­el­len Reich­tum, aber er hat einen großen Luxus an frei verfügbarer
Zeit: Er hat so Zeit für ein Schläf­chen am hell­lich­ten Tag. Er hat vermut­lich auch Zeit für seine Freun­dIn­nen, seine Kinder, seine Leiden­schaf­ten; ja Zeit, um mit sich (seinem „inne­ren Selbst“) in gutem Kontakt zu stehen. Der Fischer steht für die Über­zeu­gung, dass sich das „gute Leben“ einstel­len wird, wenn wir unsere Lebens­zeit für eine gute Bezie­hung zu unse­rem Selbst und zu unse­ren Mitmen­schen aufbau­en; oder in ande­ren Worten.

Die gegen­tei­li­ge Welt­an­schau­ung verkör­pert der Tourist: Das gute Leben ist demnach nicht im Inne­ren, sondern ausschließ­lich im Außen zu finden. In der Phan­ta­sie des Touris­ten wird sich das gute Leben für den Fischer dann einstel­len, wenn er viel arbei­tet, die Gewin­ne gut anlegt und ein immer größe­res Unter­neh­men aufbaut. Anders ausge­drückt: Er würde seine Lebens­zeit für die Produk­ti­on von immer mehr Tausch­wer­ten verwen­den und – weil er das Erar­bei­te­te nicht ausgibt – von der Funk­ti­ons­lo­gik des Kapi­ta­lis­mus profi­tie­ren: Wenn der Fischer Geld sparen kann und dieses im eige­nen Unter­neh­men inves­tiert, so muss das inves­tier­te Kapi­tal jeden­falls eine Rendi­te abwer­fen, die so hoch ist wie eine alter­na­ti­ve Veran­la­gungs­mög­lich­keit. Aus dem Fischer-Unter­neh­mer ist längst da schon ein Kapi­ta­list gewor­den. Mit stei­gen­dem Reich­tum erhält er immer höhere Reich­tums­prä­mi­en. Und dann – irgend­wann einmal – könnte es den Punkt geben, wo der Fischer so reich gewor­den ist, dass sein Geld so sehr für ihn arbei­tet, dass er selbst nicht mehr arbei­ten müsse und zufrie­den in der Sonne liegen könne. Frei­lich hat diese Vorstel­lung einen Pfer­de­fuß: Denn wenn der reiche Fischer – selbst bei großem Reich­tum – auf Müßig­gang verzich­tet und mehr arbei­tet, kann er seinen mate­ri­el­len Luxus weiter stei­gern. Das heißt: Es wird den Punkt, wo er sich wirk­lich ausruht, kaum einmal geben. Denn er steht bestän­dig unter der Anrei­zwir­kung des moder­nen Geldes. Diese besagt: Wer im „Hier und Jetzt“ Tausch­wer­te produ­ziert und spart, wird in der Zukunft eine Prämie erhal­ten. Was wir bei der Betrach­tung dieser Lebens­wei­se meist verges­sen: Trotz Reich­tums verzich­tet unser Unter­neh­mer-Fischer auf sehr viel: auf Zeit für sich, für seine Freun­dIn­nen, für seine Selbst­ent­fal­tung, für seine
Kinder. Er mag mate­ri­ell reich sein, aber arm an Bezie­hun­gen, Leiden­schaf­ten und schö­nen Augenblicken.

Die Logik des moder­nen Geldes schafft einen perma­nen­ten mate­ri­el­len Anreiz das Glück im Außen zu suchen: Reich­tum, Leis­tung und Arbeit wurden im Kapi­ta­lis­mus zur vermeint­li­chen Quelle des Glücks. Oder mit den Worten des engli­schen Philo­so­phen Thomas Hobbes (1588–1679): Das Glück des Erden­le­bens bestehe nun nicht mehr in der „unge­stör­ten Seelen­ru­he“, wie es unser Fischer verkör­pert, sondern „im Fort­gang von einem Wunsch zum ande­ren, wobei die Errei­chung des erste­ren immer dem folgen­den den Weg bahnen muss.“

TAFTA – die große Unterwerfung – Lori Wallach 0

TAFTA – die große Unterwerfung – Lori Wallach

Aufge­reg­te Poli­ti­ker von Berlin bis Brüs­sel sehen durch den NSA-Skan­dal das Trans­at­lan­ti­sche Frei­han­dels­ab­kom­men in Gefahr. Über das, was in dem ange­streb­ten Vertrag stehen soll, reden sie nicht so gern. Ein Blick auf die ersten Blau­pau­sen lässt ahnen, was Euro­pas Bürger nicht zu früh erfah­ren sollen.

Bereits vor fünf­zehn Jahren versuch­ten Groß­un­ter­neh­men bei den Verhand­lun­gen über das Multi­la­te­ra­le Abkom­men über Inves­ti­tio­nen (MAI) ihre Macht heim­lich still und leise in unvor­stell­ba­rem Maße auszu­wei­ten. Damals schei­ter­te das Projekt am hart­nä­cki­gen Wider­stand der Öffent­lich­keit und der Parla­men­te. Damit wurde unter ande­rem verhin­dert, dass sich einzel­ne Konzer­ne densel­ben Rechts­sta­tus wie Natio­nal­staa­ten verschaf­fen konn­ten. Das hätte etwa bedeu­tet, dass Unter­neh­men eine Regie­rung verkla­gen können, „entgan­ge­ne Gewin­ne“ aus Steu­er­gel­dern auszugleichen.

Jetzt aber kommen diese Pläne erneut auf den Tisch, und zwar in deut­lich verschärf­ter Fassung. Der offi­zi­el­le Name des neuen Projekts lautet „Trans-Atlan­tic Trade and Invest­ment Part­ners­hip“, abge­kürzt TTIP. Dieses trans­at­lan­ti­sche Handels- und Inves­ti­ti­ons­ab­kom­men soll, ähnlich wie früher das MAI, die Privi­le­gi­en von Konzer­nen und Inves­to­ren absi­chern und sogar noch auswei­ten. So wollen die EU und die USA ihre jewei­li­gen Stan­dards in „nicht handels­po­li­ti­schen“ Berei­chen verein­heit­li­chen. Diese ange­streb­te „Harmo­ni­sie­rung“ orien­tiert sich erwar­tungs­ge­mäß an den Inter­es­sen der Konzer­ne und Investoren.
Werden deren Stan­dards nicht erfüllt, können zeit­lich unbe­grenz­te Handels­sank­tio­nen verhängt werden. Oder es werden gigan­ti­sche Entschä­di­gun­gen für die Unter­neh­men fällig.

Die Verhand­lun­gen über diese Art Staats­streich in Zeit­lu­pe haben im Juli dieses Jahres in Washing­ton begon­nen – mit der erklär­ten Absicht, in zwei Jahren ein Abkom­men zu unter­zeich­nen, das eine trans­at­lan­ti­sche Frei­han­dels­zo­ne „Trans-Atlan­tic Free Trade Area“ (TAFTA) begrün­den wird. Das gesam­te TTIP-TAFTA-Projekt gleicht dem Mons­ter aus einem Horror­film, das durch nichts totzu­krie­gen ist. Denn die Vortei­le, die eine solche „Wirt­schafts-NATO“ den Unter­neh­men bieten würde, wären bindend, dauer­haft und prak­tisch irrever­si­bel, weil jede einzel­ne Bestim­mung nur mit Zustim­mung sämt­li­cher Unter­zeich­ner­staa­ten geän­dert werden kann.

Wer stirbt? Wer bleibt übrig? – Wolfgang Berger 0

Wer stirbt? Wer bleibt übrig? – Wolfgang Berger

Finan­zi­el­le Massen­ver­nich­tungs­waf­fen fahren die Ernte ein. 

Nied­ri­ge Hypo­the­ken­zin­sen und die Erwar­tung stei­gen­der Immo­bi­li­en­prei­se haben auch „Subprime“-Kreditnehmer (mit schlech­ter Boni­tät) zu Haus­ei­gen­tü­mern gemacht. Diese Kredi­te wurden zu „Deri­va­ten“ gebün­delt und mit kurz­fris­ti­gen Rück­kauf­ver­ein­ba­run­gen („Repos“ = Sale and Repurcha­se Agree­ment) weiter­ver­kauft. So kam erst einmal Geld in die Kasse. Bear Sterns und Lehman Brother (USA) brachen 2008 zusam­men, als sie Rück­kauf­ver­pflich­tun­gen nicht erfül­len konn­ten. Das aber waren nur Testläufe.

Früher wurden Kredi­te gegen Sicher­hei­ten verge­ben. Jeder Haus­ei­gen­tü­mer weiß das. Deri­va­te in Verbin­dung mit Repo-Geschäf­ten schöp­fen Geld ohne Sicher­hei­ten. Die eine Bank nimmt, die andere gibt – und das im Kreis­lauf ad infi­ni­tum. Das Geld kommt nicht in die Real­wirt­schaft, die dem Finanz­sek­tor gleich­gül­tig ist. Deshalb löst es keine Infla­ti­on aus. Der Kreis­lauf hat sich zum Killer-Spiel entwi­ckelt: Live and let die (Lebe und lasse ster­ben). Als Bear Sterns zusam­men­brach war JP Morgan Chase der Sieger. Von Lehman Brothers Unter­gang haben die briti­sche Barclays und Gold­man Sachs profitiert.

Der Test hat funk­tio­niert. Gold­man Sachs hat mit Hank Paul­son als USFi­nanz­mi­nis­ter mehre­re Geset­ze durch­brin­gen lassen, die Deri­va­te in safe havens (siche­ren Häfen) verwan­delt haben. Das bedeu­tet: Eine Bank, die Wert­pa­pie­re über Deri­va­te besitzt, kann diese beim Konkurs der Schuld­ner­bank behal­ten. Durch zwei EU-Direk­ti­ven haben Deri­va­te-Besit­zer auch in Europa bevor­zug­ten Gläu­bi­ger­sta­tus. Während es im regu­lä­ren Insol­venz­recht eine Bevor­zu­gung von Gläu­bi­gern nicht gibt, ist sie bei Deri­va­ten jetzt die Norm.

Nun konnte der nächs­te Test­bal­lon stei­gen: Mit MF Global war in 2010 eine US-Bank das Opfer, die Einla­gen von 38.000 Kunden verwal­te­te und Farmern mit Waren­ter­min­ge­schäf­ten die Einnah­men nach der Ernte absi­cher­te. Insge­samt 1,2 Milli­ar­den Dollar sind verschwun­den; tausen­de Farmer haben ihr gesam­tes Vermö­gen verlo­ren. Bran­chen­ken­ner vermu­ten, dass die 1,2 Milli­ar­den über Deri­va­te bei JP Morgan gelan­det sind. Niemand ist verhaf­tet worden; es ist alles nach Recht und Gesetz abge­wi­ckelt worden.

Die EU-Banken-Regu­lie­rung soll uns beru­hi­gen. Die belgisch-fran­zö­si­sche Dexia, die Darle­hen an Kommu­nen verge­ben hat, ist im „Stress-Test“ der Euro­päi­schen Banken­auf­sicht mit der Best­no­te bewer­tet worden und kurz darauf in Schwie­rig­kei­ten gera­ten. Belgi­en, Frank­reich und Luxem­burg muss­ten in 2011 Staats­ga­ran­tien in Höhe von 90 Milli­ar­den Euro geben. Gewin­ner waren dies­mal Banken in Canada, Hong­kong und das Emirat Katar. Ihnen allen geht es darum, system­re­le­vant zu werden: so groß, dass sie bei einem Schei­tern geret­tet werden müssen („too big to fail“) – Voll­kas­ko für Raub­über­fäl­le auf Kosten der Steuerzahler.

Hedge-Fonds betrei­ben das Deri­va­te­ge­schäft unter der Tisch­kan­te der regu­lier­ten Banken in einer atem­be­rau­ben­den Größen­ord­nung weiter. Die offi­zi­el­len Bank­bi­lan­zen sehen sauber aus; die Risi­ken werden verschlei­ert. Die mäch­tigs­te Bank der Welt, die Base­ler Bank für Inter­na­tio­na­len Zahlungs­aus­gleich (BIZ) hat dem ihren Segen erteilt. Ist es ein Plan, verwund­ba­re Banken oder schwa­che Natio­nen auszu­rau­ben? Was jetzt noch fehlt ist ein Crash-Ereig­nis, das die großen Spie­ler brau­chen, um Wett­be­wer­ber abzu­schie­ßen. Niemand wird bei der Enteig­nung ein Gesetz verlet­zen oder bestraft werden. Es ist alles gut vorbe­rei­tet. Es wird viele Verlie­rer geben und wenige strah­len­de Sieger. Dann ist „too big to fail“ passé; für Regie­run­gen gilt dann „too week to act“ (zu schwach zum Handeln): sie sind den großen Spie­lern untertan.

Köln; Rosenmontagsumzug 2009: Mottowagen für Fr. Merkel 0

Geschunkelter Unmut

Die Gren­zen der närri­schen Meinungs­frei­heit schei­nen uner­schöpf­lich. Da gibt es die nackte Kanz­le­rin oder den mit der Mafia kopu­lie­ren­den Berlus­co­ni. Die Besu­cher der Umzüge rufen fröh­lich in die Mikro­fo­ne der Repor­ter, wie klasse es sei, dass man hier die nackte Wahr­heit über die Poli­tik präsen­tie­ren dürfe. „Die Poli­ti­ker müssen einfach…

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WEF Davos 2013 – Ungleichheit zerstört alles

Welt­wirt­schafts­fo­rum in Davos vom 23. bis 27. Januar 2013 Also avail­ab­le in English (Jakob Jorda­ens – „Fest des Bohnen­kö­nigs“ – Wiki­pe­dia) Wenn sich diese Woche in Davos wie jedes Jahr die mäch­ti­gen Wirt­schafts­len­ker und Poli­ti­ker zum Stell­dich­ein tref­fen, wird einmal mehr resü­miert und nach vorne geblickt. Wie es anläss­lich des…

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WEF Davos 2013 – Inequality destroys everything

World Econo­mic Forum Annual Meeting 2013 from Janu­a­ry 23rd to 27th (Jakob Jorda­ens – „Feast of the Bean King“ – Wiki­pe­dia) If this week in Davos, like every year, the power­ful busi­ness leaders and poli­ti­ci­ans meet to rendez­vous, they will once more be summing up and looking forward. It can be…

Neue Euroscheine sollen changieren 0

Neue Euroscheine sollen changieren

Die Euro­päi­sche Zentral­bank (EZB) will nach und nach die 2002 einge­führ­ten Euro­schei­ne gegen neue austau­schen. Den Anfang macht im Mai 2013 die Fünf-Euro-Note. Ein wesent­li­che Ände­rung der neuen Schei­ne besteht darin, dass sie „chan­gie­ren“ sollen. Das hört sich inter­es­sant an, beson­ders für Befür­wor­ter einer völlig neuen Geld­ord­nung. Im Wort steckt…

Badewanne - Illustration im Original von André Fritz 0

Wandel aus der Badewanne – Andreas Bangemann

Von einem, der sich auszog und die Unter­neh­mens­welt veränderte.
Uwe Lübber­mann trägt keinen Bart. Er „führt Kote­let­ten unter dem Kinn zusam­men“. Mit spür­ba­rer Lebens­freu­de bringt er Zuhörer
und Mitmen­schen dazu, gewohn­te Denk­mus­ter zu verlas­sen. Zwischen dem Bad, das sein Leben verän­der­te im Jahre 1999 und dem Führen eines immer erfolg­rei­che­ren „Kollek­tivs“ sind 13 Jahre vergan­gen. Die Worte, die dem Grün­der einfal­len, um zu beschrei­ben, wie sich das Erreich­te anfühlt, sind: „Einfach nur geil“. Uwe Lübber­mann hatte sich beim Baden über die Geschmacks­ver­än­de­rung seiner Lieb­lings-Cola („Afri-Cola“) gewun­dert. Nach eini­gen Recher­chen fand er heraus, dass die Grün­der­fa­mi­lie Karl Flach aus Köln 1998 die Marken­rech­te von Afri-Cola an einen Konzern (Mine­ral­brun­nen Über­kin­gen-Tein­ach AG) abge­ge­ben und dieser „nach Guts­her­ren- Art“ die Rezep­tur verän­dert hat. Das wollte der einge­fleisch­te Afri- Cola-Trin­ker Uwe Lübber­mann nicht auf sich sitzen lassen und melde­te sich bei den Herstel­lern mit seinen Beschwer­den. Um ihn herum bilde­te sich – noch lange bevor es so etwas wie „Face­book“ gab – eine Commu­ni­ty, welche sein Anlie­gen teilte und gemein­sam wurde alles daran gesetzt, das Unter­neh­men zurück zu den geschmack­li­chen Wurzeln des Produkts zu führen.

Macht-Geld-Sinn-Energie 2013 1

Der Wirtschafts- und Energiekongress 2013 – Manuel Schürmann

„Geld regiert die Welt.“ Selten war dieser Spruch so plau­si­bel wie heute. Schon immer ließen Könige und Kaiser ihr Bild­nis auf Münzen prägen und bekräf­tig­ten damit ihren Herr­schafts­an­spruch. Geld und Macht schei­nen unlös­lich mitein­an­der verknüpft, aber kann Geld auch Sinn machen oder, was schier undenk­bar erscheint, kann Sinn ein Geld machen, das ganz anders ist als das, was wir heute kennen und das seinen Inha­bern zwar weni­ger Macht verleiht, dafür aber ein sinn­haf­tes Leben eröff­net? Ein Geld, dessen Wert vor allem darin liegt, dass es umläuft,
von einer Hand zur ande­ren gereicht wird, anstatt dass es sich in den Händen weni­ger bestän­dig vermehrt?

Prof. Frithjof Bergmann – Foto: Pat Christ
Foto: © Pat Christ
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Mit Freu(n)den den Wandel gestalten – Ein Bericht von Pat Christ

Der Bauer auf seiner Schol­le kannte noch keine Stech­uhr. Seine Arbeit war zwei­fel­los hart. Sicher oft sehr hart. Doch hätte man früher je von einem Land­wirt mit Burn-out gehört? Lange stand die Art und Weise, wie der Bauer seinen Lebens­un­ter­halt verdien­te, für den größ­ten Teil der Bevöl­ke­rung als Synonym für „Arbeit“. Vor 200 Jahren, so Frith­jof Berg­mann, änder­te sich das. Es begann ein Arbei­ten, das die Menschen erschöpf­te. Und sie, bedingt durch das neue Arbeits­sys­tem, in „Reiche“ und „Arme“ spal­te­te. So zumin­dest der allgemeine
Sprach­ge­brauch. Frith­jof Berg­mann, Philo­so­phie­pro­fes­sor und Erfin­der des Konzepts der „Neuen Arbeit“, spricht lieber von „Oasen­men­schen“
als von „Reichen“ und von „Wüsten­men­schen“ als von „Armen“. Etwa 80 Prozent der Mensch­heit gehö­ren letz­te­rer Gruppe an, so der Forscher
bei seinem unge­wöhn­li­chen Auftakt zur Jahres­fei­er 2012 der HUMANEN WIRTSCHAFT in der Silvio-Gesell-Tagungs­stät­te. Und es werden unwei­ger­lich immer mehr. Denn in der tech­no­lo­gi­sier­ten und globa­li­sier­ten Welt gibt es nicht mehr genug bezahl­te Arbeit für alle. Weshalb Berg­mann in Detroit seit langem ein neues Arbeits­sys­tem entwickelt.

Kalender 1913 von Erich Mühsam 1

Kalender 1913 von Erich Mühsam

Bild wiki­pe­dia: Mühsam während seiner Lehr- und Wander­jah­re, um 1906   Januar: Der Reiche klappt den Pelz empor, und mollig glüht das Ofen­rohr. Der Arme klebt, daß er nicht frier, sein Fens­ter zu mit Pack­pa­pier. Febru­ar: Im Fasching schaut der reiche Mann sich gern ein armes Mädchen an. Wie zärt­lich oft die Liebe war,…

Spiel mit Inflationserwartungen? 0

Spiel mit Inflationserwartungen?

Die Noten­ban­ken sollen die Infla­ti­ons­er­war­tun­gen steu­ern. Dazu brau­chen sie eine hohe Repu­ta­ti­on, also Glaub­wür­dig­keit, dass sie ihren Ankün­di­gun­gen auch Taten folgen lassen und ihre Ziele errei­chen werden. Den Noten­ban­ken ist von dem Versuch abzu­ra­ten, mit den Infla­ti­ons­er­war­tun­gen so zu „spie­len“, wie sie das mit den Leit­zin­sen tun. Stabi­le, aber höhere Infla­ti­ons­ra­ten sind leich­ter erreich­bar als die heuti­gen nied­ri­gen Inflationsziele.