Bofinger sollte den Notenbanken maßvoll helfen

Beitrag von Eckhard Behrens, Heidelberg

Nun hat sich auch ein bekannter deutscher Ökonom die Forderung zu eigen gemacht, das Bargeld abzuschaffen. Auch er will damit der Notenbank mehr Spielraum für ihre Geldpolitik verschaffen. Das ist ein sehr berechtigtes Anliegen. Es ist richtig, das Bargeld wegen seiner Hortbarkeit ins Auge zu fassen. Denn die Möglichkeit, Bargeld fast verlustfrei aufzubewahren, hat die sogenannte Nullzinsschranke für den Leitzins zur Folge; die Notenbanken können ihre Leitzinsen nicht spürbar in den negativen Raum absenken, weil die Banken dann Kredit zum Leitzins aufnehmen und Bargeld bunkern (horten).

(c) Martin Bangemann

Aber die Forderung, das Bargeld abzuschaffen, „schüttet das Kind mit dem Bade aus“, denn es reicht völlig aus, die Hortbarkeit des Bargeld durch eine Haltegebühr so einzuschränken, wie es Silvio Gesell schon vor 100 Jahren empfohlen hat. Technisch kann man die Gebühr heute viel eleganter erheben, als man damals dachte - wenn man will, kann man sie heute tagesgenau berechnen.

Die Analyse Bofingers ist richtig! Darüber kann man sich nur freuen! Auch der Vorschlag, das Bargeld abzuschaffen, geht in die richtige Richtung, nur eindeutig zu weit!

Bofinger sollte als Wissenschaftler bekannt sein, dass Silvio Gesell erkannte, dass die Zahlungsmittelfunktion des Geldes und seine Wertaufbewahrungsfunktion sich gegenseitig ausschließen, wenn die Wertaufbewahrung durch Bargeld nicht spürbar (etwa 5% pro Jahr Verlust) eingeschränkt wird.

Zentralbankgeld (Bargeld und Guthaben der Geschäftsbanken bei der Notenbank) sollte mit 5% p.a. belastet werden, damit es ökonomisch sinnlos wird, Liquidität zu horten. Die Notenbank kann dann bei konjunkturellem Bedarf negative Leitzinsen festsetzen. Die sogenannte Nullzinsschranke ist dann weit in den negativen Bereich verschoben.

Die Notenbank kann dann nicht nur negative Leitzinsen festsetzen, sondern auch auf ein Inflationsziel als Sicherheitsabstand von der Deflation verzichten und echte Geldwertstabilität von +/- 0% Inflation/Deflation anstreben, weil ein Absturz in die Deflation nicht mehr zu befürchten ist, wenn das Halten von Zentralbankgeld mit 5% p.a. belastet ist.

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1 Antwort

  1. Rob sagt:

    Guter Bei­trag in der aktu­el­len Dis­kus­si­on. Es ist in der Tat sehr auf­fäl­lig, wie heu­te eine erns­te Bar­geld­dis­kus­si­on geführt wird. Ich bin an sich auch für die Abschaf­fung des Bar­gel­des, aber fan­ge an, zu zwei­feln, wenn ich Bei­trä­ge lese wie die­ser hier: http://norberthaering.de/de/27-german/news/370-thiele-bargeld (und der Bei­trag vom 18.5., in die auch Bofin­ger und Rog­off genannt wer­den.

    Der obi­ge Bei­trag fehlt es lei­der an kon­kre­ten Vor­schlä­gen. „Tech­nisch kann man die Gebühr heu­te viel ele­gan­ter erhe­ben, als man damals dach­te – wenn man will, kann man sie heu­te tages­ge­nau berech­nen.“

    Das weiß ich, z.B. indem das Bar­geld abge­schafft wird, und ein Gut­ha­ben­kon­to sich auto­ma­tisch ver­min­dert :(.

    Das Ein­zi­ge, was ich mir vor­stel­len kann, ist der Ersatz des Bar­gel­des durch Chip­kar­ten, mit dem man ähn­lich wie bei Pre­paid-Kar­ten anonym bezah­len kann. Aber die­se Mög­lich­keit haben wir über meh­re­re Jah­re gehabt, und unlängst begra­ben, wegen des Sie­ges­zu­ges des Bezah­lens per Bank­kar­te.
    Wenn Pre­paid-Kar­te – dann wür­de die­se nur dann zu Akzep­tanz ver­hol­fen wer­den, wenn das Bar­geld tat­säch­lich abge­schaftt wür­de.

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