Ein Lernort, der Impulse setzt – Andreas Bangemann

Ein Lern­ort, der Impul­se setzt

Alter­na­ti­ve Bildungs­in­itia­ti­ven haben Hoch­kon­junk­tur.
Der Lern­ort in Wupper­tal profi­liert sich durch Poten­ti­al auf refor­me­ri­schem Gebiet.

Andre­as Bange­mann

Die Reali­tät des heuti­gen Bildungs­zen­tra­lis­mus hat mit dazu beige­tra­gen, dass wir einer Sack­gas­se gelan­det sind, gepflas­tert mit soge­nann­ten „bildungs­fer­nen Schich­ten“.

Mitt­ler­wei­le wird es nicht nur sozial schmerz­lich, die Gesell­schaft droht daran auch, irrepa­ra­blen Scha­den zu nehmen. Die Misere schlägt sich in den Kassen der Wirt­schaft nieder. Eine zuneh­men­de Zahl uner­fah­re­ner und damit für die auf Rendi­te ausge­rich­te­te Ökono­mie unqua­li­fi­zier­ter Arbeits­lo­ser steht auf den Stra­ßen Euro­pas. Zahl­lo­se Lehr­lin­ge in Ausbil­dungs­be­ru­fen brechen nach kurzer Zeit ab, sorgen für Mitar­bei­ter­lü­cken und stei­gen­de Kosten. Eine schwer ermit­tel­ba­re Menge an Mitar­bei­tern in Unter­neh­men ist unkünd­bar in Posi­tio­nen, in welchen sie keine sinn­vol­le Funk­ti­on mehr ausfül­len. Sie fris­ten im Schutz von gewerk­schaft­lich erkämpf­ten Rech­ten ein Leben im Abseits, sich an der Entfrem­dung der Arbeit vorbei­mo­gelnd. Nicht würde­vol­ler als die „echten“ Arbeits­lo­sen, bloß besser bezahlt. Kosten­auf­wand, der in den Firmen anfällt und gesell­schaft­lich als gemein­schafts­zer­set­zend durch­schlägt. Ein weite­res Indiz für eine bedenk­li­che Entwick­lung ist die anstei­gen­de Zahl psychisch beding­ter Erkran­kun­gen. Burn-Out, Depres­sio­nen und stän­dig neu „entdeck­te“ Krank­hei­ten lassen auf eine komple­xe Viel­zahl von Grün­den schlie­ßen. Mängel im Bildungs­we­sen gehö­ren dazu. Beglei­tet wird all das von der Spal­tung der Gesell­schaft, wach­sen­der Armut und unvor­stell­ba­rem Reich­tum. Ein unüber­hör­ba­res Warn­si­gnal.

Das Team des Lern­orts Wupper­tal nimmt sich vor, Bildung einen neuar­ti­gen Stel­len­wert zu geben. Einen, der es nicht mehr zulässt, eine Trenn­li­nie zu ziehen. Weder eine zwischen dem »rich­ti­gen« Leben und dem Lernen, noch eine zwischen dem Lernen und dem „Leben danach“. Jenem auf dem »Schlacht­feld der Wirt­schaft«, in dem man mit Spezia­lis­ten­tum und Ellen­bo­gen Karrie­re machen kann. Die Ziel­grup­pe der Lernen­den ist hinsicht­lich der Alters­struk­tur nicht scharf umris­sen. In allen Alters­grup­pen ist ein Bedarf am „Entler­nen“ des Alten ersicht­lich. Andere Schwer­punk­te, wie Indi­vi­dua­li­tät, Freude, Entfal­tung von Krea­ti­vi­tät, Aben­teu­er der Ideen und das Erken­nen wesent­li­cher Zusam­men­hän­ge bedin­gen frische Lern­kon­zep­te.

Der Lern­ort entsteht als ein geis­ti­ger und physi­scher Raum des Lebens, an dem man seine Talen­te und seine Gaben findet. Wo man entdeckt, welche persön­li­chen Fähig­kei­ten man Mitmen­schen geben kann und dabei sich selbst und die Gemein­schaft auf beson­de­re Weise berei­chert. Nicht Bildung als Sprung­brett ins kalte Wasser der unbe­re­chen­ba­ren Wirt­schaft, sondern Wirt­schaf­ten in die Lern­pro­zes­se hinein­ho­len und gestal­ten, lautet die Devise.

Mit einem Lern­ort kann man Impul­se setzen, die Trans­for­ma­ti­on unter­stüt­zen. Das Profil des Lern­orts in Wupper­tal wird maßgeb­lich durch die geld- und boden­re­for­me­ri­sche Kompe­tenz geprägt, die am Ort der Einrich­tung eine tradi­tio­nel­le Heimat hat.
Grund­la­ge der unter­neh­me­ri­schen Projek­te, die im geplan­ten „Gärraum für Unter­neh­mungs­grün­dun­gen“ entste­hen sollen, sind Gedan­ken, wie mit wirt­schaft­li­chen Exis­tenz­grün­dun­gen Verän­de­rungs­im­pul­se in gesell­schaft­li­che Zusam­men­hän­ge gelan­gen können. Konzep­te für soge­nann­te Sekto­ral­wäh­run­gen bieten dafür Möglich­kei­ten.

Die 2013 verstor­be­ne Margrit Kenne­dy hat dies­be­züg­lich viele Inspi­ra­tio­nen in ihrem Werk hinter­las­sen. Die Archi­tek­tin wurde maßgeb­lich durch die Arbei­ten von Helmut Creutz inspi­riert, dessen Forschun­gen eben­falls einen festen Platz am Lern­ort haben. Das vorhan­de­ne Exper­ten-Netz­werk steht dem Lern­ort zur Verfü­gung.

In Währungs­fra­gen fehlen bildungs­po­li­tisch Akzen­te für eine Ordnung, die ausschließt, Trans­ak­ti­ons­mit­tel (Geld) zu einem Macht­in­stru­ment werden zu lassen.

Der Ort des Entste­hens der Bildungs­ein­rich­tung hat Strahl­kraft. Vor rund 90 Jahren trafen sich Anhän­ger der Frei­wirt­schafts­leh­re von Silvio Gesell erst­mals auf dem seiner­zeit kahlen Gelän­de der heuti­gen Tagungs­stät­te. Wie die Theo­rie einer „Natür­li­chen Wirt­schafts­ord­nung“ die Praxis einer stän­dig vom Kapi­ta­lis­mus domi­nier­ten Markt­wirt­schaft ablö­sen kann, war Grund­la­ge vieler Akti­vi­tä­ten an diesem Ort.

Veran­stal­tungs­ort:

Silvio-Gesell-Tagungs­stät­te
Schan­zen­weg 86
42111 Wupper­tal

http://silvio-gesell-tagungsstaette.de

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