Zur Flüchtlingsdebatte – Lesermeinung Peter Ziegert

Wir haben nun einmal das Problem und müssen es irgendwie lösen. Schimpfen, protestieren, haufenweise Argumente dagegen vorbringen, was bringt es? Nachdenken und die Vorgeschichte betrachten, die zu dieser Situation geführt hat, würde allen besser zu Gesichte stehen. Da ergibt sich ein ganz anderes Bild.

In der Physik gilt das Gesetz des Ursache-Wirkungs-Prinzips. Betrachten wir doch einmal die Ursachen die zu diesen Wirkungen geführt haben.

Die Flüchtlingsproblematik ist Ergebnis der jahrzehntelangen neokolonialistischen Politik der westlichen Staaten und Regierungen gegen die Entwicklungsländer und der Unterstützung dortiger korrupter Politiker, solange diese ihr Land von unseren Konzernen ausplündern ließen.

Die tiefen Ursachen der jetzigen Flüchtlingsströme beginnen vor über 50 Jahren. Die Wirkungen fallen besonders krass in die Jetztzeit.

Auch mir gefällt es nicht, dass wir so viele Flüchtlinge aufnehmen müssen. Aber eine gewisse Nachdenklichkeit und Humanität gegenüber diesen Menschen wäre hier besser am Platz. Die wenigsten haben ihre Heimat freiwillig verlassen.

Zur Vorgeschichte und zur Verdeutlichung einmal die Aussage des libyschen „Diktators“ Oberst Muammar al-Gaddafi (2011 ermordet), zitiert in dem Buch „Der Fluch der bösen Tat“ von Peter Scholl-Latour. Es lohnt sich darüber unvoreingenommen nachzudenken.

Gaddafi: „Wenn ihr mich bedrängt und destabilisieren wollt, werdet Ihr Verwirrung stiften, Al-Qaida in die Hände spielen und bewaffnete Rebellenhaufen begünstigen. Folgendes wird sich ereignen: Ihr werdet von einer Immigrationswelle aus Afrika überschwemmt werden, die von Libyen aus nach Europa schwappt. Es wird niemand mehr da sein, um sie aufzuhalten. Al-Qaida wird sich in Nordafrika einrichten, während Mullah Omar den Kampf um Afghanistan und Pakistan übernimmt. Al-Qaida wird an eurer Türschwelle stehen. In Tunesien und Ägypten ist ein politisches Vakuum entstanden. Die Islamisten können heute von dort aus bei euch eindringen. Der Heilige Krieg wird auf eure unmittelbare Nachbarschaft am Mittelmeer übergreifen. Die Anarchie wird sich von Pakistan und Afghanistan bis nach Nordafrika ausdehnen.“

Wenn solche Warnungen von unserer Politiker nicht ernst genommen werden, muss man sich nicht über das Ergebnis aufregen, sondern sich einmal selbst die Frage stellen: „Wen habe ich denn da nur gewählt, der nicht vorausschauend solche Probleme abschätzen kann und kluge Hinweise ignoriert.“ Von der Ausbeutung dieser Länder hatten wir doch bisher einen Vorteil. Wir wurden reich, sie wurden arm. Der nigerianische Präsident Obasanjo sagte 2008 nach dem G-8 Gipfel in Okinawa: „Wir haben 1985/86,5 Milliarden Dollar geliehen. Bis jetzt haben wir 16 Milliarden zurückgezahlt. Jetzt wird uns gesagt, dass wir immer noch 28 Milliarden Dollar Schulden haben (…) wegen der Zinsraten der ausländischen Kreditgeber. Wenn sie mich fragen, was das Schlimmste auf der Welt ist, würde ich sagen, der Zinseszins.“ Gibt es noch Fragen über die Ursachen der Wirtschaftsflüchtlinge?

Erstens: Wenn Flüchtlinge hier her kommen verlangen sie eigentlich nichts weiter als das zurück, was wir ihnen genommen haben. Wir sollten also versuchen an ihnen wieder etwas gut zu machen.

Zweitens: Die meisten Flüchtlinge kommen aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten. Welche Interessen stecken hinter diesen Kriegen? Vielleicht hilft das Zitat von Egon Bahr etwas nachdenklicher zu werden. Er schrieb: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte, es geht um die Interessen von Staaten. Merken sie sich das, egal, was man ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“

Es geht in diesen Kriegen und Bürgerkriegen einzig und allein um die Eroberung und Ausbeutung neuer Einflusssphären. Egal mit welchen Mitteln. „Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“ Das ist die Sprache die unsere Politiker anwenden. Dabei ist Politikern völlig egal ob militärische Interventionen in humanitären Katastrophen enden. Je mehr Chaos, umso besser lassen sich diese Länder ausrauben. Wir brauchen nur einmal nach Libyen zu schauen. Das einst stabile und sehr reiche Land ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Der Staat ist zerrissen, die Armut hat Einzug gehalten, die libyschen Ölfelder sind als Lohn für die Bombardierung der Gaddafi-treuen Truppen durch NATO-Länder dem libyschen Volk geraubt worden und werden jetzt von westlichen Ölmultis ausgebeutet.

Für Länder, aus denen die Flüchtlinge kommen, endete das militärische Eingreifen und das Schüren von Bürgerkriegen durch die westlichen Länder in humanitären Katastrophen. Immer wurden Massen von Flüchtlingen erzeugt. Die Flüchtlinge kamen erst, nachdem dortige stabile politische Strukturen und damit auch ihre Lebensgrundlagen durch unsere Intervention zerstört waren. Schauen wir nur nach Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien usw.

Sind unsere Politiker blind oder fremdgesteuert oder sind sie zu dumm, die Folgen ihres Handelns einzuschätzen? Nein, es ist pure Absicht diese Länder in wirtschaftlicher und politischer Abhängigkeit zu halten. Ja und jetzt muss das einfache Volk die Wirkungen dieser Politik wieder einmal ausbaden, da hilft kein Jammern.
Unsere Antwort kann nur sein, ihnen jetzt, wo sie einmal da sind, zu helfen, hier etwas zu lernen, damit sie, wenn sie in ihre Länder zurückkehren, in der Lage sind, ihre Länder wieder aufzubauen und stabile Strukturen zu schaffen.

Auch sollten wir von unseren Politikern fordern, eine andere Politik gegenüber diesen Ländern anzuwenden. Die Ausbeutung sollte schnellstens durch aktive Entwicklungshilfe ersetzt werden. Das schafft Frieden, Freundschaft und Wohlstand für alle und lässt die Flüchtlingsströme ganz von selbst versiegen.

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