Museum der Modernen Künste, Rovereto 1914–2014 – Redaktion

Das „MART“ – „Museum für Moder­ne und zeit­ge­nös­si­sche Kunst“ in Rovere­to – in der nord­ita­lie­ni­schen auto­no­men Provinz Trient (Tren­ti­no), präsen­tiert noch bis 20. Septem­ber 2015 an drei musea­len Orten der Stadt ein umfang­rei­ches, cross­me­dia­les Projekt zum Thema Krieg. Anlass für die im Okto­ber 2014 begon­ne­ne Ausstel­lung ist der 1914 ausge­bro­che­ne 1. Welt­krieg. Das Zitat Bertold Brechts auf Italie­nisch wurde dabei zum Aushän­ge­schild gemacht.

Die Ausstel­lung lockt durch Expo­na­te welt­be­kann­ter Künst­ler der Moder­ne, wie zum Beispiel Max Beck­mann, Marc Chagall, Albin Egger-Lienz, Adolf Helm­ber­ger, Osval­do Licini, Arturo Marti­ni, Pietro Moran­do, Mario Sironi und vielen mehr. Die alltäg­li­che Norma­li­tät des Kriegs­ge­sche­hens, neben der sinn­lo­sen Grau­sam­keit des orga­ni­sier­ten Massen­mor­des.

Pfer­de­lei­ber in Origi­nal­grö­ße ohne Gesichts­zü­ge füllen den Raum, den die Mitar­bei­ter am Empfang des Muse­ums für Moder­ne Kunst im trien­ti­ni­schen Städt­chen Rovere­to als Start­punkt empfeh­len. Als Besu­cher fühlt man sich unver­se­hens auf ein Schlacht­feld im Ersten Welt­krieg gewor­fen. Gleich zu Beginn ein Gefühls­schock. Pferde stehen dem Menschen emotio­nal nahe. Wenn die majes­tä­ti­schen Tiere liegend, die Hufe in die Höhe gestreckt dalie­gen, erahnt man den qual­vol­len Tod, den sie erlit­ten haben müssen. Ein erster Gedan­ke bei ihrem Anblick ist „Zum Glück fehlen ihnen die Augen. Es wäre uner­träg­lich, in sie zu schau­en.“ Die Instal­la­ti­on der belgi­schen Künst­le­rin Berlin­de de Bruye­cke­re holt die Besu­cher urplötz­lich aus der Welt, die sie bis zum Eingang des futu­ris­ti­schen Muse­ums führte, und schleu­dert sie in das Leben mitten im Krieg.

Die Veran­stal­ter nennen es eine „schwin­del­erre­gen­de Ausstel­lung“ und „verspre­chen“ damit nicht zuviel. Sie ist aufrüt­telnd, kalt, bedrü­ckend, heiter, mili­tä­risch, spie­le­risch, haut­nah, meilen­weit entfernt, klar umris­sen, verschwom­men, gegen­wär­tig, futu­ris­tisch, propa­gan­dis­tisch, prosa­isch …

Wer das impo­san­te Gebäu­de des MART in Rovere­to am Ende verlässt, spürt eine Verän­de­rung. Es ist auf außer­ge­wöhn­li­che Weise Neues ins Leben getre­ten, obwohl es durch Geschichts­in­ter­es­se präsent war. Die Art, wie der Erste Welt­krieg einem begeg­net, führt unwei­ger­lich zur Gegen­wart. Zeichen, die man als längst vergan­gen aus dem Blick­feld verlo­ren hat, gera­ten mit aktu­el­lem Gesche­hen in Verbin­dung. Die Kriegs­rhe­to­rik im Zusam­men­hang mit den Konflik­ten um Russ­land, die Ukrai­ne, Syrien, Israel und Paläs­ti­na ist in Rovere­to auf engs­tem Raum in vieler­lei Aspek­ten wieder­zu­fin­den. Wich­ti­ge, uns gegen­wär­tig an höchs­ter Stelle vertre­ten­de Poli­ti­ker, impfen Bürge­rin­nen und Bürgern in stei­gen­der Dosie­rung Kriegs­be­reit­schaft für Ziele ein, die jenen der Kriegs­trei­ber des Ersten Welt­krie­ges in erschre­cken­dem Maße ähneln. Wenn am Ende Sieger und Besieg­te zu Hungern­den werden, warum sollte man dann auch nur eine Sekun­de den Gedan­ken an Krieg zulas­sen?

Davon ausge­hend, dass die Menschen vor dem Ersten Welt­krieg uns heute Leben­den in körper­li­cher und geis­ti­ger Hinsicht nahezu iden­tisch waren, taucht unwei­ger­lich die Frage auf: Welche Auffas­sun­gen der Außen­welt haben die Leute zu Anfang des letz­ten Jahr­hun­derts in den Krieg getrie­ben? Was nahmen sie wahr? Sind auch wir anfäl­li­ger für die Anwen­dung trick­rei­cher Mani­pu­la­tio­nen, als wir gemein­hin zuge­ben können?

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