Die Wiederkehr der Bauern – Elisabeth Meyer-Renschhausen

Besuch auf dem Welt­so­zi­al­fo­rum in Tunis 2015 —
Klima­ge­rech­tig­keit ist nur möglich durch klein­bäu­er­li­che Land­wirt­schaft. Den Klima­wan­del zu bekämp­fen und einzu­däm­men, das erfor­dert die Rück­kehr zu einer klein­bäu­er­li­chen Agrar­kul­tur.

Biodi­ver­si­tät, Erhalt der alten Sorten, der Erhalt der Böden und erträg­li­cher Wetter­la­gen: alles das ist nur möglich durch eine nach­hal­ti­ge Nicht­in­dus­tri­el­le-Land­wirt­schaft. Die Bäue­rin­nen der welt­wei­ten (Klein-)Bauernorganisation „La via Campe­si­na“ (= „der Weg des Landes“ oder „der bäuer­li­che Weg“) waren auf dem Welt­so­zi­al­fo­rum in vielen Work­shops aktiv und präsent. Ihre Forde­run­gen wurden auch auf den großen Foren zur Klima­ge­rech­tig­keit von den meis­ten der Anwe­sen­den geteilt und unter­stützt. Die Forde­rung „Reclaim the Commons“ stand für die Bauern des globa­len Südens ganz in realen Sinn der Vertei­di­gung des Landes, ihrer Böden sowie des Rechts auf eigene Saat­gut­ver­meh­rung. Die Notwen­dig­keit, lokale und tradi­tio­nel­le Sorten erhal­ten zu müssen, stand neben Boden- und Wasser­fra­gen für die kämp­fe­ri­schen Klein­bäue­rin­nen aus der Drit­ten Welt außer Frage.

Das Thema ist aller­dings auch aktu­ell genug, über­all in Afrika aber auch in Südame­ri­ka oder Südost­asi­en werden derzeit von großen inter­na­tio­na­len Inves­to­ren ganze Lände­rei­en aufge­kauft, um dort Export­ori­en­tier­te Mono­kul­tu­ren zu betrei­ben. Die bisher dort arbei­ten­den Klein­bäue­rin­nen und Klein­bau­ern verlie­ren ihr ange­stamm­tes Recht auf diese Böden und damit ihre Exis­tenz. In Tune­si­en selbst unter­lie­gen sogar die Oasen einer Priva­ti­sie­rungs­wel­le. Ander­seits ist die Arbeits­lo­sig­keit in ganz Afrika und auch in Nord­afri­ka zumal unter der Jugend sehr hoch. Ein Studi­um zu absol­vie­ren, garan­tiert keines­wegs einen Arbeits­platz. So müssen die Menschen sich mit Phan­ta­sie und Spucke sozu­sa­gen durch­schla­gen, krea­ti­ve Selbst­hil­fe ist ange­sagt, soli­da­ri­sche Formen der Land­wirt­schaft sind viel­fach wie beson­ders derzeit in Grie­chen­land über­le­bens­wich­tig. Neben dem Gemü­se­an­bau auch noch ein Hand­werk zu betrei­ben, wie etwa zu Töpfern und das bei passen­den Gele­gen­hei­ten wie dem Welt­so­zi­al­fo­rum zu verkau­fen, ist eine gern ergrif­fe­ne Gele­gen­heit, die die Töpfe­rin­nen durch spon­ta­nes Tanzen mitein­an­der feier­ten. Alle durf­ten mitma­chen.

Elisa­beth Meyer-Rensch­hau­sen lebt als frei­schaf­fen­de Autorin und Jour­na­lis­tin in Berlin. Sie betreibt das Büro EMR Plan(t) für Gärten und Touren in Bild und Wort. Nach einem Studi­um der Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, Geogra­phie, Poli­to­lo­gie und Germa­nis­tik in Marburg und Bremen, einer Doktor­ar­beit zur Entwick­lung der Ersten Frau­en­be­we­gung, habi­li­tier­te sie sich später für Allge­mei­ne Sozio­lo­gie am Fach­be­reich Philo­so­phie und Sozi­al­wis­sen­schaf­ten der Freien Univer­si­tät Berlin. In ihren Publi­ka­tio­nen, Büchern und Arti­keln, Vorträ­gen und Semi­na­ren befasst sie sich mit sozia­len Bewe­gun­gen, urba­ner und länd­li­cher Entwick­lung im Globa­li­sie­rungs­pro­zess, Neuer Armut, Gender- und Frau­en­for­schung und Anthro­po­lo­gie der Ernäh­rung sowie mit Hoch­schul­po­li­tik.

Websei­te: http://www.breigarten.de

Das, was bisher als infor­mel­le Selbst­hil­fe­öko­no­mie der Frauen verach­tet wurde, die Subsis­tenz- und Small Scale-Land­wirt­schaft, kehrt in die Städte und die öffent­li­che Wahr­neh­mung zurück: Wilder Gemü­se­an­bau auf Brachen, Gueril­la Garde­ning, „Inter­kul­tu­rel­le Gärten“ von New York bis Berlin.

In New York City gibt es um die 800 soge­nann­te „Commu­ni­ty Gardens“, die von Nach­bar­schafts­in­itia­ti­ven gemein­sam bewirt­schaf­tet werden. Aus wilden Müll­plät­zen entste­hen so grüne Oasen in den Stein­wüs­ten der Groß­städ­te. Es sind vor allem Frauen, die hier Gemüse und Blumen anbau­en – aus Freude am gemein­sa­men Tun und als Schritt zu einer „Ernäh­rungs-Wende“. Arbeits­lo­se helfen sich auf diese Weise – auch durch den loka­len Gemü­se­ver­kauf, Nach­barn pflan­zen für Suppen­kü­chen. „Urban Agri­cul­tu­re“ ist die neue sozia­le Tatsa­che des inner­städ­ti­schen Anbaus von Gemüse, als Selbst­hil­fe, als akti­ver Beitrag zum Klima­schutz und als prak­ti­sche Demons­tra­ti­on gegen die Mons­an­tos auf dieser Welt.

Zusam­men mit Kolle­gen und Studie­ren­den grün­de­te Elisa­beth Meyer-Rensch­hau­sen die Arbeits­grup­pe „Kleinst­land­wirt­schaft und Gärten in Stadt und Land“ und orga­ni­sier­te mehre­re Konfe­ren­zen zum Thema. Das führte sie später zu den „Commu­ni­ty Garde­ners“ in New York City.

Elisa­beth Meyer-Rensch­hau­sen ist als Refe­ren­tin auf der Sommer­ta­gung der HUMANEN WIRTSCHAFT am 4. Juli 2015 in Oberst­dorf vertre­ten. Siehe Seite 20.

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