Leserbriefe 01/2015

Stimmen von Teilnehmern der Jahresfeier der HUMANEN WIRTSCHAFT Anfang November 2014 (Siehe Bericht, S. 14)

Ich bin sehr beeindruckt. Die Vorträge waren durchweg positiv und hatten ein Niveau, das seinesgleaichen sucht. Wie immer gab es genügend Zeit zwischen den Vorträgen, sich zu vernetzen und auszutauschen.
Der Workshop mit Steffen Henke: Unglaublich gut – so eine Fachkompetenz – gepaart mit dem Wissen und der Rhetorik von Steffen – so was hab ich noch nicht oft gesehen...
Das hat sofort Lust auf mehr gemacht und auf der Arbeit eine vierstündige Diskussion ausgelöst rund um Gesell und das „aktuelle System“. Ich glaube ich kann für alle Teilnehmer sprechen, die begeistert waren.
Manuel Wegener
Wir möchten noch einmal herzlichen Dank an das gesamte Team sagen für das wunderbare und spannende Wochenende. Alle haben dafür gesorgt, dass man sich wohl und heimisch gefühlt hat. Es war eine sehr schöne und angenehme Atmosphäre und es gab informative Vorträge.
Glückwunsch zu dieser Leistung und weiterhin viel Erfolg. Liebe Grüße aus Gütersloh:
Birgit Kirchhoff & Detlev Wojciechowski
Es war eine tolle Veranstaltung, mit vielen anregenden Vorträgen und Begegnungen. Ich habe auch viele Kontakte geknüpft und das Wochenende sehr genossen.
Alexandre Hornung, Luxembourg
Ich möchte mich ganz herzlich für das hervorragend zusammengestellte Programm am Samstag bedanken. Alle vier Vorträge waren außerordentlich interessant. Klasse!
Dieter Hofmann, Wuppertal

Hinweis: Die Jahresfeier findet dieses Jahr vom 30. Oktober bis 1. November in Wuppertal statt.

Zu „Inclusive capitalism“ von Wolfgang Berger

Lieber Herr Berger, Ihr Artikel „Inclusive Capitalism” hat mich durch Ihre reichen Kenntnisse wieder einmal beeindruckt. Zum Schluss klingt es nach Hoffnung: „Jetzt aber nehmen sich die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika vor, gemeinsam den Dollar vom Thron zu stürzen. In ihnen lebt die Hälfte der Weltbevölkerung.“ Meinen Sie wirklich, ein bloßer Sturz des Dollars würde uns Frieden und gerechter verteilten Wohlstand bringen, selbst wenn diese Länder – zum Teil Diktaturen wie unter dem „lupenreinen Demokraten” und Stalin-Verehrer Putin – an einem Strick ziehen würden? Was selbst für dieses nur negativ definierte Ziel höchst unwahrscheinlich ist. Ganz am Schluss vergleichen Sie die heutigen Montagsdemonstrationen in Berlin und einigen anderen Städten mit denen von 1989. Meinen sie wirklich, die heutigen Demonstranten (ich war zeitweise unter ihnen) mit ihrem hohen Anteil an Chaoten und bloßen Amerika-Hassern könnten etwas nachhaltig Konstruktives bewirken? Glauben Sie überhaupt, dass die von Ihnen beschriebene ungeheure Dominanz des „Finanzsektors” (der Hochfinanz nicht zuletzt) allein mit wirtschaftlicher Zielsetzung gebrochen werden kann? Gehört dazu nicht der geballte Wille aller Demokraten mit einem konstruktiven Entwurf neuer demokratischer Rechtsstrukturen? Wie Sie wissen, leugne ich diese Möglichkeit der umfassenden Reform allein von der Wirtschaft her und setze ich mich seit langem für eine vom Parlamentarismus her gegliederte Wertedemokratie ein mit den Ebenen Wirtschaft, Politik, Kultur und Grundwerte. Also für eine neuartige Einheit von parlamentarischer und direkter Demokratie, letztere aufgrund der bereichsspezifischen Wahlen, die zugleich Sachabstimmungen sind. Darin ist also eine Wirtschaftsdemokratie in einem ganz neuen, umfassenden Sinne eingeschlossen (vgl. HUMANE WIRTSCHAFT 5/2013).
Könnte es vielleicht sein, dass wir eine solches Leitbild einer weiter entwickelten Demokratie sehr bald dringend brauchen, um das „schwere Gerät” eines bedeutend attraktiveren, von der breiten Bevölkerung getragenen Rechtsstaates nicht nur gegen die Hochfinanz, sondern auch gegen neue staatskapitalistische Ansprüche einsetzen zu können – und um drohendes weltweites Blutvergießen zu vermeiden?
Das Paradoxon, auf das ich seit Jahren hinweise, ist: eine neue Wirtschaftsform im Sinne der „Humanwirtschaft” ist nicht durchzusetzen, schon gar nicht friedlich, wenn man sich allein auf die Wirtschaftsebene fixiert, ohne ernsthaft das gesamtdemokratische Gefüge in Betracht zu ziehen. Ich würde mich freuen, wenn gerade Sie (der Sie auch Philosoph sind) diese Gedanken ernst nehmen und unterstützen könnten.
Seien Sie herzlich gegrüßt von Ihrem
Johannes Heinrichs, Duisburg

„Minuszinsen - wer gewinnt, wer verliert“

Anfangs war ich ganz begeistert von dem Artikel und legte ihm einem Bekannten vor, der sich mit mir freuen sollte, dass es für uns „Kleinverdiener“ nun bergauf geht, obwohl alle über die niedrigen Zinsen schimpfen.
Alles ist gut erklärt in dem Artikel, doch leider haben wir beide nichts davon bemerkt, dass die niedrigen Zinsen sich auch in anderen Bereichen positiv auswirken. Es ist doch alles so teuer geblieben wie immer. Das Benzin ist nicht günstiger geworden, auch nicht meine Miete und die Lebensmittel erst recht nicht. Somit erkenne ich nicht, worin sich für mich der Vorteil als „Kleiner Sparer“, der auf der Bank auf jeden Fall verliert, durch die niedrigen Zinsen zeigen soll. Können Sie das nochmals erklären?

Petra Schneckner-Skiba, Witten

Sparers Leiden oder
„Das Sparschwein ist die Ursache von Wirtschaftskrisen“

Es wird Zeit, dass wir von sentimentalen Positionen Abschied nehmen und uns in eine moderne Welt mit klaren Ansichten begeben. Die Geldwirtschaft schafft die angenehme Gelegenheit, durch „Sparen“ seinen Konsum in die Zukunft zu verschieben und anderen Leuten die Möglichkeit zu geben, vernünftig zu investieren. Das verbindet sich leider immer noch mit der altmodischen Vorstellung, dass die Bank ähnlich dem klassischen Sparschwein das Geld sicher aufbewahrt („im Tresor einschließt“, richtiger als Horten bezeichnet), um es dann nach 30 Jahren wieder herzugeben, aufgebessert durch den Zinseszins, der wie Manna von Gott dem Gerechten den „guten Sparsamen“ als Belohnung zusteht. Auf der anderen Seite sind die bösen Schuldenmacher, die über ihre Verhältnisse leben und dadurch Krisen verursachen und die guten Sparer um ihr teures Geld bringen. Zur „Strafe“ mussten die bisher hohe Zinsen bezahlen. Dass Geld nur dazu da ist, seine Schulden zu bezahlen, die wir jeden Tag machen, indem wir z. B. einkaufen, wo wir unsere Schuld sofort durch das Geld tilgen können, hat sich noch nicht herumgesprochen. Dass unsere Spargelder durch Fleiß und Wissenschaft derart hoch anfallen, dass wir gar nicht wissen wohin damit, ist nicht ganz neu, aber jetzt ganz deutlich. Denn das gesparte Geld muss ja an anderer Stelle Schulden bezahlen, nämlich die der Vernünftigen und Aufgeklärten, die sich ein Haus oder eine Fabrik bauen. Wenn das nämlich nicht geschehen würde, blieben die ganzen Dienstleistungen und Produkte unverkäuflich und würden die Wirtschaft zum Zusammenbruch bringen, was auch als Depression bezeichnet wird. Jetzt wird das Geld zunehmend missbraucht, um „mit Geld Geld zu verdienen“, was durch künstliche Verknappung möglich ist. Deshalb wird nichts anderes übrig bleiben, dem Geld durch „Anti-Knappheits- oder Parkgebühren“ Beine zu machen. Die jetzigen Strafzinsen sind nur die Vorboten von Haltegebühren auf das gesetzliche Schulden-Zahlungsmittel, auch Zentralbankgeld genannt. Hoffentlich kommen sie bald. Darüber wird jedenfalls schon länger an höchster Stelle diskutiert.

Dr. Gerhardus Lang, Bad Boll

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