Eurobonds – Saurer Apfel

Bild »Flickr-Collage mit »nggalai«(Sauerer Apfel) und "saigneurdeguerre« (Gesicht) unter CC-Lizenz

Bild »Flickr-Col­la­ge mit »nggalai«(Sauerer Apfel) und „sai­gneurde­guer­re« (Gesicht) unter CC-Lizenz

Rund um die »Euro­bonds« ist es auf­fäl­lig ruhig gewor­den. Die Staats­ver­schul­dun­gen in Euro­pa dürf­ten eher nicht klamm­heim­lich zurück­be­zahlt wor­den sein.
Die­se Ruhe kurz vor der Bun­des­tags­wahl in Deutsch­land kann nicht ver­wun­dern. Doch kaum jemand zwei­felt dar­an, dass die »Euro­kis­te« spä­tes­tens ab Okto­ber geöff­net wird.
Die Wahl­kampf­stra­te­gen trau­en sich auch nicht, das zum The­ma zu machen.
Die Par­tei­en könn­ten im Grun­de genom­men nur ver­lie­ren, wenn sie sich damit befass­ten und so beißt der­zeit kei­ner in die­sen sau­ren Apfel

Lehnt man die Bonds ab, wie die CDU und die FDP das ver­kün­den, sähe man sich nach der Wahl gezwun­gen, das Wort zu bre­chen. Denn die Euro­bonds stel­len eine der letz­ten Mög­lich­kei­ten dar, den Total­zu­sam­men­bruch des Euro noch eine Zeit lang hin­aus­zu­zö­gern. Eine ande­re als eine Ver­zö­ge­rungs- und Repa­ra­tur­po­li­tik ist aber weit und breit nicht erkenn­bar.
Direkt nach der Wahl, wenn die Wahl­ver­spre­chen noch frisch sind, wür­de man direkt für Unmut beim Volk sor­gen und das kann sich sehr nach­tei­lig auf die gesam­te Legis­la­tur­pe­ri­ode aus­wir­ken. Wer will das schon? Also: lie­ber nicht rein­bei­ßen!

Befür­wor­tet man Euro­bonds im Wahl­kampf, dann schafft man sich die »offe­ne Flan­ke« für mas­si­ve Angrif­fe der Geg­ner. Das könn­te den end­gül­ti­gen Todes­stoß für Rot-Grün hin­sicht­lich ihrer Wahl­aus­sich­ten bedeu­ten. Paro­len, die in die­sem Punkt angeb­li­che Unnach­gie­big­keit kund­tun, kom­men beim größ­ten Teil der Wäh­ler garan­tiert bes­ser an, als die nichts Gutes ver­hei­ßen­de »Schul­den­topf-Gewäs­ser­trü­bung« der Befür­wor­ter. Also: Lie­ber nicht rein­bei­ßen!

Vor dem Kri­sen­aus­bruch 2008 – und teil­wei­se auch noch eini­ge Zeit danach – erfreu­ten sich ja die CDO‘s (Col­la­te­ri­zed Debt Obli­ga­ti­ons) enor­mer Anle­ger-Beliebt­heit. Die fest­ver­zins­li­chen Wert­pa­pie­re, die in die­sen »struk­tu­rier­ten Kre­dit­pro­duk­ten« bei­sam­men lagen, bestan­den aus einer »Bun­ten Haus­halts­mi­schung« unter­schied­lichs­ter »Pro­duk­te«. Der Sinn der Streu­ung der Papie­re inner­halb des »Instru­ments CDO« galt einem ver­meint­li­chen Sicher­heits­den­ken. In der Gold­grä­ber­stim­mung vor dem Total­zu­sam­men­bruch von 2008 kam es zu höchst­ver­zins­ten CDO‘s, die aber unter Sicher­heits­as­pek­ten zum Him­mel stan­ken. Doch der üble Geruch wur­de mit dem Gier­par­füm »Super­ren­di­te« über­deckt.
Rating­agen­tu­ren haben zusätz­lich noch eine geruchs­ab­sor­bie­ren­de Ver­pa­ckung dar­um her­um­ge­macht, indem sie die Pro­duk­te mit Güte­zei­chen AAA aus­ge­zeich­ne­ten. Der Clou bestand am Ende dar­in, dass selbst die­je­ni­gen, die sie zusam­men­ge­stellt hat­ten, nicht wuss­ten, was letzt­lich in die­sem Paket war und was dar­in am stärks­ten stank.

Das macht den Unter­schied zu Euro­bonds aus. Bei denen weiß jeder von Beginn an, dass Staats­schul­den­stink­bom­ben aus Grie­chen­land, Ita­li­en, Spa­ni­en, Por­tu­gal, Irland aber auch Frank­reich dar­in lie­gen. Das Gier­par­füm ist nur noch in den Edel­par­fü­me­ri­en der Super­rei­chen ein Ren­ner und den Güte­zei­chen der Rating­agen­tu­ren glau­ben halb­wegs nor­mal den­ken­de Anle­ger sowie­so nicht mehr.

Alles, wozu die Euro­bonds tau­gen, wird die Ver­schleie­rung sein. Das tote Pferd »Euro« soll von den Knech­ten wenigs­tens noch so lan­ge für leben­dig gehal­ten wer­den, bis die letz­ten Schäf­chen der Guts­be­sit­zer ins Tro­cke­ne gebracht wur­den.
Der Zusam­men­bruch ist ange­sichts der Mut­lo­sig­keit und Ein­falls­lo­sig­keit unse­rer Eli­ten unver­meid­bar. Wer Inno­va­ti­ves sucht, einen ech­ten Wech­sel oder gar eine fun­kel­na­gel­neue, nach­hal­ti­ge Archi­tek­tur des Geld­sys­tems erwar­tet, muss wei­ter­träu­men.
Oder sich dar­auf besin­nen, wie es war, als wir noch im Klei­nen Gro­ßes auf die Bei­ne stell­ten und uns nicht dar­um scher­ten, was Unver­meid­li­ches für uns bedeu­ten wür­de.

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