Ökonomisches Prinzip – Christoph Köhler

Öko­no­mi­sches Prin­zip – Arbeits­tei­lung – Glo­ba­li­sie­rung: Der Mensch bleibt auf der Stre­cke – - –
Die Volks­wirt­schafts­leh­re geht von drei, sehr dis­kus­si­ons­be­dürf­ti­gen Grund­an­nah­men aus: dem aus­schließ­lich auf sei­nen eige­nen Vor­teil bedach­ten homo oeco­no­mi­c­us, der Unend­lich­keit der Bedürf­nis­se und der Knapp­heit der meis­ten Res­sour­cen. Wenn die­se durch­aus zwei­fel­haf­ten Grund­an­nah­men zutref­fen, dann erscheint das dar­aus geschluss­fol­ger­te Öko­no­mi­sche Prin­zip die zwangs­wei­se ein­zi­ge sinn­vol­le mensch­li­che Hand­lungs­wei­se dar­zu­stel­len: Der wirt­schaft­lich han­deln­de Mensch ver­sucht mit mini­ma­lem Ein­satz von Mit­teln den maxi­ma­len Nut­zen zu erzie­len. Und dies bezieht sich nach Ansicht der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler sowohl auf sein unter­neh­me­ri­sches Han­deln, als auch auf sein Ver­hal­ten im Pri­va­ten. – - –

Als Bei­spiel für das Mini­mal­prin­zip kann auf den Schü­ler ver­wie­sen wer­den, der mit mini­ma­lem Auf­wand ver­sucht das vor­ge­ge­be­ne Noten­ziel zu errei­chen. Als Bei­spiel für das Maxi­mal­prin­zip, die zwei­te Aus­prä­gung des öko­no­mi­schen Prin­zips, könn­te der Haus­halt genannt wer­den, bei dem man in zwei Stun­den ver­sucht, mög­lichst viel der zu erle­di­gen­den Auf­ga­ben abzu­ar­bei­ten. – - –

In zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen zer­stö­re­risch – - –

Aber schon im Pri­va­ten zeigt sich, dass die Nut­zen­ma­xi­mie­rung nicht das ein­zi­ge Kri­te­ri­um für das eige­ne Ver­hal­ten ist. Die Wenigs­ten ver­su­chen beim Auto­fah­ren mit einer bestimm­ten Ben­zin­men­ge mög­lichst vie­le Kilo­me­ter zu hin­ter­le­gen. „Sport­li­ches Fah­ren“, Gedan­ken­lo­sig­keit, Bequem­lich­keit bestim­men das Han­deln mehr als das öko­no­mi­sche Prin­zip. Der Genuss, die Sinn­haf­tig­keit des eige­nen Tuns, Gelas­sen­heit im Han­deln spie­len für vie­le Men­schen in ihrem Ver­hal­ten eine weit grö­ße­re Rol­le als Effi­zi­enz und Ziel­ge­richt­et­heit. In der zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hung wirkt ein Ver­hal­ten nach die­ser Maxi­me eher zer­stö­re­risch. Geschäf­te zwi­schen Bekann­ten zer­mür­ben Freund­schaf­ten, wenn einer oder meh­re­re der Betei­lig­ten sich wie der homo oeco­no­mi­c­us ver­hal­ten. – - –

Vor­wie­gend wo Geld eine Rol­le spielt, kommt das öko­no­mi­sche Prin­zip gut an. „Geiz ist geil“ zielt auf den Geld­beu­tel des Pri­va­ten – im dop­pel­ten Sin­ne. Mit Zunei­gung in einer Part­ner­schaft zu gei­zen ist wohl eher wenig attrak­tiv. Selbst mög­lichst wenig Empa­thie zu zei­gen, um ein bestimm­tes Ziel zu errei­chen macht jede Bezie­hung schon mit­tel­fris­tig kaputt. Anders in der Wirt­schaft! Mög­lichst viel – mög­lichst bil­lig. Unse­re Wirt­schaft ist dar­auf ange­wie­sen, dass das Han­deln nach dem öko­no­mi­schen Prin­zip bis in die Haus­halts­kas­se hin­ein sei­ne Wir­kung ent­fal­ten kann. Nur so kann der Mensch als Kon­su­ment gewon­nen wer­den, der immer mehr will und dadurch die gro­ßen Pro­fi­te erst ermög­licht. – - –

Nur nut­zen­ori­en­tiert? – - –

Wer­te lau­fen dem öko­no­mi­schen Prin­zip zuwi­der. Auf der einen Sei­te kon­ter­ka­riert das öko­no­mi­sche Prin­zip jedes Leben nach mora­li­schen Vor­stel­lun­gen. Nicht ohne Grund ver­weist die Bun­des­zen­tra­le für Poli­ti­sche Bil­dung dar­auf, dass Umwelt­be­wusst­sein auf­grund des öko­no­mi­schen Prin­zips sich in einem Han­deln des Men­schen in den sel­tens­ten Fäl­len wider­spie­gelt. So mag er viel­leicht um sein umwelt­schä­di­gen­des Ver­hal­ten wis­sen, wür­de aber im kon­kre­ten Fall immer nach dem öko­no­mi­schen Prin­zip han­deln und damit ein umwelt­ver­träg­li­ches Han­deln hin­ten­an­stel­len. Und Fair Tra­de fin­det nur gerin­gen Anklang, weil die Mehr­heit der Men­schen im Pri­va­ten eben­falls ver­sucht, mit mini­ma­lem Ein­satz von Geld die gewünsch­ten Arti­kel zu kau­fen. Das Wohl­erge­hen des Ande­ren spielt bei der eige­nen Nut­zen­ma­xi­mie­rung schein­bar kei­ne Rol­le. – - – mehr online…

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