Kategorie: Ausgabe 03 – 2014

12 Stunden Goldener Schlaf – Claudia Pflug 0

12 Stunden Goldener Schlaf – Claudia Pflug

Lie­ber Herr Ban­ge­mann, wir hat­ten Ende letz­ten Jah­res mit­ein­an­der tele­fo­niert, da ich Ihnen mei­ne neue Anschrift mit­ge­teilt hat­te. Außer­dem war mein klei­nes Baby unter­wegs. Tere­sa Marie Mild­red ist inzwi­schen schon über drei Mona­te alt. Im Hin­blick auf die Zie­le Ihrer Zeit­schrift – die Kri­tik des Kapi­ta­lis­mus, oder bes­ser, die Überwindung…

Die „Schöne aus Marienhöhe“ darf nicht sterben – Pat Christ 0

Die „Schöne aus Marienhöhe“ darf nicht sterben – Pat Christ

Saat­gut­ak­ti­vis­ten kämp­fen gegen die geplan­te Novel­lie­rung einer EU-Ver­ord­nung – Radies­chen, Mohn und Zitro­nen­ba­si­li­kum, Obsi­di­an, Slim Jim und Wil­de Rau­ke: Dut­zen­de Rari­tä­ten und bewähr­te Haus­gar­ten­sor­ten gab es im Febru­ar beim Saat­gut-Fes­ti­val im unter­frän­ki­schen Ipho­fen zu bestau­nen und zu erwer­ben. Star­gast der Ver­an­stal­tung, die meh­re­re hun­dert Besu­cher von teil­wei­se weit­her anzog, war…

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Schon wieder – Laura Gottesdiener

Die Prei­se für Eigen­hei­me stei­gen! Die Bau­kon­junk­tur springt wie­der an! Die Kri­se ist über­wun­den! Seit eini­ger Zeit beju­beln die Medi­en in den USA die wun­der­sa­me Wie­der­auf­er­ste­hung der Immo­bi­li­en­märk­te. Was sich hin­ter dem gan­zen Tam­tam ver­birgt, erfährt man nicht. In der Bran­che brei­tet sich seit knapp zwei Jah­ren eine kom­plett neue…

Der Strudel in die Sucht – Karl-Dieter Bodack 0

Der Strudel in die Sucht – Karl-Dieter Bodack

• Steu­ern wer­den als „Last“ bezeich­net, als „Belas­tung“ emp­fun­den, von der man sich „befrei­en“ sollte;
• „Steu­er­erspar­nis“ wird hoch geschätzt, erhält gesell­schaft­li­chen Wert, es grün­den sich Unter­neh­men, die Steuer„ersparnis“ als Dienst­leis­tung anbie­ten und dafür gute Hono­ra­re verlangen;
• In Gesprä­chen lobt sich jeder, der es geschafft hat, Steu­ern zu „spa­ren“, ande­re erkun­di­gen sich, es ent­steht eine Art neu­er Volks­sport des „Steu­er­spa­rens“, mit einem gesellschaftlichen
Wert wie er sei­ner­zeit dem Spar­buch­s­pa­ren zukam;
• Von den Poli­ti­kern wird gefor­dert, dass sie alles Wün­schens­wer­te schaf­fen, Thea­ter, Schu­len und Kin­der­gär­ten, Hil­fe für Fami­li­en, die Volks­hoch­schu­le, Umge­hungs­stra­ßen, Bür­ger­parks, Kin­der­spiel­plät­ze, mehr Bus­ver­bin­dun­gen schnel­le­re Zugverbindungen;
• Poli­ti­ker wer­den geschätzt, die das schaf­fen, Steu­ern zu sen­ken und gleich­zei­tig mög­lichst alle Wün­sche erfüllen;
• Die Fol­ge­kos­ten wer­den igno­riert: Was der Spiel­platz monat­lich in der Pfle­ge, das Thea­ter­en­sem­ble pro Zuschau­er, der Park pro Spa­zier­gang kos­tet, ist tabu, nie­mand spricht darüber,
kei­ner will es wissen;
• Bür­ger spa­ren als Vor­sor­ge für schlech­te­re Zei­ten oder fürs Alter, brin­gen Geld­be­trä­ge zu Ban­ken, ver­lan­gen mög­lichst hohe Zin­sen dafür;
• Die Kom­mu­nen, Län­der und der Bund brau­chen viel mehr Geld als sie ein­neh­men, lei­hen es von den Ban­ken, rich­ti­ger von den Bür­gern mit dem Ver­spre­chen („Bun­des­schät­ze“), es zurückzuzahlen;
• Berühmt wird ein Poli­ti­ker nicht mit einem Park für ein paar Mil­lio­nen, son­dern erst mit einem „Frei­zeit­park, der ein paar hun­dert Mil­lio­nen kostet;
• Anfäng­li­che Mil­lio­nen-Anlei­hen wer­den zu Milliarden-Anleihen;
• Poli­ti­ker wer­den gefei­ert, wenn Sie als „Über­vä­ter“ wis­sen, was den Bür­gern gut­tut und wenn sie das auch gegen Wider­stän­de all derer, die man­gels Ein­sicht dage­gen sind, durchdrücken;
• Die Zin­sen für die Kre­di­te bean­spru­chen mehr und mehr Antei­le aus den Steuergeldern;
• Die Kre­dit­sum­men stei­gen, weil mehr und mehr Steu­er­gel­der von Zins­zah­lun­gen absor­biert und gleich­zei­tig die Pro­jek­te immer grö­ßer werden;

Das transatlantische Freihandelsabkommen – Wolfgang Berger 0

Das transatlantische Freihandelsabkommen – Wolfgang Berger

Finanzielle Massenvernichtungswaffen fahren die Ernte ein -
>>Le Monde diplomatique<< – die französische Zeitung für auswärtige Beziehungen – bezeichnet das transatlantische Feihandelsabkommen TAFTA (Transatlantic Free Trade and Investment Agreement) als „Staatsstreich in Zeitlupe“. In geheimen Verhandlungen wird es von den mächtigsten Konzernen der Welt, die von 600 Industrieverbänden vertreten werden, vorbereitet. Gesetze benachteiligen immer diejenigen, die bei ihrer Verfassung nicht dabei sind. Dabei wird der Mensch „wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann“, schreibt Papst Franziskus im Evangelii Gaudium und fügt hinzu: „Diese Wirtschaft tötet“. Sie tötet die Würde, die Freiheit und den Sinn des Lebens der meisten Menschen. Vielleicht hat Benito Mussolini den Begriff Faschismus passend definiert: „Die Fusion zwischen Großkonzernen und Staaten“. Wie ist dieser Vernichtungsfeldzug geplant worden? Wie wird er durchgeführt? Das Killer-Spiel „Live and let die“ (Lebe und lass andere sterben) Banken vergeben Kredite gegen Sicherheiten. Jeder Firmenchef und jeder Hauseigentümer weiß das. Bei der Kreditprüfung wird meist ein Fünftel Eigenkapital verlangt. Für die Banken selbst gilt diese Regel nicht. Große Banken arbeiten mit 95 Prozent Fremdkapital und hebeln so den Ertrag auf ihr eigenes Kapital. Eine Million Gewinn bleiben eine Million, wenn das Geschäft mit Eigenkapital finanziert wird. Bei fünf Prozent Eigenkapital erhöht sich der auf das Eigenkapital bezogene Gewinn dann fast um das zwanzigfache. Damit rechtfertigen die Banken die Millionengagen Ihrer Topmanager, die diese Gewinne „erwirtschaften“ – oder sollen wir besser „ergaunern“ sagen? Die Versuchung ist groß, dabei Risiken einzugehen, die die Bank selbst nicht auffangen kann. Gilt die Bank als systemrelevant weil sie „too big to fail“ (zu groß zum Scheitern) ist, werden ihre Verluste auf die Steuerzahler abgewälzt. So sind die Staatsschulden explodiert und ganze Länder in den Bankrott getrieben worden. In der Krise waren die Staaten dann „too week to act“ (zu schwach zum Handeln). Der ersten Testläufe für dieses Spiel sind vor zehn Jahren vorbereitet worden: Niedrige Hypothekenzinsen und die Erwartung steigender Immobilienpreise haben auch Subprime-Kreditnehmer (das sind solche mit schlechter Bonität) in den USA zu Hauseigentümern gemacht. Diese Kredite wurden zu „Derivaten“ (abgeleiteten Wertpapieren) gebündelt und mit kurzfristigen Rückkaufvereinbarungen („Repos“: Sale and Repurchase Agreements) weiterverkauft. Hank Paulson – von 1999 bis 2006 CEO (Vorstandsvorsitzender) der Investmentbank Goldman Sachs – hat die US-Banken Bear Sterns und Lehman Brothers in Derivatgeschäfte in Milliardenhöhe eingebunden. 2006 ist Paulson US-Finanzminister geworden. Danach haben neue Gesetze „Derivate“ in „safe havens“ (sichere Häfen) verwandelt. Das bedeutet: Eine Bank, die Wertpapiere über Derivate besitzt, kann sie beim Konkurs der Schuldnerbank behalten. 2008 konnten Bear Sterns und Lehman Brothers ihre Verpflichtungen zum Rückkauf der „Derivate“ gegenüber Goldman Sachs und dem britischen Finanzunternehmen Barclays nicht erfüllen; sie brachen zusammen. Die beiden siegreichen Banken hatten zwei Konkurrentinnen „gefressen“. Durch EU-Direktiven haben die Besitzer von Derivaten auch in Europa bevorzugten Gläubigerstatus. Während es im regulären Insolvenzrecht eine Bevorzugung von Gläubigern nicht gibt, ist sie bei Derivaten jetzt die Norm. Derivate in Verbindung mit Repo- Geschäften schöpfen Geld ohne Sicherheiten. Die eine Bank nimmt, die andere gibt – und das im Kreislauf ad infinitum. Dieses Killer-Spiel wird in den USA „Live and let die“ (Lebe und lass andere sterben) genannt.

Der Bürger und sein Staat – Gerhardus Lang 0

Der Bürger und sein Staat – Gerhardus Lang

Gedan­ken zur „Besteue­rung“ – Jeder Selbst­stän­di­ge beschäf­tigt für
teu­res Geld einen „Steu­er­be­ra­ter“.
Was berät denn der? Doch nur, wie
man zu viel Steu­ern ver­mei­det. „Steu­er­ver­mei­dung“
ist der Sinn sei­nes Daseins,
sonst nichts. Jeder macht das
so und befin­det sich damit im gesetzlichen
Rah­men. Im Übri­gen ist das
Steu­er­recht noch im Sta­di­um wie zu
Zei­ten von Chris­ti Geburt, des­sen Eltern
zum Zwe­cke der Steuerschätzung
nach Beth­le­hem rei­sen muss­ten, um
der Obrig­keit, der wir „unter­tan sind
und die Gewalt über uns hat“, den
geschul­de­ten Obo­lus zu entrichten.
(Jeder­mann sei unter­tan der Obrig­keit, die
Gewalt über ihn hat. Denn es ist kei­ne Obrigkeit
ohne von Gott; wo aber Obrig­keit ist,
die ist von Gott ver­ord­net, Römer 13,1)
Heu­te ist die Obrig­keit von den
Par­tei­en aus­ge­wählt immer noch
eine Obrig­keit, die Gewalt über
uns hat und die beschließt, was wir ihr
schul­den. Die­se als Finanz­be­hör­de fungierende
Ein­rich­tung ist ein Staat im
Staa­te, die in die­ser Form schon Jahrhunderte
besteht. Sie hat schon zu Zeiten
der deut­schen Klein­staa­ten existiert,
hat sich mit dem ers­ten deutschen
Reich gefes­tigt, hat den ers­ten und den
zwei­ten Welt­krieg ohne Abstri­che überstanden,
hat dem Kai­ser­reich das Heer
und die Flot­te finan­ziert, hat die Weimarer
Repu­blik mit Infla­ti­on und Deflation
über­stan­den. Dann hat sie ungebrochen
dem Dik­ta­tor Hit­ler sei­ne Großmachtspläne
finan­ziert und durf­te danach die
Staats­plei­te „abwi­ckeln“.
Neh­men und Geben
Wir, das Volk, von dem alle Staatsgewalt
aus­ge­hen soll­te, müs­sen nämlich
lang­sam anfan­gen, tat­säch­lich selber
zu beschlie­ßen, was wir für die Zwecke
des Staa­tes aus­ge­ben wol­len. Aber das
wird uns ver­wei­gert, weil wir so etwas
angeb­lich nicht beur­tei­len könnten.
Gera­de auf dem Gebiet des Steuerrechts
wis­sen die Mäch­ti­gen genau,
wie sie vor­ge­hen müs­sen, denn die
Kuh, die man melkt, soll vom Gemolken-
Wer­den mög­lichst nichts merken,
es soll dis­kret zuge­hen (Grund­satz der
Unmerk­lich­keit der Besteue­rung). Es
ist die­ses das Prin­zip der Spitzbuben,
dass die Leu­te, die bestoh­len werden,
es nicht immer gleich mer­ken, damit
näm­lich der Dieb mög­lichst unerkannt
bleibt. Man hat es dem Gott der Diebe
– Mer­kur – abge­lauscht: man soll
mög­lichst über­haupt nichts merken.
Das haben auch die Kauf­leu­te und –
last, but not least – die Ärz­te (deren
Gott auch Mer­kur ist!) an sich, unmerklich
das weg­zu­schaf­fen, was zu viel ist,
dort­hin, wo es fehlt, wobei sich die drei
Beru­fe im real exis­tie­ren­den Leben gelegentlich
schlecht von­ein­an­der unterscheiden
las­sen, weil sie manch­mal im
Ein­zel­nen als Gemenge­la­ge auftreten.
Inwie­weit nun Poli­ti­ker – insbesondere
Steu­er­po­li­ti­ker – einer der drei genannten
Kate­go­ri­en ange­hö­ren, ist so
leicht nicht aus­zu­ma­chen. Sie müssen
auch einer­seits weg­neh­men, damit sie
woan­ders hin­zu­fü­gen kön­nen. Sie können
dabei ärzt­lich han­deln, wenn sie
beab­sich­ti­gen, den kran­ken Zustand
in einen gesun­den zu ver­wan­deln und
wenn die ergrif­fe­nen Maß­nah­men auch
zu die­sem heh­ren Ziel füh­ren. Vorgeben
tun es die Poli­ti­ker meist laut­hals, dass
genau die­ses und nichts ande­res ihre
Absicht sei. Rech­net man es dann allerdings
vor – oder auch nach –, so landet
zum Schluss das Weg­ge­nom­me­ne häufig
dort, wo sowie­so schon zu viel ist,
und wird genau denen letzt­lich weggenommen,
denen es gut getan hätte.
Dabei sind die Wege der zu verteilenden
Beu­te oft so ver­schlun­gen, dass
die Spu­ren in die Irre füh­ren, was auch
der Gott Mer­kur bald nach sei­ner Geburt
meis­ter­lich beherrsch­te, indem er
die sei­nem Bru­der Apol­lo gestohlenen
Rin­der rück­wärts in sein Ver­steck führte,
damit es so aus­sä­he, als wären sie in
ent­ge­gen gesetz­ter Rich­tung gelaufen
Ja, die Fra­ge ist berech­tigt: lässt sich
das Ruder „her­um­wer­fen“, oder auch:
lässt sich das oder die Steu­er herumwerfen?
Wenn die See stür­misch ist,
ist das nicht so ein­fach, und manch
ein Schiff ist geken­tert, weil das Steuer
zu schnell oder auch zu spät herumgeworfen
wur­de. Des­halb ist es sicher
gut, wenn nicht zu schnell herumgeworfen
wird, wobei dann vor allem der
neue Kurs stim­men muss: es wird zwar
dau­ernd der Kurs gewech­selt, aber wo
es letzt­lich hin­ge­hen soll, wel­ches Ziel
erreicht wer­den muss, dar­über macht
sich kaum einer Gedan­ken. Hauptsache
das Schiff fährt mal wie­der in einer
ande­ren Rich­tung, egal wohin die Passagiere
eigent­lich wollen.
Im Mit­tel­punkt aller steuerrechtlichen
Über­le­gun­gen steht heu­te der Mensch
nur im Hin­blick auf den Widerstand,
den er der „lega­len“ Ent­eig­nung entgegenbringen
wird, aber nicht, wozu das
Gan­ze eigent­lich die­nen soll. Die zentrale
Fra­ge: „Was ist der Mensch?“ wird
aus­ge­klam­mert. Die ein­zi­ge Antwort
dar­auf lau­tet heu­te: Der Mensch ist ein
(böser) Ego­ist, und des­halb muss man
ihn zum Wohl­tun füh­ren, z. B. durch
Erhe­ben von Steu­ern für das Gemeinwohl,
da die­ses nicht ego­is­tisch, sondern
altru­is­tisch (gut) sei. So wird der
Mensch auch gegen sei­nen Wil­len anscheinend
von einem bösen zu einem
(jeden­falls teil­wei­se) guten Menschen
gemacht, was vom Gesichts­win­kel der
Ewig­keit her ihm wie­der­um nützt (jeden­falls
im höhe­ren Sinn). Wozu sich
also noch Gedan­ken machen!

Fehlt den Menschen das Bewusstwerden? – Richard Steinhauser 0

Fehlt den Menschen das Bewusstwerden? – Richard Steinhauser

Gedan­ken zu Charles Eisen­stein: „Die schö­ne­re Welt, von deren Mög­lich­keit unse­re Her­zen schon wissen“ -
Der Visi­on einer
schö­ne­ren Welt von
Charles Eisenstein
stim­me ich voll­auf zu –
sie ist möglich!
Muss man sich aber nicht zuvor
fra­gen: War­um ist die
heu­ti­ge Welt nicht so schön?
Alles hat eine Ursache.
Was muss mir bewusst wer­den? Ich
lebe. Ich bin einer von sie­ben Milliarden
Men­schen. Ich bin ein historisches,
sozia­les und personales
Wesen. Ich tra­ge Ver­ant­wor­tung gegenüber
der Geschich­te, der Gesellschaft
und mir selbst. Der religiöse
Mensch sieht sich als transzendentales
Wesen in der Ver­ant­wor­tung vor
Gott. Dar­aus fol­ge­re ich mei­ne Lebensaufgabe:
Ich habe mein Leben auf der
Erde so zu gestal­ten, dass noch weitere
Gene­ra­tio­nen auf ihr Leben können.
Ist mir das bewusst?
Als geschicht­li­ches Wesen schlummern
in mir Gene­ra­tio­nen. Als sozialem
Wesen erfah­re ich, dass ich nur
durch das Du zum Ich wer­de. Eltern
haben mich gezeugt. Ich war hilflos
und voll­kom­men auf sie angewiesen.
Als Erwach­se­ner habe ich Bedürfnisse,
die nur durch eine gro­ße Gesellschaft
erfüllt wer­den kön­nen. Als personalem
Wesen ste­he ich vor allem in
der Ver­ant­wor­tung für mei­ne Gesundheit.
Nur als gesun­der Mensch kann
ich der Geschich­te, der Gesellschaft
und mir selbst am bes­ten die­nen. Und
als tran­szen­den­ta­les Wesen? Als denkender
Mensch ver­su­che ich meinem
Leben einen Sinn zu geben. Ist mir das
bewusst?
Ich bin hin­ein­ge­bo­ren in die eine
Welt, in ein Volk, in eine Religion
(Kon­fes­si­on), in eine Gemeinde,
in eine Fami­lie. Ich lebe in einem
Staat, der Geset­ze erlässt und dadurch
weit­ge­hend mein Leben bestimmt.
Ich benö­ti­ge täg­lich Geld.
Das Geld­we­sen wird von der Ideologie
des Kapi­ta­lis­mus bestimmt. Der
Staat befin­det über Krieg und Frieden.
Dies wird von der Ideo­lo­gie des
Mili­ta­ris­mus bestimmt. So leben wir
heu­te in der Welt des real und global
exis­tie­ren­den Mili­ta­ris­mus. Der
Mili­ta­ris­mus ist ein Gewaltsystem
und der Kapi­ta­lis­mus ein Schmarotzersystem.
Die gan­ze Welt steckt im
Teu­fels­kreis der Gewalt und Ungerechtigkeit.
Die­se Ideo­lo­gi­en sind
die Ver­ur­sa­cher unse­res weltweiten
Dilem­mas. Ist mir das bewusst?
Um leben zu kön­nen, braucht der
Mensch kei­nen ande­ren Men­schen zu
töten, nicht ein­mal ein Tier. Was tut
der Mensch? Er führt Krie­ge. Es gibt
kei­ne Recht­fer­ti­gung für den Militarismus.
Um leben zu kön­nen, braucht
der Mensch kein Mil­lio­när zu sein.
Was tut der Mensch? Er erfin­det ein
Geld­sys­tem, in dem man Multimillionär,
ja sogar Mul­ti­mil­li­ar­där werden
kann. Es gibt kei­ne Recht­fer­ti­gung für
den Kapi­ta­lis­mus. Mili­ta­ris­mus und
Kapi­ta­lis­mus sind Lebens­lü­gen. Sie
sind das insti­tu­tio­na­li­sier­te Böse in
der Welt. Ist mir das bewusst?
„Die Pro­ble­me, die es in die­ser Welt
gibt, kön­nen nicht mit den gleichen
Denk­wei­sen gelöst wer­den, die sie
erzeugt haben.“ (Albert Ein­stein). Zu
wel­cher Denk­wei­se müs­sen wir gelangen?
Zur Gewalt (der Krieg ist die
schlimms­te) gibt es nur eine Alternative,
die Gewalt­frei­heit. Mit der Gewalt
kann kein Kom­pro­miss geschlossen
wer­den. Die Gewalt­frei­heit ist
eine fun­da­men­ta­le Wahr­heit. Erst in
ihr sind wir unse­rer Menschenwürde
wür­dig. Die Gewalt­frei­heit ist die Voraussetzung
für all unser Den­ken und
Tun. Nur so kön­nen wir unse­re Probleme
und Kon­flik­te, die es in jedem Zusammenleben
gibt, gewalt­frei durch
den Dia­log lösen. Erst dann verhalten
wir uns wie ver­nunft­be­gab­te Wesen,
sind wir Menschen.
Wie mili­tä­ri­sches Den­ken hat auch
kapi­ta­lis­ti­sches Den­ken eine lange
Geschich­te. Wie ein Trau­ma lasten
Mili­ta­ris­mus und Kapi­ta­lis­mus auf
der Menschheit.

Die Teufelei geht weiter! – Kommentar von Wilhelm Schmülling 0

Die Teufelei geht weiter! – Kommentar von Wilhelm Schmülling

Mit wel­cher Arro­ganz zele­brier­ten bisher
pri­va­te Ban­ken eine Aura der Seriosität
– bis hin zur Inneneinrichtung
(Inte­ri­eur genannt) und bis hin zum Nadelstreifenanzug
der Ange­stell­ten. All
das soll­te die eige­ne Geschäftstüchtigkeit
unter­strei­chen und die Wertschätzung
gegen­über Kun­den, die man großzügig
am Erfolg des Hau­ses teilnehmen
las­sen woll­te, Boni­tät vorausgesetzt.
Eini­ge Pri­vat­ban­ken sor­tier­ten gleich
bei der Geschäfts­an­bah­nung die „Min­der­be­mit­tel­ten“
unter einem siebenstelligen
Ver­mö­gen aus. Denen war offensichtlich
nicht zu hel­fen, den gnädig
auf­ge­nom­me­nen Kun­den der Upperclass
schon, auch zum Vor­teil der Bank.
Die­ses anma­ßen­de Verhalten,
Image-Pfle­ge genannt, setzte
sich mehr oder weni­ger bei allen
Ban­ken durch – mit Aus­nah­me bei Sparkassen
und Genossenschaftsbanken.
Und so ver­brei­te­te sich unter den Kunden
ein nahe­zu gren­zen­lo­ses Vertrauen.
Seit der Finanz­kri­se von 2008 zerbröselte
die­ses Bild. Das Geld der Anle­ger wanderte
in zuneh­men­dem Maße – auch
bedingt durch das schwie­ri­ger werdende
Kre­dit­ge­schäft mit der Realwirtschaft
– an den inter­na­tio­na­len Finanzmarkt.
Mit der Ver­brie­fung von Hypotheken
wur­den zuerst Haus­be­sit­zer in bittere
Not gestürzt, dann gan­ze Län­der. Das
Geschäfts­ge­ba­ren bewuss­ter Übervorteilung
von Kre­dit­neh­mern wur­de ruchbar.
Ein­mal demas­kiert, ver­spra­chen die
Ban­ken Bes­se­rung. Und alle Welt glaubte
ihnen. Denn eine solch offensichtlich
schäd­li­che Geschäfts­idee kön­ne keinen
Bestand haben. Weit gefehlt, es muss ja
nicht die glei­che Masche sein.
Wer am 1. 4. 2014 auf ARTE um 23.20
Uhr die Doku­men­ta­ti­on „Die Geschichte
der fran­zö­si­schen Ban­ken. Eine Tragikomödie“
ange­se­hen hat, ist erschüttert
über die Rigo­ro­si­tät der Bankgründer
und dem Ziel, Pro­fit­ma­xi­mie­rung des
ange­leg­ten Kapi­tals nahe­zu risikolos
zu errei­chen. Die Kapitalkonzentration
bei den Ban­ken ermög­lich­te eine Reichtumssteigerung
neben dem Großgrundbesitz
nun beim Geld­adel. Es war die
Grün­dung des moder­nen Kapitalismus
bis hin zum Raub­tier­ka­pi­ta­lis­mus. Alles
bei ARTE gut recher­chiert. Wer sucht,
der fin­det. Aller­dings zu nachtschlafender
Zeit. Wer Print­me­di­en bevorzugt,
fin­det umfang­rei­che Berich­te in alternativen
Zeit­schrif­ten, wie der HUMANEN
WIRTSCHAFT. Auch die hier vorliegende
Aus­ga­be ist dafür ein Beleg.
Jeder Bei­trag wäre eines umfangreichen
Kom­men­tars wür­dig. Wenn ich nun das
„Neue Geschäfts­mo­dell mit US-Immobilien“
von Lau­ra Got­tes­die­ner herausgreife,
dann des­halb, weil dar­in exemplarisch
„schon wie­der“ das kaltblütige
Geschäfts­ge­ba­ren – dies­mal mit Mietern
– beschrie­ben wird. Aus den Desastern
des Ban­ken-Crash von 2008
haben jeden­falls die Hedge­fonds nichts
gelernt. Schon 2009 titel­te SPIEGEL
ONLINE „Hedge­fonds star­ten wieder
durch“.
Was aber Lau­ra Got­tes­die­ner auf Seite
18 die­ser Aus­ga­be ent­hüllt, ist die Spitze
der Teu­fe­lei, näm­lich die Abzo­cke der
„Under­class“, vor­nehm­lich der schwarzen
Bevöl­ke­rung. Sie wähn­te sich am
Ziel Ihrer Träu­me, eine dau­er­haf­te Bleibe
in einer Miet­woh­nung zu fin­den. Stattdessen
zer­ran­nen vie­le Träu­me. Ohne
die Stra­te­gie der Reichtumsvermehrung
der Ban­ken zu ken­nen, glaub­ten sie sich
dank der vor­ge­leg­ten Ver­trä­ge in Sicherheit.
Bis sie die Tricks der Ban­ken und
ihrer Haus­ver­wal­tun­gen zu spü­ren bekamen.
Ergo: Statt Haus­be­sit­zer sind
nun Mie­ter das Ziel der Abzocker.
Die Teu­fe­lei­en gehen aber nicht nur mit
Häu­sern und Woh­nun­gen wei­ter. Sie
erfas­sen auch die Welt-Handelsbeziehungen.
Nur Weni­ge wis­sen um das geplante
Frei­han­dels- und Investitionsabkommen
(TTIP) zwi­schen der EU und den
Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Nordamerika.
Kein Wun­der. Denn die Verhandlungen
wur­den geheim geführt. Wohlgemerkt
sind die Ver­trags­part­ner insgesamt
Demo­kra­ti­en. Wenn­gleich nach dem
öffent­li­chen Druck die Intransparenz
gelo­ckert wur­de, so blei­ben konkrete
Ver­hand­lungs­tex­te unveröffentlicht.
Was so begrü­ßens­wert als Freihandelszone
geplant wur­de, ent­puppt sich als
ein Ver­such, eine Schutz­zo­ne vornehmlich
für Kapi­tal­in­ves­to­ren und Konzerne
ein­zu­rich­ten. In die­sem Heft und schon
in Heft 01/2014 haben unse­re Autoren
die infa­men Machen­schaf­ten erläutert.
Was schlie­ßen wir dar­aus? Nur in einer
frei­heit­li­chen Ord­nung, nicht aber in einer
aus­schließ­lich auf Kapi­tal­er­trag fixierten
Wirt­schafts­ord­nung sind grundlegende
Refor­men möglich.

Die größere humanitäre Geste – Johannes Korten, Interview mit Ilija Trojanow 0

Die größere humanitäre Geste – Johannes Korten, Interview mit Ilija Trojanow

Johan­nes Kor­ten führ­te das Inter­view mit Ili­ja Trojanow -
Ende Dezem­ber 2013 hat GLS Online-Redak­teur Johannes
Kor­ten in Stutt­gart den Schrift­stel­ler und Autor Ili­ja Trojanow
getrof­fen. Im Gespräch ging es um die Daten­sam­mel­wut von
Staa­ten und Unter­neh­men, feh­len­des Bürgerengagement,
inne­re Wider­sprü­che und die Arbeit als Schrift­stel­ler. Ilija
Tro­ja­now ist Kun­de und Mit­glied der GLS Bank.
»Mit Gewalt kann der Mensch nehmen,
aber nicht geben.« (Ili­ja Trojanow)
„Das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbstbestimmung
und die Ver­hin­de­rung anlass­lo­ser Generalüberwachung
sind zen­tra­le The­men, für die Sie sich immer
wie­der und mit gro­ßem Enga­ge­ment einsetzen.
Was treibt Sie dabei ganz per­sön­lich an?“
„Die Fra­ge ist eher, wie­so spü­re ich die­sen Zugriff
und ande­re nicht? Die Moti­va­ti­on ist ja meistens
wirk­lich so ein Bauch­ge­fühl, so eine Unerträglichkeit.
Stel­len Sie sich vor, jemand guckt Ihnen über
die Schul­ter und schaut, was Sie gera­de in Ihr Han­dy oder in
Ihren Com­pu­ter tip­pen. Da kann und wird wahr­schein­lich jeder
von uns mit Ableh­nung reagie­ren oder mit Abwehr. Wie
kann es aber sein, dass Men­schen es nicht als Über­griff, als
Repres­si­on, als Ver­ach­tung ihrer Wür­de emp­fin­den, dass
Staa­ten und Groß­kon­zer­ne sie in die­ser Art über­wa­chen, kontrollieren
und ihre Daten nach Belie­ben ver­wen­den. Ich persönlich
emp­fin­de das als nicht erträg­lich und kann mir auch
eine Gesell­schaft, die halb­wegs human ist und so etwas akzeptiert,
nicht vorstellen.“
„Was glau­ben Sie, wor­in die­se Lethar­gie, diese
Gleich­gül­tig­keit begrün­det ist? War­um bleibt dieser
Auf­schrei, war­um bleibt die­se Wehr­haf­tig­keit in
wei­ten Tei­len der Gesell­schaft aus?“
„Ich glau­be, es gibt ein grund­le­gen­des Problem.
Wir bil­den uns ein, wir sei­en demo­kra­tisch verfasst.
Dabei unter­liegt – so glau­be ich – unse­re Ausbildung
und unse­re Kon­di­tio­nie­rung wei­ter­hin einer
uralten Logik, die alles ande­re als demo­kra­tisch ist, sondern
hier­ar­chisch, eher gehor­sam fol­gend als selbst­be­stimmt denkend
und agie­rend. Von den Men­schen wird eher ein Mitschwimmen,
ein Mit­lau­fen, ein Kuschen ver­langt, als dass
das demo­kra­ti­sche Ide­al eines selbst­be­stimm­ten Individuums
ver­wirk­licht wäre, das sich Gedan­ken macht, hinterfragt,
kri­tisch agiert, sich enga­giert und immer wie­der die­se Freiheit
für sich sel­ber und sei­ne Zeit erkämpft, ver­tei­digt und erweitert.
Zumal Wider­stand ja auch anstren­gend ist und von
einem selbst aus­ge­hen muss. In unse­rer Gesell­schaft herrscht
ja das Prin­zip der Fremd­ver­sor­gung. Dis­sens wird aber nicht
bereit­ge­stellt. Das muss man sich selbst erarbeiten.
Die meis­ten Leu­te haben das Gefühl, irgend­wie wäre
ihnen eine vage for­mu­lier­te Frei­heit gewähr­leis­tet. Manche
set­zen die­se Zuver­sicht mit unse­rem Grund­ge­setz und den
dar­in ver­brief­ten Bür­ger­rech­ten in Bezie­hung. Aber vie­le erliegen
dem Irr­tum, die­se Frei­heit sei so sta­bil wie die Mauern
ihres Hau­ses. Das ist ein gro­ßes Miss­ver­ständ­nis. Ich
glau­be nicht, dass die­ses Sys­tem tat­säch­lich ein Interesse
dar­an hat, den von mir erwünsch­ten frei­en und freiheitlich
den­ken­den kri­ti­schen Men­schen zu erzeu­gen. Im Gegenteil,
wenn man sich anschaut, was in den letz­ten zehn Jahren
pas­siert ist, Stich­wort Bil­dungs­re­form, geht es ja genau
in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung: Frei­räu­me ver­en­gen und
noch mehr zuspit­zen auf ganz bestimm­te, meist wirtschaftlich
rele­van­te Tätigkeiten.“
„Das klingt ja wenig opti­mis­tisch. Wo sehen Sie
denn Chan­cen, die­ses Ver­hal­ten auf­zu­bre­chen, die
Men­schen dahin zu bewe­gen, die rich­ti­gen Fragen
zu stel­len und qua­si eine Sys­tem­ver­än­de­rung in Ihrem
Sin­ne herbeizuführen?“
„Es ist ein Miss­ver­ständ­nis zu glau­ben, dass die genaue
Ana­ly­se der herr­schen­den Ver­hält­nis­se eine
pes­si­mis­ti­sche Hal­tung zum Aus­druck bringt. Im
Gegen­teil, genau das gibt uns Ermu­ti­gung. Wir können
kei­nen Mut fas­sen und wir kön­nen eine ande­re, bessere
Welt über­haupt nicht ima­gi­nie­ren, geschwei­ge denn ihr entgegengehen,
wenn wir nicht ein kla­res Ver­ständ­nis davon haben,
was uns im Moment ein­engt, was uns bin­det, uns in unseren
Mög­lich­kei­ten begrenzt, genau­so wie ein Verständnis
der Feh­ler­haf­tig­kei­ten, der inne­ren Wider­sprü­che, der Risse
die­ses Sys­tems abso­lut uner­läss­lich ist, um eine sinn­vol­le alternative
Arbeit zu machen. Das Alter­na­ti­ve beinhal­tet ja semantisch,
dass man sich abgrenzt vom Exis­tie­ren­den, und
um das sinn­voll zu tun, muss man ja die Feh­ler des Existierenden
erst mal begrei­fen, um dann einen bes­se­ren Weg einzugehen.
Mei­ne Hoff­nung grün­det auf zwei Sach­ver­hal­te: Zum einen die
Geschich­te der Frei­heit. Es ist fas­zi­nie­rend zu sehen, dass Menschen
immer wie­der gegen alle mög­li­chen Wider­stän­de in verschiedener
Wei­se auf­be­geh­ren. Wir haben das in den letzten
Jah­ren inter­na­tio­nal erlebt, Stich­wort Bra­si­li­en, ara­bi­sche Welt,
Län­der, in denen nie­mand, selbst die Spe­zia­lis­ten, das erwartet
hat­ten; Zum ande­ren mein Zweck­op­ti­mis­mus. Mit dem
enor­men Pri­vi­leg eines Schrift­stel­lers, sehr viel Zeit zu haben,
beschäf­ti­ge ich mich seit 20 Jah­ren mit die­ser Ent­wick­lung. Die
kata­stro­pha­len Fol­gen des glo­ba­li­sier­ten Kapi­ta­lis­mus sind
nicht Ent­wick­lun­gen, die man ach­sel­zu­ckend wie medikamentöse
Neben­wir­kun­gen hin­neh­men kann. Die gegen­wär­ti­ge Entwicklung
stellt das Wesen von Huma­ni­tät an sich in Frage.“

Ausgebrannt – Ralf Oettmeier 0

Ausgebrannt – Ralf Oettmeier

Fak­ten, tat­säch­li­che Hin­ter­grün­de, Bewäl­ti­gungs- und Ver­mei­dungs­stra­te­gi­en zum Burnoutproblem.
BURNOUT ist in aller Mun­de. Kaum ein
Tag ver­geht, an dem nicht neue Nachrichten
über den Aus­stieg von prominenten
Sport­lern, Trai­nern, Poli­ti­kern, Managern
aus der Leistungsgesellschaft
erschei­nen. Der Zustand tota­ler Überforderung
und Erschöp­fung ist dabei nach
Kri­te­ri­en der Uni­ver­si­täts­me­di­zin noch
nicht ein­mal eine Dia­gno­se, son­dern nur
eine Stö­rung. Die­se zer­stört aber viele
Exis­ten­zen, stürzt Fami­li­en ins Unglück,
för­dert Fir­men­plei­ten und ist schließlich
einer der Haupt­ur­sa­chen für Selbstmord.
Kaum einer der Leser wird nicht in seinem
Umfeld jeman­den ken­nen, welcher
von der offen­bar moder­nen Volksseuche
betrof­fen ist. Und betrach­tet man unsere
finanz­po­li­ti­sche Situa­ti­on national,
euro­pä­isch wie glo­bal, so las­sen sich
hier erstaun­li­che Par­al­le­len zum Burnoutproblem
der Men­schen aufzeigen,
wel­che durch Auf­stau von Problemen
und einem Unver­mö­gen von des­sen Lösung
gekenn­zeich­net sind. Als Arzt habe
ich mich zunächst den menschlich-medizinischen
Hin­ter­grün­den gestellt. Bei
der tief­grün­di­gen Ursachenforschung
kommt man jedoch nicht an finanzökonomischen
Zusam­men­hän­gen vorbei.
Vor­be­mer­kun­gen und Definition
Defi­ni­ti­ons­ge­mäß beschreibt Burnout
einen Zustand anhal­ten­der Überforderung
(Stress) mit Erschöp­fung, Leistungsabfall,
inne­rer Distan­zie­rung und
psy­cho­so­ma­ti­schen Beschwer­den. Es
han­delt sich dabei im eigent­li­chen Sinne
nicht um eine aner­kann­te Krankheit,
son­dern eine Lebens­si­tua­ti­on ganz persönlicher
Art. In den Industriestaaten
nimmt die­se Pro­ble­ma­tik ste­tig zu. Insbesondere
in Leistungsberufen
mit
einem Höchstmaß
an Verantwortung,
wie bei Ärz­ten, Führungskräften,
Verkaufsmanagement
und Poli­ti­kern geht
man von einer Quote
von 30–40 % der
über 40-jährigen
aus. Auch bei Lehrern,
Anwäl­ten und
in Pflegeberufen
wird eine hohe Rate
beob­ach­tet. Nach
aktu­el­len Schät­zun­gen sol­len gegenwärtig
etwa 4 Mil­lio­nen Deut­sche Zeichen
die­ses Über­las­tungs- und Schwächezustandes
haben. Nach Angaben
der Kran­ken­kas­sen stel­len die Burnouttypischen
Sym­pto­me, wie Depression,
psy­chi­sche Stö­run­gen, psychosomatische
Erkran­kungs­zei­chen und Anpassungsstörungen
inzwi­schen die häufigste
Krank­schrei­bungs­ur­sa­che (AOK:
22,5 Tage/Jahr) dar. Der entstehende
volks­wirt­schaft­li­che Scha­den durch
Arbeits­aus­fall, ver­min­der­te Leistungsfähigkeit
und Total­aus­fall geht jährlich
in die Milliarden.

Zeit für etwas Neues – Pat Christ 0

Zeit für etwas Neues – Pat Christ

Zum Jah­res­en­de ver­lässt Vor­stands­frau Syl­ke Schrö­der die EthikBank -
Ver­gli­chen mit der Deut­schen Bank,
die eine Bilanz­sum­me von 2,2 Billionen
Euro aus­wei­sen kann, ist die
Ethik­Bank klein: Hier liegt die Bilanzsumme
bei unter 300 Mil­lio­nen Euro.
Doch inner­halb des alter­na­ti­ven Bankensektors
hat sich die Ethik­Bank einen
Namen gemacht. „Wir kom­men in
der Wahr­neh­mung der Men­schen heute
direkt hin­ter der GLS-Bank“, sagt
Syl­ke Schrö­der. Die Mitbegründerin
der Ethik­Bank gehör­te bis­her dem
Vor­stand an. Zum Jah­res­en­de will sie
die Bank verlassen.
Was nicht an einer sich womöglich
geän­der­ten Unternehmensphilosophie
und auch
nicht an Clinch mit Kol­le­gen liegt. Sylke
Schrö­der steht heu­te noch genauso
wie bei der Grün­dung vor zwölf Jahren
zu „ihrer“ Bank. 2002 wur­de sie von
ihr und Klaus Euler als Zweigniederlassung
der Volks­bank Eisen­berg eG
gegründet.
Die Kon­struk­ti­on bie­tet bis heu­te eine
beson­de­re Siche­rung der Kundengelder:
Zum gesetz­li­chen Einlagenschutz
kommt der Schutz durch die Sicherungseinrichtung
des Bundesverbandes
der Volks­ban­ken und Raiffeisenbanken.
Beson­ders bei der EthikBank
ist aber auch, dass es seit 2005 eigene
Mikro­Kon­ten für Insolvenzschuldner
gibt. Seit 2009 ver­gibt die EthikBank
eige­ne ÖkoBaukredite.
Ban­ken haben einen schlech­ten Ruf,
weil immer wie­der auf­kommt, wie sie
trick­sen. Sie nut­zen jedes Schlupfloch
im Steu­er­sys­tem aus, locken Anleger
in hoch­ris­kan­te Unternehmensbeteiligungen
und ver­schwei­gen versteckte
Kos­ten. Sich in die­sem Haifischbecken
zu behaup­ten, ist eine gewal­ti­ge Herausforderung.
Syl­ke Schrö­der hat diese
Her­aus­for­de­rung mit ihren Kollegen
gemeis­tert. Dar­um hängt sie an „ihrer“
Bank. „Doch ich bin auch noch jung
genug, um etwas Neu­es anzufangen“,
meint die 48-Jäh­ri­ge. Erleich­tert wurde
ihre Ent­schei­dung, zu gehen, dadurch,
dass sie die Bank bei Klaus Euler und
Tho­mas Zahn in guten Hän­den weiß.
Aus­zeit auf dem Jakobsweg
Außer­dem ver­lässt sie die EthikBank
in einer pro­spe­rie­ren­den Pha­se. Auch
das macht den Aus­stieg ein­fa­cher. Wie
es nach ihrem Abschied weitergehen
wird, steht noch nicht fest: „Ich werde
mir erst ein­mal für drei Mona­te eine Auszeit
neh­men.“ In die­ser Zeit möch­te Sylke
Schrö­der den Jakobs­weg ent­lang von
Frank­reich bis San­tia­go de Compostela
wan­dern. Und sich dabei überlegen,
was sie in Zukunft tun möch­te. „Es gibt
unter­schied­li­che Optio­nen, die ich derzeit
son­die­re“, sagt sie. Gern wür­de sie
etwas Krea­ti­ves machen: „Ich habe da
schon lan­ge eine Geschäfts­idee, die es
so noch nicht gibt. Die wür­de ich gerne
ausprobieren.“

Ei Wei 0

Die Oligarchen kommen – Günther Moewes

2004 habe ich in mei­nem Buch „Geld oder Leben“ zwei­er­lei dar­zu­stel­len ver­sucht: Wie und war­um ein Finanz­crash unaus­weich­lich war und wei­ter ist. Und war­um der Spät­ka­pi­ta­lis­mus ebenso
unaus­weich­lich in eine Plu­to­kra­tie, eine Olig­ar­chen­herr­schaft mün­den muss, und die­se wie­der­um in die Mafia. Damals wur­de das als Schwarz­ma­le­rei und „Kul­tur­pes­si­mis­mus“ belächelt
oder igno­riert. Inzwi­schen hat die Rea­li­tät mei­ne Vor­aus­sa­gen weit über­holt. Inzwi­schen besit­zen die welt­weit 85 reichs­ten Olig­ar­chen so viel wie die hal­be Mensch­heit und 1 % der Menschheit
(70 Mio.) besitzt die Hälf­te des Welt­ver­mö­gens. Soge­nann­te „OECD-Exper­ten“ glau­ben zwar, in Deutsch­land sei­en die Ver­hält­nis­se güns­ti­ger, weil die ein­kom­mens­stärks­ten 10 % der Bevölkerung
nur 6,7 mal so viel ver­die­nen wie die ein­kom­mens­schwächs­ten 10 % (OECD-Durch­schnitt 9,5 mal so viel).

Aber das ist aus zwei Grün­den falsch: Ers­tens wird die Ungleich­ver­tei­lung nicht von den Ein­kom­men bestimmt, son­dern von den Ver­mö­gen. Und zwei­tens spielt sich die Ungleichverteilung
nicht zwi­schen den obe­ren und unte­ren 10 Pro­zent ab, son­dern zwi­schen den obers­ten 1 Pro­mil­le der Olig­ar­chen und den übri­gen 99,9 % der Bevöl­ke­rung. Die Ver­mö­gen die­ser 1 Promille
haben sich seit etwa 1980 real ver­dop­pelt. Und der US-Ver­tei­lungs­for­scher Paul Krug­man schätzt, dass in den USA bereits ein Drit­tel der 50 größ­ten Ver­mö­gen nicht erar­bei­tet, sondern
ererbt wur­de und das zwei­te Drit­tel in den nächs­ten 20 Jah­ren ver­erbt wer­den wird.[New York Times, 4. 4. 2014] Aus­führ­lich wur­de die welt­wei­te Ungleich­ver­tei­lung von mir in der Aus­ga­be 2–2014 der „Huma­nen Wirtschaft“
dar­ge­stellt. Am glei­chen Tag, als die­se Aus­ga­be erschien, wur­de auch die neu­es­te Ver­mö­gens­un­ter­su­chung des DIW ver­öf­fent­licht. Sie zeigt, dass mei­ne Zah­len über Armut und Reich­tum noch
zu nied­rig gegrif­fen waren. Inzwi­schen beschrän­ken sich die Olig­ar­chen nicht mehr dar­auf, im Gehei­men auf den Finanz­märk­ten zu ope­rie­ren und ihre meist leis­tungs­los erwirtschafteten
pri­va­ten Mil­li­ar­den dis­kret zu genie­ßen. Sie beschrän­ken sich auch nicht mehr dar­auf, ihre Direk­ti­ven in Davos, auf der Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz, über Troi­kas, Stif­tun­gen und Thinktanks unmissverständlich
an die Poli­tik wei­ter­zu­ge­ben. Oder in Cara­cas, Bang­kok Kai­ro, Tunis oder Kiew die angeb­li­chen Mit­tel­schicht­re­vol­ten gegen gewähl­te Regie­run­gen anzu­zet­teln. Mehr und
mehr stei­gen die Olig­ar­chen, wie in den USA, Ita­li­en, Öster­reich oder jetzt in der Ukrai­ne und der Slo­wa­kei ganz per­sön­lich in die Poli­tik ein. In Sau­di-Ara­bi­en, den Emi­ra­ten und Bru­nei war
das ja schon immer so. Die West-Olig­ar­chen und ihre Haus­me­di­en ver­su­chen auch, die Ost-Olig­ar­chen (oder, wie DER SPIEGEL schrieb: „die rus­si­sche Finanz­eli­te“) gegen den „unbe­que­men Putin“
auf­zu­wie­geln, offen­sicht­lich koor­di­niert, wie das plötz­li­che, zeit­glei­che Auf­tau­chen neu­er Begriffs­bil­dun­gen zeigt („Russ­land­ver­ste­her“, „Put­in­ver­ste­her“). West­li­che Medi­en beschränken
den Begriff „Olig­ar­chen“ auch gern auf Ost­mil­li­ar­dä­re. Nach­dem die­se in der Ukrai­ne unge­wählt als „kom­mis­sa­ri­sche“ Pro­vinz­fürs­ten ein­ge­setzt wur­den, mach­te ihnen der deut­sche Außen­mi­nis­ter flugs sei­ne Aufwartung.

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Wären Sie gerne reich, wenn Sie tot sind? – Editorial

Der welt­wei­te Wirt­schafts­leis­tungs­mo­tor läuft heiß und hei­ßer. Das Ziel lau­tet Wohl­stand. Dafür scheint „Reich­tum“ unent­behr­lich zu sein. Die­sem Ziel brin­gen wir Opfer.
Die Umwelt zum Bei­spiel. Oder die per­sön­li­che Gesund­heit. Wir bren­nen uns aus, denn das Bestre­ben steht über allem: Wohl­stand. Reich­sein. Dabei sind wir längst so reich wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.
Gleich­zei­tig müs­sen wir uns aber mit zuneh­men­den Armuts­pro­ble­men befas­sen. Mau­ern mit Sta­chel­draht umge­ben die Paläs­te der Mil­li­ar­dä­re. In gepan­zer­ten Fahr­zeu­gen wer­den ihre Kin­der, in Städ­ten wie São
Pau­lo, vor­bei an den Blech­hüt­ten der Slums zur Schu­le gefah­ren. Auch in den wirt­schaft­lich leis­tungs­fä­higs­ten Län­dern der Erde pral­len unbe­greif­li­che Gegen­sät­ze aufeinander.
Dabei erkennt man immer das iden­ti­sche Mus­ter: prot­zi­ger Luxus und bekla­gens­wer­te Bedürf­tig­keit zur sel­ben Zeit am glei­chen Ort. Reich­tum ist auf tra­gi­sche Wei­se ungleich ver­teilt. War­um ist das so?
Ray­mond Firth schrieb 1959 in sei­nen Stu­di­en zur Öko­no­mie der neu­see­län­di­schen Mao­ri: „In den Wäl­dern von Neu­see­land wie in den Savan­nen im Sudan, über­all ist eines Rea­li­tät: Fami­li­en, die Hun­ger erlei­den müssen
oder denen es an Lebens­not­wen­di­gem fehlt, sind in einem Dorf unmög­lich, in dem es Fami­li­en gibt, die üppig ver­sorgt sind.“ Da drängt sich die Fra­ge auf: Mit wel­chem Recht bezeich­nen wir Natur­völ­ker als „pri­mi­tiv“?
„Reich­tum und Armut gehö­ren nicht in einen geord­ne­ten Staat“ erkann­te der 1930 ver­stor­be­ne Refor­mer Sil­vio Gesell im Lau­fe von Stu­di­en, die in sein Haupt­werk „Die Natür­li­che Wirt­schafts­ord­nung“ mündeten.
Der Fran­zo­se Tho­mas Piket­ty ist 42 Jah­re alt und gegen­wär­tig Wirt­schafts­pro­fes­sor an der „Paris School of Eco­no­mics“. Die­ser Tage ist die eng­li­sche Über­set­zung sei­nes Buches „Capi­tal in the 21st cen­tu­ry“ (Kapi­tal im 21.
Jahr­hun­dert) erschie­nen. Der Wirt­schafts­no­bel­preis­trä­ger Paul Krug­man aus den USA bezeich­net das Werk als eines, das die Art wie wir über Gesell­schaft und Wirt­schaft den­ken, grund­le­gend ver­än­dern werde.
Piket­ty unter­such­te die Wirt­schafts­wachs­tums­pro­zes­se über einen lan­gen Zeit­raum und glich die Ergeb­nis­se mit der Ent­wick­lung der Ver­tei­lung der Geld­ver­mö­gen ab. Dabei stell­te er fest, dass die Geld­ver­mö­gen stets schneller
wuch­sen, als die Wirt­schafts­leis­tung. Bis zum Vor­abend des 1. Welt­kriegs war dem­nach das Kapi­tal in Euro­pa auf das 6- bis 7-fache der gesam­ten Wirt­schafts­leis­tung eines Jah­res ange­wach­sen. Eine Situa­ti­on, die mit der heutigen
ver­gleich­bar ist. Die wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis, die sich dar­aus ablei­tet, lau­tet: Wach­sen­de Geld­ver­mö­gen gehen grund­sätz­lich ein­her mit zuneh­men­der Ungleich­ver­tei­lung. Die Auto­ren der HUMANEN WIRTSCHAFT, allen vor­an Helmut
Creutz und der in der vor­lie­gen­den Aus­ga­be schrei­ben­de Gün­ther Moewes, bestä­ti­gen in mitt­ler­wei­le Jahr­zehn­te anhal­ten­der Arbeit Piket­tys jet­zi­ge For­schungs­er­geb­nis­se. Der zu erwar­ten­de Erfolg des Wirtschaftswissenschaftlers
aus Paris wäre auch einer der akri­bisch im Hin­ter­grund for­schen­den „frei­en Geis­ter“, die sich – teil­wei­se ein Leben lang – für die grund­le­gen­de Erneue­rung des Geld­sys­tems und des Boden­rechts ein­set­zen. Schließ­lich kamen
sie zu glei­chen Ergeb­nis­sen, nur ohne die Unter­stüt­zung eines Wis­sen­schafts­be­triebs. Tho­mas Piket­ty scheint der rich­ti­ge Mann zum pas­sen­den Zeit­punkt zu sein. Das „Han­dels­blatt“ traut ihm
zu, er wer­de „Epo­che machen“ und der eng­li­sche „Guar­di­an“ meint, er ver­sen­ke „rigo­ros alles, was Kapi­ta­lis­ten über die Ethik des Geld­ma­chens den­ken“. Er kann es dem­nach schaf­fen, auf höchs­ter Ebe­ne Bewe­gung in die
ver­mut­lich zen­trals­te Auf­ga­be der Neu­zeit zu brin­gen: die Erfor­schung des Geld­sys­tems und des­sen Fol­gen. Kön­nen wir eine Kata­stro­phe, wie sie sich vor 100 Jah­ren schon ein­mal anbahn­te noch abwenden?
Wenn die Raten des Geld­ver­mö­gens­wachs­tums dau­er­haft über jenen des Wirt­schafts­wachs­tums lie­gen „neigt die Ver­gan­gen­heit dazu, die Zukunft zu ver­schlin­gen“, kon­sta­tiert Piket­ty. Das Schick­sal unse­rer Gesellschaft
ist geprägt von der Domi­nanz ererb­ten Geld­ver­mö­gens. Wer tot ist, den hat die Ver­gäng­lich­keit des Lebens ein­ge­holt. Die Ansprü­che der Geld­ver­mö­gen von Toten wach­sen gene­ra­tio­nen­über­grei­fend wei­ter. Tho­mas Piketty
emp­fiehlt eine welt­weit orga­ni­sier­te Ver­mö­gens­steu­er gegen die Reich­tums­kon­zen­tra­ti­on. Das dürf­te ein hin­rei­chen­des Instru­ment für den erfor­der­li­chen schnel­len Ein­griff dar­stel­len. Löst man damit das ursäch­li­che Problem
auf Dau­er? Wenn Geld­ver­mö­gen (Kapi­tal) sich infol­ge Zins und Zin­ses­zins von selbst ver­meh­ren und wach­sen­de Ansprü­che an zukünf­ti­ge Leis­tun­gen von Men­schen stel­len, dann kann das Abschöp­fen infol­ge leis­tungs­lo­ser Einkommen
ent­stan­de­nen Kapi­tals nur der ers­te Schritt sein. War­um soll­ten wir dabei ste­hen blei­ben und nur ver­su­chen, die Ergeb­nis­se eines unge­rech­ten und feh­ler­haf­ten Sys­tems wie­der zu ver­tei­len, anstatt nicht direkt der­lei Erträge
durch Sys­tem­än­de­run­gen zu ver­hin­dern? Vie­le freie Geis­ter und Ver­fech­ter einer huma­nen Wirt­schaft befas­sen sich mit den Ursa­chen der Ungleich­ver­tei­lung. Sie erar­bei­ten dabei auch Lösungsvorschläge.
Alles deu­tet dar­auf hin, dass die Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten nach­zie­hen können.

Herz­lich grüßt Ihr Andre­as Bangemann

Der KannWas kann was! – Redaktion 0

Der KannWas kann was! – Redaktion

Das Kann­Was-Jubi­lä­um – 31. Mai bis 01. Juni 2014 in Kiel
10 Jah­re Regio­nal­wäh­rung für Schleswig-Holstein
Sie­ben enga­gier­te Men­schen, die sich für ein gerech­tes Geld­sys­tem ein­set­zen, grün­de­ten 2004 auf Initia­ti­ve von Dr. Frank Schep­ke, den Verein
Regio­nal­geld Schles­wig-Hol­stein e. V. und began­nen das Regio­nal­geld Kann­Was her­aus­zu­ge­ben. Anläss­lich des 10-jäh­ri­gen Jubi­lä­ums hat der Verein
ein inter­es­san­tes und abwechs­lungs­rei­ches Tagungs­pro­gramm erar­bei­tet und nam­haf­te Refe­ren­ten für die­se Ver­an­stal­tung gewin­nen können.
Die Referenten:
Prof. Dr. Wolf­gang Ber­ger, Karls­ru­he. Lei­ter der Busi­ness Reframing GmbH,Institut für Orga­ni­sa­ti­on und Manage­ment, mit dem
er „Flow“ in Unter­neh­men ver­an­kert. „Wer etwas ver­än­dern will, hat alle gegen sich, die sich in den alten Zustän­den bequem
ein­ge­rich­tet haben.“
Dr. Eli­sa­beth Mey­er-Rensch­hau­sen, Ber­lin, ist frei­schaf­fen­de Auto­rin und Pri­vat­do­zen­tin am Insti­tut für Sozio­lo­gie der Freien
Uni­ver­si­tät Berlin.
Dr. Regu­la Mül­ler, Kiel, gibt Gebrauchs­an­wei­sung zur Her­stel­lung von Ter­ra pre­ta her­aus und infor­miert über Grundprinzipien
einer öko­lo­gi­schen Kreislaufwirtschaft.
Andre­as Ban­ge­mann, Wup­per­tal, ist ver­ant­wort­li­cher Redak­teur der Zeit­schrift „HUMANE WIRTSCHAFT“.
Mat­thi­as Stühr­woldt, Stol­pe, ist Bau­er und Schrift­stel­ler zugleich.
Jona­than Ries, Wup­per­tal, ist gelern­ter Sport­wis­sen­schaft­ler mit dem Schwer­punkt Bewegungstheater.
Bern­hard Scha­ef­fer, Ber­lin, Phy­si­ker, der sich mit der Ent­wick­lung von Misch­dampf-Kraft­wer­ken beschäftigt.
Prof. Dr. Wolf­gang Dep­pert, Ham­burg, pen­sio­nier­ter Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie und pro­mo­vier­ter Phy­si­ker. Grün­dungs­rek­tor des
Sokra­tes-Uni­ver­si­täts­ver­eins e. V.
Vol­ker Vie­hoff, Jür­gen Ceyno­wa und Bernd Petrosch­ka, Lübeck, Sie sind bei uns mit „Rhythm & Lyrics“.
Dr. Frank Schep­ke, Löptin, Bio-Bau­er im Unru­he­stand, Begrün­der des Regio­nal­gel­des Kann­Was für Schleswig-Holstein.
Seit 2004 im Vor­stand des Ver­eins Regio­nal­geld Schles­wig-Hol­stein e.V.
Anmel­dung, Tickets und wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://www.kannwas.org

Alter Taler im neuen Gewand – Lukas Walter 0

Alter Taler im neuen Gewand – Lukas Walter

Der FREITALER aus Frei­burg im Breisgau

Regio­nal­wäh­run­gen sind ein alter Hut,
könn­te man mei­nen. Dass dem nicht
so ist, zei­gen eta­blier­te Dauerbrenner,
aber auch Regio­gel­der, die sich
neu erfin­den. Die Gemeinschaftswährung
FREITALER exis­tiert seit 2008.
Damals ori­en­tier­ten sich die Macher,
wie vie­le aus der Sze­ne, an den Lehren
von Sil­vio Gesell. So konn­te sich
schnell ein klei­ner, aber engagierter
Freun­des­kreis bil­den. Im Jah­re 2012
wur­de dann die Umstel­lung beschlossen.
Weg vom Regio­geld hin zur Spendenplattform.
Als regio­na­les Zahlungsmittel
und Spen­den­platt­form hat der
FREITALER nun etwa 130 Unternehmen
ange­schlos­sen. Diese
Ent­wick­lung, ein langsames
aber ste­ti­ges Wachs­tum, dauert
nach wie vor an.

Das Beson­de­re:
Kei­ne Klebemarken
Eine tief grei­fen­de und bis heu­te diskutierte
Ver­än­de­rung, war die Abschaffung
des Umlauf­im­pul­ses in Form von Klebemarken.
Die­ser Impuls, wie er bei vielen
Regio­gel­dern, wie bei­spiels­wei­se dem
„Chiem­gau­er“ ver­wen­det wird, kann
für einen schnel­le­ren Umlauf des Geldes
sor­gen. Die „Umlauf­ge­bühr“ muss
durch den Kauf einer Kle­be­mar­ke bezahlt
wer­den, die dann auf den Schein aufgebracht
wird. Dadurch ist jeder angehalten
das Geld schnell wei­ter zu geben, um keine
Kle­be­mar­ken kau­fen zu müssen.
In Frei­burg brauch­te es oft viel Überzeugungsarbeit
die Unter­neh­men und
Ver­brau­cher fürs Kle­ben zu begeistern.
Dies und der erhöh­te Verwaltungsaufwand
waren die Haupt­grün­de, es 2012 erst ein­mal ohne Umlauf­ge­bühr zu versuchen.
Dafür trat die Projektförderung
in den Vordergrund.
Die Pro­jekt­för­de­rung im Fokus
Wie bei vie­len Regio­nal­wäh­run­gen werden
auch Spen­den für gemeinnützige
Ver­ei­ne in der Regi­on generiert.
Die För­de­rung fließt, sobald beim Eintausch
von Euro in FREITALER ein Projekt
ange­ge­ben wird. Mitt­ler­wei­le können
über 20 ver­schie­de­ne Pro­jek­te gefördert
wer­den. Im Mit­tel­punkt ste­hen relativ
klei­nen Initia­ti­ven, bei denen schon geringe
Beträ­ge eine gro­ße Wir­kung hervorrufen.
Das neu­es­te Pro­jekt ist die Studenteninitiative
Weit­blick Frei­burg e. V.
Sie konn­ten kürz­lich ihre ers­te Förderung
von 74 FREITALER abho­len. Unterstützer
des Pro­jekts tausch­ten ins­ge­samt 3700 €
in FREITALER ein, 2 % davon gin­gen sofort
an Weit­blick Frei­burg e. V. „Wir waren
freu­dig über­rascht, dass wir als neues
Pro­jekt mit die­ser För­de­rung einsteigen,“
so das Vor­stands­mit­glied Eva Kimmig.
Das Beson­de­re dabei ist, dass die Projekte
kei­ne gemein­nüt­zig eingetragenen
Ver­ei­ne sein müs­sen. Ob ein Pro­jekt förderungswürdig
ist oder nicht, entscheiden
die Bür­ger vor Ort, indem sie beim
Ein­tausch ein Pro­jekt wäh­len. So können
vie­le ver­schie­de­ne Initia­ti­ven und Neugründungen
eine grö­ße­re Bekanntheit
errei­chen und Spen­den gene­rie­ren. Im
ers­ten Jahr mit Pro­jekt­för­de­rung wurden
etwa 100.000 € eingetauscht.
„Die FREITALER wer­den wir bei einer lokalen
Dru­cke­rei wie­der aus­ge­ben“, so Eva
Kim­mig wei­ter „Zuvor haben wir bei einer
Online­dru­cke­rei dru­cken las­sen“. Der
gemein­nüt­zi­ge Ver­ein ver­kauft jedes Jahr
Frei­burg­ka­len­der, die in loka­len Schreibwarengeschäften
erhält­lich sind. Vom
Erlös wer­den ein Frei­bur­ger Flüchtlingswohnheim
und ein Schul­pro­jekt in Kenia
unter­stützt. „Glo­bal den­ken und lokal
han­deln, das ist auch unser Mot­to“, sagt
Kim­mig. Durch den FREITALER, der sich
als Ver­mitt­ler zwi­schen Unternehmen
und Pro­jek­ten ver­steht, kann die Spende
als Start­ka­pi­tal ein­ge­setzt wer­den, um
wei­te­re Unter­stüt­zer, wie die Druckerei,
zu gewin­nen. Da die Spen­de in FREITALER
aus­ge­zahlt wird, fließt sie wie­der in
die regio­na­le Wirt­schaft zurück.

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Sommertagung der HUMANEN WIRTSCHAFT – Freiburg 2014 – Redaktion

Sams­tag, den 21. Juni 2014 in Frei­burg im Breisgau
Ver­an­stal­tungs­ort: His­to­ri­sches Kauf­haus Frei­burg – Kamin­saal Müns­ter­platz 24 79098 Freiburg
Ein­lass: 9:00 Uhr
Pro­gramm von 10:00 bis 18:00 Uhr

Gesprä­che über Geld im Kauf­haus – Kann es einen bes­se­ren Ort dafür geben?
In unmit­tel­ba­rer Nähe zum Frei­bur­ger Müns­ter liegt das schö­ne, his­to­ri­sche Gebäu­de, in dem die Som­mer­ta­gung 2014 stattfindet.
In der son­nen­reichs­ten Regi­on Deutsch­lands den längs­ten Tag des Jah­res erleben!

Erle­ben Sie die HUMANE WIRTSCHAFT leibhaftig:
Som­mer­ta­gung am 21. Juni 2014 in Frei­burg im Breisgau.
Ein kurz­wei­li­ger Tag unter ande­rem mit Vor­trä­gen von Prof. Dr. Dirk Löhr
und Andre­as Ban­ge­mann bringt die Arbeit und die Men­schen hin­ter der
Zeit­schrift näher.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und Anmel­dun­gen in unse­rer Geschäfts­stel­le bei Frau
Eri­ka Schmied:
Luit­pold­str. 10,
91413 Neu­stadt a.d. Aisch
Tel. (09161) 87 28 672 (vor­mit­tags),
Fax (09161) 87 28 673
E-Mail: service@humane-wirtschaft.de
Die Anmel­dung über ein Anmel­de­for­mu­lar mit allen wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen ist
auch im Inter­net mög­lich: http://goo.gl/njHaFb

Leserbriefe 03/2014 0

Leserbriefe 03/2014

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Mit Ter­min­hin­weis zum Kon­gress – Bur­nout und Resi­li­enz – Bewusst­seins­kom­pe­tenz für Wirt­schaft und Gesellschaft
22. bis 25. Mai 2014, Bad Kis­sin­gen, Regen­ten­bau und Hei­li­gen­feld Kli­ni­ken. sie­he auch www.kongress-heiligenfeld.de