Kategorie: Ausgabe 03 – 2014

12 Stunden Goldener Schlaf – Claudia Pflug 0

12 Stunden Goldener Schlaf – Claudia Pflug

Lie­ber Herr Ban­ge­mann, wir hat­ten Ende letz­ten Jah­res mit­ein­an­der tele­fo­niert, da ich Ihnen mei­ne neue Anschrift mit­ge­teilt hat­te. Außer­dem war mein klei­nes Baby unter­wegs. Tere­sa Marie Mild­red ist inzwi­schen schon über drei Mona­te alt. Im Hin­blick auf die Zie­le Ihrer Zeit­schrift – die Kri­tik des Kapi­ta­lis­mus, oder bes­ser, die Über­win­dung…

Die „Schöne aus Marienhöhe“ darf nicht sterben – Pat Christ 0

Die „Schöne aus Marienhöhe“ darf nicht sterben – Pat Christ

Saat­gut­ak­ti­vis­ten kämp­fen gegen die geplan­te Novel­lie­rung einer EU-Ver­­or­d­­nung – Radies­chen, Mohn und Zitro­nen­ba­si­li­kum, Obsi­di­an, Slim Jim und Wil­de Rau­ke: Dut­zen­de Rari­tä­ten und bewähr­te Haus­gar­ten­sor­ten gab es im Febru­ar beim Saa­t­gut-Fes­­ti­val im unter­frän­ki­schen Ipho­fen zu bestau­nen und zu erwer­ben. Star­gast der Ver­an­stal­tung, die meh­re­re hun­dert Besu­cher von teil­wei­se weit­her anzog, war…

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Schon wieder – Laura Gottesdiener

Die Prei­se für Eigen­hei­me stei­gen! Die Bau­kon­junk­tur springt wie­der an! Die Kri­se ist über­wun­den! Seit eini­ger Zeit beju­beln die Medi­en in den USA die wun­der­sa­me Wie­der­auf­er­ste­hung der Immo­bi­li­en­märk­te. Was sich hin­ter dem gan­zen Tam­tam ver­birgt, erfährt man nicht. In der Bran­che brei­tet sich seit knapp zwei Jah­ren eine kom­plett neue…

Der Strudel in die Sucht – Karl-Dieter Bodack 0

Der Strudel in die Sucht – Karl-Dieter Bodack

• Steu­ern wer­den als „Last“ bezeich­net, als „Belas­tung“ emp­fun­den, von der man sich „befrei­en“ soll­te;
• „Steu­er­erspar­nis“ wird hoch geschätzt, erhält gesell­schaft­li­chen Wert, es grün­den sich Unter­neh­men, die Steuer„ersparnis“ als Dienst­leis­tung anbie­ten und dafür gute Hono­ra­re ver­lan­gen;
• In Gesprä­chen lobt sich jeder, der es geschafft hat, Steu­ern zu „spa­ren“, ande­re erkun­di­gen sich, es ent­steht eine Art neu­er Volks­sport des „Steu­er­spa­rens“, mit einem gesell­schaft­li­chen
Wert wie er sei­ner­zeit dem Spar­buch­s­pa­ren zukam;
• Von den Poli­ti­kern wird gefor­dert, dass sie alles Wün­schens­wer­te schaf­fen, Thea­ter, Schu­len und Kin­der­gär­ten, Hil­fe für Fami­li­en, die Volks­hoch­schu­le, Umge­hungs­stra­ßen, Bür­ger­parks, Kin­der­spiel­plät­ze, mehr Bus­ver­bin­dun­gen schnel­le­re Zug­ver­bin­dun­gen;
• Poli­ti­ker wer­den geschätzt, die das schaf­fen, Steu­ern zu sen­ken und gleich­zei­tig mög­lichst alle Wün­sche erfül­len;
• Die Fol­ge­kos­ten wer­den igno­riert: Was der Spiel­platz monat­lich in der Pfle­ge, das Thea­ter­en­sem­ble pro Zuschau­er, der Park pro Spa­zier­gang kos­tet, ist tabu, nie­mand spricht dar­über,
kei­ner will es wis­sen;
• Bür­ger spa­ren als Vor­sor­ge für schlech­te­re Zei­ten oder fürs Alter, brin­gen Geld­be­trä­ge zu Ban­ken, ver­lan­gen mög­lichst hohe Zin­sen dafür;
• Die Kom­mu­nen, Län­der und der Bund brau­chen viel mehr Geld als sie ein­neh­men, lei­hen es von den Ban­ken, rich­ti­ger von den Bür­gern mit dem Ver­spre­chen („Bun­des­schät­ze“), es zurück­zu­zah­len;
• Berühmt wird ein Poli­ti­ker nicht mit einem Park für ein paar Mil­lio­nen, son­dern erst mit einem „Frei­zeit­park, der ein paar hun­dert Mil­lio­nen kos­tet;
• Anfäng­li­che Mil­lio­nen-Anlei­hen wer­den zu Mil­li­ar­den-Anlei­hen;
• Poli­ti­ker wer­den gefei­ert, wenn Sie als „Über­vä­ter“ wis­sen, was den Bür­gern gut­tut und wenn sie das auch gegen Wider­stän­de all derer, die man­gels Ein­sicht dage­gen sind, durch­drü­cken;
• Die Zin­sen für die Kre­di­te bean­spru­chen mehr und mehr Antei­le aus den Steu­er­gel­dern;
• Die Kre­dit­sum­men stei­gen, weil mehr und mehr Steu­er­gel­der von Zins­zah­lun­gen absor­biert und gleich­zei­tig die Pro­jek­te immer grö­ßer wer­den;

Das transatlantische Freihandelsabkommen – Wolfgang Berger 0

Das transatlantische Freihandelsabkommen – Wolfgang Berger

Finan­zi­el­le Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen fah­ren die Ern­te ein -
»Le Mon­de diplo­ma­tique – die fran­zö­si­sche Zei­tung für aus­wär­ti­ge Bezie­hun­gen – bezeich­net das trans­at­lan­ti­sche Fei­han­dels­ab­kom­men TAFTA (Trans­at­lan­tic Free Tra­de and Invest­ment Agree­ment) als „Staats­streich in Zeit­lu­pe“. In gehei­men Ver­hand­lun­gen wird es von den mäch­tigs­ten Kon­zer­nen der Welt, die von 600 Indus­trie­ver­bän­den ver­tre­ten wer­den, vor­be­rei­tet. Geset­ze benach­tei­li­gen immer die­je­ni­gen, die bei ihrer Ver­fas­sung nicht dabei sind. Dabei wird der Mensch „wie ein Kon­sum­gut betrach­tet, das man gebrau­chen und dann weg­wer­fen kann“, schreibt Papst Fran­zis­kus im Evan­ge­lii Gau­di­um und fügt hin­zu: „Die­se Wirt­schaft tötet“. Sie tötet die Wür­de, die Frei­heit und den Sinn des Lebens der meis­ten Men­schen. Viel­leicht hat Beni­to Mus­so­li­ni den Begriff Faschis­mus pas­send defi­niert: „Die Fusi­on zwi­schen Groß­kon­zer­nen und Staa­ten“. Wie ist die­ser Ver­nich­tungs­feld­zug geplant wor­den? Wie wird er durch­ge­führt? Das Kil­ler-Spiel „Live and let die“ (Lebe und lass ande­re ster­ben) Ban­ken ver­ge­ben Kre­di­te gegen Sicher­hei­ten. Jeder Fir­men­chef und jeder Haus­ei­gen­tü­mer weiß das. Bei der Kre­dit­prü­fung wird meist ein Fünf­tel Eigen­ka­pi­tal ver­langt. Für die Ban­ken selbst gilt die­se Regel nicht. Gro­ße Ban­ken arbei­ten mit 95 Pro­zent Fremd­ka­pi­tal und hebeln so den Ertrag auf ihr eige­nes Kapi­tal. Eine Mil­li­on Gewinn blei­ben eine Mil­li­on, wenn das Geschäft mit Eigen­ka­pi­tal finan­ziert wird. Bei fünf Pro­zent Eigen­ka­pi­tal erhöht sich der auf das Eigen­ka­pi­tal bezo­ge­ne Gewinn dann fast um das zwan­zig­fa­che. Damit recht­fer­ti­gen die Ban­ken die Mil­lio­nen­ga­gen Ihrer Top­ma­na­ger, die die­se Gewin­ne „erwirt­schaf­ten“ – oder sol­len wir bes­ser „ergau­nern“ sagen? Die Ver­su­chung ist groß, dabei Risi­ken ein­zu­ge­hen, die die Bank selbst nicht auf­fan­gen kann. Gilt die Bank als sys­tem­re­le­vant weil sie „too big to fail“ (zu groß zum Schei­tern) ist, wer­den ihre Ver­lus­te auf die Steu­er­zah­ler abge­wälzt. So sind die Staats­schul­den explo­diert und gan­ze Län­der in den Bank­rott getrie­ben wor­den. In der Kri­se waren die Staa­ten dann „too week to act“ (zu schwach zum Han­deln). Der ers­ten Test­läu­fe für die­ses Spiel sind vor zehn Jah­ren vor­be­rei­tet wor­den: Nied­ri­ge Hypo­the­ken­zin­sen und die Erwar­tung stei­gen­der Immo­bi­li­en­prei­se haben auch Sub­prime-Kre­dit­neh­mer (das sind sol­che mit schlech­ter Boni­tät) in den USA zu Haus­ei­gen­tü­mern gemacht. Die­se Kre­di­te wur­den zu „Deri­va­ten“ (abge­lei­te­ten Wert­pa­pie­ren) gebün­delt und mit kurz­fris­ti­gen Rück­kauf­ver­ein­ba­run­gen („Repos“: Sale and Repurcha­se Agree­ments) wei­ter­ver­kauft. Hank Paul­son – von 1999 bis 2006 CEO (Vor­stands­vor­sit­zen­der) der Invest­ment­bank Gold­man Sachs – hat die US-Ban­ken Bear Sterns und Leh­man Bro­thers in Deri­vat­ge­schäf­te in Mil­li­ar­den­hö­he ein­ge­bun­den. 2006 ist Paul­son US-Finanz­mi­nis­ter gewor­den. Danach haben neue Geset­ze „Deri­va­te“ in „safe havens“ (siche­re Häfen) ver­wan­delt. Das bedeu­tet: Eine Bank, die Wert­pa­pie­re über Deri­va­te besitzt, kann sie beim Kon­kurs der Schuld­ner­bank behal­ten. 2008 konn­ten Bear Sterns und Leh­man Bro­thers ihre Ver­pflich­tun­gen zum Rück­kauf der „Deri­va­te“ gegen­über Gold­man Sachs und dem bri­ti­schen Finanz­un­ter­neh­men Bar­clays nicht erfül­len; sie bra­chen zusam­men. Die bei­den sieg­rei­chen Ban­ken hat­ten zwei Kon­kur­ren­tin­nen „gefres­sen“. Durch EU-Direk­ti­ven haben die Besit­zer von Deri­va­ten auch in Euro­pa bevor­zug­ten Gläu­bi­ger­sta­tus. Wäh­rend es im regu­lä­ren Insol­venz­recht eine Bevor­zu­gung von Gläu­bi­gern nicht gibt, ist sie bei Deri­va­ten jetzt die Norm. Deri­va­te in Ver­bin­dung mit Repo- Geschäf­ten schöp­fen Geld ohne Sicher­hei­ten. Die eine Bank nimmt, die ande­re gibt – und das im Kreis­lauf ad infi­ni­tum. Die­ses Kil­ler-Spiel wird in den USA „Live and let die“ (Lebe und lass ande­re ster­ben) genannt.

Der Bürger und sein Staat – Gerhardus Lang 0

Der Bürger und sein Staat – Gerhardus Lang

Gedan­ken zur „Besteue­rung“ – Jeder Selbst­stän­di­ge beschäf­tigt für
teu­res Geld einen „Steu­er­be­ra­ter“.
Was berät denn der? Doch nur, wie
man zu viel Steu­ern ver­mei­det. „Steu­er­ver­mei­dung“
ist der Sinn sei­nes Daseins,
sonst nichts. Jeder macht das
so und befin­det sich damit im gesetz­li­chen
Rah­men. Im Übri­gen ist das
Steu­er­recht noch im Sta­di­um wie zu
Zei­ten von Chris­ti Geburt, des­sen Eltern
zum Zwe­cke der Steu­er­schät­zung
nach Beth­le­hem rei­sen muss­ten, um
der Obrig­keit, der wir „unter­tan sind
und die Gewalt über uns hat“, den
geschul­de­ten Obo­lus zu ent­rich­ten.
(Jeder­mann sei unter­tan der Obrig­keit, die
Gewalt über ihn hat. Denn es ist kei­ne Obrig­keit
ohne von Gott; wo aber Obrig­keit ist,
die ist von Gott ver­ord­net, Römer 13,1)
Heu­te ist die Obrig­keit von den
Par­tei­en aus­ge­wählt immer noch
eine Obrig­keit, die Gewalt über
uns hat und die beschließt, was wir ihr
schul­den. Die­se als Finanz­be­hör­de fun­gie­ren­de
Ein­rich­tung ist ein Staat im
Staa­te, die in die­ser Form schon Jahr­hun­der­te
besteht. Sie hat schon zu Zei­ten
der deut­schen Klein­staa­ten exis­tiert,
hat sich mit dem ers­ten deut­schen
Reich gefes­tigt, hat den ers­ten und den
zwei­ten Welt­krieg ohne Abstri­che über­stan­den,
hat dem Kai­ser­reich das Heer
und die Flot­te finan­ziert, hat die Wei­ma­rer
Repu­blik mit Infla­ti­on und Defla­ti­on
über­stan­den. Dann hat sie unge­bro­chen
dem Dik­ta­tor Hit­ler sei­ne Groß­machts­plä­ne
finan­ziert und durf­te danach die
Staats­plei­te „abwi­ckeln“.
Neh­men und Geben
Wir, das Volk, von dem alle Staats­ge­walt
aus­ge­hen soll­te, müs­sen näm­lich
lang­sam anfan­gen, tat­säch­lich sel­ber
zu beschlie­ßen, was wir für die Zwe­cke
des Staa­tes aus­ge­ben wol­len. Aber das
wird uns ver­wei­gert, weil wir so etwas
angeb­lich nicht beur­tei­len könn­ten.
Gera­de auf dem Gebiet des Steu­er­rechts
wis­sen die Mäch­ti­gen genau,
wie sie vor­ge­hen müs­sen, denn die
Kuh, die man melkt, soll vom Gemol­ken-
Wer­den mög­lichst nichts mer­ken,
es soll dis­kret zuge­hen (Grund­satz der
Unmerk­lich­keit der Besteue­rung). Es
ist die­ses das Prin­zip der Spitz­bu­ben,
dass die Leu­te, die bestoh­len wer­den,
es nicht immer gleich mer­ken, damit
näm­lich der Dieb mög­lichst uner­kannt
bleibt. Man hat es dem Gott der Die­be
– Mer­kur – abge­lauscht: man soll
mög­lichst über­haupt nichts mer­ken.
Das haben auch die Kauf­leu­te und –
last, but not least – die Ärz­te (deren
Gott auch Mer­kur ist!) an sich, unmerk­lich
das weg­zu­schaf­fen, was zu viel ist,
dort­hin, wo es fehlt, wobei sich die drei
Beru­fe im real exis­tie­ren­den Leben gele­gent­lich
schlecht von­ein­an­der unter­schei­den
las­sen, weil sie manch­mal im
Ein­zel­nen als Gemenge­la­ge auf­tre­ten.
Inwie­weit nun Poli­ti­ker – ins­be­son­de­re
Steu­er­po­li­ti­ker – einer der drei genann­ten
Kate­go­ri­en ange­hö­ren, ist so
leicht nicht aus­zu­ma­chen. Sie müs­sen
auch einer­seits weg­neh­men, damit sie
woan­ders hin­zu­fü­gen kön­nen. Sie kön­nen
dabei ärzt­lich han­deln, wenn sie
beab­sich­ti­gen, den kran­ken Zustand
in einen gesun­den zu ver­wan­deln und
wenn die ergrif­fe­nen Maß­nah­men auch
zu die­sem heh­ren Ziel füh­ren. Vor­ge­ben
tun es die Poli­ti­ker meist laut­hals, dass
genau die­ses und nichts ande­res ihre
Absicht sei. Rech­net man es dann aller­dings
vor – oder auch nach –, so lan­det
zum Schluss das Weg­ge­nom­me­ne häu­fig
dort, wo sowie­so schon zu viel ist,
und wird genau denen letzt­lich weg­ge­nom­men,
denen es gut getan hät­te.
Dabei sind die Wege der zu ver­tei­len­den
Beu­te oft so ver­schlun­gen, dass
die Spu­ren in die Irre füh­ren, was auch
der Gott Mer­kur bald nach sei­ner Geburt
meis­ter­lich beherrsch­te, indem er
die sei­nem Bru­der Apol­lo gestoh­le­nen
Rin­der rück­wärts in sein Ver­steck führ­te,
damit es so aus­sä­he, als wären sie in
ent­ge­gen gesetz­ter Rich­tung gelau­fen
Ja, die Fra­ge ist berech­tigt: lässt sich
das Ruder „her­um­wer­fen“, oder auch:
lässt sich das oder die Steu­er her­um­wer­fen?
Wenn die See stür­misch ist,
ist das nicht so ein­fach, und manch
ein Schiff ist geken­tert, weil das Steu­er
zu schnell oder auch zu spät her­um­ge­wor­fen
wur­de. Des­halb ist es sicher
gut, wenn nicht zu schnell her­um­ge­wor­fen
wird, wobei dann vor allem der
neue Kurs stim­men muss: es wird zwar
dau­ernd der Kurs gewech­selt, aber wo
es letzt­lich hin­ge­hen soll, wel­ches Ziel
erreicht wer­den muss, dar­über macht
sich kaum einer Gedan­ken. Haupt­sa­che
das Schiff fährt mal wie­der in einer
ande­ren Rich­tung, egal wohin die Pas­sa­gie­re
eigent­lich wol­len.
Im Mit­tel­punkt aller steu­er­recht­li­chen
Über­le­gun­gen steht heu­te der Mensch
nur im Hin­blick auf den Wider­stand,
den er der „lega­len“ Ent­eig­nung ent­ge­gen­brin­gen
wird, aber nicht, wozu das
Gan­ze eigent­lich die­nen soll. Die zen­tra­le
Fra­ge: „Was ist der Mensch?“ wird
aus­ge­klam­mert. Die ein­zi­ge Ant­wort
dar­auf lau­tet heu­te: Der Mensch ist ein
(böser) Ego­ist, und des­halb muss man
ihn zum Wohl­tun füh­ren, z. B. durch
Erhe­ben von Steu­ern für das Gemein­wohl,
da die­ses nicht ego­is­tisch, son­dern
altru­is­tisch (gut) sei. So wird der
Mensch auch gegen sei­nen Wil­len anschei­nend
von einem bösen zu einem
(jeden­falls teil­wei­se) guten Men­schen
gemacht, was vom Gesichts­win­kel der
Ewig­keit her ihm wie­der­um nützt (jeden­falls
im höhe­ren Sinn). Wozu sich
also noch Gedan­ken machen!

Fehlt den Menschen das Bewusstwerden? – Richard Steinhauser 0

Fehlt den Menschen das Bewusstwerden? – Richard Steinhauser

Gedan­ken zu Charles Eisen­stein: „Die schö­ne­re Welt, von deren Mög­lich­keit unse­re Her­zen schon wis­sen“ -
Der Visi­on einer
schö­ne­ren Welt von
Charles Eisen­stein
stim­me ich voll­auf zu –
sie ist mög­lich!
Muss man sich aber nicht zuvor
fra­gen: War­um ist die
heu­ti­ge Welt nicht so schön?
Alles hat eine Ursa­che.
Was muss mir bewusst wer­den? Ich
lebe. Ich bin einer von sie­ben Mil­li­ar­den
Men­schen. Ich bin ein his­to­ri­sches,
sozia­les und per­so­na­les
Wesen. Ich tra­ge Ver­ant­wor­tung gegen­über
der Geschich­te, der Gesell­schaft
und mir selbst. Der reli­giö­se
Mensch sieht sich als tran­szen­den­ta­les
Wesen in der Ver­ant­wor­tung vor
Gott. Dar­aus fol­ge­re ich mei­ne Lebens­auf­ga­be:
Ich habe mein Leben auf der
Erde so zu gestal­ten, dass noch wei­te­re
Gene­ra­tio­nen auf ihr Leben kön­nen.
Ist mir das bewusst?
Als geschicht­li­ches Wesen schlum­mern
in mir Gene­ra­tio­nen. Als sozia­lem
Wesen erfah­re ich, dass ich nur
durch das Du zum Ich wer­de. Eltern
haben mich gezeugt. Ich war hilf­los
und voll­kom­men auf sie ange­wie­sen.
Als Erwach­se­ner habe ich Bedürf­nis­se,
die nur durch eine gro­ße Gesell­schaft
erfüllt wer­den kön­nen. Als per­so­na­lem
Wesen ste­he ich vor allem in
der Ver­ant­wor­tung für mei­ne Gesund­heit.
Nur als gesun­der Mensch kann
ich der Geschich­te, der Gesell­schaft
und mir selbst am bes­ten die­nen. Und
als tran­szen­den­ta­les Wesen? Als den­ken­der
Mensch ver­su­che ich mei­nem
Leben einen Sinn zu geben. Ist mir das
bewusst?
Ich bin hin­ein­ge­bo­ren in die eine
Welt, in ein Volk, in eine Reli­gi­on
(Kon­fes­si­on), in eine Gemein­de,
in eine Fami­lie. Ich lebe in einem
Staat, der Geset­ze erlässt und dadurch
weit­ge­hend mein Leben bestimmt.
Ich benö­ti­ge täg­lich Geld.
Das Geld­we­sen wird von der Ideo­lo­gie
des Kapi­ta­lis­mus bestimmt. Der
Staat befin­det über Krieg und Frie­den.
Dies wird von der Ideo­lo­gie des
Mili­ta­ris­mus bestimmt. So leben wir
heu­te in der Welt des real und glo­bal
exis­tie­ren­den Mili­ta­ris­mus. Der
Mili­ta­ris­mus ist ein Gewalt­sys­tem
und der Kapi­ta­lis­mus ein Schma­rot­zer­sys­tem.
Die gan­ze Welt steckt im
Teu­fels­kreis der Gewalt und Unge­rech­tig­keit.
Die­se Ideo­lo­gi­en sind
die Ver­ur­sa­cher unse­res welt­wei­ten
Dilem­mas. Ist mir das bewusst?
Um leben zu kön­nen, braucht der
Mensch kei­nen ande­ren Men­schen zu
töten, nicht ein­mal ein Tier. Was tut
der Mensch? Er führt Krie­ge. Es gibt
kei­ne Recht­fer­ti­gung für den Mili­ta­ris­mus.
Um leben zu kön­nen, braucht
der Mensch kein Mil­lio­när zu sein.
Was tut der Mensch? Er erfin­det ein
Geld­sys­tem, in dem man Mul­ti­mil­lio­när,
ja sogar Mul­ti­mil­li­ar­där wer­den
kann. Es gibt kei­ne Recht­fer­ti­gung für
den Kapi­ta­lis­mus. Mili­ta­ris­mus und
Kapi­ta­lis­mus sind Lebens­lü­gen. Sie
sind das insti­tu­tio­na­li­sier­te Böse in
der Welt. Ist mir das bewusst?
„Die Pro­ble­me, die es in die­ser Welt
gibt, kön­nen nicht mit den glei­chen
Denk­wei­sen gelöst wer­den, die sie
erzeugt haben.“ (Albert Ein­stein). Zu
wel­cher Denk­wei­se müs­sen wir gelan­gen?
Zur Gewalt (der Krieg ist die
schlimms­te) gibt es nur eine Alter­na­ti­ve,
die Gewalt­frei­heit. Mit der Gewalt
kann kein Kom­pro­miss geschlos­sen
wer­den. Die Gewalt­frei­heit ist
eine fun­da­men­ta­le Wahr­heit. Erst in
ihr sind wir unse­rer Men­schen­wür­de
wür­dig. Die Gewalt­frei­heit ist die Vor­aus­set­zung
für all unser Den­ken und
Tun. Nur so kön­nen wir unse­re Pro­ble­me
und Kon­flik­te, die es in jedem Zusam­men­le­ben
gibt, gewalt­frei durch
den Dia­log lösen. Erst dann ver­hal­ten
wir uns wie ver­nunft­be­gab­te Wesen,
sind wir Men­schen.
Wie mili­tä­ri­sches Den­ken hat auch
kapi­ta­lis­ti­sches Den­ken eine lan­ge
Geschich­te. Wie ein Trau­ma las­ten
Mili­ta­ris­mus und Kapi­ta­lis­mus auf
der Mensch­heit.

Die Teufelei geht weiter! – Kommentar von Wilhelm Schmülling 0

Die Teufelei geht weiter! – Kommentar von Wilhelm Schmülling

Mit wel­cher Arro­ganz zele­brier­ten bis­her
pri­va­te Ban­ken eine Aura der Serio­si­tät
– bis hin zur Innen­ein­rich­tung
(Inte­ri­eur genannt) und bis hin zum Nadel­strei­fen­an­zug
der Ange­stell­ten. All
das soll­te die eige­ne Geschäfts­tüch­tig­keit
unter­strei­chen und die Wert­schät­zung
gegen­über Kun­den, die man groß­zü­gig
am Erfolg des Hau­ses teil­neh­men
las­sen woll­te, Boni­tät vor­aus­ge­setzt.
Eini­ge Pri­vat­ban­ken sor­tier­ten gleich
bei der Geschäfts­an­bah­nung die „Min­der­be­mit­tel­ten“
unter einem sie­ben­stel­li­gen
Ver­mö­gen aus. Denen war offen­sicht­lich
nicht zu hel­fen, den gnä­dig
auf­ge­nom­me­nen Kun­den der Upper­class
schon, auch zum Vor­teil der Bank.
Die­ses anma­ßen­de Ver­hal­ten,
Image-Pfle­ge genannt, setz­te
sich mehr oder weni­ger bei allen
Ban­ken durch – mit Aus­nah­me bei Spar­kas­sen
und Genos­sen­schafts­ban­ken.
Und so ver­brei­te­te sich unter den Kun­den
ein nahe­zu gren­zen­lo­ses Ver­trau­en.
Seit der Finanz­kri­se von 2008 zer­brö­sel­te
die­ses Bild. Das Geld der Anle­ger wan­der­te
in zuneh­men­dem Maße – auch
bedingt durch das schwie­ri­ger wer­den­de
Kre­dit­ge­schäft mit der Real­wirt­schaft
– an den inter­na­tio­na­len Finanz­markt.
Mit der Ver­brie­fung von Hypo­the­ken
wur­den zuerst Haus­be­sit­zer in bit­te­re
Not gestürzt, dann gan­ze Län­der. Das
Geschäfts­ge­ba­ren bewuss­ter Über­vor­tei­lung
von Kre­dit­neh­mern wur­de ruch­bar.
Ein­mal demas­kiert, ver­spra­chen die
Ban­ken Bes­se­rung. Und alle Welt glaub­te
ihnen. Denn eine solch offen­sicht­lich
schäd­li­che Geschäfts­idee kön­ne kei­nen
Bestand haben. Weit gefehlt, es muss ja
nicht die glei­che Masche sein.
Wer am 1. 4. 2014 auf ARTE um 23.20
Uhr die Doku­men­ta­ti­on „Die Geschich­te
der fran­zö­si­schen Ban­ken. Eine Tra­gi­ko­mö­die“
ange­se­hen hat, ist erschüt­tert
über die Rigo­ro­si­tät der Bank­grün­der
und dem Ziel, Pro­fit­ma­xi­mie­rung des
ange­leg­ten Kapi­tals nahe­zu risi­ko­los
zu errei­chen. Die Kapi­tal­kon­zen­tra­ti­on
bei den Ban­ken ermög­lich­te eine Reich­tums­stei­ge­rung
neben dem Groß­grund­be­sitz
nun beim Geld­adel. Es war die
Grün­dung des moder­nen Kapi­ta­lis­mus
bis hin zum Raub­tier­ka­pi­ta­lis­mus. Alles
bei ARTE gut recher­chiert. Wer sucht,
der fin­det. Aller­dings zu nacht­schla­fen­der
Zeit. Wer Print­me­di­en bevor­zugt,
fin­det umfang­rei­che Berich­te in alter­na­ti­ven
Zeit­schrif­ten, wie der HUMANEN
WIRTSCHAFT. Auch die hier vor­lie­gen­de
Aus­ga­be ist dafür ein Beleg.
Jeder Bei­trag wäre eines umfang­rei­chen
Kom­men­tars wür­dig. Wenn ich nun das
„Neue Geschäfts­mo­dell mit US-Immo­bi­li­en“
von Lau­ra Got­tes­die­ner her­aus­grei­fe,
dann des­halb, weil dar­in exem­pla­risch
„schon wie­der“ das kalt­blü­ti­ge
Geschäfts­ge­ba­ren – dies­mal mit Mie­tern
– beschrie­ben wird. Aus den Desas­tern
des Ban­ken-Crash von 2008
haben jeden­falls die Hedge­fonds nichts
gelernt. Schon 2009 titel­te SPIEGEL
ONLINE „Hedge­fonds star­ten wie­der
durch“.
Was aber Lau­ra Got­tes­die­ner auf Sei­te
18 die­ser Aus­ga­be ent­hüllt, ist die Spit­ze
der Teu­fe­lei, näm­lich die Abzo­cke der
„Under­class“, vor­nehm­lich der schwar­zen
Bevöl­ke­rung. Sie wähn­te sich am
Ziel Ihrer Träu­me, eine dau­er­haf­te Blei­be
in einer Miet­woh­nung zu fin­den. Statt­des­sen
zer­ran­nen vie­le Träu­me. Ohne
die Stra­te­gie der Reich­tums­ver­meh­rung
der Ban­ken zu ken­nen, glaub­ten sie sich
dank der vor­ge­leg­ten Ver­trä­ge in Sicher­heit.
Bis sie die Tricks der Ban­ken und
ihrer Haus­ver­wal­tun­gen zu spü­ren beka­men.
Ergo: Statt Haus­be­sit­zer sind
nun Mie­ter das Ziel der Abzo­cker.
Die Teu­fe­lei­en gehen aber nicht nur mit
Häu­sern und Woh­nun­gen wei­ter. Sie
erfas­sen auch die Welt-Han­dels­be­zie­hun­gen.
Nur Weni­ge wis­sen um das geplan­te
Frei­han­dels- und Inves­ti­ti­ons­ab­kom­men
(TTIP) zwi­schen der EU und den
Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Nord­ame­ri­ka.
Kein Wun­der. Denn die Ver­hand­lun­gen
wur­den geheim geführt. Wohl­ge­merkt
sind die Ver­trags­part­ner ins­ge­samt
Demo­kra­ti­en. Wenn­gleich nach dem
öffent­li­chen Druck die Intrans­pa­renz
gelo­ckert wur­de, so blei­ben kon­kre­te
Ver­hand­lungs­tex­te unver­öf­fent­licht.
Was so begrü­ßens­wert als Frei­han­dels­zo­ne
geplant wur­de, ent­puppt sich als
ein Ver­such, eine Schutz­zo­ne vor­nehm­lich
für Kapi­tal­in­ves­to­ren und Kon­zer­ne
ein­zu­rich­ten. In die­sem Heft und schon
in Heft 01/2014 haben unse­re Auto­ren
die infa­men Machen­schaf­ten erläu­tert.
Was schlie­ßen wir dar­aus? Nur in einer
frei­heit­li­chen Ord­nung, nicht aber in einer
aus­schließ­lich auf Kapi­tal­er­trag fixier­ten
Wirt­schafts­ord­nung sind grund­le­gen­de
Refor­men mög­lich.

Die größere humanitäre Geste – Johannes Korten, Interview mit Ilija Trojanow 0

Die größere humanitäre Geste – Johannes Korten, Interview mit Ilija Trojanow

Johan­nes Kor­ten führ­te das Inter­view mit Ili­ja Tro­ja­now -
Ende Dezem­ber 2013 hat GLS Online-Redak­teur Johan­nes
Kor­ten in Stutt­gart den Schrift­stel­ler und Autor Ili­ja Tro­ja­now
getrof­fen. Im Gespräch ging es um die Daten­sam­mel­wut von
Staa­ten und Unter­neh­men, feh­len­des Bür­ger­en­ga­ge­ment,
inne­re Wider­sprü­che und die Arbeit als Schrift­stel­ler. Ili­ja
Tro­ja­now ist Kun­de und Mit­glied der GLS Bank.
»Mit Gewalt kann der Mensch neh­men,
aber nicht geben.« (Ili­ja Tro­ja­now)
„Das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung
und die Ver­hin­de­rung anlass­lo­ser Gene­ral­über­wa­chung
sind zen­tra­le The­men, für die Sie sich immer
wie­der und mit gro­ßem Enga­ge­ment ein­set­zen.
Was treibt Sie dabei ganz per­sön­lich an?“
„Die Fra­ge ist eher, wie­so spü­re ich die­sen Zugriff
und ande­re nicht? Die Moti­va­ti­on ist ja meis­tens
wirk­lich so ein Bauch­ge­fühl, so eine Uner­träg­lich­keit.
Stel­len Sie sich vor, jemand guckt Ihnen über
die Schul­ter und schaut, was Sie gera­de in Ihr Han­dy oder in
Ihren Com­pu­ter tip­pen. Da kann und wird wahr­schein­lich jeder
von uns mit Ableh­nung reagie­ren oder mit Abwehr. Wie
kann es aber sein, dass Men­schen es nicht als Über­griff, als
Repres­si­on, als Ver­ach­tung ihrer Wür­de emp­fin­den, dass
Staa­ten und Groß­kon­zer­ne sie in die­ser Art über­wa­chen, kon­trol­lie­ren
und ihre Daten nach Belie­ben ver­wen­den. Ich per­sön­lich
emp­fin­de das als nicht erträg­lich und kann mir auch
eine Gesell­schaft, die halb­wegs human ist und so etwas akzep­tiert,
nicht vor­stel­len.“
„Was glau­ben Sie, wor­in die­se Lethar­gie, die­se
Gleich­gül­tig­keit begrün­det ist? War­um bleibt die­ser
Auf­schrei, war­um bleibt die­se Wehr­haf­tig­keit in
wei­ten Tei­len der Gesell­schaft aus?“
„Ich glau­be, es gibt ein grund­le­gen­des Pro­blem.
Wir bil­den uns ein, wir sei­en demo­kra­tisch ver­fasst.
Dabei unter­liegt – so glau­be ich – unse­re Aus­bil­dung
und unse­re Kon­di­tio­nie­rung wei­ter­hin einer
uralten Logik, die alles ande­re als demo­kra­tisch ist, son­dern
hier­ar­chisch, eher gehor­sam fol­gend als selbst­be­stimmt den­kend
und agie­rend. Von den Men­schen wird eher ein Mit­schwim­men,
ein Mit­lau­fen, ein Kuschen ver­langt, als dass
das demo­kra­ti­sche Ide­al eines selbst­be­stimm­ten Indi­vi­du­ums
ver­wirk­licht wäre, das sich Gedan­ken macht, hin­ter­fragt,
kri­tisch agiert, sich enga­giert und immer wie­der die­se Frei­heit
für sich sel­ber und sei­ne Zeit erkämpft, ver­tei­digt und erwei­tert.
Zumal Wider­stand ja auch anstren­gend ist und von
einem selbst aus­ge­hen muss. In unse­rer Gesell­schaft herrscht
ja das Prin­zip der Fremd­ver­sor­gung. Dis­sens wird aber nicht
bereit­ge­stellt. Das muss man sich selbst erar­bei­ten.
Die meis­ten Leu­te haben das Gefühl, irgend­wie wäre
ihnen eine vage for­mu­lier­te Frei­heit gewähr­leis­tet. Man­che
set­zen die­se Zuver­sicht mit unse­rem Grund­ge­setz und den
dar­in ver­brief­ten Bür­ger­rech­ten in Bezie­hung. Aber vie­le erlie­gen
dem Irr­tum, die­se Frei­heit sei so sta­bil wie die Mau­ern
ihres Hau­ses. Das ist ein gro­ßes Miss­ver­ständ­nis. Ich
glau­be nicht, dass die­ses Sys­tem tat­säch­lich ein Inter­es­se
dar­an hat, den von mir erwünsch­ten frei­en und frei­heit­lich
den­ken­den kri­ti­schen Men­schen zu erzeu­gen. Im Gegen­teil,
wenn man sich anschaut, was in den letz­ten zehn Jah­ren
pas­siert ist, Stich­wort Bil­dungs­re­form, geht es ja genau
in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung: Frei­räu­me ver­en­gen und
noch mehr zuspit­zen auf ganz bestimm­te, meist wirt­schaft­lich
rele­van­te Tätig­kei­ten.“
„Das klingt ja wenig opti­mis­tisch. Wo sehen Sie
denn Chan­cen, die­ses Ver­hal­ten auf­zu­bre­chen, die
Men­schen dahin zu bewe­gen, die rich­ti­gen Fra­gen
zu stel­len und qua­si eine Sys­tem­ver­än­de­rung in Ihrem
Sin­ne her­bei­zu­füh­ren?“
„Es ist ein Miss­ver­ständ­nis zu glau­ben, dass die genaue
Ana­ly­se der herr­schen­den Ver­hält­nis­se eine
pes­si­mis­ti­sche Hal­tung zum Aus­druck bringt. Im
Gegen­teil, genau das gibt uns Ermu­ti­gung. Wir kön­nen
kei­nen Mut fas­sen und wir kön­nen eine ande­re, bes­se­re
Welt über­haupt nicht ima­gi­nie­ren, geschwei­ge denn ihr ent­ge­gen­ge­hen,
wenn wir nicht ein kla­res Ver­ständ­nis davon haben,
was uns im Moment ein­engt, was uns bin­det, uns in unse­ren
Mög­lich­kei­ten begrenzt, genau­so wie ein Ver­ständ­nis
der Feh­ler­haf­tig­kei­ten, der inne­ren Wider­sprü­che, der Ris­se
die­ses Sys­tems abso­lut uner­läss­lich ist, um eine sinn­vol­le alter­na­ti­ve
Arbeit zu machen. Das Alter­na­ti­ve beinhal­tet ja seman­tisch,
dass man sich abgrenzt vom Exis­tie­ren­den, und
um das sinn­voll zu tun, muss man ja die Feh­ler des Exis­tie­ren­den
erst mal begrei­fen, um dann einen bes­se­ren Weg ein­zu­ge­hen.
Mei­ne Hoff­nung grün­det auf zwei Sach­ver­hal­te: Zum einen die
Geschich­te der Frei­heit. Es ist fas­zi­nie­rend zu sehen, dass Men­schen
immer wie­der gegen alle mög­li­chen Wider­stän­de in ver­schie­de­ner
Wei­se auf­be­geh­ren. Wir haben das in den letz­ten
Jah­ren inter­na­tio­nal erlebt, Stich­wort Bra­si­li­en, ara­bi­sche Welt,
Län­der, in denen nie­mand, selbst die Spe­zia­lis­ten, das erwar­tet
hat­ten; Zum ande­ren mein Zweck­op­ti­mis­mus. Mit dem
enor­men Pri­vi­leg eines Schrift­stel­lers, sehr viel Zeit zu haben,
beschäf­ti­ge ich mich seit 20 Jah­ren mit die­ser Ent­wick­lung. Die
kata­stro­pha­len Fol­gen des glo­ba­li­sier­ten Kapi­ta­lis­mus sind
nicht Ent­wick­lun­gen, die man ach­sel­zu­ckend wie medi­ka­men­tö­se
Neben­wir­kun­gen hin­neh­men kann. Die gegen­wär­ti­ge Ent­wick­lung
stellt das Wesen von Huma­ni­tät an sich in Fra­ge.“

Ausgebrannt – Ralf Oettmeier 0

Ausgebrannt – Ralf Oettmeier

Fak­ten, tat­säch­li­che Hin­ter­grün­de, Bewäl­ti­gungs- und Ver­mei­dungs­stra­te­gi­en zum Bur­n­out­pro­blem.
BURNOUT ist in aller Mun­de. Kaum ein
Tag ver­geht, an dem nicht neue Nach­rich­ten
über den Aus­stieg von pro­mi­nen­ten
Sport­lern, Trai­nern, Poli­ti­kern, Mana­gern
aus der Leis­tungs­ge­sell­schaft
erschei­nen. Der Zustand tota­ler Über­for­de­rung
und Erschöp­fung ist dabei nach
Kri­te­ri­en der Uni­ver­si­täts­me­di­zin noch
nicht ein­mal eine Dia­gno­se, son­dern nur
eine Stö­rung. Die­se zer­stört aber vie­le
Exis­ten­zen, stürzt Fami­li­en ins Unglück,
för­dert Fir­men­plei­ten und ist schließ­lich
einer der Haupt­ur­sa­chen für Selbst­mord.
Kaum einer der Leser wird nicht in sei­nem
Umfeld jeman­den ken­nen, wel­cher
von der offen­bar moder­nen Volks­seu­che
betrof­fen ist. Und betrach­tet man unse­re
finanz­po­li­ti­sche Situa­ti­on natio­nal,
euro­pä­isch wie glo­bal, so las­sen sich
hier erstaun­li­che Par­al­le­len zum Bur­n­out­pro­blem
der Men­schen auf­zei­gen,
wel­che durch Auf­stau von Pro­ble­men
und einem Unver­mö­gen von des­sen Lösung
gekenn­zeich­net sind. Als Arzt habe
ich mich zunächst den mensch­lich-medi­zi­ni­schen
Hin­ter­grün­den gestellt. Bei
der tief­grün­di­gen Ursa­chen­for­schung
kommt man jedoch nicht an finanz­öko­no­mi­schen
Zusam­men­hän­gen vor­bei.
Vor­be­mer­kun­gen und Defi­ni­ti­on
Defi­ni­ti­ons­ge­mäß beschreibt Bur­nout
einen Zustand anhal­ten­der Über­for­de­rung
(Stress) mit Erschöp­fung, Leis­tungs­ab­fall,
inne­rer Distan­zie­rung und
psy­cho­so­ma­ti­schen Beschwer­den. Es
han­delt sich dabei im eigent­li­chen Sin­ne
nicht um eine aner­kann­te Krank­heit,
son­dern eine Lebens­si­tua­ti­on ganz per­sön­li­cher
Art. In den Indus­trie­staa­ten
nimmt die­se Pro­ble­ma­tik ste­tig zu. Ins­be­son­de­re
in Leis­tungs­be­ru­fen
mit
einem Höchst­maß
an Ver­ant­wor­tung,
wie bei Ärz­ten, Füh­rungs­kräf­ten,
Ver­kaufs­ma­nage­ment
und Poli­ti­kern geht
man von einer Quo­te
von 30–40 % der
über 40-jäh­ri­gen
aus. Auch bei Leh­rern,
Anwäl­ten und
in Pfle­ge­be­ru­fen
wird eine hohe Rate
beob­ach­tet. Nach
aktu­el­len Schät­zun­gen sol­len gegen­wär­tig
etwa 4 Mil­lio­nen Deut­sche Zei­chen
die­ses Über­las­tungs- und Schwä­che­zu­stan­des
haben. Nach Anga­ben
der Kran­ken­kas­sen stel­len die Bur­nout­ty­pi­schen
Sym­pto­me, wie Depres­si­on,
psy­chi­sche Stö­run­gen, psy­cho­so­ma­ti­sche
Erkran­kungs­zei­chen und Anpas­sungs­stö­run­gen
inzwi­schen die häu­figs­te
Krank­schrei­bungs­ur­sa­che (AOK:
22,5 Tage/Jahr) dar. Der ent­ste­hen­de
volks­wirt­schaft­li­che Scha­den durch
Arbeits­aus­fall, ver­min­der­te Leis­tungs­fä­hig­keit
und Total­aus­fall geht jähr­lich
in die Mil­li­ar­den.

Zeit für etwas Neues – Pat Christ 0

Zeit für etwas Neues – Pat Christ

Zum Jah­res­en­de ver­lässt Vor­stands­frau Syl­ke Schrö­der die Ethik­Bank -
Ver­gli­chen mit der Deut­schen Bank,
die eine Bilanz­sum­me von 2,2 Bil­lio­nen
Euro aus­wei­sen kann, ist die
Ethik­Bank klein: Hier liegt die Bilanz­sum­me
bei unter 300 Mil­lio­nen Euro.
Doch inner­halb des alter­na­ti­ven Ban­ken­sek­tors
hat sich die Ethik­Bank einen
Namen gemacht. „Wir kom­men in
der Wahr­neh­mung der Men­schen heu­te
direkt hin­ter der GLS-Bank“, sagt
Syl­ke Schrö­der. Die Mit­be­grün­de­rin
der Ethik­Bank gehör­te bis­her dem
Vor­stand an. Zum Jah­res­en­de will sie
die Bank ver­las­sen.
Was nicht an einer sich womög­lich
geän­der­ten Unter­neh­mens­phi­lo­so­phie
und auch
nicht an Clinch mit Kol­le­gen liegt. Syl­ke
Schrö­der steht heu­te noch genau­so
wie bei der Grün­dung vor zwölf Jah­ren
zu „ihrer“ Bank. 2002 wur­de sie von
ihr und Klaus Euler als Zweig­nie­der­las­sung
der Volks­bank Eisen­berg eG
gegrün­det.
Die Kon­struk­ti­on bie­tet bis heu­te eine
beson­de­re Siche­rung der Kun­den­gel­der:
Zum gesetz­li­chen Ein­la­gen­schutz
kommt der Schutz durch die Siche­rungs­ein­rich­tung
des Bun­des­ver­ban­des
der Volks­ban­ken und Raiff­ei­sen­ban­ken.
Beson­ders bei der Ethik­Bank
ist aber auch, dass es seit 2005 eige­ne
Mikro­Kon­ten für Insol­venz­schuld­ner
gibt. Seit 2009 ver­gibt die Ethik­Bank
eige­ne Öko­Bau­kre­di­te.
Ban­ken haben einen schlech­ten Ruf,
weil immer wie­der auf­kommt, wie sie
trick­sen. Sie nut­zen jedes Schlupf­loch
im Steu­er­sys­tem aus, locken Anle­ger
in hoch­ris­kan­te Unter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen
und ver­schwei­gen ver­steck­te
Kos­ten. Sich in die­sem Hai­fisch­be­cken
zu behaup­ten, ist eine gewal­ti­ge Her­aus­for­de­rung.
Syl­ke Schrö­der hat die­se
Her­aus­for­de­rung mit ihren Kol­le­gen
gemeis­tert. Dar­um hängt sie an „ihrer“
Bank. „Doch ich bin auch noch jung
genug, um etwas Neu­es anzu­fan­gen“,
meint die 48-Jäh­ri­ge. Erleich­tert wur­de
ihre Ent­schei­dung, zu gehen, dadurch,
dass sie die Bank bei Klaus Euler und
Tho­mas Zahn in guten Hän­den weiß.
Aus­zeit auf dem Jakobs­weg
Außer­dem ver­lässt sie die Ethik­Bank
in einer pro­spe­rie­ren­den Pha­se. Auch
das macht den Aus­stieg ein­fa­cher. Wie
es nach ihrem Abschied wei­ter­ge­hen
wird, steht noch nicht fest: „Ich wer­de
mir erst ein­mal für drei Mona­te eine Aus­zeit
neh­men.“ In die­ser Zeit möch­te Syl­ke
Schrö­der den Jakobs­weg ent­lang von
Frank­reich bis San­tia­go de Com­pos­te­la
wan­dern. Und sich dabei über­le­gen,
was sie in Zukunft tun möch­te. „Es gibt
unter­schied­li­che Optio­nen, die ich der­zeit
son­die­re“, sagt sie. Gern wür­de sie
etwas Krea­ti­ves machen: „Ich habe da
schon lan­ge eine Geschäfts­idee, die es
so noch nicht gibt. Die wür­de ich ger­ne
aus­pro­bie­ren.“

Ei Wei 0

Die Oligarchen kommen – Günther Moewes

2004 habe ich in mei­nem Buch „Geld oder Leben“ zwei­er­lei dar­zu­stel­len ver­sucht: Wie und war­um ein Finanz­crash unaus­weich­lich war und wei­ter ist. Und war­um der Spät­ka­pi­ta­lis­mus eben­so
unaus­weich­lich in eine Plu­to­kra­tie, eine Olig­ar­chen­herr­schaft mün­den muss, und die­se wie­der­um in die Mafia. Damals wur­de das als Schwarz­ma­le­rei und „Kul­tur­pes­si­mis­mus“ belä­chelt
oder igno­riert. Inzwi­schen hat die Rea­li­tät mei­ne Vor­aus­sa­gen weit über­holt. Inzwi­schen besit­zen die welt­weit 85 reichs­ten Olig­ar­chen so viel wie die hal­be Mensch­heit und 1 % der Mensch­heit
(70 Mio.) besitzt die Hälf­te des Welt­ver­mö­gens. Soge­nann­te „OECD-Exper­ten“ glau­ben zwar, in Deutsch­land sei­en die Ver­hält­nis­se güns­ti­ger, weil die ein­kom­mens­stärks­ten 10 % der Bevöl­ke­rung
nur 6,7 mal so viel ver­die­nen wie die ein­kom­mens­schwächs­ten 10 % (OECD-Durch­schnitt 9,5 mal so viel).

Aber das ist aus zwei Grün­den falsch: Ers­tens wird die Ungleich­ver­tei­lung nicht von den Ein­kom­men bestimmt, son­dern von den Ver­mö­gen. Und zwei­tens spielt sich die Ungleich­ver­tei­lung
nicht zwi­schen den obe­ren und unte­ren 10 Pro­zent ab, son­dern zwi­schen den obers­ten 1 Pro­mil­le der Olig­ar­chen und den übri­gen 99,9 % der Bevöl­ke­rung. Die Ver­mö­gen die­ser 1 Pro­mil­le
haben sich seit etwa 1980 real ver­dop­pelt. Und der US-Ver­tei­lungs­for­scher Paul Krug­man schätzt, dass in den USA bereits ein Drit­tel der 50 größ­ten Ver­mö­gen nicht erar­bei­tet, son­dern
ererbt wur­de und das zwei­te Drit­tel in den nächs­ten 20 Jah­ren ver­erbt wer­den wird.[New York Times, 4. 4. 2014] Aus­führ­lich wur­de die welt­wei­te Ungleich­ver­tei­lung von mir in der Aus­ga­be 2–2014 der „Huma­nen Wirt­schaft“
dar­ge­stellt. Am glei­chen Tag, als die­se Aus­ga­be erschien, wur­de auch die neu­es­te Ver­mö­gens­un­ter­su­chung des DIW ver­öf­fent­licht. Sie zeigt, dass mei­ne Zah­len über Armut und Reich­tum noch
zu nied­rig gegrif­fen waren. Inzwi­schen beschrän­ken sich die Olig­ar­chen nicht mehr dar­auf, im Gehei­men auf den Finanz­märk­ten zu ope­rie­ren und ihre meist leis­tungs­los erwirt­schaf­te­ten
pri­va­ten Mil­li­ar­den dis­kret zu genie­ßen. Sie beschrän­ken sich auch nicht mehr dar­auf, ihre Direk­ti­ven in Davos, auf der Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz, über Troi­kas, Stif­tun­gen und Thinktanks unmiss­ver­ständ­lich
an die Poli­tik wei­ter­zu­ge­ben. Oder in Cara­cas, Bang­kok Kai­ro, Tunis oder Kiew die angeb­li­chen Mit­tel­schicht­re­vol­ten gegen gewähl­te Regie­run­gen anzu­zet­teln. Mehr und
mehr stei­gen die Olig­ar­chen, wie in den USA, Ita­li­en, Öster­reich oder jetzt in der Ukrai­ne und der Slo­wa­kei ganz per­sön­lich in die Poli­tik ein. In Sau­di-Ara­bi­en, den Emi­ra­ten und Bru­nei war
das ja schon immer so. Die West-Olig­ar­chen und ihre Haus­me­di­en ver­su­chen auch, die Ost-Olig­ar­chen (oder, wie DER SPIEGEL schrieb: „die rus­si­sche Finanz­eli­te“) gegen den „unbe­que­men Putin“
auf­zu­wie­geln, offen­sicht­lich koor­di­niert, wie das plötz­li­che, zeit­glei­che Auf­tau­chen neu­er Begriffs­bil­dun­gen zeigt („Russ­land­ver­ste­her“, „Put­in­ver­ste­her“). West­li­che Medi­en beschrän­ken
den Begriff „Olig­ar­chen“ auch gern auf Ost­mil­li­ar­dä­re. Nach­dem die­se in der Ukrai­ne unge­wählt als „kom­mis­sa­ri­sche“ Pro­vinz­fürs­ten ein­ge­setzt wur­den, mach­te ihnen der deut­sche Außen­mi­nis­ter flugs sei­ne Auf­war­tung.

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Wären Sie gerne reich, wenn Sie tot sind? – Editorial

Der welt­wei­te Wirt­schafts­leis­tungs­mo­tor läuft heiß und hei­ßer. Das Ziel lau­tet Wohl­stand. Dafür scheint „Reich­tum“ unent­behr­lich zu sein. Die­sem Ziel brin­gen wir Opfer.
Die Umwelt zum Bei­spiel. Oder die per­sön­li­che Gesund­heit. Wir bren­nen uns aus, denn das Bestre­ben steht über allem: Wohl­stand. Reich­sein. Dabei sind wir längst so reich wie nie zuvor in der Mensch­heits­ge­schich­te.
Gleich­zei­tig müs­sen wir uns aber mit zuneh­men­den Armuts­pro­ble­men befas­sen. Mau­ern mit Sta­chel­draht umge­ben die Paläs­te der Mil­li­ar­dä­re. In gepan­zer­ten Fahr­zeu­gen wer­den ihre Kin­der, in Städ­ten wie São
Pau­lo, vor­bei an den Blech­hüt­ten der Slums zur Schu­le gefah­ren. Auch in den wirt­schaft­lich leis­tungs­fä­higs­ten Län­dern der Erde pral­len unbe­greif­li­che Gegen­sät­ze auf­ein­an­der.
Dabei erkennt man immer das iden­ti­sche Mus­ter: prot­zi­ger Luxus und bekla­gens­wer­te Bedürf­tig­keit zur sel­ben Zeit am glei­chen Ort. Reich­tum ist auf tra­gi­sche Wei­se ungleich ver­teilt. War­um ist das so?
Ray­mond Firth schrieb 1959 in sei­nen Stu­di­en zur Öko­no­mie der neu­see­län­di­schen Mao­ri: „In den Wäl­dern von Neu­see­land wie in den Savan­nen im Sudan, über­all ist eines Rea­li­tät: Fami­li­en, die Hun­ger erlei­den müs­sen
oder denen es an Lebens­not­wen­di­gem fehlt, sind in einem Dorf unmög­lich, in dem es Fami­li­en gibt, die üppig ver­sorgt sind.“ Da drängt sich die Fra­ge auf: Mit wel­chem Recht bezeich­nen wir Natur­völ­ker als „pri­mi­tiv“?
„Reich­tum und Armut gehö­ren nicht in einen geord­ne­ten Staat“ erkann­te der 1930 ver­stor­be­ne Refor­mer Sil­vio Gesell im Lau­fe von Stu­di­en, die in sein Haupt­werk „Die Natür­li­che Wirt­schafts­ord­nung“ mün­de­ten.
Der Fran­zo­se Tho­mas Piket­ty ist 42 Jah­re alt und gegen­wär­tig Wirt­schafts­pro­fes­sor an der „Paris School of Eco­no­mics“. Die­ser Tage ist die eng­li­sche Über­set­zung sei­nes Buches „Capi­tal in the 21st cen­tu­ry“ (Kapi­tal im 21.
Jahr­hun­dert) erschie­nen. Der Wirt­schafts­no­bel­preis­trä­ger Paul Krug­man aus den USA bezeich­net das Werk als eines, das die Art wie wir über Gesell­schaft und Wirt­schaft den­ken, grund­le­gend ver­än­dern wer­de.
Piket­ty unter­such­te die Wirt­schafts­wachs­tums­pro­zes­se über einen lan­gen Zeit­raum und glich die Ergeb­nis­se mit der Ent­wick­lung der Ver­tei­lung der Geld­ver­mö­gen ab. Dabei stell­te er fest, dass die Geld­ver­mö­gen stets schnel­ler
wuch­sen, als die Wirt­schafts­leis­tung. Bis zum Vor­abend des 1. Welt­kriegs war dem­nach das Kapi­tal in Euro­pa auf das 6- bis 7-fache der gesam­ten Wirt­schafts­leis­tung eines Jah­res ange­wach­sen. Eine Situa­ti­on, die mit der heu­ti­gen
ver­gleich­bar ist. Die wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis, die sich dar­aus ablei­tet, lau­tet: Wach­sen­de Geld­ver­mö­gen gehen grund­sätz­lich ein­her mit zuneh­men­der Ungleich­ver­tei­lung. Die Auto­ren der HUMANEN WIRTSCHAFT, allen vor­an Hel­mut
Creutz und der in der vor­lie­gen­den Aus­ga­be schrei­ben­de Gün­ther Moewes, bestä­ti­gen in mitt­ler­wei­le Jahr­zehn­te anhal­ten­der Arbeit Piket­tys jet­zi­ge For­schungs­er­geb­nis­se. Der zu erwar­ten­de Erfolg des Wirt­schafts­wis­sen­schaft­lers
aus Paris wäre auch einer der akri­bisch im Hin­ter­grund for­schen­den „frei­en Geis­ter“, die sich – teil­wei­se ein Leben lang – für die grund­le­gen­de Erneue­rung des Geld­sys­tems und des Boden­rechts ein­set­zen. Schließ­lich kamen
sie zu glei­chen Ergeb­nis­sen, nur ohne die Unter­stüt­zung eines Wis­sen­schafts­be­triebs. Tho­mas Piket­ty scheint der rich­ti­ge Mann zum pas­sen­den Zeit­punkt zu sein. Das „Han­dels­blatt“ traut ihm
zu, er wer­de „Epo­che machen“ und der eng­li­sche „Guar­di­an“ meint, er ver­sen­ke „rigo­ros alles, was Kapi­ta­lis­ten über die Ethik des Geld­ma­chens den­ken“. Er kann es dem­nach schaf­fen, auf höchs­ter Ebe­ne Bewe­gung in die
ver­mut­lich zen­trals­te Auf­ga­be der Neu­zeit zu brin­gen: die Erfor­schung des Geld­sys­tems und des­sen Fol­gen. Kön­nen wir eine Kata­stro­phe, wie sie sich vor 100 Jah­ren schon ein­mal anbahn­te noch abwen­den?
Wenn die Raten des Geld­ver­mö­gens­wachs­tums dau­er­haft über jenen des Wirt­schafts­wachs­tums lie­gen „neigt die Ver­gan­gen­heit dazu, die Zukunft zu ver­schlin­gen“, kon­sta­tiert Piket­ty. Das Schick­sal unse­rer Gesell­schaft
ist geprägt von der Domi­nanz ererb­ten Geld­ver­mö­gens. Wer tot ist, den hat die Ver­gäng­lich­keit des Lebens ein­ge­holt. Die Ansprü­che der Geld­ver­mö­gen von Toten wach­sen gene­ra­tio­nen­über­grei­fend wei­ter. Tho­mas Piket­ty
emp­fiehlt eine welt­weit orga­ni­sier­te Ver­mö­gens­steu­er gegen die Reich­tums­kon­zen­tra­ti­on. Das dürf­te ein hin­rei­chen­des Instru­ment für den erfor­der­li­chen schnel­len Ein­griff dar­stel­len. Löst man damit das ursäch­li­che Pro­blem
auf Dau­er? Wenn Geld­ver­mö­gen (Kapi­tal) sich infol­ge Zins und Zin­ses­zins von selbst ver­meh­ren und wach­sen­de Ansprü­che an zukünf­ti­ge Leis­tun­gen von Men­schen stel­len, dann kann das Abschöp­fen infol­ge leis­tungs­lo­ser Ein­kom­men
ent­stan­de­nen Kapi­tals nur der ers­te Schritt sein. War­um soll­ten wir dabei ste­hen blei­ben und nur ver­su­chen, die Ergeb­nis­se eines unge­rech­ten und feh­ler­haf­ten Sys­tems wie­der zu ver­tei­len, anstatt nicht direkt der­lei Erträ­ge
durch Sys­tem­än­de­run­gen zu ver­hin­dern? Vie­le freie Geis­ter und Ver­fech­ter einer huma­nen Wirt­schaft befas­sen sich mit den Ursa­chen der Ungleich­ver­tei­lung. Sie erar­bei­ten dabei auch Lösungs­vor­schlä­ge.
Alles deu­tet dar­auf hin, dass die Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten nach­zie­hen kön­nen.

Herz­lich grüßt Ihr Andre­as Ban­ge­mann

Der KannWas kann was! – Redaktion 0

Der KannWas kann was! – Redaktion

Das Kann­Was-Jubi­lä­um – 31. Mai bis 01. Juni 2014 in Kiel
10 Jah­re Regio­nal­wäh­rung für Schles­wig-Hol­stein
Sie­ben enga­gier­te Men­schen, die sich für ein gerech­tes Geld­sys­tem ein­set­zen, grün­de­ten 2004 auf Initia­ti­ve von Dr. Frank Schep­ke, den Ver­ein
Regio­nal­geld Schles­wig-Hol­stein e. V. und began­nen das Regio­nal­geld Kann­Was her­aus­zu­ge­ben. Anläss­lich des 10-jäh­ri­gen Jubi­lä­ums hat der Ver­ein
ein inter­es­san­tes und abwechs­lungs­rei­ches Tagungs­pro­gramm erar­bei­tet und nam­haf­te Refe­ren­ten für die­se Ver­an­stal­tung gewin­nen kön­nen.
Die Refe­ren­ten:
Prof. Dr. Wolf­gang Ber­ger, Karls­ru­he. Lei­ter der Busi­ness Reframing GmbH,Institut für Orga­ni­sa­ti­on und Manage­ment, mit dem
er „Flow“ in Unter­neh­men ver­an­kert. „Wer etwas ver­än­dern will, hat alle gegen sich, die sich in den alten Zustän­den bequem
ein­ge­rich­tet haben.“
Dr. Eli­sa­beth Mey­er-Rensch­hau­sen, Ber­lin, ist frei­schaf­fen­de Auto­rin und Pri­vat­do­zen­tin am Insti­tut für Sozio­lo­gie der Frei­en
Uni­ver­si­tät Ber­lin.
Dr. Regu­la Mül­ler, Kiel, gibt Gebrauchs­an­wei­sung zur Her­stel­lung von Ter­ra pre­ta her­aus und infor­miert über Grund­prin­zi­pi­en
einer öko­lo­gi­schen Kreis­lauf­wirt­schaft.
Andre­as Ban­ge­mann, Wup­per­tal, ist ver­ant­wort­li­cher Redak­teur der Zeit­schrift „HUMANE WIRTSCHAFT“.
Mat­thi­as Stühr­woldt, Stol­pe, ist Bau­er und Schrift­stel­ler zugleich.
Jona­than Ries, Wup­per­tal, ist gelern­ter Sport­wis­sen­schaft­ler mit dem Schwer­punkt Bewe­gungs­thea­ter.
Bern­hard Scha­ef­fer, Ber­lin, Phy­si­ker, der sich mit der Ent­wick­lung von Misch­dampf-Kraft­wer­ken beschäf­tigt.
Prof. Dr. Wolf­gang Dep­pert, Ham­burg, pen­sio­nier­ter Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie und pro­mo­vier­ter Phy­si­ker. Grün­dungs­rek­tor des
Sokra­tes-Uni­ver­si­täts­ver­eins e. V.
Vol­ker Vie­hoff, Jür­gen Ceyno­wa und Bernd Petrosch­ka, Lübeck, Sie sind bei uns mit „Rhythm & Lyrics“.
Dr. Frank Schep­ke, Löptin, Bio-Bau­er im Unru­he­stand, Begrün­der des Regio­nal­gel­des Kann­Was für Schles­wig-Hol­stein.
Seit 2004 im Vor­stand des Ver­eins Regio­nal­geld Schles­wig-Hol­stein e.V.
Anmel­dung, Tickets und wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://www.kannwas.org

Alter Taler im neuen Gewand – Lukas Walter 0

Alter Taler im neuen Gewand – Lukas Walter

Der FREITALER aus Frei­burg im Breis­gau

Regio­nal­wäh­run­gen sind ein alter Hut,
könn­te man mei­nen. Dass dem nicht
so ist, zei­gen eta­blier­te Dau­er­bren­ner,
aber auch Regio­gel­der, die sich
neu erfin­den. Die Gemein­schafts­wäh­rung
FREITALER exis­tiert seit 2008.
Damals ori­en­tier­ten sich die Macher,
wie vie­le aus der Sze­ne, an den Leh­ren
von Sil­vio Gesell. So konn­te sich
schnell ein klei­ner, aber enga­gier­ter
Freun­des­kreis bil­den. Im Jah­re 2012
wur­de dann die Umstel­lung beschlos­sen.
Weg vom Regio­geld hin zur Spen­den­platt­form.
Als regio­na­les Zah­lungs­mit­tel
und Spen­den­platt­form hat der
FREITALER nun etwa 130 Unter­neh­men
ange­schlos­sen. Die­se
Ent­wick­lung, ein lang­sa­mes
aber ste­ti­ges Wachs­tum, dau­ert
nach wie vor an.

Das Beson­de­re:
Kei­ne Kle­be­mar­ken
Eine tief grei­fen­de und bis heu­te dis­ku­tier­te
Ver­än­de­rung, war die Abschaf­fung
des Umlauf­im­pul­ses in Form von Kle­be­mar­ken.
Die­ser Impuls, wie er bei vie­len
Regio­gel­dern, wie bei­spiels­wei­se dem
„Chiem­gau­er“ ver­wen­det wird, kann
für einen schnel­le­ren Umlauf des Gel­des
sor­gen. Die „Umlauf­ge­bühr“ muss
durch den Kauf einer Kle­be­mar­ke bezahlt
wer­den, die dann auf den Schein auf­ge­bracht
wird. Dadurch ist jeder ange­hal­ten
das Geld schnell wei­ter zu geben, um kei­ne
Kle­be­mar­ken kau­fen zu müs­sen.
In Frei­burg brauch­te es oft viel Über­zeu­gungs­ar­beit
die Unter­neh­men und
Ver­brau­cher fürs Kle­ben zu begeis­tern.
Dies und der erhöh­te Ver­wal­tungs­auf­wand
waren die Haupt­grün­de, es 2012 erst ein­mal ohne Umlauf­ge­bühr zu ver­su­chen.
Dafür trat die Pro­jekt­för­de­rung
in den Vor­der­grund.
Die Pro­jekt­för­de­rung im Fokus
Wie bei vie­len Regio­nal­wäh­run­gen wer­den
auch Spen­den für gemein­nüt­zi­ge
Ver­ei­ne in der Regi­on gene­riert.
Die För­de­rung fließt, sobald beim Ein­tausch
von Euro in FREITALER ein Pro­jekt
ange­ge­ben wird. Mitt­ler­wei­le kön­nen
über 20 ver­schie­de­ne Pro­jek­te geför­dert
wer­den. Im Mit­tel­punkt ste­hen rela­tiv
klei­nen Initia­ti­ven, bei denen schon gerin­ge
Beträ­ge eine gro­ße Wir­kung her­vor­ru­fen.
Das neu­es­te Pro­jekt ist die Stu­den­ten­in­itia­ti­ve
Weit­blick Frei­burg e. V.
Sie konn­ten kürz­lich ihre ers­te För­de­rung
von 74 FREITALER abho­len. Unter­stüt­zer
des Pro­jekts tausch­ten ins­ge­samt 3700 €
in FREITALER ein, 2 % davon gin­gen sofort
an Weit­blick Frei­burg e. V. „Wir waren
freu­dig über­rascht, dass wir als neu­es
Pro­jekt mit die­ser För­de­rung ein­stei­gen,“
so das Vor­stands­mit­glied Eva Kim­mig.
Das Beson­de­re dabei ist, dass die Pro­jek­te
kei­ne gemein­nüt­zig ein­ge­tra­ge­nen
Ver­ei­ne sein müs­sen. Ob ein Pro­jekt för­de­rungs­wür­dig
ist oder nicht, ent­schei­den
die Bür­ger vor Ort, indem sie beim
Ein­tausch ein Pro­jekt wäh­len. So kön­nen
vie­le ver­schie­de­ne Initia­ti­ven und Neu­grün­dun­gen
eine grö­ße­re Bekannt­heit
errei­chen und Spen­den gene­rie­ren. Im
ers­ten Jahr mit Pro­jekt­för­de­rung wur­den
etwa 100.000 € ein­ge­tauscht.
„Die FREITALER wer­den wir bei einer loka­len
Dru­cke­rei wie­der aus­ge­ben“, so Eva
Kim­mig wei­ter „Zuvor haben wir bei einer
Online­dru­cke­rei dru­cken las­sen“. Der
gemein­nüt­zi­ge Ver­ein ver­kauft jedes Jahr
Frei­burg­ka­len­der, die in loka­len Schreib­wa­ren­ge­schäf­ten
erhält­lich sind. Vom
Erlös wer­den ein Frei­bur­ger Flücht­lings­wohn­heim
und ein Schul­pro­jekt in Kenia
unter­stützt. „Glo­bal den­ken und lokal
han­deln, das ist auch unser Mot­to“, sagt
Kim­mig. Durch den FREITALER, der sich
als Ver­mitt­ler zwi­schen Unter­neh­men
und Pro­jek­ten ver­steht, kann die Spen­de
als Start­ka­pi­tal ein­ge­setzt wer­den, um
wei­te­re Unter­stüt­zer, wie die Dru­cke­rei,
zu gewin­nen. Da die Spen­de in FREITALER
aus­ge­zahlt wird, fließt sie wie­der in
die regio­na­le Wirt­schaft zurück.

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Sommertagung der HUMANEN WIRTSCHAFT – Freiburg 2014 – Redaktion

Sams­tag, den 21. Juni 2014 in Frei­burg im Breis­gau
Ver­an­stal­tungs­ort: His­to­ri­sches Kauf­haus Frei­burg – Kamin­saal Müns­ter­platz 24 79098 Frei­burg
Ein­lass: 9:00 Uhr
Pro­gramm von 10:00 bis 18:00 Uhr

Gesprä­che über Geld im Kauf­haus – Kann es einen bes­se­ren Ort dafür geben?
In unmit­tel­ba­rer Nähe zum Frei­bur­ger Müns­ter liegt das schö­ne, his­to­ri­sche Gebäu­de, in dem die Som­mer­ta­gung 2014 statt­fin­det.
In der son­nen­reichs­ten Regi­on Deutsch­lands den längs­ten Tag des Jah­res erle­ben!

Erle­ben Sie die HUMANE WIRTSCHAFT leib­haf­tig:
Som­mer­ta­gung am 21. Juni 2014 in Frei­burg im Breis­gau.
Ein kurz­wei­li­ger Tag unter ande­rem mit Vor­trä­gen von Prof. Dr. Dirk Löhr
und Andre­as Ban­ge­mann bringt die Arbeit und die Men­schen hin­ter der
Zeit­schrift näher.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und Anmel­dun­gen in unse­rer Geschäfts­stel­le bei Frau
Eri­ka Schmied:
Luit­pold­str. 10,
91413 Neu­stadt a.d. Aisch
Tel. (09161) 87 28 672 (vor­mit­tags),
Fax (09161) 87 28 673
E-Mail: service@humane-wirtschaft.de
Die Anmel­dung über ein Anmel­de­for­mu­lar mit allen wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen ist
auch im Inter­net mög­lich: http://goo.gl/njHaFb

Leserbriefe 03/2014 0

Leserbriefe 03/2014

Ihre Mei­nung ist uns wich­tig! Sen­den Sie uns Ihre Fra­gen, Anre­gun­gen oder per­sön­li­chen Mei­nun­gen. Wir bemü­hen uns, so vie­le
Leser­brie­fe unter­zu­brin­gen, wie mög­lich. Wenn wir Leser­brie­fe kür­zen, dann so, dass das Anlie­gen der Schrei­ben­den gewahrt bleibt.
Leser­brie­fe geben nicht die Mei­nung der Redak­ti­on wie­der.

Mit Ter­min­hin­weis zum Kon­gress – Bur­nout und Resi­li­enz – Bewusst­seins­kom­pe­tenz für Wirt­schaft und Gesell­schaft
22. bis 25. Mai 2014, Bad Kis­sin­gen, Regen­ten­bau und Hei­li­gen­feld Kli­ni­ken. sie­he auch www.kongress-heiligenfeld.de