Löwen­ta­ler – Hol­ger Kreft

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Wie könnte eine euro­ge­deck­te und umlauf­ge­si­cher­te Regio­nal­wäh­rung im Bergi­schen Städ­te­drei­eck einge­rich­tet werden?
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Vom 18. bis zum 20. Mai 2016 betei­lig­te sich der Lern­ort Wupper­tal mit der im Titel formu­lier­ten Frage an dem Kongress „Sustain­ab­le Insights 2016“ an der Bergi­schen Univer­si­tät Wupper­tal.
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Der Lern­ort ist ein Netz­werk, das seit Ende 2013 um die Silvio-Gesell-Tagungs­stät­te im länd­li­chen Nord­wes­ten Wupper­tals nahe Nevi­ges wächst und sich als Gruppe mehre­rer Anlie­gen, Initia­ti­ven und Unter­neh­mun­gen weiter profes­sio­na­li­siert. Der Lern­ort knüpft dabei an eine fast 90jährige frei­wirt­schaft­li­che Tradi­ti­on in Bezug auf die konstruk­tiv-kriti­sche Ausein­an­der­set­zung mit unse­rem Geld­sys­tem an. Ein zentra­les Motto des Lern­or­tes lautet: Geld und Wirt­schaft sind im Inter­es­se der Menschen gestalt­bar. Geld geht daher auch anders! Dazu bietet der Lern­ort zahl­rei­che Möglich­kei­ten, die vorhan­de­nen eige­nen Denk- und Hand­lungs­rou­ti­nen und die sie bestim­men­den Kondi­tio­nie­run­gen in Frage zu stel­len, um Neues auszu­pro­bie­ren.
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Es gibt „Vorbil­der“
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Wie das erfolg­rei­che Beispiel des Chiem­gau­ers zeigt, könnte eine Regio­nal­wäh­rung als Ergän­zung zum Euro Vortei­le für die gesam­te Region der drei Bergi­schen Städte Wupper­tal, Solin­gen und Remscheid brin­gen – für alle Unter­neh­men und Verbrau­cher sowie die Kommu­nen. Die regio­na­le Wert­schöp­fung ließe sich stei­gern, die Verbun­den­heit in und mit der Region stär­ken, mehr Lebens­qua­li­tät für die Menschen brin­gen und zusätz­lich eben auch einen beson­de­ren Erkennt­nis­ge­winn: Dass Geld nämlich gestalt­bar ist durch die Menschen, die es nutzen wollen.
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Die Mitwir­ken­den vom Lern­ort Wupper­tal Andre­as Bange­mann, Marc Berg­haus, Dr. Holger Kreft und Jörn Lutat sowie Uljana Engel vom Insti­tut für Grün­dungs- und Inno­va­ti­ons­for­schung der Univer­si­tät Wupper­tal luden die zehn Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer der Fall­stu­die dazu ein, die Frage zu beant­wor­ten, wie eine solche Währung in die heimi­sche Region einge­führt werden könnte. Dazu stell­ten sich die enga­gier­ten und krea­ti­ven Studie­ren­den vor, wie das System „Region plus komple­men­tä­re Regio­nal­wäh­rung“ in einer opti­ma­len Ausge­stal­tung ausse­hen sollte, um dann zu über­le­gen, wie sich diese Vision umset­zen ließe. Uner­läss­lich war es daher zunächst, am Beispiel des Chiem­gau­ers über­haupt zu verste­hen, wie eine Regio­nal­wäh­rung mit ihren wich­tigs­ten Bestand­tei­len zum Vorteil der Region konstru­iert werden kann: Erstens Umlauf­im­puls, zwei­tens Regio­nal­bei­trag zur Unter­stüt­zung gemein­nüt­zi­ger Verei­ne und drit­tens Service­bei­trag zur Aufrecht­erhal­tung des Manage­ments. Die Studie­ren­den erar­bei­te­ten sich dann einen mögli­chen Weg des Regio­nal­gel­des entlang von Wert­schöp­fungs­ket­ten in der Region. Dabei war es sehr von Vorteil, dass sie viel­fäl­ti­ge Erfah­rungs­hin­ter­grün­de und Kompe­ten­zen mitbrach­ten – vertre­ten waren die Studi­en­gän­ge Umwelt- und Nach­hal­tig­keits­ma­nage­ment über Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten, Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten, Sozio­lo­gie, Philo­so­phie, Poli­to­lo­gie bis zu Kommu­ni­ka­ti­ons­de­sign.
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In der Grup­pen­ar­beit entstand als vorläu­fi­ge Bezeich­nung der Währung in Anleh­nung an den Bergi­schen Löwen der „Löwen­ta­ler“, von dem bereits Proto­ty­pen zum Angu­cken und Anfas­sen ausge­druckt wurden. Außer­dem wurden einige stra­te­gisch beson­ders wich­ti­ge Erfolgs­fak­to­ren für das Gelin­gen des Aufbaus iden­ti­fi­ziert, wie etwa die Mitwir­kung maßgeb­li­cher Akteu­re. Daher ist aus der Sicht von Marc Berg­haus, einem Mitwir­ken­den am Lern­ort und zehn Jahre Vorstand und Mitar­bei­ter beim Chiem­gau­er, nun eine breite und starke Betei­li­gung rele­van­ter Akteu­re der Region beim Aufbau und bei der Weiter­ent­wick­lung eines solch wich­ti­gen gemein­sa­men Perspek­tiv­pro­jek­tes drin­gend zu wünschen.
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Schließ­lich konnte Marc Berg­haus auch ein posi­ti­ves Fazit der gemein­sa­men Arbeit an der Fall­stu­die ziehen: „Die Studie­ren­den haben wich­ti­ge Elemen­te aus dem Konzept einer Regio­nal­wäh­rung selbst­stän­dig erar­bei­tet und daraus einen eige­nen funk­tio­nie­ren­den Geld- und Wirt­schafts­kreis­lauf entwi­ckelt. Der große Nutzen wurde deut­lich, ebenso die Vortei­le, die eine profes­sio­nell einge­führ­te Regio­nal­wäh­rung für das Bergi­sche Städ­te­drei­eck brin­gen würde.“
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Die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer der Arbeits­grup­pe setz­ten am Ende weite­re Impul­se zur Fort­set­zung des Projek­tes: Sie mach­ten auf die Website loewentaler.de aufmerk­sam und verschenk­ten am Ende der Präsen­ta­ti­on als Anre­gung zur weite­ren Beschäf­ti­gung mit dem Thema einige Schei­ne an Zuhö­rer – darun­ter auch an die NRW-Inno­va­tions- und Wissen­schafts­mi­nis­te­rin Svenja Schul­ze. Sie wird ihren Löwen­ta­ler-Schein im nächs­ten Jahr – dann viel­leicht anläss­lich der Sustain­ab­le Insights 2017 – zum Beispiel gegen ein Stück Kuchen mit heimi­schen Äpfeln einlö­sen können!
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Es geht weiter
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Und die Arbeit wird nun tatsäch­lich fort­ge­setzt. Ein Tref­fen zum Feiern des gemein­sa­men Erfol­ges und zur Nach­be­rei­tung hat bereits statt­ge­fun­den und ein nächs­tes ist geplant. Auf der Agenda der sich gerade mit weite­ren Inter­es­sier­ten neufor­mie­ren­den Arbeits­grup­pe stehen folgen­de Aufga­ben:
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regel­mä­ßi­ge struk­tu­rier­te Tref­fen durch­füh­ren
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ein „Gelin­gens­mo­dell“ für den Aufbau einer Regio­nal­wäh­rung mit Hilfe der „Busi­ness Model Canvas“ entwi­ckeln
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Kompe­ten­zen zu einem Pool von Mitwir­ken­den sich­ten, finden und kombi­nie­ren
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eine wissen­schaft­li­che Beglei­tung etablie­ren
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Unter­stüt­zung und finan­zi­el­le Ressour­cen gewin­nen sowie einen Betei­li­gungs­pro­zes­ses für maßgeb­li­che Akteu­re ansto­ßen

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