Kurznachrichten 06/2015 – Interessantes


Osna­brü­cker Regio­nal­wäh­rung „Frie­denstha­ler“

Günter Hull­mann als Mitin­itia­tor erklärt laut einem Bericht der Osna­brü­cker Zeitung, dass die Namens­ge­bung auf den West­fä­li­schen Frie­den von 1648 hinwei­se und den regi­na­len Bezug herstel­le.

Konzep­tio­nell hat man sich am Erfolgs­mo­dell „Chiem­gau­er“ ange­lehnt und plant mit einer Umlauf­si­che­rungs­ge­bühr von 2 % pro Quar­tal zu arbei­ten.

Rücken­wind bekommt das Projekt auch durch Dr. Micha­el Kopatz, wissen­schaft­li­cher Projekt­lei­ter am Wupper­tal Insti­tut. Er lebt in Osna­brück und arbei­tet derzeit an einem Projekt „Wirt­schafts­för­de­rung 4.0“ (siehe Beitrag Seite 4 in dieser Ausga­be)

Für ihn sind Regio­nal­wäh­run­gen eine gute Möglich­keit, eine Region krisen­fes­ter zu machen und koope­ra­ti­ve Wirt­schafts­for­men zu beför­dern.

Quel­len: http://www.friedensthaler.de und
http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/616945/friedensthaler-soll-zur-osnabrucker-wahrung-werden


Null­zins­gren­ze beflü­gelt Ideen zur Bargeld­ab­schaf­fung

Andrew Hald­ane, Chef­öko­nom der Bank von England, thema­ti­sier­te in einer Rede die Schwie­rig­keit von Geld­po­li­tik in einem Umfeld nega­ti­ver Zinsen bei Geld­an­la­gen. Da Bargeld stets mit Null Prozent Zinsen „rentie­re“ brau­che es neue Lösun­gen, um der Geld­po­li­tik wieder wirk­sa­me Instru­men­te an die Hand zu geben. Hald­ane bringt deshalb die Abschaf­fung von Bargeld und die Einfüh­rung einer von der Zentral­bank gestütz­ten digi­ta­len Währung ins Gespräch. Damit sorgt die „unge­müt­li­che Null­zins­gren­ze“ weiter für krea­ti­ve Vorschlä­ge hinsicht­lich Konzep­ten für das gesetz­li­che Zahlungs­mit­tel der Zukunft.

Eine Lösung, die dabei bisher zwar immer häufi­ger Erwäh­nung findet, aber noch nicht in der Breite disku­tiert wird, wie beispiels­wei­se die komplet­te Abschaf­fung des Bargelds, ist die Lösung, die auf Silvio Gesell zurück­geht. In den Kommen­ta­ren der großen Zeitun­gen sind dessen Vorschlä­ge jedoch sehr präsent, wie auch dieser des Lesers der NZZ „Peter Schmid“ beweist:

„Es ist eine logi­sche Tatsa­che, dass eine Zins­un­ter­gren­ze von 0 % auf Dauer nicht zu halten ist. Eine Garan­tie von mindes­tens 0 % auf Liqui­di­tät ist geld­theo­re­tisch nicht begründ­bar. Warum gerade 0 %? Weil dies mit der Beschaf­fen­heit des Geldes zu tun hat, wobei darauf ein fester Betrag steht, der sich mit der Zeit nicht ändern kann? Prak­tisch zwar, aber ökono­mi­scher Unsinn. Wenn mehr gespart als inves­tiert werden kann, muss sich der Zins anpas­sen können und das Gleich­ge­wicht stets abbil­den. Alles andere ist Plan­wirt­schaft. 0 % Zins­un­ter­gren­ze für’s Sparen ist Plan­wirt­schaft – und die Folgen sind immens, wie logisch zu erwar­ten. Wenn also das heuti­ge Geld keine Zinsen unter Null erlaubt, muss es refor­miert werden. Es kann nicht sein, dass ganze Volks­wirt­schaf­ten an die Wand gefah­ren werden, weil man nicht in der Lage ist, ein Geld zu entwi­ckeln, welches sich den ökono­mi­schen Erfor­der­nis­sen anpasst. Silvio Gesell hatte dies­be­züg­lich Pionier­ar­beit geleis­tet. Und wieder ist man an einen Punkt gelangt, der Silvio Gesell schon längst gelöst hatte. In Zeiten fester Wech­sel­kur­se, Metall­wäh­run­gen hatte er sich klar für freie Wech­sel­kur­se und einer Papier­wäh­rung einge­setzt, weil alles andere Zustän­de sind, die logi­scher­wei­se ökono­misch nicht halt­bar sind. Und ebenso ökono­misch zu kata­stro­pha­len Ergeb­nis­sen muss logi­scher­wei­se ein Geld führen, welches die Zins­un­ter­gren­ze bei 0 % fixiert. Bargeld sollte nicht abge­schafft werden, aber es sollte so gestal­tet werden, dass es mit der Zeit an Wert verliert, in etwa 6 % pro Jahr. Wenn somit die Zins­ska­la bei -6 % beginnt, können sich die Zinsen am Markt frei bilden, auch wenn mehr gespart wird als inves­tiert werden kann. Sobald die Kredit­nach­fra­ge das Geld­an­ge­bot über­steigt, entste­hen posi­ti­ve Zinsen. Unser heuti­ges Geld­sys­tem funk­tio­niert nicht, wenn mehr gespart wird als inves­tiert werden kann.“

Quelle: http://www.nzz.ch/finanzen/devisen-und-rohstoffe/devisen/hat-papiergeld-bald-ausgedient-1.18618636


Heiß, heißer, „FEUER AM FUSS“ Dirk C. Flecks MAEVA-Trilo­gie ist komplett

Abgrund­tief realis­tisch und dennoch voller Hoff­nung – dies ist das Motto der Maeva-Trilo­gie, welche die schreck­li­chen Folgen unse­rer zerstö­re­ri­schen Lebens­wei­se schil­dert, nicht ohne jedoch denk­ba­re Auswe­ge aus dem drohen­den Dilem­ma aufzu­zei­gen.

Das „Tahiti-Projekt“ spielt im Jahre 2022 und macht eine sozio-ökolo­gi­sche Gesell­schaft, die sich abseits des globa­len Wahn­sinns in der Südsee gebil­det hat, sinn­lich erfahr­bar.

Maeva! handelt davon, wie das posi­ti­ve Virus von Tahiti aus in die Welt getra­gen wird und auf welche Wider­stän­de die Prot­ago­nis­tin Maeva, die sich selbst als Jeanne d’Arc der Ökolo­gie begreift, im Jahre 2028 dabei stößt.

„Feuer am Fuß“ spielt sieben Jahre später und schil­dert die fürch­ter­li­chen Zustän­de, die uns das zusam­men­bre­chen­de kapi­ta­lis­ti­sche System besche­ren wird. Kurz: der Roman handelt vom Unter­gang unse­rer Zivi­li­sa­ti­on, der sich auf viel­fäl­ti­ge Weise seit gerau­mer Zeit ankün­digt. Aber wie in den beiden Vorgän­ger­ro­ma­nen wird auch hier das Prin­zip Hoff­nung hoch­ge­hal­ten. In vielen gebeu­tel­ten Regio­nen der Erde entwi­ckelt sich inmit­ten des Ökozids nämlich ein neues Bewusst­sein, das von den ausschwir­ren­den Vertre­tern der Urtra­di­tio­nen spiri­tu­ell unter­füt­tert wird. „Feuer am Fuß“ wie auch die beiden Vorgän­ger sind keine Science-Fiction, es handelt sich um lite­ra­ri­sche Hoch­rech­nun­gen, zu denen es nicht einmal sonder­lich viel Fanta­sie brauch­te.

EIN HIGHLIGHT DES BUCHES IST DER AUF 30 SEITEN GESCHILDERTE SCHAUPROZESS GEGEN DEN EX-PRÄSIDENTEN DER USA, BARACK OBAMA.

Detail­lier­te Infos zu den Büchern gibt es auf diesen Websites:
www.feueramfuss.de
www.tahiti.feueramfuss.de
www.maeva.feueramfuss.de


Aus Geld Geld zu machen, ist ein massi­ver Frevel

Am 16. 10. 2015 gab der Philo­soph Richard David Precht dem Deutsch­land­ra­dio ein Inter­view zum Thema „Geschich­te der Philo­so­phie“.

Am Ende beant­wor­te­te er folgen­de Frage: „Gibt es poli­ti­sche Fragen von heute, wo sie bei den alten Philo­so­phen nach­schla­gen bezie­hungs­wei­se um Rat fragen?“

Antwort Richard David Precht: „Ich finde es zum Beispiel span­nend, dass viele alter­na­ti­ve Über­le­gun­gen zu unse­rem Geld­sys­tem eigent­lich an etwas anknüp­fen können, worüber wir schon bei Platon und Aris­to­te­les etwas finden. Von den alten Grie­chen geht dieser Gedan­ke aus, dass es übel ist, Zinsen zu nehmen. Zinsen­neh­men war ganz normal und wurde in Grie­chen­land auch gemacht, aber es wurde Von den Philo­so­phen kriti­siert. Aus Geld Geld zu machen, galt als massi­ver Frevel. Bei den alten Grie­chen, später bei den Arabern und auch bei den Chris­ten, also für eine sehr, sehr lange Zeit bis in das 13. Jahr­hun­dert hinein.

Das sind natür­lich span­nen­de Gedan­ken. Wenn man heute über die Finanz­wirt­schaft nach­denkt, dann kommt einem gar nicht mehr in den Sinn, dass es einmal Gesell­schaf­ten gege­ben hat, die es als genuin unmo­ra­lisch betrach­tet haben, aus Geld Geld zu machen. Oder so span­nen­de Model­le, die auch sehr aktu­ell sind, wie Platon sich über­legt hatte in seiner Ideal­stadt, dass man zwar den Außen­han­del mit Silber­drach­men macht, also quasi den Dollars der dama­li­gen Zeit, dass sie aber in der Polis, der Stadt umge­tauscht werden in wert­lo­ses Geld, in Eisen­geld. Damit sollte es in der Polis nicht dazu führen, dass ekla­tan­te Einkom­mens- und Vermö­gens­un­ter­schie­de entste­hen. Ich will nicht sagen, dass man das heute 1:1 kopie­ren kann, aber ich finde es span­nend, wie all diese Gedan­ken sind und dass sie damals schon die glei­chen Proble­me hatten. Die Gesell­schaft drif­te­te in Arm und Reich ausein­an­der, wie wir das heute auch haben.“

Quelle: Deutschlandradio.de – 16. 10. 2015 | INTERVIEW
Geschich­te der Philo­so­phie Autor: Precht, Richard David
Sende­zeit: 06:49 Uhr


Tech-Riesen horten Milli­ar­den­be­trä­ge in Steu­er­oa­sen

Das Statis­tik-Portal „Statis­ta“ (de.statista.com) meldet dies hier:

550 Milli­ar­den US-Dollar haben die großen ameri­ka­ni­schen Tech-Unter­neh­men einer aktu­el­len Studie zufol­ge in Steu­er­oa­sen geparkt – mehr als eine halbe Billi­on. Die Zahl der Toch­ter­fir­men in Steu­er­pa­ra­die­sen hat dabei nicht direkt etwas mit der Summe des gepark­ten Kapi­tals zu tun, im Gegen­teil: Aktu­ell melden einige Unter­neh­men dem ameri­ka­ni­schen Staat weni­ger Toch­ter­fir­men und gleich­zei­tig stei­gen­de Summen, die sie in Steu­er­oa­sen parken. Die Studie, durch­ge­führt von zwei gemein­nüt­zi­gen US-Orga­ni­sa­tio­nen, nennt dafür zwei Gründe: Zum einen sind die Stra­fen für nicht gemel­de­te Toch­ter­fir­men recht lax, zum ande­ren könn­ten die Firmen mehr Einkom­men in weni­ger Toch­ter­fir­men unter­brin­gen. Oft geschieht das in Struk­tu­ren die „Double Irish“ genannt werden: Mit zwei in Irland gemel­de­ten Unter­neh­men können Gelder so umge­lei­tet werden, dass in keinem der betei­lig­ten Länder Steu­ern gezahlt werden müssen. Seit Januar dieses Jahres darf dieses Schlupf­loch nicht mehr neu genutzt werden, Firmen die diese Struk­tu­ren bereits nutzen, haben aller­dings noch bis zum Jahr 2020 Zeit, neue Rege­lun­gen für ihre Auslands­fi­nan­zen zu finden.

Die Grafik bildet die Top 10 Tech-Unter­neh­men nach in Steu­er­oa­sen gepark­ten Kapi­tal (Stand: 2014).

Info­gra­fik (CC-Lizenz) hier zu finden: http://de.statista.com/infografik/3903/10-tech-unternehmen-nach-in-steueroasen-geparkten-kapital/

PDF-Datei herun­ter­la­den (Datei­grö­ße: 159KB)

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