Der Kapitalismus als monetäres Syndrom – Josef Hüwe

Zur Kritik an der Marx­schen Kapi­tal­ana­ly­se – Bespre­chungs­re­fe­rat des gleich­na­mi­gen Buches von Dieter Suhr
- – - Die bishe­ri­gen Wege zum Sozia­lis­mus sind geschei­tert. Der ideel­le Wert seines Haupt­an­lie­gens wird dadurch nicht gemin­dert. Eins der ursprüng­li­chen Ziele ist durch Plan­wirt­schaft und Staats­all­macht unter­drückt worden. Gleich­heit und Frei­heit waren Grund­an­lie­gen aller bedeu­ten­den Sozia­lis­ten. Karl Marx hat seinen Epigo­nen jedoch durch eine fehler­haf­te Kapi­tal­ana­ly­se den Weg zu diesem Doppel­ziel verbaut. Sie veran­lass­te die sozia­lis­ti­schen Regie­run­gen, den verhäng­nis­vol­len Kurs der Zentral­ver­wal­tungs­wirt­schaft einzu­schla­gen. Die Bedeu­tung des Mark­tes als reale produk­ti­ve Grund­la­ge aller ökono­mi­schen Gleich­heit und Frei­heit wurde verkannt.
- – - Gleich­heit und Frei­heit sind auch Grund­an­lie­gen der Verfas­sung der BRD. Mit der kapi­ta­lis­tisch gepräg­ten Markt­wirt­schaft konnte dieses Ziel­paar eben­falls nicht erreicht werden. Die „Sozia­le Markt­wirt­schaft“ sollte die kapi­ta­lis­ti­schen Ungleich­hei­ten und Härten ausglei­chen und mildern. Zwar wurde in eini­gen Ländern ein groß­zü­gi­ger Versor­gungs­staat aufge­baut und für viele Menschen ein sehr hoher Lebens­stan­dard erreicht. Aber dadurch wurde die Staats­macht über­mä­ßig gestei­gert und das Wach­sen der Kluft zwischen arm und reich natio­nal und inter­na­tio­nal nicht verhin­dert. Zudem zerstört die kapi­ta­lis­tisch gepräg­te Markt­wirt­schaft mit ihrer Wachstumsmentalität die natür­li­chen Lebens­grund­la­gen. Der neue Slogan „Umwelt­schutz durch Wirt­schafts­wachs­tum“, der nur rela­ti­ve Berech­ti­gung hat, sollte nicht darüber hinweg­täu­schen.
- – - Bewah­rung der Schöp­fung findet neben Gleich­heit und Frei­heit der Menschen als dritte Ziel­vor­stel­lung in unse­rem Bewusst­sein ihren Platz. Eine entschei­den­de Sperre zum Verste­hen eines entspre­chen­den Konzep­tes ist immer noch die Marx­sche Kapi­tal­ana­ly­se, auch in west­li­chen Ländern. Erst wenn man ihre Fehler­haf­tig­keit erkannt hat, wird der Blick frei für eine natur­er­hal­ten­de, gerech­te und frei­heit­li­che Wirt­schafts­ord­nung.
- – - Zwar hatten sich bereits der liber­tä­re Sozia­list P. J. Proud­hon (1809 – 1865) und der Sozi­al­re­for­mer Silvio Gesell (1862 – 1930) kritisch mit der Marx­schen Theo­rie ausein­an­der­ge­setzt und gegen­tei­li­ge Auffas­sun­gen vertre­ten und wurde vor allem durch J. M. Keynes (1883 – 1946) eine andere Erklä­rung des Kapi­ta­lis­mus bekannt, bei der die Rolle des Geldes im Vorder­grund steht. Neuere Geld­theo­ri­en ließen weite­re Zwei­fel an der Rich­tig­keit der Marx­schen Kapi­tal­ana­ly­se aufkom­men. Aber dennoch beruht das land­läu­fi­ge Verständ­nis von Kapi­ta­lis­mus immer noch auf der Marx­schen Sicht­wei­se. Die Haupt­rol­le des tradi­tio­nel­len Geldes wird in dem Zusam­men­hang nicht gese­hen.
- – - Karl Marx lehrte: Der Kapi­ta­lis­mus beruht auf dem Privat­ei­gen­tum an den Produk­ti­ons­mit­teln. Durch die Produk­ti­ons­ver­hält­nis­se sind die Arbei­ter von den Bedin­gun­gen für die Verwirk­li­chung der Arbeit getrennt und können von den Kapi­ta­lis­ten ausge­beu­tet werden.
- – - Bei seiner Analy­se kapi­ta­lis­ti­scher Ausbeu­tungs- und Machtzusammenhänge ging Marx von der histo­risch vorge­ge­be­nen Struk­tur der feuda­len Gesell­schaft aus. Diese habe erst Geld und Ware in Kapi­tal verwan­delt und die Arbei­ter von den Arbeits­mit­teln geschie­den. Wolle man den Kapi­ta­lis­mus über­win­den, müsse das Privat­ei­gen­tum an den Produk­ti­ons­mit­teln über­wun­den werden.
- – - Folgt man einer Kette bestimm­ter Gedan­ken, die sich Marx über das Geld gemacht hat, kommen an der Rich­tig­keit seiner gängi­gen These Zwei­fel auf. Dann erscheint Kapi­ta­lis­mus viel­mehr als ein Syndrom, das seinen Herd in der Struk­tur des Geldes hat, in bestimm­ten Eigen­schaf­ten des Geldes. Dann ist Privat­ei­gen­tum an den Produk­ti­ons­mit­teln gar nicht der Grund und die Ursa­che für den Kapi­ta­lis­mus?
- – - Mit diesem Thema befasst sich Dieter Suhr (Profes­sor an der Univer­si­tät Augs­burg) in seinem Buch „Der Kapi­ta­lis­mus als mone­tä­res Syndrom“. Es trägt den Unter­ti­tel: Aufklä­rung eines Wider­spruchs in der Marx­schen Poli­ti­schen Ökono­mie“. (Campus Verlag Frank­furt 1988, Reihe Campus Forschung Band 581.)
- – - Suhr hinter­fragt die grund­le­gen­de Über­zeu­gung marxis­ti­schen Denkens im Geiste der „Kritik der poli­ti­schen Ökono­mie“ (Marx). Die folgen­den Ausfüh­run­gen stel­len im wesent­li­chen einen Auszug aus Suhrs Arbeit dar. (Sämt­li­che Zitate, soweit nicht anders ange­ge­ben, von Karl Marx laut Suhr a.a.O.)
- – - Marx hat uns in seiner Beur­tei­lung des Geldes folgen­de Erblast hinter­las­sen. Einer­seits betont er häufig, Geld sei ein Äqui­va­lent der Waren, und es habe selbst keine kapi­ta­lis­ti­sche Eigen­schaft. (In gewis­sem Sinne blieb Marx der Ansicht der Klas­si­ker der Natio­nal­öko­no­mie verhaf­tet, wonach Geld nur wie ein Schlei­er über der Wirt­schaft liegt, ohne diese selbst zu beein­flus­sen.) Ande­rer­seits erklärt Marx mehr­fach, inwie­fern das Geld ande­ren Tausch­ob­jek­ten über­le­gen ist – als „gesell­schaft­li­che Macht in priva­ter Hand“, als Ware von „größ­ter Tausch­kraft“ und „Schlag­fer­tig­keit“. Diese zweite Beob­ach­tung lässt vermu­ten, dass dem Geld in Wirk­lich­keit eine viel größe­re Bedeu­tung zukommt als ihm in der übli­chen marxis­ti­schen und klas­si­schen Denk­wei­se zuge­stan­den wird.
- – - Gehö­ren zu den Verwirk­li­chungs­be­din­gun­gen der Arbeit nur sach­li­che Produk­ti­ons­mit­tel? Gehört nicht vor allem ein allge­mei­nes ökono­mi­sches Kommu­ni­ka­ti­ons­mit­tel – das Geld – dazu, damit Eigen­tü­mer, Produ­zen­ten, Arbei­ter und Konsu­men­ten mitein­an­der ins Geschäft kommen? Ohne Geld bewegt sich in der arbeits­tei­li­gen Wirt­schaft fast nichts. Ohne Geld können die Menschen ihre Bedürf­nis­se nicht als aktu­el­le Nach­fra­ge geltend machen, ihre Produk­ti­on nicht vorfi­nan­zie­ren, ihre Produk­te nicht austau­schen und bezah­len. „Das Bedürf­nis des Austauschs und die Verwand­lung des Produkts in reinen Tausch­wert schrei­tet voran im selben Maß wie die Teilung der Arbeit, d.h. mit dem gesell­schaft­li­chen Charak­ter der Produk­ti­on. Aber in demsel­ben Maß wie dieser wächst, wächst die Macht des Geldes.“
- – - Marx hat aufschluss­reich beschrie­ben, warum Geld eine beson­de­re Rolle spielt, warum es auch ein der Ware über­le­ge­nes Nicht-Äquivalent ist. Der Unter­schied zwischen Geld und Ware zeigt sich in der unter­schied­li­chen Brauch­bar­keit im Tausch­ver­kehr. Geld ist das besse­re Tausch­mit­tel. Mit seiner Leich­tig­keit der realen Zirku­la­ti­on erfüllt es die erste Bedin­gung für seine Funk­ti­on als Zirku­la­ti­ons­mit­tel. Die Ware hinge­gen ist „gegen­über dem Geld ein Tausch­mit­tel von nur beschränk­ter Kraft“. „Geld kann immer andere Waren kaufen, während andere Waren nicht immer Geld kaufen können“, zitiert Marx zustim­mend Thomas Tooke. Waren unter­schei­den sich vom Geld auch durch größe­re „Vergäng­lich­keit“. „Das Geld ist die unver­gäng­li­che Ware.“ An ande­rer Stelle spricht Marx auch vom „Privi­le­gi­um dieser beson­de­ren Ware“ oder von der „Supre­ma­tie des Geldes“ gegen­über den „wirk­li­chen Bedürf­nis­sen der Produk­ti­on“. Die einzig­ar­ti­ge Tausch­bar­keit ist es also, die Geld vor den Waren auszeich­net. Moder­ne Geld­theo­re­ti­ker spre­chen von der „mone­tä­ren Liquidität“; diese macht den Gebrauchs­nut­zen des Geldes selbst aus.
- – - Die Über­le­gen­heit des Geldes bewirkt eine asym­me­tri­sche Struk­tur von Kauf und Verkauf. Der poten­ti­el­le Käufer muss nicht unmit­tel­bar kaufen, wenn er selbst gerade verkauft hat (wie es in der reinen Tausch­wirt­schaft der Fall ist); er kann warten, wenn er nicht drin­gen­de Bedürf­nis­se befrie­di­gen muss.
- – - Von der Macht derer, die Geld übrig haben, ist von vorn­her­ein auch der Arbei­ter als Verkäu­fer von Arbeit abhän­gig; er steht unter dem Druck, seine Arbeit anbie­ten zu müssen und ist somit erpress­bar. Die Macht des Geldes ist sowohl die Macht des Käufers als auch die des Geld­ge­bers, der mit dem Geld über die Macht verfügt, andere zu Käufern zu machen.
- – - „Die Tren­nung von Verkauf und Kauf (…) macht eine Masse Schein­trans­ak­tio­nen vor dem defi­ni­ti­ven Austausch (…) möglich und befä­higt so eine Masse Para­si­ten, sich in den Produk­ti­ons­pro­zess einzu­drän­gen und die Schei­dung auszu­beu­ten.“ Dies muss Marx gespürt haben: Die Wider­sprü­che des Kapi­ta­lis­mus tauchen eigent­lich nicht mit der Tren­nung von Arbeit und Eigen­tum auf, sie haben ihren Grund in der Aufspal­tung des unmit­tel­ba­ren Austau­sches in Verkauf und Kauf durch das Geld. Dennoch versucht Marx, eine Neutra­li­sie­rung der Asym­me­trie zu konstru­ie­ren mit der Vorstel­lung des Rollen­tau­sches: dass der benach­tei­lig­te Verkäu­fer nach dem Tausch zum Käufer wird und umge­kehrt. Doch vergeb­lich – denn Arbei­ter und Kapi­ta­lis­ten blei­ben grund­sätz­lich in ganz verschie­de­nen Ausgangs­si­tua­tio­nen: Die einen müssen ihre Arbeits­kraft verkau­fen und Waren kaufen um leben zu können. Die ande­ren haben lebens­not­wen­di­ge Bedürf­nis­se längst befrie­digt; es geht ihnen bei dem Geld, das sie übrig­ha­ben, nur um den Profit; sie können ande­rer Leute Arbeit kaufen, müssen es aber nicht. Der Geld­ka­pi­ta­list kann Arbei­ter und vermö­gens­lo­se Unter­neh­mer warten lassen!
- – - Als funda­men­ta­le und umfas­sen­de Pola­ri­sa­ti­on ergibt sich demnach: Auf der einen Seite die Geld­ka­pi­ta­lis­ten, auf der ande­ren Seite Produ­zen­ten (tätige Unter­neh­mer), Arbei­ter, Konsu­men­ten. Damit wird viel genau­er unter­schie­den als mit der übli­chen pauscha­len Pola­ri­sa­ti­on „Kapi­tal und Arbeit“. Auch die vermö­gens­lo­sen Unter­neh­mer, die unter­neh­me­ri­sche Arbeit leis­ten wollen, sind ja den Geld­be­sit­zern ausge­lie­fert, wenn ihnen das Geld fehlt, sich Produk­ti­ons­mit­tel und Rohstof­fe zu kaufen und Löhne vorzu­fi­nan­zie­ren. Marx unter­schei­det durch­aus zwischen dem täti­gen Unter­neh­mer (dem fungie­ren­den indus­tri­el­len Kapi­ta­lis­ten) und dem Geld­ka­pi­ta­lis­ten. Er sieht den täti­gen Unter­neh­mer als einen vom Geld­ka­pi­ta­lis­ten gekauf­ten Arbei­ter und Hand­lan­ger, der von dem, was er aus dem Kapi­tal heraus­holt, den Zins als Mehr­wert an den Geld­ka­pi­ta­lis­ten abfüh­ren muss. (Beide Funk­tio­nen – Unter­neh­mer und Kapi­tal­ge­ber – liegen in einer, Person, wenn der Unter­neh­mer mit eige­nem Geld­ka­pi­tal arbei­tet.)
- – - Wenn nun Geld ein der Ware über­le­ge­nes Nicht-Äquivalent ist, wie ist dann die Para­do­xie zu erklä­ren, dass Geld ein Äqui­va­lent der Ware ist? Geld ist ein Äqui­va­lent der Ware im Augen­blick eines Vertrags­ab­schlus­ses. Hier­bei dient Geld als ein Vergleichs­maß­stab. Es wird ein Kauf­preis verein­bart, und die so bestimm­te Summe wird bei Zahlung des Kauf­prei­ses bezahlt. Es geht hier also um den Nenn­wert des Geldes im Sinne seines Tausch­wer­tes (zum Beispiel 100 DM). Geld dient in diesem Fall als Wert­maß. (Heute spricht man von „Währungs­ein­heit“.)
- – - Im wirt­schaft­li­chen Verkehr aber ist Geld der Ware über­le­gen. Hier haben wir es zu tun mit dem Gebrauchs­nut­zen des Geldes, mit der nütz­li­chen (kosten­spa­ren­den) Über­le­gen­heit des Geldes beim geschäft­li­chen Austausch, mit der mone­tä­ren Liqui­di­tät.
- – - Man muss noch einen Schritt tiefer gehen und fragen, was denn letzt­lich den Gebrauchs­wert von Waren und Geld bestimmt. Nur „der Rock ist ein Gebrauchs­wert, der ein beson­de­res Bedürf­nis befrie­digt“, sagt Marx bezüg­lich einer Ware. Wenn sie nicht am Ende mensch­li­che Bedürf­nis­se befrie­digt, ist eine Ware wert­los. Es ist also das Bedürf­nis, das den Gebrauchs­wert der Ware und die in ihr verge­gen­ständ­lich­te Arbeit bestimmt.
- – - Das Geld nun befrie­digt das Bedürf­nis der Produ­zen­ten und Konsu­men­ten nach ökono­mi­scher Kommu­ni­ka­ti­on, nach Austausch der Produk­te. Das Phäno­men „mensch­li­che Bedürf­nis­se“ ist die Basis, von der die Marx­schen Gedan­ken­gän­ge in „Das Kapi­tal“ ausge­hen. Auf der ersten Seite von Band 1 taucht dieser Begriff gleich drei­mal auf. „Nicht erst in der Arbeit, sondern schon im Bedürf­nis grün­det die Wert­leh­re und damit auch die Mehr­wert­leh­re“, schreibt Suhr. Dennoch ist die marxis­ti­sche Wert- und Mehr­wert­leh­re fast ganz zu einer Arbeits­wert­leh­re gewor­den. Marx und Engels blie­ben noch zu sehr befan­gen in der klas­si­schen Arbeits­wert­leh­re Ricar­dos.
- – - Marx spricht also dem Gelde durch­aus einen beson­de­ren Gebrauchs­wert zu, will aber letzt­lich im Geld keine selb­stän­di­ge Mehr­wert­quel­le sehen, da hinter dessen beson­de­ren Eigen­schaf­ten – wie er einer­seits behaup­tet – keine werte­schaf­fen­de Arbeit stecke. Damit wider­spricht Marx aber seinen eige­nen Beob­ach­tun­gen, die er an ande­ren Stel­len wieder­gibt: Geld komme aus der Zirku­la­ti­on und sei „Produkt der Zirku­la­ti­on„!
- – - Die Arbeit, die den Nutzen des Geldes hervor­bringt, leis­ten nämlich die Wirt­schafts­teil­neh­mer durch ihre „gesell­schaft­li­che Tat“: indem sie das Geld als Tausch­mitt­ler akzep­tie­ren, es ausge­ben und anneh­men, die Arbeit des Austau­schens leis­ten, die Geld produ­ziert und repro­du­ziert. Die Voraus­set­zun­gen, die nach Marx erfüllt sein müssen, damit ein Gut selb­stän­di­ge Mehr­wert­quel­le sein kann, sind also beim Geld durch­aus gege­ben. Der typi­sche kapi­ta­lis­ti­sche Mehr­wert ist im Geld selbst ange­legt. Geld­ka­pi­tal hat ja seinen Mehr­wert immer schon erzeugt, auch in der vorin­dus­tri­el­len Zeit, bevor Arbeit und Produk­ti­ons­mit­tel getrennt waren.
- – - Und folgen­de Gedan­ken hat Marx auch nieder­ge­schrie­ben: Das Geld­ka­pi­tal ist ein „für den Verlei­her in der Tat vom Prozeß des Kapi­tals unab­hän­gi­ges Kapi­tal“. In diesem Fall ist der Zins ein „von der kapi­ta­lis­ti­schen Produk­ti­on – der Erzeu­gung des Mehr­wer­tes – als solcher unab­hän­gi­ger fact“.
- – - Der Zins hat also nichts oder nur wenig und indi­rekt mit den produk­ti­ven Eigen­schaf­ten von Sach­ka­pi­tal (Produk­ti­ons­mit­teln) zu tun – wie Marx es sonst lehrt – ‚aber sehr viel mit der Eignung des Geldes zu Zwecken des Zahlens und Tauschens. Wenn Geld den beschrie­be­nen spezi­el­len ökono­mi­schen Gebrauchs­wert hat, dann erscheint es eigent­lich selbst­ver­ständ­lich, dass die Geld­be­sit­zer diesen vermark­ten und dafür einen Preis, den Zins, erzie­len können. Sie können das gesell­schaft­lich-wirt­schaft­li­che Kommunikationsbedürfnis der Menschen ausnut­zen, sie sind in der Lage, den Austausch zwischen den Eigen­tü­mern der Sach­ka­pi­ta­li­en und den Arbei­tern und den Konsu­men­ten nach eige­nen Gewinn­in­ter­es­sen zu beein­flus­sen – oder gar zu verhin­dern, indem sie ihr Geld zurück­hal­ten, wenn ihnen kein „ange­mes­se­ner“ Zins für den Geld­ver­leih winkt.
- – - Die kapi­ta­lis­ti­sche Eigen­schaft des Geldes wird nun auf die Güterwelt über­tra­gen. Nur mit Geld kommen ja die Unter­neh­mer im allge­mei­nen an die Sachgüter heran. Also müssen auch Produk­ti­ons­mit­tel Zinsen abwer­fen – mindes­tens soviel wie Geld, wenn man es verleiht (bei Geld­in­sti­tu­ten anlegt). An sich besitzt Real­ka­pi­tal keine zinser­pres­sen­den Eigen­schaf­ten. Es werden auch nur solche Real­ka­pi­ta­li­en herge­stellt bzw. einge­setzt, die mindes­tens soviel Zins­ge­win­ne erwar­ten lassen wie Geld, wenn man es verleiht. Der Geld­zins setzt den Stan­dard für die Vermeh­rung von Sach­ka­pi­tal und damit auch den Grad für die allge­mei­ne Bedürf­nis­be­frie­di­gung. Im Geld­zins liegt der Ursprung des Profits, der Rendi­te. Der Kapi­ta­lis­mus ist eine Folge des Geld­sys­tems.
- – - Pervers an dem „Geheim­nis der Plus­ma­che­rei“ ist: Dieje­ni­gen, die durch ihre „gesell­schaft­li­che Tat“ den Gebrauchs­nut­zen des Geldes produ­zie­ren, müssen für den Gebrauchs­nut­zen des Geldes einen Preis (Zinsen) zahlen an dieje­ni­gen, die die Produk­ti­on stören, indem sie ihr Geld zurück­hal­ten, wenn kein ange­mes­se­ner Zins­ge­winn winkt.
- – - Noch einmal zurück zu den Wider­sprü­chen in der Marx­schen Poli­ti­schen Ökono­mie. Warum zieht Marx aus der Beob­ach­tung, dass Geld gegen­über Waren vorteil­haf­te Eigen­schaf­ten besitzt, keine Konse­quen­zen? Warum gesteht er dem Geld letzt­lich keine Mehr­wert­ei­gen­schaf­ten zu?
- – - Auf den nach­hal­ti­gen Einfluss der klas­si­schen Arbeits­wert­leh­re Ricar­dos wurde schon hinge­wie­sen. Marx blieb anschei­nend bei der Über­zeu­gung, der Gebrauchs­wert des Geldes beruhe nicht auf gesell­schaft­li­cher Arbeit, Geld selbst könne deshalb nicht eigen­stän­di­ge Quelle von Wert sein. Dabei hat Marx seine eigene Fest­stel­lung nicht berück­sich­tigt, dass Geld ein „notwen­di­ges Produkt“ des gesell­schaft­li­chen Austausch­pro­zes­ses ist. So musste denn Marx den Geld­zins aus dem Produk­ti­ons­pro­zess zu erklä­ren versu­chen, als ein Resul­tat dieses Prozes­ses, als ein gleich­sam vorweg­ge­nom­me­nes Ergeb­nis, obwohl das Geld­ka­pi­tal histo­risch und ökono­misch das eigent­li­che Kapi­tal darstellt.
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