Kein Zurück Zum Status Quo – Norbert Rost

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In der Vor-Corona-Welt war ein hemmungs­lo­ser Flug­ver­kehr der Viren-Vertei­ler. Zerris­se­ne, plane­ten­um­fas­sen­de Liefer­ket­ten auch für Lebens­not­wen­di­ges bedro­hen heute unsere Versor­gung. Unser Gesund­heits­sys­tem war unzu­rei­chend ausge­stat­tet. Kultur­schaf­fen­de lebten von der Hand in den Mund. „Ange­mes­se­ne Risi­ko­vor­sor­ge“ war Fremd­wort, und was „system­re­le­van­te Berufe“ sind hatten wir nie diskutiert.

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Wir müssen unsere Prio­ri­tä­ten­set­zung überdenken! 

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Die Corona-Pande­mie zeigt uns wie durch ein Brenn­glas, was wirk­lich wich­tig ist. Influ­en­cer-Trips an exoti­sche Orte sind es nicht. Klopa­pier und Linsen sind wich­ti­ger als Rolex und Marken­schu­he. Funk­tio­nie­ren­des Inter­net, Naherho­lungs­mög­lich­kei­ten und Lebens­mit­tel aus der Region schla­gen Formel 1, Kreuz­fahr­ten und das immer neues­te Fern­seh­ge­rät. Wohl dem, dessen Wasch­ma­schi­ne funktioniert!

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Wir lernen in der Krise, dass Verwal­tung schnell handeln kann. Wir lernen, dass Büro­ar­bei­ter problem­los auch zwei oder mehr Wochen­ta­ge von Zuhau­se arbei­ten können und sich Auto­fahr­ten sparen können. Wir lernen, dass Zuhau­se Lernen möglich ist – es geht uns ja auch um hoch­wer­ti­ge Bildung und selb­stän­di­ge Menschen und nicht um Anwe­sen­heit in Schul­ge­bäu­den. Oder?

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Wir sehen, dass der Rück­zug des Menschen Raum für Natur lässt: In Vene­dig kann man den Grund des Ozeans und darin leben­de Fische wieder sehen, die in den vergan­ge­nen Jahren durch gigan­ti­sche Touris­ten­strö­me verne­belt wurden. In den Städ­ten wird die Luft klarer, weil der Verkehr nach­lässt. Nord­ita­li­en verliert Menschen, aber auch Fabri­krauch. Die Krise ist auch eine Chance.

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Eine Rück­kehr zum Status Quo wäre eine verge­be­ne Chance! Wir Menschen stehen noch ganz ande­ren Risi­ken gegen­über als „nur“ Pande­mien: Arten­ster­ben, Klima­wan­del, Vermül­lung der Meere, Ressour­cen­ver­knap­pung, wach­sen­de Armut bei konzen­trier­tem Vermö­gen – diese und andere Proble­me sind ticken­de Zeit­bom­ben, die morgen explo­die­ren können. Und wenn sie es tun sind wir dann vorbe­rei­tet? In der Vor-Corona-Zeit haben wir solche Risi­ken nicht wirk­lich ernst genom­men. Wir haben keine Vorsor­ge getrof­fen, haben uns vor (poli­ti­schen) Entschei­dun­gen gedrückt. Wir haben es für lästig gehal­ten, auf Lieb­ge­won­ne­nes zu verzich­ten, weil wir ein „Recht auf Konsum“ für ganz natür­lich hielten. 

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Die Corona-Pande­mie zeigt uns, dass unsere bishe­ri­ge Lebens­wei­se Neben­wir­kun­gen hat, die unsere Gesund­heit – ja: unser Leben! – bedro­hen. Wollen wir dahin wieder zurück? Nein! Wir wollen die Krise zur Trans­for­ma­ti­on, zum Wandel­nut­zen! #Kein­Zu­rück­Zum­Sta­tus­Quo? Aber wohin denn dann? Wenn wir nicht zu dem zurück­keh­ren, was wir kennen und woran wir uns gewöhnt haben: Was ist die Vision, der wir folgen können?

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Wer Visio­nen sucht, sollte sich umschau­en! Im Herbst 2015 verab­schie­de­ten die Länder dieser Erde in der UNO 17 Ziele: Die UN-Nach­hal­tig­keits­zie­le. Man nennt sie auch die Agenda 2030. Keine Armut, kein Hunger, Gesund­heit und Wohl­erge­hen sind nur die ersten drei. Hoch­wer­ti­ge Bildung, menschen­wür­di­ge Arbeit und saube­res Wasser gehö­ren auch dazu. Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten in reichen Ländern wie unse­rem? Nicht in einer Pande­mie-Situa­ti­on! Nach­hal­ti­ger Konsum und Produk­ti­on, sowie nach­hal­ti­ge Städte und Gemein­den sind Ziele, von denen auch wir noch weit entfernt sind. Wie wich­tig nach­hal­tig aufge­stell­te Städte und Dörfer sind erfah­ren wir gerade in der Corona-Zeit sehr spür­bar: nur wenn unsere Gemein­den funk­tio­nie­ren, bekom­men wir Essen, finden Zuspruch, wärmen uns im kommu­na­len Nest.

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Die 17 Nach­hal­tig­keits-Ziele sind eine Vision, der wir folgen können. Wenn wir die Syste­me wieder hoch­fah­ren, die wir mit einem Corona-Shut-Down aus Selbst­schutz so plötz­lich still­leg­ten, müssen wir uns gut fragen:

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Welche in der Corona-Pande­mie erlern­ten Hand­lun­gen behal­ten wir bei, weil wir sie für gut befun­den haben? Home­of­fice? Lager­hal­tung? Sorge um unsere Geschäfts­part­ner? Gute Bezah­lung für System­re­le­vanz? Händewaschen?
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Welche alten Hand­lungs­mus­ter sind der Krisen­vor­sor­ge abträg­lich? Welche Hand­lungs­mus­ter machen uns verletz­lich statt wider­stands­fä­hig? Wie machen wir unser Handeln nach­hal­ti­ger, statt einfach wieder in alte Muster zurückzufallen?
Auf welche ande­ren Krisen­sze­na­ri­en wollen wir uns gleich mal vorbe­rei­ten? Wie beugen wir Arten­ster­ben, Ressour­cen­ver­knap­pung, Pande­mien, Strom­aus­fäl­len und Klima­wan­del vor? Wie helfen wir der Natur – dessen Teil wir sind! – sich selbst zu helfen?

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Diese Fragen sollte sich jedes Unter­neh­men stel­len, jeder Verein, jede Behör­de, jede (Hoch-) Schule, jede andere Insti­tu­ti­on. Aber auch jede Fami­lie. All unsere Hand­lun­gen zusam­men erge­ben das, was wir Gesell­schaft nennen. Und wir können uns entschei­den: wollen wir in einer verletz­li­chen Gesell­schaft leben, oder in einer nachhaltigen? 

#Kein­Zu­rück­Zum­Sta­tus­Quo! Statt­des­sen lieber #AufZu­N­ach­hal­ti­gen­Zie­len!
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HW_2020_02_S07-07

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