Die Per­spek­tiv­lo­sig­keit euro­päi­scher Wirt­schafts­po­li­tik – Edo­ardo Beretta

Kein Ökonom, Poli­ti­ker, euro­päi­scher Bürger, nicht einmal die Exper­ten in den Verei­nig­ten Staa­ten von Ameri­ka – den Währungs­kon­kur­ren­ten des geld­ver­ein­ten Euro­pas –, hätten vor der Einfüh­rung des Euro in 2002 das Ausmaß der entstan­de­nen Wirt­schafts­di­lem­ma­ta erwä­gen können. Unreife(re) Mitglieds­län­der der Euro­päi­schen Währungs­uni­on (EWU) stürz­ten Europa gleich nach Ausbruch der globa­len Wirt­schafts- und Finanz­kri­se im Jahre 2007 in die Schul­den­kri­se. Es mag harsch klin­gen, aber der Euro (und damit seine Währungs­leid­ge­nos­sen) haben sich selbst – im Vorfeld statu­ta­risch, im Nach­hin­ein prak­tisch – ins Aus kata­pul­tiert.

Der hinter der Euro­wäh­rung stehen­de Gedan­ke ist fürwahr revo­lu­tio­när und bleibt trotz teil­wei­se ähnli­cher histo­ri­scher Vorer­fah­run­gen (vgl. die Latei­ni­sche (1865−1927) und Skan­di­na­vi­sche Münz­uni­on (1873−1914)) ein mone­tä­res Novum: eine Wirt­schafts- und Währungs­uni­on auf euro­päi­scher Ebene zur struk­tu­rel­len Förde­rung inter­re­gio­na­ler Bezie­hun­gen. Es wäre einer­seits sicher­lich vorei­lig, über Schei­tern oder Gelin­gen der euro­päi­schen Wirt­schafts­ver­ei­ni­gung zu urtei­len. Ande­rer­seits lassen sich aber schon jetzt Vor- und Nach­tei­le des (bishe­ri­gen) euro­päi­schen Durch­grei­fens in der akuten Phase der Schul­den­kri­se erken­nen, die zumin­dest ein Zwischen­fa­zit ermög­li­chen: Die euro­päi­sche Wirt­schafts­po­li­tik ist unter den herr­schen­den Bedin­gun­gen perspek­tiv­los. Was sind aber die intrin­si­schen Gründe dafür? Und was sollte man unbe­dingt neuge­stal­ten, um die Zukunfts­fä­hig­keit der Euro­zo­ne und – was lang­fris­tig system­re­le­van­ter ist – die Eintracht unter den Völkern zu sichern?
Diesen Kern­fra­gen wird man im Folgen­den theo­re­tisch sowie empi­risch mithil­fe konkre­ter Bezüge auf die euro­päi­sche Schul­den­kri­se nach­ge­hen und Lösungs­an­sät­ze zur Krisen­be­wäl­ti­gung sowie -vorbeu­gung skiz­zie­ren.

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