65. Mündener Gespräche – Terminhinweis der Sozialwissenschaftlichen Gesellschaft

Programm - 65. Mündener Gespräche

Programm – 65. Münde­ner Gesprä­che

Proud­hon, Gesell, Keynes und nega­ti­ve Zinsen – vom 14. bis 15. März 2020 in Wupper­tal
– - -
Seit mehr als fünf Jahren halten die Zentral­ban­ken Japans, Skan­di­na­vi­ens, der Schweiz und der Euro­zo­ne ihre Leit­zin­sen nahe bei null oder sogar unter­halb von null. Das galt als völlig undenk­bar, bis der US-ameri­ka­ni­sche Ökonom Prof. Grego­ry Mankiw bald nach dem Beginn der großen Welt­fi­nanz­kri­se im Herbst 2008 in einer Kolum­ne in der „New York Times schrieb, dass die Ökono­men und die Allge­mein­heit sich in Zukunft genau­so an nega­ti­ve Zinsen gewöh­nen müss­ten, wie sich Mathe­ma­ti­ker einst­mals an nega­ti­ve Zahlen gewöhnt hätten. Mankiw erin­ner­te damals sogar an den Sozi­al­re­for­mer Silvio Gesell, der schon vor mehr als 100 Jahren die Idee nega­ti­ver Rendi­ten gehabt hätte. Der welt­be­rühm­te Ökonom John Maynard Keynes habe diese Idee für gut befun­den. Und „in der Situa­ti­on von Banken, die über­gro­ße Reser­ven halten, erscheint Gesells Sorge über die Haltung von Geld ganz plötz­lich sehr modern.“
– - -
Das geld­po­li­ti­sche Handeln der Zentral­ban­ken entspricht bislang jedoch noch nicht den Vorstel­lun­gen von Gesell und Keynes. Das anstel­le einer Einfüh­rung von „künst­li­chen Durch­hal­te­kos­ten des Geldes“ von den Zentral­ban­ken prak­ti­zier­te sog. Quan­ti­ta­ti­ve Easing, also der massen­haf­te Ankauf von Staats- und Unter­neh­mens­an­lei­hen, erreicht nicht die von ihnen ange­streb­te Wirkung einer Stabi­li­sie­rung der Wirt­schaft.
– - -
Zu Beginn der Tagung berich­ten Beate Bock­ting und Thomas Betz über die Ergeb­nis­se ihrer Recher­che im wissen­schaft­li­chen Nach­lass von John Maynard Keynes im King’s Colle­ge in Cambridge/England. Vor und nach dem Erschei­nen von Keynes‘ „Allge­mei­ner Theo­rie“ gab es inter­es­san­te infor­mel­le Debat­ten über die Geld­re­form. Bei dieser Recher­che kamen auch bemer­kens­wer­te Details der legen­dä­ren Völker­bund-Konfe­renz von Bret­ton Woods (1944) zum Vorschein, bei der sich Keynes leider nicht mit seinem „Bancor“-Plan zur Neuord­nung der Welt­wirt­schaft nach dem Zwei­ten Welt­krieg durch­set­zen konnte.
– - -
Inzwi­schen gibt es beson­ders im angel­säch­si­schen Sprach­raum eine wissen­schaft­li­che Debat­te über die Jahr­zehn­te lang in Verges­sen­heit gera­te­nen geld­re­for­me­ri­schen Ziele von Gesell und Keynes. Vor dem Hinter­grund von Welt­fi­nanz­kri­se und Nega­tiv­zins­ent­wick­lung unter­zieht Prof. Günter Rehme die Geld­re­form­ge­dan­ken von Gesell bei dieser Tagung einer erneu­ten wissen­schaft­li­chen Über­prü­fung.
– - -
Außer­dem werden zwei Dokto­ran­den ihre wissen­schaft­li­chen Forschungs­pro­jek­te vorstel­len. Simon Papaud aus Paris bezieht den fran­zö­si­schen Sozi­al­re­for­mer Pierre Joseph Proud­hon mit ein, der ein bedeu­ten­der Vorläu­fer von Gesell und Keynes war. Und Chris­ti­an Gelle­ri – bekannt als Initia­tor und Orga­ni­sa­tor des „Chiemgauer“-Regionalgeldes – stellt prak­ti­zier­te Konzep­te des Nega­tiv­zin­ses vor und vergleicht die Theo­rie von Gesell und Keynes mit der heuti­gen Praxis. Welche Ergeb­nis­se gibt es in klei­nen mone­tä­ren Expe­ri­men­ten wie dem „Chiem­gau­er“? Und wie wirk­sam sind nied­rig dosier­te Anwen­dun­gen bei Zentral­bank­wäh­run­gen?
Übernachtung/Verpflegung im Tagungs­haus buch­bar.
– - -
Ausführ­li­ches Anmel­de­for­mu­lar mit Preis­lis­te im Inter­net unter: https://hwlink.de/MG65
– - -
Tagungs­ge­bühr: 25,– € Programm und weite­re Infos: https://hwlink.de/MüGe
– - – Tagungs­ort: Silvio-Gesell-Tagungs­stät­te, Schan­zen­weg 86, 42111 Wupper­tal, Tel.: 0 20 53 – 42 37 66, Fax: 0 20 53 – 42 37 99 – - -
E‑Mail: ab@sgt-wuppertal.de, Home­page: https://sgt-wuppertal.de
– - -
mehr dazu online

PDF-Datei herun­ter­la­den (Datei­grö­ße: 162KB)

Das könnte Dich auch interessieren …