Kategorie: Ausgabe 02 – 2014

Leserbriefe 02/2014 0

Leserbriefe 02/2014

Ihre Mei­nung ist uns wich­tig! Sen­den Sie uns Ihre Fra­gen, Anre­gun­gen oder per­sön­li­chen Mei­nun­gen. Wir bemü­hen uns, so vie­le Leser­brie­fe unter­zu­brin­gen, wie mög­lich. Wenn wir Leser­brie­fe kür­zen, dann so, dass das Anlie­gen der Schrei­ben­den gewahrt bleibt. Leser­brie­fe geben nicht die Mei­nung der Redak­ti­on wieder.

Zum Arti­kel „Geht es auch ohne Geld?“ – Da wird mei­ner Mei­nung nach kräf­tig übers Ziel hinausgeschossen.
Ich sehe das prag­ma­ti­scher. Sicher ist der Mensch Teil der Natur,
was bedeu­tet, dass er mor­gens wenn er auf­ge­stan­den ist, Hunger
hat und sich auf­ma­chen muss (etwa arbei­ten gehen?) um was
Ess­ba­res zu fin­den. In der heu­ti­gen Zeit der arbeits­tei­li­gen Gesellschaft
(fin­de ich gar nicht so schlecht) gehe ich um die Ecke zu meinem
Bäcker. Was aber wenn der Bäcker kei­ne Lust hat und heute
lie­ber faul sein möch­te? Und die Kas­sie­re­rin bei ALDI auch, dann
habe ich ein Pro­blem. Geld an sich ist eine gute Erfin­dung, es darf
sich nur nicht von allei­ne ver­meh­ren, es soll nur Tausch­mit­tel sein…

Papst Franziskus – Wegbereiter für die Überwindung der Dominanz des Ökonomischen? – Christoph Rinneberg 0

Papst Franziskus – Wegbereiter für die Überwindung der Dominanz des Ökonomischen? – Christoph Rinneberg

Seit dem 24. Novem­ber 2013 geht ein
Text um die Welt, den wohl kirchennahe
und erst recht kir­chen­fer­ne Menschen
der katho­li­schen Kir­che kaum zugetraut
haben. Es ist das ers­te „Apos­to­li­sche
Schrei­ben“ des neu­en Paps­tes in Rom,
der als ers­ter sich durch sei­ne Namensgebung
mit Fran­zis­kus von Assi­si verbindet.
Vor rund 800 Jah­ren hat dieser
Fran­ces­co („klei­ner Fran­zo­se“), wie ihn
sei­ne Eltern lie­be­voll nann­ten, durch
sein radi­ka­les „Ver­las­sen der Welt“
sein neu­es Ver­ständ­nis von „Gott und
Mensch“ wie­der in die­se Welt gebracht
und durch sein Leben beglau­bigt. Wegen
sei­ner Glaub­wür­dig­keit hatten
man­che sei­ner Zeit­ge­nos­sen in ihm gar
einen zwei­ten Chris­tus gesehen.
Mit den Wor­ten „Die Freu­de des
Evan­ge­li­ums sei immer in euren
Her­zen“ lädt Papst Franziskus
alle „christ­gläu­bi­gen“ Menschen
ein, sich auf „Evan­ge­lii Gau­di­um“, die
Freu­de des Evan­ge­li­ums einzulassen
– und könn­te damit kaum protestantischer
sein. Evan­ge­li­um – übersetzt:
fro­he Bot­schaft – ist zum Begriff für
eine Über­win­dung der Existenzängste,
für eine Befrei­ung von TINA-diktierten
– „The­re Is No Alter­na­ti­ve“ – sog. Sachzwängen
gewor­den. Der neue Papst
hat im Grun­de von den ers­ten Minuten
an in sei­nem Amt durch eben­so überraschende
wie glaub­wür­di­ge Gesten
dafür gesorgt, dass sei­ne Wor­te kaum
Bar­rie­ren zu über­win­den haben, um
auch bei Men­schen anzu­kom­men, die
sich nicht als „christ­gläu­big“ verstehen.
Damit hat der Papst kein Wunder
voll­bracht, er hat sich „nur“ voll und
ganz – in Diet­rich Bon­hoef­fers Sinne –
der Dies­sei­tig­keit die­ser Welt und der
Auf­ga­be der christ­li­chen Kir­chen in dieser
Welt gestellt: Leben geht vor Lehre,
könn­te man sei­ne so überraschend
neu klin­gen­de Bot­schaft auf den Punkt
bringen.
In die­ser Betrach­tung der umfangreichen
– in 288 Absät­ze gegliederten
und mit 217 Lite­ra­tur­ver­wei­sen versehenen
– päpst­li­chen Bot­schaft soll es
in ers­ter Linie um die Abschnit­te 52 bis
60 gehen, in denen „Eini­ge Herausforderungen
der Welt von heu­te“ thematisiert
wer­den. Die­sen rund 3 Sei­ten Text
kann man unschwer eine der ärztlichen
Pro­fes­sio­na­li­tät ent­lie­he­ne Gliederung
nach Sym­ptom, Ana­mne­se, Diagnose
und The­ra­pie unterlegen:
Zu den Sym­pto­men erfah­ren wir:
„Die Mensch­heit erlebt im Moment eine
his­to­ri­sche Wen­de, die wir an den Fortschritten
able­sen kön­nen, die auf verschiedenen
Gebie­ten gemacht werden.
Lobens­wert sind die Erfol­ge, die zum
Wohl der Men­schen bei­tra­gen, zum Beispiel
im Bereich der Gesund­heit, der Erziehung
und der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Wir
dür­fen jedoch nicht ver­ges­sen, dass der
größ­te Teil der Män­ner und Frau­en unserer
Zeit in täg­li­cher Unsi­cher­heit lebt,
mit unheil­vol­len Kon­se­quen­zen. Einige
Patho­lo­gi­en neh­men zu. Angst und Verzweiflung
ergrei­fen das Herz vie­ler Menschen,
sogar in den soge­nann­ten reichen
Län­dern. Häu­fig erlischt die Lebensfreude,
neh­men Respekt­lo­sig­keit und Gewalt
zu, die sozia­le Ungleich­heit tritt immer
kla­rer zuta­ge. Man muss kämp­fen, um
zu leben – und oft wenig wür­de­voll zu leben….“
(52)
Ergän­zend hier­zu wird in den folgenden
Absät­zen u. a. der Hun­ger in der Welt,
das Weg­wer­fen von Lebens­mit­teln, die
Spe­ku­la­ti­on mit Nah­rungs­mit­teln, die
Zunah­me des Reich­tums Weni­ger und
der Ver­ar­mung Vie­ler, die ökonomische
Aus­beu­tung und die sozia­le Unterdrückung
angeführt.
Die Ana­mne­se ist nicht weni­ger deutlich:
„Die­ser epo­cha­le Wan­del ist verursacht
wor­den durch die enor­men Sprün­ge, die
in Bezug auf Qua­li­tät, Quan­ti­tät, Schnelligkeit
und Häu­fung im wissenschaftlichen
Fort­schritt sowie in den technologischen
Neue­run­gen und ihren prompten
Anwen­dun­gen in ver­schie­de­nen Bereichen
der Natur und des Lebens zu verzeichnen
sind. Wir befin­den uns im Zeitalter
des Wis­sens und der Information,
einer Quel­le neu­er For­men einer sehr oft
anony­men Macht.“ (52)
Wei­ter lesen wir:
Das herr­schen­de „Ungleich­ge­wicht geht
auf Ideo­lo­gi­en zurück, die die absolute
Auto­no­mie der Märk­te und die Finanzspekulation
ver­tei­di­gen. Dar­um bestreiten
sie das Kon­troll­recht der Staa­ten, die
beauf­tragt sind, über den Schutz des Gemeinwohls
zu wachen. …“(56)
Die Dia­gno­se bie­tet für jeder­mann nachvollziehbare
Erklärungen:
Die unüber­seh­ba­re, zuneh­men­de soziale
Ungleich­heit hat sich nicht ein­fach so
ergeben:
„… Heu­te spielt sich alles nach den Kriterien
der Kon­kur­renz­fä­hig­keit und nach
dem Gesetz des Stär­ke­ren ab, wo der
Mäch­ti­ge­re den Schwä­che­ren zunichte
macht. Als Fol­ge die­ser Situa­ti­on sehen
sich gro­ße Mas­sen der Bevöl­ke­rung ausgeschlossen
und an den Rand gedrängt:
Ohne Arbeit, ohne Aus­sich­ten, ohne Ausweg.
Der Mensch an sich wird wie ein
Kon­sum­gut betrach­tet, das man gebrauchen
und dann weg­wer­fen kann. Wir haben
die ‚Weg­werf­kul­tur‘ ein­ge­führt, die
sogar geför­dert wird. Es geht nicht mehr
ein­fach um das Phä­no­men der Ausbeutung
und der Unter­drü­ckung, sondern
um etwas Neu­es: Mit der Ausschließung
ist die Zuge­hö­rig­keit zu der Gesellschaft,
in der man lebt, an ihrer Wur­zel getroffen,
denn durch sie befin­det man sich nicht in
der Unter­schicht, am Ran­de oder gehört
zu den Macht­lo­sen, son­dern man steht
drau­ßen. Die Aus­ge­schlos­se­nen sind
nicht ‚Aus­ge­beu­te­te‘, son­dern Müll, ‚Abfall‘.“
(53)
Die „Trick­le-Down-Theo­rie“ geht davon
aus, „dass jedes vom frei­en Markt begünstigte
Wirt­schafts­wachs­tum von sich
aus eine grö­ße­re Gleich­heit und soziale
Ein­bin­dung in der Welt her­vor­zu­ru­fen vermag.
Die­se Ansicht, die nie von den Fakten
bestä­tigt wur­de, drückt ein undifferenziertes,
nai­ves Ver­trau­en auf die Güte
derer aus, die die wirt­schaft­li­che Macht in
Hän­den hal­ten, wie auch auf die vergötterten
Mecha­nis­men des herrschenden
Wirt­schafts­sys­tems. … Um einen Lebensstil
ver­tre­ten zu kön­nen, der die anderen
aus­schließt, … hat sich eine Globalisierung
der Gleich­gül­tig­keit ent­wi­ckelt. Fast
ohne es zu mer­ken, wer­den wir unfähig,
Mit­leid zu emp­fin­den gegen­über dem
schmerz­vol­len Auf­schrei der ande­ren, wir wei­nen nicht mehr ange­sichts des Dramas
der ande­ren, noch sind wir daran
inter­es­siert, uns um sie zu küm­mern, als
sei all das eine uns fern lie­gen­de Verantwortung,
die uns nichts angeht. Die Kultur
des Wohl­stands betäubt uns….“ (54)
Ein Grund für die in (54) geschil­der­te Situation
„… liegt in der Bezie­hung, die wir
zum Geld her­ge­stellt haben, denn friedlich
akzep­tie­ren wir sei­ne Vorherrschaft
über uns und über unse­re Gesellschaften.
Die Finanz­kri­se, die wir durchmachen,
lässt uns ver­ges­sen, dass an ihrem
Ursprung eine tie­fe anthro­po­lo­gi­sche Krise
steht: die Leug­nung des Vor­rangs des
Men­schen! Wir haben neue Göt­zen geschaffen.
Die Anbe­tung des anti­ken goldenen
Kalbs (vgl. Ex. 32, 1–35) hat eine
neue und erbar­mungs­lo­se Form gefunden
im Feti­schis­mus des Gel­des und in
der Dik­ta­tur einer Wirt­schaft ohne Gesicht
und ohne ein wirk­lich menschliches
Ziel. Die welt­wei­te Kri­se, die das Finanzwesen
und die Wirt­schaft erfasst, macht
ihre Unaus­ge­gli­chen­hei­ten und vor allem
den schwe­ren Man­gel an einer anthropologischen
Ori­en­tie­rung deut­lich – ein
Man­gel, der den Men­schen auf nur eines
sei­ner Bedürf­nis­se redu­ziert: Auf den
Kon­sum.“ (55)

Kant nennt es „Unrecht“ – Thomas Mohrs 0

Kant nennt es „Unrecht“ – Thomas Mohrs

War­um die Geheim­ver­hand­lun­gen über das Han­dels­ab­kom­men TTIP ein Kul­tur­bruch sind und war­um die Phi­lo­so­phie Ein­spruch erhebt.

Wie hieß das doch beim alten Kant:
„Alle auf das Recht ande­rer Menschen
bezo­ge­ne Hand­lun­gen, deren Maxime
sich nicht mit der Publi­ci­tät verträgt,
sind Unrecht.“ Über­setzt: Jegliche
poli­ti­sche Maß­nah­me, die vor
ihrer Imple­men­tie­rung das Licht der
Öffent­lich­keit scheu­en muss, ist per
defi­ni­tio­nem Unrecht. 1795 hat Immanuel
Kant das geschrie­ben, in seinem
„Ewi­gen Frie­den“, einer der ersten
ech­ten Glo­ba­li­sie­rungs-Theo­ri­en. Und
irgend­wie ist noch immer was dran an
die­ser „Publizitäts“-These.
Neh­men wir zum Bei­spiel diese
„Trans­at­lan­tic Tra­de and Investment
Part­nership“ (TTIP), das
größ­te „Frei­han­dels­ab­kom­men“ aller
Zei­ten, das gera­de zwi­schen der EU und
Nord­ame­ri­ka aus­ge­han­delt wird. Nein:
Nen­nen wir das Kind beim Namen:
das gera­de übern gro­ßen Teich hinweg
in Brüs­sel und Washing­ton ausgemauschelt
wird. Unter Ausschluss
der Öffent­lich­keit, geheim, hin­ter verschlossenen
Türen. Abge­schirmt von
Ver­tre­tern demo­kra­tisch gewählter
Par­la­men­te und erst recht von NGOs
und Ver­brau­cher- und Konsumentenschutzverbänden.
Denn die könn­ten den versammelten
Lob­by­is­ten der glo­ba­len Konzerne
und Inves­to­ren womög­lich in die Suppe
spu­cken – in die Hüh­ner­sup­pe gewissermaßen.
Denn: Wenn das funktioniert
mit der TTIP (bzw. der TAFTA:
Trans­at­lan­tic Free Tra­de Area), dann
kön­nen sich bei­spiels­wei­se amerikanische
Fleisch­kon­zer­ne mit ihren
Chlor­hüh­nern, die der­zeit in Europa
auf­grund der stren­ge­ren Hygiene-
Stan­dards ver­bo­ten sind, in den europäischen
Markt ein­kla­gen. Einfach
so, weil die­se „über­zo­ge­nen“ europäischen
Stan­dards ein Chlorhuhn-Investitionshemmnis
dar­stel­len und damit
zukünf­ti­ge mög­li­che Gewin­ne der Konzerne
gefährden.
Und wenn ein euro­päi­scher Staat sich
wei­gern soll­te? Dann ent­schei­det nicht
die natio­na­le oder die euro­päi­sche Gerichtsbarkeit,
son­dern im Rah­men des
Frei­han­dels­ab­kom­mens organisierte
Tri­bu­na­le, beschickt von internationalen
Anwalts­kanz­lei­en, deren Vertreter
heu­te Klä­ger, mor­gen Verteidiger,
über­mor­gen Rich­ter sind. Und wenn
das von der Welt­bank (!) beaufsichtigte
Tri­bu­nal ent­schei­det, dass der renitente
Staat die „erwar­te­ten künftigen
Pro­fi­te“ des Kon­zerns XY „unrecht­mä­ßig“
gefähr­det, dann ist die­ser Staat
gezwun­gen, sei­nen Markt für das
strit­ti­ge Pro­dukt – ob Chlor­huhn, Hormonfleisch,
gen­ver­än­der­tes Saatgut,
„groß­zü­gig“ geprüf­te Pharmaprodukte,
Ben­zin mit toxi­schen Zusatzstoffen
or wha­te­ver – zu öff­nen. Oder millionenschwere
Ent­schä­di­gun­gen zu zahlen.
Aus Steu­er­gel­dern, ver­steht sich.
Ein Witz zur Faschings­zeit? Schön
wär’s, wenn auch nur bedingt lustig.
Nein, es ist kein Witz und lustig
schon gar nicht: Was mit dem TTIP auf
uns zukommt, ist – wie es „Le Monde
diplo­ma­tique“ for­mu­liert – ein
„Staats­streich in Zeit­lu­pe“, die klammheimliche
Instal­la­ti­on einer „Wirt­schafts-
NATO“, deren Befugnisse
buch­stäb­lich gren­zen-los sind. Es ist ein Kul­tur-Bruch von fundamentalem
Aus­maß: die tota­le Unterwerfung
des Pri­mats der Poli­tik unter das
Pri­mat der Wirtschaft.
Daher ist es nötig, das Mons­trum TTIP
als „auf das Recht ande­rer Menschen
bezo­ge­ne Hand­lung“ ins Licht der Öffentlichkeit
zu stel­len, um zu zeigen,
was es ist: Unrecht!

Vision oder Privatvergnügen? – Pat Christ 0

Vision oder Privatvergnügen? – Pat Christ

Leben ohne Geld und mög­lichst ohne Bedürf­nis­se wird zum neu­en Nischenlifestyle.

Er woll­te nicht län­ger um das Goldene
Kalb tan­zen. Dar­um ent­schied sich
Rapha­el Fell­mer vor drei Jah­ren, in
„Geld­streik“ zu tre­ten. Seit­her macht
er damit Furo­re. Wobei er keineswegs
der ein­zi­ge ist, der sich (vor­über­ge­hen­de?)
„Geld­lo­sig­keit“ zum Ideal
erko­ren hat. Hei­de­ma­rie Schwermer
ent­schied sich bereits 1996, ohne
Geld zu leben. Mark Boyle gab immerhin
ein Jahr lang den Konsumverweigerer.
Auch die Vagabundenbloggerin
Michel­le stieg für ein Jahr aus und lebte
ohne Hel­ler und Pfennig.
Ein­mal aus­sche­ren – wer wünschte
sich das nicht. Dazu hat auch
jeder das Recht. Inter­es­sant sind
die Mis­sio­nen, die hin­ter dem jeweiligen
Aus­stieg ste­cken. So hat Raphael
Fell­mer mit sei­ner Akti­on die „Lage
der Welt“ und die gan­ze Mensch­heit im
Blick. Dar­un­ter macht er es nicht. „Mein
Geld­streik ist sehr breit angelegt“,
meint er im Gespräch mit der HUMANEN
WIRTSCHAFT. Er ist gegen den Kapitalismus.
Gegen die Verschwendung.
Gegen die Aus­beu­tung von Tie­ren. Gegen
die Umwelt­ver­schmut­zung. Als ein
„Aus­ru­fe- und ein Fra­ge­zei­chen“, sagt
er uns, sehe er sei­nen Streik.
Fell­mer tramp­te län­ge­re Zeit und kam
dadurch auf den Geschmack der Freiheit
und zu sei­ner Lebensphilosophie.
Man ler­ne die Din­ge mehr zu schätzen,
wenn man sie nicht ein­fach kau­fen kann,
meint er. „Wenn zum Bei­spiel beim Trampen
end­lich ein Auto hält, freut man sich
viel mehr, als wenn man ein­fach in den
nächs­ten Bus steigt und 2,50 Euro zahlt“,
so der 30-Jäh­ri­ge. Das leuch­tet ein.
Und es erin­nert an „On The Road“, die
Bibel der Beat-Gene­ra­ti­on. Auch hier
neh­men sich jun­ge Men­schen eine
Frei­heit, die ihnen die Gesellschaft
frei­wil­lig nicht gibt. Aber die­ses Buch
kennt Fell­mer nicht. „Ich bin nicht sehr
bele­sen“, gibt er zu. Und das ist spürbar.
Über­haupt hat es Fell­mer nicht mit
Theo­ri­en und Philosophien.
Ein­fach gestrick­tes Weltbild
Sein ein­fach gestrick­tes Welt­bild weist
ihn denn auch nicht gera­de als Feingeist
aus. Da gibt es die wenig anspruchsvollen
Kate­go­ri­en „Ja“ beziehungsweise
„gut“ und „Nein“ beziehungsweise
„schlecht“. Rapha­el Fell­mer ist gegen
alles, was nicht gut ist: Den millionenfachen
Hun­ger in der Welt, das „Kil­len“
von Tie­ren, die Zer­stö­rung der Natur.
Und er ist für alles, was gut ist. Die Liebe.
Die Mensch­heit. Und dergleichen.
Dass er auf alles eine Ant­wort parat hat,
wirkt ein wenig ober­schlau. Oberfriedlich
und ober­öko­lo­gisch ist er sowieso.
Nur mit Details, stets die Krux an jeder
Pro­ble­ma­tik, hält er sich nicht lange
auf. Irgend­wie scheint es für ihn nichts
tie­fer zu ver­ste­hen zu geben… Das ist
ent­waff­nend. Dafür mögen ihn vie­le. Ist
doch die Sehn­sucht nach ein­fa­chen Erklärungen
und ein­fa­chen Lösun­gen in
unse­rer hoch­kom­ple­xen Welt groß. Und
wer möch­te Kämp­fer für das Gute nicht
gern unterstützen?
Sei­ne Habe muss­te er vor sei­nem Freiheitssprung
übri­gens nicht in einem Depot
unter­brin­gen. Fell­mer hat ein Dach
überm Kopf. Bis Ende vergangenen
Jah­res leb­te er mit sei­ner Frau und der
zwei­jäh­ri­gen Toch­ter Alma umsonst im
Frie­dens­haus von Ber­lin. Zu Jahresbeginn
zog er um. Eine Fami­lie nahm die
drei auf: „Wir haben dort ein Zim­mer in
einer Fünf-Zim­mer-Woh­nung.“ Zu eng?
Aber Fell­mer ist ja ohne­hin dauernd
unter­wegs. Vor allem seit sein Buch erschienen
ist. Dar­an ver­dient er im Übrigen
nicht, betont er uns gegen­über. Als E-Book sind die Sei­ten kos­ten­los herunterzuladen.
Von der Auf­la­ge wird ein
Drit­tel ver­schenkt. Der Rest fließt zur
Kos­ten­de­ckung an den Verlag.
Den Aus­schlag für die Entscheidung,
geld­los zu leben, gab eine Tramptour
mit Freun­den nach Mexi­ko. „Er hatte
kein Geld, kam aber trotz­dem immer
wei­ter“, schreibt Bir­git Bau­mann über
ihn im „Stan­dard“. „Über den Atlantik
nah­men ihn Ita­lie­ner mit dem Segelboot
mit, in Bra­si­li­en saß er hin­ten auf alten
Last­wa­gen. Er schlief bei der Feuerwehr
und in Schu­len, von Restau­rants nahm
er sich, was ohne­hin übrig war. Im Gegenzug
bot er sei­ne Arbeits­kraft an.“
Wer hät­te auf sol­che Sen­sa­tio­nen in der
gro­ßen wei­ten Welt in jun­gen Jahren
kei­ne Lust? Die meis­ten jun­gen Abenteurer
aller­dings las­sen es bei einem
ein­ma­li­gen Erleb­nis bewen­den. Nicht
so Rapha­el Fell­mer. Er beschloss nach
sei­ner Rück­kehr, fort­an auch in Berlin
geld­los zu leben.

Verdientes Denkmal für einen großen Freiwirtschafter – Buchrezension von Heinz Girschweiler 0

Verdientes Denkmal für einen großen Freiwirtschafter – Buchrezension von Heinz Girschweiler

Andre­as Mül­ler beleuch­tet Leben und Gedan­ken Fried­rich Salz­manns in einer Biografie.

Er war ein klei­ner, fei­ner Mann, dazu
ein Leben lang kör­per­lich behindert:
Des­halb zählt Fried­rich Salzmann
(1915–1990) nicht zu den lau­ten und
vor­der­grün­dig nicht zu den bekanntesten
Köp­fen unter den Schweizer
Frei­wirt­schaf­tern. Fritz Schwarz, Hans
Kon­rad Son­der­eg­ger, Hans Bernoulli,
Wer­ner Schmid und Wer­ner Zimmermann
ste­hen für vie­le in die­ser ersten
Rei­he. Zu ihnen gehört aber unzweifelhaft
auch Fried­rich Salz­mann. Wer
es nicht ohne­hin schon wuss­te, dem
macht dies die neu erschie­ne­ne Biografie
klar.
Der Sohn eines Schwei­zer Kaufmanns
– in Per­si­en gebo­ren, in
Ber­lin und in der Schweiz aufgewachsen
– hat ein beeindruckendes
schrift­li­ches Werk hinterlassen,
und er setz­te sich ein Leben lang für
die Umset­zung der Erkennt­nis­se Silvio
Gesells ein.
Schon in der Jugend infiziert
Salz­mann kam schon im Elternhaus
mit den frei­wirt­schaft­li­chen Ideen
in Kon­takt. Ja er begeg­ne­te als Jüngling
auch noch Sil­vio Gesell, kurz vor
des­sen Tod. So war es für den aufgeweckten
jun­gen Mann eine Selbstverständlichkeit,
sich in der freiwirtschaftlichen
Jugend­be­we­gung zu
enga­gie­ren. Und früh schon trat er
nach einer kauf­män­ni­schen Lehre
auch als Red­ner an öffent­li­chen Veranstaltungen
auf. Als blut­jun­ger Korrespondent
in Paris berich­te­te er für
das „Freie Volk“ über die gro­ße Politik
im Vor­kriegs­frank­reich. Nach seiner
Rück­kehr trat er – an der Sei­te des
legen­dä­ren Fritz Schwarz – in die Redaktion
des frei­wirt­schaft­li­chen Organs
ein. Er präg­te es entscheidend
mit. Und er war – zusam­men mit Werner
Schmid – trei­ben­de Kraft bei der
Grün­dung der Liberalsozialistischen
Par­tei (LSP) im Jah­re 1946. Denn Salzmann
war über­zeugt, dass man sich
poli­tisch ein­mi­schen muss­te, wenn
man die gute Sache vorwärtsbringen
wollte.
Als in den Fünf­zi­ger­jah­ren die wirtschaftliche
Basis für die freiwirtschaftliche
Wochen­zei­tung zusehends
schwand, fass­te Salzmann
schwe­ren Her­zens einen Entschluss:
Er folg­te einem Ruf des Schwei­zer Radios
und trat in deren Inlandredaktion
ein. Weil er dank sei­ner weltläufigen
Erzie­hung ein ausgesprochen
gepfleg­tes Hoch­deutsch sprach und
über eine tie­fe, ruhi­ge Stim­me verfügte,
war er fürs Radio geboren.
Und Salz­mann blüh­te in die­sem Medium
auf. Er wur­de zum anerkannten
Chef der Inland­ab­tei­lung, er moderierte
poli­ti­sche Streitgespräche,
und er führ­te die ers­te kri­ti­sche Sendung
für Kon­su­men­ten ein. „Mit kritischem
Grif­fel“ hieß sie und wur­de zur
damals bes­ten Sen­de­zeit am frühen
Sams­tag­nach­mit­tag ausgestrahlt.
Dann, 1971, wur­de er auf der Lis­te des
Lan­des­rings der Unab­hän­gi­gen in
Bern über­ra­schend in den Nationalrat
gewählt. Dort fiel er als seriöser
Arbei­ter in den Kom­mis­sio­nen (etwa
zum Medi­en­recht) und als unerbittlicher
Kri­ti­ker der bundesrätlichen
Wirt­schafts- und Konjunkturpolitik
auf. Dann kam zu sei­ner Behinderung
durch eine Kin­der­läh­mung noch die
Par­kin­son-Krank­heit hin­zu, und er
muss­te des­halb 1978 schwe­ren Herzens
aus dem Natio­nal­rat zurücktreten.
Die fol­gen­den Jah­re waren dann
– er hat­te sei­ne gelieb­te Gat­tin, Gefährtin
und Betreue­rin Hil­de Grünig
schon früh ver­lo­ren – von einer zunehmenden
Ver­ein­sa­mung geprägt.
Sei­ne letz­ten fünf Jah­re ver­brach­te er
in einem Ber­ner Pflegeheim.
Radi­ka­ler Denker
Neben sei­nem beruf­li­chen Wirken
und der direk­ten poli­ti­schen Arbeit
steht das schrift­stel­le­ri­sche Werk
Salz­manns. Er hat rund ein Dutzend
Bücher geschrie­ben, dazu zahlreiche
Schrif­ten und Tau­sen­de von Artikeln.
In „Bür­ger für die Geset­ze“ (1949)
setzt sich der lei­den­schaft­li­che Liberale
kri­tisch mit dem Staat als Erzieher
aus­ein­an­der und for­dert einen
frei­en Bil­dungs­markt. In „Jen­seits der
Inter­es­sen­po­li­tik“ (1953) wid­met er
sich der gros­sen Auseinandersetzung
zwi­schen Kom­mu­nis­mus und Kapitalismus
und plä­diert für eine wahrhaft
libe­ra­le Wirt­schafts­ord­nung mit
star­ken staat­li­chen Leit­plan­ken. Und
in „Mit der Frei­heit leben“ (1961) vertieft
er die­se Auseinandersetzung
zwi­schen den bei­den rivalisierenden
Gesell­schafts­sys­te­men und fordert
sei­nen radi­kal libe­ral­so­zia­len dritten
Weg.
Salz­manns Bio­graf weist mit Recht
auf des­sen letz­te Schrift „Gedan­ken
zu einer lebens­wer­ten Zukunft“
(1985) als eigent­li­ches gedankliches
Ver­mächt­nis hin. Die programmatische
Schrift fasst die Posi­tio­nen der
Libe­ral­so­zia­lis­ten – wohlbegründet
und kon­zen­triert – zusam­men. Sie
ent­stand in enger Zusammenarbeit
mit dem dama­li­gen Sekre­tär der Partei,
Hans Barth. Der Einleitungssatz
ist typisch für das Bürgerverständnis
des phi­lo­so­phisch den­ken­den und
02/2014 www.humane-wirtschaft.de 37
poli­ti­schen han­deln­den Menschen
Fried­rich Salzmann:
„Wir sind nicht nur verantwortlich
für das, was wir tun, sondern
auch für alles, was wir widerspruchslos
dulden.“

Der spaltende Geist und das Geldsystem – Peter Berner 0

Der spaltende Geist und das Geldsystem – Peter Berner

Für eine Dis­kus­si­ons­kul­tur im Geis­te inte­gra­ler Wahrheitsfindung.

Mei­ne vor­an­ge­stell­ten Ausführungen
über den Umgang mit Bösem und Gutem
in unse­rer poli­ti­schen Kul­tur („Vom
spal­ten­den Geist zu inte­gra­ler Politik“,
HUMANE WIRTSCHAFT 01/2014) endeten
mit einer Beschrei­bung der positiven
Erfah­rung, die ich mit der Dialog-
Metho­de nach David Bohm in einer
Gesprächs­grup­pe zum The­ma „Inte­gra­le
Poli­tik“ gemacht habe. Hier wurde
modell­haft jene „inte­gra­le Wahrheitsfindung“
prak­ti­ziert, die ich für
geeig­net hal­te, den spal­ten­den Geist,
wel­cher unse­re poli­ti­sche Kul­tur heute
beherrscht, zu über­win­den und ein
huma­nes, fried­vol­les, nach­hal­tig wirtschaftendes
Gemein­we­sen zu entwickeln
und zu gestalten.
Inte­gra­le Wahrheitsfindung
Wie­so müs­sen wir uns über Wahrheitsfindung
über­haupt Gedan­ken machen?
„Wenn ich wis­sen will, ob es draußen
reg­net, gehe ich ans Fens­ter und schaue
nach“, sagt Ken Wil­ber, und wenn du
mich nach dem Weg zum Bahn­hof fragst
und ich ihn ken­ne und dir zei­ge, wissen
wir hin­ter­her bei­de, was vor­her nur ich
wuss­te. Wo also liegt das Pro­blem? Nun
– über­all dort, wo ein Bereich der Wirklichkeit
kom­ple­xer wird und nicht mehr
durch einen ein­fa­chen Erkennt­nis­akt zu
erfas­sen ist wie das gegen­wär­ti­ge Wetter
oder der Weg zum Bahn­hof, wird es
natür­lich etwas schwie­ri­ger. Und dies
ist mit vie­len Wirklichkeitsbereichen,
mit denen wir uns als mensch­li­che Gemeinschaften
befas­sen, eben der Fall –
von der Gestal­tung eines Gar­tens über
die Lei­tung eines Unter­neh­mens bis hin
zum Design des welt­wei­ten Geldsystems
oder gar einer geziel­ten Beeinflussung
des Erdklimas.
In einem sol­chen Fall kann jede® der
Betei­lig­ten in der Regel nur einen Teil
der Wirk­lich­keit, die gera­de zu untersuchen
oder zu gestal­ten ist, erkennen
und ver­ste­hen – was ebenfalls
so lan­ge unpro­ble­ma­tisch ist, wie ich
als Betrof­fe­ne® mir des­sen bewusst
bin, wo die Gren­zen mei­nes Wissens
lie­gen. Genau hier aber set­zen die
Schwie­rig­kei­ten ein, mit denen wir im
gesell­schaft­li­chen Leben oft zu tun bekommen,
sei es im All­tag, in der Wissenschaft
oder in der Poli­tik. Problematisch
wird es näm­lich dann, wenn
die Men­schen, die an einem gemeinsamen
Pro­zess der Wahr­heits- und
Ent­schei­dungs­fin­dung betei­ligt sind,
ihr jewei­li­ges per­sön­li­ches Teilwissen
(ihre „Halb­wahr­heit“) fälsch­lich mit
der gesam­ten Wahr­heit gleichsetzen.
Dar­aus ent­steht ein Habi­tus, den ich
als „Hoch­mut der Halb­wahr­heit“ bezeichnen
möch­te. Die­ser kann auf unterschiedliche
Wei­se gelebt werden,
sei es ganz offen als missionarische
Hal­tung, wel­che die ande­ren überzeugen
und „bekeh­ren“ will oder eher indirekt
als jene in der Poli­tik „demo­kra­ti­scher“
Gesell­schaf­ten heu­te gängige
Hal­tung, wel­che ver­sucht, durch Manipulations-
und Macht­mit­tel verschiedener
Art Mehr­hei­ten (oder einflussreiche
Min­der­hei­ten) hin­ter der eigenen
Posi­ti­on zu versammeln.
Denn es ist nicht allein die Komplexität
der Tat­sa­chen, die eine Wahrheitsfindung
erschwert. Wir Menschen
haben seit vie­len Jahr­tau­sen­den billigend
unter­stützt oder aktiv dar­an mit
gear­bei­tet, dass unse­re geistig-seelische
Schöp­fer­kraft an priesterliche
Hier­ar­chi­en oder tech­ni­sche Systeme
dele­giert und infol­ge­des­sen weitgehend
dege­ne­riert wur­de. Dies begann
mit der Ein­füh­rung der Schrift
in den alten Hoch­kul­tu­ren, die gemäß
der War­nung dama­li­ger Weiser
tat­säch­lich kol­lek­tiv unser Gedächtnis
schwäch­te und endet wahrscheinlich
noch nicht bei den heu­ti­gen Navigationssystemen,
die beginnen,
unse­re Fähig­keit zu räum­li­cher Orientierung
ver­küm­mern zu las­sen. Eine
her­aus­ra­gen­de Rol­le spielt dabei
das Ver­küm­mern unse­res Wahrheitssinnes
durch einen weit­ge­hen­den Verlust
unse­rer „See­len­ver­an­ke­rung“,
unse­rer inne­ren Ver­bin­dung mit jenem
tran­szen­den­ten Seins­grund, dem wir
ent­stam­men, und damit eine Schwächung
unse­rer urei­gens­ten Gewissensbindung
oder mora­li­schen Urteilskraft
– und deren Abtre­tung an äuße­re Hierarchien,
zunächst an die Priester
der ver­schie­de­nen Reli­gio­nen, heute
zuneh­mend an die Exper­ten der materialistischen
Wis­sen­schaft und die Pro­du­zen­ten der moder­nen Massenmedien,
wobei ich die­se bei­den Systeme
zusam­men­ge­fasst als „Wahr­heits­in­dus­trie“
bezeich­nen möchte.
Wer heu­te die Welt, in der wir leben,
mög­lichst ganz­heit­lich ver­ste­hen will,
muss zwei Schlei­er durch­sto­ßen: zum
einen den psy­cho­lo­gi­schen Schleier
aus Ver­su­chun­gen zu Scham, Schuldgefühlen,
ohn­mäch­ti­ger Resignation,
pani­scher Angst, pri­va­ti­sie­ren­der Gier,
hei­li­gem Zorn oder selbstgerechter,
das Böse auf Geg­ner projizierender
Feh­ler­su­che, der sich oft vor eine ungeschminkte
Erkennt­nis der Tatsachen
schiebt – zum ande­ren den Schlei­er der
ver­öf­fent­lich­ten Mei­nung, den die oben
genann­te Wahr­heits­in­dus­trie über uns
aus­brei­tet. Und groß ist die Versuchung,
alter­na­ti­ve Wahr­heits­su­che so
zu betrei­ben, dass das Modell „hier
Exper­ten­tum – dort gläu­bi­ge Gefolgschaft“
ein­fach kopiert und mit anderen,
schein­bar bes­se­ren oder richtigeren
Inhal­ten ver­se­hen wird – und dann
ver­sucht wird mit den gro­ßen Systemen
in Kon­kur­renz zu gehen (was in der Regel
in Ein­ver­lei­bung oder Vernichtung
der alter­na­ti­ven Her­aus­for­de­rung endet),
anstatt die­se Dyna­mik grundsätzlich
zu transzendieren.
Dies näm­lich erfor­dert einen Weg, den
ich „Demut der Halb­wahr­heit“ nennen
wür­de. Hier eben betre­ten wir den Bereich
des­sen, was ich[1] als „inte­gra­le
Wahr­heits­fin­dung“ bezeich­nen möchte.
Denn hier wäh­len wir als Beteiligte
eine Grund­hal­tung, die besagt: Da ich
davon aus­ge­hen kann, dass ich allein
die kom­ple­xe Wirk­lich­keit nicht überblicke
(auch wenn es noch so sehr den
Anschein haben mag), da es aber für
eine gute Ent­schei­dung des Gemeinwesens
wich­tig ist, dass wir der jeweils
zutref­fen­den Wahr­heit so nah wie möglich
kom­men, bin ich als Teil die­ses Gemeinwesens
essen­zi­ell dar­auf angewiesen,
dass auch alle ande­ren Beteiligten
ihre Teil­wahr­heit, ihren Zugang zum
Gan­zen, eben­falls in den „Pool“ hinein
geben. Das bedeu­tet prak­tisch: Wer
eine pro­fi­lier­te Posi­ti­on bezieht, die mir
befremd­lich erscheint, löst nicht mehr
– wie bis­her üblich – den Reflex aus,
ihn in die rich­ti­ge Schub­la­de einzuordnen
und mir damit gege­be­nen­falls vom
Leib zu hal­ten, son­dern wird innerlich
1 in Anleh­nung an die inte­gra­le Phi­lo­so­phie nach Jean
Gebser, Ken Wil­ber und anderen
will­kom­men gehei­ßen als eine Person,
die – über die Stim­me ihres Gewissens,
wel­che jede(n) Einzelne(n) an das universelle
Bewusst­sein zurück bindet
– die Wahr­heits­fin­dung der Gemeinschaft
vervollständigt.

Unvergängliche Spuren am Strand des Lebens – Die Redaktion 0

Unvergängliche Spuren am Strand des Lebens – Die Redaktion

In memo­ri­am Mar­grit Kennedy.

Am 28. Dezem­ber 2013 verstarb
Mar­grit Ken­ne­dy in ihrem Zuhause
in Stey­er­berg an Krebs.
Bereits Ende der 70er Jah­re begann
sie, inner­halb der beruf­li­chen Tätigkeit
als Archi­tek­tin und Stadtplanerin
die öko­lo­gi­schen Fra­gen in
den Mit­tel­punkt ihres Wir­kens zu stellen.
Ihr Leben bekam jedoch ab 1982
eine unvor­her­seh­ba­re Wen­dung. Sie
ent­deck­te die Ursa­chen für jene Auswirkungen,
die ihre Arbeit als umweltbewusst
den­ken­de Wissenschaftlerin
und Pla­ne­rin stets maß­geb­lich und vor
allen Din­gen nega­tiv beeinträchtigten
im herr­schen­den Geld­sys­tem. Sie war
über­zeugt, dass die Mecha­nis­men einer
auf unend­li­ches Wachs­tum ausgerichteten
Wirt­schaft nie­mals mit den
Erfor­der­nis­sen eines respektvollen
und wert­schät­zen­den Umgangs mit
der Natur ver­ein­bar sind. Auch erkannte
sie, wie die zuneh­men­den sozialen
Ver­wer­fun­gen eng mit dem Geldsystem
zusam­men hin­gen, das vor allen
Din­gen zu einem prä­de­sti­niert war:
Immense Geld­ver­mö­gen bei einer verschwindend
gerin­gen Zahl von Menschen
zu kumu­lie­ren. Und das auf Kosten
und zu Las­ten der Gesamt­heit. Die
beruf­li­che und gesell­schaft­li­che Stellung
erlaub­te es ihr, sich auf wirkungsvolle
Wei­se für Ver­än­de­run­gen starkzumachen.
Doch Mar­grit Ken­ne­dy beließ
es nicht bei theo­re­ti­schen Forderungen
an abs­trak­te Adressaten.
Sie ergriff Initia­ti­ve und nutz­te internationale
Erfah­rung und den Fun­dus an
Kon­tak­ten, um kon­kre­te Pro­jek­te in die
Tat umzusetzen.
Sowohl im deutsch­spra­chi­gen Raum
als auch welt­weit wäre die Entwicklung
kom­ple­men­tä­rer Wäh­run­gen heute
nicht auf dem Stand, auf dem sie
sich befindet.
Mit Mar­grit Ken­ne­dy ver­liert die­se Bewegung
zwar eine der herausragenden
Kräf­te, aber Impul­se sind längst
in weg­wei­sen­den Pro­jek­ten verwirklicht,
sodass der Geist ihrer Arbeit unverwüstliche
Früch­te trägt. Mit „Geld
ohne Zin­sen und Infla­ti­on“ leg­te sie
bereits 1991 ein leicht verständliches
Buch vor. Unzäh­li­gen Menschen
wur­de damit der Blick in die Welt der
schein­bar undurch­sich­ti­gen Zusammenhänge
des Gel­des geschärft. „Occu­py
Money«, ihre letz­te Buchveröffentlichung,
hat die sich weltweit
for­mie­ren­de Bewe­gung von Protestgruppen
mit grund­le­gen­dem Wissen
inspi­riert. Wis­sen, das Instru­men­te an
die Hand gibt, mit denen aus Protesten
gegen ver­meint­lich fragwürdige
Mäch­te, ein­deu­ti­ge For­de­run­gen für
Zukunfts­lö­sun­gen her­vor­ge­hen können.
Natür­lich bemerk­te Mar­grit Kennedy
zeit­le­bens, wie dick die Bretter
sind, die man boh­ren muss, um ein
der­art fun­da­men­ta­les Umden­ken vor
allem auf höchs­ter poli­ti­scher Ebene
zu erwir­ken. Ehr­gei­zi­ge Zie­le, dessen
war sie sich bewusst, erreicht man nur
durch viel­schich­ti­ge Arbeit, maßgeblich
sol­che, die „von unten“ initiiert
wird. „Viel­falt“ war ohne­hin ein Stichwort,
das sie stets beweg­te. „Wir haben
bezüg­lich Klei­dung, Autos und unendlich
vie­len Din­gen des Lebens eine
gro­ße Viel­falt an Ange­bo­ten. Zu nahezu
jeder ein­zel­nen Vor­lie­be der Menschen
gibt es eine pas­sen­de Auswahl.
Ande­rer­seits schei­nen wir zu glauben,
dass eine ein­zi­ge Geld­form ausreicht,
all die Funk­tio­nen zu erfüllen,
die das Leben mit sich bringt!“ „War­um
las­sen wir den Gedan­ken nicht zu,
dass es sinn­voll ist, ein unerschöpfliches
Reser­voir an Zah­lungs­mit­teln zu
gestal­ten, um die unterschiedlichen
Auf­ga­ben zu meis­tern? War­um sollte
es nicht eigens eine Wäh­rung für Bildungsaufgaben
geben? Eine für die Altersvorsorge?
Oder eine, wel­che den
Erfor­der­nis­sen der Nut­zung unserer
Umwelt entspricht?“
In die­sem Sin­ne argu­men­tier­te Margrit
Ken­ne­dy auf unzäh­li­gen Veranstaltungen,
auf denen sie als Referentin
oder Dis­ku­tan­tin ein­ge­la­den war. Sie
wei­ger­te sich zu akzep­tie­ren, dass es
„eine Wahr­heit“ für alle Fra­gen gibt.
Immer war sie von der Tota­li­tät des
Seins über­zeugt. Nichts, was wir tun,
aber auch nichts, was wir nicht tun,
bleibt ohne Fol­gen für das Ganze.
Sie konn­te und woll­te nicht verstehen,
war­um die Logik eines Geldsystems,
das alles zu zer­stö­ren droht, was den
Men­schen lieb und wert­voll ist, von einer
Mehr­heit klag­los hin­ge­nom­men zu
wer­den scheint.

Erinnerungen an Margrit Kennedy – Helmut Creutz 0

Erinnerungen an Margrit Kennedy – Helmut Creutz

Erin­ne­run­gen
an mei­ne ersten
Kon­tak­te mit
den monetären
Realitäten –
und der Rolle
Mar­grit Kennedys
in diesem
Lebensabschnitt.
Der viel zu frü­he Tod von Mar­grit Kennedy
hat bei mir vie­le Erinnerungen
wach­ge­ru­fen. Vor allem bezo­gen auf
mei­ne ers­ten Schrit­te in Sachen Zins
und Frei­wirt­schaft und damit jenem
völ­lig unge­plan­ten Lebensabschnitt,
der für mich, Ende der 1970er Jahre,
durch einen Zufall begann und wenige
Jah­re spä­ter, durch die Begegnung
mit Mar­grit, äußerst wich­ti­ge Mut machende
Impul­se erhal­ten hat.
Wie schon häu­fi­ger berichtet,
wur­de ich Ende 1977, durch
die Zuschrift eines Lesers meines
Schul­ta­ge­buchs „Haken krümmt
man bei­zei­ten“, mit die­sen geldbezogenen
Begrif­fen und The­men bekannt.
Jenes Buches, das vor allem durch die
Fern­seh-Vor­stel­lung in „Titel, Thesen,
Tem­pe­ra­men­te“ als Buch des Monats
vie­le Reak­tio­nen in der Öffentlichkeit
aus­lös­te, dar­un­ter auch die­se Zuschrift
von Wal­ter Michel aus Ber­lin, die mein
Leben ver­än­dern sollte.
Wie sich spä­ter her­aus­stell­te, handelte
es sich um einen selbst­stän­di­gen Handwerksmeister,
der nach dem Krieg in der
DDR annahm, für das The­ma Freiwirtschaft
und Gesell wie­der öffent­lich eintreten
zu kön­nen. Er hat­te sich jedoch
geirrt und wur­de wegen sei­ner Veröffentlichungen
von der damals noch vorherrschenden
sowje­ti­schen Besatzungsmacht
ver­haf­tet, erst zum Tode verurteilt
und dann zu lebens­läng­li­cher Haft in der
berüch­tig­ten Fes­tung Baut­zen „begna­digt“,
einer Stra­fe, von der er mehr als
zehn Jah­re absit­zen musste.
Was Wal­ter Michel mir schrieb, war für
mich anfangs völ­lig unver­ständ­lich. Weder
den Namen Sil­vio Gesell noch den
Begriff „Frei­wirt­schaft“ (der mich immer
an eine som­mer­li­che Gartenwirtschaft
erin­ner­te!) hat­te ich je gehört. Und das
Glei­che galt auch für das beigelegte
klei­ne Buch eines Hans Kühn, „5000
Jah­re Kapi­ta­lis­mus“, dem dann jedoch –
wenn auch sti­lis­tisch etwas aufgemotzt
– eini­ge kon­kre­te­re Anga­ben und Zahlen
zu ent­neh­men waren die mich neugierig
mach­ten. Das beson­ders im Hinblick
auf die Aus­wir­kun­gen exponentiell
wir­ken­der Abläu­fe, mit denen er den
Zin­ses­zins-Effekt beschrieb – einer Problematik,
die mir dadurch zum ersten
Mal deut­lich wur­de und für die ich vielleicht
auch nur des­halb offen war, weil
sich mir damals, Ende der 1970er Jahre
und ange­sichts der all­ge­mei­nen Wachstumseuphorie,
schon die Fra­ge aufgedrängt
hat­te, wie lan­ge das eigentlich
noch wei­ter gehen soll­te. Doch diese
von Hans Kühn gemach­ten Ausführungen
muss­te ich jedoch vor einer Antwort
an Wal­ter Michel unbe­dingt überprüfen.
Das betraf vor allem die Gegensätzlichkeiten
von linea­rem und exponentiellem
Wachs­tum und deren Vergleiche
mit den natür­li­chen Wachstumsabläufen.
Bei denen die zeit­li­chen Abstände
zwi­schen den Ver­dopp­lun­gen bekanntlich
immer grö­ßer und schließ­lich „unend­lich“
wer­den, wie wir aus unserer
eige­nen Ent­wick­lung ab 18-
20 Jahren
wis­sen. Im Gegen­satz dazu, nahm ein
expo­nen­ti­el­les Wachs­tum, mit gleich
blei­bend lan­gen Verdopplungs-Schritten,
stän­dig schnel­ler zu – wie bei den
Geld­an­la­gen durch Zins und Zinseszins
der Fall. Eine Ent­wick­lung, die –
das hat­te ich nach der Schrift von Hans
Kühn ver­in­ner­licht – förm­lich zu Explosionen
füh­ren musste!
Erfah­run­gen zu den Zinsauswirkungen
in der Praxis
Zin­sen waren mir – damals bereits 55
Jah­re alt – bis dahin immer nur als eine
schö­ne Ange­le­gen­heit bekannt, über
deren Gut­schrift auf dem Sparbuch
man sich am Jah­res­an­fang immer freute.
Und bezo­gen auf die Hypotheken,
die ich für Bau­wer­ke lau­fend aufnehmen
muss­te, blieb der Mix von Zinsen
und Til­gung in der Mie­te als Summe
häu­fig gleich. „Bewei­se“ für die zinsbedingten
Wachs­tums-Wir­kun­gen in unserem
nor­ma­len Leben und vor allem
deren Bri­sanz, ent­deck­te ich dann erst
im Zusam­men­hang mit gra­fi­schen Aufzeichnungen
von Mietberechnungen
und deren Bestandteil-Verschiebungen
im Lau­fe der Jah­re und Jahrzehnte.
Obwohl die­se Berech­nun­gen bei den
Woh­nungs­bau­fi­nan­zie­run­gen eine
der Vor­aus­set­zun­gen für die staatlichen
zins­güns­ti­gen Zuschüs­se waren
und man sie im Vor­hin­ein nachweisen
muss­te, waren mir die­se Wechselwirkungen
nie auf­ge­fal­len. Und wirklich
über­zeu­gend wur­den sie für mich erst
dann, als ich sie bei­spiel­haft nebeneinander
in Gra­fi­ken umsetz­te. Das
vor allem bezo­gen auf jene Vorgänge
im Geld- und Kre­dit­be­reich, die mir
bis­lang als pro­blem­los erschie­nen waren:
Wenn man zu viel Geld in der Tasche
hat­te und vor­erst nicht brauchte,
zahl­te man es eben bei den Banken
ein, die es dann zwi­schen­zeit­lich weiter
ver­lie­hen. Und dass man dafür einen
– meist nur rela­tiv gerin­gen – Zins
erhielt, war eine klei­ne Beloh­nung für
die­se Erspar­nis­bil­dung, die dann der
Kre­dit­neh­mer sei­ner­seits jeweils an
die Bank zu zah­len hatte.

Auf Raiffeisens Spuren – Bericht von Pat Christ 0

Auf Raiffeisens Spuren – Bericht von Pat Christ

Im deutsch­spra­chi­gen Raum grün­den sich immer mehr Sozialgenossenschaften

Ob Post­dienst, Dorf­la­den, Arztpraxen,
Kin­der­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen oder
Bus­ver­bin­dun­gen – in länd­li­chen Räumen
dünnt die Infra­struk­tur zum Teil
dra­ma­tisch aus. Hier­auf reagie­ren Sozialgenossenschaften.
Sie set­zen sich
für demenz­kran­ke Men­schen ein oder
zie­len, in Form von Seniorengenossenschaften,
auf ein koope­ra­ti­ves Altern
ab. Der Genossenschaftsgedanke
wächst ste­tig. So wur­den in den vergangenen
acht Jah­ren in Deutsch­land rund
1.300 Genos­sen­schaf­ten gegründet.
Eine Sozi­al­ge­nos­sen­schaft ist eine
Ver­si­che­rung auf Gegenseitigkeit:
Man gibt und hilft sich solidarisch.
Dahin­ter steckt die bereits
von Fried­rich Wil­helm Raiff­ei­sen forcierte
Idee, dass alle gemein­sam viel
mehr auf die Bei­ne zu stel­len vermögen
als ein Mensch allei­ne. Das gilt laut
Hei­ke Walk vom Zen­trum Tech­nik und
Gesell­schaft (ZTG) der TU Ber­lin auch
für ein so aktu­el­les The­ma wie „Kli­ma­wan­del“.
Als kol­lek­ti­ve Zusammenschlüsse
haben Genossenschaften
den Ana­ly­sen der Geschäftsführerin
des ZTG-Insti­tuts für Pro­test- und Bewegungsforschung
zufol­ge vielfältige
Hand­lungs­mög­lich­kei­ten, um den Klimaschutz
in Städ­ten voranzutreiben.
Vie­le Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten treten
als klas­si­sche Non-Profit-Organisationen
auf. Hier schlie­ßen sich Menschen
auf der Basis von Selbst­hil­fe oder ehrenamtlichen
Enga­ge­ment kooperativ
zu zusam­men. Dane­ben exis­tie­ren aber
auch Sozi­al­ge­nos­sen­schaf­ten, die zu
bezah­len­de Leis­tun­gen erbrin­gen, die
zwar gesell­schaft­lich not­wen­dig und
zen­tral für eine nach­hal­ti­ge Entwicklung
sind, vom Markt aber nicht mehr
zur Ver­fü­gung gestellt werden.
Von pal­lia­ti­ver Hilfe
bis zur Nahraumversorgung
Die Hand­lungs­fel­der von Sozialgenossenschaften
fächern sich demnach
stark auf. Allein im Gesund­heits- und
Pfle­ge­sek­tor exis­tiert heu­te eine breite
Ange­bots­pa­let­te, die vom Palliativbereich
über das Senio­ren­woh­nen bis
hin zu Kran­ken­haus­netz­wer­ken reicht.
Selbst der Bereit­schafts­dienst von
Ärz­ten kann sozialgenossenschaftlich
orga­ni­siert wer­den. Vie­le Genossenschaften
enga­gie­ren sich vor dem
Hin­ter­grund des demographischen
Wan­dels auch dafür, die sozia­le Infrastruktur
vor Ort zu erhal­ten oder sie neu
zu schaf­fen. Dies betrifft die Kinderbetreuung
und die Jugend­hil­fe eben­so wie
die The­men „Alters­ge­rech­tes Wohnen“
und „Nah­raum­ver­sor­gung“.
Um die psy­cho­so­zia­le Gesund­heit von
Kin­dern und Jugend­li­chen kümmert
sich im ita­lie­ni­schen Bru­neck seit vielen
Jah­ren die Sozialgenossenschaft
EOS. Bereits 1995 eröff­ne­te die Organisation
eine sozi­al­päd­ago­gi­sche WG
für psych­ia­trisch auf­fäl­li­ge Jugendliche.
Vier Jah­re spä­ter star­te­te sie in Bruneck
ein Pro­jekt für ein Beglei­te­tes Wohnen
von Her­an­wach­sen­den mit seelischen
Pro­ble­men. Ein zwei­tes Pro­jekt dieser
Art wur­de 2001 in Bozen eröff­net. 2005
star­te­te die von der Genos­sen­schaft organisierte
Ambu­lan­te sozialpädagogische
Fami­li­en­ar­beit im Pus­ter­tal. Von
Jahr zu Jahr wuchs die Mitarbeiterzahl.
Heu­te liegt sie bei um die 80.

Auf, auf zum ersten Gefecht – Kommentar von Wilhelm Schmülling 0

Auf, auf zum ersten Gefecht – Kommentar von Wilhelm Schmülling

Wer den Frie­den will, darf nicht rüsten,
denn der Rüs­tung folgt der Krieg. Da
Deutsch­land kei­ne Fein­de hat, bräuchte
es auch kei­ne Rüstung.
Wenn nur nicht die Rüstungslobby
mit dem Argu­ment „Arbeits­plät­ze“
hau­sie­ren ginge,
natür­lich nicht bei Ihnen, Sie wollen
sich doch kei­nen Pan­zer in den Vorgarten
stel­len, son­dern bei denen,
die das Geld dafür haben: bei den Regierenden.
Genau genom­men, haben
auch die Regie­run­gen dafür kein Geld,
das holen sie sich bei Ihnen. Nicht mit
einem bewaff­ne­ten Stoß­trupp, sondern
unbe­waff­net mit Wahlunterlagen,
damit Sie ja die friedliebenden
Rüs­tungs­be­für­wor­ter wäh­len. Sehr
freund­lich reden sie über „Frie­dens­si­che­rung“,
leben wir doch in einem
demo­kra­ti­schen Land, das verteidigt
wer­den müsse.
In Mali, Soma­lia oder Afgha­ni­stan und
vie­len Län­dern die­ser Welt ist das anders.
Da herr­schen Dik­ta­tur und Not.
Die Ter­ro­ris­ten nüt­zen das schamlos
aus, holen die jun­gen Män­nern aus
den Hüt­ten, ver­spre­chen ihnen Brot
und Spie­le, grei­fen erst ihre Landsleute,
dann auch uns an. Also müssen
wir uns bewaff­net verteidigen,
auch am Hin­du­kusch. So hieß doch
der Schlacht­ruf zum ers­ten Gefecht in
Afgha­ni­stan. Jetzt schließt Ursu­la von
der Ley­en Kampf­ein­sät­ze in Mali nicht
mehr aus.
Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ursu­la von
der Ley­en plä­dier­te für ein stärkeres,
inter­na­tio­na­les Enga­ge­ment in Afrika.
Die Trup­pen­stär­ke in Mali soll von
180 auf 250 Sol­da­ten erhöht werden.
Dort leben 15 Mil­lio­nen Men­schen, die
Hälf­te davon – so Frau von der Leyen
– sind unter 15 Jah­re alt. Kön­nen wir
sie bis zum Erwach­se­nen­al­ter mit verstärkter
Ent­wick­lungs­hil­fe versorgen?
Wohl kaum. Also wird Deutschland
zunächst auch Waf­fen lie­fern. Da aber
Malis und andere
Afri­ka­ner damit
nicht umgehen
kön­nen, müssen
deut­sche Soldaten
vor Ort sein,
um den Umgang
mit der Waf­fe zu
leh­ren, auch um
zu töten. Wenn
Ter­ro­ris­ten dabei
stö­ren, wird
zurückgeschossen.
Eini­ge Gutmenschen
schla­gen doch tatsächlich
vor, wir soll­ten nur Brun­nen bau­en und
Acker­bau betrei­ben. Was für Narren!
Frie­dens­ver­tei­di­gung ohne Waf­fen? Ja,
das muss mög­lich sein, denn wie weit
haben uns bewaff­ne­te „Lan­des­ver­tei­di­gun­gen“
gebracht? Kürz­lich plakatierte
MISEREOR „Mut ist, Waf­fen mit
Wor­ten zu bekämp­fen.“ Sich dar­auf beschränken
bedeu­tet aller­dings, den Zustand
des Elends zu fes­ti­gen. Und hier
muss ange­setzt wer­den: Gerechtigkeit
zur Grund­la­ge der Poli­tik machen!
Trach­ten wir zuerst nach der Gerechtigkeit
und alles ande­re wird uns zufallen.
Statt mili­tä­ri­scher Ver­tei­di­gung unhaltbarer
Zustän­de in der Welt – auch
bei uns – muss die sozia­le Fra­ge gelöst
wer­den. Ihre Ursa­che muss erkannt
und besei­tigt wer­den. In einer auf Profit
aus­ge­rich­te­ten Wirtschaftsordnung
ist das unmög­lich. Eine auf Arbeitsertrag
fixier­te Wirt­schafts­ord­nung muss
ein­ge­rich­tet werden.
Es gibt Hoff­nung. Wir sind dabei, unsere
Ein­heit mit all unse­ren Mitmenschen
zu erken­nen, so dass es bald
unmög­lich sein wird, ein­an­der auszubeuten,
zu berau­ben oder gar zu
töten. Solan­ge uns das nicht gelingt,
kön­nen wir nicht behaup­ten, in einer
zivi­li­sier­ten Welt zu leben.

Auf, auf zum letz­ten Gefecht zur
Besei­ti­gung systembedingter
Ungerechtigkeiten –
ohne Waffen!

Arbeit zwischen Verherrlichung und Entwertung – Günther Moewes 0

Arbeit zwischen Verherrlichung und Entwertung – Günther Moewes

„In Deutsch­land waren noch nie so vie­le Men­schen in Arbeit wie 2013“ tönt es aus den Medi­en. Und seit 1960 regel­mä­ßig von allen Kanz­lern: „Die Wen­de auf dem Arbeits­markt steht unmit­tel­bar bevor.“ Es wird der Ein­druck erweckt, die Arbeit näh­me wie­der zu. Die Rea­li­tät sieht anders aus. Tat­säch­lich hat die Zahl der durch­schnitt­lich geleis­te­ten Jah­res­ar­beits­stun­den in Deutsch­land von 1960 bis 2012 um 35,4 auf 64,6 % abge­nom­men, d.h. um mehr als ein Drit­tel. Wenn sich die Zahl der Beschäf­tig­ten trotz­dem erhöht hat, dann nur, weil die­se Ver­rin­ge­rung des tat­säch­lich erbrach­ten Arbeits­vo­lu­mens in Form von unbe­zahl­ter Arbeits­zeit­ver­kür­zung auf drei Mil­lio­nen Teil­zeit­be­schäf­tig­te abge­la­den wur­de. Deren Zahl ist inzwi­schen höher als die der 2,95 Mio. Arbeits­lo­sen. Die­se 64,6 % der 1960 erbrach­ten Arbeits­stun­den geben jedoch noch nicht den tat­säch­li­chen Rück­gang des Arbeits­vo­lu­mens wie­der. Denn in ihr ist ja noch nicht die enorm gestie­ge­ne Arbeits­lo­sig­keit ent­hal­ten. 2012 betrug die Arbeits­lo­sig­keit in Deutsch­land 6,8 % (= 2,95 Mio.), 1960 gan­ze 1,3 % (0,27 Mio.). Wür­de man die 2012 ins­ge­samt tat­säch­lich geleis­te­ten Jah­res­ar­beits­stun­den mit auf die Arbeits­lo­sen verteilen,
hät­te jeder Erwerbs­fä­hi­ge pro Jahr 142 Std. weni­ger arbei­ten müs­sen. Das so ermit­tel­te heu­te erbrach­te Arbeits­vo­lu­men pro Erwerbs­fä­hi­gen beträgt dann nur noch 59 % des­sen von 1960, also über 40% weniger.

Steuerhinterziehung – Volkssport in unterschiedlichen Spielklassen – Dirk Löhr 0

Steuerhinterziehung – Volkssport in unterschiedlichen Spielklassen – Dirk Löhr

Plä­doy­er für eine Staats­fi­nan­zie­rung aus öko­no­mi­schen Renten

Alle tun es. Die Iko­ne Ulrich Hoeneß.
Der hono­ri­ge CDU-Schatz­meis­ter Helmut
Lins­sen. Die „mora­li­sche Instanz“
Ali­ce Schwar­zer. Der fein­sin­ni­ge Kultur-
Staats­se­kre­tär André Schmitz aus
Ber­lin. Beson­ders pikant: Letz­te­rer ist
Mit­glied der­je­ni­gen Par­tei, die sich
als Vor­rei­ter gegen kri­mi­nel­le Steuerhinterzieher
sieht. Sein Parteifreund
Peer Stein­brück droh­te sei­ner­zeit damit,
die Kaval­le­rie gegen die kleine
Schweiz aus­rü­cken zu lassen.
Dabei nimmt sich jeder das, was
er kann. Steu­er­hin­ter­zie­hung ist
ein Volks­sport. Aller­dings gibt es
ver­schie­de­ne Ligen. Der eine trägt eben
inter­na­tio­na­le Spie­le auf den Bahamas
aus, der ande­re bleibt in sei­nem Dorf
ste­cken – Kreis­klas­se, mit nicht ausgestellten
Handwerkerrechnungen.
Um das deut­sche Steu­er­sys­tem ranken
sich vie­le Mythen. 70–80 % der
welt­wei­ten Steu­er­li­te­ra­tur sol­len sich
angeb­lich des Pro­blem­fal­les Deutschland
anneh­men. Das ist sicher­lich maßlos
über­trie­ben. Doch selbst, wenn es
nur 15 % sind (Späth, o. J.) , ist dies
ange­sichts eines Anteils von 1,2 % an
der Welt­be­völ­ke­rung doch schon eine
recht stol­ze Zahl. Für den „Vater Staat“
ist es dabei häu­fig das Klein­vieh, das
Mist macht. Kon­se­quenz: Gera­de Massenfälle
wie Dienst­wa­gen, geldwerte
Vor­tei­le, Dienst­rei­sen etc. werden
so kom­pli­ziert und klein­lich geregelt,
dass kaum jemand mehr durchblickt.
Hin­zu kommt ein Gerechtigkeitsfimmel
der deut­schen Gerich­te (der sich
dann irgend­wann auch in den Verwaltungsanweisungen
niederschlägt).
Die Kos­ten des gan­zen Thea­ters werden
zu einem gro­ßen Teil auf die Steuerpflichtigen
ver­la­gert (auch in Gestalt
von Rechtsunsicherheiten).
Der erwähn­te Gerechtigkeitsfimmel
der Gerich­te tobt sich lei­der an der
voll­kom­men fal­schen Stel­le aus. Das
zen­tra­le Pro­blem der Rentenökonomie
wird näm­lich nicht ange­gan­gen. Am
bes­ten erschließt sich die­ses über das
sog. „Hen­ry Geor­ge-Theo­rem“ („Gol­den
Rule of Local Public Finan­ce“), das
u.a. vom Nobel­preis­trä­ger und früheren
Welt­bank-Chef­öko­no­men Joseph
Sti­glitz for­ma­li­siert wurde.
Das Hen­ry Geor­ge-Theo­rem (s. Abb.)
kann von links nach rechts und umgekehrt
inter­pre­tiert wer­den: Die öffentlichen
Güter (Infra­struk­tur, Sicherheit,
Bil­dung, Gesundheitseinrichtungen)
kön­nen unter bestimm­ten Bedingungen
voll­stän­dig aus den Bodenrenten
finan­ziert wer­den, wobei „Boden“ in
einem sehr wei­ten Sin­ne verstanden
wird (als alles, was der Mensch nicht
geschaf­fen hat, und sogar – wie bei
geis­ti­gen Eigen­tums­rech­ten – noch
dar­über hin­aus). Also: Man bräuchte
gar kei­ne Steu­ern, wenn man den
Staat aus den öko­no­mi­schen Renten
finan­zie­ren würde.

Kapitalismus ohne Rücksicht auf Verluste – Friedrich Müller-Reißmann 0

Kapitalismus ohne Rücksicht auf Verluste – Friedrich Müller-Reißmann

Kapi­ta­lis­mus ist die rea­le Per­ver­si­on der idea­len Markt­wirt­schaft Die Markt­wirt­schaft ist ein Wirt­schafts­sys­tem, das die (mate­ri­el­len) Bedürf­nis­se aller Men­schen auf effiziente,
nach­hal­ti­ge Wei­se erfüllt und leis­tungs­lo­se Ein­kom­men ten­den­zi­ell unter­bin­det. Kapi­ta­lis­mus bewirkt sys­te­ma­tisch das Gegen­teil: Ver­schwen­dung begrenz­ter Res­sour­cen und Erzeugung
rie­si­ger leis­tungs­lo­ser Ein­kom­men zulasten
der arbei­ten­den Men­schen. Kapitalismus
ist die gro­ße wirkungsvolle
Metho­de der Pri­vi­le­gier­ten, den Angriff
der Markt­wirt­schaft auf ihre Privilegien
ins Lee­re lau­fen zu lassen.
Hochglanzsystem
Kapitalismus
Die Rekla­me lie­fert tag­täg­lich den Beweis
für das Ver­sa­gen des gegenwärtigen
Sys­tems. Sie ist das allgegenwärtige
Armuts­zeug­nis des Kapi­ta­lis­mus, gewissermaßen
ein Armuts­zeug­nis auf Hochglanzpapier.
Ihre Bot­schaft zwischen
den Zei­len lau­tet: „Ein mün­di­ger Verbraucher
wäre eine Kata­stro­phe. Lasst euch manipulieren
und kauft, was ihr eigent­lich nicht
braucht, und vor allem stän­dig mehr – sonst
funk­tio­niert unse­re Wirt­schaft nicht!“. Kann
aber ein Sys­tem auf die Dau­er funktionieren,
das einen bei­spiel­lo­sen Wettbewerb
um die Gunst der Dumm­heit (Eitel­keit,
Ver­schwen­dungs­sucht, Angeberei
usw.) ent­fa­chen und stän­dig schüren
muss, um zu funktionieren?
Der Wett­lauf der Titanic’s
Jeder ist ver­zwei­felt bemüht, an der Spitze
mit­zu­hal­ten. Wer nicht ande­ren voraus
ist, hat schon ver­lo­ren. Ein Wettlauf,
ohne das Ziel zu ken­nen. Nie­mand fragt
nach der Rich­tung, nie­mand stellt sich
die Fra­ge, ob am Ende ein Ziel winkt, für
das sich die gan­ze Anstren­gung lohnt.
Noch schlim­mer: ein Ende die­ses gigantischen
Wett­laufs ist gar nicht vorstellbar.
Der Kapi­tän und die Offi­zie­re feuern
die Mann­schaft an, das Letz­te zu geben.
Auch die Pas­sa­gie­re, vor allem die weniger
pri­vi­le­gier­ten unter ihnen, werden
auf­ge­ru­fen, „umzu­den­ken“, Abstriche
an ihren gewohn­ten Rech­ten hinzunehmen
und alles in den Dienst des Wettlaufs
zu stellen…
„Und glaubt ja nicht, denen auf den anderen
Schif­fen gin­ge es bes­ser. Auch die
brin­gen schmerz­haf­te Opfer, um nicht
abge­hängt zu wer­den“. War­um dieser
Wahn­sinn? Eine mög­li­che Ant­wort: Niemand
weiß, wie man sich von diesem
Wett­lauf abkop­pelt, ohne dass man
dann auf einer lang­sam ver­rot­ten­den Titanic
ein­sam durch den Oze­an dümpelt.
Also schlicht und ein­fach Man­gel an
mach­ba­ren und attrak­ti­ven Alternativen
zum bedin­gungs­lo­sen Wettlauf?
Doch das kann nicht die gan­ze Antwort
sein. Denn sie erklärt nicht, war­um die
Suche nach Alter­na­ti­ven von den Kapitänen
und Offi­zie­ren immer so schnell
als Phan­tas­te­rei, Spin­ne­rei, Wunschdenken
usw. abge­tan oder sogar als gefährliche
Sys­tem­ver­än­de­rung diffamiert
wird. Nein, die Erklä­rung ist mei­nes Erachtens
dar­in zu suchen, dass in ihren
Köp­fen eine ideo­lo­gi­sche Verklärung
des Wett­laufs als Garant grenzenlosen
Fort­schritts exis­tiert, wohlgemerkt,
genau die­ses gigan­ti­schen Wettlaufs,
nicht des Wett­be­werbs als stimulierendem
Prin­zips der Evo­lu­ti­on, sonst könnte
man ja auch sei­ne Kraft auf den Wettbewerb
der Ide­en kon­zen­trie­ren, wie
das Leben auf dem Schiff am schönsten
und gerech­tes­ten für alle Schiffsbewohner
zu gestal­ten ist. Doch man vertraut
lie­ber dar­auf, dass man sich diesen
schwie­ri­gen Fra­gen nach Lebensqualität
und Gerech­tig­keit nicht stel­len muss,
wenn man nur im gro­ßen Wett­lauf die
ande­ren Schif­fe hin­ter sich lässt.
Ideo­lo­gi­sche Dog­men schwe­ben nicht
im rea­li­täts­lee­ren Raum. Im Grun­de wissen
die Kapi­tä­ne, dass sie selbst nur
dann über­pro­por­tio­nal vom Wettkampf
pro­fi­tie­ren, wenn sie vorn lie­gen und
das heißt: Wer auf den hin­te­ren Plätzen
liegt, zahlt über­pro­por­tio­nal. Eigentlich
wird das ziem­lich offen ausgesprochen.
„Wenn wir unse­ren Wohl­stand halten
wol­len, müs­sen wir im internationalen
Wett­be­werb die Nase vorn behalten.“
Man sagt zwar: Vom frei­en Welthandel
pro­fi­tie­ren alle, aber man weiß: So gut
wie es uns geht, kann es uns nur gehen,
wenn es den ande­ren nicht so gut geht.
Das ist die Ideo­lo­gie hin­ter der Ideologie
unse­res Wirt­schafts­sys­tem: Wir können
uns das Glück gar nicht mehr anders
vor­stel­len als das Glück von Siegern.
Und Sie­ger sie­gen nun mal auf Kosten
der Verlierer.

Kapitalismus – Wort ohne Bedeutung? – Andreas Bangemann 0

Kapitalismus – Wort ohne Bedeutung? – Andreas Bangemann

Kapi­ta­lis­mus – Wort ohne Bedeutung?
Eine Spurensuche

Kapi­ta­lis­mus­kri­tik ist welt­weit an der
Tages­ord­nung. Alle schrei­ben darüber,
alle reden davon. Doch wor­über eigentlich?
Was ist Kapitalismus?
Auf der Ent­de­ckungs­rei­se gelangt man zu
einem lee­ren Gefäß, in das vie­le hineinrufen.
Und die Töne der Rufen­den schallen
zurück.
„Unprä­zi­ser Begriff für ein modernes
Wirtschaftssystem …“
So beginnt im „Brock­haus“ die Erklärung
unter dem Stich­wort „Kapi­ta­lis­mus“.
Es fol­gen zahl­rei­che Hin­wei­se auf ökonomische
Den­ker, die mit ihrer Definition
ver­such­ten, die Betrachtungsweise
zum Kapi­ta­lis­mus zu prägen.
Pri­va­tes Eigen­tum ist für vie­le eine
Grund­vor­aus­set­zung des Kapitalismus.
Dar­auf bau­te Karl Marx seine
Kri­tik auf und präg­te maß­geb­lich die
Dis­kus­si­on. In den seit Aus­bruch der
Wirt­schafts- und Finanz­kri­se sich formierenden,
kapitalismuskritischen
Grup­pen und Orga­ni­sa­tio­nen finden
sich bis zum heu­ti­gen Tage die Marxschen
Dar­le­gun­gen wieder.
„Occu­py“ – „deutsch: beset­zen, beanspruchen“
ist das bedeutsamste
– auch im nicht englischsprachigen
Raum genutz­te – Wort für das Ziel der
Occu­py-Bewe­gung. Das Gefühl der
Ohn­macht im Anblick der immensen
Kapi­tal­sum­men, die dazu zu ermächtigen
schei­nen, die gesam­te Menschheit
in den Abgrund zu stür­zen, befördert
den Wunsch nach einem Ende der bedrohlichen
Ent­wick­lung. Man wünscht
sich die Quel­le des Irr­sinns zu besetzen.
Doch wo ist die­se Quelle?
Folgt man der Spur des Gel­des, dann
stößt man auf Per­so­nen. Superreiche,
Ban­ker und Finanz­ak­teu­re, die mit Milliarden
jon­glie­ren kön­nen und die offenbar
die Augen vor den Fol­gen ihres Tuns
ver­schlie­ßen. Der Gedan­ke, die Profiteure
des Sys­tems der Macht zu berauben
und sie selbst zu beanspruchen,
liegt auf der Hand. Doch was wäre mit
einer sol­chen Aneig­nung erreicht?
Haben nicht aus­ge­rech­net die von Karl
Marx vor­ge­schla­ge­nen Lösun­gen einer
völ­li­gen Ent­eig­nung der Men­schen zu
Guns­ten einer „All­ge­mein­heit“ in der
Pra­xis hin­läng­lich bewie­sen, dass trotz
alle­dem ein wesent­li­ches Ele­ment des
Wirt­schaf­tens immer wei­ter fröhliche
Urstän­de feiert?
Die Ver­su­chung ist groß: Soll ich den
unzäh­li­gen Defi­ni­tio­nen von Kapitalismus
noch eine hin­zu­zu­fü­gen? Schließlich
habe ich – wie alle ande­ren – mir
auch eine eige­ne Vor­stel­lung davon
her­aus­ge­bil­det, was ich unter diesem
Begriff ver­ste­he. Und da es ja nichts
„Prä­zi­ses“ und All­ge­mein­gül­ti­ges gibt,
war­um also nicht?
Außer Kopf­ni­cken von jenen, die meine
Auf­fas­sung tei­len – und ihr sicher noch
eini­ge Details hin­zu­fü­gen wür­den – wäre
damit nicht viel gewon­nen. Ausnahme:
die Defi­ni­ti­on schaff­te es zu allgemeiner
Aner­ken­nung und ihr wür­de im Brockhaus
„Prä­zi­si­on“ attes­tiert werden.
Das ist schon sehr unwahrscheinlich.
Apro­pos Wahrscheinlichkeit:
In den Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten gibt
es kei­ne Natur­ge­set­ze, wie in der Physik.
Spä­tes­tens seit der Globalisierung
scheint nie­mand mehr in der Lage, abgeschlossene
Räu­me zu defi­nie­ren, innerhalb
wel­cher Wirt­schaf­ten nach klaren
Regeln mit vor­her­seh­ba­ren Folgen
ablau­fen kann. Sobald wir Wirtschaften,
also mit­ein­an­der in Bezie­hung treten
zum Zwe­cke eines „Ener­gie­aus­tau­sches
«, gelan­gen wir in Sphä­ren, die
der Phy­si­ker im Mikrobe­reich längst
als allen ein­deu­ti­gen Vor­her­sa­gen entzogen
bezeich­nen und nur noch von
Wahr­schein­lich­keit spre­chen würde.
Eine Tat­sa­che, die den sich immer auf
der Grund­la­ge voll­stän­di­ger Kausalitätsforderungen
gewähn­ten Physikern
zu Beginn des vori­gen Jahrhunderts
fast den Ver­stand raubte.
Albert Ein­stein for­mu­lier­te es 1924
nach vie­len Jah­ren des Erkenntniswachstums,
bei­na­he ver­zwei­felt klingend,
so: „Der Gedan­ke, dass ein einem
Strahl aus­ge­setz­tes Elek­tron aus
frei­em Ent­schluss den Augen­blick und
die Rich­tung wählt, in der es fortspringen
will, ist mir uner­träg­lich. Wenn
schon, dann möch­te ich lie­ber Schuster
oder Ange­stell­ter einer Spiel­bank sein
als Physiker.“[1]
Es ist des­halb nach­voll­zieh­bar, dass
wir uns heu­te einer unerschöpflich
schei­nen­den Zahl an Erklärungsversuchen
für die Vor­gän­ge in der Wirtschaft
und am Finanz­markt gegenübersehen.
Die dar­an geknüpf­ten Erwar­tun­gen für
die wei­te­re Ent­wick­lung kön­nen nur mit
Hil­fe des Zufalls ein­tref­fen. In Wahrheit
fischen alle „Exper­ten“ im Trü­ben. Zugeben
wür­de das nur keiner.
Einen Unter­schied zwi­schen Physikern
und Wirt­schafts­wis­sen­schaft­lern gibt
es jedoch. In der Phy­sik will man die beobachteten
Erschei­nun­gen in der Natur
auf­de­cken und ihre kau­sa­len Zusammenhänge
ergrün­den. Erst Beobachten,
dann Ergrün­den. Man kann sich des
1 Quel­le: »Albert Ein­stein«, Hed­wig und Max Born (1969),
S. 118. Brief von Ein­stein an Max Born, 29. April 1924)
Ein­drucks nicht erweh­ren, dass das bei
den Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten anders
läuft, um nicht zu sagen umgekehrt.
Man ver­fügt über einen immer gültigen
Theo­rie-Werk­zeug­kas­ten und schaut in
der Rea­li­tät nach den Abläu­fen, die dazu
pas­sen und sich damit for­men lassen.
Die ande­ren blen­det man aus.
Die Neu­tra­li­tät des Geldes
Ein Bei­spiel: In der Öko­no­mie wird
aus­ge­rech­net der essen­zi­ells­te Energieträger
nicht in sei­nen Eigenschaften
und Wir­kun­gen erforscht. In Zeiten
des Papier­gel­des und der Bits und
Bytes ver­zich­tet man, offen­bar wegen
der ver­meint­li­chen Energielosigkeit
des Trä­gers, des­sen Rele­vanz hinsichtlich
der aus­ge­lös­ten Pro­zes­se zu erforschen.
So wird bis heu­te in den Standardwerken
der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten die
„Neu­tra­li­tät des Gel­des“ gelehrt. Zwar
ist die Rede von einem „Schlei­er“, den
das Geld über Trans­ak­tio­nen legt, man
misst ihm aber den­noch kei­ne Bedeutung
in Bezug auf die rea­len Prozesse
der Wirt­schaft bei.
Ob ein Phy­si­ker anstel­le eines Ökonomen
das jemals so sähe, angesichts
der Tat­sa­che, dass es im Zusammenhang
mit Geld einen Selbstvermehrungsprozess,
wie den des Zins- und
Zin­ses­zins­sys­tems gibt, darf stark bezweifelt
werden.
Im Rah­men der Spei­che­rung von Geld
in unter­schied­li­che „Kapi­tal­for­men“
ent­steht mehr Geld, was wie­der­um zu
Aus­wir­kun­gen in der Wirt­schaft führt.
Zum Bei­spiel zu rea­lem Wachs­tum, in
Form von mehr Autos, mehr Gebäuden
und vie­ler­lei ande­ren mate­ri­el­len Dingen.
Ver­sucht man die beharr­li­che Sichtweise
der Neu­tra­li­tät des Gel­des in der
Öko­no­mie zu ergrün­den, kommt man
auf aller­lei – für die Betrof­fe­nen wenig
schmei­chel­haf­te – Erklärungsversuche,
die hin­sicht­lich der Moti­ve zweifellos
spe­ku­la­tiv sind.
Die Daseins­be­rech­ti­gung und Reputation
die­ses Wis­sens­zwei­ges hängt maßgeblich
davon ab, wie die postulierten
Erkennt­nis­se mit der von jedermann
beob­acht­ba­ren Rea­li­tät in Ein­klang stehen.
Da erscheint es ange­sichts der im
Ver­gleich zur Phy­sik man­geln­den Wissenschaftlichkeit
nur plau­si­bel, dass
sich Beob­ach­tun­gen und Erkenntnisse
zu selbst­er­fül­len­den Prophezeiungen
ausprägen.
Solan­ge die maß­geb­li­chen Wirtschaftsteilnehmer
ihr Ver­hal­ten, an die von federführenden
Stel­len vorgegebenen
Bedin­gun­gen anpas­sen, han­deln auch
alle ande­ren danach. Die immer aufs
Neue ent­ste­hen­den, „natür­lich unvorhersehbaren
«, Neben­wir­kun­gen werden
auf Basis des glei­chen Denkens
sogleich in das bestehen­de Denkmuster
inte­griert und sind infolgedessen
auch erklärt. So arbei­ten kei­ne Wissenschaftler.
So arbei­ten Scharlatane.
Wozu führt das in der Rea­li­tät? Welche
Aus­wir­kun­gen hat eine sol­che Wissenschaft
auf wirt­schaft­li­che Abläufe?
Zunächst ein­mal erzeugt und verfestigt
man damit Mythen.
• Zum Bei­spiel den Mythos von den
Flei­ßi­gen, die aus­schließ­lich durch ihrer
Hän­de und ihres Geis­tes Arbeit zu
Reich­tum kamen.
• Reich wird man nur dank außerordentlichem
Fleiß.
• Wer Arm ist, hat enor­men Nachholbedarf
an Streb­sam­keit und dem Aneignen
von Fähig­kei­ten, wel­che die Gesellschaft
– genau­er: die Wirtschaft
– von einem erwartet.
• Reich sein ist ein Beweis für großartige
Leistungsfähigkeit.
• Arm sein einer für einen Man­gel an gesellschaftlicher
Anpassungsfähigkeit.
• Der „Vom-Tel­ler­wä­scher-zum-Mil­lio­när-
Mythos“ ist auch einer, der nur
auf­recht­zu­er­hal­ten ist, wenn dem
Geld Neu­tra­li­tät bei­ge­mes­sen wird.
Der Lis­te lie­ßen sich unzäh­li­ge andere
Bei­spie­le hin­zu­fü­gen. Doch, was hilft
uns das wei­ter, in einer Welt, in der diese
Mythen mehr Ein­fluss auf das tägliche
Leben aus­üben, als gutgemeinte
„Gegen­ent­wür­fe“.

Ist die HUMANE WIRTSCHAFT kapitalismuskritisch? – Andreas Bangemann 0

Ist die HUMANE WIRTSCHAFT kapitalismuskritisch? – Andreas Bangemann

Wenn man die Fra­ge bis in die Details durch­denkt, ist sie
nicht so leicht zu beant­wor­ten. Es wird behaup­tet, dass
der Man­gel etwas sei, das sys­tem­be­dingt zum Kapitalismus
gehört. Ob das ein Grund ist, wes­halb es an einer
all­ge­mein­gül­ti­gen Defi­ni­ti­on für den Ter­mi­nus mangelt?
Bedingt durch die­sen Man­gel, liegt die Fest­stel­lung, ob
Kapi­ta­lis­mus­kri­tik vor­liegt oder nicht, im Auge des Betrachters.
Zu dem Bemü­hen, das Beob­acht­ba­re wissenschaftlich
zu unter­su­chen und dar­in Gesetzmäßigkeiten
zu ent­de­cken, kommt erschwe­rend hin­zu, dass es nur
weni­ge Grund­an­nah­men gibt, wor­auf man verlässliche
Aus­sa­gen auf­bau­en kann. Ein Bei­spiel: „Die Akteu­re auf
dem Markt“ ver­hal­ten sich „öko­no­misch“. Der daraus
ent­stan­de­ne, vom berühm­ten Adam Smith ins Leben gerufene
„Homo Oeco­mi­c­us“ wur­de mitt­ler­wei­le zum Verwahrstück
in der wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Asservatenkammer.

Er taugt nicht mehr für Forschungen.
Was aus dem Feh­len der Grund­la­gen folgt, ist für die
gan­ze Welt fatal. Ein undurch­dring­bar kom­ple­xes Gebilde,
namens „Markt“ erzeugt Fol­gen, des­sen Ursachen
man nur „erra­ten“ kann. Um beson­ders bedrohlich
wir­ken­de Sym­pto­me küm­mern sich Poli­ti­ker und Experten
has­tig mit Maß­nah­men, deren Kon­se­quen­zen sie
nur erhof­fen kön­nen. Was mit an Sicher­heit grenzender
Wahr­schein­lich­keit erreicht wird, sind neu­ar­ti­ge Auswirkungen.
„Unvor­her­seh­ba­re“ natürlich.
Mitt­ler­wei­le hegt kaum mehr jemand Zwei­fel daran,
dass mit dem Geld in der Wirt­schaft etwas nicht stimmt.
Was aller­dings die Wis­sen­schaft den­noch nicht dazu verleitet,
der hin­ter dem Geld ste­hen­den Sys­te­ma­tik auf
die Spur zu gehen. Man bleibt dabei und küm­mert sich
um die Aus­wir­kun­gen. Markt­ver­hal­ten am Kapitalmarkt
spiel­theo­re­tisch zu ana­ly­sie­ren, bringt den forschenden
Wis­sen­schaft­lern Nobel­prei­se ein.
Auf dem Gebiet der Ursa­chen­for­schung kann man keine
Blu­men­töp­fe gewinnen.
Die Öko­no­mie führt zu Recht die Markt­wirt­schaft als
der­zeit bes­te und der Frei­heit Rech­nung tra­gen­de Wirtschaftsordnung
auf. Doch im glei­chen Atem­zug stellt man
ihr den „Kapi­ta­lis­mus“ zur Sei­te. Ohne Erklä­rung, ob es
sich um das Glei­che han­delt oder nur eine Ergän­zung. Kapitalismus
kommt wie der unbe­kann­te und gleich­sam unsichtbare
Beglei­ter der Markt­wirt­schaft daher.
Gemein­sam garan­tie­ren die bei­den, dass wir, im Rahmen
ein „paar weni­ger“ Geset­ze, aber immer noch frei,
tun und las­sen kön­nen, was wir wol­len. So haben wir angeblich
unser Schick­sal in der Hand. Jede Frau und jeder
Mann kann es zu etwas brin­gen, in der frei­en, kapitalistischen
Marktwirtschaft.
Eine gro­ße Mehr­heit der Men­schen erliegt die­ser Illusion
nach wie vor.
In Wahr­heit ist der unsichtbare
Beglei­ter „Kapi­ta­lis­mus“ jedoch
Designer.
Er lässt uns tun, was wir wollen,
aber uns nicht sein,
was wir doch sind.
Gefan­gen ohne Mauern
glau­ben wir zu tun,
was wir wollen.
Jedoch am Ende tun wir,
was er will.
Wir neh­men im kapi­ta­lis­ti­schen „Kunst­werk“ eine festgeschriebene
Funk­ti­on ein. Wir bemer­ken es nicht, also kümmert
es uns nicht. Wir tun was wir wol­len und erfül­len dennoch
den Plan des Desi­gners. Bei­spiels­wei­se beim Konsumieren
immer unsin­ni­ge­rer Pro­duk­te. Beim klaglosen
Akzep­tie­ren immer grö­ße­rer Schä­den am Sozi­al­we­sen und
an der Natur. Die not­wen­di­gen Repa­ra­tu­ren neh­men wir gar
schul­ter­klop­fend als Leis­tungs­zu­wachs zur Kenntnis.
Indem wir will­fäh­rig mit­hel­fen, alle Berei­che des Lebens zu
„mone­ti­sie­ren“. Im Lau­fe der Zeit erschlos­sen wir – im „Geheim­auf­trag
des Desi­gners“ – immer wei­te­re Gebie­te. Auf
der Geschäfts­idee der Betreu­ung von Kin­dern oder Senioren
konn­te vor 30 Jah­ren kaum jemand eine Exis­tenz aufbauen.
Heu­te ist das ein boo­men­der Mil­li­ar­den­markt, geprägt
von skan­da­lö­sen Mitarbeiter-Entlohnungsmodellen.
Glaubt jemand ernst­haft, dass wir so sind? Wenn Geld
das beherr­schen­de Ziel unse­rer Bestre­bun­gen ist, dann
wird davon alles auf­ge­saugt. Was sich nicht vereinnahmen
lässt, wird als min­der­wer­tig an den Rand gedrückt.
Markt­wirt­schaft und Kapi­ta­lis­mus sind kei­ne Menschen.
Sie sind men­schen­ge­macht. Es liegt in unse­rer Hand, die
Unsicht­bar­keit des Kapi­ta­lis­mus zu been­den und den Vorgängen
in der Wirt­schaft den Geld­schlei­er zu entreißen.
Nur so kön­nen wir die Fra­ge beant­wor­ten: „Wird es Zeit
für einen Abschied?“ Betrach­tet man den Kapi­ta­lis­mus als
ein unab­hän­gig von der Markt­wirt­schaft funktionierendes
Sys­tem, das aber maß­geb­li­chen, zer­stö­re­ri­schen Einfluss
aus­übt, dann ist Kri­ti­sie­ren ver­geu­de­te Zeit. Die Aufgabe
muss des­halb lau­ten: Ent­wick­lung völ­lig neu­er Systeme.
Wie könn­te ein Geld­sys­tem und dazu korrespondierendes
Eigen­tums­recht aussehen?
Eines, das uns in Wirk­lich­keit frei macht? Womöglich
eines, das uns die Frei­heit zu Geben bringt, verbunden
mit der Ent­de­ckung wie dadurch Wohl­stand in einer nie
gekann­ten Dimen­si­on entsteht.
Eines, mit dem wir sein kön­nen, was wir sind!
Herz­lich grüßt Ihr Andre­as Bangemann.