Prä­si­dent Trump? – Wer­ner Peters

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Es ist an der Zeit, sich in Deutsch­land und Euro­pa an den Gedan­ken zu gewöh­nen, dass man es mög­li­cher­wei­se ab 2017 für vier Jah­re mit einem US-Prä­si­den­ten Donald Trump zu tun haben könn­te. Man soll­te es aber dabei ver­mei­den, von einem Modus des unglaub­li­chen Stau­nens und der über­heb­li­chen Ver­ach­tung für den poli­ti­schen Auf­stieg eines, vor­nehm aus­ge­drückt, Halb­ge­bil­de­ten mit einem manch­mal an einen Clown erin­nern­den Auf­tre­ten nun in halt­lo­se Panik zu ver­fal­len, als sei der Unter­gang der west­li­chen Welt vor­pro­gram­miert.
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Zum einen sind die USA mit ihrem Netz­werk von for­ma­len und, viel wir­kungs­vol­ler, infor­mel­len „checks and balan­ces“ ein viel zu gefes­tig­tes poli­ti­sches Sys­tem, als dass selbst ein Kraft­mei­er wie Donald Trump sich als Prä­si­dent wie ein She­riff in einem Außen­pos­ten des Wil­den Wes­tens ver­hal­ten könn­te. Zum ande­ren soll­te uns das Bei­spiel Ronald Rea­gan beru­hi­gen, der, eben­falls von all­zu viel poli­ti­scher Bil­dung unbe­leckt, nichts­des­to­we­ni­ger von dem Heer sei­ner poli­ti­schen Bera­ter auf eine mode­ra­te Linie gebracht wur­de. Natür­lich wür­de Donald Trump genau wie Ronald Rea­gan der ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik sei­nen Stem­pel auf­drü­cken und damit die poli­ti­sche Ent­wick­lung welt­weit beein­flus­sen. Das größ­te Unglück für die USA wäre aber weni­ger auf außen­po­li­ti­schem Gebiet zu erwar­ten, son­dern innen- und gesell­schafts­po­li­tisch, und hier vor allem in der Tat­sa­che, dass auf abseh­ba­re Zeit die Chan­ce ver­passt wür­de, die Zusam­men­set­zung des Supre­me Court zu libe­ra­li­sie­ren, der in der Ver­gan­gen­heit mit sei­ner knap­pen 5 zu 4 Mehr­heit die Balan­ce in der ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft fun­da­men­tal ver­än­dert hat.
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Was sind die Grün­de, die einen Sieg von Donald Trump bei der Prä­si­dent­schafts­wahl mög­lich erschei­nen las­sen?
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Ich beken­ne frei­mü­tig, dass ich, obwohl lang­jäh­ri­ger inten­si­ver Beob­ach­ter der ame­ri­ka­ni­schen Sze­ne, anfäng­lich die Mög­lich­keit einer auch nur mar­gi­na­len Bedeu­tung der Kan­di­da­tur Donald Trumps aus­ge­schlos­sen hat­te. Ich befand mich dabei aller­dings in der guten Gesell­schaft nicht nur der meis­ten poli­tisch Inter­es­sier­ten, son­dern auch aller Exper­ten. Es schien mir undenk­bar, dass jemand, der in der­art ver­let­zen­der Wei­se ein Rie­sen­wäh­ler­po­ten­ti­al – die Lati­nos – vor den Kopf stößt, bei einer Wahl, in der die­se Min­der­heit eine immer grö­ße­re Rol­le spielt (wie die letz­ten Wah­len zuguns­ten Oba­mas gezeigt haben), eine rea­lis­ti­sche Chan­ce auch nur auf die Nomi­nie­rung durch eine Par­tei, geschwei­ge denn, auf den Wahl­sieg haben könn­te. Mein Feh­ler und der vie­ler ande­rer bis heu­te war, dass ich in den Kate­go­ri­en der Ver­gan­gen­heit dach­te, die natür­lich wei­ter­hin Bedeu­tung haben, aber über­la­gert wer­den von einem Sze­na­rio, das Trump, in einer unglaub­li­chen Ein­zel­leis­tung, zu einem beherr­schen­den The­ma für das Wahl­volk gemacht hat: die Angst vor dem sozia­len Abstieg, ver­bun­den mit der Frus­tra­ti­on über die schwin­den­de Bedeu­tung der USA, sowie das Ver­spre­chen, im Sti­le eines Wes­tern­hel­den all den bösen Kräf­ten, die die­se Ent­wick­lung ver­ur­sacht haben und wei­ter betrei­ben, mit eiser­ner Ent­schlos­sen­heit und einer gera­de­zu magi­schen Kraft sei­ner Per­son ein Ende zu berei­ten.
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Die Grün­de für die gestie­ge­nen Erfolgs­aus­sich­ten sind zwei­fa­cher Art: zum einen sozu­sa­gen wahl­arith­me­ti­sche Fak­to­ren, die in dem Sys­tem lie­gen, mit dem in den USA seit über 200 Jah­ren Prä­si­den­ten gekürt wer­den, zum ande­ren lie­gen sie in der Per­son des Kan­di­da­ten, wie er sich dem Wahl­volk prä­sen­tiert, und in der Bot­schaft, die Donald Trump aus­sen­det und die ganz offen­sicht­lich Reso­nanz bei der Bevöl­ke­rung fin­det – in wel­chem Umfang, wird erst der Wahl­aus­gang zei­gen.
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Das Wahl­sys­tem in den USA
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Wir erin­nern uns an die Prä­si­dent­schafts­wahl 2000: Obwohl der demo­kra­ti­sche Kan­di­dat Al Gore die Mehr­heit der Wäh­ler bun­des­weit auf sich ver­ei­ni­gen konn­te, wur­de Geor­ge W. Bush als Prä­si­dent bestimmt, als ihm durch einen par­tei­ischen Spruch des Obers­ten Gerichts­hofs die Mehr­heit der Stim­men im Bun­des­staat Flo­ri­da zuer­kannt und damit die damals 25 Stim­men die­ses Staa­tes im Wahl­män­ner­gre­mi­um für Bush gezählt wur­den. Das ergab in dem für die Wahl des Prä­si­den­ten ent­schei­den­den Gre­mi­um eine Mehr­heit für den repu­bli­ka­ni­schen Kan­di­da­ten. Denn nicht der Kan­di­dat mit den meis­ten Wäh­ler­stim­men wird gewählt, son­dern der, dem es gelingt, die meis­ten Wahl­män­ner auf sich zu ver­ei­nen. Die­se Wahl­män­ner tre­ten zwar wei­ter­hin for­mal zusam­men und geben ihre Stim­men ab, sind aber – zwar nicht legal, aber nach unge­schrie­be­ner Tra­di­ti­on – an das Ergeb­nis in ihrem jewei­li­gen Staat gebun­den. Jeder Staat ent­sen­det so vie­le Wahl­män­ner in die­ses Gre­mi­um (oder bes­ser gesagt: hat so viel Gewicht in die­sem Gre­mi­um), wie er Ver­tre­ter im Kon­gress, also Sena­to­ren und Mit­glie­der des Reprä­sen­tan­ten­hau­ses hat. Das Mini­mum sind drei Stim­men…

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