Piketty – Alter Wein in neuen Schläuchen? – Zitate aus Beiträgen von Günther Moewes

Die kapi­ta­lis­ti­sche Welt ist tatsäch­lich so unge­recht, wie viele immer vermu­tet haben.
Das ist die Erkennt­nis aus dem „Kapi­tal im 21. Jahr­hun­dert“ von Thomas Piket­ty –

1. Privat­ver­mö­gen über­ho­len das Sozi­al­pro­dukt –

„Das viel beschwo­re­ne ‚expo­nen­ti­el­le Wirt­schafts­wachs­tum‘ gibt es über­haupt nicht, …zumin­dest nicht in Deutsch­land
und den Indus­trie­län­dern. Das reale, d. h. infla­ti­ons­be­rei­nig­te Brut­to­in­land­pro­dukt (kurz BIP) ist hier seit 1945 noch nie
expo­nen­ti­ell gewach­sen, sondern stets nur streng linear, vermut­lich schon seit 1914. Sein Anstieg war im ‚glei­ten­den
Durch­schnitt‘ stets eine fast exakte Gerade.“ (Human­wirt­schaft 01/2008, S. 15)
„Eine Größe steigt seit 1950 im Gegen­satz zum Sozi­al­pro­dukt beharr­lich expo­nen­ti­ell an, sowohl nomi­nal als auch real
– das sind die priva­ten Geld­ver­mö­gen. Sie sind in Deutsch­land jedes Jahr um durch­schnitt­lich 7,47 % ange­stie­gen. Zieht
man davon eine Infla­ti­ons­ra­te von durch­schnitt­lich 2% ab, so erhält man einen realen Anstieg von durch­schnitt­lich 5,5 %
pro Jahr…Dieser Anstieg war stets von äußers­ter Präzi­si­on und Beharrlichkeit…Kein Viet­nam­krieg, keine Ölkri­se, keine
Konjunk­tur­flau­te hat diesen Anstieg je nennens­wert beein­flus­sen können“ (Human­wirt­schaft 01/2008, S. 17)
„In den Wirt­schafts­wun­der­jah­ren bis 1975 steigt das BIP noch stär­ker an als die priva­ten Geld­ver­mö­gen. Die Welt ist noch
in Ordnung. Es ist die Zeit der Grun­digs, Boschs und Borg­wards. Ihr Reich­tum hält sich gegen­über den Arbeits­löh­nen
noch in Gren­zen und steht noch in einem halb­wegs ange­mes­se­nen Verhält­nis zur gesell­schafts­dien­li­chen Leis­tung. Ab
1975 stei­gen die priva­ten Geld­ver­mö­gen zum ersten Mal stär­ker an als das BIP… Mitte 1993 über­ho­len die priva­ten Geld­ver­mö­gen
zum ersten Mal das BIP. Die Armuts- /Reichtumsschere beginnt sich zu öffnen. Zuerst lang­sam und dann immer
schnel­ler. Während das BIP beharr­lich im gewohn­ten Trott linear weiter steigt…Und keine Regie­rung unter­nimmt etwas
dage­gen“ (Human­wirt­schaft 01/2008, S. 17)
„Noch nie in der Geschich­te waren Reich­tum und Wohl­stand in Deutsch­land so groß wie heute. Seit 1971 haben sich sein jähr­li­ches
Brut­to­in­land­pro­dukt mehr als verdop­pelt, sein jähr­li­cher Export­über­schuss mehr als verfünf­zehn­facht, seine priva­ten
Geld­ver­mö­gen mehr als verdrei­zehn­facht… Eben­falls seit 1971 haben sich auch in Deutsch­land die Armut mehr als verdop­pelt,
die Arbeits­lo­sig­keit mehr als verdrei­facht, die Staats­schul­den mehr als vervierzehnfacht…Anders als das Sozialprodukt…steigen
die priva­ten Geld­ver­mö­gen seit 1950 nicht linear sondern expo­nen­ti­ell an…Die Schere zwischen diesem expo­nen­ti­el­len Anstieg
und dem nur linea­ren Anstieg des Sozi­al­pro­dukts ergibt das Ausmaß der Ungleich­ver­tei­lung. Der Reich­tum wächst schnel­ler
als die Wirt­schaft. Er konzen­triert sich immer mehr auf eine schwer zu kontrol­lie­ren­de Minder­heit von Super­rei­chen“
(Human­wirt­schaft 02/2006, S. 13)
„Wir haben viel­mehr ein Problem der stän­di­gen laut­lo­sen Umver­tei­lung zulas­ten der heuti­gen und künf­ti­gen Armen und
zuguns­ten der künf­ti­gen Reichen. Während die Schul­den­ber­ge an alle weiter­ver­erbt werden, gehen die Vermö­gens­ber­ge
zur Hälfte an die zehn Prozent Reichen. Und dieses Vertei­lungs­pro­blem wird sich stän­dig weiter verschär­fen. Expo­nen­ti­ell.
Zum Schluss werden die Vermö­gens­ber­ge bei einem Prozent der Bevöl­ke­rung sein und die Schul­den­ber­ge beim Rest.“
(Geld oder Leben, 2004, S. 52)
„Wir haben gezeigt,… wie das Prin­zip des Exponentiellen…unaufhaltsam in eine immer größe­re sozia­le Ungleich­ver­tei­lung
führt und wie sich diese Entwick­lung in Spät­zei­ten aufgrund ihrer expo­nen­ti­el­len Mathe­ma­tik explo­si­ons­ar­tig beschleu­nigt.“
(Geld oder Leben, 2004, S. 94)
„Die Schere zwischen Besit­zen­den und Habe­nicht­sen öffnet sich… Betrug ihr Öffnungs­ab­stand 1992 noch etwa vier Billio­nen
DM, betrug er 2001 bereits 14 Billio­nen. Aller Über­fluss erzeugt Mangel, aller Reich­tum erzeugt neue Armut, alle
Armut erzeugt neuen Reich­tum.“ (Geld oder Leben, 2004, S. 67)

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