Wel­ches Recht haben wir auf irgend­wel­che Arbeit? – Hin­rich Ruy­ter

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Was ist das eigent­lich, wofür demons­triert wird, wofür Gewerk­schaf­ten kämp­fen, das „Recht auf Arbeit“? Woher kommt die­se reich­lich abs­trak­te For­de­rung? Der Lern­ort der Offe­nen Fra­gen beleuch­te­te das in Kro­nach.
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Ist das Recht auf Arbeit irgend­wo ein­zu­kla­gen? Wem steht die­ses Recht zu? Auch Alten, Behin­der­ten, Jugend­li­chen, Kin­dern, Allein­er­zie­hen­den, Arbeits­lo­sen, Beschäf­tig­ten? Auf wel­che Art Arbeit bezieht sich die­ses Recht? Auf ent­lohn­te unselb­stän­di­ge Arbeit; also auf ein Recht, die Anwei­sun­gen ande­rer zu befol­gen? Dani­el Häni sagt knapp und deut­lich: Es gibt kein Recht auf Pflicht.
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Woher kommt dann die For­de­rung? Das Recht auf Arbeit wur­de zuerst von Charles Fou­rier gefor­dert, einem Gesell­schafts­theo­re­ti­ker der Zeit der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on: „Wie groß ist doch das Unver­mö­gen unse­rer Gesell­schaft, dem Armen einen gezie­men­den, sei­ner Erzie­hung ange­mes­se­nen Unter­halt zu gewäh­ren, ihm das ers­te der natür­li­chen Rech­te zu ver­bür­gen, das Recht auf Arbeit!“ Damit wird klar, dass es im Kern um das Recht auf Unter­halt geht. Muss Unter­halt aber ein­zig durch Arbeits­lohn „erwor­ben“ wer­den? Nur das schien damals für Charles Fou­rier vor­stell­bar.
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Heu­te bezie­hen zwei von fünf Bür­gern ihren Unter­halt aus Arbeits­lohn, sogar nur einer von fünf aus Lohn für wert­schöp­fen­de Arbeit. Maschi­nen und Robo­ter erzeu­gen die Haupt-Wert­schöp­fung. Alle ande­ren Men­schen bekom­men ihren Unter­halt aus den Ein­kom­men ande­rer, nie­mand lebt ohne Unter­halt.
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Das Recht auf Arbeit ist damit das Recht auf Leben. In unse­rer heu­ti­gen Zeit der Fremd­ver­sor­gung – wo fast nie­mand Pro­duk­te für den eige­nen Ver­brauch her­stellt – muss das Recht auf Leben inter­pre­tiert wer­den als ein Recht auf Geld-Ein­kom­men. Ein­kom­men, mit dem jeder sich am Markt mit dem Not­wen­di­gen ein­deckt.
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Woher käme das Geld dazu? Das Geld läuft ohne­hin im Kreis: Der Ver­brau­cher kauft Ware, der Händ­ler kauft neue Ware, das Geld kommt über unter­schied­lich vie­le Stu­fen beim Pro­du­zen­ten an, der es wie­der an sei­ne Arbeit­neh­mer und Mate­ri­al-Lie­fe­ran­ten wei­ter­gibt. Das gilt auch genau­so für Dienst­leis­tun­gen. In den meis­ten Stu­fen geht ein Teil an den Staat, u. a. in Form von Steu­ern. Wich­tig dabei ist das geeig­ne­te Sys­tem der Ver­tei­lung des Gel­des, damit es erneut dann beim Ver­brau­cher ankommt, wenn er es zu sei­nem Unter­halt nötig hat. Danach fließt es wie­der zum Pro­du­zen­ten oder Dienst­leis­ter, der es nötig hat, sei­ne Din­ge zu erzeu­gen. Das bedin­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men wäre ein dazu pas­sen­des Modell.
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Zusätz­lich muss die Gesell­schaft dafür sor­gen, dass kein Geld dem Waren- und Dienst­leis­tungs­markt ent­zo­gen wird, indem es in Berei­che wie Finanz­markt und Hort­geld abfließt. Flie­ßen­des Geld wäre hier ein pas­sen­des Modell, um eine natür­li­che, kri­sen­fes­te Wirt­schafts­ord­nung her­zu­stel­len.

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