Ohne Vertrauen funktioniert Geld nicht – Andreas Bangemann

Ohne Ver­trau­en funk­tio­niert Geld nicht. Haben Sie sich schon ein­mal Gedan­ken dar­über gemacht, dass Luft das „Medi­um“ für Geräu­sche ist? Ohne die Schwin­gun­gen der Luft, könn­ten wir kei­ne Stim­me wahr­neh­men. Wir hören unse­re Mit­men­schen spre­chen und brau­chen dabei nicht zu wis­sen, war­um Luft schwingt und wel­che Beson­der­hei­ten dabei eine Rol­le spie­len. Es dürf­te eine gro­ße Mehr­heit sein, die nicht all­zu viel Wis­sen über die Schwin­gun­gen von Luft hat. Ich gehö­re auch dazu. Spre­chen und Hören kön­nen wir ohne die­ses Wis­sen. Ich will jetzt kei­ne Ver­mu­tung dar­über anstel­len, wie vie­le Men­schen sich plötz­lich für Luft­schwin­gun­gen inter­es­sie­ren wür­den, wenn sie fest­stell­ten, dass alle immer schlech­ter hören und gar die Gefahr droh­te, dass man bald über­haupt nichts mehr hört. Ver­mut­lich wür­de man zunächst eini­ge Zeit damit ver­brin­gen, den Feh­ler bei sich, sei­nen Mit­men­schen, den Poli­ti­kern und den ver­meint­lich Ein­fluss­rei­chen zu suchen. Mit zuneh­men­dem Wis­sen, wür­de man viel­leicht mut­ma­ßen, dass es Leu­te gibt, wel­che die Luft mani­pu­liert haben, um sich scham­los zu berei­chern. Sie ahnen viel­leicht, wor­auf ich hin­aus will. Geld ist das Medi­um für unse­ren wirt­schaft­li­chen Aus­tausch. Ohne des­sen „Schwin­gun­gen“, gäbe es nicht die Form der Arbeits­tei­lung, die uns das Leben ermög­licht, das wir heu­te haben. Dabei ist das Geld in sei­ner Funk­ti­on als Medi­um im Grun­de genau­so unsicht­bar, wie die Luft und sei­ne Schwin­gun­gen. Solan­ge Geld „funk­tio­niert“ ist leicht erklär­bar, war­um sich – in ähn­lich ein­zu­schät­zen­den Grö­ßen­ord­nun­gen, wie beim The­ma Luft – so Weni­ge mit der Orga­ni­sa­ti­on und den Beson­der­hei­ten des Geld­sys­tems befas­sen. Preis­schwan­kun­gen, und das „deut­sche“ Schreck­ge­spenst Infla­ti­on sind Anzei­chen von Unzu­ver­läs­sig­keit des Medi­ums Geld, die vie­le Men­schen miss­trau­isch machen. Mel­dun­gen über gan­ze Staa­ten, die ihre Schul­den nicht mehr bezah­len kön­nen, ver­stär­ken die­ses Gefühl noch. Aktu­ell dürf­te das Inter­es­se an Details des Geld­sys­tems zuneh­men. Das „blin­de Ver­trau­en“ in Geld schwin­det in dem Maße, in dem sei­ne Unzu­ver­läs­sig­keit spür­ba­rer wird. Ein wesent­li­cher Unter­schied zwi­schen den Medi­en Luft und Geld, besteht dar­in, dass Geld, respek­ti­ve das Geld­sys­tem, men­schen­ge­macht ist. Luft ist ein­fach da. Men­schen sind zwar dabei, die Lebens­grund­la­ge Luft eben­falls zu ver­schlech­tern, was auch etwas mit Geld zu tun hat. Doch das ist eine ande­re Geschich­te. Was wir wis­sen ist: 1.) Geld und Geld­sys­tem sind men­schen­ge­macht. 2.)Vertrauen ist eine not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für das Funk­tio­nie­ren von Geld. In allen Berei­chen der Gesell­schaft ist das nach­las­sen­de Ver­trau­en in Geld spür­bar. Die sub­jek­ti­ve Gewiss­heit, dass Geld zu jedem Zeit­punkt in der Zukunft in einen dem heu­ti­gen Wert ent­spre­chen­den Gegen­wert ein­ge­tauscht wer­den kann, schwin­det zuneh­mend. Die wach­sen­de Unsi­cher­heit führt zunächst dazu, dass vie­le sich jetzt – durch­aus berech­tigt – dar­auf ver­las­sen, die Insti­tu­tio­nen, wel­che für das Funk­tio­nie­ren des Gel­des und die Geld­wert­sta­bi­li­tät zustän­dig sind, wür­den alles in ihrer Macht ste­hen­de tun, um das Medi­um wie­der ver­trau­ens­wür­dig funk­tio­nie­ren zu las­sen. Doch, was ist, wenn das Medi­um einen ele­men­ta­ren Kon­struk­ti­ons­feh­ler hat? Womög­lich einen, der sich erst nach einer lan­gen Zeit­span­ne mit zer­stö­re­ri­scher Kraft zeigt? Einen, der nur erkenn­bar ist, wenn man sich auf bis­her nicht gewohn­te Wei­se den Ein­zel­hei­ten des Medi­ums nähert? Die Insti­tu­tio­nen, denen wir die Fähig­keit zuschrei­ben, die Sta­bi­li­tät der Wäh­rung zu beein­flus­sen, könn­ten seit lan­ger Zeit etwas unbe­ach­tet las­sen, das aber immer wie­der maß­geb­lich das Funk­tio­nie­ren des Gel­des stört, ja es in lan­gen zeit­li­chen Abstän­den gar immer wie­der kom­plett zusam­men bre­chen lässt. Kön­nen und dür­fen wir die­sen Insti­tu­tio­nen bedin­gungs­los ver­trau­en, wenn offen­sicht­lich ist, dass etwas unbe­ach­tet bleibt, was immer wie­der zu leid­vol­len Erfah­run­gen gan­zer Gene­ra­tio­nen von Men­schen führt? Ohne den Druck von außen wird sich in den Insti­tu­tio­nen, denen wir unser Ver­trau­en schen­ken nichts Grund­le­gen­des ändern. Sie wer­den sich red­lich bemü­hen, die sich zei­ti­gen­den nega­ti­ven Fol­gen zu behan­deln und damit um unser Ver­trau­en wer­ben. Aber sie wer­den sich nicht mit den Ursa­chen befas­sen. Ihnen die­se „Repa­ra­tur­po­li­tik“ vor­zu­wer­fen, greift zu kurz und führt zu nichts. Wir alle – je mehr Ver­ant­wor­tung wir in der Gesell­schaft tra­gen, umso stär­ker – sind dazu auf­ge­ru­fen, uns des Wis­sens über die Funk­tio­nen und der Gesetz­mä­ßig­kei­ten des Medi­ums Geld zu bemäch­ti­gen, um die vor­han­de­nen oder auch neu zu schaf­fen­den demo­kra­ti­schen Insti­tu­tio­nen in die Lage zu ver­set­zen, das Medi­um Geld so zu gestal­ten, dass es auf Dau­er und best­mög­lich sei­nen urei­ge­nen Zweck erfüllt: Den Men­schen bei ihrem Wirt­schaf­ten zu die­nen! Herz­li­che Grü­ße, Andre­as Ban­ge­mann Inspi­ra­tio­nen zu die­sem Edi­to­ri­al, ins­be­son­de­re auch die Ana­lo­gie mit der Luft, hat­te ich durch die lesens­wer­te Diplom­ar­beit „Wäh­rung, Ver­trau­en, Wis­sen – Kogni­ti­ve Bedin­gun­gen des Ver­trau­ens in eine Wäh­rung“ aus dem Jah­re 2010, erstellt an der Uni­ver­si­tät Wien von Alex­an­dra Beur­le. Im Inter­net als PDF zu fin­den unter: http://othes.univie.ac.at/12640/

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