Der kältere Krieg hat begonnen – Wolfgang Berger

Geopolitik für die Finanzindustrie, gegen den Frieden -

Michail Sergejewitsch Gorbatschow war von 1985 bis 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. 1990 und 1991 war er zwei Jahre lang Staatspräsident der Sowjetunion. Er hat den Eisernen Vorhang beseitigt und die Vereinigung Deutschlands ermöglicht. „Die USA benötigen eine Perestroika”, hat er Ende 2014 in einem Interview gesagt. „Perestroika“ (Russisch für Umstrukturierung) war sein Leitbegriff für die von ihm angestoßenen Reformen.

Entgegen den der Sowjetunion gegebenen Zusagen hat sich die NATO über die Oder-Neiße-Linie hinaus ausgedehnt und umzingelt heute Russland. Der Militärapparat der Sowjetunion war auf eine Offensive mit konventionellen Streitkräften ausgelegt. Ohne einen langen Verhandlungsprozess mit den USA abzuwarten hat Gorbatschow ihn auf eine defensive Struktur umgerüstet. Er sah dies als vertrauensbildende Maßnahme an. Auf der Grundlage des so hergestellten Vertrauens wollte er die Vision eines gemeinsamen Hauses Europas vom Atlantik bis zum Ural (oder von Lissabon bis Wladiwostok) begründen.

Er wollte nicht nur den Kalten Krieg, sondern auch die Spuren des Zweiten Weltkrieges überwinden. Es war der erste Versuch in der jüngeren Geschichte, aus der Zwangslogik einer Geopolitik auszubrechen, die nicht den Menschen dient, sondern allein dem Kapital. Sein Versuch ist gescheitert. Für sein Ziel, eine dauerhafte Friedensordnung zu schaffen, hätte er Partner im Westen gebraucht. Seine Friedensinitiative wurde nicht als Chance, sondern – ganz im Sinne der angelsächsischen geopolitischen Logik – als Schwäche gedeutet. Damit ist ein historisch einmaliger und wegweisender Vorstoß fehlgeschlagen.

Im Kalten Krieg lief das Geschäft für die Rüstungsindustrie auf Hochtouren. Mit dem Ende dieser Ära haben wir ein neues Zeitalter mit weniger Rüstung und Kriegen erwartet. Die frei werdenden Mittel hätten für die Beseitigung von Armut genutzt werden können. Doch es kam anders. Für die Vereinigten Staaten war das Ende des nuklearen Wettrüstens die Voraussetzung, um mit einer gigantischen Aufrüstung überhaupt erst richtig zu beginnen.

Anstelle der von Gorbatschow angestoßenen umfassenden Abrüstung, verfünffachten die USA ihre Rüstungsausgaben innerhalb von nur zwei Jahrzehnten von 150 Milliarden Dollar (1990) auf ca. 750 Milliarden Dollar heute. Dieses Militärbudget ist so groß wie das der gesamten restlichen Welt zusammen. Eine fatale, ja völlig unbegreifliche Entwicklung. Die bereits begonnene nukleare Abrüstung wurde beendet, um die Bedrohungsängste der Europäer vor den russischen Atomwaffen aufrechtzuerhalten.

Zusätzlich wurde eine geheime, die Teilstreitkräfte übergreifende Kommandoeinrichtung geschaffen: Die US Special Operations. 133 Länder – also 70 Prozent aller Nationen – bekamen 2014 Besuch von diesen Militärs. „Trotz seiner massiven Größe und Wirkung ist dieser globale Krieg, der in weiten Teilen der Erde im Geheimen geführt wird, den meisten Amerikanern unbekannt“, schreibt der investigative Journalist Nick Turse in „The Golden Age of Black Ops“. Seit 2001 ist die Personalgröße der Special Operations von 33.000 auf 70.000 gewachsen. Daneben gibt es ein Spektrum regionaler Einheiten – u. a. auch für Europa. In 14 ausgesuchten US-Botschaften sind Verbindungsoffiziere der Special Operations stationiert. Bis 2019 soll das Programm auf 40 Länder erweitert werden.
City of London und Wall Street lenken die Geopolitik
„Was die US-Politik … nach dem Kalten Krieg geschmiedet hat, ist ein moralischer, politischer und finanzieller Gräuel auf Basis von Betrug, Diebstahl und Schwindel“ hat die Autorin des Wall Street Journal Anne Williamson vor dem US-Repräsentantenhaus ausgesagt. Mit der „Operation Hammer“ sollte am 11. September 1991 die Übernahme der Sowjetunion eingeleitet werden. Die Familien von Boris Jelzin und Mikhail Chodorkowski wurden finanziert, um mit Gorbatschow auch gleich die Sowjetunion zu entsorgen. Die Abwicklung übernahm die Riggs Bank, die für 23 US-Präsidenten die Konten führte und deren Direktor Johnathan Bush, Onkel von George W. Bush, ist.

Hinter diesem Staatsstreich standen westliche Geheimdienste. Der danach vom Westen ferngesteuerte Alkoholiker Boris Jelzin privatisierte die Reichtümer Russlands und ließ die Bevölkerung verarmen. Mittellose kommunistische Funktionäre oder Mafiosi wurden so zu „Oligarchen“, plünderten Russland aus, legten das Geld in den USA und in „Londongrad“ an, wo hunderte von ihnen jetzt residieren. EP Heidner ist ein Whistleblower, der für das DIA Office of Naval Intelligence gearbeitet hat. In einer gründlichen Recherche zeigt er detailliert, wie die Finanzzentren in London und New York diese Aktionen gemeinsam mit dem Pentagon (dem US-Verteidigungsministerium) finanziert haben.

Für diese und andere geheime Kommandoaktionen sind bis zum Jahre 2001 offenbar mehrere tausend Milliarden (= Billionen) Dollar ausgegeben worden, die nirgendwo erscheinen durften. Nach dem Mordanschlag 9/11 war das Verschwinden von bis zu 4.000 Milliarden Dollar im US-Verteidigungsministerium nicht mehr aufzudecken. In einer kriminalistischen Recherche zu Finanzen, Öl und Drogen weist Lars Schall nach, wie nahliegend es erscheint, dass Insider vorher vom Mordanschlag 9/11 gewusst haben müssen. Mit der richtigen Spekulation konnten sie innerhalb dieser Tage ihr Vermögen verhundertfachen. Der frühere Bundesbankchef Ernst Welteke bemerkte dazu: „Ohne ein bestimmtes Wissen können solche Aktionen nicht geplant und ausgeführt werden“.

Wladimir Putin beendete die Ausplünderung seines Landes. In seiner Rede am 25. September 2001 vor dem Deutschen Bundestag beschwor er die Einheit eines friedlichen Europas und knüpfte an Gorbatschows Vision eines Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok an. Das Problem der Finanz„industrie“ ist nun aber, dass sie in der westlichen Welt schon alles aufgekauft hat, was werthaltig ist und im Geld schwimmt. Sie braucht ein reales Fundament, das den Wert des Geldes unterlegt. Im 19. Jahrhundert haben die europäischen Mächte deshalb Kolonien erobert und sich deren Reichtümer angeeignet. Putin hat die Pläne vereitelt, Russland in eine Kolonie der angelsächsischen Finanzmächte zu verwandeln. Deshalb ist er vom Westen jetzt als Feind auserkoren worden und unsere Presse fühlt sich offenbar angehalten, uns dieses Feindbild zu vermitteln.

Entgegen den gegebenen Zusagen dehnte die Nato ihren Einflussbereich aus und kreiste Russland militärisch ein. Russland wurde an seiner Südgrenze mit amerikanischen Militärbasen umstellt. Gleichzeitig schritten die Planungen für einen Raketenschild an der West-, Ost- und Nordgrenze des Riesenlandes immer weiter voran. Zusammen mit der zugleich aufkommenden Weltraumbewaffnung sollte das nukleare Patt des Kalten Krieges endgültig zugunsten der USA aufgelöst werden. Die USA maximierten ihre eigene Rüstung und nahmen dabei den Sicherheitsverlust Russlands in Kauf.

Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher haben Gorbatschow anlässlich der deutschen Vereinigung zugesichert, dass auch das Gebiet der ehemaligen DDR nicht NATO-Gebiet werde. Diese Zusicherung ist von den USA durch Außenminister James Baker III bestätigt worden. Noch vor der EU hat dann aber die NATO die meisten Länder Osteuropas aufgenommen. Der NATO-Generalsekretär von 2009 bis 2014 Anders Rasmussen hat angeregt, Georgien und die Ukraine in die NATO aufzunehmen. Damit wäre der russische Flottenstützpunkt in Sewastopol auf der Krim in der NATO gelegen.

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