Bil­dungs­ar­beit und Rote Beete – Pat Christ

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Seit fünf Jah­ren gibt es in Leip­zig das Kon­zept­werk Neue Öko­no­mie
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Wirt­schaf­ten wir nur oder vor allem, um im inter­na­tio­na­len Wett­kampf bestehen zu kön­nen? Kann das sinn­voll sein? Oder bedeu­tet dies nicht eine gigan­ti­sche Ver­schwen­dung von Res­sour­cen, Ener­gie und Lebens­zeit? Aus die­sen Fra­gen her­aus grün­de­te sich vor fünf Jah­ren in Leip­zig das „Kon­zept­werk Neue Öko­no­mie“. Drei­zehn Men­schen arbei­ten hier mit. Der 32-jäh­ri­ge Chris­to­pher Lau­manns, stu­dier­ter Phi­lo­soph und Poli­to­lo­ge, ist einer von ihnen.
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Stu­die­ren­de ganz unter­schied­li­cher Cou­leur aus Hei­del­berg bil­de­ten die Keim­zel­le des „Kon­zept­werks“. „Wir woll­ten uns nicht im Arbeits­markt ver­lie­ren“, schil­dert Lau­manns die Anfän­ge. Ein sinn­vol­les Arbei­ten ohne Hier­ar­chi­en schweb­te den jun­gen Leu­ten vor. In der klas­si­schen Lauf­bahn eines Poli­tik­wis­sen­schaft­lers sah Chris­to­pher Lau­manns die­se Idee nicht rea­li­sier­bar: „Mir per­sön­lich erschien die Arbeits­welt damals an sich als nicht beson­ders attrak­tiv, zum einen wegen der Hier­ar­chi­en, aber auch wegen des Kon­kur­renz­den­kens.“
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Men­schen kon­kur­rie­ren um Arbeits­plät­ze und Auf­stiegs­chan­cen, Unter­neh­men um Markt­an­tei­le, Städ­te und Regio­nen um Gewer­be­an­sied­lun­gen, Uni­ver­si­tä­ten um Stu­die­ren­de, Staa­ten um wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Macht. Die­ser Wett­be­werb gilt als Motor von Inno­va­ti­on und Pro­spe­ri­tät. Die Neben­wir­kun­gen der Kon­kur­renz, als da wären Mono­po­li­sie­rung, Mono­kul­tur, Hier­ar­chi­en und Macht­ge­fäl­le sowie die Absen­kung von Sozi­al­stan­dards und Umwelt­vor­ga­ben, wer­den dem Kon­zept­werk zufol­ge kaum offen­siv pro­ble­ma­ti­siert. Um gegen­zu­steu­ern, will die Initia­ti­ve loka­le und demo­kra­tisch orga­ni­sier­te Wirt­schafts­for­men stär­ken.
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Ein Wochen­en­de lang setz­te sich die Grup­pe vor fünf Jah­ren zusam­men und beriet, wie sie ihre Ide­en rea­li­sie­ren könn­te. Drei „Lager“ bil­de­ten sich her­aus: „Eini­ge woll­ten zusam­men­woh­nen, ande­re zusam­men­ar­bei­ten, wie­der ande­re streb­ten bei­des an.“ Letz­te­re zogen von Hei­del­berg nach Leip­zig, um ihre Visio­nen eines gemein­schaft­li­chen Lebens und Arbei­tens zu rea­li­sie­ren. Mit ins­ge­samt acht Inter­es­sier­ten ging im Sep­tem­ber 2011 das „Kon­zept­werk Neue Öko­no­mie“ an den Start.
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„Es soll­te über­schau­bar sein“
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Für Chris­to­pher Lau­manns war das „Kon­zept­werk“ etwas, das es so noch nicht gab: „Ich kann­te kei­ne Orga­ni­sa­ti­on, die das tut, was wir jetzt tun, näm­lich zu den The­men ‚Wirt­schaft’ sowie ‚Wirt­schaft ohne Wachs­tum’ auf ein­fach Art, jedoch fun­diert zu bil­den.“ Auch Attac wäre für Lau­manns nicht die rich­ti­ge Hei­mat gewe­sen: „Attac ist uns schon nahe. Wir haben auch vie­le Leu­te über die Attac-Aka­de­mie ken­nen gelernt. Aber Attac ist eine sehr gro­ße Mit­glie­der­or­ga­ni­sa­ti­on. Wir woll­ten etwas Über­schau­ba­res grün­den.“
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Beim „Kon­zept­werk“ arbei­ten heu­te stets um die 20 Leu­te mit. 13 sind im Kol­lek­tiv ange­stellt. Sie leis­ten die Haupt­ar­beit. Lau­manns: „Wir ver­su­chen, die­se Arbeits­plät­ze auch auf jeden Fall zu erhal­ten.“ Ande­re sind als freie, zeit­lich begrenzt täti­ge Pro­jekt­mit­ar­bei­ter enga­giert. Finan­ziert wird das „Kon­zept­werk“ zum größ­ten Teil über Pro­jekt­för­de­run­gen von Stif­tun­gen. Dane­ben flie­ßen Spen­den in die Arbeit: „Die­sen Bereich wür­den wir ger­ne aus­bau­en, weil man damit am fle­xi­bels­ten arbei­ten kann.“ Zudem wird das Pro­jekt auch durch den Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst unter­stützt. Schließ­lich neh­men die Mit­ar­bei­ter über Ver­an­stal­tun­gen Hono­ra­re ein.
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Ein Ziel des Kon­zept­werks wur­de sehr schnell erreicht: Dem Kol­lek­tiv gelang es, alter­na­ti­ve Arbeits­plät­ze zu guten Arbeits­be­din­gun­gen zu schaf­fen. „Wir arbei­ten mit lau­ter net­ten Leu­ten an einem schö­nen Ort, mit Arbeits­zei­ten, die wir uns selbst ein­tei­len, und wir arbei­ten ohne Hier­ar­chi­en“, erläu­tert Lau­manns. Alles wird im Ple­num im Kon­sens ent­schie­den. Auch wird gemein­sam gekocht. Abstri­che gegen­über ande­ren Arbeits­ver­hält­nis­sen müs­sen aller­dings in punc­to „Ver­dienst“ hin­ge­nom­men wer­den. Alle „Konzeptwerk“-Mitarbeiter gehen jedoch damit d’accord: „Uns ist es wich­ti­ger, eine sinn­vol­le Arbeit zu machen, als viel zu ver­die­nen.“
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Sinn statt Ver­dienst
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Das ins­ge­samt knap­pe Bud­get macht „Geld“ zum The­ma – was sein soll und sein darf. Was zum Bei­spiel stellt man mit Ein­nah­men an, die über den Erwar­tun­gen lie­gen? „In die­sem Fall nei­gen wir eher dazu, eine Per­son mehr ein­zu­stel­len, als unser Gehalt zu erhö­hen.“ Mit…

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