Kategorie: Ausgabe 06 – 2013

Leserbriefe 06/2013 0

Leserbriefe 06/2013

Fünf Sei­ten von Lesern für Leser. Die Leser­brie­fe die­ser Aus­ga­be. Ihre Mei­nung ist uns wich­tig! Sen­den Sie uns Ihre Fra­gen, Anre­gun­gen oder per­sön­li­chen Mei­nun­gen. Wir bemü­hen uns, so viele
Leser­brie­fe unter­zu­brin­gen, wie mög­lich. Wenn wir Leser­brie­fe kür­zen, dann so, dass das Anlie­gen der Schrei­ben­den gewahrt bleibt. Leser­brie­fe geben nicht die Mei­nung der Redak­ti­on wieder.

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In Wuppertal steinreich werden – Andreas Bangemann

Die Frei­licht­büh­ne an der Sil­vio-Gesell-Tagungs­stät­te wird mehr als 80 Jah­re nach ihrer Ent­ste­hung wie­der mit Leben erfüllt.

Jona­than Ries als „Bau­lei­ter“ und die Fami­lie Ban­ge­mann ach­ten dabei dar­auf, dem „Geist“ des Gelän­des und der herr­li­chen Natur Rech­nung zu tra­gen. Der Frei­wirt­schaft­li­che Jugend­ver­band Deutsch­land e. V. als Trä­ger und Eigen­tü­mer des Gelän­des sucht auf beson­de­re Wei­se Unter­stüt­zer. Mit der Über­nah­me einer „Stein­pa­ten­schaft“ kann das Pro­jekt, das 2015 voll­endet wer­den soll, unter­stützt werden.

Gedan­ken, die zur Ent­schei­dung für Stei­ne geführt haben

Die Ter­ras­sie­rung des Sitz­be­rei­ches, die spä­ter ein­mal die Stu­fen des Zuschau­er­rau­mes bil­den wird, soll aus mas­si­ven Stein­blö­cken gestal­tet wer­den. Die Model­lie­rung des Erd­reichs, sei­ne Ver­dich­tung und der Unter­grund für die „Sitz­stei­ne“ stel­len dabei eine Her­aus­for­de­rung dar.

Die Frei­licht­büh­ne in Form einer unver­wüst­li­chen Wahr­heit, als Spa­gat zwi­schen mani­fes­ter Mas­se und geis­ti­gem Leben. Dem Stein und sei­ner alles mensch­li­che Leben über­dau­ern­den Stär­ke, soll in Form der Nut­zung der Büh­ne die Leich­tig­keit des Gedan­ken­spiels in allen künst­le­ri­schen Facet­ten begeg­nen. Der Stein als das Sym­bol der Zeit­lo­sig­keit trifft in der zukünf­ti­gen Büh­ne auf die leben­di­ge Krea­ti­vi­tät von Mensch und Natur.

Die­se Ambi­va­lenz bezieht ihre Über­ra­schungs­mo­men­te aus den immensen zeit­li­chen Ver­satz­stü­cken von Ent­wick­lun­gen. Hier das ewig Gel­ten­de, Ver­stei­ner­te, dort das Flüch­ti­ge, die dem mensch­li­chen Geist ent­sprin­gen­de Moment­auf­nah­me. Hier das Behä­bi­ge, Unbe­weg­li­che und dort das Flie­ßen­de und auf ganz beson­de­re Wei­se Ver­än­de­rung Herbeiführende.

Der Stein ist Stein und bleibt es ewig. Der Mensch ver­geht in kür­zes­ter Zeit und nährt sich von den Früch­ten der Natur und des Geis­tes. Leben ver­geht und ent­steht in unend­li­chem Kreis­lauf. Ein Kunst­werk, das auf einer Büh­ne auf­ge­führt wird, ist Ver­gäng­lich­keit im Stundentakt.

Doch die­se Frei­licht­büh­ne wird mit ihrem Ensem­ble aus Kunst, Archi­tek­tur und Krea­ti­vi­tät für unge­ahn­te Refle­xio­nen und blei­ben­de Ein­drü­cke sor­gen. Bäu­me, Sträu­cher, Pflan­zen und die Tie­re des Wal­des und der angren­zen­den Fel­der, berei­chern die Kulis­se, wel­che der Mensch mit sei­ner Krea­ti­vi­tät erfüllt.

Reden aller Art, Klein­kunst, Akro­ba­tik, Bewe­gungs­kunst, Thea­ter, Tanz, Musik, kind­li­che Ent­de­ckungs­rei­sen, Semi­nar­ver­an­stal­tun­gen und, und, und …

Der zukünf­ti­gen Nut­zung als Spiel- und Aus­drucks­raum für viel­fäl­ti­ge Zwe­cke sind kaum Gren­zen gesetzt.

Die gewal­ti­ge, zeit­lo­se, mit Ewig­keits­an­spruch ver­se­he­ne Form der gesam­ten Anla­ge bie­tet einen Raum, der den Men­schen täg­lich aufs Neue die Frei­heit bie­tet, sie mit Künst­le­ri­schem und Krea­ti­vem aus­zu­fül­len. Dem unauf­hör­li­chen Wer­den und Ver­ge­hen wird ein ein­zig­ar­ti­ger Rah­men gege­ben. Dem Ent­ste­hen der Ver­än­de­rung wird Raum gegeben.

Stein­pa­ten­schaf­ten

Vie­le hun­dert Stei­ne wer­den nötig sein,
bis die zukünf­ti­gen Sitzgelegenheiten
geschaf­fen sind. Ein ein­zel­ner die­ser Muschelkalksteine
wird etwa 45 cm x 45 cm
im Quer­schnitt mes­sen, ca. 80 bis 100 cm
lang sein und rund 500 kg wiegen.

Tra­gen Sie mit einer Steinpatenschaft
zum Gelin­gen die­ses außergewöhnlichen
Bau­werks bei. Es wer­den Patenschaften
mit 50,- € (ein Sitzplatz),
100,- € (zwei Sitz­plät­ze) oder 150,- €
(drei Sitz­plät­ze, ent­spricht einem ganzen
Stein) auf­ge­legt. Das wird mit einer
Urkun­de doku­men­tiert und durch eine
Gra­vur auf den Stei­nen für alle Zeiten
sicht­bar gemacht.

Über­wei­sun­gen bit­ten mit dem Hinweis
„Stein­pa­ten­schaf­ten“ versehen
und gut leser­lich Vor- und Zuna­men für
die Gra­vur eintragen.

Kon­takt im Zusam­men­hang mit dem Projekt:
Jona­than Ries, Sil­vio-Gesell-Tagungs­stät­te, Schan­zen­weg 86, 42111 Wuppertal
Email: jonathanries82@hotmail.com
Mobil: 0163–1461604 oder: 02053–423766
Pro­jekt­web­site: http://www.wflb.de

Spen­den­kon­to des gemein­nüt­zi­gen Trä­ger­ver­eins der Tagungs­stät­te und des Freilichtbühnen-Projektes:
Kon­to­in­ha­ber: Frei­wirt­schaft­li­cher Jugendverband
Deutsch­land e. V. (kurz FJvD e. V.)
Kon­to­num­mer: 26357251
Bank­leit­zahl: 334 500 00
Spar­kas­se Hilden-Ratingen-Velbert

Wir alle haben Talent – Andreas Bangemann 0

Wir alle haben Talent – Andreas Bangemann

Vor 20 Jah­ren hat eine Initia­ti­ve star­ke Impul­se aus­ge­sen­det, die in der Fol­ge eine Tausch­ring- und Regio­nal­geld­wel­le aus­lös­te: Das Schwei­zer „Talent­ex­pe­ri­ment“

Es geschah in einer Zeit weit ent­fernt von ech­ten öko­no­mi­schen Kri­sen. Ein Land, das durch sei­ne Neu­tra­li­tät Jahr­hun­der­te lang weit­ge­hend im Frie­den leben konn­te und die ver­meint­lich stärks­te Wäh­rung der Welt auf­bau­te, wur­de zur Hei­mat einer selbst­ge­mach­ten, loka­len und zins­frei­en Zweit­wäh­rung. In der Schweiz konn­te man in bestimm­ten Regio­nen ab 1993 mit sei­nen „Talen­ten“ bezahlen.
Im Früh­jahr 1993 haben Mit­glie­der der INWO Schweiz (Initia­ti­ve für Natür­li­che Wirt­schafts­ord­nung) und wei­te­re Inter­es­sier­te den Start­schuss für eine Bewe­gung gege­ben, die sich über ganz Europa
aus­brei­te­te. Das Talent­ex­pe­ri­ment wur­de zur Blau­pau­se vie­ler nach­fol­gen­der Initia­ti­ven und Projekte.

Auf einer Tagung im Novem­ber 1992 wur­de ein inhalt­li­cher Grund­stein gelegt. Aus dem dama­li­gen Tagungs­pro­spekt: Eine gerech­te Wirt­schaft ist nur mit einem gerech­ten Geld­sys­tem mög­lich, das ech­te Pro­duk­ti­vi­tät för­dert und die ver­steck­te Ein­kom­men­sum­ver­tei­lung durch den Zins eli­mi­niert. Ein Geld­we­sen auf Zins­ba­sis ist nicht nur eine sozia­le öko­lo­gi­sche Zeit­bom­be, son­dern desta­bi­li­siert sich sel­ber durch das expo­nen­ti­el­le Schul­den­wachs­tum. Je unsi­che­rer das inter­na­tio­na­le Wäh­rungs- und Finanz­sys­tem wird, des­to wich­ti­ger wer­den loka­le, zins­freie Aus­tausch­sys­te­me. Wenn auch für vie­le die Kri­se erst 2008 aus­brach, so gab es in alter­na­ti­ven Krei­sen den­noch Weit­bli­cken­de, die sehr genau erkann­ten, wohin eine Wirt­schaft treibt, wenn alles der Kapi­tal­ren­di­te unter­ord­net wird.
„Ein zins­frei­es Tausch­mit­tel, das sich nach den Bedürf­nis­sen der Men­schen rich­tet und nicht dem Pro­fit­hun­ger der Finanz­märk­te dient.“ Die Illu­si­on des ewig jun­gen Gel­des stellt mensch­li­che Wert­vor­stel­lun­gen auf den Kopf.

Mit Talen­ten bezah­len konn­te man aus­schließ­lich bar­geld­los. „Wer Talent hat, hat Kre­dit“, lau­te­te das Cre­do. Die Hür­den zum Mit­ma­chen wur­den nied­rig ange­setzt. Trans­pa­renz war ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt in der Kon­zep­ti­on der Par­al­lel­wäh­rung. Tho­mas Ester­mann schrieb 1994 dazu in der „Zeit­schrift für Sozi­al­öko­no­mie“ unter dem Titel „Das Talent-Expe­ri­ment der INWO Schweiz“: Trans­pa­renz als Schutz vor Machtmissbrauch…

Repariert nicht, was euch kaputt macht! – Streifzüge-Redaktion 0

Repariert nicht, was euch kaputt macht! – Streifzüge-Redaktion

Aus­druck des Webein­trags von www.streifzuege.org
Her­aus­ge­ber und Inha­ber: Kri­ti­scher Kreis. – Ver­ein für gesell­schaft­li­che Trans­for­ma­ti­ons­kun­de – Mar­ga­re­ten­stra­ße 71–73/1/23, 1050 Wien
Der Bei­trag ist auf „Streif­zü­ge“ nach­zu­le­sen unter: http://www.streifzuege.org/2013/repariert-nicht-was-euch-kaputt-macht

Geht es auch ohne Geld? – Redaktion 0

Geht es auch ohne Geld? – Redaktion

Der Mensch ist Teil der Natur, das steht außer Zwei­fel. Die Natur kennt kein Geld, erzeugt kei­nen Abfall, bewer­tet nicht. Sie ist ver­schwen­de­risch, vol­ler Reich­tum und ohne Schulden.

Könn­te das ein Hin­weis sein, wie wir unse­re Öko­no­mie ent­wi­ckeln sollten?

Ist eine Wirt­schaft ohne Geld denk­bar? Inter­es­san­ter­wei­se decken sich die Ana­ly­sen, poli­tisch links gerich­te­ter Krei­se immer mehr mit jenen, die Geld­sys­tem­kri­ti­ker für ihre Zwe­cke nut­zen. Das führt zu Irri­ta­tio­nen, jedoch nur bis zu dem Punkt, an dem man fest­stellt, wie weit die Lösungs­vor­schlä­ge aus­ein­an­der­lie­gen. Lin­ke, für die Karl Marx und sei­ne Sicht­wei­se nach wie vor das Maß aller Din­ge sind, schei­nen sich nicht mit Leu­ten eini­gen zu kön­nen, deren Ver­än­de­rungs­wil­le sich ganz auf die Trans­ak­ti­ons- oder Zir­ku­la­ti­ons­sphä­re des Gel­des rich­tet. Dem Schei­tern Marx­scher Ide­en in der Pra­xis folg­te unter ande­rem auch eine grö­ßer wer­den­de „Sze­ne“ von Lin­ken mit neu­en Befrei­ungs­ide­en. Die Herr­schaft der Funk­tio­nä­re, wozu der Kom­mu­nis­mus letzt­lich führ­te, soll und kann ver­hin­dert wer­den, wenn wir uns vom Geld befrei­en, mei­nen so man­che. Das Vor­bild der „Frei­en Soft­ware“ (z. B. Linux) oder von Inter­net­por­ta­len wie Wiki­pe­dia, zu dem Men­schen bedin­gungs­los bei­tra­gen, ohne „Gegen­for­de­run­gen“ zu stel­len, dient als Grund­la­ge für ein Sys­tem­den­ken jen­seits des Gel­des. Damit scheint der Spa­gat geschafft, das rea­le Schei­tern des mar­xis­ti­schen Sozia­lis­mus in sei­ner „Pro­le­ta­ri­ats­dik­ta­tur-Phan­ta­sie“ doch noch mit dem eigent­li­chen Ziel, der Auf­lö­sung des Staa­tes, zu ver­ei­nen. Und das, ohne sich von dem Den­ken ver­ab­schie­den zu müs­sen, dass es ein­zig die Pro­duk­ti­ons­mit­tel sind, die den Kapi­ta­lis­mus ausmachen.

In die­ser Aus­ga­be der Zeit­schrift haben wir uns vor­ge­nom­men, Denk­wei­sen Raum zu geben, die das The­ma Geld aus einer ande­ren Sicht betrach­ten. Für „Geld­re­for­mer“ ist es befremd­lich, ein­mal dar­über nach­zu­den­ken, wie die Wirt­schaft ganz ohne Geld funk­tio­nie­ren könn­te. Aber das soll­te uns nicht dar­an hin­dern, es ein­mal zu tun.

Das Geschäft mit der Massenvernichtung – Redaktion 0

Das Geschäft mit der Massenvernichtung – Redaktion

Inves­ti­tio­nen deut­scher Ban­ken in Atomwaffenhersteller

Laut dem Erfolgs­au­tor, David Graeber, („Schul­den Die letz­ten 5000 Jah­re“) ist das Auf­kom­men von Münz­geld im Wesent­li­chen auf die Finan­zie­rung von Krie­gen zurück­zu­füh­ren. Staats­schul­den sind Kriegs­schul­den. „Der Link zwi­schen Geld und Gewalt zieht sich durch die Geschich­te der Mensch­heit“, sagt er am 10. Okto­ber 2013 in einem Inter­view des Schwei­zer Fern­se­hens DRS.

„Alle moder­nen Regie­run­gen sind ver­schul­det und meis­tens sind es Kriegs­schul­den.“ Zwar wach­sen die heu­ti­gen Staats­schul­den im Grun­de nur durch die
nicht mehr bedien­ba­ren Zins­las­ten, doch im Gegen­satz zu Sozi­al­aus­ga­ben ste­hen die Aus­ga­ben für Ver­tei­di­gung eher sel­ten auf der Streich­lis­te der Staatshaushalte. 

Wur­den Krie­ge und Gewalt zu frü­he­ren Zei­ten von unde­mo­kra­ti­schen Herr­schern geführt, so hat sich das zwar geän­dert, nicht jedoch die Tat­sa­che, dass Krie­ge und vor allem schreck­li­che Waf­fen, wie zum Bei­spiel Atom­waf­fen, nach wie vor finan­ziert wer­den müs­sen. Konn­ten die Herr­scher frü­her das durch Aus­beu­tung eige­ner Gold- und Sil­ber­mi­nen, so müs­sen die Krieg­füh­ren­den, aber auch die Pro­du­zen­ten der Waf­fen­sys­te­me, heut­zu­ta­ge auf den Finanz­markt zurück­grei­fen, um Krie­ge und Waf­fen finan­zie­ren zu kön­nen. Ange­sichts der immensen Sum­men, die mitt­ler­wei­le dafür auf­ge­wen­det wer­den, fragt man sich, wie das mög­lich ist? Wer kennt schon Jeman­den per­sön­lich, der einem Atom­waf­fen­her­stel­ler Kre­dit geben wür­de? Und doch sind vie­le Im Boot, die es selbst nicht wis­sen, wenn es an die Beant­wor­tung die­ser Fra­ge geht. Oft­mals genügt es dazu, einen Spar­be­trag auf dem Kon­to einer nam­haf­ten deut­schen Bank zu haben. Schon ist man unter den Finan­ziers von Atomwaffen.

Buchvorstellungen 06/2013 0

Buchvorstellungen 06/2013

Drei Bücher zum The­ma Geld wer­den hier vorgestellt:
1.) Chris­ti­an Kreiß: „Pro­fit­wahn“ – War­um sich eine men­schen­ge­rech­te­re Wirt­schaft lohnt – Tec­tum Ver­lag (15. 6. 2013), Klap­pen­bro­schur, 200 Sei­ten, 17,95 €, ISBN 978–3-8288–3159-9
2.) Dirk Löhr: „Prin­zip Ren­ten­öko­no­mie: Wenn Eigen­tum zu Dieb­stahl wird“ – Ver­lag Metro­po­lis (1. 5. 2013), bro­schiert, 196 Sei­ten, 22,00 €, ISBN 978–3-7316–1013-7
3.) Charles Eisen­stein, „Öko­no­mie der Ver­bun­den­heit: Wie das Geld die Welt an den Abgrund führ­te – und sie den­noch jetzt ret­ten kann.“ (Mit einem Vor­wort von Mar­grit Ken­ne­dy) Scor­pio Ver­lag (11. März 2013), gebun­den, 496 S., 19,99 €, ISBN-13: 978–3-943416–03-9
Alle drei Bücher kön­nen auch über unse­ren Online-Shop http://shop.humane-wirtschaft.de bezo­gen werden.

Charles Eisenstein 0

Charles Eisenstein und die Agenten des Wandels – Ein Bericht von Andreas Bangemann

Der US-ame­ri­ka­ni­sche Kul­tur­phi­lo­soph Charles Eisen­stein kommt, wenn er geru­fen wird. Sei­ne Rei­sen wer­den auf außer­ge­wöhn­li­che Wei­se orga­ni­siert. Immer mit einem gewis­sen finan­zi­el­len Risi­ko, denn der Erfolgs­au­tor ver­traut dabei auf die Gaben­be­reit­schaft sei­ner Zuhö­rer, Spon­so­ren und Ver­an­stal­ter. Er will dem bedin­gungs­lo­sen Geben einen grö­ße­ren Stel­len­wert im mensch­li­chen Mit­ein­an­der ver­schaf­fen und geht des­halb bei­spiel­haft vor­an. Eine Euro­pa­rei­se im Sep­tem­ber führ­te ihn in die Schweiz und nach Luxem­burg. Charles Eisen­stein ist für vie­le zu einem Hoff­nungs­trä­ger gewor­den. Er ver­kör­pert den Wan­del hin zu einer „Öko­no­mie der Ver­bun­den­heit“. Das ist zugleich der Titel sei­nes aktu­el­len Buches (das Nächs­te ist im Entstehen).

Das Pro­gramm hat­te dem­entspre­chend einen Schwer­punkt in Vor­trä­gen rund um das Schaf­fen des erfolg­rei­chen Buch­au­tors und Wirt­schafts­ana­ly­ti­kers. Am 21. Und 22. Sep­tem­ber 2013 luden CELL („Cent­re for Eco­lo­gi­cal Learning Luxem­bourg“) in Zusam­men­ar­beit mit wei­te­ren Ein­rich­tun­gen und Orga­ni­sa­tio­nen zu einem Abend­vor­trag und Work­shop am dar­auf fol­gen­den Tag nach Luxem­burg ein. Mit im Orga­ni­sa­ti­ons­team waren Katy Fox, Alex Hor­nung, Max Hil­bert, Anke Col­ditz und vie­le Akti­ve der Luxem­bur­ger Regio­nal­wäh­rung „Beki“, sowie der Luxem­bur­ger Initia­ti­ve für bedin­gungs­lo­ses Grundeinkommen.
In sei­ner spür­ba­ren Beschei­den­heit wur­de er mitt­ler­wei­le zu einem Sym­bol der Ver­än­de­rung. Die soge­nann­te „Occu­py-Bewe­gung“, die exis­tent, aber doch nicht greif­bar erscheint, hat Charles Eisen­stein zu einem ihrer philosophischen
Vor­den­ker erko­ren. Wird sei­ne Prä­senz gewünscht, kommt er dem best­mög­lich nach, stets im Geis­te sei­ner „Phi­lo­so­phie“, die ihre Kraft aus der Gewiss­heit einer Gaben­kul­tur schöpft, die laut Eisen­stein fest im Men­schen ver­an­kert ist.

Wäh­rend sei­nes Vor­tra­ges am 21. 9. vor rund 120 Gäs­ten wur­de deut­lich, wie es zu sei­ner welt­wei­ten Aner­ken­nung kam. Trotz sei­ner eher schmäch­ti­gen Sta­tur strahlt er eine cha­ris­ma­ti­sche Prä­senz aus. In den kur­zen Sprech­pau­sen, die er häu­fig ein­legt und bei denen er auf eine anste­cken­de Wei­se nach­denk­lich wirkt, wür­de man eine Steck­na­del fal­len hören. Sei­ne Per­sön­lich­keit in Ver­bin­dung mit allen spür­ba­ren Fein­hei­ten, die nur die leib­haf­ti­ge Erschei­nung bie­ten kön­nen, zieht die Anwe­sen­den in sei­nen Bann. Das wäre ver­mut­lich nicht so, wenn das Gesag­te selbst nicht Anlass zur Hoff­nung gäbe. Und das obwohl Eisen­stein eine scho­nungs­lo­se Ana­ly­se des heu­ti­gen Zustands lie­fert. „Die Kri­se“, sagt er, „wur­de nicht gelöst. Sie wur­de nur zeit­wei­se ver­deckt.“ Wir befän­den uns auch nicht in einer rein öko­no­mi­schen Kri­se, son­dern in einer grund­sätz­li­chen. Ein Den­ken, das dar­auf auf­baut, stän­di­ges Wachs­tum zu for­dern und zu för­dern, kann nur schei­tern. Dau­er­haf­tes Wirt­schafts­wachs­tum gibt es nur zum Preis zer­stö­re­ri­schen Aus­beu­tens der Natur und des Menschen.

Unser Geld­sys­tem lässt Schul­den uner­bitt­lich wach­sen. Des­halb ist öko­no­mi­sches Wachs­tum unab­ding­bar. Tag für Tag tre­ten die Schuld­ner mehr von ihrem Leben an die Gläu­bi­ger ab. Es ist effi­zi­en­ter und dient der heu­ti­gen Wirt­schaft in grö­ße­rem Maße, wenn eine Kin­der­gärt­ne­rin auf 50 Kin­der auf­passt, anstatt jede Fami­lie selbst ihre Kin­der betreut. Es ist effi­zi­en­ter, wenn Maschi­nen phy­si­sche Arbeit von Men­schen erset­zen und Com­pu­ter die geis­ti­ge. Die Öko­no­men kön­nen erklä­ren, was das Geld tut, aber nicht, was es ist. Durch das Ein­ge­ben eini­ger Sym­bo­le in die Tas­ta­tur eines Com­pu­ters, kann man in der Rea­li­tät Gebäu­de ent­ste­hen oder sich Pake­te vor die Haus­tü­re stel­len las­sen. Geld ist ein Zau­ber, dem wir ver­fal­len schei­nen und der es schafft unse­re Sin­ne der­art abzu­stump­fen, dass wir gra­vie­ren­de Kri­sen auf alles Mög­li­che zurück­füh­ren nur nicht auf Geld. Dabei bekom­men wir es mit einer zuneh­men­den Zahl an Kri­sen zu tun: Ener­gie-, Was­ser-, Gesund­heits­kri­sen u.v.m. deu­ten an, wohin das nur füh­ren kann: zum tota­len Kol­laps. Und doch bleibt
das Geld auf eine gespens­ti­sche Wei­se außen vor. Schuld­ner wis­sen nicht, dass sie Schuld­ner sind, weil sie den­ken dazu gehö­re es, per­sön­lich ver­schul­det zu sein. Oder die Schul­den müss­ten ihr Ver­mö­gen deut­lich über­stei­gen, um sie zu Schuld­nern zu machen. Im Geld­sys­tem liegt eine undurch­schau­bar schei­nen­de Fins­ter­nis, in die ein­zu­drin­gen ver­mie­den wird. Dabei zeigt Charles Eisen­stein auf, wie es zu allen Zei­ten – bis zum heu­ti­gen Tage – Grup­pen von Men­schen gab, die vie­le Trans­ak­tio­nen orga­ni­sie­ren konn­ten und dafür kein Geld brauch­ten. „Man nennt die­se Grup­pen ‚Fami­lie‘ oder auch ‚com­mu­nities‘“, sagt Charles Eisen­stein mit einem ver­schmitz­ten Lächeln. Der Geist inner­halb von Fami­li­en scheint ein voll­kom­men ande­rer zu sein, als jener in der har­ten öko­no­mi­schen Außen­welt. War­um das so ist und wie es gelin­gen kann,das „Ter­rain“ der Gaben­kul­tur zu erwei­tern, das sind für Charles Eisen­stein wich­ti­ge Zukunftsfragen. …

Gewinnstreben – Ursache oder Symptom? – Interview mit Dr. Ernst Niemeier 0

Gewinnstreben – Ursache oder Symptom? – Interview mit Dr. Ernst Niemeier

Dr. Ernst Nie­mei­er ist ein Mann, der in sei­nem Leben so man­che „Schlacht“ geschla­gen hat. Über 30 Jah­re arbei­te­te er in ver­schie­de­nen Berei­chen der IBM Deutsch­land. Dabei fun­gier­te er auch als Betriebs­rat und setz­te sich für die Belan­ge der Mit­ar­bei­ter in sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich ein. Von frü­he­ren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen wur­de er für sei­ne uner­bitt­li­che Auf­rich­tig­keit geschätzt, die sich auch dar­in aus­drück­te, dass er sich nicht vor gericht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit sei­nem Arbeit­ge­ber scheu­te. Mit der Auf­de­ckung rechts­wid­ri­ger Maß­nah­men zu Las­ten der Mit­ar­bei­ter errang
er sich in den Augen der Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen gro­ße Ver­diens­te. Gra­vie­ren­de Fäl­le hat er jetzt in sei­nem Buch ver­ar­bei­tet. Dabei sieht er das „Pro­fit­stre­ben“ als „kapi­ta­lis­ti­sche Kern­ener­gie“ an und warnt vor zer­stö­re­ri­schen Fol­gen für das gesam­te Gesellschaftsgefüge.

Im Buch beschreibt und ana­ly­siert er ein ekla­tan­tes Bei­spiel der Fehl­ent­wick­lung des schran­ken­lo­sen Gewinn­stre­bens. Er führt zu sei­nem Buch aus: „In die­sem Fall rich­te­te es sich gegen die (pro­duk­ti­ven) Beschäf­tig­ten eines Welt­un­ter­neh­mens – ein­ge­lei­tet von dem spä­te­ren BDI-Präsidenten
Hans-Olaf Hen­kel, den die Süd­deut­sche Zei­tung schon ein­mal als den Mann für das Gro­be bezeich­net hat­te. Ein sol­ches Ver­hal­ten ver­hin­dert nicht nur, dass ein markt­wirt­schaft­lich mög­li­ches sozi­al­öko­no­mi­sches Opti­mum nähe­rungs­wei­se erreicht wird. Letzt­lich bedroht es auch die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Markt­sys­tems. Des­halb ist es genau zu ana­ly­sie­ren, und aus den Erkennt­nis­sen sind Kon­se­quen­zen zu zie­hen, die dar­auf hin­aus­lau­fen, dass eine wirk­sa­me Gegen­macht zu bil­den ist. Um die Ein­kom­men und die sons­ti­gen Arbeits­be­din­gun­gen in his­to­risch ein­ma­li­ger Breite
und Höhe rechts­wid­rig absen­ken zu kön­nen, wur­de bei IBM mit einer nicht tarif­fä­hi­gen Orga­ni­sa­ti­on, einem ‚Drit­ten‘ also, ein Ver­trag abge­schlos­sen, der dann allen Beschäf­tig­ten oktroy­iert wur­de. Auf die­se Wei­se wur­den zahl­rei­che bestehen­de Arbeits­ver­trags­in­hal­te ein­sei­tig und ohne Ände­rungs­kün­di­gung (die aller­dings ange­sichts der Gewinn­si­tua­ti­on aus­sichts­los gewe­sen wäre) gra­vie­rend verschlechtert.
Die Beschäf­tig­ten, die sich gegen den Rechts­bruch wehr­ten, wur­den bedroht, dif­fa­miert, mit Sank­tio­nen belegt, mit Abmah­nun­gen und Kün­di­gungs­ver­su­chen über­zo­gen. Die­se Ein­schüch­te­rungs­maß­nah­men ver­fehl­ten nicht ihre Wir­kung und führ­ten dazu, dass sich der gerichtlich
fest­ge­stell­te Macht­miss­brauch und Rechts­bruch durch­setz­te. Es geschah also das, was die Cam­bridge-Öko­no­min Joan Robin­son schon Mit­te des letz­ten Jahr­hun­derts in die Wor­te fass­te: ‚Wenn (allein) das Trach­ten nach Pro­fit das Kri­te­ri­um rich­ti­gen Ver­hal­tens ist, gibt es kei­ne Mög­lich­keit, pro­duk­ti­ves Han­deln von Räu­be­rei zu unterscheiden‘“.

Inwie­weit Dr. Nie­mei­er das Gewinn­stre­ben als Ursa­che allen Übels ansieht, bzw. ob er dahin­ter noch ande­re trei­ben­de Kräf­te wahr­nimmt, das woll­te Andre­as Ban­ge­mann im Inter­view herausfinden.

Finanzwelt auf der Bühne – Eine schwierige Annäherung – Pat Christ 0

Finanzwelt auf der Bühne – Eine schwierige Annäherung – Pat Christ

Das Thea­ter kann das The­ma „Geld“ (noch) nicht so rich­tig packen

Sie jog­gen zwei­mal in der Woche, ernäh­ren sich gesund – und haben ansons­ten nur eines im Sinn: Umsatz zu machen. Dafür neh­men die drei Finanz­be­ra­ter in Robert Woel­fls Stück „Wir ver­kau­fen immer“ alle nur denk­ba­ren Kon­se­quen­zen in Kauf: Bruch mit der eige­nen Fami­lie, Bezie­hungs­ab­sti­nenz, Ein­sam­keit. Beacht­lich, dass es ein Stück über die Finanz­welt auf die Thea­ter­büh­ne geschafft hat. Nur lei­der bleibt es – und nicht nur die­ses Stück – inhalt­lich weit hin­ter den Erwar­tun­gen an ein sol­ches The­ma zurück.

Sie sind weder non­cha­lant noch fies oder aus­ge­bufft, die bei­den Finanz­be­ra­ter und die Finanz­be­ra­te­rin, die Regis­seur Ste­phan Susch­ke bei der Urauf­füh­rung des Stücks im Sep­tem­ber im Würz­bur­ger Stadt­thea­ter zum Tria­log antre­ten lässt. Unsi­cher sind sie. Und geknickt. Vor allem Mar­tin, in Würz­burg von Robin Bohn dar­ge­stellt, ist ganz betrübt dar­über, dass sei­ne Eltern ihn der Falsch­be­ra­tung bezich­ti­gen – haben sie doch dank sei­ner Ein­flüs­te­run­gen all ihr Geld in Akti­en inves­tiert, deren Kurs dann mas­siv gefal­len ist. Seit­dem reden sie nicht mehr mit ihrem Sohn. Zu groß ist (noch) der Schock dar­über, dass all ihr Ver­mö­gen ver­nich­tet ist.

Die drei von Woelfl kre­ierten Finanz­be­ra­ter müs­sen sich unge­mein abschuf­ten. Tja. Hät­ten Sie bloß was Ver­nünf­ti­ges gelernt… Das Leben genie­ßen, nein, das kön­nen Julia, Mar­tin und Ricar­do nicht. Denn da ist ja die per­ma­nen­te Hatz nach dem Geld. Immer hin­ken sie hin­ter ihren eige­nen Erwar­tun­gen her. Immer ist da die Angst vor dem Absturz. Und immer ste­hen sie mit dem Rücken an der Wand. Gefun­den haben sie sich für den Moment des Tria­logs auch nicht aus alter Freund­schaft. Eher zum Schlag­ab­tausch. Ähn­lich Mit­glie­dern einer Sek­te feu­ern sie sich gegen­sei­tig an, das zu glau­ben, was als Glau­be in ihnen längst am Brö­ckeln ist. Woelfl prä­sen­tiert sei­ne Figu­ren ver­hed­dert in einem Job, der abso­lut nicht zum Glück­lich­ma­chen taugt.

Zu blo­ßen „Kun­den“ degra­diert Wie sie mit ande­ren umge­hen, treibt ihnen beim Erzäh­len kei­nes­wegs die Röte ins Gesicht. Sie schei­nen nicht zu che­cken, in wel­chem unmensch­li­chen Maß sie ihre Mit­men­schen zu blo­ßen „Kun­den“ degra­die­ren. Was frei­lich schon etwas mit der Rea­li­tät zu tun hat. Unbe­strit­ten gehört die Angst davor, zu weni­ge Kun­den zu haben oder bereits gewon­ne­ne Kun­den zu ver­lie­ren, zur Rea­li­tät von Finanz­be­ra­tern. Rea­len Schil­de­run­gen zufol­ge gera­ten nicht weni­ge Finanz­be­ra­ter gar so stark ins Tru­deln, dass sie in die Privatinsolvenz
hin­ein­schlid­dern. Denn neue Kun­den zu fin­den, ist schwer. Auch für Woel­fls farb­lo­se Figu­ren bedeu­tet dies eine chro­nisch stres­sen­de Her­aus­for­de­rung. Dabei ver­su­chen sie auf Teu­fel komm raus, zu neu­en Geschäfts­kon­tak­ten zu kom­men. Und weil sie es so sehr ver­su­chen, pas­sie­ren Pan­nen. Wer­den ande­re geschä­digt. Um exis­ten­zi­ell not­wen­di­ges Geld gebracht. Wie Mar­tins Eltern…

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Zeichnen für den Frieden – www.neuesgeld.net

Die gemein­nüt­zi­ge Gesell­schaft „Neu­es Geld“ aus Leip­zig zeich­net sich durch krea­ti­ve Ide­en für ihr Ziel, „das flie­ßen­de Geld“ aus. Die Zusam­men­ar­beit mit der HUMANEN WIRTSCHAFT ist eng, was sich auch in gemein­sa­men Akti­vi­tä­ten hin­sicht­lich vie­ler Stamm­ti­sche zeigt. (Sie­he Sei­te 24–25). Mit der Akti­on „Zeich­nen für den Frie­den“ ver­bin­den die akti­ven Leip­zi­ger das The­ma Kunst mit Geld und schaf­fen so Räu­me für Ide­en, wie „Flie­ßen­dem Geld“ als Lösung Aus­druck ver­lie­hen wer­den kann.

Aus der Ankün­di­gung der Akti­on: Der herz­li­che Wunsch die­ser Akti­on ist, dass sich Künst­ler mit dem Gedan­ken des flie­ßen­den Gel­des krea­tiv aus­ein­an­der­set­zen. Die Ver­öf­fent­li­chung der schöp­fe­ri­schen Wer­ke soll dar­über hin­aus den Bekannt­heits­grad des flie­ßen­den Gel­des wei­ter erhöhen.
Fried­li­che Ver­än­de­run­gen die­ser beacht­li­chen Dimen­si­on ste­hen auch stark mit Emo­tio­nen in Ver­bin­dung. Kunst und Kul­tur kann hel­fen, eine posi­ti­ve Visi­on, gepaart mit Hoff­nung und Glück, zu trans­por­tie­ren. Sie möch­ten mitmachen?
Bit­te infor­mie­ren Sie uns kurz per Mail (henke@neuesgeld.net), dass Sie bei die­ser beson­de­ren Initia­ti­ve dabei sein möch­ten, dies hilft uns bei der Pla­nung. Bei Teil­nah­me schen­ken Sie uns bit­te das Nut­zungs­recht am Bild, damit wir die­ses auf unse­rer Inter­net­prä­senz (www.lustauf-neues-geld.de) ein­stel­len kön­nen. Ihre Arbeit muss bis spä­tes­tens 31. 12. 2013 bei uns ein­ge­trof­fen sein. Die Kos­ten der Über­sen­dung, wenn Sie dies wün­schen, tra­gen wir für Sie.
Die Bil­der sind dann für wei­te­re drei Mona­te auf unse­rer Home­page zu sehen. Die Besu­cher unse­rer Sei­ten kön­nen dann als Bewer­tung Her­zen vergeben.
Die Maler der 3 Bil­der mit den jeweils höchs­ten Bewer­tun­gen, also den meis­ten Her­zen, (Stich­tag: 30. 03. 2014) laden wir herz­lich in die schö­ne Mes­se­stadt Leip­zig ein. Für drei Künst­le­rin­nen oder Künst­ler wird es als Gewinn einen zwei­tä­gi­gen Auf­ent­halt in Leip­zig geben, umrahmt mit einem eigens dafür zusam­men­ge­stell­ten Pro­gramm. Am Ende der Akti­on sind Ver­stei­ge­run­gen der Bil­der geplant. Der Erlös kommt der gemein­nüt­zi­gen Gesell­schaft zugu­te und beför­dert auf die­se wahr­lich krea­ti­ve Wei­se den Gedan­ken des Flie­ßen­den Geldes.

© Jorma Bork / pixelio.de 625168 0

Steuern: Diebstahl an der Allgemeinheit – Dirk Löhr

Über die Pri­va­ti­sie­rung öffent­li­cher und die Kon­fis­ka­ti­on pri­va­ter Werte.

Ange­la Mer­kel hat die Bun­des­tags­wahl gewon­nen. Frei­lich, ein Tri­umph sieht anders aus. Alles steu­ert auf eine gro­ße Koali­ti­on zu, und hier ist Frau Mer­kel auf einen poten­ti­el­len Part­ner ange­wie­sen, der sich Steu­er­erhö­hun­gen in sein Wahl­pro­gramm geschrie­ben hat.

Der Staat, so SPD und Grü­ne, sei unter­fi­nan­ziert. Hier haben sie ohne Zwei­fel Recht. Aber, so merk­wür­dig es klingt – das Pro­blem lie­ße sich auch ohne Steu­er­erhö­hun­gen lösen, ja wahr­schein­lich zum aller­größ­ten Teil voll­kom­men ohne die Steu­ern, wie wir sie heut­zu­ta­ge ken­nen. Rund die Hälf­te der Steu­er­ein­nah­men resul­tiert aus der Lohn- und der Mehr­wert­steu­er – und die­se tref­fen durch­aus nicht die Rei­chen. Dabei wird die Wirt­schafts­tä­tig­keit auch noch ent­mu­tigt: Wer bei Auf­nah­me eines Neben­jobs z. B. 30 oder 40 % Steu­ern auf die zusätz­li­chen Ein­künf­te an Ein­kom­men­steu­ern zah­len muss, über­legt sich das drei­mal. Dabei gin­ge es auch anders. Die staat­li­chen Leis­tun­gen könn­ten auch über die öko­no­mi­schen Ren­ten finan­ziert wer­den. Dabei han­delt es sich grob gesagt um Extra­ge­win­ne, die von den Anbie­tern eigent­lich gar nicht benö­tigt wer­den, um die Leis­tung her­vor­zu­brin­gen. Der Pro­to­typ der ökonomischen
Ren­te ist die Boden­ren­te. Seit Ricar­do (1817) wird sie vor allem als „Dif­fe­ren­ti­al­ren­te“ ver­stan­den, d. h. als
Kos­ten- oder Ertrags­vor­teil einer Schol­le gegen­über dem Land, das gera­de noch kos­ten­de­ckend bewirt­schaf­tet wer­den kann („Grenz­bo­den“). Mit den öko­no­mi­schen Klas­si­kern kann man dabei „Land“ in einem sehr wei­ten Sin­ne ver­ste­hen – als alles, was der Mensch nicht geschaf­fen hat. Dies sind z. B. Was­ser, die Atmo­sphä­re, Roh­stoff­quel­len – doch auch „vir­tu­el­les Land“ kann man hier­zu zäh­len (v. a. Paten­te) – als Rech­te, die dem Pro­to­typ Boden in vie­ler­lei Hinsicht
nach­ge­bil­det sind. Denn wie bei Boden i. e. S. kann man z. B. auch mit Paten­ten mono­pol­ar­ti­ge Ren­ten ein­fah­ren, andere
Akteu­re blo­ckie­ren und die damit ver­bun­de­nen Kos­ten auf ande­re, schlecht orga­ni­sier­te Grup­pen abwälzen.

Heut­zu­ta­ge wer­den die öko­no­mi­schen Ren­ten weit­ge­hend pri­va­ti­siert. Die Boden­ren­ten lan­den in den Taschen der
Boden­ei­gen­tü­mer, die Was­ser­ren­ten u. a. bei Nest­lé & Co., die Ölren­ten bei den gro­ßen Mine­ral­öl­kon­zer­nen etc. Es han­delt sich hier­bei um beträcht­li­che Beträ­ge: Die öko­no­mi­schen Ren­ten wer­den je nach Öko­no­mie auf zwi­schen 20 bis 40 Pro­zent des Volks­ein­kom­mens geschätzt (bis­lang lie­gen nur ver­ein­zel­te Unter­su­chun­gen hier­zu vor). Nach dem Hen­ry Geor­ge-Theo­rem kön­nen die öffent­li­chen Güter (Infra­struk­tur, Sicher­heit, Bil­dung, Gesund­heits­ein­rich­tun­gen) unter bestimm­ten Bedin­gun­gen voll­stän­dig aus den Boden­ren­ten finan­ziert wer­den. Das Theo­rem kann aber auch umge­kehrt gele­sen wer­den: Danach wer­den die Boden­ren­ten erst durch die öffent­li­chen Leis­tun­gen erzeugt. Der Staat kann inso­weit als „rent crea­ting insti­tu­ti­on“ ver­stan­den wer­den. Wer­den nun aber die (Boden-)Renten pri­va­ti­siert und damit der durch das
Hen­ry Geor­ge-Theo­rem beschrie­be­ne sach­ge­setz­li­che Zusam­men­hang durch­bro­chen (der eine Ver­ge­mein­schaf­tung der Ren­ten impli­ziert), ent­ste­hen Ver­zichts­kos­ten: Die Inwert­set­zung der öffent­li­chen Güter muss dann näm­lich durch Steu­ern auf Kapi­tal und Arbeit finan­ziert werden.

Norbert Rost - Foto: © Pat Christ
Foto: © Pat Christ
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Arbeits- und Kapitaleinkommen – Norbert Rost

Ein alter­na­ti­ver Blick auf unser Wirtschaftssystem

In der öffent­li­chen Debat­te um die (2. Welt-)Wirtschaftskrise ist das The­ma Arbeits­ein­kom­men allgegenwärtig.
Der­zeit z. B. in Form der Dis­kus­si­on zum The­ma „Gesetz­li­cher Min­dest­lohn“. Tabui­siert wird eine Debat­te um die ande­re Sei­te die­ser Medail­le: die Kapi­tal­kos­ten und Kapi­tal­ein­kom­men. Jene stel­len nicht nur die eigent­li­che Ursa­che der Wirt­schafts­kri­se dar, son­dern mani­fes­tie­ren zugleich eine gesell­schaft­lich legi­ti­mier­te Art der Skla­ve­rei, indem die Arbeits- und damit Lebens­zeit der gro­ßen Mas­se der Bevöl­ke­rung in einer unge­recht­fer­tig­ten Form einer vergleichsweise
klei­nen, aber ver­mö­gen­den Min­der­heit zukommt.

Wenn eine Per­son eine ande­re zwingt, ohne Gegen­leis­tung Zeit zu opfern, um Arbei­ten zu ver­rich­ten, so lässt sich dies als Skla­ve­rei bezeich­nen. Skla­ve­rei geht ein­her mit Frei­heits­be­rau­bung der Skla­ven und ist Dieb­stahl ihrer Lebenszeit.
Skla­ve­rei ist in der soge­nann­ten „zivi­li­sier­ten Welt“ mora­lisch geäch­tet und gesetz­lich unter­sagt. Trotz­dem fin­det sie in einem Maße statt, das nur weni­gen bewusst ist. Der Groß­teil der Mensch­heit wird dabei von einer klei­nen ver­mö­gen­den Eli­te als Skla­ven ein­ge­setzt – legi­ti­miert und geför­dert durch Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten, Poli­tik, einem pas­sen­den Rechts­sys­tem sowie einem durch indi­rek­te Wir­kungs­wei­sen undurch­sich­tig wir­ken­den Wirt­schafts­sys­tem. Die­se weit­rei­chen­de Aus­sa­ge ver­langt berech­tig­ter­wei­se eine Erklä­rung. In einer Wirt­schaft gibt es grund­sätz­lich nur zwei Arten von Ein­kom­men: Arbeits­ein­kom­men und Kapi­tal­ein­kom­men. Arbeits­ein­kom­men wird von jenen erzielt, wel­che ihre Arbeits­kraft gegen Lohn oder Gehalt anbie­ten. Kapi­tal­ein­kom­men erhal­ten die Bereit­stel­ler von Kapi­tal, häu­fig auch „Inves­to­ren“ oder „Kapi­ta­lis­ten“ genannt. Dabei „strei­ten“ sich aber bei­de Inter­es­sen­grup­pe um ein Gesamt­ein­kom­men, näm­lich um das, was inner­halb einer bestimm­ten Peri­ode in der Volks­wirt­schaft pro­du­ziert wird. Ver­ein­facht: das Volks­ein­kom­men. Volks­ein­kom­men = Kapi­tal­ein­kom­men + Arbeitseinkommen

Ins­ge­samt kann in einer Volk­wirt­schaft nur das ver­teilt wer­den, was zuvor pro­du­ziert wur­de. Wenn also Kapi­tal­be­reit­stel­ler und Arbeits­zeit­be­reit­stel­lern sich die Gesamt­pro­duk­ti­on tei­len müs­sen, so wird deut­lich, dass die jewei­li­ge Grup­pe nur das bekom­men kann, was die ande­re Grup­pe „übrig“ gelas­sen hat. Es gilt also:
Volks­ein­kom­men = Kapi­tal­ein­kom­men + Arbeitseinkommen.

Anhän­ger mar­xis­ti­scher Wirt­schafts­theo­ri­en unter­tei­len auf­grund die­ser Ein­kom­mens­ar­ten die Gesell­schaft in „Klas­sen“,
in die­sem Fall in „Arbei­ter­klas­se“ und „Kapi­ta­lis­ten“. In unse­rer Gesell­schaft ist es weit­ge­hend unhin­ter­frag­ter Bestand­teil, dass die Bereit­stel­ler von Kapi­tal einen ent­spre­chen­den Bonus erhal­ten. Die­ser Bonus nennt sich Zins, Divi­den­de, Mie­te, Aus­schüt­tung oder Ren­di­te. Die Sum­me aller die­ser Boni, die in einer Volks­wirt­schaft meist von Unter­neh­men gezahlt wer­den, nennt man Kapitalkosten.

Die Kapi­tal­kos­ten der Unter­neh­mer sind ent­spre­chend Kapi­tal­ein­kom­men der Kapi­tal­ge­ber. Die­se Kapi­tal­ein­kom­men müs­sen von den Unter­neh­men aber über den Ver­kauf von Pro­duk­ten erzielt wer­den. Oder anders: Die Kun­den der Unter­neh­men bezah­len nicht nur die Kos­ten für real geta­ne Arbeit in den Unter­neh­men (Per­so­nal­kos­ten), son­dern auch die darüber
hin­aus­ge­hen­den Boni für die Kapi­tal­ge­ber. Jeder Kun­de zahlt somit Kapi­tal­ein­kom­men über die Prei­se. Hel­mut Creutz kommt in sei­nen Ana­ly­sen auf einen durch­schnitt­li­chen Kapi­tal­kos­ten­an­teil in den Ver­kaufs­prei­sen von bis zu 40 %.
Ein Bei­spiel soll zei­gen, dass die­se Zah­len durch­aus rea­lis­tisch sind. Bekannt­lich erhal­ten Ver­mie­ter allein für den
Besitz ihrer Immo­bi­lie vom Mie­ter ein Ein­kom­men (Mie­te), zu wel­chem die lau­fen­den Kos­ten in Form von „Neben­kos­ten“
hin­zu­ge­rech­net wer­den. Bei einer Woh­nung im Wert von 100.000 Euro erwar­tet der Besit­zer eine Ver­zin­sung sei­nes inves­tier­ten Kapi­tals min­des­tens ent­spre­chend dem Geld­markt­zins­satz. Eine Ver­zin­sung von 5 % ent­sprä­che hier­bei 5.000 Euro jähr­lich bzw. ca. 420 Euro monat­lich, die der Mie­ter pro Jahr an den Woh­nungs­be­sit­zer bezah­len muss.

Die­ser Zah­lung steht kei­ne kon­kre­te Leis­tung gegen­über, weil der Bau der Immo­bi­lie offen­sicht­lich bereits abge­schlos­sen ist und nun nur noch die Knapp­heits­si­tua­ti­on auf dem Markt vom Besit­zer aus­ge­nutzt wird. Beträgt die Monats­mie­te die­ser bei­spiel­haft ange­nom­me­nen Situa­ti­on 600 Euro, so ent­spre­chen die ca. 420 Euro monatlicher
Kapi­tal­kos­ten etwa 70 % des „Woh­nungs­prei­ses“. Dabei gilt: Je höher der Kapi­tal­ein­satz bei einem Pro­dukt, umso höher auch die Kapi­tal­kos­ten­an­tei­le (Kos­ten für den Mie­ter, Ein­kom­men für den Ver­mie­ter) in den Verkaufspreisen.

Leis­tungs­lo­ses Ein­kom­men = Ein­kom­mens­lo­se Leis­tung = gestoh­le­ne Lebens­zeit = gesell­schaft­lich legi­ti­mier­te Sklaverei
Kapi­tal­ein­kom­men stel­len genau den Punkt dar, an wel­chem von gesell­schaft­li­cher Skla­ve­rei die Rede sein darf. Die­je­ni­gen, die Kapi­tal­ein­kom­men durch die Bereit­stel­lung ihres Eigen­tums erzie­len, müs­sen dafür Arbeits- und Kapi­tal­ein­kom­men nichts tun. Sie erzie­len die­se Ein­kom­men allein durch den Besitz. Man spricht des­halb von „leis­tungs­lo­sen Einkommen“.Erkennbar soll­te sein, dass dann, wenn jemand Ein­kom­men erzielt, ein ande­rer Aus­ga­ben haben muss. Wenn also die Kapi­tal­be­sit­zer Ein­kom­men erzie­len, ohne eine Leis­tung dafür zu erbrin­gen, so müs­sen ande­re eine Leis­tung erbrin­gen, ohne dafür ein Ein­kom­men zu erzie­len: ein­kom­mens­lo­se Leis­tung. Erbracht wer­den muss die­se Leistung
ohne Gegen­leis­tung von allen Kun­den, die über die Prei­se – ohne wirk­lich eine Wahl zu haben – erhöh­te Aus­ga­ben haben.
Die meis­ten Kun­den sind aber Arbeit­neh­mer, die ihre Ein­käu­fe mit ihrer Lebens­zeit bezah­len, indem sie in ihrem Job, ihr Know-how und ihre Arbeits­zeit zur Ver­fü­gung stel­len. Ein­kom­mens­lo­se Leis­tung ist dem­nach nichts wei­ter als Zeit­auf­wand der Arbei­ten­den ohne eine ent­spre­chen­de Gegen­leis­tung erwar­ten zu dür­fen. Oder eben: Skla­ve­rei mit­tels eines auf Kapi­tal­ein­kom­men basie­ren­den Wirt­schafts­sys­tems zuguns­ten der Besit­zen­den. Micha­el Ende hat die­se Zusam­men­hän­ge in sei­nem Buch „Momo“ meta­pho­risch dar­ge­stellt. Dort wird den Bewoh­ner von den „Zeit­die­ben“, wel­che die Men­schen zum „Zeit­spa­ren“ bewe­gen, hin­ter­lis­tig ihrer Lebens­zeit und Lebens­freu­de beraubt. Es gibt meh­re­re Grün­de, die heu­ti­gen Besitz­stän­de und die Mög­lich­keit der Erzie­lung leis­tungs­lo­ser Ein­kom­men (Kapi­tal­ein­kom­men) in Fra­ge zu stellen.

Zum einen geht es hier­bei um Gerech­tig­keit. Die Aneig­nung der Arbeits- und damit Lebens­zeit ande­rer, nur durch den blo­ßen Besitz, wäre mora­lisch zu ver­ur­tei­len. Abseits von einer Moral­dis­kus­si­on ist jedoch auch die Sta­bi­li­tät eines Wirt­schafts­sys­tems gefähr­det, wenn es leis­tungs­lo­se Ein­kom­men zulässt. Die Ursa­che zykli­scher Wirt­schafts­kri­sen in kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­sys­te­men ist nicht in zu hohen Lohn­ne­ben­kos­ten oder zu gerin­gen Wachs­tums­ra­ten zu fin­den, wie uns eine auf dem kapi­ta­len Auge blin­de poli­ti­sche „Eli­te“ weis­ma­chen will, son­dern in einem Ver­tei­lungs­pro­blem des
Wirt­schafts­sys­tems. Lässt man leis­tungs­lo­se Kapi­tal­ein­kom­men zu, so bedeu­tet das, dass Kapi­tal­be­sit­zer allein durch die Nicht-Zurück­hal­tung ihres Kapi­tals noch mehr Kapi­tal erzie­len. Sie nut­zen ihren Besitz­vor­teil gegen­über der Gesell­schaft, indem sie ihr „Pri­vat­ei­gen­tum“ nur gegen eine Beloh­nung zur Ver­fü­gung stel­len. Die Ver­mö­gen der Besit­zen­den wer­den auf die­sem Wege immer grö­ßer. Die stän­dig wach­sen­den Ver­mö­gen wer­den jedoch erneut zins­brin­gend in der Volks­wirt­schaft inves­tiert und erhö­hen somit die Kapi­tal­ein­kom­men der spä­te­ren Peri­oden und so wei­ter. Dies ist ein sich expo­nen­ti­ell beschleu­ni­gen­der Prozess.

Anhand von Volks­ein­kom­men = Kapi­tal­ein­kom­men + Arbeits­ein­kom­men lässt sich ablei­ten, dass nur dann die Kapi­tal­ein­kom­men stei­gen kön­nen, ohne die Arbeits­ein­kom­men zu schmä­lern, wenn die Gesamt­wirt­schaft wächst (= stei­gen­des Volks­ein­kom­men). Anhand die­ser simp­len Zusam­men­hän­ge lie­ße sich somit nicht nur der Wachstumszwang
unse­rer Volks­wirt­schaf­ten erklä­ren (Wachs­tum, Wachs­tum über alles), son­dern kann zugleich abge­le­sen werden,
wel­cher Inter­es­sen­grup­pe die heu­ti­ge Wirt­schafts­po­li­tik wirk­lich dient: den Kapi­tal­be­sit­zern. Der Kapi­ta­lis­mus als insta­bi­les Gesell­schafts­sys­tem Ein Wirt­schafts­sys­tem, das leis­tungs­lo­se Kapi­tal­ein­kom­men zulässt, ten­diert dazu, den Besit­zen­den immer mehr Besitz zuzu­schan­zen, wäh­rend für die Arbei­ten­den immer weni­ger übrig bleibt. Es dürf­te selbst den Reichs­ten der Rei­chen auf­fal­len, dass eine Gesell­schaft, wel­che die­sen Gesetz­mä­ßig­kei­ten unter­liegt, nicht dau­er­haft sta­bil sein kann, son­dern sich in Arm und Reich auf­spal­tet und zugleich die Wirt­schaft schä­digt. Denn:
Arbeits­ein­kom­men wer­den über­wie­gend ver­kon­su­miert, anstatt inves­tiert, kur­beln dem­nach den Kon­sum und damit den Wirt­schafts­kreis­lauf an und hel­fen vor allem der klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Wirt­schaft. Kapitaleinkommen
dage­gen wer­den meist nur dann in die Wirt­schaft in Form von Inves­ti­tio­nen oder Kre­di­ten „zurück­ge­führt“, wenn eine ent­spre­chen­de Ren­di­te erzielt wird – was erneut die Kon­zen­tra­ti­on der Ver­mö­gen und damit die Insta­bi­li­tät des Wirt­schafts­sys­tems fördert.

Bischof Tebartz-van Elst. Bild: Bistum Limburg 0

Limburg: Das „Wandlitz“ der Kirche – Norbert Rost

Wie­so schreit das Volk plötz­lich auf, wo es um die kon­se­quen­te Mit­tel­ver­wen­dung eines bischöf­li­chen Stuhls geht?

Was war das damals für ein Thea­ter, als erst­mals ein Film­team in die Sied­lung des SED-Polit­bü­ros kam und doku­men­tier­te, wie die Obers­ten des
DDR-Staa­tes leb­ten. „Wand­litz“ ist seit­dem im Osten ein Begriff für die Abson­de­rung der Herr­schen­den und zugleich für die Arm­se­lig­keit ihrer Lebens­wei­se. Zugleich ist „Wand­litz“ aber auch ein Sym­bol für die Skan­da­li­sie­rung der Vier­ten Macht, die anno 1989 Bana­nen und Oran­gen in den Mit­tel­punkt der Wand­litz-Bericht­erstat­tung rücken muss­te, weil es bei all der Spie­ßig­keit viel mehr kaum zu skan­da­li­sie­ren gab.

2013 nun kriegt die katho­li­sche Kir­che ihr „Wand­litz“, es wird künf­tig „Lim­burg“ hei­ßen. Ein altern­der Bischof, der in sei­ner Zunft den­noch als
„jung“ gilt, hat sich eine Luxus-Hüt­te bau­en las­sen, die sym­bo­lisch für die Abge­ho­ben­heit der Kir­chen­fürs­ten steht. Eini­ge neh­men an, er sei „ver­rückt“, was auch immer das hei­ßen mag. Aber wer ist schon „ver­rückt“, wenn er zum Auto­kra­ten bestimmt über angeb­lich 100 Mil­lio­nen Euro schwar­zer Bischofs­kas­sen ver­fü­gen kann und dies auch tut? Ist er nicht kon­se­quen­ter Arbeits­platz­be­schaf­fer, wenn er das Geld
sei­ner Insti­tu­ti­on aus­gibt, statt es zins­brin­gend anzu­le­gen? Ist nicht die Arbeits­platz­re­li­gi­on gesell­schaft­lich so breit gewach­sen, dass selbst Sozi­al­de­mo­kra­ten als Gläu­bi­ge gel­ten müs­sen? Wo alles getan wird, um Arbeits­plät­ze unge­ach­tet von Wech­sel- und Neben­wir­kun­gen zu schaf­fen, muss doch die gan­ze Gesell­schaft und nicht nur ein ein­zel­ner Bischof als „ver­rückt“ gelten!

Zudem: Luxus, Protz und kran­ke Bau­wut gibt es ja bei wei­tem nicht nur in Lim­burg. Viel­mehr quel­len die­se Sakra­men­te tag­täg­lich aus all jenen Medi­en­ka­nä­len, die sich jetzt der Hetz­jagd an das waid­ge­schos­se­ne Kir­chen­tier anschlie­ßen. Als wäre Reich­tum nicht das Ziel jedes Arbeits­le­bens? Als wären Mil­lio­nen­ge­häl­ter von Fuß­ball­spie­lern (Fuß­ball­spie­ler!!) nicht gesell­schaft­lich akzep­tiert und sogar hochgeachtet,
teil­wei­se sogar unter Erlas­sung aller Steu­er­sün­den? Wie­so schreit das Volk plötz­lich auf, wo es um die kon­se­quen­te Mit­tel­ver­wen­dung eines bischöf­li­chen Stuhls geht, der doch wohl mit sei­nem Gel­de tun und las­sen kann, was ihm beliebt? Zumal sei­ne Mit­glie­der sich immer mehr aus­dün­nen und damit immer mehr Ver­mö­gen auf immer weni­ger Köp­fe zu ver­tei­len bleibt (sofern man auf die ver­rück­te Idee käme, SO ETWAS zu tun).

Helmut Creutz 2013
Foto: Privat
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Problemfeld Inflation – Helmut Creutz

„Infla­ti­on ist nicht nur Betrug am Spa­rer, nicht nur die unso­zi­als­te Form der Umver­tei­lung, son­dern auch die Erwerbs­lo­sig­keit von mor­gen. Längst ist wider­legt, dass fünf Pro­zent Infla­ti­on leich­ter zu ertra­gen sei­en als fünf Pro­zent Arbeits­lo­sig­keit; viel­mehr sind null Pro­zent Infla­ti­on die vor­züg­lichs­te Vor­aus­set­zung für null Pro­zent Erwerbs­lo­se. Der Glau­be, Voll­be­schäf­ti­gung las­se sich mit ‚ein biss­chen Preis­stei­ge­rung‘ erkau­fen, muss­te welt­weit teu­er bezahlt wer­den.“ Peter Gil­lies, 1987

Das schrieb Peter Gil­lies, Chef­re­dak­teur der deut­schen Tages­zei­tung DIE WELT, im Jah­re 1987, als die Infla­ti­on – zum drit­ten Mal in der Nach­kriegs­zeit – wie­der zu einem stei­len Anstieg ansetz­te. Und zwar bezo­gen auf eine Aus­sa­ge des dama­li­gen Bun­des­kanz­lers Hel­mut Schmidt, der bereits in den 1970er Jah­ren ein­mal die Ansicht ver­tre­ten hat­te, dass „fünf Pro­zent Infla­ti­on bes­ser sind als fünf Pro­zent Arbeitslosigkeit!“ –

Wie frag­wür­dig die­se Auf­fas­sung jedoch war, geht aus der Dar­stel­lung 1 her­vor, die jenen Zeit­raum zwi­schen 1965 und 2005 erfasst, in dem die Infla­ti­ons­sät­ze drei Mal Höchst­stän­de erreich­ten. Erkenn­bar wer­den dar­aus auch die jewei­li­gen Fol­gen: Anstie­ge der Zins­sät­ze und – mit etwa zwei­jäh­ri­ger Ver­zö­ge­rung – die der Arbeits­lo­sig­keit sowie der zusätz­lich ein­ge­tra­ge­nen Firmenpleiten.

Die­se Aus­wir­kun­gen in der Real­wirt­schaft wer­den noch deut­li­cher, wenn man – wie in der Gra­fik gesche­hen – die Infla­ti­ons- und Zins­kur­ven ein­mal um zwei Jah­re nach rechts ver­schiebt und damit die zeit­li­chen Ver­zö­ge­run­gen zwischen
bei­den Vor­gän­gen neu­tra­li­siert. Nun mag die Infla­ti­on in unse­ren Tagen und ange­sichts der heu­ti­gen Raten von inzwi­schen etwa zwei Pro­zent, gar kein gro­ßes The­ma mehr sein. Aber denkt man an die Mas­sen von Bar­geld, die heu­te in der Welt vor­han­den aber nicht im Umlauf sind, kann sich das sehr schnell ver­än­dern! Des­halb ist es auch in unse­ren Tagen sinn­voll, sich nicht nur an jene Hyper­in­fla­ti­on der Zwan­zi­ger Jah­re zu erin­nern, son­dern sich auch mit jenen Ent­wick­lun­gen aus unse­rer Wirt­schafts­epo­che zu befas­sen, die – bezo­gen auf die letz­ten Jahr­zehn­te – aus der Dar­stel­lung 1 hervorgehen.

Infla­tio­nen als Ursa­chen der Kon­junk­tur­schwan­kun­gen Wie die­se Dar­stel­lung ver­mit­telt, war die Ursa­che des stän­di­gen Auf und Ab in unse­rer jüngs­ten Ver­gan­gen­heit im ers­ten Schritt die Schwan­kun­gen der Infla­ti­ons­sät­ze, denen dann im Gleich­schritt jeweils die der Gut­ha­ben- und Kre­dit­zin­sen folg­ten. Auf­ge­schla­gen wird bei die­sen Kre­dit­zin­sen dann noch
jene Mar­ge, mit der die Ban­ken ihre eige­nen Kos­ten absi­chern, vor allem für Per­so­nal und Risi­ko. Und natür­lich – wie bei jedem Unter­neh­men – auch noch der betriebs­not­wen­di­ge Gewinn, der allei­ne schon zur Bedie­nung des Eigen­ka­pi­tals erfor­der­lich ist. Aus der Dar­stel­lung 1 geht vor allem aber auch der lang­fris­ti­ge Anstieg des Arbeitslosensockels
her­vor, auf den sich die infla­ti­ons­be­ding­ten aktu­el­len Schü­be jeweils auf­sat­teln. Wie­der­ge­ge­ben ist die­se Arbeits­lo­sig­keit jeweils in Pro­zen­ten der Erwerbs­tä­ti­gen, als so genann­te „Arbeits­lo­sen­quo­te“, deren Sockel – wie
ersicht­lich – von etwa einem Pro­zent Anfang der 1970er Jah­re bis 2005 auf fast zehn Pro­zent ange­stie­gen ist. Die über der Arbeits­lo­sen­quo­te ein­ge­tra­ge­ne zusätz­li­che Kur­ve der Insol­ven­zen, also der Fir­men­schlie­ßun­gen, folgt – wie ersicht­lich – mit ihren Schwan­kun­gen eben­falls den Ent­wick­lun­gen von Infla­ti­on und Zin­sen, ver­stärkt sogar ab 1990.

Und was sind die Ursa­chen der Inflation?

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Die Welt retten – aber wie? – Wilhelm Schmülling

Da gibt es zwei Grup­pen. Die einen tun so als ob sie die Welt ret­ten und ver­die­nen dabei gut; die ande­ren wol­len für die Ret­tung alles tun und ver­die­nen dabei nichts. So ist eben das Leben in einer unge­rech­ten Welt. Wer sich damit abfin­det, ist ein Defätist[1], wer nicht ein Optimist.
([1] Jemand, der mut- und hoffungs­los ist und annimmt, dass sich alles nega­tiv ent­wi­ckeln wird.)

Wenn selbst ein Kaba­ret­tist sei­ne Sen­dun­gen mit „Welt ret­ten“ (Pri­ol) ankün­digt, blei­ben sei­ne Aus­sa­gen wenig kon­kret, gleich­wohl rüt­teln sie die Bür­ger mehr auf als jedes Par­tei­pro­gramm, das im Gegen­satz zu Kaba­rett­ver­an­stal­tun­gen ernst genom­men wer­den möch­te. Ein Kaba­rett ver­langt nach­den­ken, ein
Par­tei­pro­gramm nach­plap­pern; womit sich Bewer­tungs­kri­te­ri­en erübrigen.

Ist nun das Anlie­gen, die Welt zu ret­ten völ­lig abwe­gig? Nach den Aus­sa­gen von Wahl­kampf­red­nern, es gehe uns in Deutsch­land doch gut, ist wohl die Ret­tung Deutsch­lands nicht gefragt, die Ret­tung Ame­ri­kas von Euro­pa aus jedoch unmög­lich. Denn die Ver­schul­dung der USA ist das Pro­blem und macht die Finanz­märk­te ner­vös. Auf allen Welt(gipfel)-Konferenzen ist es mit der Ruhe vor­bei, seit­dem die USA, der Anker der Welt­wirt­schaft, krampf­haft in aller Öffent­lich­keit ver­sucht, die Plei­te abzu­wen­den. Der IWF (Inter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds) kann bei einem Schul­den­stand von 16,7 Bil­lio­nen US-Dol­lar nur mah­nen, nicht hel­fen. Ame­ri­ka muss sich schon selbst aus dem Sumpf einer auf Kapi­tal­er­trag aus­ge­rich­te­ten Wirt­schafts­ord­nung zie­hen, die immer noch als Markt­wirt­schaft getarnt wird. Ein sol­cher Eti­ket­ten­schwin­del redu­ziert jeden Ret­tungs­ver­such auf Ban­ken­ret­tung, deut­li­cher gesagt auf Systemrettung.

Das Sys­tem zu erken­nen, ist weit schwie­ri­ger als das Erken­nen sei­ner Aus­wir­kun­gen. Leicht ist es vor­zu­ge­ben, die not­lei­den­de Natur und die not­lei­den­den Men­schen in den Mit­tel­punkt poli­ti­schen Wir­kens zu stel­len. Hart im Raum der Finan­zen steht die Wand aus Geld gebrannt. Mit­te Okto­ber erleb­te die Welt, was ein unter­bro­che­ner Geld­kreis­lauf in den USA bewirkt: Cha­os bei den Sozi­al­sys­te­men und bei vie­len Unter­neh­men. Oft tref­fen Volks­weis­hei­ten ins Schwar­ze. „Der Rubel muss rol­len“ ist so eine. Wird ein Staat zah­lungs­un­fä­hig, bricht das Gemein­we­sen zusam­men. Lebens­mit­tel­vor­rä­te ret­ten allenfalls
über eini­ge Tage. Und dann? Es kommt zu Gewalt­aus­brü­chen, in den Geschäf­ten und vor den Ban­ken. Man mag sich die Aus­wir­kun­gen einer län­ge­ren Zah­lungs­blo­cka­de gar nicht vorstellen.

Nun wäre es bil­lig, hier die vor­zu­neh­men­den Maß­nah­men im Ein­zel­nen auf­zu­füh­ren, denn sie wären nur ein Kurie­ren an den Sym­pto­men einer fal­schen Geld­ord­nung. Die ame­ri­ka­ni­sche Zen­tral­bank (in pri­va­tem Besitz) und auch die Euro­päi­sche Zen­tral­bank (im Besitz der euro­päi­schen Staa­ten) bekämp­fen die Kri­se mit der Aus­ga­be einer zusätz­li­chen rie­si­gen Geld­men­ge. Zu die­sem Zweck kau­fen sie am soge­nann­ten „Sekun­där­markt“, also von Ban­ken und Fonds, Staats­an­lei­hen auf. Das dient der Sta­bi­li­sie­rung des Finanz­mark­tes und beför­dert die Spe­ku­la­ti­on. Dort aber wer­den kei­ne Wer­te geschaf­fen. Sym­ptom­be­hand­lung ist nicht nur ver­ge­bens, sie ist krisenverschärfend.

Eine der segens­reichs­ten Erfin­dun­gen der Mensch­heit, das Geld, wur­de zweck­ent­frem­det. Geld ist ein Tausch­mit­tel. Alle ande­ren Ver­wen­dungs­mög­lich­kei­ten wie zur Wert­auf­be­wah­rung, Spe­ku­la­ti­on und Zins-Erpres­sung sind Ver­ge­wal­ti­gun­gen zum Zweck, sich den Arbeits­er­trag ande­rer Men­schen anzu­eig­nen. Ist das sozi­al? Es ist immer noch legal. Wie lan­ge noch?

Dabei ist die Umstel­lung von einer Kapi­tal­er­trags­ori­en­tie­rung auf eine Arbeits­er­trags­ori­en­tie­rung durch flie­ßen­des Geld so ein­fach, dass man sich wun­dert, wie­so die­ser Weg noch nicht beschrit­ten wur­de. In der Demo­kra­tie bestimmt die Mehr­heit die Poli­tik und das sind die wer­te­schaf­fen­den Arbei­ter und Unter­neh­mer. Die Min­der­heit der Kapi­tal­rent­ner (1% der Bür­ger) stellt sich dage­gen – ver­ständ­li­cher­wei­se. Haben die wer­te­schaf­fen­den Bür­ger dafür Verständnis?

Wer die Welt ret­ten will, muss damit begin­nen, das jet­zi­ge Wirt­schafts­sys­tem als unge­recht zu erken­nen, um es in eine natür­li­che Wirt­schafts­ord­nung umzuwandeln.

„Das Volk lei­det, wenn die Herr­schen­den es aus­sau­gen, daher sei­ne Not.“ Lao-Tse, Tao Te King

ans Ruder © 2013 Pat Christ
Foto: © Pat Christ
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Vorgegaukelte Demokratie – Pat Christ

Ham­bur­ger Poli­tik­wis­sen­schaft­ler unter­su­chen Ent­wick­lung hin zur Postdemokratie

Wohin steu­ert unse­re Poli­tik? Nach Ansicht vie­ler Poli­tik­wis­sen­schaft­ler mit­ten hin­ein in die Post­de­mo­kra­tie. Erkenn­bar, sagen sie, ist dies vor allem dar­an, wie Poli­tik heu­te begrün­det wird. Dem demo­kra­ti­schen Ide­al zufol­ge ist Poli­tik prin­zi­pi­ell ver­han­del­bar. Doch de fac­to wird heu­te immer weni­ger debat­tiert, ver- und aus­ge­han­delt. Was angeb­lich zwin­gend imple­men­tiert wer­den muss, steht von vor­ne­her­ein fest.

Die Glo­ba­li­sie­rung ist nur eine Ent­wick­lung von vie­len, die so, wie sie sich voll­zieht, als schick­sals­haft und alter­na­tiv­los dar­ge­stellt wird. Poli­ti­sche Gegen­ar­gu­men­te sind rar. Aber auch in ande­ren Fel­dern wird poli­ti­sches Han­deln zuneh­mend als „alter­na­tiv­los“ dar­ge­stellt. Wirt­schaft­li­che Sach­zwän­ge und Zwän­ge des Mark­tes, Effi­zi­enz- und Kos­ten­ar­gu­men­te die­nen immer häu­fi­ger als Begrün­dung für Ent­schei­dun­gen. Für den Bür­ger ist dies nicht unbe­dingt zu ver­spü­ren – han­delt es sich doch um einen schlei­chen­den Pro­zess. Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die sich wün­schen, in einer Welt zu leben, die noch halb­wegs in Ord­nung ist, behar­ren dar­auf: Wir haben eine Demo­kra­tie! Inwie­weit wir tat­säch­lich längst im Post­de­mo­kra­ti­schen gelan­det sind, das unter­sucht Mat­thi­as Lem­ke an der Hel­mut-Schmidt-Uni­ver­si­tät in Ham­burg. Über 3,5 Mil­lio­nen Zei­tungs­ar­ti­kel aus der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung, der ZEIT, der Süd­deut­schen Zei­tung und der taz, die seit 1949 erschie­nen, wer­den seit einem Jahr von ihm und sei­nen Kol­le­gen aus­ge­wer­tet. Das Pro­jekt dau­ert noch zwei Jah­re. Viel häu­fi­ger „unver­zicht­bar“ Nach wie vor wer­den Wah­len durch­ge­führt und Regie­run­gen wech­seln. Doch das hat mit Demo­kra­tie immer weni­ger zu tun, erga­ben laut Lem­ke die bis­he­ri­gen Ergeb­nis­se. „Wir unter­su­chen unter ande­rem die Häu­fig­keit von Wör­tern im Zeit­ver­lauf“, erklärt er gegen­über der HUMANEN WIRTSCHAFT: „Dazu eta­blier­ten wir ein Wör­ter­buch mit Begrif­fen, die Alter­na­tiv­lo­sig­keit ausdrücken.“

Statt stich­hal­ti­ge Argu­men­te zu lie­fern, ope­rie­ren Anhän­ger der Alter­na­tiv­lo­sig­keits­rhe­to­rik zum Bei­spiel gern mit den Wor­ten „unver­zicht­bar“, „unab­ding­bar“ oder „Sach­zwang“. Lem­ke: „Sol­che Wör­ter haben zuge­nom­men.“ Im nächs­ten Schritt wer­den die Begrif­fe ana­ly­siert, die sich in der Nach­bar­schaft die­ser Wör­ter befin­den. So kann fest­ge­stellt wer­den, in wel­chem Kon­text etwa in einem Zei­tungs­be­richt vom „Sach­zwang“ die Rede ist. Mit die­sem Wort könn­te ja auch davor gewarnt wer­den, die Demo­kra­tie aus­zu­höh­len. Dann wäre das Wort „Sach­zwang“ als nega­ti­ver Begriff in einem Arti­kel auf­ge­taucht. „Der­zeit wis­sen wir ein­fach noch nicht, ob die Nach­bar­wör­ter jeweils posi­tiv oder nega­tiv sind“, sagt Lem­ke. Klar sei auf alle Fäl­le, dass gera­de im Kon­text der poli­ti­schen – weni­ger der wirt­schaft­li­chen – Bericht­erstat­tung heu­te Wör­ter, die der Alter­na­tiv­lo­sig­keits­rhe­to­rik ent­stam­men, wesent­lich häu­fi­ger auf­tre­ten als frü­her. Am stärks­ten ist der Zuwachs beim Wort „alter­na­tiv­los“. Aber auch „unver­zicht­bar“ wird von Polit­kern heu­te häu­fi­ger ver­wen­det als in der Nachkriegsära.

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Möglichkeitsräume – Andreas Bangemann

Aris­to­te­les erkann­te bereits, dass in der Demo­kra­tie „wo die Bür­ger, da sie sich gleich­ge­stellt sind und vie­le Din­ge gemein­sam besit­zen“ das Prin­zip der Freund­schaft und Gegen­sei­tig­keit am meis­ten Raum hat, sich zu entfalten.

Dabei ver­stand er die Gleich­stel­lung aus­drück­lich öko­no­misch und nicht etwa juris­tisch, wie das heu­te in politischen
Sonn­tags­re­den immer betont wird.

Das gesell­schaft­li­che Band der „polis“ ist am robus­tes­ten, wenn es hin­sicht­lich der Über­schüs­se an mate­ri­el­lem, geis­ti­gem, künst­le­ri­schem und mensch­li­chem Wert­zu­wachs zu kei­nen Akku­mu­la­tio­nen – Anhäu­fun­gen bei eini­gen weni­gen – kommt. Die Teil­ha­be aller am Erwirt­schaf­te­ten, und zwar auf eine Wei­se, mit der die Exis­tenz gesi­chert und die Wür­de gewahrt ist, müss­te der anzu­stre­ben­de Königs­weg jeder „Staats­füh­rung“ in demo­kra­ti­schen Län­dern sein. Gelingt das nicht, spre­chen wir mit Recht von einem Schei­tern der Politik.

Wir befin­den uns bereits in einem Sta­di­um, in dem nicht mehr die Fra­ge öko­no­mi­scher Gleich­stel­lung im Raum steht. Das bedroh­li­che Aus­ein­an­der­drif­ten von Arm und Reich zu ver­lang­sa­men, ist alles, was man noch anstrebt und errei­chen kann. Es ist, als hät­ten alle schon auf­ge­ge­ben. Als wäre das Schick­sal des sozia­len Aus­ein­an­der­bre­chens alter­na­tiv­los. Das ist ver­gleich­bar mit der Staats­schul­den­pro­ble­ma­tik. Ein Rück­gang der Neu­ver­schul­dung fei­ert man als her­aus­ra­gen­den Erfolg, obwohl die Gesamt­si­tua­ti­on sich ver­schlech­tert hat.

Die Gemein­sam­keit der gän­gi­gen Vor­schlä­ge für das weitere
Vor­ge­hen ist offen­kun­dig. Immer geht es um ein „mehr“.
Weil die erhoff­te Ver­bes­se­rung nicht ein­tritt, ver­sucht man
es mit einer höhe­ren Dosis des glei­chen „Lösungs­mit­tels“.

Denken braucht Zeit und Raum – Zitatsammlung 0

Denken braucht Zeit und Raum – Zitatsammlung

Eine inter­es­san­te Zitat­samm­lung rund ums Geld.

Ferdinand Knauß 0

Die Fünf-Prozent-Hürde pervertiert den Wählerwillen – Ferdinand Knauß

Noch nie hat der Bun­des­tag so weni­ge Wäh­ler reprä­sen­tiert wie der jetzt gewähl­te. Die Fünf-Pro­zent-Hür­de hat ein Ergeb­nis pro­du­ziert, das der poli­ti­schen Kul­tur scha­det. Sie muss end­lich gesenkt werden.

Die Bun­des­tags­wah­len 2013 waren aus ästhe­ti­scher Per­spek­ti­ve ein Tief­punkt in der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Geschich­te. Abgeschmackter
noch als die von jeder poli­ti­schen Aus­sa­ge befrei­ten Wahl­pla­ka­te und die Sprech­bla­sen beim so genann­ten Fern­seh­du­ell, über die schon vor dem 22. Sep­tem­ber viel geklagt wur­de, war die Reak­ti­on der Par­tei, die sich als der gro­ße Gewin­ner inter­pre­tiert. Wenn Ange­la Mer­kel und ande­re Spit­zen­po­li­ti­ker wie Vol­ker Kau­der und Her­mann Grö­he in der Wahl­nacht vor lau­fen­den Kame­ras her­um­wip­pen wie der Vor­stand eines Kar­ne­vals­ver­eins und „An Tagen wie die­sen“ von den „Toten Hosen“ grö­len, wenn also Par­tei­en das Ergeb­nis von Wah­len fei­ern wie den Gewinn einer Fuß­ball­meis­ter­schaft, beschä­digt das die Wür­de die­ses zen­tra­len Aktes der Sou­ve­rä­ni­tät des Volkes.

Doch nicht nur die äuße­re Form, in der sich die Freu­de der Uni­ons­par­tei­en äußer­te, son­dern auch deren von den meis­ten Jour­na­lis­ten über­nom­me­ne Inter­pre­ta­ti­on eines angeb­lich kla­ren Auf­tra­ges für Mer­kel wei­ter­zu­re­gie­ren, war bei genaue­rer Betrach­tung befremd­lich. Denn die Fra­ge, ob eine abso­lu­te Mehr­heit der Wäh­ler – geschwei­ge denn der Wahl­be­rech­tig­ten – wei­ter von Mer­kel und der amtie­ren­den Koali­ti­on regiert wer­den möch­te, lässt sich doch ganz ein­deu­tig beant­wor­ten: Nein! Nur die Wäh­ler von CDU/CSU (41,5 %) und FDP (4,8 %), also ins­ge­samt 46,3 Pro­zent, wünsch­ten sich eine Fort­set­zung der Mer­kel­schen Kanz­ler­schaft. Alle ande­ren woll­ten das ganz offen­sicht­lich lie­ber nicht. In Wahr­heit ver­dankt Mer­kel ihre bevor­ste­hen­den wei­te­ren Regie­rungs­jah­re nicht dem Wäh­ler­vo­tum, son­dern allein der Koali­ti­ons­un­fä­hig­keit der Lin­ken. Fünf-Pro­zent-Hür­de ver­zerrt das Wahl­re­sul­tat Das wirk­lich Besorg­nis­er­re­gen­de an die­ser Wahl, oder genau­er: an dem Par­la­ment, das aus ihr her­vor­geht, ist: Nie seit 1949 hat ein deut­scher Bun­des­tag einen so gerin­gen Teil der Wahlberechtigten
reprä­sen­tiert wie der, der sich am 22. Okto­ber in Ber­lin kon­sti­tu­iert. Durch das knap­pe Schei­tern der FDP und der neu gegrün­de­ten Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (4,7 %) sowie die 2,2 % der Pira­ten und die 1,3 % der NPD ist der Anteil der nicht im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Wäh­ler mit ins­ge­samt rund 15,8 % so hoch wie nie zuvor in der deut­schen Par­la­ments­ge­schich­te. Die den Wäh­ler­wil­len ver­zer­ren­de Wir­kung der Fünf-Pro­zent-Hür­de war in vor­her­ge­gan­ge­nen Wah­len längst nicht so stark, weil in der Regel kei­ne oder allen­falls eine Par­tei knapp schei­ter­te – zum Bei­spiel 1969 die NPD (4,3 %) oder 1990 die Grü­nen im Wes­ten (4,8 %). Meist erreich­ten alle „sons­ti­gen“ Par­tei­en zusam­men weni­ger als 5 %. Die Ver­zer­rung des Wahl­re­sul­tats ist bedenk­lich: Mit zusam­men nur 42,7 % der Stim­men haben SPD, Grü­ne und Lin­ke im Bun­des­tag eine rech­ne­ri­sche Mehr­heit von 320 von 631 Bun­des­tags­sit­zen. An den Wahl­ur­nen dage­gen war ein zumin­dest nach her­kömm­li­chem Sche­ma kla­res Bild des Wäh­ler­wil­lens erkenn­bar: Die Deut­schen haben zu rund 51 Pro­zent bür­ger­lich-libe­ral gewählt, wenn man zu den Stim­men der Uni­ons­par­tei­en und der FDP noch die „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ hin­zu­zählt. Doch für den Bun­des­tag und die nächs­ten vier Jah­re im poli­ti­schen Ber­lin spielt die­ser Wäh­ler­wil­le kei­ne Rol­le. Ganz kon­kret bedeu­tet das zum Bei­spiel: Obwohl die Deutschen
die Steu­er­er­hö­her­par­tei­en abge­wählt haben, wer­den sie wohl dem­nächst Staats­kas­se gebeten.