Kategorie: Editorial

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Höchstzinsen für Bares – Editorial

Die Lösung der Blo­ckie­rung ist die Lösung. Das sag­te der Volks­wirt­schafts­leh­re-Pro­fes­sor Bernd Senf vor 20 Jah­ren. – – –  „Flie­ßen las­sen“ nann­te er das fun­da­men­ta­le Prin­zip des Natür­li­chen und Leben­di­gen. – – –  Die (be)herrschende Öko­no­mie form­te dem­zu­fol­ge kei­nen Wirt­schafts­or­ga­nis­mus, obwohl die Wirt­schaft dem Leben die­nen soll­te. Das Hor­ten und Zurück-, bzw. Vor­ent­hal­ten ist die gewinn­träch­tigs­te Leit­li­nie. Die Welt­wirt­schaft wird domi­niert von „Stau­damm­be­sit­zern“, die – gedeckt von Recht und Gesetz – die Nut­zung lebens­wich­ti­ger Din­ge blo­ckie­ren kön­nen: Grund und Boden, Erfin­dun­gen, Kunst jeg­li­cher Art und nicht zuletzt Geld. – – –  Geld fließt nur in dem Maße, in dem es die Geld­hal­ter für lukra­tiv erach­ten. Geld, eine…

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Frie­den unter Vor­be­halt – Edi­to­rial

– – –  Kein Men­sch wird auf die Fra­ge: „Will­st Du Krieg?“ ernst­haft mit „Ja!“ ant­wor­ten. Nichts­des­to­trotz herrscht an unzäh­li­gen Orten Krieg. In Euro­pa war die Kriegs­ge­fahr seit dem Zwei­ten Welt­krieg nie grö­ßer als der­zeit. In Deutsch­land ist die „Herr­sche­rin“ über den Kriegs­ap­pa­rat eine Frau mit 7 Kin­dern! Sie ent­sen­det Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten – die Kin­der besorg­ter Eltern – in Kri­sen­her­de auf der gan­zen Welt. Sie unter­stützt die Poli­tik der NATO, die sich klamm­heim­li­ch von einem Ver­tei­di­gungs­bünd­nis zu einer Kriegs­ma­schine ent­wi­ckel­te. Stän­dig droh­te man Russ­land nach dem Zer­fall der Sowjet­re­pu­bli­ken, es nicht wagen zu sol­len, sei­nen mili­tä­ri­schen Ein­fluss auf die Staa­ten in…

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Aus der Schein­welt in die Sein­welt – Edi­to­rial

Phy­si­ker glau­ben zu wis­sen, es gäbe kein Per­pe­tu­um Mobi­le. Jenes „hypo­the­ti­sche Gerät, das – ein­mal in Gang gesetzt – ohne wei­te­re Ener­gie­zu­fuhr ewig in Bewe­gung bleibt und dabei – je nach zugrun­de­ge­leg­ter Defi­ni­ti­on – mög­li­cher­wei­se auch noch Arbeit ver­rich­tet.“ Das „unmög­li­che Bild“ auf unse­rer Titel­sei­te, die „Pen­ro­se-Trep­pe“, inspi­rier­te den nie­der­län­di­schen Künst­ler M. C. Escher unter ande­rem zu dem Werk „Was­ser­fall“. Dar­in läuft Was­ser in einem geschlos­se­nen Vier­eck schein­bar per­pe­tu­ier­li­ch berg­ab und treibt ein Was­ser­rad an. Ein Trug­bild, das durch die Fest­le­gung einer mil­li­me­ter­ge­n­au bestimm­ten Beob­ach­ter­po­si­ti­on ermög­licht wird. – – –  Damit kor­re­spon­die­rend prägt die Illu­si­on eines per­ma­nen­ten berg­auf die Wirt­schaft. Bei Sto­ckun­gen heißt…

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Zwei Geschichten über Bargeld – Editorial

Die ers­te Rei­se ohne mei­ne Eltern führ­te mich 1972 im Alter von 15 Jah­ren nach Frank­reich. Zusam­men mit eini­gen Freun­den ging es auf aben­teu­er­li­che Fahrt über fast 1.000 Kilo­me­ter mit dem Mofa. Die­se Zwei­rä­der hat­ten eine Höchst­ge­schwin­dig­keit von 25 km/h. Auf der Hin­fahrt über­quer­ten wir die Alpen und an man­chen Anstie­gen kam es mir so vor, als könn­te ich zu Fuß gehend rascher vor­an­kom­men. Die 1,5 PS der Kreid­ler MF-2 waren nur auf der Ebe­ne oder berg­ab dazu geeig­net, die lan­ge Mäh­ne, die man in den 70ern zu haben pfleg­te, im „Easy-Rider-Stil“ im Wind wehen zu las­sen. Wie nicht anders…

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Ein ande­res Zukunfts­bild des Wirt­schaf­tens – Edi­to­rial

Ein ande­res Zukunfts­bild des Wirt­schaf­tens — Es ist gen­au 10 Jah­re her. Anfang 2006 durf­te ich Sie das ers­te Mal mit mei­nem Edi­to­ri­al begrü­ßen und das aktu­el­le Heft der HUMANEN WIRTSCHAFT ein­lei­ten. In der dama­li­gen Aus­ga­be befand sich auch ein klei­ner Hin­weis auf ein selt­sa­mes Finanz­pro­dukt, mit des­sen Hil­fe in den USA Leu­te mit gerin­gem Ein­kom­men eine eige­ne Immo­bi­lie erwar­ben. Ja sogar Mit­tel­lo­se konn­ten hohe Kre­di­te auf­neh­men, weil die aus­ge­ben­den Ban­ken von den Kre­dit­neh­mern 5 Jah­re kei­ne Til­gung und nicht die vol­le Zins­zah­lung erwar­te­ten. „Opti­on ARM“ (Adjus­ta­ble Rate Mort­ga­ge) hieß das Pro­dukt und ließ den Schuld­ner weit­ge­hend dar­über bestim­men, wie…

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Die Kraft der Stille – Editorial

Jeden Mitt­wo­ch, mitt­ler­wei­le auch an wei­te­ren Tagen, tref­fen sich tat­kräf­ti­ge Leu­te mit dem Wil­len, einen neu­en Lern­ort zu gestal­ten. Bei den Zusam­men­künf­ten ent­wi­ckeln die Mit­wir­ken­den »Ritua­le«. Der­art ver­meint­li­che Klei­nig­kei­ten, wie eine Minu­te der Stil­le am Anfang oder mit­ten in hek­ti­scher wer­den­den Dis­kus­sio­nen. Oder eine »Befind­lich­keits­run­de«, in der zu Beginn jeder – völ­lig unab­hän­gig vom Anlass der Sit­zung – sagen darf, was ihn zur­zeit inner­li­ch bewegt. Es ist ein über­ra­schen­des Erleb­nis, wie Stil­le ver­bin­den kann. Es ist fas­zi­nie­rend, wie befrei­end Räu­me sein kön­nen, in denen Lee­re einen Platz bekommt. Ein Gefühl der Dank­bar­keit ent­steht, ohne dass man erklä­ren könn­te, war­um das…

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Ein Klima für Gerechtigkeit – Editorial

Ist es ver­nünf­tig, im Hand­um­dre­hen mit einem leich­ten Coup viel Geld zu ver­die­nen? Umge­kehrt gefragt: Ist es töricht, wenig Geld mit viel Arbeit zu ver­die­nen? In einem Wirt­schafts­sys­tem, in dem eine über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit einig zu sein scheint, sieht man sich genö­tigt, bei­de Fra­gen mit einem kla­ren „Ja!“ zu beant­wor­ten. Die Ant­wort auf ergän­zen­de Fra­ge „Ist das gerecht?“ wird schon schwie­ri­ger. Auf der Ebe­ne der han­deln­den Per­so­nen wer­den es die Vir­tuo­sen die­ses Spiels als gerecht anse­hen. Die Ver­lie­rer füh­len sich benach­tei­ligt. Frucht­ba­rer wird die Suche nach Gerech­tig­keit auf dem Gebiet der Sys­tem­ana­ly­se. Läuft eine Maschine lan­ge genug, wer­den die Ergeb­nis­se der…

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Jenseits von Knappheit – Editorial

Cumu­lus ist Latein und heißt „Hau­fen“. Das Deut­sche „kumu­lie­ren“ kommt eben­so da her, wie „Akku­mu­la­ti­on“. Auf Grie­chi­sch ist „soros“ der Hau­fen. Wenn­gleich sich bei Sta­r­in­vestor Geor­ge Soros eini­ges anhäuft, so hat er per­sön­li­ch nichts mit der Her­kunft die­ses Begriffs zu tun. Ein Hau­fen – oder bes­ser „ein paar Säcke“ – Kar­tof­feln in einem küh­len Kel­ler mit Lehm­bo­den wür­de ich einen kuli­na­ri­schen Reich­tum nen­nen. Wie ist das mit einem Musik­in­stru­ment, dem Rasen­mä­her oder dem Bild an der Wand? Ein Schrank vol­ler Klei­dung besit­zen wir nahe­zu alle nebst einer Küche mit unzäh­li­gen Kochu­ten­si­li­en. Betrach­ten wir die vie­len in unse­rem Haus­halt ver­sam­mel­ten Gegen­stän­de,…

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Flucht vor der Verantwortung – Editorial

Was sich im Mit­tel­meer zwi­schen Afri­ka und Euro­pa abspielt, ist eine mensch­li­che Tra­gö­die und gleich­zei­tig eine Tra­gö­die der Mensch­lich­keit. Brau­chen wir Kata­stro­phen, um uns der Tat­sa­che bewusst zu wer­den, dass der Pla­net Erde eine aus­ba­lan­cier­te Soli­dar­ge­mein­schaft der Gesamt­heit von Orga­nis­men ist? Wie eng­stir­nig ist der Glau­be, man kön­ne ein iso­lier­tes gutes Leben in einer Welt füh­ren, die – men­schen­ge­macht – sozi­al und öko­lo­gi­sch schlei­chend vor die Hun­de geht? Man betet das Man­tra des „Alles-ist-mit-allem-ver­bun­den“ und hofft zugleich, es sei mach­bar, künst­li­ch eine schüt­zen­de Mem­bra­ne zu model­lie­ren, die nur durch­lässt, was loh­nend erscheint. Eine Schutz­schicht, außer­halb der man den Abfall sei­ner…

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Wahre Verlogenheit – Editorial

Wah­re Ver­lo­gen­heit Wur­de der Anschlag von lin­ken Extre­mis­ten durch­ge­führt? War es eine Pro­vo­ka­ti­on der extre­men Rech­ten oder ein sinn­lo­ser Ter­ror­akt radi­ka­ler Isla­mis­ten? Insze­nier­ten es ein­fluss­rei­che Stel­len in Poli­tik und Wirt­schaft, um ihre Macht zu fes­ti­gen und Erobe­rungs­feld­zü­ge zu recht­fer­ti­gen? Soll ein Poli­zei­staat auf­ge­baut wer­den, der unter dem Deck­man­tel der Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung Bür­ger­rech­te ein­schränkt? Was wäre, wenn alles wahr ist? Was wäre, wenn nichts davon wahr wäre? Es bleibt die Tat­sa­che, dass bei dem Anschlag vie­le Men­schen getö­tet oder ver­letzt wur­den. Nein, ich den­ke nicht an einen spe­zi­el­len Ter­ror­akt, son­dern an einen belie­bi­gen. Es geht mir um die eine Wahr­heit und dass…

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Abenteuer der Veränderung – Europa im Jahr 2215 – Editorial

Euro­pa im Jahr 2215: Wo ver­lau­fen sei­ne Län­der­gren­zen? Gibt es über­haupt noch Gren­zen? Wel­che Poli­tik herrscht? Wie gestal­tet sich das Sozi­al­we­sen und wie wird unse­re Nach­welt wirt­schaf­ten? Wird es noch Krie­ge geben? Gibt es über­haupt noch Men­schen? Nie­mand kann all das auch nur annä­hernd vor­her­se­hen. Klar scheint nach heu­ti­ger Erkennt­nis, dass sich das Kli­ma dra­ma­ti­sch ver­än­dert haben wird und die Bedin­gun­gen für alle Lebe­we­sen völ­lig ande­re sind. 1815, vor 200 Jah­ren, wur­de der Deut­sche Bund gegrün­det. Ein Staa­ten­bund mit 38 Groß­her­zog­tü­mern, König­rei­chen und Stadt­staa­ten. Sei­ne Gren­zen ver­än­der­ten sich stän­dig. Kaum ein Deut­scher wuss­te, wo sich gera­de die Schlag­bäu­me befan­den. Ein schwä­bi­scher Dorf­leh­rer…

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TTIP und TiSA – Boulevard Potemkin – Editorial

Klein­stadt pflas­tert Zebra­strei­fen mit Car­ra­ra-Mar­mor! Sport­hal­len, Bäder und öffent­li­che Ein­rich­tun­gen auf Groß­stadt­ni­veau! Unvor­stell­bar? Ich hat­te das Glück in einer sol­chen Gemein­de auf­wach­sen und zur Schu­le gehen zu dür­fen. Das schwä­bi­sche Sin­del­fin­gen in den 1970ern. Dort ist das welt­weit größ­te Werk der Daim­ler AG ange­sie­delt. Umge­rech­net 140 Mil­lio­nen Euro betru­gen 1972 die jähr­li­chen Gewer­be­steu­er­ein­nah­men der Stadt. Es wur­de gebaut „auf Teu­fel komm raus“. Ver­ei­ne wur­den mit Sport­stät­ten und Bade­zen­tren ver­wöhnt, weil die Gemein­de förm­li­ch im Geld­schwamm. In den 80er-Jah­ren begann die Wen­de, nicht nur für Sin­del­fin­gen. Heu­te, 40 Jah­re spä­ter, muss die Stadt mit rund 55 Mil­lio­nen Euro Steu­er­ein­nah­men aus­kom­men. Daim­ler…

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Nicht fassbarer Überfluss – Editorial

oder: war­um viel nie genug ist. Seit Wochen beob­ach­te ich die Rot­bu­che neben unse­rer Ter­ras­se. Sie trägt die­ses Jahr zahl­lo­se Früch­te. Es müs­sen eini­ge Tau­send der drei­kan­ti­gen Nüs­se sein, noch ein­ge­packt in eine höl­zer­ne, durch wei­che Sta­cheln leicht pik­sen­de Hül­le. Jede ein­zel­ne Buch­ecker hat das Poten­ti­al, zu einem pracht­vol­len bis zu 40 Meter hohen Baum zu wer­den. Was für eine ver­schwen­de­ri­sche Fül­le die Natur doch pro­du­ziert! Die Eich­hörn­chen freut der üppig gedeck­te Tisch beson­ders. Ihr Lieb­lings­ge­richt wird als Win­ter­vor­rat an unzähl­ba­ren Stel­len ver­gra­ben. Zwei Drit­tel der Vor­rats­kam­mern fin­det die­ser lie­bens­wer­te Wald­be­woh­ner nie wie­der. Wel­che Ver­schwen­dung! Über­fluss, der zum Segen der…

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Wären Sie gerne reich, wenn Sie tot sind? – Editorial

Der welt­wei­te Wirt­schafts­leis­tungs­mo­tor läuft heiß und hei­ßer. Das Ziel lau­tet Wohl­stand. Dafür scheint „Reich­tum“ unent­behr­li­ch zu sein. Die­sem Ziel brin­gen wir Opfer.
Die Umwelt zum Bei­spiel. Oder die per­sön­li­che Gesund­heit. Wir bren­nen uns aus, denn das Bestre­ben steht über allem: Wohl­stand. Reich­s­ein. Dabei sind wir längst so reich wie nie zuvor in der Mensch­heits­ge­schich­te.
Gleich­zei­tig müs­sen wir uns aber mit zuneh­men­den Armuts­pro­ble­men befas­sen. Mau­ern mit Sta­chel­draht umge­ben die Paläs­te der Mil­li­ar­dä­re. In gepan­zer­ten Fahr­zeu­gen wer­den ihre Kin­der, in Städ­ten wie São
Pau­lo, vor­bei an den Blech­hüt­ten der Slums zur Schu­le gefah­ren. Auch in den wirt­schaft­li­ch leis­tungs­fä­higs­ten Län­dern der Erde pral­len unbe­greif­li­che Gegen­sät­ze auf­ein­an­der.
Dabei erkennt man immer das iden­ti­sche Mus­ter: prot­zi­ger Luxus und bekla­gens­wer­te Bedürf­tig­keit zur sel­ben Zeit am glei­chen Ort. Reich­tum ist auf tra­gi­sche Wei­se ungleich ver­teilt. War­um ist das so?
Ray­mond Fir­th schrieb 1959 in sei­nen Stu­di­en zur Öko­no­mie der neu­see­län­di­schen Mao­ri: „In den Wäl­dern von Neu­see­land wie in den Savan­nen im Sudan, über­all ist eines Rea­li­tät: Fami­li­en, die Hun­ger erlei­den müs­sen
oder denen es an Lebens­not­wen­di­gem fehlt, sind in einem Dorf unmög­li­ch, in dem es Fami­li­en gibt, die üppig ver­sorgt sind.“ Da drängt sich die Fra­ge auf: Mit wel­chem Recht bezeich­nen wir Natur­völ­ker als „pri­mi­tiv“?
„Reich­tum und Armut gehö­ren nicht in einen geord­ne­ten Staat“ erkann­te der 1930 ver­stor­be­ne Refor­mer Sil­vio Gesell im Lau­fe von Stu­di­en, die in sein Haupt­werk „Die Natür­li­che Wirt­schafts­ord­nung“ mün­de­ten.
Der Fran­zo­se Tho­mas Piket­ty ist 42 Jah­re alt und gegen­wär­tig Wirt­schafts­pro­fes­sor an der „Paris School of Eco­no­mics“. Die­ser Tage ist die eng­li­sche Über­set­zung sei­nes Buches „Capi­tal in the 21st cen­tu­ry“ (Kapi­tal im 21.
Jahr­hun­dert) erschie­nen. Der Wirt­schafts­no­bel­preis­trä­ger Paul Krug­man aus den USA bezeich­net das Werk als eines, das die Art wie wir über Gesell­schaft und Wirt­schaft den­ken, grund­le­gend ver­än­dern wer­de.
Piket­ty unter­such­te die Wirt­schafts­wachs­tums­pro­zes­se über einen lan­gen Zeit­raum und gli­ch die Ergeb­nis­se mit der Ent­wick­lung der Ver­tei­lung der Geld­ver­mö­gen ab. Dabei stell­te er fest, dass die Geld­ver­mö­gen stets schnel­ler
wuch­sen, als die Wirt­schafts­leis­tung. Bis zum Vor­abend des 1. Welt­kriegs war dem­nach das Kapi­tal in Euro­pa auf das 6- bis 7-fache der gesam­ten Wirt­schafts­leis­tung eines Jah­res ange­wach­sen. Eine Situa­ti­on, die mit der heu­ti­gen
ver­gleich­bar ist. Die wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis, die sich dar­aus ablei­tet, lau­tet: Wach­sen­de Geld­ver­mö­gen gehen grund­sätz­li­ch ein­her mit zuneh­men­der Ungleich­ver­tei­lung. Die Auto­ren der HUMANEN WIRTSCHAFT, allen vor­an Hel­mut
Creutz und der in der vor­lie­gen­den Aus­ga­be schrei­ben­de Gün­ther Moe­wes, bestä­ti­gen in mitt­ler­wei­le Jahr­zehn­te anhal­ten­der Arbeit Piket­tys jet­zi­ge For­schungs­er­geb­nis­se. Der zu erwar­ten­de Erfolg des Wirt­schafts­wis­sen­schaft­lers
aus Paris wäre auch einer der akri­bi­sch im Hin­ter­grund for­schen­den „frei­en Geis­ter“, die sich – teil­wei­se ein Leben lang – für die grund­le­gen­de Erneue­rung des Geld­sys­tems und des Boden­rechts ein­set­zen. Schließ­li­ch kamen
sie zu glei­chen Ergeb­nis­sen, nur ohne die Unter­stüt­zung eines Wis­sen­schafts­be­triebs. Tho­mas Piket­ty scheint der rich­ti­ge Mann zum pas­sen­den Zeit­punkt zu sein. Das „Han­dels­blatt“ traut ihm
zu, er wer­de „Epo­che machen“ und der eng­li­sche „Guar­di­an“ meint, er ver­sen­ke „rigo­ros alles, was Kapi­ta­lis­ten über die Ethik des Geld­ma­chens den­ken“. Er kann es dem­nach schaf­fen, auf höchs­ter Ebe­ne Bewe­gung in die
ver­mut­li­ch zen­trals­te Auf­ga­be der Neu­zeit zu brin­gen: die Erfor­schung des Geld­sys­tems und des­sen Fol­gen. Kön­nen wir eine Kata­stro­phe, wie sie sich vor 100 Jah­ren schon ein­mal anbahn­te noch abwen­den?
Wenn die Raten des Geld­ver­mö­gens­wachs­tums dau­er­haft über jenen des Wirt­schafts­wachs­tums lie­gen „neigt die Ver­gan­gen­heit dazu, die Zukunft zu ver­schlin­gen“, kon­sta­tiert Piket­ty. Das Schick­sal unse­rer Gesell­schaft
ist geprägt von der Domi­nanz ererb­ten Geld­ver­mö­gens. Wer tot ist, den hat die Ver­gäng­lich­keit des Lebens ein­ge­holt. Die Ansprü­che der Geld­ver­mö­gen von Toten wach­sen gene­ra­tio­nen­über­grei­fend wei­ter. Tho­mas Piket­ty
emp­fiehlt eine welt­weit orga­ni­sier­te Ver­mö­gens­steu­er gegen die Reich­tums­kon­zen­tra­ti­on. Das dürf­te ein hin­rei­chen­des Instru­ment für den erfor­der­li­chen schnel­len Ein­griff dar­stel­len. Löst man damit das ursäch­li­che Pro­blem
auf Dau­er? Wenn Geld­ver­mö­gen (Kapi­tal) sich infol­ge Zins und Zin­ses­zins von selbst ver­meh­ren und wach­sen­de Ansprü­che an zukünf­ti­ge Leis­tun­gen von Men­schen stel­len, dann kann das Abschöp­fen infol­ge leis­tungs­lo­ser Ein­kom­men
ent­stan­de­nen Kapi­tals nur der ers­te Schritt sein. War­um soll­ten wir dabei ste­hen blei­ben und nur ver­su­chen, die Ergeb­nis­se eines unge­rech­ten und feh­ler­haf­ten Sys­tems wie­der zu ver­tei­len, anstatt nicht direkt der­lei Erträ­ge
durch Sys­tem­än­de­run­gen zu ver­hin­dern? Vie­le freie Geis­ter und Ver­fech­ter einer huma­nen Wirt­schaft befas­sen sich mit den Ursa­chen der Ungleich­ver­tei­lung. Sie erar­bei­ten dabei auch Lösungs­vor­schlä­ge.
Alles deu­tet dar­auf hin, dass die Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten nach­zie­hen kön­nen.

Herz­li­ch grüßt Ihr Andre­as Ban­ge­mann

„Kein Recht im Unrecht – kein gutes Leben im schlechten“ – Andreas Bangemann 0

„Kein Recht im Unrecht – kein gutes Leben im schlechten“ – Andreas Bangemann

Durch unser Geld­sys­tem und das dar­auf auf­bau­en­de Boden­recht wer­den allen Men­schen die­ser Erde Tag für Tag immer grö­ßer wer­den­de Tei­le ihrer eige­nen Leis­tung weg­ge­nom­men. Auch im Hin­bli­ck auf Paten­te und das Urhe­ber­recht gibt es zu hin­ter­fra­gen­de Ent­wick­lun­gen, die Räu­me für Pri­vi­le­gi­en schaf­fen, von denen nur sehr weni­ge pro­fi­tie­ren. Das geschieht für vie­le unbe­merkt, denn es wer­den dazu in den sel­tens­ten Fäl­len direk­te Rech­nun­gen aus­ge­stellt. Die in unse­rem Recht und dem genutz­ten Geld­sys­tem ver­an­ker­ten Mecha­nis­men sor­gen für die Bedie­nung die­ser Pri­vi­le­gi­en über die Prei­se und Steu­ern,
die jeder von uns für den Lebens­un­ter­halt bezahlt.

Allegorische Darstellung der Lust am Stadttheater, Gießen. 0

Lust auf neues Geld – Andreas Bangemann

Das ist doch ein­mal etwas ande­res. Statt sich mit den immer wir­rer wer­den­den Gescheh­nis­sen um Poli­tik und Finanz­markt her­um­zu­är­gern, frö­nen wir der Lust! Doch was ist wohl mit „neu­em Geld“ gemeint? Mit dem Geld, das wir zu ken­nen glaub­ten, scheint ja etwas Grund­le­gen­des im Argen zu lie­gen. Wir erle­ben, wie es sich erkenn­bar in unvor­stell­ba­ren Men­gen bei eini­gen weni­gen sam­melt und es bei den aller­meis­ten hin­ten und vor­ne fehlt, bei man­chen gar über­haupt nicht mehr ankommt. Immer kla­rer wird dabei: Es han­delt sich nicht um einen Pro­zess, der maß­geb­li­ch durch mehr oder weni­ger Leis­tung beein­flusst wird, son­dern das im Besitz haben von Geld genügt, um zu Reich­tum zu kom­men. Immer kla­rer wird auch, dass wir mit die­sem Geld einer leid­vol­len Kata­stro­phe ent­ge­gen gehen. Von einem sol­chen Geld haben wir und immer mehr Men­schen auf der gan­zen Welt die Nase voll. Die­ses Geld ent­zweit, macht ein­sam und zer­stört nach und nach alles, was uns lieb und „teu­er“ ist. Wir wis­sen, was wir nicht mehr wol­len.

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Editorial: Dschungelcamp im Schilderwald – Andreas Bangemann

Das Fern­seh­for­mat, das sich kei­ner anschaut, von dem aber vie­le reden, ist die­ses Mal der Ein­stieg, der mich ein­mal mehr zu jenem The­ma führt, das im
Grun­de wie kein ande­res unse­re Zukunft bedeu­tet: die Wirt­schafts- und Finanz­kri­se, die längst zur Sys­tem­kri­se des Kapi­ta­lis­mus gewor­den ist. Sie wird uns nicht mehr los­las­sen. Das wäre ja auch noch schö­ner, für die Zeit­schrift, die den Weg zu einer huma­nen Wirt­schaft als Ziel hat! Wir las­sen in die­ser Sache nicht mehr nach.

Unwort des Jahres 2011: „Schuldenbremse“ – Andreas Bangemann 1

Unwort des Jahres 2011: „Schuldenbremse“ – Andreas Bangemann

Seit gefühl­ten 100 Jah­ren erklä­ren uns alle Exper­ten, wie schlecht stän­dig wach­sen­de Staats­schul­den für uns und vor allem „die nach­fol­gen­den Gene­ra­tio­nen“ sind. Als 1979 Franz Josef Strauß in einer legen­dä­ren Bun­des­tags­sit­zung den Abge­ord­ne­ten die aus heu­ti­ger Sicht gera­de­zu lächer­li­che Staats­ver­schul­dung von 33 Mil­li­ar­den D-Mark in sei­ner unnach­ahm­li­chen Rhe­to­rik zum höchs­ten Berg Deutsch­lands auf­türm­te, wenn man ihn in 1.000-Mark-Scheinen über­ein­an­der legen wür­de (3.500 Meter), war ich gera­de mal 22 Jah­re alt und wohl jene Gene­ra­ti­on, die er gemeint haben könn­te, wenn er von einer zukünf­ti­gen sprach. Die Sum­me der dama­li­gen Staats­schul­den wür­den wir heu­te an einem Sonn­tag im Klin­gel­beu­tel in den Kir­chen ein­sam­meln.

Eisschirmchen, © Martin Bangemann, Kontakt über http://bestmoose.de 0

Editorial: Von Schirmchen und Paketen – Andreas Bangemann

Mit dem Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM), der zunächst mit rund 700 Mil­li­ar­den Euro aus­ge­stat­tet wur­de, soll die Schul­den­kri­se in Euro­pa beherrscht und den Finanz­märk­ten die Kraft poli­ti­scher Hand­lungs­fä­hig­keit gezeigt wer­den. Direkt kom­men auf jeden Ein­woh­ner in Deutsch­land rund 1.500 € Belas­tung zu. Ein grie­chi­scher Ein­woh­ner hält mit rund 1.100 € zusätz­li­ch zu bedie­nen­der Staats­schul­den jenen Ret­tungs­schirm, der angeb­li­ch für ihn auf­ge­spannt wur­de.

Editorial: Der Klabautermann führt das Narrenschiff – Andreas Bangemann 0

Editorial: Der Klabautermann führt das Narrenschiff – Andreas Bangemann

Inner­halb weni­ger Tage, ja manch­mal nur Stun­den, kann sich der­zeit so Man­ches in sein kom­plet­tes Gegen­teil ver­wan­deln. Aus Atom­kraft­werks-Befür­wor­tern wer­den -Abschal­ter. Aus Kon­ser­va­ti­ven wer­den Lin­ke. Die Chart­kur­ven der Bör­sen glei­chen Ach­ter­bah­nen. Super­rei­che wer­den zu Kämp­fern für mehr Steu­ern von Super­rei­chen.

Editorial: Schütze die Flamme – Andreas Bangemann 0

Editorial: Schütze die Flamme – Andreas Bangemann

Es wäre ver­mes­sen, wenn ich ver­su­chen woll­te, der Gedan­ken- und Gefühls­welt von Jose­ph Beuys gerecht zu wer­den. In sei­ner letz­ten gro­ßen Rede im Janu­ar 1986, anläss­li­ch einer Preis­ver­lei­hung wie­der­hol­te er mehr­mals den Satz „Schüt­ze die Flam­me“. Wär­me, mensch­li­che Wär­me, muss ihm sehr wich­tig gewe­sen sein. Gen­au wie sein Gesell­schafts­mo­dell der „Sozia­len Plas­tik“.

Ein Herz aus Stein 1

Editorial: „Trägst du ein Herz von Fleisch, erhärte es zu Stein“ – Andreas Bangemann

„Trägst du ein Herz von Flei­sch, erhär­te es zu Stein
und wund’re dich nicht, wenn es nicht gleich gelingt.
Sei ein­mal hart vor einer gro­ßen Not,
bald siehst du zu, wenn wer ins Was­ser springt.
Das garan­tiert die Kro­ne des Gewinns:
Zins und Zin­ses­zins.“
** Ute Lem­per in dem „Lied des Lot­te­rie­agen­ten“, geschrie­ben von Kurt Weill.

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Editorial: Keine Freiheit ohne soziale Gerechtigkeit – Andreas Bangemann

Wenn die­ser Tage von den Ereig­nis­sen in Ägyp­ten und den ara­bi­schen Län­dern die Rede ist, dann steht in ers­ter Linie immer das Stre­ben der Bevöl­ke­rung nach Frei­heit und Demo­kra­tie im Lich­te der Bericht­erstat­tun­gen. In Neben­sät­zen und Rand­be­mer­kun­gen wird die schrei­en­de Unge­rech­tig­keit erwähnt, unter der die Men­schen zu lei­den und zu leben haben.

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Die Befreiung vom Zins (Editorial) – Andreas Bangemann

Zins und Zin­ses­zins sind die unbe­herrsch­ba­ren Kräf­te im Motor unse­res Wirt­schafts­damp­fers.
Kräf­te, die uns in den Unter­gang trei­ben kön­nen.
Es wäre in jeder Hin­sicht eine Befrei­ung, wenn wir den Zins und sei­ne zer­stö­re­ri­sche
Macht über­win­den wür­den. Im Zins ver­ste­cken sich durch­aus sinn­vol­le
Kos­ten­fak­to­ren, die als ein Preis für Dienst­leis­tun­gen, bzw. Risi­ken bezahlt wer­den
soll­ten. Doch das ist weni­ger als die hal­be Wahr­heit.

Editorial: An ihren (Schatten) Taten sollt Ihr sie erkennen! – Andreas Bangemann 0

Editorial: An ihren (Schatten) Taten sollt Ihr sie erkennen! – Andreas Bangemann

[kind­le­this]

Editorial: Der unsichtbare Elefant – Andreas Bangemann 0

Editorial: Der unsichtbare Elefant – Andreas Bangemann

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Editorial: Geld, der Schlüssel für mehr Gerechtigkeit – Andreas Bangemann 0

Editorial: Geld, der Schlüssel für mehr Gerechtigkeit – Andreas Bangemann