Kategorie: Klare Worte

Titelbild HW 03/2017 0

Magisches Dreieck – Editorial

Desi­gner haben eines, Pro­jekt­ma­na­ger, Betriebs­wirt­schaft­ler, Volks­wirt­schaft­ler, oder Geld­an­la­ge­be­ra­ter. Es gibt sie zur Ver­deut­li­chung grup­pen­dy­na­mi­scher Pro­zes­se, in der Mathe­ma­tik, in Spie­len und es gab oben­drein eines beim Fuß­ball­club VfB Stutt­gart. Bei den Geld­theo­re­ti­kern bezeich­net man es als das magi­sche Drei­eck der Geld­funk­tio­nen. – - – Kom­ple­xe Ent­schei­dungs­pro­ble­me in der Pra­xis wer­den mit…

0

Schuldbefreiung – Editorial

Schul­den sind eine pro­ble­ma­ti­sche Sache. Es gibt kaum jeman­den, der kei­ne hat. Man mag schul­den­frei sein und ist trotz­dem mit ihnen belas­tet, weil zum Bei­spiel die Stadt, in der man lebt, ver­schul­det ist. Im Unter­neh­men, für das man arbei­tet, sind Kre­di­te bei Ban­ken eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Paradox – Editorial

Vor ihm lag die Fluss­land­schaft. Ein Leben spen­den­der Strom umge­ben von Natur. Ein­zel­ne Men­schen ver­such­ten, im Was­ser Ver­un­rei­ni­gun­gen zu besei­ti­gen, die sie ent­deck­ten. Er war zuvor zur Quel­le gegan­gen und erkann­te, dass der Fluss einer stän­di­gen Ver­gif­tung aus­ge­setzt ist. Er rief den Geschäf­ti­gen zu: „Was Ihr tut ist löb­lich, aber…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Höchstzinsen für Bares – Editorial

Die Lösung der Blo­ckie­rung ist die Lösung. Das sag­te der Volks­­­wir­t­­schafts­­­leh­­re-Pro­­­fes­­sor Bernd Senf vor 20 Jah­ren. – – –  „Flie­ßen las­sen“ nann­te er das fun­da­men­ta­le Prin­zip des Natür­li­chen und Leben­di­gen. – – –  Die (be)herrschende Öko­no­mie form­te dem­zu­fol­ge kei­nen Wirt­schafts­or­ga­nis­mus, obwohl die Wirt­schaft dem Leben die­nen soll­te. Das Hor­ten und Zurück-, bzw. Vor­ent­hal­ten ist die…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Frie­den unter Vor­be­halt – Editorial

– – –  Kein Mensch wird auf die Fra­ge: „Willst Du Krieg?“ ernst­haft mit „Ja!“ ant­wor­ten. Nichts­des­to­trotz herrscht an unzäh­li­gen Orten Krieg. In Euro­pa war die Kriegs­ge­fahr seit dem Zwei­ten Welt­krieg nie grö­ßer als der­zeit. In Deutsch­land ist die „Herr­sche­rin“ über den Kriegs­ap­pa­rat eine Frau mit 7 Kin­dern! Sie ent­sen­det Sol­da­tin­nen und…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Aus der Schein­welt in die Sein­welt – Editorial

Phy­si­ker glau­ben zu wis­sen, es gäbe kein Per­pe­tu­um Mobi­le. Jenes „hypo­the­ti­sche Gerät, das – ein­mal in Gang gesetzt – ohne wei­te­re Ener­gie­zu­fuhr ewig in Bewe­gung bleibt und dabei – je nach zugrun­de­ge­leg­ter Defi­ni­ti­on – mög­li­cher­wei­se auch noch Arbeit ver­rich­tet.“ Das „unmög­li­che Bild“ auf unse­rer Titel­sei­te, die „Pen­ro­­se-Tre­p­­pe“, inspi­rier­te den niederländischen…

COP21_geknuellt 0

Wun­der von Paris? – Elmar Klink

Kur­zes Anti­k­li­­ma­­kon­­fe­­renz-Dos­­sier (auch ein Mani­fest) —  Zuerst möch­te ich eine klei­ne Geschich­te erzäh­len. Es gibt einen ent­zü­cken­den, berüh­ren­den Film „Das Wun­der von Mai­land“ von Vit­to­rio de Sica aus dem Jahr 1951. —  Dar­in geht es wie der Titel sagt um Wun­der, …die ein nai­ver, gut gläu­bi­ger jun­ger Mann namens Toto mit­hil­fe einer magischen…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Zwei Geschichten über Bargeld – Editorial

Die ers­te Rei­se ohne mei­ne Eltern führ­te mich 1972 im Alter von 15 Jah­ren nach Frank­reich. Zusam­men mit eini­gen Freun­den ging es auf aben­teu­er­li­che Fahrt über fast 1.000 Kilo­me­ter mit dem Mofa. Die­se Zwei­rä­der hat­ten eine Höchst­ge­schwin­dig­keit von 25 km/h. Auf der Hin­fahrt über­quer­ten wir die Alpen und an manchen…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Ein ande­res Zukunfts­bild des Wirt­schaf­tens – Editorial

Ein ande­res Zukunfts­bild des Wirt­schaf­tens — Es ist genau 10 Jah­re her. Anfang 2006 durf­te ich Sie das ers­te Mal mit mei­nem Edi­to­ri­al begrü­ßen und das aktu­el­le Heft der HUMANEN WIRTSCHAFT ein­lei­ten. In der dama­li­gen Aus­ga­be befand sich auch ein klei­ner Hin­weis auf ein selt­sa­mes Finanz­pro­dukt, mit des­sen Hil­fe in…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Die Kraft der Stille – Editorial

Jeden Mitt­woch, mitt­ler­wei­le auch an wei­te­ren Tagen, tref­fen sich tat­kräf­ti­ge Leu­te mit dem Wil­len, einen neu­en Lern­ort zu gestal­ten. Bei den Zusam­men­künf­ten ent­wi­ckeln die Mit­wir­ken­den »Ritua­le«. Der­art ver­meint­li­che Klei­nig­kei­ten, wie eine Minu­te der Stil­le am Anfang oder mit­ten in hek­ti­scher wer­den­den Dis­kus­sio­nen. Oder eine »Befind­lich­keits­run­de«, in der zu Beginn jeder…

Zinsstrukturkurven - Grafik: Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung (INWO) 0

Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld – Ein Positionspapier

Den Zen­tral­ban­ken gelingt es immer noch nicht, den Geld­wert wirk­lich sta­bil zu hal­ten. Nied­ri­ge Infla­ti­ons­ra­ten und Zin­sen füh­ren außer­dem auf den Güter- und den Kapi­tal­märk­ten zu neu­en Pro­ble­men. Eine spür­ba­re Belas­tung der liqui­den Mit­tel, die den Geld­strom in Fluss hält, könn­te die Pro­ble­me lösen und den Noten­ban­ken nega­ti­ve Leit­zin­sen ermöglichen.…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Ein Klima für Gerechtigkeit – Editorial

Ist es ver­nünf­tig, im Hand­um­dre­hen mit einem leich­ten Coup viel Geld zu ver­die­nen? Umge­kehrt gefragt: Ist es töricht, wenig Geld mit viel Arbeit zu ver­die­nen? In einem Wirt­schafts­sys­tem, in dem eine über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit einig zu sein scheint, sieht man sich genö­tigt, bei­de Fra­gen mit einem kla­ren „Ja!“ zu beant­wor­ten. Die…

Namhafte Experten ermahnen EU-Politik 1

Namhafte Experten ermahnen EU-Politik

Spar­dik­ta­te a la Grie­chen­land stür­zen Men­schen in Armut und Ver­zweif­lung. So klar das auf der Hand liegt, so unklar bleibt, war­um es so lan­ge dau­ert bis die EU-Poli­­tik, allen vor­an die der deut­schen Kanz­le­rin, das bemerkt.  Mitt­ler­wei­le rücken selbst … Geposted von Huma­ne Wirt­schaft am  Diens­tag, 7. Juli 2015 – Link…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Jenseits von Knappheit – Editorial

Cumu­lus ist Latein und heißt „Hau­fen“. Das Deut­sche „kumu­lie­ren“ kommt eben­so da her, wie „Akku­mu­la­ti­on“. Auf Grie­chisch ist „soros“ der Hau­fen. Wenn­gleich sich bei Star­in­ves­tor Geor­ge Soros eini­ges anhäuft, so hat er per­sön­lich nichts mit der Her­kunft die­ses Begriffs zu tun. Ein Hau­fen – oder bes­ser „ein paar Säcke“ –…

1

Bofinger sollte den Notenbanken maßvoll helfen

Bei­trag von Eck­hard Beh­rens, Hei­del­berg Nun hat sich auch ein bekann­ter deut­scher Öko­nom die For­de­rung zu eigen gemacht, das Bar­geld abzu­schaf­fen. Auch er will damit der Noten­bank mehr Spiel­raum für ihre Geld­po­li­tik ver­schaf­fen. Das ist ein sehr berech­tig­tes Anlie­gen. Es ist rich­tig, das Bar­geld wegen sei­ner Hort­bar­keit ins Auge zu…

0

Menschlichkeit braucht Ehrlichkeit im System – Im Gespräch mit Eugen Drewermann

„Leben in Mensch­lich­keit“ hieß der Vor­trag, den Eugen Dre­wer­mann anläss­lich eines Kon­gres­ses unter der Über­schrift „Bur­nout und Resi­li­enz“ in Bad Kis­sin­gen hielt. Ich hat­te im Anschluss Gele­gen­heit ihm zwei Fra­gen zu stel­len. »Wür­den wir die wirk­li­chen Fol­gen unse­res Han­delns, rein mone­tär und wirt­schaft­lich in die Prei­se ver­rech­nen, die wir heute…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Flucht vor der Verantwortung – Editorial

Was sich im Mit­tel­meer zwi­schen Afri­ka und Euro­pa abspielt, ist eine mensch­li­che Tra­gö­die und gleich­zei­tig eine Tra­gö­die der Mensch­lich­keit. Brau­chen wir Kata­stro­phen, um uns der Tat­sa­che bewusst zu wer­den, dass der Pla­net Erde eine aus­ba­lan­cier­te Soli­dar­ge­mein­schaft der Gesamt­heit von Orga­nis­men ist? Wie eng­stir­nig ist der Glau­be, man kön­ne ein isoliertes…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 1

Wahre Verlogenheit – Editorial

Wah­re Ver­lo­gen­heit Wur­de der Anschlag von lin­ken Extre­mis­ten durch­ge­führt? War es eine Pro­vo­ka­ti­on der extre­men Rech­ten oder ein sinn­lo­ser Ter­ror­akt radi­ka­ler Isla­mis­ten? Insze­nier­ten es ein­fluss­rei­che Stel­len in Poli­tik und Wirt­schaft, um ihre Macht zu fes­ti­gen und Erobe­rungs­feld­zü­ge zu recht­fer­ti­gen? Soll ein Poli­zei­staat auf­ge­baut wer­den, der unter dem Deck­man­tel der Terrorismusbekämpfung…

0

Die neue Superklasse (Teil 2 von 2) – Günther Moewes

Über Zie­le, Mär­chen, Koor­di­na­ten­ver­schie­bun­gen der neu­en Super­klas­se und mög­li­che Gegen­stra­te­gi­en Ist es nicht Legen­den­bil­dung oder gar Ver­schwö­rungs­theo­rie, die Ver­ant­wor­tung für alle Bös­ar­tig­kei­ten die­ser Welt der neu­en Super­klas­se anzu­las­ten? Nein. Denn das, was die­se Super­klas­se defi­niert, eint und aus­macht, ist es, grund­sätz­lich Kapi­tal­in­ter­es­sen über Bevöl­ke­rungs­in­ter­es­sen zu stel­len. Und das dann durch…

0

Die neue Superklasse (Teil 1 von 2) – Günther Moewes

Die neue Super­klas­se Teil 1: Eine streng wis­sen­schaft­li­che Pole­mik Gün­ther Moewes Geschicht­li­che Groß­epo­chen wer­den gemein­hin nach ihren sozia­len Ver­hält­nis­sen benannt: Es gab die Skla­ven­ge­sell­schaf­ten und die Feu­dal­ge­sell­schaf­ten. Unse­re heu­ti­ge Epo­che ver­such­te sich um eine sozia­le Klas­si­fi­zie­rung her­um­zu­drü­cken und nann­te sich gern „Indus­trie­ge­sell­schaft“. Der Aus­druck „Klas­sen­ge­sell­schaft“ war ver­pönt. Tat­säch­lich gab es…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Abenteuer der Veränderung – Europa im Jahr 2215 – Editorial

Euro­pa im Jahr 2215: Wo ver­lau­fen sei­ne Län­der­gren­zen? Gibt es über­haupt noch Gren­zen? Wel­che Poli­tik herrscht? Wie gestal­tet sich das Sozi­al­we­sen und wie wird unse­re Nach­welt wirt­schaf­ten? Wird es noch Krie­ge geben? Gibt es über­haupt noch Men­schen? Nie­mand kann all das auch nur annä­hernd vor­her­se­hen. Klar scheint nach heu­ti­ger Erkennt­nis, dass…

(c) Martin Bangemann 0

Inclusive Capitalism – Wie sich der Finanzsektor die Welt unterwirft – Wolfgang Berger

1914 am Vor­abend des 1. Welt­kriegs ent­sprach die Ver­tei­lung der Geld­ver­mö­gen unge­fähr der von 2014: 10 % der Bevöl­ke­rung war im Besitz von 90 % der Geld­ver­mö­gen. Ins­ge­samt waren sie sie­ben mal so hoch, wie die Wirt­schafts­leis­tung eines Jah­res. 2010 lag die­ser Fak­tor bei 5,5 %, Ten­denz wei­ter anstei­gend. [ermit­tel­te Tho­mas Piketty…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

TTIP und TiSA – Boulevard Potemkin – Editorial

Klein­stadt pflas­tert Zebra­strei­fen mit Car­ra­ra-Mar­mor! Sport­hal­len, Bäder und öffent­li­che Ein­rich­tun­gen auf Groß­stadt­ni­veau! Unvor­stell­bar? Ich hat­te das Glück in einer sol­chen Gemein­de auf­wach­sen und zur Schu­le gehen zu dür­fen. Das schwä­bi­sche Sin­del­fin­gen in den 1970ern. Dort ist das welt­weit größ­te Werk der Daim­ler AG ange­sie­delt. Umge­rech­net 140 Mil­lio­nen Euro betru­gen 1972…

The Money Boy © Martin Bangemann 0

Korrupte Weltgesundheitsorganisation – Dirk Löhr

Manch­mal ist die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (World Health Orga­ni­sa­ti­on, WHO) schnell. Sehr schnell. Zu schnell. Da wird in Win­des­ei­le eine eigent­lich gut beherrsch­ba­re Schwei­ne­grip­pe zur glo­ba­len Pan­de­mie der höchs­ten Warn­stu­fe aus­ge­ru­fen. Wie gut, wenn dann ein Phar­ma­kon­zern Gla­x­oS­mit­h­Kli­ne den pas­sen­den Impf­stoff gera­de im Schrank hat, der dann von den Regie­run­gen die­ser Welt…

0

Narrenfreiheit

Mit die­sem Aus­schnitt aus der jüngs­ten „Anstalt“ wird eine rie­si­ge Gemein­de kri­ti­scher Geis­ter bedient. Jener, die sich vor allem im Netz bewe­gen und die „Main­stream-Medi­en“ regel­mä­ßig zum Feind erklä­ren, weil sie mani­pu­la­tiv auf der Linie der herr­schen­den Poli­tik berich­ten wür­den. Tat­säch­lich fehlt es den aller­meis­ten gro­ßen Medi­en an einer glaubwürdigen…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Nicht fassbarer Überfluss – Editorial

oder: war­um viel nie genug ist. Seit Wochen beob­ach­te ich die Rot­bu­che neben unse­rer Ter­ras­se. Sie trägt die­ses Jahr zahl­lo­se Früch­te. Es müs­sen eini­ge Tau­send der drei­kan­ti­gen Nüs­se sein, noch ein­ge­packt in eine höl­zer­ne, durch wei­che Sta­cheln leicht pik­sen­de Hül­le. Jede ein­zel­ne Buch­ecker hat das Poten­ti­al, zu einem pracht­vol­len bis…

Partnerschaftliches Interview 0

Partnerschaftliches Interview

Von unse­rer Face­book-Sei­te: Ein viel­sa­gen­des Inter­view zu TTIP. Wohl­ge­merkt: Viel­sa­gend! Nicht auf­klä­rend. Grün­de GEGEN das TTIP gibt es vie­le, aber unse­re Medi­en dre­hen es trotz sich immer stär­ker for­mie­ren­der Gegen­wehr aus der Bevöl­ke­rung so, als gäbe es nur die Sicht­wei­se derer, deren Inter­es­se sich aus­schließ­lich auf die eige­ne Berei­che­rung richtet.…

Andreas Bangemann © Martin Bangemann 0

Wären Sie gerne reich, wenn Sie tot sind? – Editorial

Der welt­wei­te Wirt­schafts­leis­tungs­mo­tor läuft heiß und hei­ßer. Das Ziel lau­tet Wohl­stand. Dafür scheint „Reich­tum“ unent­behr­lich zu sein. Die­sem Ziel brin­gen wir Opfer.
Die Umwelt zum Bei­spiel. Oder die per­sön­li­che Gesund­heit. Wir bren­nen uns aus, denn das Bestre­ben steht über allem: Wohl­stand. Reich­sein. Dabei sind wir längst so reich wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.
Gleich­zei­tig müs­sen wir uns aber mit zuneh­men­den Armuts­pro­ble­men befas­sen. Mau­ern mit Sta­chel­draht umge­ben die Paläs­te der Mil­li­ar­dä­re. In gepan­zer­ten Fahr­zeu­gen wer­den ihre Kin­der, in Städ­ten wie São
Pau­lo, vor­bei an den Blech­hüt­ten der Slums zur Schu­le gefah­ren. Auch in den wirt­schaft­lich leis­tungs­fä­higs­ten Län­dern der Erde pral­len unbe­greif­li­che Gegen­sät­ze aufeinander.
Dabei erkennt man immer das iden­ti­sche Mus­ter: prot­zi­ger Luxus und bekla­gens­wer­te Bedürf­tig­keit zur sel­ben Zeit am glei­chen Ort. Reich­tum ist auf tra­gi­sche Wei­se ungleich ver­teilt. War­um ist das so?
Ray­mond Firth schrieb 1959 in sei­nen Stu­di­en zur Öko­no­mie der neu­see­län­di­schen Mao­ri: „In den Wäl­dern von Neu­see­land wie in den Savan­nen im Sudan, über­all ist eines Rea­li­tät: Fami­li­en, die Hun­ger erlei­den müssen
oder denen es an Lebens­not­wen­di­gem fehlt, sind in einem Dorf unmög­lich, in dem es Fami­li­en gibt, die üppig ver­sorgt sind.“ Da drängt sich die Fra­ge auf: Mit wel­chem Recht bezeich­nen wir Natur­völ­ker als „pri­mi­tiv“?
„Reich­tum und Armut gehö­ren nicht in einen geord­ne­ten Staat“ erkann­te der 1930 ver­stor­be­ne Refor­mer Sil­vio Gesell im Lau­fe von Stu­di­en, die in sein Haupt­werk „Die Natür­li­che Wirt­schafts­ord­nung“ mündeten.
Der Fran­zo­se Tho­mas Piket­ty ist 42 Jah­re alt und gegen­wär­tig Wirt­schafts­pro­fes­sor an der „Paris School of Eco­no­mics“. Die­ser Tage ist die eng­li­sche Über­set­zung sei­nes Buches „Capi­tal in the 21st cen­tu­ry“ (Kapi­tal im 21.
Jahr­hun­dert) erschie­nen. Der Wirt­schafts­no­bel­preis­trä­ger Paul Krug­man aus den USA bezeich­net das Werk als eines, das die Art wie wir über Gesell­schaft und Wirt­schaft den­ken, grund­le­gend ver­än­dern werde.
Piket­ty unter­such­te die Wirt­schafts­wachs­tums­pro­zes­se über einen lan­gen Zeit­raum und glich die Ergeb­nis­se mit der Ent­wick­lung der Ver­tei­lung der Geld­ver­mö­gen ab. Dabei stell­te er fest, dass die Geld­ver­mö­gen stets schneller
wuch­sen, als die Wirt­schafts­leis­tung. Bis zum Vor­abend des 1. Welt­kriegs war dem­nach das Kapi­tal in Euro­pa auf das 6- bis 7-fache der gesam­ten Wirt­schafts­leis­tung eines Jah­res ange­wach­sen. Eine Situa­ti­on, die mit der heutigen
ver­gleich­bar ist. Die wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis, die sich dar­aus ablei­tet, lau­tet: Wach­sen­de Geld­ver­mö­gen gehen grund­sätz­lich ein­her mit zuneh­men­der Ungleich­ver­tei­lung. Die Auto­ren der HUMANEN WIRTSCHAFT, allen vor­an Helmut
Creutz und der in der vor­lie­gen­den Aus­ga­be schrei­ben­de Gün­ther Moewes, bestä­ti­gen in mitt­ler­wei­le Jahr­zehn­te anhal­ten­der Arbeit Piket­tys jet­zi­ge For­schungs­er­geb­nis­se. Der zu erwar­ten­de Erfolg des Wirtschaftswissenschaftlers
aus Paris wäre auch einer der akri­bisch im Hin­ter­grund for­schen­den „frei­en Geis­ter“, die sich – teil­wei­se ein Leben lang – für die grund­le­gen­de Erneue­rung des Geld­sys­tems und des Boden­rechts ein­set­zen. Schließ­lich kamen
sie zu glei­chen Ergeb­nis­sen, nur ohne die Unter­stüt­zung eines Wis­sen­schafts­be­triebs. Tho­mas Piket­ty scheint der rich­ti­ge Mann zum pas­sen­den Zeit­punkt zu sein. Das „Han­dels­blatt“ traut ihm
zu, er wer­de „Epo­che machen“ und der eng­li­sche „Guar­di­an“ meint, er ver­sen­ke „rigo­ros alles, was Kapi­ta­lis­ten über die Ethik des Geld­ma­chens den­ken“. Er kann es dem­nach schaf­fen, auf höchs­ter Ebe­ne Bewe­gung in die
ver­mut­lich zen­trals­te Auf­ga­be der Neu­zeit zu brin­gen: die Erfor­schung des Geld­sys­tems und des­sen Fol­gen. Kön­nen wir eine Kata­stro­phe, wie sie sich vor 100 Jah­ren schon ein­mal anbahn­te noch abwenden?
Wenn die Raten des Geld­ver­mö­gens­wachs­tums dau­er­haft über jenen des Wirt­schafts­wachs­tums lie­gen „neigt die Ver­gan­gen­heit dazu, die Zukunft zu ver­schlin­gen“, kon­sta­tiert Piket­ty. Das Schick­sal unse­rer Gesellschaft
ist geprägt von der Domi­nanz ererb­ten Geld­ver­mö­gens. Wer tot ist, den hat die Ver­gäng­lich­keit des Lebens ein­ge­holt. Die Ansprü­che der Geld­ver­mö­gen von Toten wach­sen gene­ra­tio­nen­über­grei­fend wei­ter. Tho­mas Piketty
emp­fiehlt eine welt­weit orga­ni­sier­te Ver­mö­gens­steu­er gegen die Reich­tums­kon­zen­tra­ti­on. Das dürf­te ein hin­rei­chen­des Instru­ment für den erfor­der­li­chen schnel­len Ein­griff dar­stel­len. Löst man damit das ursäch­li­che Problem
auf Dau­er? Wenn Geld­ver­mö­gen (Kapi­tal) sich infol­ge Zins und Zin­ses­zins von selbst ver­meh­ren und wach­sen­de Ansprü­che an zukünf­ti­ge Leis­tun­gen von Men­schen stel­len, dann kann das Abschöp­fen infol­ge leis­tungs­lo­ser Einkommen
ent­stan­de­nen Kapi­tals nur der ers­te Schritt sein. War­um soll­ten wir dabei ste­hen blei­ben und nur ver­su­chen, die Ergeb­nis­se eines unge­rech­ten und feh­ler­haf­ten Sys­tems wie­der zu ver­tei­len, anstatt nicht direkt der­lei Erträge
durch Sys­tem­än­de­run­gen zu ver­hin­dern? Vie­le freie Geis­ter und Ver­fech­ter einer huma­nen Wirt­schaft befas­sen sich mit den Ursa­chen der Ungleich­ver­tei­lung. Sie erar­bei­ten dabei auch Lösungsvorschläge.
Alles deu­tet dar­auf hin, dass die Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten nach­zie­hen können.

Herz­lich grüßt Ihr Andre­as Bangemann

HUMANE WIRTSCHAFT 01/2014 3

Größte Bank Europas gibt nur noch Taschengeld heraus

HSBC, die „Hong­kong & Shang­hai Ban­king Cor­po­ra­ti­on Hol­dings plc), hat ihren Sitz in Lon­don und ist die größ­te Bank Euro­pas. Ihre Bilanz­sum­me belief sich 2012 auf rund 2,7 Bil­lio­nen US-Dol­lar (Euro­päi­sche Bil­lio­nen) und sie beschäf­tig­te 270.000 Mit­ar­bei­ter. Sie gehört laut FSB („Finan­ci­al Sta­bi­li­ty Board“) zu jenen 28 Groß­ban­ken, die als…

Das Dilemma der Wahlkämpfer 1

Das Dilemma der Wahlkämpfer

Ein Kom­men­tar von Her­aus­ge­ber Wil­helm Schmül­ling zum „Fern­seh­du­ell Stein­brück gegen Mer­kel“ vom 1.9.2013 Erin­nern wir uns: Wahl­kämp­fe im All­ge­mei­nen und Fern­seh­du­el­le im Beson­de­ren wer­den zur Mobi­li­sie­rung unschlüs­si­ger Wahl­be­rech­tig­ter und ent­täusch­ter Nicht­wäh­ler ver­an­stal­tet. Haben die­ses Ziel Ange­li­ka Mer­kel und Peer Stein­brück erreicht? Nein! Aus der Schläf­rig­keit des Wahl­kampfs wur­den die Zuschauer…